20 Minuten Leselust - Band 1: 10 romantische Liebesgeschichten
Von Barbara Gothe (Editor)
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Über dieses E-Book
Das ist LESELUST: Ob im Wartezimmer Ihres Hausarztes, während der Pediküre oder bis der Lieferservice kommt – jeder dieser zehn romantischen Kurzromane beschert Ihnen in weniger als 20 Minuten weiche Knie!
In diesem Band begegnen Sie einer Gräfin, die am liebsten ihren neuen Verehrer vergraulen möchte – das aber bereuen könnte, einer junge Frau, die ein Spiel spielt, das sie ihr Glück kosten kann, und einer Jazzsängerin, die hohe Ansprüche an ihre Geliebte hat! Lassen Sie sich verzaubern!
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Rezensionen für 20 Minuten Leselust - Band 1
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Buchvorschau
20 Minuten Leselust - Band 1 - Barbara Gothe
Über dieses Buch:
Das ist LESELUST: Ob im Wartezimmer Ihres Hausarztes, während der Pediküre oder bis der Lieferservice kommt – jeder dieser zehn romantischen Kurzromane beschert Ihnen in weniger als 20 Minuten weiche Knie!
In diesem Band begegnen Sie einer Gräfin, die am liebsten ihren neuen Verehrer vergraulen möchte – das aber bereuen könnte, einer junge Frau, die ein Spiel spielt, das sie ihr Glück kosten kann, und einer Jazzsängerin, die hohe Ansprüche an ihre Geliebte hat! Lassen Sie sich verzaubern!
Über die Herausgeberin:
Barbara Gothe, Jahrgang 1960, lebt in Reinbek vor den Toren Hamburgs und arbeitet seit vielen Jahren als Redakteurin und Herausgeberin.
Bei dotbooks brachte sie bereits die Geschichtensammlung Sternenstaub und Weihnachtswunder. Zauberhafte Adventsgeschichten und weitere Leselust-Bände heraus.
***
Originalausgabe März 2016
Copyright © 2015 dotbooks GmbH, München
Copyright © der einzelnen Texte Dörnersche Verlagsgesellschaft mbH, Reinbek
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Titelbildgestaltung: © Tanja Winkler, Weichs
Titelbildabbildung: jackfrog - Fotolia.com
E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH
ISBN 978-3-95520-817-2
***
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Inhalt
Über dieses Buch
Blumen für Maximiliane
Danke, Onkel Simon…!
Ein Brief aus Bella Italia
Ein peinlicher Papa
Eine wie Britta
Liebesdoppel
Meine beste Feindin
Sterne unterm Zirkuszelt
Was tut man nicht alles für die Liebe
Wenn die Liebe die Seite wechselt
Lesetipps
Friederike Costa
Blumen für Maximiliane
Kurzroman
dotbooks.
Maximiliane von Rhodenhof soll auf einem Wohltätigkeitsball ihrer Schwester mit Anselm von Weitersburg verkuppelt werden. Maxi bekommt das zufällig mit und schwört Rache. Zum Ball erscheint sie in einem geschmacklosen Rüschenkleid, dazu trägt sie ein billiges Diadem. Der Schuss geht jedoch nach hinten los, denn Anselm entpuppt sich als toller Typ, der ihr gefallen würde.
***
Maximiliane griff in das Bouquet, zupfte eine Rose heraus, steckte sie an anderer Stelle wieder hinein und betrachtete ihr Werk. »Gut so!«, befand sie, zog Arbeitshandschuhe und Schürze aus und nahm einen tiefen Schluck aus der Limonadenflasche.
»Man trinkt nicht aus der Flasche! Außerdem sind diese Colagetränke äußerst ungesund!«, ertönte es hinter ihr.
Maximiliane atmete tief durch. Sie brauchte sich nicht umzudrehen, um genau zu wissen, wer das gesagt hatte, sie erkannte Gundhilde an ihrer schnarrenden Stimme.
Gundi war die beste Freundin ihrer acht Jahre älteren Schwester Margaretha. Die beiden passten zusammen wie die Faust aufs Auge. Sie waren erzkonservativ und pflegten das Von vor ihrem Namen wie Graf Koks seine Schuhe. Jeder Hauch von Schmutz wurde auf der Stelle weggewienert, man war schließlich wer!
