Milas Reise - Etappe 7: Sicherer Boden
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Über dieses E-Book
"Sicherer Boden".
Josh erzählt, wie er gelebt hat bevor die Zivilisation unterging. Irina trifft eine Entscheidung. Erneut bricht die Gruppe auf und lässt alles hinter sich.
E-Book-Serie über ein großes Abenteuer, verzweifelte Hoffnung, grenzenlose Zuversicht und aufrichtige Freundschaft. (Illustrierte Ausgaben mit 37 Abbildungen)
Michael E. Vieten
Michael E. Vieten schreibt seit seiner Jugend. Überwiegend Prosa und Lyrik, Romane und Erzählungen, am liebsten Balladen über die kleinen und großen Dramen im Leben von Menschen. Seit 2015 schreibt er die erfolgreiche Krimiserie "Christine Bernard ...". Die junge deutsch-französische Kommissarin ermittelt im Südwesten von Rheinland-Pfalz im Großraum Trier, Luxemburg, Eifel, Mosel und Hunsrück. Darüber hinaus gibt es immer wieder Buchprojekte abseits der Krimis, die ihm am Herzen liegen.
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Rezensionen für Milas Reise - Etappe 7
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Buchvorschau
Milas Reise - Etappe 7 - Michael E. Vieten
Milas Reise - Etappe 7
Danksagung
Abb. Karte
Milas Reise - Etappe 7
Wie alles begann
Der Überfall
Irinas Entscheidung
3000 Kilometer
Abb. Muli
Abb. Karren
Der Fluss
Sicherer Boden
Die Anderen
Abb. Inuk
Epilog
Weitere Bücher von Michael E. Vieten
Abb. Autor
Impressum
Danksagung
Mein besonderer Dank geht an Birgit D. für ihre wertvolle Unterstützung und ihre Zuversicht.
Abb. Karte
Milas Reise - Etappe 7
(aus der Trilogie Handbuch zur Rettung der Welt
)
Anthropozän 2052
Frühsommer
Wie alles begann
Es regnete immer noch. Wasser tropfte, rieselte und sickerte gluckernd überall durch den Beton. Josh patschte durch die Pfützen im Treppenhaus nach unten. Die Wasserlache auf dem Gang vor ihren Räumen erreichte bald die Türschwelle.
Am Feuer saßen Mila und Lavinia in Decken gehüllt, ihre Haare in Handtücher gewickelt. Irina hatte sich einen Zopf gebunden und kniete in Militärstiefeln und mit einem Flecktarnanzug bekleidet bei ihnen und erklärte den beiden ihr Gewehr. Ein leichtes Modell mit vielen Kunststoffteilen. Josh trat an den Rand der Bodenplatte und schaute über die Stadt. Ihm wäre es am liebsten gewesen, eine Sintflut würde alles bedecken. Sie blieben dann einfach in ihrem Turm und warteten ab, bis das abfließende Wasser all die Leichen fortspülen und einen gereinigten Planeten hinterlassen würde. Erst dann sollten sie ihre Arche verlassen und in Frieden leben, an einem freundlichen Ort irgendwo auf der Welt. Er musste sich von dem Anblick der Ruinen nicht losreißen. Eher angewidert wandte er sich ab und setzte sich zu den Mädchen. Irina legte die Waffe beiseite und öffnete zwei Dosen Corned Beef. In den Flammen stand ein Topf mit Wasser. Darin quoll bereits Reis. Joshs Blick fiel auf Irinas Magazingürtel, der ihre schmale Taille umspannte.
„Du siehst aus wie eine Söldnerin aus dem Libanon."
Sie schaute auf.
„Was ist der Libanon?"
„Das war ein Land im Nahen Osten. Eine Region in der, seit ich mich zurückerinnern kann, niemals Frieden herrschte und wohl niemals geherrscht hätte. Die Völker, die dort lebten waren zerstritten und sie trugen ihren Hass und Mord und Blutvergießen in die ganze Welt. Terrorismus nannte man das. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht in den Medien über einen Anschlag irgendwo berichtet wurde."
Josh winkte ab.
„Lasst uns über etwas anderes reden. Die Menschen haben ja jetzt, was sie wollten. Mord und Totschlag jeden Tag. Selbst die jämmerlichen Reste von ihnen schaffen es nicht, friedlich miteinander auszukommen."
Wie zur Bestätigung seiner Worte knallten unten in der Stadt wieder Schüsse.
„Der Reis ist fertig gequollen", verkündete Mila.
Irina rührte das Corned Beef darunter und sie aßen.
Nach dem Essen löste Mila das Handtuch um ihren Kopf und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Sie fielen ihr über die Schultern und reichten ihr beinahe bis an die Hüften. Irina zog eine Haarbürste aus ihrer Beintasche, rückte an Mila heran und begann damit, ihr das blonde Haar zu bürsten. Josh sah den beiden dabei zu und eine Erinnerung schlich sich in sein Bewusstsein. Seine Augen wurden feucht. Lavinia bemerkte es.
„Wie hast du gelebt, bevor alles in Trümmern lag?"
Josh wischte sich den Blick frei.
