Polen im 2. Weltkrieg: Vom deutschen Überfall zum Holocaust
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Buchvorschau
Polen im 2. Weltkrieg - Brigitte Jäger-Dabek
Vorwort
Noch immer wirft der Zweite Weltkrieg lange Schatten auf das deutsch-polnische Verhältnis, noch immer verwechseln zu viele Deutsche den Aufstand im Warschauer Getto mit dem Warschauer Aufstand im Sommer 1944 in Sichtweite der Roten Armee am anderen Weichselufer und noch immer wissen zu wenige Deutsche, dass schon dieser Überfall auf Polen ein Vernichtungskrieg war.
Polen wurden von den deutschen Besatzern zum Schauplatz der industriellen Vernichtung der europäischen Juden gemacht, hier wurden die deutschen Vernichtungslager eingerichtet, hier mordeten deutsche Polizeitruppen, SS und Wehrmacht.
Das Ebook „Polen im Zweiten Weltkrieg. Vom deutschen Überfall zum Holocaust" ist ein Blogbook von www.das-polen-magazin.de und stellt die wichtigsten dort erschienenen Artikel als Ebook zusammen, die zum Thema „Polen im Zweiten Weltkrieg" erschienen sind.
Unter den Kapitelthemen finden die Leser die Vorgeschichte des Krieges mit dem Hitler-Stalin-Pakt und später dem Ribbentrop-Molotow-Pakt, diesen Abkommen, die das Verschwinden Polens von der Landkarte mit sich brachten. Der auf polnischer Erde begangene Holocaust mit dem Wüten der Sondereinsatzgruppen und Polizeibataillone, Auschwitz und dem Gettoaufstand in Warschau nimmt breiten Raum ein, ebenso der Warschauer Aufstand. Wichtig zum Verständnis Polens und seiner Sicht auf die Geschichte ist auch die heutige Rezeption des Zweiten Weltkriegs in Form von Büchern und Filmen.
Was dieses Ebook leistet und was nicht, lässt sich am besten so zusammenfassen: Dieses Best-of-Blogbook ist keine systematische und das Thema erschöpfend behandelnde wissenschaftliche Arbeit über den Zweiten Weltkrieg in Polen, sondern die erwähnte Auswahl von Artikeln aus „Das Polen Magazin". Es bietet aber einen guten und kompakten Überblick vor allem zu den Themen, die dem deutschen Leser meist weniger bekannt sind.
Der Weg in den Krieg
Mit der Zerschlagung der Rest-Tschechoslowakei im März 1939 war der Weg frei geworden ür Hitlers Überfall auf Polen, auch wenn Frankreich und Großbritannien sich aufgerafft hatten, Polens Grenzen zu garantieren.
Ohne Krieg hatte Adolf Hitler eine weitgehende Revision des Versailler Vertrags erreicht: Die militärische Besetzung des Rheinlands 1936 war von den Alliierten hingenommen worden, Österreich war dem Deutschen Reich einverleibt worden, das Münchner Abkommen vom 30. September 1938 brachte das Sudetenland „ heim ins Reich", Litauen verzichtete im März 1939 auf das 1920 vom Deutschen Reich abgetrennte und 1923 annektierte Memelland.
Die Kündigung des deutsch-polnischen Nichtangriffspakts von deutscher Seite im April 1939 machte klar, dass nun das Problem des Polnischen Korridors und Danzigs auf der europapolitischen Tagesordnung stand. Denn was Hitler wirklich wollte, war der Krieg gegen Polen um jeden Preis.
Der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 besiegelte Polens Schicksal. Nach dem geheimen Zusatzprotokoll war die Aufteilung Polens längs der Linie Narew, Weichsel und San zwischen Hitler und Stalin beschlossene Sache.
Eine Reihe von tragischen Fehleinschätzungen der späteren Alliierten und Polens ermöglichten den beiden Diktatoren einen risikolosen Krieg. Sowohl die Briten als auch die Franzosen hatten für Polens Unverletzlichkeit garantiert und waren dabei davon ausgegangen, dass Polen eine bedeutende Militärmacht ist, die mit Hilfe der Verbündeten Hitler hätte standhalten können. Mit Stalins Kehrtwendung hingegen hatten sie nicht gerechnet. Die Hoffnung der Polen, bei Frankreich und England durch enge Militärbündnisse Garantien für den Fortbestand des Landes zu erhalten, erfüllten sich später nur auf dem Papier, zu Hilfe eilten die Alliierten dem bedrängten Polen nicht.
