Als die Armen Austern aßen: Kurioses aus der Geschichte der Küche
Von Josef Imbach
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Über dieses E-Book
Josef Imbach
Josef Imbach, Dr. theol., Jahrgang 1945, ist Publizist, Autor zahlreicher theologischer Bücher und unterrichtet an der Seniorenuniversität Luzern. Von 1975 bis 2002 war er Ordinarius für Fundamentaltheologie und Grenzfragen zwischen Literatur und Theologie an der Päpstlichen Theologischen Fakultät San Bonaventura in Rom und von 2005 bis 2010 Lehrbeauftragter für Katholische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Basel.
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Buchvorschau
Als die Armen Austern aßen - Josef Imbach
Kleinkrieg am Familientisch
Wie war doch alles so schön damals, als man bei uns in der Schweiz noch säbi Zyt sagte, wenn man früher meinte. Ja, säbi Zyt war alles anders als heute, da fand sich die Familie noch täglich mindestens zweimal am Esstisch zusammen.
Aber saß die vereinte Familie auch einträchtig beim Mittags- und Abendmahl? Ich weiß es nicht. Ich kann nur schildern, wie es bei uns zu Hause vor mehr als einem halben Jahrhundert zuging. Zum Essen versammelten sich sieben Mäuler, die sich auf fünf Kinder, den Nährvater und die Mutter verteilten. Ebenso wichtig wie die Mäuler waren die Beine. Sieben Personen, das macht 14 Beine. (Wenn man die Tisch- und Stuhlbeine dazurechnet sind es 46 …) Unter diesen Beinen waren vor allem die Beine der Kinder in einem hohen Maß mitteilungsbedürftig. In der Regel begannen die Mahlzeiten friedlich. Doch das änderte sich mitunter schlagartig. Etwa wenn die Kleine wie üblich nach dem größten Stück Apfelkuchen schrie. Und es auch kriegte! Spätestens da wurde eines der geschwisterlichen Beine ungeduldig, spürte ein kaum zu unterdrückendes Ziehen und Zucken … Und: Zack! Laut und dramatisch heulte die kleine Schwester auf. Der Nährvater fragte, was los sei. Der Prügler behauptete, mit dem Fuß versehentlich ans Tischbein gestoßen zu sein. Der Fratz bellte: »Das hat er absichtlich gemacht! Von dem hab ich schon viele blaue Flecken!« Dann zankten sich die Kinder darüber, wer mehr Flecken von wem am Bein hat, nicht nur blaue, sondern auch gelbe und rote. Und braune! Sogar grüne! Das tönte dann, als stritten sie sich übern Regenbogen. Die Mutter sagte: »Jetzt esst endlich!« Der Vater brüllte: »Ruhe, zum Teufel noch mal!« Die Mutter darauf: »Sag so was nicht vor den Kindern!« Genau in dem Moment schlug die Getretene unterm Tisch zurück, und ihr Fuß steckte nicht etwa in weichen Pantoffeln, sondern in solidem Schuhwerk. Dabei kippte sie auch noch die Milchtasse um; man muss wohl erst ein gewisses Alter erreichen, um die motorischen Tätigkeiten synchronisieren zu können …
Zu Kleinkriegen und kämpferischen Auseinandersetzungen rund ums Essen kam und kommt es nicht nur am Familientisch. Die sind bloß ein Miniaturschauspiel dessen, was sich im Großen in der Gesellschaft abspielt da quando il mondo è mondo, wie man in Italien sagt. Also seit jeher.
Justinus Kerners versöhnlicher Feldzug gegen den Aberglauben
Vom Mittelalter bis zur Neuzeit galt der Aderlass als Allheilmittel gegen fast jede Art von Krankheit. Ärzte konnten sich allerdings nur die Reichen leisten. Und die Armen? Nahmen Zuflucht zu weniger kostspieligen Mitteln, um ihre Gebrechen zu kurieren.