„Susanne und ich besaßen ein Haus. Der Junge ging zur Schule. Wir frühstückten jeden Morgen zusammen. Oft saß sie nach dem Duschen so wie ihr beiden jetzt am Tisch. Eingehüllt in ihren frottierten, nach Weichspüler duftenden Bademantel mit einem Handtuch um den Kopf gewickelt. Sie hatte wunderschönes Haar. Der Kaffee war frisch aufgebrüht und heiß. Die Eier weich. Die Brötchen knusprig. Die Marmelade und der Honig süß. Jeden Tag. Wenn wir etwas brauchten, gingen wir in den Supermarkt und kauften es einfach. Wenn uns kalt war, drehten wir die Heizung auf und wenn man kaltes oder warmes Wasser benötigte, floss es zu jeder Zeit sauber und in unbegrenzter Menge einfach aus dem Hahn."
Lavinia blickte verdrossen in die Flammen.
„Auf etwas ähnlich Schönes kann ich nicht zurückblicken. Mein Vater verließ unsere Wohnung jeden Tag um irgendwo Essen, Wasser oder Kleidung aufzutreiben. Meine Mutter verteidigte die erbärmliche Wohnung gegen Plünderer und Vergewaltiger. Eines Abends kehrte mein Vater nicht mehr zurück. Nun war ich es, die an seiner Stelle jeden Tag aufbrach. Meine größte Sorge war es, irgendwann keine Medikamente mehr für Mutter beschaffen zu können. Die Lage in der Stadt wurde immer dramatischer. Zum Schluss lebten wir von Fett, dass wir auf verschimmeltes Brot schmierten. Wir tranken Wasser, das nach Pisse roch. Nach einem letzten Hustenanfall war es mit Mutter vorbei. Ich hielt ihre Hand und saß bis zum Morgengrauen an ihrem Bett, unfähig, mich zu bewegen. Der Gestank ihrer verlorenen Fäkalien ließ mich endlich meine wenigen Sachen greifen und die Stadt verlassen. Ich war verzweifelt, aber so wie bis dahin wollte ich nicht mehr leben. Krank werden und irgendwann elendig verrecken wie meine Mutter wollte ich auch nicht. Und bevor mich irgendwer aus dem Hinterhalt heraus erschlägt, wie meinen Vater, würde ich ihm meine Speere in den Wanst rammen."
Niemand sprach mehr ein Wort. Draußen rauschte der Regen, der kalte Wind wehte durch das Gebäude. Das Licht der Flammen zuckte über bleiche Gesichter.
Josh erhob wieder seine brüchige Stimme.
„Susanne liebte riesige, flauschige Badetücher. Sie hingen über einer Handtuchheizung und wurden vorgewärmt. Dass die Menschheit gerade dabei war, sich mit Vollgas an die Wand zu fahren, wussten wir. Wir dachten nur, wir hätten noch etwas mehr Zeit. Ich hatte gehofft, wir würden es nicht mehr erleben. Aber plötzlich ging alles viel schneller, als die Wissenschaft es vorhergesagt hatte. All die schönen Prognosen warf die Wirklichkeit über den Haufen. Die ersten schlechten Nachrichten brachten die Medien noch mit dem Zusatz ‚Jahrhundert‘. Jahrhundert-Hochwasser. Jahrhundert-Hitze. Jahrhundert-Dürre. Jahrhundert-Sturm. Aber bald geschah all dies jedes Jahr. Das Weltklima kollabierte. Regen, Schnee, Trockenheit, Wind. Von allem gab es an dem einen Ort zu wenig und an einem anderen zu viel. Die Meeresspiegel stiegen unaufhörlich. Tropeninseln mussten evakuiert werden. Eine Sturmflut in der Nordsee überschwemmte große Teile der Niederlande. Dann folgte der ökologische Kollaps. Die Landwirtschaft meldete Ernteausfälle. Die Stromversorgung brach immer wieder zusammen. Dann entstanden in den Supermärkten die ersten Lücken. Es gab kein Obst und Gemüse mehr. Brot wurde sehr teuer. Es gab kaum noch Insekten. Daraufhin starben Vögel, Fledermäuse und Fische, denen plötzlich die Nahrung für sich selbst und ihre Brut fehlte. Deren natürliche Feinde starben als nächstes. Und so ging es immer weiter. Die Nahrungskette wurde unterbrochen. Das System des Lebens geriet aus dem Gleichgewicht. Aber die Menschen waren nicht in der Lage, die Zusammenhänge zu begreifen. Für medizinische Produkte fehlte plötzlich der Alkohol. Niemand hatte daran gedacht, dass der aus Obst hergestellt wurde, das es aber nun nicht mehr gab, weil niemand die Blüten bestäubte. Die Gegenmaßnahmen der Politik kamen zu spät, da war der Klimawandel bereits in vollem Gange und nicht mehr aufzuhalten. Zu viel Zeit wurde verstreichen gelassen. Jahrzehnte waren ungenutzt geblieben, in denen man noch etwas hätte tun können."
Mila band ihr Haar zusammen. Irina schaute Lavinia an.
„Ich mache gerne bei dir weiter."
Lavi zog sich das Handtuch vom Kopf. Mit geschlossenen Augen genoss sie Irinas Zuwendung. Leise schabend fuhr die Bürste durch
