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"Ich bin nicht von der Zeitlichkeit": Ausgewählte Werke
"Ich bin nicht von der Zeitlichkeit": Ausgewählte Werke
"Ich bin nicht von der Zeitlichkeit": Ausgewählte Werke
eBook295 Seiten2 Stunden

"Ich bin nicht von der Zeitlichkeit": Ausgewählte Werke

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Über dieses E-Book

Das "Best of" ihrer Werke holt die Wiener Autorin Betty Paoli in den Kanon zurück.

Einst war Betty Paoli im ganzen deutschen Sprachraum berühmt für ihre leidenschaftliche Lyrik, die zeitgenössische Kritik stellte sie auf eine Stufe mit Annette von Droste-Hülshoff. Paolis Gedichte wurden in Schulbücher aufgenommen und heute erleben sie auf Lyrikportalen im Netz ein Revival. Als erste Berufsjournalistin Österreichs verfasste Paoli scharfsinnige und unterhaltsame Kritiken zu Kunst, Literatur und Theater, war meinungsbildend im Kulturbetrieb und Vorbild für die nächste Generation schreibender Frauen. Ihre Essays erschienen in den wichtigsten deutschsprachigen Zeitungen und wurden lebhaft diskutiert. Die Auswahl mit Kommentar und Nachwort gibt Einblick in das vielfältige Œuvre dieser herausragenden Autorin.
SpracheDeutsch
HerausgeberResidenz Verlag
Erscheinungsdatum7. Okt. 2024
ISBN9783701747306
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    Buchvorschau

    "Ich bin nicht von der Zeitlichkeit" - Betty Paoli

    Gedichte

    AN DIE MÄNNER UNSERER ZEIT

    Halb Scherz, halb Ernst

    Spotten hör’ ich Euch und zürnen ob der Frauen Wankelmuth,

    Ob in zarten Mädchenherzen gar zu leicht entbrannter Glut,

    Ob der Leere, die da waltet in so manches Weibes Sinn,

    Und wie leicht es Lieb’ und Treue gibt für Erdenlust dahin;

    Ob der Flachheit und des Unwerths uns’rer jetz’gen Frauenwelt,

    Wie sie einzig nur verehren, was dem Auge wohlgefällt;

    Wie sie – doch genug der Frevel! Rede stehen will ich Euch,

    Eurer Klage Antwort geben, und sie werde Euch sogleich.

    Lästert feindlich nicht die Frauen! Schmäht Ihr sie, so schmäht Ihr Euch,

    Denn es sind der Frauen Herzen einem reinen Spiegel gleich:

    Selber ist er ohne Makel, doch das Spiegelbild seyd Ihr;

    Will nun dieses nicht gefallen, ey, was kann das Glas dafür?

    Seht, es ähneln Frauenherzen ungeschliffenem Demant:

    Bildet liebend ihn und sorglich eine kunstverständ’ge Hand,

    Wird er klare Strahlen sprühen, wird er leuchten hell und hehr,

    Wird er Glanzeswogen werfen, wie ein glutentflammtes Meer.

    Doch wie anders, wenn den Demant unberuf’ne Hand verdarb,

    Wenn durch ungeschicktes Walten all’ sein Glanz gar schnell erstarb;

    Traun! der Stein war wunderprächtig, aber dennoch ist er hin,

    Weil dem Mann, der ihn behandelt’, fehlte kunstgewandter Sinn.

    Ihr seyd uns’re Herr’n und Meister! Ja, wir bilden uns an Euch,

    Um von Euch geliebt zu werden, möchten wir Euch werden gleich,

    Ey, und seltsam ist es, wahrlich! daß wir, Euer Conterfey,

    Nun das Ziel von Euerm Zürnen und von Eurer Spötteley.

    Sollen Frauen sich veredeln, möget edler werden Ihr,

    Möget bannen aus dem Busen wilder Leidenschaften Gier,

    Mögt zuvor erst selber werden, wie die Frauen sollten seyn,

    Fehlerfrey und ohne Mängel, und im Herzen treu und rein.

    Ob dieß jemals wird geschehen? Ach, ich glaub’ es nimmermehr!

    Manches Jahr noch wird sich senken in der Ewigkeiten Meer,

    Doch wohl nimmer wird man schauen, daß Ihr fühlt, wie’s unrecht sey,

    And’rer Fehler zu bekritteln, wenn man selbst nicht fehlerfrey.

