Gjogsul: Militärischer Nahkampf in der NVA
Von Frank Pelny
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Über dieses E-Book
Frank Pelny, 10 Jahre als Offizier in den Spezialeinheiten der ehemaligen DDR tätig, wirkte aktiv bei der Weiterentwicklung des Militärischen Nahkampfes in der NVA mit. Er war Hauptdarsteller in einem Nahkampf-Lehrfilm, verfaßte Ausbildungsunterlagen für die Streitkräfte und war als Nahkampfinstrukteur und Polizeiausbilder tätig.
Frank Pelny
Geboren 1960 und in der ehemaligen DDR aufgewachsen, hat er dort einen Abschluß als Hochschulingenieurökonom erreicht. Er interessierte sich aber auch schon früh für Kampfsport. Nach dem er in den ersten Jahren vor allem Judo und Selbstverteidigung trainierte war er später als Nahkampfausbilder in der Armee tätig. Schließlich gründete er einen eigenen Karateverein. In all den Jahren war er neben seiner eigenen sportlichen Entwicklung aber auch immer als Ausbilder tätig. Seine dabei gesammelten Erfahrungen fasste er bisher schon in mehreren Fachpublikationen zusammen. Dabei reichen die behandelten Themengebiet von Karate, über Karate-Aerobic, Militärischen Nahkampf bis Kobudo. Heute lebt er wieder in seiner thüringischen Heimat und leitet einen großen Karateverein. Auf vielen Seminaren unterrichtet er europaweit Kampfkunst.
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Rezensionen für Gjogsul
1 Bewertung1 Rezension
- Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5
Nov 12, 2021
One the best book which i read about martial arts. This is a true fight style.
Buchvorschau
Gjogsul - Frank Pelny
Kapitel 1
Geschichte
Wie in allen Armeen auf der Welt üblich, war auch in der Nationalen Volksarmee (NVA) der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) der Militärische Nahkampf Bestandteil der normalen militärischen Ausbildung. Da die NVA auch unter Beteiligung von militärischen Spezialisten der ehemaligen Deutschen Wehrmacht aufgebaut worden war, beinhaltete das Nahkampfprogramm ab 1956 natürlich die Techniken, die schon die Deutsche Wehrmacht in ihrer Sportvorschrift beschreibt und die im wesentlichen den Gewehrkampf, Elemente des Boxens und des JIU-JITSU enthielten. Eine Modernisierung erfolgte nur sehr zögerlich. Ab ca. 1970 fanden erste einfache Karate-Techniken wie Handkantenschläge und Kniestöße Aufnahme in die reguläre Nahkampfausbildung.
Aber besonders für die Ausbildung der Spezialisten wie Aufklärer, Fern- und Spezialaufklärer und Fallschirmjäger, für die der Nahkampf eine Hauptgefechtsart zur Durchführung ihrer besonderen Aufgaben (wie Hinterhalte, Einbringen von „Zungen", Zerstörung von Kommandozentralen und Kernwaffeneinsatzmitteln, Halten von strategisch wichtigen Geländeobjekten usw.) darstellt, war auch dies noch immer unzureichend. So ist es vor allem der Initiative einzelner Offiziere zu verdanken, dass etwa ab dem Jahre 1980 endlich eine vollständige Überarbeitung der verwendeten Techniken und eine deutliche Umorientierung in Richtung Karate-Techniken erfolgte. Besonders hervorzuheben sind dabei OSL Michael Stölzner (Kommando der Landstreitkräfte), OSL Hans-Jörg T. und Mj. Dr. Dietmar K. (OHS Löbau) sowie die Sportoffiziere Hptm. Andreas F. und Hptm. Holger A. (LStR-40).
Im Ergebnis dieser Bemühungen wurde 1982 eine vollkommen überarbeitete Anleitung für die Physische Ausbildung der Fallschirmjäger- und Aufklärungseinheiten herausgegeben.
(Tgb.-Nr.: 340/82, Az.: 572008, Nationale Volksarmee, Kommando der Landstreitkräfte)
Die Grafik auf der folgenden Seite ist eine Reproduktion der Seite → aus dieser Anleitung und vermittelt eine Übersicht der Elemente der Nahkampfausbildung der Fallschirmjäger und Aufklärer ab diesem Zeitpunkt.
