Milas Reise - Etappe 4: Milas Rache
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Über dieses E-Book
"Milas Rache".
Lavi führt Mila hinauf in das Hochtal. Eine große Enttäuschung erwartet Mila. Sie treffen auf einen neuen Gefährten. Mila erlebt einen schmerzhaften Abschied.
E-Book-Serie über ein großes Abenteuer, verzweifelte Hoffnung, grenzenlose Zuversicht und aufrichtige Freundschaft. (Illustrierte Ausgaben mit 37 Abbildungen)
Michael E. Vieten
Michael E. Vieten schreibt seit seiner Jugend. Überwiegend Prosa und Lyrik, Romane und Erzählungen, am liebsten Balladen über die kleinen und großen Dramen im Leben von Menschen. Seit 2015 schreibt er die erfolgreiche Krimiserie "Christine Bernard ...". Die junge deutsch-französische Kommissarin ermittelt im Südwesten von Rheinland-Pfalz im Großraum Trier, Luxemburg, Eifel, Mosel und Hunsrück. Darüber hinaus gibt es immer wieder Buchprojekte abseits der Krimis, die ihm am Herzen liegen.
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Buchvorschau
Milas Reise - Etappe 4 - Michael E. Vieten
Milas Reise - Etappe 4
Danksagung
Abb. Karte
Milas Reise - Etappe 4
Das Tal
Das Dorf
Abb. Pfeile
Milas Rache
Ruud
Abb. Gehöft
Abschied
Abb. Tipi
Abb. Whisky
Lavis Entscheidung
Abb. Autobahn
Abb. Waggon
Milas Reise geht weiter
Weitere Bücher von Michael E. Vieten
Abb. Autor
Impressum
Danksagung
Mein besonderer Dank geht an Birgit D. für ihre wertvolle Unterstützung und ihre Zuversicht.
Abb. Karte
Milas Reise - Etappe 4
(aus der Trilogie Handbuch zur Rettung der Welt
)
Anthropozän 2051
Spätsommer
Das Tal
Bereits nach einer Woche bedauerten sie, einen erheblichen Teil des Bärenfleischs zurückgelassen zu haben. Der beschwerliche Marsch durch die Bergwelt kostete Kraft. Entsprechend groß war der Hunger. Auf ein Drittel des Fleischs mussten sie zudem verzichten. Es schimmelte stark.
„Dann wäre uns der Rest auch verdorben, versuchte Lavinia, Mila zu trösten. „Noch mehr hätten wir nicht tragen können.
Sie sammelten Früchte und Wildgemüse. Die Beeren des Weißdorns schmeckten fad, aber sie sättigten. Das erste Obst an den Bäumen begann zu reifen. Mila rupfte die Triebe des Löwenzahns und pflückte Heidelbeeren, wo sie sie entdeckte. Lavinia bevorzugte die Wurzeln der wilden Möhren und aß Gänseblümchen dazu.
Nach zehn Tagen verlor Mila die Geduld. Keuchend beschwerte sie sich.
„Die Entfernung zum Tal ist größer als du es gesagt hast".
Lavi unterbrach ihren steilen Aufstieg und blieb schwer atmend oberhalb von Mila stehen.
„Hör auf zu jammern. DU wolltest unbedingt in dieses verdammte Tal."
„Du hast nichts davon gesagt, dass es so weit ist."
Lavinia stemmte beide Hände in die Hüften und richtete ihren Blick an den Horizont.
„Ich war am Schwarzen Meer, an der Adria, am Mittelmeer und ich habe die Alpen überquert. Das war weit. Zu deinem Tal ist es nicht weit. Vielleicht noch drei Tage."
Am Abend des fünften Tages saßen sie erschöpft am Feuer. Mit einem Stock stocherte Mila in der Glut. Abermals verließ sie die Zuversicht.
