Das gelbe Zeichen
Von Daniel Schenkel, Axel Weiß, Patrick Santy und
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Buchvorschau
Das gelbe Zeichen - Daniel Schenkel
1
Zusammen mit Major Thale kauerte Jarek K., Assassine der Königin, in einem Gesträuch, den breitkrempigen Hut tief ins Gesicht gezogen. Er war weit genug von dem einsamen Haus entfernt, die Bewohner des Gebäudes konnten ihn nicht bemerken.
Grillen zirpten. Gelegentlich rief eine Eule und im Unterholz raschelten kleine Tiere. Wolken dämpften den Schein der drei Monde. Durch sein Fernrohr erkannte Jarek eine Gestalt in der Nähe des Hauses, in der Düsternis nicht viel mehr als ein menschenähnlicher Schatten. Die Fensterläden im Erdgeschoss des Gebäudes waren geschlossen und im ersten Stock brannte, soweit der Assassine sehen konnte, kein Licht. Es war unmöglich zu sagen, wie viele Leute sich im Haus aufhielten. Die Gestalt machte ein paar Schritte, wie um sich die Beine zu vertreten, hielt dann an, und schlenderte denselben Weg wieder zurück. Etwas, das Jarek ebenfalls nicht genau erkennen konnte, hing über ihrer Schulter, etwas Längliches. Eine Waffe vielleicht?
»Verdammt kalt«, zischte Thale, der direkt neben Jarek hockte.
Der Assassine gab keine Antwort. Ja, die Kühle und Feuchtigkeit der Nacht krochen auch in seine Knochen und er fragte sich, ob all das die Anstrengung wert war. Aber sie hatten sich die Mühe gemacht, hier herauszukommen, jetzt wollte Jarek auch Gewissheit haben.
Die Wolkendecke brach für einen Moment auf und kaltes, weißes Mondlicht beschien die Gestalt vor dem Haus. Durch das Fernrohr sah Jarek ein narbiges Gesicht mit einem schlecht gepflegten Spitzbart unter einer krummen Nase. Der Assassine schnalzte mit der Zunge. Er kannte den Mann, der vor dem Haus Wache schob, hatte sein Gesicht mehr als einmal auf den Fahndungsbildern des Direktoriums gesehen.
»Rufio«, flüsterte er in Thales Richtung.
»Bist du sicher?«, kam nach kurzem Schweigen die ebenfalls geflüsterte Frage zurück.
»Ganz sicher.«
Der Major kroch noch näher an Jarek heran, um ihm ins Ohr zischen zu können: »Wir müssen Verstärkung holen.«
Gewiss wäre dies das Vernünftigste gewesen. Bran hatte ihnen von dem abgelegenen Haus und seinen Bewohnern erzählt. Der Spitzel war stets bereit, Leute für ein paar Kronen ans Messer zu liefern. Meistens waren seine Informationen nichts wert, Gestammel eines Säufers, der sich den nächsten Schluck erschnorren wollte. Angeblich arbeitete Bran für den geheimnisvollen Rufmacher, was Jarek nicht glauben konnte. Diesmal jedoch schien der Trunkenbold richtig gelegen zu haben.
Der Assassine warf noch einen Blick durch sein Fernrohr. Rufio schien immer noch nichts bemerkt zu haben.
»Die schnappen wir uns«, wisperte Jarek.
»Warten wir lieber auf Verstärkung«, gab Thale flüsternd zurück.
Jarek schüttelte den Kopf. Die nächste Telegrafenstation lag gut eine halbe Stunde entfernt und es würde noch einmal dauern, bis die angeforderten Männer tatsächlich eintrafen. Dafür war Jarek nicht mitten in der Nacht hier herausgekommen. Er wollte handeln. Sein ganzer Körper vibrierte vor Anspannung.
»Das ist verrückt«, raunte Thale.
