Über dieses E-Book
"Wortwitz und -spiele, mitunter auch herrlich hintergründig bissige Sprüche"
Wiener Kurier
"Verbüffende Geschichten, Anekdoten und heitere Szenen über die Unwirklichkeit des Realen und die Realität des Unwirklischen. Jeder einzelne Text regt zum Nachdenken an. Seite für Seite stehen kindsköpfige Aha-Erlebnisse neben philosophischem Witz."
Focus
"Humorimport nicht aus deutschen Landen präsentiert der österreichische Autor Martin Auer in seiner Miniaturensammlung, zur rechten Zeit und sicher nicht ohne politischen Hintersinn.
In 222 Texten erzählt er von dem Duo Vater und Tochter, Herrn Balaban und Selda, die sich als Zugezogene, als Nichteinheimische in vorwiegend alltäglichen Situationen bewegen. Sie kommentieren dabei scheinbar naiv das Gewöhnliche oder antworten mit wortwörtlich nehmendem Sprachwitz; oft handeln sie mit tolpatschig wirkender Begriffsstutzigkeit. Das Gewohnte wird so aus anderer Perspektive gezeigt, und das Normale verdreht sich zum Sonderbaren.
Woher stammen diese Alltagsverrücker? Hierzu gibt Herr Balaban (und der Autor in einem kurzen Nachwort) bereitwillig Auskunft: Herr B. sei Nachfahre des Mullah Nasreddin Hodscha, und dieser stamme aus dem heute türkischen Akschehir. Ebenfalls ein reiselustiger Geselle, dieser Vorfahr, der durch den islamischen Raum wanderte und dort mit seinen Weisheiten Berühmtheit erlangte. Literarische Verwandte sind sicherlich auch die Herren Keuner oder Münchhausen sowie Schelme wie Eulenspiegel oder Schwejk. Deren Schwänke, Gleichnisse, Kalendergeschichten - wie immer man diese Kurzprosa bezeichnen möchte - werden von Martin Auer neu und nacherzählt. Die Palette der hier eingeführten Denkstückchen reicht von der chassidischen Rabbigeschichte bis zum simplen Kalauer, Mischformen selbstverständlich inklusive."
Caroline Roeder, Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Die Balabans könnten mit Karl Valentin genauso verwandt sein wie mit dem Schwejk, und wer Skurriles mag, kann sich ihrer nicht erwehren."
Nürnberger Nachrichten
"Aus den Geschichten spricht eine große Wertschätzung alles Menschlichen und eine ungebrochene Toleranz angesichts der damit einhergehenden Schwächen ... Eine anekdotische Hausapotheke in bester Kästner-Manier"
Eselsohr
Martin Auer
Scroll down for English bio Martin Auer wurde 1951 in Wien geboren. Er hat die Universität besucht und dort ein Jahr lang das Studium von Germanistik und Geschichte und dann ein weiteres Jahr das Dolmetsch-Studium geschwänzt. Stattdessen hat er Theater gespielt. War sieben Jahre lang Schauspieler, Dramaturg und Musiker am "Theater im Künstlerhaus". Hat dann eine Band gegründet. Ist als Liedermacher aufgetreten. Hat Gitarreunterricht gegeben. Die Weltrevolution vorbereitet (gratis). Als Texter für Werbung und Public Relations Übertriebenes, Unwahres und Einseitiges verbreitet (für Geld). Für Zeitungen gearbeitet. Sich zum Zauberkünstler ausgebildet. Ist bei Betriebsfesten und Kindergeburtstagen aufgetreten. Hat irgendwann einmal auch ein Kinderbuch geschrieben. Das 1986 veröffentlicht wurde. Seither betrachtet er sich als Schriftsteller und hat aus diesem Grund noch über vierzig weitere Bücher geschrieben, davon ca. zwei Drittel für Kinder. Auch einige Preise eingeheimst, z.B. den Kinderbuchpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen 1990, den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 1994, 1998 und 2000, den Förderpreis des österreichischen Bundesministeriums für Verkehr (das damals auch für Wissenschaft und Kunst zuständig war) 1996 und den Jugendbuchpreis der Stadt Wien 1997 und 2002. Er wurde nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 1997, und für den internationalen Hans-Christian Andersen-Preis 1997. 2005 wurde ihm für Verdienste um die Republik Österreich der Berufstitel Professor verliehen, was er ehrend, aber auch irgendwie lustig findet. Martin Auer ist Vater einer erwachsenen Tochter, Großvater von zwei etwas jüngeren Enkeln und Vater einer kleinen Tochter. Er lebt in Wien und hat keine Katzen. Martin Auer (pronounce as in "happy hour")was born in 1951 in Vienna, Austria. He attended university but never really studied anything there. He was an actor, a musician, a singer-songwriter, a teacher, a journalist, a stage magician, a copy-writer for public relations agencies. His first book was published in 1986, and since then he has been a free lance writer. By now he has published over 40 books, among them childrens books which have won various awards and have been translated into several different languages.