„Ich glaube dir nicht mehr, dass du den Weg zum Tal kennst. Du suchst selbst danach. Heute sind wir zwei Mal an der gleichen Stelle vorbei gekommen."
Lavi verdrehte ihre Augen.
„Das stimmt. Ich hatte mich verlaufen. Aber jetzt erinnere ich mich wieder an den Weg."
Mila nörgelte weiter.
„Ich habe keine Lust mehr, dir zu folgen."
„Du nervst. Ich kann nichts dafür, dass dein scheiß Tal am Arsch der Welt liegt."
„Erkläre mir jetzt den Weg."
Lavinia wich aus.
„Ich bin müde."
Mila ließ nicht locker.
„Du kennst ihn also nicht."
„Ja und nein. Ich kenne ihn, wenn ich ihn vor mir sehe. Ich bin ihn nur einmal gegangen und damals wusste ich ja nicht, dass dein verwüstetes Tal mal so wichtig werden würde."
„Ich glaube dir nicht."
„Dann leck mich. Ich will schlafen, bin todmüde."
Lavinia erhob sich.
Mila griff nach ihrem Arm und zog sie wieder herunter.
„Ich will jetzt endlich wissen, wann wir da sind."
„Lass mich los."
„Sonst was?"
Lavi entriss ihren Unterarm Milas Umklammerung und sprang auf.
Mila war kurz nach ihr auf den Beinen und schubste sie.
„Ich bin es leid."
„Leid was?"
„Mit dir."
Lavinia trat gegen Milas Rucksack.
„Dann hau doch ab. Nimm deinen Kram und verschwinde."
Mila schubste Lavi von ihrem Gepäck fort. Die stieß Mila daraufhin so heftig von sich, dass die strauchelte und hinfiel. Wutendbrand sprang sie wieder auf und stürzte sich auf Lavinia.
Gegenseitig versuchten sie, die Andere von den Beinen zu holen und unter sich zu bekommen. Mila schaffte es, ihren Unterarm um Lavinias Hals zu legen, und ließ sich zurückfallen. Dann drückte sie zu. Lavi lag mit dem Rücken auf ihr und rang nach Luft. Um sich zu befreien, rammte sie Mila einen Ellenbogen in den Bauch. Die schrie vor Schmerz auf und lockerte ihre Umklammerung. Lavinia drehte sich heraus und kniete sich auf Milas Brustkorb. Mit dem Schwung eines Beines holte die aus, traf Lavinia am Kopf und warf sie wieder herunter.
Mila setzte ihr nach und schlug ihr ins Gesicht. Lavi griff in den Dreck der Erde und warf ihn ihrer Gegnerin in die Augen. Dann umklammerten sie sich gegenseitig und wälzten sich am Boden. Beide versuchten, der Anderen die Luft abzudrücken oder sie zu treten und zu schlagen. Keiner wollte nachgeben und aufgeben schon gar nicht. Es folgte ein heftiges Ringen und Boxen und Trampeln. Sie rissen sich wechselseitig an den Haaren, schrien auf in Schmerzen und prügelten unerbittlich aufeinander ein.
Mila blutete aus der Nase. Lavinias Lippen waren aufgeplatzt. Diesmal war sie es, die ihre Gegnerin in den Schwitzkasten nahm und zudrückte. Mila rang nach Atem und trat um sich. Dann traf sie Lavis Knie. Die ließ los und brüllte. Dann ging alles wieder von vorne los.
Plötzlich lagen sie gefährlich nahe am Feuer. Mila versenkte sich die Haare. Beide hatten die Hände um den Hals der Anderen gelegt und drückten zu. Jeder röchelte und schnaufte und schnappte nach einem rettenden Atemzug. So verharrten sie in der Hoffnung, als Gewinner aus dem Kampf hervorzugehen. Doch die zwei wussten längst, dass es keinen Sieger geben würde.
„Ich kann nicht mehr", keuchte Lavinia.
Mila röchelte.