Jarek schenkte ihm ein Grinsen, doch er wusste nicht, ob sein Freund es im schlechten Licht sehen konnte. »Lassen wir’s drauf ankommen, oder?«
**
Rufio zeigte keine Reaktion, auch als Jarek sich ihm durch das Unterholz näherte, schien er nichts zu hören. Gelegentlich unterbrach er sein Auf- und Abgehen, um die Arme um sich zu schlingen oder sich in die Hände zu hauchen. Sein Atem dampfte in der Nachtkühle.
Die Nadelpistole lag in Jareks Hand, eine Waffe von einer Art, wie niemand sonst sie in Carcosa besaß. Das Erbe des Assassinen und seine Verbindung zu einer Vergangenheit, an die er sich nur noch nebelhaft erinnerte.
Rufio war wohl mit Taubheit geschlagen. Er bemerkte Jarek noch nicht einmal, als dieser in knapp einem Meter Abstand hinter ihm stand. Wieder blies sich der Mann in die Hände und murmelte etwas Unverständliches. Wahrscheinlich verfluchte er den Wachdienst. Dank der zurückgewichenen Wolkendecke besaß das Licht der Monde jetzt bedeutend mehr Kraft. Jarek sah nun, dass Rufio ein Bolzengewehr auf dem Rücken trug.
Der Assassine räusperte sich. Der Mann mit dem Gewehr sollte ihn wenigstens einmal sehen. Jetzt erst wirbelte Rufio herum, einen Ausdruck vollkommener Überraschung in seinem narbigen Gesicht. Er öffnete den Mund, möglicherweise um einen Schrei auszustoßen.
Jarek schoss ihm in den Hals. Das einzige Geräusch der Nadelpistole war ein Zischen. Rufio keuchte, wankte ein paar Schritte zurück, starrte Jarek aus großen Augen an. Dann kippte er ohne einen weiteren Laut zur Seite. Das Gift in der Nadel wirkte schnell.
Im Haus blieb alles ruhig. Niemand schien etwas von den Ereignissen hier draußen bemerkt zu haben. Knacken und Rascheln im Unterholz kündeten Thales Kommen an. Jarek unterdrückte einen Fluch. Der Major war ein zuverlässiger Partner, ein guter Freund und sogar einmal viel mehr als das gewesen, aber Heimlichkeit gehörte nicht zu seinen Begabungen.
Die Tür wurde aufgerissen. Matter Lampenschein fiel in die Dunkelheit. Im Türstock stand ein Mann mit langen Haaren, der eine Flasche in der Hand hielt.
»Hey Rufio«, rief der Kerl. »Magst du auch …«
Ein Schuss krachte. Der Kopf des Langhaarigen explodierte. Jarek riss die Arme hoch, als ihm Knochensplitter, Blut und Hirnbrocken entgegenspritzten. Der Leichnam blieb auf der Schwelle liegen.
Thale stand ein paar Schritte entfernt, seine Bolzenpistole in beiden Händen. Jarek sah angeekelt an seinem besudeltem Mantel herunter.
»Großartig, du Meisterschütze«, sagte er in Thales Richtung.
»Er hätte bewaffnet sein können«, antwortete der Major.
Aus dem Haus waren Schreie zu hören. Etwas polterte als vermutlich Möbel umgestoßen wurden.
Jarek zog mit der linken Hand sein Stilett aus der Scheide an seinem Gürtel und fasste mit der rechten den Griff der Nadelpistole fester.
So viel zur Heimlichkeit.
**
Jarek hatte eigentlich nichts gegen die AKU – die Anarchistische Kämpfende Union – die sich als Widerstandsbewegung gegen die Imperiale Dynastie verstand. Er stammte nicht aus Carcosa und die Politik in der Stadt interessierte ihn wenig. Die Leute um Nofris Yvain waren entweder fehlgeleitet oder dumm und die meisten davon letzteres. Arme Tröpfe allesamt, Ausgestoßene wie Rufio, Deserteure, verarmte Adlige, im Grunde zu bemitleiden. Aber sie trachteten Cassilda Castaigne nach dem Leben und das machte sie zu Jareks Feinden. Cassilda. Schon bei dem Gedanken an die Frau mit den traurigen Augen stach etwas in Jareks Brust. Oh ja, er würde sie beschützen. Alle, die sie bedrohten, aus dem Weg räumen, jeden einzelnen, ohne Gnade, ohne Zögern.
