Über dieses E-Book
Jede Nacht, ungesehen, unbemerkt von den Menschen, wird ein Krieg gefochten. Seit mehr als tausend Jahren treffen sich in den Schatten zwei Mächte, Chaos und Ruhe, Feuer und Eis, die ihre Schlachten schlagen bis zum Ende aller Zeit.
"Es wird ein Neubeginn, lasst uns also den Staub von unseren alten Seelen pusten."
Derek beschließt, nicht noch länger auf den verschollenen Freund zu warten, die Silver müssen handeln. Um noch eine Chance im Kampf gegen den Feind zu haben, müssen sie ihre Isolation aufheben und mit vergessenen Traditionen und dem Erbe der Geschichte einen neuen Weg finden. Werden sich neue Verbündete finden?
Währenddessen rollt Penelope ihre Geschichte auf. Wer sind Hope und Hel, auf die so viel gesetzt worden war? Kann die junge Frau alle ihre Fragen beantworten und was führte die Göttin im Schilde, ist sie wirklich auf ihrer Seite oder spielt sie auch nur ein perfides Spiel?
Valerie Loe
Seit ich als Kind das Schreiben und Lesen gelernt habe, faszinieren mich Geschichten aller Art. Ich wusste mit dem ersten Satz, den ich je selbst las, dass ich das auch wollte. Geschichten und Welten erfinden, Menschen dorthin zu entführen und sie für eine Weile aus der Realität zu locken, um mit meinen Figuren Abenteuer zu erleben. Im letzten Jahr wurden Kurzgeschichten von mir veröffentlicht und gaben mir die Chance, zu lernen und zu wachsen. Und nun bin ich glücklich und stolz, meine Urban-Fantasy-Serie in die Welt zu entlassen und bin gespannt, was die LeserInnen davon halten werden.
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Rezensionen für Im Zeichen des Lotus
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Buchvorschau
Im Zeichen des Lotus - Valerie Loe
Im Zeichen des Lotus
Band 14
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Impressum
Band 14
1
Er wollte die Augen nicht öffnen, wollte nicht sehen, nicht dem entgegenblicken, was da auf ihn lauerte, was um ihn herum schlich, donnernd die Füße auf den Boden schlug, Kreise um ihn zog. Aber nur zu hören war schlimmer. Nur zu hören bedeutete, dass sein Verstand sich auf eine wilde Reise machte und in grausame Fantasien abtauchte, dabei war die Realität bereits brutal genug.
Langsam leckte sich Oz über die aufgesprungenen Lippen. In seinem Mund herrschte Dürre, seine Zunge löste sich nur träge von seinem Gaumen und als ihre Spitze über seinen Mund glitt, richtete sie nichts aus, außer dass einige Risse erneut aufsprangen und die Zunge mit Blut benetzten. Der Silver sog die Unterlippe zwischen seine Zähne, bis der metallisch-salzige Geschmack von Blut und Schweiß seine Mundhöhle einnahm. Wenigstens irgendeine Flüssigkeit. Irgendwo in seinem Kopf brachte es ein Teil von ihm noch fertig, einen Witz über Vampire zu reißen, ansonsten herrschte Stille in seinem Verstand. Er hatte sich herausreden, hatte durch Lügen, Märchen und sein Talent als Geschichtenerzähler einen Ausweg finden wollen, aber Oz befand sich weiterhin in der Zelle, weiterhin in der Gewalt von Markus und einen Ausweg sah er nicht.
Träge öffnete der Solani die Augen. Seine Lider waren von Schlägen so sehr zugeschwollen, dass sie sich kaum öffneten. Dazu kam ein Schnitt unter seinem rechten Auge, der eiterte und das Auge dazu brachte, zu tränen. Nun, es hatte getränt, bis er nicht mehr genug Flüssigkeit in sich hatte, um sich den Luxus von Tränen zu leisten. Oz wusste, es gab an diesem Punkt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder er unterwarf sich Markus oder er wartete auf seinen Tod. Keine dieser Alternativen schmeckte ihm, aber ein Mann musste realistisch sein - vor allem in seinem Alter.
Sobald sich sein Blick klärte, erkannte der türkishaarige Solani, dass Markus höchstpersönlich Kreise um ihn zog. Seine Handlanger hatte er diesmal nicht mitgebracht, was nicht hieß, dass dieses Aufeinandertreffen angenehmer verlaufen würde, als die letzten. Sein ehemaliger Freund und er waren in den Techniken des Verhörs geschult worden - vor allen Dingen in den Techniken, die besonders schmerzhaft waren, nicht nur in diesem Moment, sondern auch nachwirkend.
Oz war zu müde, um den Kopf anständig zu heben. Sein Kinn ließ er einfach weiter auf seinem Brustbein ruhen und betrachtete Markus stattdessen durch verklebte Wimpern und fettige Haarsträhnen hindurch. Nach wie vor saß er auf einem Stuhl, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, so stramm, dass seine Schultern und sein Rücken mittlerweile jegliches Gefühl verloren hatten. Der Silver war sich auch nicht mehr sicher, ob er überhaupt noch Hände besaß. Seine Nerven waren so taub, dass er es wohl nicht gespürt hätte, wenn man sie ihm einfach abschnitt. Dazu kam, dass er durch die Runen weiterhin gebunden wurde, seine Magie war weit weg und in unerreichbare Ferne gerückt. Egal, wie sehr Oz sich mental reckte und streckte, egal, wie sehr er versuchte, gegen diese taube Wand zu hämmern, um doch noch hindurchzustoßen. Er bekam kein Eis zu spüren - nicht einmal einen Eiszapfen, wie Nell es nennen würde. Doch die Wahrheit war auch jene, dass er es nicht mehr versuchte. Denn für Versuche brauchte man Hoffnung und für Hoffnung bedarf es Kraft, die war ihm nun endgültig ausgegangen.