Andere Titel in Herr Balaban und seine Tochter Selda Reihe ( 2 )
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Rezensionen für Herr Balaban und seine Tochter Selda
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Buchvorschau
Herr Balaban und seine Tochter Selda - Martin Auer
Martin Auer
Herr Balaban und seine Tochter Selda
222 Geschichten
Copyright 2002 Martin Auer
Cover illustration by Linda Wolfsgruber
Smashwords Edition
Erstveröffentlicht bei Beltz & Gelberg 2002
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Irgendwo in meiner Stadt oder in deiner lebt Herr Balaban mit seiner Tochter Selda und führt da seinen kleinen Laden. Und wenn er da nicht mehr lebt, dann hat er einmal da gearbeitet, und wenn er da nicht gearbeitet hat, dann hat er da einmal Arbeit gesucht. Denn Herr Balaban ist einer von den vielen, die in unserer Zeit der neuen Völkerwanderung ihre Heimat verlassen haben und in der Fremde ihr Glück suchen. Oder wenigstens einen Lebensunterhalt. Oder wenigstens eine Zuflucht.
Von Herrn Balaban wird behauptet – und er behauptet es auch selbst - dass er ein Nachfahre des berühmten Mullah Nasreddin Hodscha sei, der zur Zeit des Khans Timur Lenk, auch Tamerlan genannt, im heute türkischen Akschehir lebte, auf seinen Wanderungen aber auch bis nach Buchara und Samarkand im heutigen Usbekistan kam. Nasreddin ist überall, wo der Islam seine kulturellen Spuren hinterlassen hat, von Mombasa bis Singapur, so bekannt wie Eulenspiegel in unseren Gegenden. Vielleicht sogar bekannter. Und da Herr Balaban sein Nachfahre ist, darf es niemanden wundern, wenn viele der Geschichten, die hier über Herrn Balaban erzählt werden, ähnlich auch über den berühmten Nasreddin erzählt wurden. Nasreddin-Schwänke werden in Indien über Birbal, den Berater des Großmoguls Akbar erzählt, im Irak über Dschuhâ, in den Niederlanden über Eulenspiegel, und sie tauchen auch noch unter anderen Namen auf. Im jüdischen Kulturkreis werden sie oft einem weisen oder auch einem schrulligen Rabbi unterschoben, und in Wirklichkeit weiß niemand, wo diese Schwänke und Witze tatsächlich entstanden sind. Und es kommt auch darauf gar nicht an. Witze und Anekdoten leben davon, dass sie weitererzählt, abgeändert, umgedeutet und neu erzählt werden. Es gibt Leute, die behaupten, dass es gar nicht mehr möglich sei, einen neuen Witz zu erfinden. Der Autor dieses Buchs hat freilich auch das versucht. Wenn also die Leser und Leserinnen unter diesen Geschichten den einen oder anderen alten Bekannten wiederfinden werden, so mögen sie sich über ein Wiedersehen freuen. Auf jeden Fall werden sie doch auch neue Bekanntschaften schließen. Nämlich die mit Herrn Balaban und seiner Tochter Selda.
1
Herr Balaban ging auf den Bahnhof: „Eine Rückfahrkarte, bitte", sagte er zu dem Mann hinterm Schalter.
„Ja, und wohin?" sagte der.
„Wohin, wohin! ereiferte sich Herr Balaban. „Hierher natürlich! Ich habe doch gesagt, ich will eine Rückfahrkarte!
2
Einmal hielt jemand Herrn Balaban auf der Straße an: „Hören Sie, ich kenne Sie doch, ich hab Sie schon irgendwo mal gesehen!"
„Das ist leicht möglich, sagte Herr Balaban höflich, „ich gehe oft dorthin.
3
Herr Balaban war ein bisschen kurzsichtig. Er ging zum Optiker, um eine Brille zu kaufen. „So, sagte der Optiker, „mit der Brille werden Sie Ihre Mitmenschen auf der Straße wieder sehen können.