Der Assassine und Thale betraten das Haus, ihre Waffen im Anschlag. Jetzt noch auf Lautlosigkeit zu setzen, war ohnehin sinnlos. Zwei Männer mit Bolzengewehren stürmten ihnen entgegen. Einer von ihnen schoss sofort. Jarek sprang zur Seite. Thale ließ sich zu Boden fallen, feuerte gleichzeitig und traf den Schützen in die Brust. Mit einer klaffenden Wunde unter dem Brustbein taumelte der Mann zurück. Jarek drückte ebenfalls ab. Die Nadel bohrte sich in die Seite des anderen Gegners. Der Körper des Anarchisten verkrampfte sich und er fiel um, noch bevor er einen Schuss abgeben konnte.
Thale sagte etwas, das Jarek nicht verstand. In den Ohren des Assassinen rauschte es. Er konnte froh sein, wenn ihn der Lärm der Schießerei nicht das Trommelfell kostete.
» … leben lassen … einen!« Thale schrie Jarek ins malträtierte Ohr.
Der Assassine nickte nur. Klar, der Major gehörte zum Direktorium und wie jeder Geheimdienst brauchte auch der Dienst Carcosas Leute, aus denen er Informationen pressen konnte. Das Rauschen in Jareks Ohren ließ allmählich nach. Er trat eine nur angelehnte Tür auf, sah in einen Raum mit einem Esstisch in der Mitte und einigen Stühlen, manche davon umgestürzt. Drei Männer standen hier, ebenfalls mit Bolzengewehren bewaffnet. Jarek erschoss zwei von ihnen. Sie starben lautlos. Der dritte feuerte sein Gewehr ab. Der Assassine spürte einen Schlag gegen seine Schulter, der ihn herumriss. Aber es gab keinen Schmerz. Etwas Warmes, Klebriges lief seinen Arm hinunter. Jarek sprang zur Seite in den Gang, schlug dort der Länge nach hin und wälzte sich herum. Weiter entfernt krachten ebenfalls Schüsse. Thale war anscheinend auf noch mehr Gegner getroffen.
Der Mann mit dem Gewehr trat in den Gang. Jarek wurde klar, dass er seine Pistole nicht mehr in der Hand hielt. Er musste sie fallen gelassen haben, als der Bolzen ihn erwischt hatte. Jareks Gegner grinste, zeigte dabei zwei glänzende Goldzähne und richtete den Gewehrlauf auf den Kopf des Assassinen.
Jarek warf das Stilett. Die Klinge grub sich in ein Auge seines Gegners. Der Mann öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen, dann ging er zu Boden.
Der Schmerz kam. Brandete wie eine Feuerwoge durch Jareks Arm. Der Assassine presste die Zähne zusammen, um nicht zu schreien. Er betrachtete die Wunde. Trotz allem hatte er Glück gehabt: Obwohl der Bolzen ein großes Stück Fleisch aus seinem Oberarm gerissen hatte, schien das Geschoss nicht steckengeblieben zu sein. Es war mehr oder weniger ein Streifschuss. Ein richtiger Treffer hätte Jarek vermutlich den Arm abgerissen.
Trotz seiner Schmerzen stieß der Assassine ein kurzes Lachen aus. Mit was für Nieten sich der arme Nofris Yvain doch abgeben musste. Drei bewaffnete Männer und zwei davon waren nicht einmal in der Lage gewesen, einen einzigen Schuss abzugeben und auch der dritte hatte letztlich versagt.
Jarek riss ein paar Streifen Stoff aus seinem Hemd, verband notdürftig die Wunde, um wenigstens die Blutung zu stillen. Sein Ärmel war bereits rotbraun getränkt und ein breiter rostfarbener Fleck besudelte die Stelle, an der der verletzte Arm den Boden berührt hatte.