    AN DLLE. SOPHIE LÖWE,

    als Giulietta in Bellini’s Oper : »I Montecchi ed i Capuletti.«

    Was süß sich je der Liebe Mund entschwungen,

    So wunderbar, wie nur ihr Mund es tönt,

    Von Deinen Lippen ist es uns erklungen,

    Durch Deine holde Anmuth noch verschönt.

    Was Bitt’res je ein Menschenherz durchbebet,

    Lebendig taucht es auf in Deinem Schmerz,

    Und auf dem Fittich Deiner Seufzer schwebet

    Die Seele hoffend, sehnend, himmelwärts.

    Vereint nicht durftest Du Romeo werden,

    Geschaffen warst Du nicht für Erdenglück,

    Darum nach Höh’rem auch, als dieser Erden,

    Hebt gläubig sich Dein schmerzumflorter Blick. –

    O selig’ Loos! Nun bist Du ihm verbunden,

    Der Erde Macht, sie trennet euch nicht mehr;

    Nach ird’scher Trennung todesbittern Stunden,

    Umrauscht euch nun ein ew’ges Wonnemeer!

    EMPFINDUNGEN AM ENDE EINES MASKENBALLS

    Vorbei ist nun die frohe, der Lust geweihte Nacht,

    Entflohn sind die Gestalten voll Reiz und bunter Pracht;

    Ich steh’ allein im Saale, der erst noch so gefüllt,

    Worin so strahlend glänzte mach lieblich Frauenbild.

    Verschwunden sind die Masken, sie haben abgelegt

    Die bunten Trachten, welche sie heute noch bedeckt.

    Doch nein! nicht abgelegt, sie haben nur vertauscht

    Die falschen Trugeshüllen, die kürzlich sie umrauscht.

    Sie werden morgen prunken, wie heut, im Maskenkleid,

    Auch morgen sich verstellen, sich täuschen so wie heut,

    Auch morgen, ohne Larven, noch immer Masken seyn,

    Auch morgen sich ergötzen an Trug und Neckerei’n. –

    Wie ward wol diesen Abend gelöst so manches Band,

    Das noch vor wenig Stunden zwei Herzen hold umwand,

    Geknüpft so manches neue – doch, Mädchen, glaubet mir!

    Nie fest sind solche Bänder, geknüpft im Ballgewirr.

    Sie sind ja nur gewoben aus Lust und leichtem Scherz,

    Umschlingend wol die Sinne, doch fesselnd nie das Herz,

    Oft tilgt der nächste Morgen schon ihre fahle Spur

    Und dem betrog’nen Busen bleibt die – Enttäuschung nur!

    MEINE JUGEND

    Ein Frühling, dem’s an Blüthen

    Und Sonnenglanz gebricht,

    Durcheis’t von Sturmeswüthen,

    Erhellt von Blitzeslicht;

    Ein Trauern sonder Hoffen,

    Von Schmerzensnacht umhüllt:

    Da gab ich, wahr und offen,

    Euch meiner Jugend Bild.

    VERHÄNGNISS DER KUNST

    O könnte ich dich von mir werfen,

    Du Fluch des Sang’s, der auf mir ruht!

    Du Todesstahl, der, sich zu schärfen,

    Erglüht in meines Herzens Blut

    Und alsbald dann in meinen Thränen

    Die Kühlung suchet, die ihm Noth –

    Zerstört hat mich dein gleißend’ Höhnen:

    Ich lebe nicht und bin nicht todt.

    Ich lebe nicht! denn auf der Erde

    Wall’ ich umher ein fremder Gast;

    Bin heimathlich an keinem Herde,

    Bin nicht geliebt und nicht gehaßt;

    Hab’ keinen Antheil an den Gaben,

    Woran die Menschheit sich erfreut,

    Was sie erquickt, kann mich nicht laben –

    Ich bin nicht von der Zeitlichkeit!

    Ich bin nicht todt! denn tief im Herzen

    Regt sich der Wunsch noch glühend heiß

    Nach heit’rer Freude Frühlingsscherzen,

    Nach frischen Glückes jungem Reis;

    Noch dränget sich mir auf die Frage,

    Ob ich allein dem Schmerz’ geweiht,

    Ich hoffe, wünsche und verzage –

    Ich bin nicht aus der Ewigkeit!

    Und dieses martervolle Schwanken,

    Dieß Fremdseyn an jedwedem Ort’,

    Dieß Himmelstürmen der Gedanken,

    Dieß Sehnen nach dem Grabesport’;

    Dieß Heimweh, das des Lebens Blüthe

    In ihrem ersten Keime brach,

    Im einst so friedlichen Gemüthe

    Riefst du es, Lied, allein nur wach!