Zwei Tage später brachte Herr Balaban die Brille zurück und murmelte traurig: „Da haben Sie sie wieder. Es lohnt nicht."
4
„Sagen Sie, Herr Balaban fragte ihn einer seiner Bekannten, der immer über irgendetwas zu reden anfing, was gar niemanden interessierte, „können Sie eigentlich schwimmen?
„Oh ja" sagte Herr Balaban.
„Interessant, wo haben Sie’s denn gelernt?"
„Im Wasser", sagte Herr Balaban.
5
„Hör mal, sagte einer seiner Freunde im Kaffeehaus zu Herrn Balaban: „du sitzt auf meinem Hut!
„Ja? sagte Herr Balaban. „Willst du schon gehen?
6
Als Herr Balaban gerade in unserer Stadt angekommen war, suchte er ein billiges Restaurant. Der Kellner ließ den Mann mit der abgeschabten Kleidung und dem fremdartigen Akzent lange warten, schmiss ihm dann die Speisekarte auf den Tisch und kam lange nicht, um die Bestellung aufzunehmen. Als Herr Balaban das billigste Essen bestellte, das er finden konnte, schnappte der Kellner wortlos die Speisekarte und verschwand Richtung Küche. Das Essen brachte er erst, als es schon fast kalt war, und als Herr Balaban zahlen wollte, ließ ihn der Kellner wieder warten. Herr Balaban zahlte seine Rechnung und legte als Trinkgeld noch fast soviel drauf, wie das Essen gekostet hatte. Da machte der Kellner große Augen, half Herrn Balaban in den Mantel und machte ihm, als er hinausging, die Türe auf.
Am nächsten Tag kam Herr Balaban wieder. „Grüß Gott, der Herr! sagte der Kellner, rückte Herrn Balaban den Stuhl zurecht, brachte die Speisekarte und wartete, den Block in der Hand, bis Herr Balaban gewählt hatte. Das Essen brachte er schnell und wünschte einen guten Appetit. Als Herr Balaban nach der Rechnung verlangte, brachte er sie sofort und fragte höflich, ob es Herrn Balaban auch geschmeckt hatte. Herr Balaban legte das Geld für sein Essen auf den Tisch und dazu noch eine kleine Münze als Trinkgeld. Der Kellner nahm die Münze, drehte sie dreimal um und sagte: „Na Sie sind ein komischer Kerl. Gestern habe ich Sie ein bisschen ungeduldig behandelt...
Herr Balaban nickte bedächtig: „Ja, ja. Wie den letzten Dreck, um genau zu sein."
„Wie der Herr meinen, sagte der Kellner. „Jedenfalls haben Sie mir gestern ein fürstliches Trinkgeld gegeben. Und heute, wo ich höflich und nett bin, geben Sie mir bloß ein Zehnerl?
„Das ist doch ganz leicht zu verstehen, sagte Herr Balaban. „Gestern hab ich Ihnen das Trinkgeld für heute gegeben. Und das Zehnerl von heute, das ist für gestern!
7
Herrn Balabans Tochter Selda arbeitete eine Zeitlang als Köchin beim Bürgermeister einer kleinen Stadt. Der Bürgermeister ließ es sich immer gut gehen und aß Unmengen von Fleisch, für Selda aber gab es immer nur Kartoffeln und Nudeln. Einmal hatte der Bürgermeister Gäste und Selda sollte Gänsebraten servieren. Weil sie aber Lust hatte, endlich einmal ein Stück Fleisch zu essen, schnitt sie sich einfach eine Keule von der gebratenen Gans herunter. Während sie die Suppe heiß machte, hielt sie die Gänsekeule in der linken Hand und biß davon ab. Dazu aß sie mit dem Löffel Rotkraut aus dem Topf. Dann servierte sie die Suppe. Während der Bürgermeister mit seinen Gästen die Suppe aß, legte Selda die Gans auf eine schöne Servierplatte und legte die Knödel so rundherum, daß man das fehlende Bein nicht bemerkte. Sie trug die Gans ins Zimmer, dort schnitt sie für jeden ein Stück herunter und servierte es mit Knödeln und Rotkraut. Der Bürgermeister merkte wohl, dass es nur eine Keule gab, aber vor den Gästen wollte er nichts sagen. Erst als sie gegangen waren, rief er Selda und fragte sie: „Sag einmal, warum hat diese Gans nur ein Bein gehabt, ha?"
„Ich weiß nicht, was sie meinen, sagte Selda. „Gänse haben nur ein Bein!
„Was?" rief der Bürgermeister und wurde ganz rot im
