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In den Drachenbergen: Drachenblut 4
In den Drachenbergen: Drachenblut 4
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eBook243 Seiten3 StundenDrachenblut

In den Drachenbergen: Drachenblut 4

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Über dieses E-Book

Ein Ziel konnte Tamalone erreichen, aber glücklich ist sie nicht. In ihrer neu gefundenen Familie unerwünscht und von Pando verlassen, bleibt ihr nur noch der Waldelf Lufthauch. Doch der hat andere Pläne. Er will in die Drachenberge und sucht dafür jemanden, der mit Drachen reden kann.

Der Hintergrund:

Unerwartet tauchen auf der Welt Halva Gestaltwandler auf. Dem Aussehen nach wilde Tiere, doch mit Vernunft gesegnet und der entsetzlichen Fähigkeit, biologische Grenzen zu durchbrechen und sich mit anderen Arten fortzupflanzen. Bereits ihre bloße Gegenwart bringt in den anderen vernunftbegabten Arten, den Drachen, Elfen und Menschen, die finstersten Seiten zum Vorschein. Die Elfen versuchen deshalb, die Gestaltwandler und ihre Mischlings-Nachkommen einzufangen und wegzusperren, doch der Keim des Zerfalls breitet sich unaufhaltsam aus. Unter den Elfen droht ein Bürgerkrieg, die Menschen dringen in den Siedlungsraum der Elfen ein und die Drachen scheinen unschöne Geheimnisse zu haben. Am Ende beginnt sogar Halva, sich selbst zu zerstören.
In dieser Welt macht sich die Viertelelfe Tamalone auf, ihre Ziehmutter wiederzufinden und die Rätsel ihrer Herkunft zu lösen. Niemand rechnet mit dem, was ihre Suche auslösen wird – sie selbst am wenigsten.
SpracheDeutsch
HerausgeberMachandel Verlag
Erscheinungsdatum29. Aug. 2020
ISBN9783959591836

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    Buchvorschau

    In den Drachenbergen - Wolf Awert

    Einleitung

    Unerwartet tauchen auf der Welt Halva Gestaltwandler auf. Dem Aussehen nach wilde Tiere, doch mit Vernunft gesegnet und der entsetzlichen Fähigkeit, biologische Grenzen zu durchbrechen und sich mit anderen Arten fortzupflanzen. Bereits ihre bloße Gegenwart bringt in den anderen vernunftbegabten Arten, den Drachen, Elfen und Menschen, die finstersten Seiten zum Vorschein. Die Elfen versuchen deshalb, die Gestaltwandler und ihre Mischlings-Nachkommen einzufangen und wegzusperren, doch der Keim des Zerfalls breitet sich unaufhaltsam aus. Unter den Elfen droht ein Bürgerkrieg, die Menschen dringen in den Siedlungsraum der Elfen ein und die Drachen scheinen unschöne Geheimnisse zu haben. Am Ende beginnt sogar Halva, sich selbst zu zerstören.

    In dieser Welt macht sich die Viertelelfe Tamalone auf, ihre Ziehmutter wiederzufinden und die Rätsel ihrer Herkunft zu lösen. Niemand rechnet mit dem, was ihre Suche auslösen wird – sie selbst am wenigsten.

    Personae dramatis

    GODWIN: Altvater aller Drachen

    KRIECHER: Drache mit einem gelähmten Flügel

    TAMALONE: genannt Tama, eine junge Frau gemischten Blutes mit einigen rätselhaften Fähigkeiten

    PANDO: ein Gestaltwandler in Tierform und Freund Tamalones

    DORMAN: Pando in Menschenform

    Waldelfen

    SUMPFWASSER: Erster Berater der Waldelfen und Tamalones Auftragsgeber

    LUFTHAUCH: Waldläufer

    BORK: Truppführerin der Waldelfen

    LIND und MAITRIEB, zwei ihrer Jäger

    IMMERGRÜN: Ein Diener zweier Herren

    ZIMTCHEN: Offizier der Wehrhüter und angeblich Sumpfwassers Tochter

    SONNENKRANZ: Sprecher des Elfenrates

    Stadtelfen

    TREIBGUT: Magier der Komposits und Artefaktentwickler

    KÖNIG NACHTNEBEL: Artefakthändler und Treibguts Partner

    WILLJA: Viertelelfe, arbeitet an Artefakten

    ESPOS: versorgt Lufthauch mit dem Allernötigsten

    STEINDORN: Stadtkommandant

    GEFLECKTER GELBZAHN: sein Sohn und Ratsmitglied

    SCHWIMMENDES SCHWERT: Leiterin der Bürgerwehr und Ratsmitglied

    ZAUBERTÄSCHL: Ratsmitglied, verantwortlich für Handel und das Viertel des Handwerks