    Du ließest mich das Jenseits ahnen

    Und seiner Wonnen Göttlichkeit;

    Ich schwebte hin auf Sternenbahnen,

    Ich trank vom Quell’ der Seligkeit,

    Und als gleichwie mit Blitzesschnelle

    Das Traumbild dann entflohen war,

    Stand an des Paradieses Schwelle

    Ich aller Erdenhoffnung baar.

    Denn nichts kann mir die Erde bieten,

    Was jenen Wonnen käme nah’,

    Die oft ich in des Lied’s Gebieten

    So himmlisch hold erblühen sah!

    Doch, nach den ewigen Gesetzen,

    Uns fesselnd an die Erdenbahn,

    Will sich im Glück’ die Brust noch letzen,

    Die’s fühlen nicht noch missen kann.

    So leb’ ich fort ein stetes Sterben

    Im Schwanken zwischen Dort und Hier,

    Ein unermüdlich’ Qualerwerben,

    Ein Traumesseyn im Tagsgewirr’,

    Ein einsam’ Leben der Verbannung

    Inmitten dieser lauten Welt,

    In dunkler Nacht, die nur die Ahnung

    Als Stern jetzt, jetzt als Blitz erhellt.

    DIE DICHTERIN

    Viel Muth braucht man in unsern Tagen,

    (Ja Muth! nicht nur Beruf allein),

    Sich an die Lira noch zu wagen,

    Hat man das Unglück Weib zu sein.

    Als Geißel in des Lebens Kreisen

    Bezeichnet man die Dichterin,

    Allein, wie dieses zu erweisen,

    Will mir doch nimmer in den Sinn.

    Horcht doch des großen Meisters Worten:

    »Wem in dem deutschen Dichterwald

    Die Gabe des Gesangs geworden,

    Der singe, daß es weithin schallt!« –

    In einem Bunde will er sehen,

    Der Musa Kinder all vereint,

    Er gibt dabei nicht zu verstehen,

    Daß er die Söhne nur gemeint.

    Daß aus so mancher Frauenfeder

    Erbärmliches geflossen sei,

    Viel Verse, ach! von denen jeder

    Verrenket kreischt: »Gott steh’ mir bei!«

    Dieß als Verleumdung abzuweisen,

    Wär’ ein unwürdig Truggeschäft,

    Doch saget, ob in euern Kreisen

    Ihr nicht auch solche Muster trefft? –

    Und wenn die einz’ge Wahl mir bliebe,

    (Im Grund Wahl zwischen Strick und Schwert!)

    Weh! zwischen Liedern matter Liebe,

    Und zwischen jenen, wo versehrt

    Der Musa strahlendes Gefieder

    Durch Diatriben lichterloh,

    Dann zög’ ich vor die matten Lieder

    Der groben à la so und so. –

    Warum soll jene Stimme eben,

    Die in so mancher herben Pein

    Den Andern sanften Trost kann geben,

    Nicht zum Gesang’ berufen sein?

    Und jene Hand, die nassen Augen

    Enthüllt ein höheres Asyl,

    Die sollte nimmer dazu taugen,

    Zu rühren an das Saitenspiel?

    Wer sich das Dichten kann verwehren,

    Hat sich zum Dichten nur gemüht!

    Wenn Wonnen mein Gemüth verklären,

    So werden sie in mir zum Lied,

    Wenn höhrer Schmerz mein Sein durchdringet,

    Schallt er aus meines Herzens Grund,

    Und wenn die Seele in mir singet,

    Singt auch, ohn’ daß ich’s will, der Mund.

    Nie hörte man mein Lied ertönen,

    Zum Ruhme eitler, ird’scher Macht,

    Nie sah man es der Lüge fröhnen,

    Stumm blieb’s in einer Sündennacht;

    Doch mit der Sterne Flammenzungen,

    Mit jeder Blum’, die strahlt und blüht,

    Hat es den Hymnus mitgesungen,

    Der betend durch die Schöpfung zieht!

    FORDERUNG

    Und trennt uns jetzt des Schicksals Haß,

    Muß fort ich zieh’n allein,

    So leb denn wohl, mein Freund, doch laß

    Mich nicht vergessen sein.

    Gehst ohne mich Du nun durch’s Thal

    Und durch den frischen Wald,

    Wo wir beim Morgensonnenstrahl

    So oft vereint gewallt;

    Und trittst Du hin zum grünen Strand,

    Der liebend uns umschloß,

    Hin, wo auf meine bleiche Hand

    Heiß Deine Thräne floß;

    Dann schenke, wenn’s so kommen muß,

    Daß ich ersetzt bei Dir,

    Den Andern jeden Liebesgruß,

    Doch einen Seufzer mir.