Maßgebende Dokumente für die Durchführung der Physischen Ausbildung (PhA) / Militärischen Körperertüchtigung (MKE), insbesondere auch der Nahkampfausbildung, in den Streitkräften waren:
• die Dienstvorschrift DV 010 / 0 / 002 „Physische Ausbildung"
• die Anleitung für die Physische Ausbildung
• das Handbuch für Fallschirmjäger bzw. das Handbuch für Aufklärer
• die Anleitung für den Übungs-, Trainings- und Wettkampfbetrieb in der Militärsportart Militärischer Nahkampf
• die Dokumentation über die Methodische Ausbildung im Gjogsul
• Lehrfilme des Filmstudios der NVA der DDR sowie Lehrfilme der Sowjetischen Streitkräfte
Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle, dass viele Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der Spezialeinheiten bereits vor ihrer Dienstzeit aktive Kampfsportler (Judoka, Boxer oder Ringer) waren und ihre Erfahrungen und ihr Können in die Gestaltung der Nahkampfausbildung mit einbrachten. So gab es neben dem regulären Nahkampfsystem viele individuelle Kampfstile, die zu einer steten Weiterentwicklung des Nahkampfsystems führten.
Zur Verbesserung der angestrebten Leistungsfähigkeit im Nahkampf wurde die dienstliche Ausbildung im Jahre 1986 unterstützt durch die Schaffung der Militärsportart „Militärischer Nahkampf (MNK) für den Freizeitsport im Rahmen der Armeesportgemeinschaft „Vorwärts
(ASV).
Eine Darstellung dieser Sportart in der Öffentlichkeit bzw. das Üben nach dem Ausscheiden aus den Streitkräften war verboten. Darüber mussten alle Übungsteilnehmer jährlich aktenkundig belehrt werden.
Das Emblem der Miltärsport...Das Emblem der Miltärsport „Militärischer Nahkampf" (MNK)
Vorerst gab es vier Graduierungsstufen: Gelb-, Orange-, Grün- und Blaugurt. Eine Erweiterung mit einem Braungurt und einem Schwarzgurt war vorgesehen, wurde aber nicht mehr realisiert.
Jeder Gürtelgrad wurde in fünf Bereichen geprüft:
1. Athletiktest 3 Minuten ohne Pause:
1 min. Anristen an der Sprossenwand (5 Punkte pro Stück),
1 min. Liegestütze auf den Faustknöcheln wobei die Füße auf der dritt untersten Sprosse der Sprossenwand aufliegen (3 Punkte pro Stück),
1 min. Seilspringen (ab 50 je 1 Punkt pro Stück);
2. Demonstrationsfähigkeit Prüfungskomplexe, Fallschule, Würfe;
3. Angriffswirksamkeit Täuschungshandlung / Angriffskombination;
4. Verteidigungsfähigkeit Kampfkreis
5. Kampfverhalten Freikampf mit und ohne Schutzausrüstung.
Der Autor war der Erste, der am 21.10.1988 vor einer Kommission im LStR-40 in LEHNIN die Prüfung zur damals höchsten Graduierung, dem Blaugurt, bestand.
Im Rahmen dieser Militärsportart wurden dann auch jährliche Meisterschaften in den Teilstreitkräften ausgetragen, in den Landstreitkräften schon ab 1986, in den Grenztruppen erst ab 1989.
Vorführung des Gjogsul durch den Autor bei der 1. Meisterschaft der Grenztruppen im Militärischen Nahkampf am 09. Februar 1989 an der Offiziershochschule der Grenztruppen in SUHL
Im Sommer 1988 gelang es dann, nordkoreanische Nahkampfausbilder in die DDR zu holen, die hier ihr GJOGSUL – Nahkampfsystem vorstellten. Infolge dieser Ausbildungen wurde der Militärische Nahkampf weiter präzisiert.
Geschichte des Gjogsul
Die geschichtlichen Wurzeln des Gjogsul (auch: Gjok-Sul) reichen zurück bis in das Jahr 420 u. Z. Damals existierte im alten Korea ein Kampfsystem namens Subak. Subak wurde vom einfachen Volk geübt und beinhaltete die Verteidigung mit allen bäuerlichen Waffen gegen die Krieger der Fürsten, die das Volk unterdrückten und ausraubten.