»Du kannst ja wieder gehen, wenn dich mein Benehmen stört«, sagte sie, nahm demonstrativ einen weiteren Schluck und fügte hinzu: »Und auf meine Gesundheit kann ich ganz gut allein aufpassen.«
Gundhilde machte ein beleidigtes Gesicht und hüstelte. »Ich soll hier auf deine Schwester warten. Ist das da das Bouquet für die Bühne?«
»Ja. Die Tischgestecke fährt Margaretha gerade zum Festsaal, wenn sie zurück ist, bringe ich den Rest hin.«
»Schön geworden«, ließ sich Gundhilde zu einem Lob herab, »du hast wirklich ein Händchen für Blumen.«
Maximiliane verkniff sich eine bissige Antwort. Dass sie Floristin geworden war und einen Blumenladen führte, war neben ihrem Ledigenstatus, dem sie partout nicht abschwören wollte, das zweite Reizthema in der Familie derer zu Rhodenhof. »Wofür hast du Abitur gemacht? Studiere etwas Ordentliches, etwas womit du dich sehen lassen kannst, du bist schließlich eine Gräfin!«, hatten Margaretha und Onkel Otto gesagt, der nach dem frühen Tod von Maximilianes Eltern ihr Vormund geworden war. »Rechtswissenschaften zum Beispiel. Damit könntest du Notarin werden oder in die Politik gehen!«
Aber sie hatte unbeirrt an ihrem Traumberuf festgehalten, und als ihr an ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag ihr Erbe ausbezahlt wurde, hatte sie ihrer Meisterin, die schon über sechzig war und aufhören wollte, den Laden abgekauft.
Maximiliane stellte die leere Flasche weg und räumte den Werkraum auf.
»Na, einen Vorteil hat es wenigstens, dass du Floristin bist«, sagte Gundhilde in ihrem aufreizend spitzen Tonfall, »wir bekommen die Blumendeko für den Wohltätigkeitsball umsonst.«
»Was mich jedes Jahr fünfhundert Euro kostet, diesmal sogar fast einen Hunderter mehr, weil alles teurer geworden ist - die Arbeitszeit nicht mitgerechnet«, fügte Maxililiane mit einem Seufzen an.
Gundhilde nahm ein Rosenblatt, das auf der Werkbank lag, und zerzupfte es in kleine Stücke. »Wir spenden auch fünfhundert Euro«, sagte sie dabei, »es ist schließlich für einen guten Zweck.«
Das Geld ging an krebskranke Kinder, aber manchmal hatte Maximiliane das Gefühl, dass sich die Promis und Herren und Damen Von und Zu mit ihren Spenden hauptsächlich ein wenig Aufmerksamkeit erkaufen wollten.
Als Margaretha in Maxis altem Transporter vorfuhr, nahm Maximiliane das Bouquet für die Bühne und trug es hinaus. »Holst du bitte noch die beiden Gestecke für den Präsidententisch aus der Blumenkammer«, sagte sie zu ihrer Schwester.
Margaretha ließ sich von ihrer Freundin helfen. Als alles im Transporter verstaut war, sperrte Maximiliane den Laden ab und sah ihre Schwester an. »Fährst du mit mir oder mit Gundhilde?«
»Mit Gundi, wir haben noch etwas zu besprechen.«
Maximiliane konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Erstens hatten die beiden immer etwas zu besprechen, zweitens fuhr ihr Schwesterherz allemal lieber in der Edelkarosse ihrer Freundin mit, als in Maximilianes rostigem Transporter.
Im Ballsaal hatten ein paar Freiwillige inzwischen alle Blumengestecke auf den Tischen verteilt. Maximiliane zupfte hier und da noch ein paar Blüten zurecht und verschränkte schließlich zufrieden die Arme.
»Danke Schwesterlein«, sagte Margaretha und rang sich ein Lächeln ab.
»Bitte.« Maximiliane kramte in ihrer Tasche nach dem Autoschlüssel.
»Und du meinst, die Gestecke sind morgen noch so schön wie heute?«
»Definitiv. Die Blumen sind frisch, und hier wird ja wohl über Nacht nicht geheizt.«
»Keinesfalls.« Margaretha sah an ihrer Schwester rauf und runter, als wäre die ein Pferd, das sie zu kaufen gedachte. »Was ziehst du morgen an?«
»Keine Ahnung. Vermutlich das Rote.«
Margaretha seufzte leise. »Hast du nicht etwas Gediegeneres als diesen roten Partyfummel?«
»Du meinst, etwas weniger auffallendes?«
»Ich meine etwas Geschmackvolleres, wenn du es genau wissen willst«, knurrte Margaretha. »Meinetwegen nimm etwas aus meinem Kleiderschrank, aber zieh dich mal an, wie es sich für eine Frau deines Standes gehört.«
»Ja, Mama!« Maximiliane hatte ihren Autoschlüssel endlich gefunden. Sie schlüpfte in ihre Jacke, bedankte sich in ironischem Tonfall für das Angebot, ihre Garderobe aufzubessern, und ging.