    ZWEI-ARTEN-GRAU: Ratsmitglied, verantwortlich für Fragen der Magie

    WIND-ÜBER-DEN-DÄCHERN: neuer Stellvertreter für Schwimmendes Schwert

    SCHMUTZWASSERLINSE: verantwortlich für die Erweiterung der Stadt

    WEGERICH: Truppführer und Kommandant über einen kleinen Bezirk im Handwerkerviertel

    BLEICHKRAUT: ein Waldelf, der in NA-R wohlt

    RÄTSELKRAUT: der eigentlich KELCHGRÜN heißt, ein Verkäufer Nachtnebels

    Menschen in NA-R

    MEIJINA: Frau, reinrassiger Mensch, arbeitet an Artefakten

    UGLAS: Doppelagent

    SCHLANGENAUGE: Führer der Unterwelt

    Familie in NA-R

    ALTWI: Mutter der Familie

    HOGGER: ihr Sohn

    BAERBEN: die ältere Tochter

    NERVEN: die jüngere Tochter

    MUTTER: oder die Unaussprechliche, eine rätselhafte Frau unklarer Rasse

    AUREON: ihr Sohn, ein junger Mann mit goldenen Augen

    ARGENTON: ihr Sohn, ein junger Mann mit silbernen Augen

    POLA-POLON: Merjinas Sohn

    Sonstige Personen in NA-R und Umgebung

    TORSO: Gestaltwandler und Froschmensch von gewaltiger Sprungkraft

    PALUDA: Torsos Tochter

    AUFPASSER: Verwalter der Bergbausiedlung

    SEELE DES AUSGLEICHS: seine Begleiterin

    HORNFINGER: (hist.) vergessener Expeditionsleiter der Waldelfen

    DER WANDERER: ein Wesen aus der Welt der Toten

    ZWEI GEISTER: Wesen der Vergangenheit im Dunklen Viertel

    Personen in Centrell

    BLAUER DREISPORN: Bewohnerin des Hauses Blau

    BLAUER SCHLAFMOHN: Freundin von Blauer Dreisporn

    BARIONSTAB: Familienältester des Hauses Barion

    Was bislang geschah

    Tamalone hat das Angebot bekommen, in der Bürgerwehr zu dienen. Sie hat es angenommen, weil sie hofft, dadurch leichter einen Weg ins Elfenviertel zu finden. Der Auftrag, ein Päckchen auszuliefern, entpuppt sich als Falle, der sie nur knapp mit Aureons Hilfe entkommt. Der flieht mit ihr in das Viertel der Toten. Dort erfährt sie, dass ihre leibliche Mutter noch lebt und vielleicht sogar im Elfenviertel wohnt. Tatsächlich findet sie ihre Mutter und ihre Stiefgeschwister, von denen sie bisher nichts gewusst hat. Sie ist sich nicht sicher, ob sie willkommen ist und hätte jetzt Pandos Hilfe gebraucht, aber der durfte das Viertel der Elfen nicht betreten.

    Tamalone

    Was für eine Nacht! Als Tama am Morgen aufwachte, waren ihre Erinnerungen so undeutlich wie die Bilder in einem Teich, wenn der Wind die Wasseroberfläche kräuselt. Trotzdem hörte sie noch immer Pando heulen und toben und musste nun mit der Gewissheit leben, dass ihr einzig wirklicher Freund sie nicht mehr erreichen konnte. Das tat weh und schmerzte sie umso mehr, als ihr klar wurde, dass sie weder bei ihrer leiblichen Mutter noch bei ihren neu gefundenen Stiefgeschwistern willkommen war. Sie vertrieb den Schmerz mit ihrem Willen und ersetzte ihn durch Trotz. Aureons tröstenden Arm wischte sie weg, aber sein Lächeln ließ ihre Abwehr schwinden. Er tat ihr gut und brachte etwas Freude zurück. War sie jetzt tatsächlich bereits zum zweiten Mal in seinen Armen aufgewacht? Sie drehte sich schnell von ihm weg, als die Wärme der Verlegenheit ihre Wangen rötete.

    „Komm, aufstehen!, rief sie. „Der Tag riecht schon reif.

    „Was du riechst, nennen wir Frühstück. Aureon lachte. „Und was machen wir heute?

    Tama wurde von einem auf den anderen Augenblick ernst, als Aureons Frage die Nacht zurückbrachte. „Nichts, sagte sie kühl. „Ich kehre in das Viertel des Handwerks zurück. Versuch gar nicht erst, mir das auszureden.