Subak selbst bedeutet eigentlich soviel wie Melone. Zur Demonstration der erreichten Leistungsfähigkeit war es üblich, als Test Melonen zu zerschlagen. Je nach Größe und Festigkeit musste die Melone möglichst sauber mit einem Hieb der Handkante zerteilt werden. Ausgehend von dieser Tradition wurde die Kampfart Subak genannt.
In einer anderen Variante der Überlieferung spricht man auch davon, dass das Ziel darin bestand, im Zweikampf den Gegner mit steinharten Handkantenschlägen zu Boden zu strecken, wobei dieser Kampf für den Getroffenen oft tödlich endete.
Mit dieser Darstellung wird für den Kenner der ostasiatischen Kampfkünste deutlich, dass die Wurzeln des Gjogsul den Ursprüngen des Taekyon (später: Taekwondo) gleichen. Das Gjogsul als eigenständiges System entwickelte sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit befand sich Korea unter japanischer Kolonialherrschaft. Für den Kampf gegen die Japaner benötigte man ein durch jeden erlernbares Nahkampfsystem, mit welchem man gegen die bis an die Zähne bewaffneten und mit modernen Waffen ausgestatteten Feinde siegreich kämpfen konnte. Das fast unbewaffnete Volk musste sich oft im ungleichen Kampf die Waffen erst vom Feind erbeuten, um sie dann selbst einsetzen zu können. So entstanden viele neue Techniken, vor allem Verteidigungstechniken gegen bewaffnete Gegner, sowie Angriffstechniken mit diesen Waffen.
Offiziell wird das Jahr 1926 als Entstehungszeitpunkt des Gjogsul benannt. Zu dieser Zeit trainierte der Führer der koreanischen Widerstandskämpfer, Kim Il Sung, mit seinen Getreuen diese speziellen Nahkampftechniken, damit sie erfolgreich gegen die Japaner kämpfen konnten.
Wichtig beim Gjogsul ist, dass alle Stellungen, Bewegungen und Kampftechniken ihre Wirksamkeit im praktischen Nahkampf bewiesen haben und ihre Weiterentwicklung ebenfalls durch die Praxis bewirkt wurde.
Weitere wesentliche Impulse erhielt das Gjogsul durch den Koreakrieg von 1950 bis 1953, in dem die Nahkampftechniken ihre Wirksamkeit auch gegen die körperlich überlegenen amerikanischen Soldaten bewiesen haben.
Aufgrund der gespannten politischen und militärischen Situation an der Trennungslinie zwischen Nord- und Südkorea ist die Entwicklung des Gjogsul bis heute nicht stehen geblieben. So gibt es z. B. ein System für den Zweikampf im und unter Wasser, welches überwiegend aus Handtechniken besteht.
„Aus eigener Kraft geschaffene Kunst des Angreifens"
Gjogsul stellt heute ein wesentliches Ausbildungselement in den nordkoreanischen Streitkräften dar. Jeder Armeeangehörige erhält während seines Wehrdienstes eine Gjogsul-Ausbildung. Für Spezialisten sind mindestens 300 bis 400 Stunden Gjogsul in einem Jahr keine Seltenheit. Gjogsul darf nur innerhalb der Streitkräfte geübt werden und fällt unter den Geheimnisschutz.
Durch die enge Zusammenarbeit der osteuropäischen kommunistischen Staaten mit der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR) wurde es etwa ab dem Jahr 1980 möglich, die Nordkoreaner dazu zu bewegen, ihr Militärisches Nahkampfsystem in einigen Armeen Osteuropas zu lehren. Gesicherte Kenntnisse liegen hier über eine Spezialeinheit in der Republik Polen vor und über die Fallschirmjäger- und Spezialeinheiten der Streitkräfte der ehemaligen DDR. Speziell auch aus ideologischer Sicht war es besser, das Gjogsul der Waffenbrüder zu erlernen, als das „westlich" angehauchte Karate zu propagieren.
Besonders bei den Spezialeinheiten der ehemaligen DDR war man bemüht, ein möglichst einfaches, aber trotzdem sehr effektives Nahkampfsystem zu schaffen. Durch die enge persönliche Freundschaft zwischen dem ehemaligen Chef der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA) der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR), Generaloberst Horst Stechbarth, und dem ehemaligen Staatspräsidenten der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR), Kim Il Sung (15.04.1912 – 08.07.1994), gelang es 1988, ein Ausbilderteam aus Nordkorea zur Durchführung von Lehrgängen in die DDR zu holen.