    DAS TODTE KIND

    So frühe schon vollendet?

    Verblühet schon im Keim?

    Der Gott, der Dich gesendet,

    Rief Dich so bald schon heim?

    Du warst so schön im Leben,

    Und bist’s noch mehr im Tod,

    Wie Blumen sich erst heben

    Beim letzten Abendroth!

    Nicht, wie bei andern Leichen,

    Faßt mich ein schaurig Weh,

    Wenn ich in Deine bleichen,

    Holdsel’gen Züge seh’;

    Denn in der kurzen Stunde,

    Die Du bei uns verweilt,

    Hat keine Schicksalswunde

    Dein kleines Herz ereilt!

    Und in dem kurzen Tage,

    An dem Du sah’st das Licht,

    Begriffst Du nicht die Klage,

    Die uns die Brust zerbricht.

    Im kurzen Zeitenraume,

    Der Dir für hier gesteckt,

    Ward nicht vom Lebensschaume

    Die Seele Dir befleckt.

    So, ohne Schmerz und Fehle,

    Und ohne Gram und Schuld,

    Rief Dich, daß nichts Dich quäle,

    Zu sich der Gottheit Huld!

    So bist du eingegangen

    In Deinem Unschuldskleid,

    In Deiner Freuden Prangen

    Zu ew’ger Seligkeit!

    ZU SPÄT!

    Es hat dein schönes Angesicht

    Des Scheidens Hauch getrübt;

    Du starbst dahin und wußtest nicht,

    Wie tief ich dich geliebt!

    Denn kärgliche Minuten nur

    Hast du bei uns verweilt,

    Und bist sodann auf höh’rer Spur

    Mir rasch vorangeeilt.

    Das ist es, was mit bitterm Weh

    Die Seele mir bewegt,

    Und auf des Herzens tiefem See

    Stets neuen Sturm erregt.

    Nicht daß so früh zu reinerm Glück

    Du zogst in’s höh’re Land,

    Wohin die Sehnsucht fromm den Blick

    Still hoffend hält gewandt,

    Wohin jedweder Ruf der Lust,

    Wohin jedwedes Lied

    Und jeder Schmerz der Menschenbrust

    Als leuchtend Opfer zieht!

    Doch daß so traumesähnlich mir

    Dein theures Bild entschwand,

    Bevor ich meine Liebe dir,

    Die flammende, gestand!

    Und daß ich von dem Trost gebannt,

    Der Glück mir wär’ im Schmerz,

    Daß du begriffen und erkannt

    Mich und mein treues Herz.

    DUNKLE EINSAMKEIT

    Als meine Mutter krank und nach der letzten Reise,

    Da ward verändert viel auf mannigfache Weise.

    Zuerst befahl der Arzt, die Blumen wegzutragen,

    Die gerne sie gepflegt in frühern bessern Tagen.

    Dann ward dem Tageslicht der Eingang auch verwehrt –

    Es hieß, damit die Ruh der Kranken ungestört.

    Und als der Priester kam, die Hostie ihr zu reichen,

    Da mußte selbst ihr Kind aus ihrem Zimmer weichen.

    So, losgerissen längst, und längst schon im Entschweben

    Verhauchte sie zuletzt nur einen Schein von Leben. –

    Auch mir ward nach und nach Duft, Licht und Lieb’ genommen,

    Ich lieg’ in stiller Nacht – wird wohl der Tod bald kommen?

    DER BLUMENSTRAUSS

    Es rührte mich bis zum Bedauern

    Der abgewelkte, fahle Strauß,

    Den ich durchnäßt von Regenschauern

    Heut liegen sah vor meinem Haus.

    Die Lilien, die Anemonen,

    Die Hyacinthen farbenreich,

    Sie neigten ihre welken Kronen,

    Die armen Rosen sahen bleich.

    Entschwunden war ihr Duftgepräge

    Vom herbstlich kalten Regenguß,

    Und drüber schritt die eil’ge Menge

    Mit plumpem, unachtsamen Fuß.

    Da dacht’ ich träumerisch der Stunden,

    Wo dieser Strauß, jetzt so durchnäßt,

    Jetzt so versehrt, einst ward gewunden,

    Ach Gott! wer weiß, für welches Fest?!

    Wer weiß, mit welchen frohen Scherzen

    Man ihn zu formen war bemüht?