Draußen fiel ihr ein, dass sie ihre Mütze vergessen hatte, kehrte wieder um, fand sie und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. Margaretha und Gundhilde, die mit dem Rücken zu ihr standen, waren damit beschäftigt, nach einem Plan Tischkärtchen zu verteilen. Dabei unterhielten sie sich über sie.
»Onkel Otto war einfach zu nachsichtig mit Maxi. Wäre Papa nur nicht so früh gestorben, der hätte ihr schon gezeigt, wo es lang geht.«
»Hast du dich inzwischen entschieden, ob wir Anselm von Weitersburg oder Friedhelm von Bornhausen neben sie setzen?«
»Ich habe mich nochmal eingehend mit den beiden beschäftigt. Graf Anselm von Weitersburg hat eindeutig den besseren Stammbaum, der geht bis zum dreißigjährigen Krieg zurück. Friedhelm von Bornhausen ist außerdem ein Jahr jünger als Maxi.«
»Das macht heute zwar nichts mehr aus«, entgegnete Gundhilde, »aber Anselm von Weitersburg finde ich persönlich auch besser. Also, nicht dass er mein Geschmack wäre, aber irgendwie passt er besser zu ihr. Außerdem erzählte mir Gabriele, dass er nach seinem Reinfall mit dieser Tänzerin nun endlich genug von losen Verhältnissen hat und heiraten und Kinder haben möchte.«
Maximiliane schnappte empört nach Luft. Das war doch die Höhe! Die beiden versuchten schon wieder, sie an den Mann zu bringen! Wie sie diese ständigen Kuppelversuche hasste! »Na warte, Schwesterherz, du sollst mich kennenlernen!«, zischte sie, machte auf dem Absatz kehrt und rauschte hinaus.
***
Maximiliane hatte alle Mühe aus dem Taxi zu klettern. Wäre da nicht dieser nette Türsteher gewesen, der ihr beide Hände reichte und sie aus den Stoffwolken zog, die sie umgaben, wäre sie vermutlich stecken geblieben wie eine Fregatte im zugefrorenen Eismeer. Als sie endlich auf beiden Beinen stand, blies sie sich eine Haarsträhne aus der Stirn und stakste auf ihren silberfarbenen Riemchensandaletten über den roten Teppich der Treppe entgegen. Blicke folgten ihr, und sie konnte spüren, wie man sich hinter vorgehaltener Hand über sie amüsierte.
Zusammen mit einem bekannten Schauspieler aus einer Krimiserie und dem Präsidenten der Kinderkrebshilfe bildete Margaretha das Empfangskomitee. Die Dame in ihre Mitte genommen, standen die drei oben an der Treppe und begrüßten die illusteren Gäste mit einem Lächeln und etwas Smalltalk. Doch als Margaretha ihre Schwester sah, erfror ihr Lächeln und sie erblasste. Ihr Blick glitt an den knallgelben Rüschen hinab, die von Maximilianes Taille bis zum Boden wallten und sich dabei gegenseitig erdrückten, so dicht und üppig waren sie gereiht. Das Oberteil war über und über mit glitzernden Steinchen und silbernen Perlen bestickt, und um dem Ganzen das I-Tüpfelchen aufzusetzen, hatte sich Maximiliane ein funkelndes Strassdiadem in die dunklen Locken gesteckt. Nun hielt sie mit hocherhobenem Kopf dem Herrn Präsidenten die Hand zum Handkuss hin. »Maximiliane von Rhodenhof, Margaretha von Sollenhausens Schwester«, stellte sie sich vor und sagte mit Blick auf Margaretha: »Ich hoffe, ich bin dir heute elegant genug?«
Margaretha wurde knallrot, bewahrte aber Haltung. »Vermutlich dachte sie, dies sei ein Kostümfest«, wandte sie sich an die Herren an ihrer Seite und schenkte ihnen ein hinreißendes Lächeln. »Schon als Kind hat Maxi sich bei jeder Gelegenheit als Prinzessin verkleidet.«
Maximiliane hielt auch dem Schauspieler die Hand unter die Nase. Der verbeugte sich geradezu filmreif vor ihr und sagte mit breitem Grinsen: »Es ist mir eine Ehre, Hoheit.«
»Und mir erst!« Maximiliane tippte an ihr Diadem wie ein Soldat an sein Barett und stöckelte so elegant es ging davon.