Insgesamt fanden zwischen dem 06. Juni und 05. August 1988 drei jeweils dreiwöchige Lehrgänge im Luftsturmregiment-40 in LEHNIN bei POTSDAM statt. Die teilnehmenden Berufssoldaten aus verschiedenen Spezialeinheiten der DDR wie Fallschirmjäger, Fernaufklärer, Truppenaufklärer, Kampfschwimmer, Grenzaufklärer und Militärabwehr waren speziell ausgewählt und namentlich im Befehl 38/88 des Ministers für Nationale Verteidigung der DDR aufgeführt.
Das nordkoreanische Ausbilderteam bestand aus 4 Mitgliedern: zwei Ausbilder, die Fallschirmjägeroffiziere waren und als Gjogsul-Lehrer an der nordkoreanischen Militärakademie Kim Il Sung
lehrten:
* Delegationsleiter Hauptmann Rim Mjong Snob, 6. Grad GJOGSUL
34 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, seit 14 Jahren GJOGSUL-Training,
* Oberleutnant Tschä Ho Il, 5. Grad GJOGSUL
31 Jahre alt, verheiratet, 1 Kind, seit 10 Jahren GJOGSUL-Training.
Anmerkung: Im GJOGSUL gibt es 8 Grade – 4 Schüler (weißer-, schneeweißer-, gelber- und roter Gürtel) und 4 Meistergrade (schwarzer Gürtel).
Außerdem zwei Dolmetscher, Major Bak Jong Kjun und Leutnant So Dzin, der in LEIPZIG Germanistik studiert hatte.
Die Teilnehmer des 1.GJOGSUL...Die Teilnehmer des 1.GJOGSUL-Lehrgangs im Objekt LEHNIN
Die Teilnehmer des 1.GJOGSUL-Lehrgangs bei einem Ausflug in POTSDAM
Die Teilnehmer des...Die drei Lehrgangswochen waren für die Teilnehmer äußerst anstrengend. Täglich, auch sonnabends und sonntags, wurde über den Tag verteilt 6 Ausbildungsstunden trainiert, 1 Stunde Theorie unterrichtet und zwei weitere Stunden für andere Maßnahmen (Lehrfilm, Schießwettkampf usw.) verwendet. Der Autor kann sich noch gut daran erinnern, dass nach der ersten Woche seine Füße nur noch von Pflastern zusammen gehalten wurden.
Vermittelt wurden in diesen Lehrgängen folgende Inhalte:
• Athletik, artistische Elemente, Fallschule,
• Grundtechniken,
• Übungskomplex-1, -2, Komplex Angriffskombinationen ohne und mit Partner,
• 10 Varianten der waffenlosen Abwehr von Angriffen mit einer MPi,
• 10 Varianten der waffenlosen Abwehr von Bedrohungen mit einer Pistole,
• Übungskomplex Messer und Messerwerfen,
• 10 Varianten der waffenlosen Abwehr von Angriffen mit Messern,
• vorgegebene Varianten der Verteidigung gegen 3-5 Angreifer ohne Waffen,
• vorgegebene Variante der Verteidigung gegen 8 Angreifer mit Waffen,
• Bruchtestübungen und Schlaghärtetraining,
• Gjogsul-Wettkampfsystem.
Ungewohnt war für die Teilnehmer auch, dass das übliche tägliche militärische Begrüßungszeremoniell für die koreanischen Ausbilder in koreanischer Sprache kommandiert werden musste, was die Lehrgangsteilnehmer wohl bis zum letzten Tag nicht so richtig artikulieren konnten.
* „Richt Euch! - „Narani!
* „Augen gerade aus! (Stillgestanden) - „Tsariot!
* „Die Augen links! - „Kaundero bat!
* „Genosse Ausbilder! - „Gjo gwan dong zi!
Wir sind bereit für die Gjogsul Ausbildung! Gjogsul fuhljon zun bi twe jot sumnida!
Jeder Lehrgangszyklus schloss mit Prüfungen und einer Demonstration vor ranghohen Militärs ab.
Zur Abschlussdemonstration des ersten Lehrgangs war der Militärattaché der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik in der ehemaligen DDR zugegen. Er zeichnete den Autor zum Ende als Lehrgangsbesten mit einem Wimpel und dem Bestenabzeichen der Nordkoreanischen Volksarmee aus.