    Das Frühstück hatten die beiden für sich, denn Altwi und Tamas Stiefgeschwister waren früher aufgestanden als sie und schon lange mit dem Frühstück fertig.

    „Schau, sie läuft immer noch herum, sagte Tama und zeigte auf die Schildkröte, die mit ihren stampfenden Schritten magische Muster in den Boden trat. „Haben diese Muster überhaupt eine Bedeutung? Gestern war es ein Pentagramm, heute ist es eine Girlande.

    Aureon zuckte mit den Achseln. „Frag Altwi, oder noch besser ist es, du fragst du Neven. Keiner in der Familie kennt die Schildkröte besser als sie."

    Ein tiefes Rumpeln ließ sie aufschrecken. Doch als diesem Geräusch nichts weiter folgte, kehrten Tamas Gedanken wieder zu der Schildkröte zurück. Wie am gestrigen Abend sprach das Tier zu ihr, und wie am gestrigen Abend ergaben die Sätze nur wenig Sinn. Manchmal bin ich bei dir, hörte sie und: Was beschäftigt dich? Ganz ernst wie ein ausgesprochenes Urteil dann der nächste Satz: Du brauchst mehr Kraft. Und beinahe eine Verheißung war: Warte auf mich, ich komme zu dir. Es waren wechselnde Stimmen mit unterschiedlichen Klangfarben. So als ob die Schildkröte nur ein Gefäß für etwas anderes wäre. Tama war sich noch nicht einmal sicher, dass diese Gedanken für sie allein oder überhaupt für sie bestimmt waren.

    Wer bist du, dessen Stimme ich in mir höre? Oder bist du es selbst? Sie richtete ihre Gedanken auf die Schildkröte.

    Bald bin ich wieder bei dir. Habe Geduld.

    Tama hatte keine Geduld. Nicht an einem Morgen wie heute. Nicht nach einer solchen Nacht. Da half auch Aureons Lächeln nicht, der ihr schweigend zusah.

    Die Erde schüttelte sich, kurz nur, doch es reichte, um das Gleichgewicht zu verlieren, Holz ächzte, Balken bogen sich. Glas zersprang. Irgendwo rieselte Mörtelstaub auf die Erde. Dann war wieder alles ruhig. Altwi schrie von irgendwo her: „Raus aus dem Haus!"

    Jetzt standen sie auf der Straße. Die Natur war beängstigend still, wenn man einmal von den erregten Stimmen der Menschen und Komposits absah. „Noch nie so nah gewesen …", verstand Tama.

    „Lasst sie reden. Das beruhigt, sagte Altwi. „Wir warten den nächsten Stoß noch ab. Dann gehen wir wieder hinein.

    „Woher willst du wissen, dass es nur noch einen weiteren Stoß gibt", wollte Tama wissen, die ihren Vorsatz, mit Altwi kein Wort mehr zu sprechen, im Angesicht einer größeren Gefahr schnell wieder vergessen hatte.

    „Es sind immer zwei Stöße", sagte Altwi, was, wie jeder wusste, völliger Unsinn war. Aber nun war nicht die Zeit, über so etwas zu streiten. Dann erbebte die Erde ein zweites Mal. Schwächer, aber dafür länger.

    „So, das war’s. Und jetzt wieder rein. Ich hasse es, wenn man nicht richtig stehen kann, schimpfte Altwi. Dann schickte sie ihre Kinder durch das Haus. „Schaut nach, ob etwas zerstört wurde. Ruhig und gelassen nahm sie alles hin.

    Tama schlug das Herz noch immer hoch oben im Hals. „Was war das?", fragte sie mit einem Zittern in der Stimme.

    „Unsere Welt ist wütend und verzweifelt wegen ihrer eigenen Machtlosigkeit. Irgendwann werden die Beben so stark sein, dass nichts mehr stehen bleibt. Aber noch ist es nicht so weit. Jedenfalls hoffen wir das alle. Sicher dürfte sich allerdings niemand mehr sein. Es ist mehr Hoffnung als Wissen."

    Tama verstand nicht, warum Altwi nicht mehr sagen konnte. Aber wenn ihre Mutter nicht wollte, dass sie verstanden wurde, dann war das eben so. Schließlich ging nichts von dem, was im Elfenviertel passierte, Tama wirklich etwas an. Die Familie hatte sie sprechen wollen, sie hatten sich gesprochen, und das war es. Altwi war ihre leibliche Mutter, und es war gut zu wissen, dass es sie gab und wie sie aussah. Ein leerer Fleck ihrer Erinnerung war nun ausgefüllt, hatte Umrisse und Farbe bekommen. Dass ihre Mutter offensichtlich nichts von ihr wissen wollte, war zwar nicht schön, aber auch nicht zu ändern. So einfach war das. Sie würde so tun, als mache ihr das nichts aus. Ganz kühl würde sie reagieren. Mindestens genauso kühl wie ihre Mutter.