Ihr Tischherr war noch nicht da. Als sie sich setzen wollte, schob ihr einer der Ober zuvorkommend den Stuhl zurecht. Ihr voluminöses Kleid quoll auf beiden Seiten so weit über, dass sie eigentlich drei Stühle gebraucht hätte.
»Bringen Sie mit bitte ein Glas Sekt«, sagte Maximiliane.
Sie leerte es in einem Zug, dabei dachte sie mit Schrecken darüber nach, was sein würde, wenn sie auf die Toilette musste. Mit diesem Kleid brauchte sie dafür vermutlich eine Zofe.
Sie ließ sich gerade ein zweites Glas Sekt reichen, als zwei Männer den Saal betraten und kurz mit einer der Platzanweiserinnen sprachen. Die Frau sah auf ihren Plan, dann wies sie mit eleganter Handbewegung in Maximilianes Richtung. Einer der Männer war brünett, hatte einen feschen Kurzhaarschnitt, ein kantiges Gesicht und eine sportliche Figur. Der andere war blond, klein, hatte ziemlich viel Bauch und trug eine Harry-Potter-Brille auf der knubbeligen Nase – das musste Anselm von Weitersburg sein! Wie ihr zukünftiger Schwager aussah war Margaretha natürlich egal, Hauptsache, er hatte einen Stammbaum so lange wie eine Klopapierrolle.
Als die beiden schnurstracks auf sie zusteuerten, plusterte sich Maximiliane noch ein wenig mehr auf und sah ihnen kampfeslustig entgegen. Sie blieben neben ihr stehen, der Brünette streifte mit prüfendem Blick die Tischkärtchen, dann verbeugte er sich vor Maximiliane und stellte sich vor. »Gestatten, Anselm von Weitersburg.« Er sah seinen Begleiter an. »Und das ist Friedhelm Schweitzer, ein guter Freund.«
Überrascht hob sie die Augenbrauen. Der war Anselm von Weitersburg? So viel Geschmack in Sachen Männer hätte sie ihrer Schwester gar nicht zugetraut. Trotzdem! Sie würde sich nicht verschachern lassen wie ein Stück Vieh! »Maximiliane von Rhodenhof«, entgegnete sie kratzig.
Die Herren hatten Mühe, unter ihrem Kleid Platz zu finden. Maximiliane hob ihre Rüschen an, und als die beiden saßen, stopfte sie die Tüllmassen irgendwie unter den Tisch, dabei berührte sie Anselms Knie. Höflich wie er war, entschuldigte er sich für ihre unabsichtliche Zudringlichkeit, konnte sich jedoch ein Schmunzeln nicht verkneifen.
»Dann sind Sie also die Schwester von Margaretha von Sollenhausen?«
»Sie kennen meine Schwester?«, antwortete Maximiliane mit einer Gegenfrage.
»Kennen wäre zu viel gesagt. Ich bin Augenarzt, Frau von Sollenhausen und ihr Mann sind meine Patienten.«
»Augenarzt«, knurrte Maximiliane, »so bürgerlich? Sollte ein Mann Ihres Standes nicht eher Vorstandsvorsitzender einer Bank, Politiker oder Privatier sein?«
Verblüfft sah er sie an. Dann lachte er. »Finden Sie? Ich dachte, heutzutage dürfen sogar Prinzen einem ordentlichen Beruf nachgehen.«
»Nun, zumindest findet das meine Schwester. Sie achtet sehr auf diese Dinge.« Darum geht sie ja auch zu einem Augenarzt, der ein dickes Von vor seinem Namen trägt, fügte sie in Gedanken an. Typisch Margaretha!
Ein Paar nahm Maximiliane gegenüber Platz. Dr. Weindl und Frau, wie sie sich vorstellten. Frau Dr. Weindl, in einem schlichten silbergrauen Abendkleid, streifte Maximiliane mit Blicken, die Bände sprachen, sah dann mit mitleidigem Gesichtsausdruck Anselm an, der jedoch keine Miene verzog.
Im selben Moment trat der Präsident der Kinderkrebshilfe ans Rednerpult, um den Abend zu eröffnen. Als er seine kurze Ansprache beendet hatte, spielte die Kapelle einen Walzer, und weil Anselm wusste, was sich gehörte, forderte er seine Tischdame auf.