Außerdem erhielt jeder Teilnehmer ein Abschlusszeugnis überreicht.
In Auswertung dieser Lehrgänge wurde von Hauptmann Frank Pelny die „Dokumentation über die Methodische Ausbildung im Gjogsul" erarbeitet, in der das vollständige Lehrgangsprogramm textlich und bildlich dargestellt war. Diese Dokumentation (Az.: 57 20 08, Tgb.-Nr.: W/50 /89, Nationale Volksarmee, Kommando der Landstreitkräfte, 1989) wurde daraufhin durch den Stellvertreter des Ministers und Chef der Landstreitkräfte zur Präzisierung aller Festlegungen für die Nahkampfausbildung in der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen der DDR als verbindlich herausgegeben.
So wurde in der NVA infolge der Gjogsul-Lehrgänge das bestehende Nahkampfsystem mit Teilen des Gjogsul-Systems verknüpft. Dieses spezielle Militärische Nahkampfsystem der Streitkräfte der ehemaligen DDR wird in diesem Buch dargestellt.
Auch KARATE, dass zuvor, zumindest offiziell, in der DDR nicht betrieben wurde, wurde im Juni 1989 endlich für den organisierten Sportbetrieb unter Verantwortung des Judoverbandes der DDR erlaubt. Hintergrund dieser Entscheidung war vermutlich eine bevorstehende Anerkennung des KARATE als olympische Sportart.
Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten fand die Weiterentwicklung dieses effektiven Militärischen Nakampfsystems in Deutschland ein abruptes Ende. Die NVA und die Grenztruppen der ehemaligen DDR wurden aufgelöst und in der Bundeswehr setzte man mehr auf Technisierung als auf menschliche Leistungsfähigkeit.
Im Jahre 1995 wurde deshalb durch Frank Pelny die SaCO - Self-Defense and Close Combat Organization gegründet. Das Ziel der Organisation ist die Verbreitung der vom Autor auf Basis des effektiven Militärischen Nahkampfes entwickelten systematisierten Selbstverteidigung für Jedermann, welche auch den Grundsätzen der Rechtstaatlichkeit in Bezug auf Selbstverteidigung Rechnung trägt. Außerdem soll das im vorliegenden Buch beschriebene hoch entwickelte Nahkampfsystem bewahrt werden.
Interessenten an praktischer Selbstverteidigung und effektivem Nahkampf können sich unter folgender Adresse informieren. Dort erhält man auch die in diesem Buch als Fotografiken dargestellten Prüfungs- und Übungskomlexe sowie Waffen-Drills als Lehrtafeln im A 3 Format haltbar laminiert, gegen ein geringes Entgelt + Versandkosten.
SaCO-Office / Geschäftsstelle
Postfach 10 04 02,
D-99724 Nordhausen
GERMANY
E-Mail: info@saco-defense.de
http://www.saco-defense.de
Waffen und Übungswaffen...Waffen und Übungswaffen des Militärischen Nahkampfes
Die Nahkampfweste Modell...Die Nahkampfweste Modell 1985 (NKW-85)
Kapitel 2
Verwundbare Körperstellen
Zweikampfsysteme, in denen mit Händen und Füßen Schläge und Tritte ausgeführt werden, zielen mit ihren Techniken auf Körperstellen des Menschen, die aufgrund des anatomischen Aufbaus des menschlichen Körpers Besonderheiten aufweisen. Diese Besonderheiten bestehen darin, dass an diesen Körperstellen:
• Nervenbahnen bzw. Nervenpunkte dicht unter der Haut verlaufen,
• Lymphknoten gut erreichbar sind,
• innere Organe relativ ungeschützt unter der Haut liegen,
• die Schlagader gut erreichbar ist oder
• sich besonders hebel- oder bruchempfindliche Knochen oder Gelenke befinden.
Diese Körperstellen sind empfindlicher als andere Körperpunkte gegenüber Druck- und Schlageinwirkung durch äußere Kräfte. Es werden dadurch
• Funktionsstörungen der für die Lebenserhaltung wichtigen Organe (z. B. Gehirn, Herz, Atmung) hervorgerufen, die Schockwirkung, lähmende Wirkung oder auch tödliche Wirkung haben können;
• Nervenschock oder
• großes Schmerzempfinden (Druck auf Lymphknoten, Gelenkhebel)
hervorgerufen.