    Dass ihr bei diesen Gedanken eine Träne die Wange hinunterlief, bemerkte Tama nicht und die anderen auch nicht. Die waren mittlerweile zurückgekommen und sammelten jetzt gemeinsam Scherben auf. Baerben hatte einen Besen mitgebracht und fegte den Staub zusammen. Das waren keine Tätigkeiten, bei denen man den Kopf hoch hielt.

    Als Tama ankündigte, dass sie nun gehen wolle, und sich für die Gastfreundschaft bedankte, ging ein Ruck der Überraschung durch die Gruppe. Aureon protestierte halbherzig, bat sie zu bleiben. Ihre Stiefgeschwister redeten auf sie ein, aber für Tama waren das alles leere Worte. Argenton schüttelte mit Bedauern im Blick den Kopf und Paluda starrte mit großen Augen ins Leere.

    „Du bist sicher, dass du nicht noch etwas bleiben will?", fragte Altwi.

    „Ja, ich bin sicher. Ich weiß jetzt, dass du meine leibliche Mutter bist. Um das zu erfahren, bin ich gekommen. Mutterliebe habe ich nicht erwartet, Hass oder Abscheu auch nicht. Und habe keine Sorge, ich werde dir nicht zur Last fallen. Wo ich nicht willkommen bin, werde ich mich auch nicht aufdrängen."

    „Rede nicht über etwas, wovon du nichts verstehst. Schon gar nicht über Liebe oder Hass. Liebe hast du bisher nicht viel kennengelernt. Das ist bedauerlich. Wirklichen Hass aber auch nicht, und dafür solltest du die Götter preisen."

    „Die Frau, die mich aufgezogen hat, hat mich geliebt!"

    „Sie hat dich umsorgt. Das ist etwas völlig anderes als Liebe. Und was du für Gefühle gehalten hast, war Magie. Die Wesen, die dich lieben, übersiehst du, die Wesen, die dich hassen, weil sie dich fürchten, übersiehst du ebenfalls. Also erzähl mir nichts von Liebe und Hass. Und schon gar nichts von Abscheu."

    Altwi schwieg abrupt und presste für einen Moment ihre Lippen so hart zusammen, dass von ihrem Mund außer einem geraden Strich nichts mehr zu erkennen war. „Ich weiß nicht, wer dir gesagt hat, dass ich deine Mutter bin, Tamalone. Von mir hast du das nicht gehört. Aber es stimmt. Ich bin deine Mutter. Ich wusste es von dem Augenblick an, als du aus dem Dunkel in das Licht des Elfenviertels tratest. Was nicht stimmt, ist, dass du nicht willkommen bist. Deshalb sage ich es dir ganz deutlich jetzt und vor allen Anwesenden, damit du es auch wirklich verstehst. Komme so oft, wie du möchtest. Komme immer, wenn du eine Frage hast, wenn du Hilfe brauchst, wenn du nicht weiter weißt oder wenn du einfach das Bedürfnis nach etwas Gesellschaft hast. Du kannst immer kommen. Und auch wenn du es mir nicht glaubst, du bist mir immer willkommen.

    Ich habe nur einen einzigen Vorbehalt, für dessen Gründe ich dir noch nichts sagen kann. Du solltest niemals lange bleiben. Mit dieser Einschränkung wirst du leben müssen, und du wirst dafür auch keine Erklärung von mir bekommen. Auch wirst du ertragen müssen, dass ich dich nicht in den Arm nehme und lieber den Abstand zu dir suche. Irgendwann wirst du die Gründe für dieses Verhalten erfahren. Für fast alles gibt es Gründe. Überall, wohin man sieht, gibt es Ursachen und Auswirkungen. Noch nicht einmal das kurze Schütteln einer verzweifelten Erde geschieht ohne Grund. Und nun geh, wenn du gehen möchtest. Aureon und Argenton werden dich in das Viertel des Handwerks zurückbringen."

    „Ich glaube dir kein Wort, Altwi, und gehen kann ich allein. Ich brauche keine zwei jungen Männer, die mich heimbegleiten."