Der Assassine stand auf. Dabei wurde ihm so schwindlig, dass er sich an der Wand abstützen musste. Eigentlich war er nicht viel besser als Nofris’ Dilettanten. Machte die Dummheit seiner Feinde ihn nachlässig oder wurde er allmählich alt?
Endlich auf den Beinen lief ihm Schweiß in Bächen über das Gesicht und er zitterte. Gewiss hatte er jede Menge Blut verloren.
Jarek hörte keine Schüsse mehr. Entweder hatte Thale die letzten Hausbewohner unschädlich gemacht oder ihm war etwas zugestoßen. Die Nadelpistole lag nahe der Türschwelle. Jarek bückte sich, um die Waffe aufzuheben. Anschließend zog er das Stilett aus dem Auge des toten Anarchisten und machte sich auf die Suche nach Thale. An den Raum mit dem großen Tisch grenzte eine Küche. Auf dem Herd stand ein Topf, dessen Inhalt vor sich hinblubberte. In einer Ecke kauerte eine grauhaarige Frau, die eine Kittelschürze trug. Sie warf Jarek einen furchtsamen Blick zu, dann wandte sie ihr Gesicht wieder ab, als befürchte sie, ihn durch Augenkontakt zu provozieren. Weder der Assassine noch die Köchin sprachen.
Jarek setzte seinen Weg fort. Er musste Thale finden. Sein Herz pochte so laut, dass man es bestimmt im ganzen Haus hören konnte und die Pein in seiner Schulter pulsierte im Rhythmus dazu. Sein Mund war ausgetrocknet, er konnte kaum noch schlucken.
Wo steckte Thale bloß?
»Da bist du ja«, sagte jemand.
Jarek prallte zurück, hob die Nadelpistole. Doch es war der Major, der auf einmal vor ihm stand.
»Dich hat’s aber böse erwischt«, stellte Thale fest und packte den Freund an dessen gesundem Arm, um ihn zu stützen.
»Geht schon«, stieß Jarek hervor, obwohl er für Thales Hilfe dankbar war.
»Hier unten und im ersten Stock ist alles klar«, informierte ihn Thale. »Aber es gibt da ein Problem.«
Jarek leckte sich über die aufgesprungenen Lippen. »Was für ein Problem?«
»Das siehst du dir besser selbst an.«
**
Auf dem unteren Treppenabsatz lagen drei Leichen mit klaffenden, rotschwarzen Wunden in den Körpern. Sicherlich Thales Werk. Der Major führte seinen Freund zu einer schmalen Tür direkt unterhalb der Treppe. Das Holz dieser Tür war dunkel und wies an mehreren Stellen Stockflecken auf. In die Türmitte war, offenbar mit einem Messer oder ähnlich grobem Werkzeug, ein Symbol geritzt worden.
Jarek blinzelte. Etwas an diesem Symbol tat seinen Augen weh. Es schien zu wabern, sich ständig zu verändern. Vermutlich zeigte es einen stilisierten Skorpion mit einem gezackten Stachel, vielleicht aber auch ein Swastika, vielleicht etwas ganz anderes.
»Was soll das sein?«, murmelte der Assassine und rieb sich die Stirn.
Zu den Qualen in seinem Arm gesellten sich hämmernde Kopfschmerzen.
»Ich habe so etwas noch nie gesehen«, antwortete Thale. »Vielleicht irgendein neuer Code der AKU, den wir noch nicht kennen. Aber sag mal, wo kommt denn dieser Gestank her? Riechst du das auch?«
Jarek hatte gedacht, der Gestank, der in seine Nase kroch, entstamme seinen überreizten Sinnen: das Eisenaroma von Blut, vermischt mit Exkrementen.
»Das kommt unter der Tür durch«, sagte Thale. »Außerdem habe ich von drinnen etwas gehört. Kann sein, dass dahinter noch jemand ist.«
Der Gestank ließ in Jarek Übelkeit aufsteigen. Selbst ohne etwas gehört zu haben, war er sich sicher, dass hinter dieser Tür etwas wartete, etwas lauerte …
»Bleiben Sie weg von da«, sagte eine Stimme hinter ihnen.