Diese verwundbaren Körperstellen nennt man auch Atemi-Punkte. Atemi ist ein Begriff aus der japanischen Sprache und bedeutet etwa „Schlag auf den Körper" (Ate = Ziel, Schlag, Mi = Körper, Ateru = treffen, verwunden).
Allerdings darf nicht übersehen werden, dass der menschliche Körper über enorme Möglichkeiten verfügt. In Angst- und Stresssituationen (auch alkoholisiert) ist die Schmerzempfindlichkeit wesentlich geringer als unter normalen Bedingungen. Verantwortlich dafür ist die Adrenalin-Ausschüttung des Körpers. So kann der Körper selbst den Ausfall vitaler Organe / Funktionen für kurze Zeit kompensieren. Deshalb gilt es, die Atemi-Techniken:
• auf dem kürzesten Weg
• mit äußerster Kraft
• mit größter Schnelligkeit
• mit kleiner Trefferfläche
• mit sehr kurzer Kontaktzeit und
• ausreichender Eindringtiefe
auszuführen.
Beachte!
• Um körperliche Schäden im Training zu vermeiden, sollten Angriffe auf Atemi- Punkte absolut kontrolliert ausgeführt und vor dem Auftreffen abgestoppt werden!
• Training, bei dem die entsprechenden Nervendruckpunkte tatsächlich stimuliert werden, sollte nicht häufiger als einmal pro Woche für die Dauer von nicht mehr als 15 Minuten erfolgen!
Im Unterschied zu anderen Kampfsystemen verwendet man im Gjogsul nur eine eingeschränkte Anzahl von Atemi-Punkten. Der Grund dafür ist leicht zu verstehen. Da Gjogsul ein Nahkampfsystem ist, muss der Gegner auch dann wirksam bekämpft werden können, wenn er Bekleidung und Ausrüstung trägt, wodurch sich natürlich die Anzahl der erreichbaren Atemi-Punkte schon erheblich verringert. Außerdem muss die Bekämpfung des Gegners äußerst schnell und effektiv erfolgen, daher werden im Gjogsul nur solche Körperstellen angegriffen, durch die der Gegner kampfunfähig bzw. in seiner Kampffähigkeit stark eingeschränkt wird.
Aufgrund der erzielbaren Wirkung lassen sich diese Punkte in zwei Gruppen einteilen:
• Nervendruckpunkte – Körperpunkte, bei denen durch Druck auf diese Schmerz erzeugt wird, wodurch eine Kontrolle des Gegners, zumindest kurzzeitig, möglich werden kann.
• Schlagpunkte – Körperstellen, bei denen durch Einwirkung massiver äußerer Kräfte Tod, Bewusstlosigkeit oder zumindest schwere Schädigungen beim Gegner hervorgerufen werden können.
2.1. Kopf und Hals
Bei jeder Schlageinwirkung am Kopf, egal an welchem Punkt, kommt es zur Erschütterung des Gehirns, wodurch es zum Verlust des Gleichgewichtes und des Bewusstseins kommen kann und somit zum Sturz. Durch Schockeinwirkung auf die Schädelnerven kann es zur Lähmung der Gehirnfunktionen kommen.
Bei Schlageinwirkung auf die Halsseiten wird die Blutzufuhr ins Gehirn gestört. Aufgrund des dadurch hervorgerufenen Sauerstoffmangels im Gehirn kann dies zu Bewusstlosigkeit und damit zum Sturz führen. Es können Funktionsstörungen von Herz und Atmung auftreten.