    „Solange du hier bei mir bist, wirst du tun, was ich sage. Jeder tut hier, was ich sage. Auch du. Es ist also nicht persönlich gegen dich gerichtet. Aureon und Argenton werden dich ins dunkle Viertel und dann durch das dunkle Viertel hindurch begleiten. Sie werden dich erst wieder im Viertel der Gestaltwandler verlassen. Wo das sein wird, kannst du gern selbst entscheiden. Und wenn du doch einmal an uns denken solltest, vergiss Paluda nicht. Sie gehört auch zu unserer Familie, ebenso wie Pola-Polon, dem du noch nicht begegnet bist. Und jetzt weg mit euch dreien."

    Tama schwieg verblüfft. Wer war Pola-Polon? Doch lieber hätte sie sich die Zunge abgebissen, als nach ihm zu fragen. Außerdem war etwas anderes für sie wichtiger. „Kannst du mir noch etwas zu meinem Vater sagen, Altwi?"

    Diese Frage wirkte beinahe wie ein dritter Erdstoß. Altwis Kinder schauten sich an, als hätte Tama eine Sünde begangen, über die in sieben Generationen noch geflüstert werden würde, Aureon und Argenton bekamen den Mund nicht mehr zu. Nur Altwi stand wie immer ruhig und gelassen unter ihnen. Aber der Ruck, der durch ihren Körper gegangen war, war niemandem verborgen geblieben.

    „Er war oder ist immer noch ein Mensch ohne einen Tropfen Fremdblut. Nicht so wie ich. Unsere Beziehung hat einmal schön begonnen und bitter geendet. Er ist ein Mensch, der wenig Gefühle kennt, sie aber trotzdem meisterhaft vorzutäuschen versteht."

    „Und warum habt ihr euch getrennt?"

    „Weil ich nicht vertrug, was er sagte."

    „Und was sagte er?"

    „Das habe ich vergessen."

    Der Tonfall in Altwis Stimme ließ es geraten sein, nicht weiter zu fragen, und Tama gab es auf, noch etwas klären zu wollen. Sie drehte sich um begab sich zur Tür. Aureon und Argenton liefen ihr nach. Noch vor der Haustür veränderten die beiden jungen Männer ihre Erscheinung so weit, dass sie auf den ersten Blick für Elfen durchgingen. Tama gelang es nur, ihre Haut ein wenig zu verdunkeln.

    Argenton ging als Erster auf die Straße, schaute von links nach rechts und von rechts nach links. Dann suchte er den Halbkreis vor sich ab. „Wir haben ganz schön was abbekommen. Er zog Aureon zu sich heran und zeigte auf die verschiedenen Stellen, wo ein paar Trümmer herumlagen. „Du kannst rauskommen, hier ist grad niemand, sagte er zu Tama. „Die Bürgerwehr scheint an anderen Stellen aufzuräumen. Aber du kannst sicher sein, hierher werden sie auch noch kommen."

    Die beiden jungen Männer nahmen Tama in ihre Mitte, jeder von ihnen legte seinen Arm besitzergreifend um ihre Taille. „He, lasst das", beschwerte sie sich.

    „Pssst, sei still. Es sind nur wenige Leute unterwegs, weil es noch so früh ist. Und wenn wir der Bürgerwehr begegnen, wirkt es so, als hätten wir eine vergnügliche Nacht miteinander verbracht. Sei sicher, niemand wird uns ansprechen."

    Tama fand bereits den Gedanken daran vergnüglich und fing an zu kichern. Sie gleich mit zwei jungen Männern … Aber schon Argentons nächste Frage vertrieb alle Heiterkeit. „War es wirklich nötig, Altwi gegenüber so hart und unversöhnlich zu sein?"

    „Sie hat mir weh getan. Dann passiert so etwas manchmal. Könnt ihr mich denn nicht verstehen?"

    „Nein, das können wir nicht, sagte Aureon. „Aber mach dir nichts draus. Wir verstehen hier so manches nicht.

    „Was gibt es denn da nicht zu verstehen? Ich bin Altwis Tochter, und Hogger, Baerben und Neven sind meine Halbgeschwister. Aber niemand scheint erfreut darüber zu sein."

    „Und was war mit der Schildkröte? Du hast mir ihr geredet und dich ganz offensichtlich gut mit ihr verstanden.

    „Was sollte denn mit ihr sein? Was hat die Schildkröte damit zu tun, wer meine Familie ist?"

    „Alles", antworteten die Zwillinge wie aus einem Munde.

    „Das müsst ihr mir erklären."

    Aureon schüttelte den Kopf. „Uns steht es nicht zu, irgendetwas zu erklären. Die Schildkröte ist das Oberhaupt unserer Familie, und nur sie wird sprechen, nicht wir."

    „Was redet ihr da für

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