In Mariazell in der Steiermark, im bayrischen Andechs, im schweizerischen Maria Einsiedeln, aber auch an anderen Wallfahrtsorten konnte man kleine Bildchen der Gottesmutter kaufen, winziger noch als Briefmarken, aber wie diese in ganzen Bogen gedruckt. Im Volk hießen diese Bilderbogen ›geistliche Nahrung‹ oder ›Essbildle‹. Die Wallfahrer verschluckten die pillenartig zusammengeknüllten Papierchen und erhofften sich davon himmlischen Segen. Auch das Vieh bekam die ›geistliche Nahrung‹ vor dem Almauftrieb. Häufig mischte man die Bildchen als Heilmittel unter Speis und Trank. Die römische Ritenkongregation billigte noch 1903 diese Praxis, sofern sie »nicht in abergläubischer Absicht« gepflegt werde.
Verwandt mit diesen Schluckbildchen (denen der in der Schweiz gebräuchliche Ausdruck ›Fresszettel‹ seine Entstehung verdankt) sind die sogenannten Schabmadonnen aus Gips oder gebrannter Tonerde, welche bis in die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts an Marienwallfahrtsorten feilgeboten wurden. Um Krankheiten zu heilen, schabte man sich einige Partikel davon ab und nahm diese mit etwas Flüssigkeit zu sich. Um die Wirkung zu erhöhen, ließ man sie in der Regel nach dem Erwerb segnen (wohlgemerkt: nach dem Erwerb, denn mit gesegneten Gegenständen durfte nach allgemeiner Überzeugung kein Handel getrieben werden).
Noch 1950 konnten die Wallfahrenden im italienischen Loreto Steinstaub vom ›Heiligen Haus‹ erwerben, der Wohnstätte der Heiligen Familie, die angeblich von Engeln auf wundersame Weise von Nazaret erst nach Kroatien und später nach Loreto gebracht worden war.
Dem Volksglauben zufolge wirkte der besagte Steinstaub gegen Gebrechen aller Art, allerdings nur, wenn er in Flüssigkeit aufgelöst aus einer ›Loretoschale‹ getrunken wurde, die das Abbild der dortigen Madonna und die Aufschrift con polvere della Santa Casa trug. Begreiflich daher, dass viele Pilger und Pilgerinnen schon aus rein prophylaktischen Gründen eine solche Schale erwarben – vermutlich ohne sich zu fragen, ob nicht vielleicht die Betreiber ortsansässiger Töpfereien die fromme Mär in die Welt gesetzt hatten.
Indirekt gehen solche skurrilen Gepflogenheiten auf den heiligen Augustinus zurück, welcher die Ansicht vertat, die Erde vom Heiligen Land würde die Dämonen fernhalten und auch sonst allerlei wunderbare Wirkungen zeitigen. Später glaubte man Ähnliches von Steinen, die man sich von den Märtyrergräbern besorgte. Irgendwann begann man damit, Hohlkreuze nicht nur mit Reliquien, sondern auch mit ›heiliger‹ Erde und ›heiligen‹ Steinen zu füllen, wovon man sich ebenfalls eine besondere Wirkung erwartete. Daraus entwickelte sich später der Brauch, Schabmadonnen herzustellen.
Knoblauch galt lange als Abwehrmittel gegen Dämonen, Geister und Vampire. Und gegen den ›bösen Blick‹.
Was die magischen Vorstellungen des einfachen Volkes betrifft (auch das gehört zur Sitten- und Sozialgeschichte), erweist sich ausgerechnet die Küche als wahre Fundgrube. Dort findet sich allerlei Nützliches, um ein Zipperlein zu kurieren oder um übelwollenden Hausgeistern den Garaus zu machen.