„Na, wach?, feixte Markus, als er das stumpfe Glänzen in den Augen des Solanis sah. Oz blieb stumm. „Keine Sorge, du musst nicht reden. Wir werden spielen, ein lustiges Spiel, wir haben es gemeinsam für uns entdeckt
, schnurrte der große Mann einfach weiter. Er grinste und dazu hatte er allen Grund, denn automatisch spannten sich die Halsmuskeln seines Gefangenen an. Der Silver wollte nicht reagieren, wollte sich keine Blöße geben, aber er wusste genau, was Markus meinte, und spürte, wie sich seine Eingeweide automatisch verkrampften. Bis jetzt hatte er kaum gesprochen und kein einziges Mal geschrien, aber damit könnte es nun vorbei sein.
Langsam kam der Mensch näher. Nun konnte Oz auch erkennen, dass der andere etwas in den Händen hielt. Kleine Zangen an Kabeln. Er schluckte, seine Kehle hüpfte. „Weißt du noch, wir haben es gerne gespielt. Du mochtest, dass der Strom die Leute wach hält, obwohl der Schmerz sie ohnmächtig machen will. Du mochtest, wie die Haut stinkt und alle Muskeln reagieren. Wenn ich mich richtig erinnere, übte der Rauch, der von der Haut aufstieg, eine gewisse Faszination auf dich aus." Mit jedem Wort war er näher getreten, langsam, denn er hatte keine Eile. Für Markus war es ein Spiel und er war sich sicher zu gewinnen, so oder so. Was nicht schwer war, da er eine große Freude allein daraus zog, anderen Schmerzen zu bereiten - bereits dadurch hatte er gewonnen.
Oz presste die Lippen fest aufeinander und spannte sich an. Das würde unschön werden, war noch eine milde Umschreibung für das Kommende. Erneut fragte er sich, wie lange er wohl ausharren musste, bevor sein Körper aufgab und starb, bevor er in Dunkelheit und Nichts überging. Doch da tat sich ein anderes Problem auf. Ein schwerwiegendes. Obwohl er nicht frei kam und seine Chancen schlecht standen, obwohl er auf Rettung nicht hoffen durfte, konnte er mit seinem Leben nicht abschließen. Jedes Mal, wenn er es versuchte, um seinem Tod gelassen entgegenblicken zu können, fielen ihm neue Dinge ein, wegen denen er das nicht konnte. Zum Beispiel musste er noch unbedingt Derek sagen, was er doch für ein bornierter Riesenarsch war, der sich viel zu wichtig nahm! Er hatte Charles nicht im Ansatz klar gemacht, wie dankbar er ihm war, wie glücklich damit, eine zweite Chance bekommen zu haben. Genauso wenig hatte er je Liz für ihre Fürsorge gedankt oder den anderen für ihre Freundschaft und ihr Vertrauen, obwohl sie alle wussten, dass er über seine Vergangenheit log. Und dann hatte er Nell nicht noch einmal gesehen, hatte ihr nicht erzählen können, dass sie kein Monster war, keine Abscheulichkeit und hatte ihr auch nicht helfen können. Er schuldete ihr sein Leben und er sollte ihr diese Schuld nun damit begleichen, dass er elendig in einer dunklen, miefenden Kammer starb? Nein!
Markus beugte sich zu ihm herunter, brachte seine Lippen nah an das Ohr des Silvers. Er ließ das Metall aneinanderklacken, Funken sprühten nahe an dessen Brust. „Wenn du mir nicht dienen willst, dann werde ich dich töten. Aber nicht sofort, ich lasse mir Zeit, ich will es genießen. Und dann berührten die Klammern Oz' Haut und Strom schoss durch seine Muskeln. Seine Haut brannte. In Agonie warf er sich in dem Sessel zurück, riss den Kopf nach hinten, aber es gab kein Entkommen. Heftig schnaufte er durch die Nase, die Nasenflügel blähten sich wie die Nüstern eines aufgebrachten Pferdes. Schweiß trat auf seine Haut, ließ ihn frieren, während Hitze durch seinen Körper jagte. Markus richtete sich auf, hielt die Klammern vor sein Gesicht. „Na, ist das nicht ein Spaß?
, höhnte der Mensch. Tropfen perlten über Oz' Schläfe seinen Hals hinab und sickerten in sein zerrissenes, dreckiges Shirt. „Du siehst blass aus, mein Bruder, stichelte Markus, bevor er die Klammern an die Brust des Angesprochenen hielt, genau auf die Uhr in seinem Tattoo. Wieder wand sich Oz, warf sich nach hinten, bis der Stuhl knarzte und umzukippen drohte, aber der andere war schneller und hielt ihn auf. „Tztztz, Oz, was tust du? Mein eisiger Freund, du weißt doch hoffentlich, dass es einfacher wäre, wenn du mir gibst, was ich will? Ich biete dir einen Platz an meiner Seite an - nach einer Probephase versteht sich.
Markus hielt die Klammern