    Wer weiß, an welchem sel’gen Herzen

    Er duft- und farbenreich geglüht?

    Wer weiß, welch stille Liebesbothen

    Sich bargen in dem bunten Laub? –

    Und jetzt liegt er am schmutz’gen Boden,

    Der Winde und des Wetters Raub!

    Ein Bild so mancher Seelenblüthe,

    Auf Gottes heil’ger Flur gepflückt,

    Und von des Ew’gen Huld und Güte

    Mit Duft und Farbenglanz geschmückt.

    Sie strebt sich strahlend zu entfalten

    Mit unentweihtem Blumensinn;

    Da fassen sie der Welt Gewalten,

    Und schleudern sie zu Boden hin.

    Und drüber setzt das Volk, das stumpfe,

    Mit rohem Scherz, ach! und wer denkt,

    Daß in dem ekeln, trüben Sumpfe

    Solch eine Blume eingesenkt?!

    BEKENNTNISS

    Ihr fragt, warum so einsam mir verflossen

    Des Lebensfrühlings blüthumdrängte Zeit,

    Warum ich von dem Bunde ausgeschlossen,

    Dem andre Herzen freudig sich geweiht,

    Warum ich ohne Sehnsucht, ohne Klage

    Freywillig jedem Liebesglück entsage?

    Wohl steh’ ich einsam in dem Weltgewühle,

    Wo keine Brust sich an die meine legt,

    Doch nur, weil ich den eignen Adel fühle,

    Und weil mein Geist, von würd’gem Stolz bewegt,

    Sich leichter zum Entbehren kann entschließen,

    Als Glück, das seiner unwerth, zu genießen.

    Soll ich herab von meiner Höhe steigen,

    Entsagen meinem Rechte, meinem Rang,

    Um mich vor einem Irdischen zu neigen,

    Der nie verstände meines Herzens Drang?

    Soll kindisch ich ein Wahngebild vergöttern,

    Um es, enttäuscht, dann wieder zu zerschmettern?

    Wollt’ ich auch hemmen meines Ich’s Entfaltung,

    Beschränken meinen freyen Wolkenzug,

    Mich unterwerfen fremden Geist’s Gestaltung,

    Es wär’ ein thöricht eitler Selbstbetrug!

    Und könnt’ auch Er in meiner Näh’ erwarmen,

    Ich bliebe einsam doch in seinen Armen!

    Und banger noch als jetzt müßt’ ich verzagen

    In meines Innern düstrer Siedeley,

    Denn ohne Antwort blieben meine Fragen

    Und ohne Wiederhall mein Seelenschrey!

    Entweihet würde mein geheimstes Wesen

    Zum Räthsel, das man spielend sucht zu lösen. –

    Wie eine Jungfrau fürstlichen Geschlechtes

    Entschlossen wählt des Klosters Einsamkeit,

    Eh’ sie, vergessend ihres stolzen Rechtes,

    Ungleichem Bündniß sich mit Niedern weiht,

    Mag meine Seele leichter Lieb’ entbehren,

    Als durch gemeine Neigung sich entehren.

    Und weil ihr ferne blieb der würd’ge Freyer,

    Auf den sie hoffte, doch jetzt nicht mehr harrt,

    Hüllt sie sich still in ihren Nonnenschleyer –

    Ein dunkler Purpur ist er andrer Art.

    Entsagen lieber jedem Freudenbilde,

    Als einen Flecken auf dem Wappenschilde!

    ICH

    Ich kann, was ich muß! o seltnes Geschick!

    Ich will, was ich muß – o doppeltes Glück.

    Mein Herz ist an Stärke dem Felsen gleich,

    Mein Herz ist, wie Blumen, sanft und weich.

    Mein Wesen gleicht Glocken von strengem Metall:

    Schlag kräftig d’ran, gibt es auch kräftigen Schall.

    Mein Geist stürmt auf eiligem Wolkenroß hin;

    Mein Geist spielt mit Kindern mit kindlichem Sinn.

    Ich weiß, was ich will! und weil ich es weiß,

    Drum bann’ ich’s zu mir in den magischen Kreis.

    Ich weiß, was ich will! das ist ja die Kraft,

    Die sich aus dem Chaos ein Weltall entrafft.

    Ich weiß, was ich will! und wenn ich’s erreich’,

    Dann gelten der Tod und das Leben mir gleich.

    KEIN GEDICHT

    A vingt-cinq ans le cœur se

    brise ou se bronze.

    Chamfort.

    O, wäre mir das heitre Loos gefallen,

    Das

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