In der guten alten abergläubischen Zeit waren selbst aufgeklärte Geister felsenfest davon überzeugt, dass Knoblauch das zuverlässigste Mittel gegen Vampire darstelle. Die missgünstigen Druden, welche schon manchen Haushalt durch- und manches Ehepaar auseinandergebracht haben sollen, besänftigt man am besten mit drei weißen Gaben, nämlich mit Salz, Mehl und Eiern. Bier indessen hilft angeblich weder gegen die Untoten noch gegen Kobolde, sondern zieht – so ging der Volksglaube – bloß die Hexen an, die ihre Nase nur zu gern in den weißen Schaum stecken. In Leobschütz verbrannte man 1581 zwei Frauen, weil sie, wenn wir dem Chronisten trauen dürfen, »auf vollen Bierfässern eine Luftfahrt gemacht und sie auf der Kirchturmspitze ausgesoffen hatten«.
Unsere Altvordern wussten noch von Dingen, die heute kein studierter Medikus mehr kennt. So lesen wir in einem Kreuterbuch aus dem Jahr 1543: »So die schwangeren Weiber oft Quitten essen, sollen sie sinnreiche und geschickte Kinder gebären.« Manche verlangt es statt nach Quitten nach Reis, dessen Verzehr sich auf die Folgen der Liebeslust ebenfalls günstig auswirken soll. Weshalb sonst sollten die Hochzeitsgäste nach vollendeter Zeremonie das Brautpaar mit den weißen Körnern bewerfen? Dem Vernehmen nach bewirkt der Verzehr von Reis gelegentlich schon vor der Heirat wahre Wunder, etwa wenn händchenhaltende Verliebte sich in die Arme fallen, noch bevor sie ihren Teller mit Risotto geleert haben. Dann war’s wohl wirklich Liebe auf den ersten Biss.
Ähnlich wie mit den Quitten und dem Reis verhält es sich mit den Krapfen, die man ohne Risiko genießen kann – es sei denn, die Familie ist schon vollständig. Denn Krapfen (wer daran zweifelt, kann es ja darauf ankommen lassen) fördern die Fruchtbarkeit. In früheren Zeiten gierten auch die guten Hausgeister nach dieser Leckerei. In manchen Gegenden trinken sie dazu noch immer gern ein Krüglein Milch.
Nun sind aber Krapfen, Quitten und Reis beileibe nicht alles, was die Küche an Ersprießlichem zu bieten hat. Auch Erbsen sollen Wunder wirken. Wer eine Schote mit neun Kügelchen öffnet, dem lacht das Glück lauthals entgegen. Ähnlich gute Aussichten hat, wer vor dem Frühstück drei Mal niesen muss. Sollte dabei jedoch das Brot auf den Boden und auf die Butterseite fallen oder das Salzfässchen umstürzen, wird das Schicksal gnadenlos zuschlagen. Das gilt auch, wenn jemand an einer Hochzeitstafel Salz verschüttet: Dann drohen harte Ehejahre (was allerdings gelegentlich auch ohne Salz eintritt), wie Zeitzeugen berichten. Segensreich wirkt sich – nicht nur beim Hochzeitsschmaus – ein durch häufiges Anstoßen verursachtes Gläserklingen aus. Im Wein badet nämlich nicht nur die Wahrheit, es planscht darin auch der Alkoholteufel; ihn und alle übrigen Dämonen wussten unsere Vorfahren mit Kettengerassel und, wenn keine eisernen Fesseln zur Hand waren, mit Gläsergeklirre wirksam zu verjagen. Allerdings liegen in der zügellosen Zecherei auch gewisse Gefahren. Wer ein Glas füllt, bevor es leer getrunken ist, bekommt die Gicht oder eine böse Schwiegermutter. Wenn das Verhängnis seinen Lauf nimmt, droht gar beides.
Aber, bei allen Kobolden und Druden, vergessen wir bloß das Gewürzbord nicht! Dort lagern Essenzen und Kräuter, welche die blaue Pille überflüssig machen, von der sich nicht