Die beiden Männer drehten sich um. Vor ihnen stand die Köchin. Die Frau zitterte am ganzen Körper und Jarek fragte sich, warum sie nicht die Gunst der Stunde genutzt hatte, um zu fliehen.
»Was ist da drin?«, wollte Thale wissen.
Die Köchin schüttelte den Kopf. »Ich weiß es nicht und, bei St. Haita, ich will es auch nicht wissen. Aber sie haben Leute da reingebracht, in den Keller. Die sind nicht mehr rausgekommen, verstehen Sie? Und die Schreie habe ich auch gehört.«
»Ich muss es trotzdem wissen.« Thale klang fest entschlossen.
Jarek vermutete, dass der Major nicht als Feigling dastehen wollte, obwohl ihm seine Angst allzu deutlich ins Gesicht geschrieben stand.
»Gehen Sie da nicht rein.« Tränen liefen jetzt über die Wangen der alten Frau. »Was immer da drin ist, es ist böse. Spüren Sie das nicht? Sehen Sie das Zeichen an der Tür?«
»Hast du das Gelbe Zeichen gesehen?«
Jarek fuhr zusammen und drehte sich zu Thale. »Was meinst du damit?«
Thale sah seinen Freund irritiert an. »Was soll ich meinen? Ich habe nichts gesagt.«
»Schon in Ordnung.« Der Assassine seufzte.
Jetzt hörte er schon Stimmen. Es ging ihm wirklich nicht gut. Dann schoss er der Köchin in die Brust. Die alte Frau fiel mit einem dumpfen Laut zu Boden.
»Was machst du da?«, rief Thale. Unglauben gepaart mit Schrecken schwangen in seiner Stimme mit.
Jarek gab keine Antwort. Alles drehte sich um ihn. Das Zeichen auf der Tür schien im Rhythmus der Schmerzen in seiner Schulter zu pochen.
Thale schüttelte den Kopf, verzichtete aber auf einen weiteren Kommentar. Er wandte sich wieder der Tür zu.
»Dann möchte ich jetzt wenigstens wissen, was dahinter ist«, sagte er.
»Ich bin überhaupt nicht mehr neugierig«, murmelte Jarek.
Er fühlte sich schwach und elend, einer Ohnmacht nahe. Sollte sich das Direktorium doch um den Rest hier kümmern, er brauchte Schlaf und Ruhe und er brauchte Cassilda. Wollte sie in die Arme schließen. Seine Königin. Den Duft ihres Haars riechen, sie küssen, sich in ihrem Schoß verlieren.
Thale trat mit voller Wucht gegen die Tür. Beim ersten Tritt ächzte das morsche Holz, nach dem zweiten gab es nach und die Tür flog krachend auf.
Durch den Türrahmen fiel blasser, unsteter Schein wie von Kerzenlicht. Jarek erkannte hinter der Öffnung lediglich vage Umrisse, die sich zu bewegen schienen. Ein Klirren drang an sein Ohr, dann ein Geräusch, das Wimmern oder Gekicher sein konnte. Der Gestank, der aus dem Durchlass drang, ließ den Assassinen würgen: Ein Brodem aus Fäulnis, Vorbote unvorstellbarer Scheußlichkeiten.
Thale hielt seine Bolzenpistole mit beiden Händen fest umklammert, und trat durch die Tür.
»Hast du das Gelbe Zeichen gesehen?«
Wieder flüsterte die Stimme in Jareks Ohr.
Gleich darauf schrie Thale.
2
Jarek vergaß Erschöpfung und Schmerz. Die Nadelpistole in der einen, das Stilett in der anderen Hand, folgte er Thale. Die Ausdünstungen raubten dem Assassinen fast den Atem, er spürte ätzenden Magensaft seine Kehle hinaufsteigen.
Eine schmale Treppe führte nach unten in eine gemauerte Kammer. Kerzen standen auf dem Boden verteilt und spendeten gelblich trübes Licht. Das Klirren
