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Barbara: Lebensgeschichten
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eBook467 Seiten5 Stunden

Barbara: Lebensgeschichten

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Über dieses E-Book

Das Jahr geht zur Neige.
Frühling ist nur noch ferne, verklärte Erinnerung.
Die Blütenpracht hat Patina angesetzt, der silbrige Mond ist schwarz geworden und das Gold der Jugendzeit ist von Grünspan überzogen. Tinnef.
Die Zeit von Sturm und Drang und jugendlichem Übermut ist Legende. Spurensuche bringt nichts an den Tag ausser ein paar Kratzern an der Seele und verwachsenen Narben
Wem der Herbst keine reiche Ernte gebracht hat, dem droht ein kalter Winter ohne Freunde und ohne Feinde.
Nach dem Herbst folgt eine zeitlose Epoche..
Die Zeit ist da und verrinnt sinn- und zwecklos, es sei denn, man fülle das Glas ein letztes Mal und geniesse das Leben bis zum letzten Zug.
Der Sinn des Lebens … ach lassen wir das und freuen wir uns, dass wir noch leben und noch Zeit und Musse haben dieses Buch zu Ende zu lesen.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum21. Juli 2019
ISBN9783748574521
Barbara: Lebensgeschichten

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    Buchvorschau

    Barbara - Johann Widmer

    Barbara

    Barbara

    Vorwort

    Hugo

    Josefine

    Emil

    Barbara

    Melita

    Brüder

    Herbstzeitlose

    Barbara

    Johann Widmer

    BARBARA

    LEBENSGESCHICHTEN

    Band 5

    Ein grosser Dank gebührt meiner Frau Augustine und meinem Sohn Hannes, die mir bei der Verwirklichung dieses Werks tatkräftig zur Seite gestanden haben.

    Stiftung Augustine und Johann Widmer, Hrsg.

    © Stiftung Augustine und Johann Widmer

    Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Bildungszentrums reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

    www.johann-widmer.ch

    ISBN: siehe Umschlag

    1. Auflage 2019, Band 5

    Vorwort

    Zum fünften Band

    Das Jahr geht zur Neige.

    Frühling ist nur noch ferne, verklärte Erinnerung.

    Die Blütenpracht hat Patina angesetzt, der silbrige Mond ist schwarz geworden und das Gold der Jugendzeit ist von Grünspan überzogen. Tinnef.

    Die Zeit von Sturm und Drang und jugendlichem Übermut ist Legende. Spurensuche bringt nichts an den Tag ausser ein paar Kratzern an der Seele und verwachsenen Narben

    Wem der Herbst keine reiche Ernte gebracht hat, dem droht ein kalter Winter ohne Freunde und ohne Feinde.

    Nach dem Herbst folgt eine zeitlose Epoche..

    Die Zeit ist da und verrinnt sinn- und zwecklos, es sei denn, man fülle das Glas ein letztes Mal und geniesse das Leben bis zum letzten Zug.

    Der Sinn des Lebens … ach lassen wir das und freuen wir uns, dass wir noch leben und noch Zeit und Musse haben dieses Buch zu Ende zu lesen.

    Hugo

    Sieben Jahre lang haben wir gemeinsam die Schulbank gedrückt (wobei die Bank vor allem mich gedrückt hat), doch Freunde waren wir nie, der Hugo und ich. Er wohnte im Haus „gleich um die Ecke", wir waren also Nachbarskinder, die sich nicht mochten. Das heisst, er hatte immer um meine Gunst geworben, sich um meine Freundschaft bemüht und war dauernd in meiner Nähe, aber genau das liebte ich nicht.

    Wir hatten eine ganz eigenartige Beziehung zueinander, er war wie ein Hund, der schwanzwedelnd meine Hände leckte um mich im nächsten Moment in die Fersen zu beissen. Er war ein verdammter Schleimscheisser, der von Freundschaft sprach um mich im nächsten Moment zu verraten.