- Schädeldach, Fontanelle
Lokalisation: Zentrum des Schädeldachs
Wirkung: Prellung bis Fraktur des Schädelknochens, Prellung des Gehirns, Wirkung auf die Schädelnerven, Bewusstlosigkeit bis Tod möglich,
Technik: Schlag mit der Faustkante oder der Ferse;
- Schläfe
Lokalisation: Vertiefung der Schläfe am Ende der Augenbrauen, Naht zwischen Stirnbein und Jochbein,
Wirkung: Wirkung auf die Schädelnerven und Schläfenarterie - Bewusstlosigkeit bis Tod möglich,
Technik: Stoss mit kleiner Auftrefffläche (Faust- / Fingerknöchel) von der Seite;
- Augen (= Nervendruckpunkt)
Lokalisation: Augapfel in der Augenhöhle,
Wirkung: Gewalteinwirkung auf das Gehirn führt zu einer Unterbrechung der Schädelnerven, Beschädigung der Augen, reflektorische Verlangsamung der Herzfrequenz - Schmerz bis Bewusstlosigkeit,
Technik: mit Daumen oder Finger in die Augen bzw. auf das Augenlid drücken;
- Nase (= Hauptangriffspunkt Kopf in der Selbstverteidigung)
Lokalisation: Nase im Bereich der Nasenspitze und des Nasenbeins, Wirkung: Tränen treten in die Augen, Nasenbluten, Nasenbeinbruch - Schmerz,
Technik: Stoß mit dem Handballen von vorn gerade auf die Nasenspitze;
- Naseneingangsebene
Lokalisation: Bereich zwischen Oberlippe und Naseneingang in der Mitte unter der Nase, Zusammentreffen des rechten und linken Oberkieferknochen,
Wirkung: Gewalteinwirkung auf die Schädelnerven und Verlust der sensorischen und motorischen Funktionen – Bewusstlosigkeit, Verlust der oberen Schneidezähne,
Technik: Schlag mit der Faust, Handkante oder Ellbogen;
- Unterkieferseite (= Nervendruckpunkt)
Lokalisation: an der Unterkante des Unterkiefers etwa in der Mitte zwischen Kinnspitze und Kiefernwinkel,
Wirkung: Erschütterung des Gehirns, Verlust der Nervenkoordination, Kieferbruch möglich - Schmerz bis Bewusstlosigkeit,
Technik: * Schlag - mit der Faust, Handkante, Ellbogen oder dem Fuß,
* Nervendruck - mit einer Daumen- oder Fingerspitze bzw. einem Fingerknöchel auf die Innenseite des Unterkieferknochens rollen und nach innen drücken;
- Kinnspitze
Lokalisation: untere Kante des Unterkiefers,
Wirkung: Erschütterung des Gehirns, Verlust der Nervenkoordination, Kieferbruch möglich - Bewusstlosigkeit,
Technik: Schlag mit der Faust, dem Ellenbogen oder dem Fuß;
- Ohren
Lokalisation: Ohren mit Ohrmuschel, äußeren Gehörgang und Trommelfell,
Wirkung: Prellung des Gehirns, Schmerz, Wirkung auf die im Ohr befindlichen Gleichgewichtsorgane und dadurch Sturz, Trommelfellriß möglich, Bewusstlosigkeit möglich,
Technik: Schlag mit Faust, Handballen, Ellbogen oder Fuß oder mit flacher Hand von der Seite auf ein oder beide Ohren;
Anmerkung: Auch das Reißen, Ziehen oder Drehen der Ohrmuscheln ist schmerzhaft.
- Grube unter dem Ohr (= Nervendruckpunkt)
Lokalisation: in der Vertiefung unterhalb des Ohrläppchens hinter dem Unterkiefer,
Wirkung: Druck auf Lymphknoten, Kopfschlagader und Nerven - Schmerz bis Bewusstlosigkeit,
Technik: mit Daumen oder Finger schräg von unten zur Kopfmitte drücken;
- Halsschlagader
Lokalisation: Halsseite, in Höhe des Adamsapfels direkt unterhalb des Ohres,
Wirkung: Durchblutungsstörungen im Gehirn, reflektorische Verlangsamung der Herzfrequenz, Wirkung auf Nerven - Bewusstlosigkeit bis Tod,
Technik: mit der Handkante gerade waagerecht von der Seite schlagen;
- Kehlkopf
Lokalisation: Knorpel auf der Frontseite des Halses zwischen Brustbeinknochen und Kinnspitze,
Wirkung: Einschränkung der Atemfunktion bis zur Zertrümmerung des Kehlkopfes (dadurch Verstopfung der Luftröhre und Erstickungstod) - Atemnot bis Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel, Tod bei Zerstörung des Kehlkopfes,
Technik: Schlag mit Faust, Handkante, Ellbogen, Knie oder Fuß,
Achtung! Ein starker Angriff auf den Kehlkopf ist fast immer tödlich!
- Kehlkopfgrube (= Nervendruckpunkt)
Lokalisation: Vertiefung an der Frontseite des Halses zwischen Brustbeinknochen und Kehlkopf zwischen den Kopfsehnen,
Wirkung: Blockieren der Luftröhre führt zu Atemnot und Erstickungsangst - Atemnot