„Ich auch nicht."
„Wieso lassen wir den Scheiß dann nicht einfach?"
„Gute Idee."
Gleichzeitig ließen sie los und blieben völlig erschöpft aufeinander liegen. Lavinia begann gequält zu lachen.
„Meine Lippen brennen wie verrückt und mein Knie tut weh."
„Ich habe Schmerzen im Bauch und im Brustkorb und ich bekomme keine Luft mehr durch die Nase. Sie ist ganz geschwollen."
„Zeig her."
Lavinia tastete beinahe zärtlich Milas Nase ab.
„Ich werde sie kühlen, mit Wasser und einem Lappen."
Mila zerrte an ihrem T-Shirt und tupfte mit einem Zipfel Blut von Lavinias Unterlippe.
„Sie ist gerissen. Du darfst den Mund vorerst nicht so weit aufmachen."
Sie halfen sich gegenseitig auf die Beine. Im Schein des Feuers kontrollierten sie ihre Verletzungen und gaben sich Ratschläge zur Linderung ihrer Schmerzen.
Sie setzten sich wieder, tranken Wasser und kauten lustlos auf einigen Stängeln Grünzeug herum. Mila teilte eine Handvoll Brombeeren mit Lavinia.
Sie rückten dicht aneinander und starrten in die Glut.
„Lavi?"
„Hmm."
„Lass uns das nie wieder tun. Wenn wir überleben wollen, müssen wir unversehrt und gesund bleiben. Wir müssen zusammenhalten."
„Ich weiß. Aber ich lasse mir nun mal nichts gefallen."
„Ich war so schrecklich erschöpft und enttäuscht darüber, dass ich seit Monaten durch die Berge irre und mein Tal immer noch nicht gesehen habe."
„Auch das weiß ich. Und es tut mir leid, dass es weiter bis dorthin ist, als ich angenommen habe."
„Ist schon okay."
„Was wirst du tun, nachdem du es gesehen hast?"
„Ich weiß es nicht."
Lavinia legte ihren Kopf an Milas Schulter und blickte stumm in die züngelnden Flammen. Bald darauf war sie eingeschlafen.
Mila blieb bis weit nach Mitternacht am Feuer sitzen und lotste Lavi im Halbschlaf in das Zelt, bevor sie sich neben ihr ebenfalls zur Ruhe begab.
Am folgenden Morgen bauten sie das Lager ab und brachen auf.
Ihr Marsch dauerte noch einmal zwei Tage.
Der Zugang zum Hochtal war nur noch über einen steilen Anstieg möglich. Die ursprüngliche einspurige Straße war vor langer Zeit bereits abgestürzt.
Ein schmaler Pfad schlängelte sich vor den beiden durch die Felsen hinauf. Es handelte sich um einen Wildwechsel, der offenbar nur von Gämsen begangen wurde.
Abgeschieden lag das Gelände unberührt von Menschen vor ihnen. Kaum zu entdecken, schwer zugänglich, nur mühsam zu erreichen, gut zu verteidigen. Ideal geeignet für einen Neuanfang. Josh wäre stolz auf sie gewesen. Sie behielt recht. Es gab dieses Tal und es war einst wunderbar. Es hätte die Rettung sein können.
Sie standen an dessen Rand, erschöpft von dem beschwerlichen Aufstieg, und ließen die Rucksäcke fallen. Lavinia setzte sich ins Gras und zupfte verlegen an den Halmen.
Mila sah, was sie nicht glauben wollte. Die Enttäuschung trieb ihr die Tränen in die Augen. Sie lösten sich und liefen ihr über die eingefallenen Wangen. Welche Strapazen hatte sie auf sich genommen, um dorthin zu gelangen.
Sie trat einige Schritte vor und ihre Stiefel standen bereits auf Geröll. Die Stämme entwurzelter Bäume und mitgerissene Felsbrocken lagen verstreut umher.