Teilung Osteuropas nach dem Molotow-Ribbentrop-Plan
Foto: Peter Hanula, GFDL, CC BY-SA 3.0
Teufelswerk: Der Hitler-Stalin-Pakt
Polens starker Mann Jozef Pilsudski, für den ein starker Staat in diesen Zeiten wichtiger war, als die Demokratie, versuchte bis zu seinem Tod 1935 die polnischen Grenzen durch ein Geflecht von Verträgen abzusichern. 1932 wurde ein Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion geschlossen, 1934 mit Deutschland. Außenminister Jozef Beck bemühte sich fortan, zwischen Deutschland und der Sowjetunion eine Balance zu finden, aber sowohl ihm als auch Pilsudski war klar, dass über kurz oder lang der deutsch-sowjetische Interessengegensatz aufbrechen würde und Polen in seiner Mittellage Gefahr lief, zwischen den Großmächten zerquetscht zuwerden.
Hitlers Forderungen und Anschuldigungen Polen gegenüber nahmen an Maßlosigkeit zu. Nach dem Anschluss Österreichs, der Zerschlagung der Tschechoslowakei unter Bruch des Münchner Abkommens und der Kündigung des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrags im April 1939 durch Hitler standen Danzig und der Korridor nach Ostpreußen auf der Tagesordnung und auf Hitlers Forderungskatalog ganz oben. Dazu wurde klar, dass die britische Appeasementpolitik gescheitert war. In Großbritannien änderte sich die Stimmung. Die Opposition in der konservativen Partei unter Führung Winston Churchills forderte das Ende der Zugeständnisse gegenüber dem Deutschen Reich.
Ein klares Signal sollte die englisch-französische Garantieerklärung für die Unabhängigkeit Polens vom 31. März 1939 sein, in der beide Mächte zusicherten, im Falle eines Angriffes auf Polen Deutschland anzugreifen. Damit sollte eine Expansion Deutschlands in Richtung Osten verhindert werden, die das europäische Machtgefüge gesprengt hätte. Gemäß dieser Vereinbarung hätte spätestens 15 Tage nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen eine französische Offensive an der deutschen Westgrenze erfolgen müssen.
Hitler hoffte, mit dem deutsch-sowjetischen Pakt die Westmächte von einem Eingreifen abzuhalten. Doch Großbritannien schien nun Ernst zu machen und schloss am 25. August mit Polen einen noch weiter gehenden Beistandspakt.
Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei setzte sich zwar die Erkenntnis durch, dass man im östlichen Mitteleuropa ohne die Einbindung der Sowjetunion Hitler nicht würde im Zaum halten können. Nun suchten sowohl Deutschland, als auch die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich nach einer Absicherung. Die Verhandlungen zwischen Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion waren von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Chamberlain traute Stalin nicht weiter als bis zur Tür und hielt die Schlagkraft der Roten Armee für unbedeutend. Frankreichs Rolle war abwartender, hatte man in Paris ja bereits den mit der Sowjetunion 1935 abgeschlossenen Beistandspakt.
Die Sowjetunion wiederum traute dem Westen nicht. Stalin glaubte, dass die Westmächte im Ernstfall auch zu ihren Verpflichtungen stehen würden. Am 15. und 16. April 1939 führten der sowjetische Außenminister Maxim Litwinow und der britische Botschafter in Moskau Gespräche über die Schaffung einer gemeinsamen Front gegen Hitler zwischen Großbritannien, Frankreich und der UdSSR. Die Verhandlungen waren mühsam und mussten immer wieder zu Abstimmungen mit den einzelnen Regierungen unterbrochen werden. Niemand war letztlich bereit, im Notfall der Sowjetunion Souveränitätsrechte abzutreten.
Gleichzeitig sondierten die Sowjetunion und Deutschland die Möglichkeiten einer Übereinkunft.
Am 3. Mai wurde der bisherige Außenminister Litwinow abgelöst. Litwinow entsprach als Jude exakt dem jüdisch-bolschewistischen Klischee der Nazis und wurde als Verhandlungspartner abgelehnt. Die Ernennung des Vorsitzenden des Rats der Volkskommissare und damit Ministerpräsidenten