Maximiliane bereute längst, sich mit diesem Ungetüm von einem Kleid maskiert zu haben, in dem sie aussah wie ein zu groß geratener Lampenschirm. Einen Moment dachte sie darüber nach, ihm einen Korb zu geben und dann möglichst ohne Aufsehen von der Bildfläche zu verschwinden. Andererseits hatte sie über vierhundert Euro für ihren knallgelben Rüschentraum ausgegeben, und sie wäre nicht Maximiliane von Rhodenhof, würde sie im letzten Moment noch kneifen. Also warf sie den Kopf in den Nacken, reichte Anselm gnädig die Hand, ließ sich von ihm aus ihrer Rüschenwolke ziehen und schritt an seiner Seite hocherhobenen Hauptes auf die Tanzfläche. Sämtliche Blicke folgten ihnen, so mancher grinste amüsiert, und doch gelang es Anselm, ihr das Gefühl zu geben, sie sei die begehrenswerteste Frau der Welt.
»Sie tanzen ausgezeichnet«, machte er ihr ein Kompliment.
»Danke, Sie auch«, entgegnete sie kratzig, »aber wen wundert es, sie hatten ja vermutlich Privatunterricht.« Sie nahm es ihm übel, dass er so demonstrativ Haltung bewahrte. Sie wollte doch eigentlich ihre Schwester blamieren, dabei war im Grunde hier nur sie selbst die Blamierte!
»Privatunterricht? Wie meinen Sie das?«
»Nun ja, Ihre Liaison mit einer Tänzerin!«
Er lachte, seine Augen blitzten vor Vergnügen. »Ach so, das meinen Sie. Nein, kein Privatunterricht. Gesa tanzt klassisches Ballett, in den Gesellschaftstänzen ist sie äußerst schlecht, denn sie lässt sich nicht führen. Ihre Qualitäten waren anderer Art.«
Schon wieder kam sie sich ziemlich blöd vor und wünschte nur noch eins, dass der Walzer endlich zu Ende ging und sie nach Hause konnte.
Wieder am Platz wollte Anselm ihr den Stuhl zurechtrücken, aber sie lehnte dankend ab.
»Sie gehen schon?« Es gelang ihm so auszusehen, als würde er ihren Aufbruch zutiefst bedauern.
»Ich habe Kopfschmerzen, das Diadem drückt.« Ihre Stimme war von Ironie durchtränkt. »Tut mir leid, dass Sie jetzt keine Tischdame mehr haben.« Sie nickte Herr und Frau Dr. Weindl und Friedhelm Schweizer zu, wünschte »viel Vergnügen noch« und rauschte hinaus.
Dummerweise kam ihr an der Treppe Margaretha entgegen. »Was soll das?«, zischte sie mit Blick auf Maximilianes Kleid, »willst du mich vor aller Welt blamieren?«
»Um ehrlich zu sein, ja. Denn wenn ich nicht ganz dick auftrage, begreifst du nie, dass ich mich von dir nicht verkuppeln lasse!« Damit ließ sie ihre Schwester stehen, die ihr mit offenem Mund nachstarrte.
Zu Hause zerrte sie sich das knallgelbe Rüschenmonster vom Leib und versuchte es in einen großen grauen Müllsack zu stopfen, aber es passte nicht hinein. Fluchend warf sie es in die Ecke. Sie würde es morgen zum Stadttheater bringen, vielleicht konnte man es dort als Kostüm für eine Operette gebrauchen.
***
Anselm seufzte, als gerade vor ihm die Ampel auf Rot sprang. Er hatte es eilig, er musste Sonja vom Flughafen abholen. Sie war die Schwester seines Vaters, nur elf Jahre älter als er und äußerst attraktiv. Stellte er sie irgendwo als seine Tante vor, bekam er als Antwort meist ein zweideutiges Grinsen. »Tante? Im Allgemeinen nennt man so etwas doch Kusine!«
Dass er in Sachen Frauen einen so schlechten Ruf hatte, war nicht wirklich seine Schuld. Angefangen hatte es, als er mit neunzehn Jahren im Bett seines ehemaligen Mathelehrers ertappt wurde, dummerweise lag dessen Frau neben ihm und trug weniger als nichts am Leibe. Natürlich wollte ihm niemand glauben, dass er an diesem ›kleinen Ausrutscher‹ so gut wie unschuldig war. Es war beinahe ohne sein Zutun geschehen. In der Annahme, dort sei er weit genug ab vom Schuss, und es würde schneller Gras über die Sache wachsen, hatte ihn sein Vater zum Studium ins ferne Würzburg geschickt. Doch da er einem alten