    Zu alledem kamen noch meine Vorurteile: Hugo hatte rote Haare, das allein war schon ein Grund um ihn zu verachten, dann war er ein weiches Muttersöhnchen und zu allem Überfluss noch katholisch. Seine Mutter war eine Deutsche und das war während der Kriegsjahre auch keine gute Reverenz in unserer voreingenommenen Dorfgemeinschaft. Für seine Petzerei in der Schule kriegte er regelmässig seine verdiente „Klassenhaue" was aber keine Wirkung bei ihm zeigte.

    Eine meiner Eigenschaften ist meine aufbrausende, jähzornige Art. Ich kann zwar meist lange an mich halten, aber wenn man mich zu lange, zu stark und zu hinterhältig reizt, sehe ich plötzlich nur noch Rot und dann werden bei mir verborgene Kräfte frei, die, vermischt mit meiner Wut, Angst und Schrecken verbreiten und grossen Schaden anrichten. Hinterher tut es mir immer furchtbar leid, aber Reue macht die Tat auch nicht mehr ungeschehen.

    Hugo verstand es ausgezeichnet mich zu reizen und zu triezen bis ich die Beherrschung verlor und genau dieses grausame Spiel liebte er, obschon er es war, der schliesslich die Prügel einheimste.

    An eine der ersten unserer Auseinandersetzungen kann ich mich mit dem besten Willen nicht mehr erinnern, obschon der Ausgang blutig gewesen sein musste. Mein Vater hatte mir einen riesig grossen Sandkasten eingerichtet in dem ich Sandburgen errichtete, Strassen, Brücken und Galerien baute und lange Tunnel durch die Berge bohrte. War ich mal nicht anwesend wenn Hugo vorbeikam, so zerstörte er genüsslich meine Kunstwerke um sich anschliessend noch zu brüsten für seine Heldentat.

    Man hat mir später erzählt, dass ich ihm geschworen hätte, ihn „tot zu machen" , wenn er noch ein einziges Mal meine Arbeit kaputtmachen würde.

    Ich habe ihm scheinbar mit meiner eisernen Schaufel eins übergezogen und ihm an der Stirne eine grosse klaffende Wunde zugefügt. Eine gut sichtbare, hässliche Narbe ist dabei übriggeblieben, die er fast sein ganzes Leben lang, immer mit einer Haarlocke verdeckte oder auch stolz zur Schau trug, je nach gegebener Situation.

    Seine Narbe war in der Folge mein Fluch, sie zeigte, dass ich ein gefährlicher, unbeherrschter Totschläger war, der einst am Galgen enden würde. Nicht dass mich das besonders belastet hätte, doch für die anderen war seine Narbe mein feuriges Kainszeichen.

    Ich glaube, ich war an und für sich nie ein geselliger Mensch, ich liebte das Alleinsein, ich liebte das einsame Träumen schon als Kind und bewegte mich gerne in meiner Fantasiewelt. Auf Störungen von aussen soll ich immer verärgert und schroff reagiert haben, so dass meine gleichaltrigen Kameraden mich mieden und bei ihren Spielen nur selten teilnehmen liessen.

    Dazu kam noch, dass ich die bei uns üblichen Spiele meist langweilig und primitiv fand und sie zu verbessern suchte. Ich erreichte damit, dass alle Spiele am Schluss unspielbar und kompliziert wurden und ich am Ende als gemeiner Spielverderber weggejagt wurde.

    Einzig beim „Völkerball" wollte man mich dabei haben, weil ich sicher war im Fangen der Bälle und mein Wurf wegen seiner Härte und Schnelligkeit gefürchtet war und regelrechte Massaker verursachte.

    Falls Hugo sich in der gegnerischen Mannschaft befand, war es mir ein Vergnügen ihn möglichst hart abzuschiessen. Zum Dank verleumdete er mich dann bei den Spielkameraden mit irgendwelchen abstrusen Behauptungen, bis ich vom Platz vertrieben wurde.

    Schon mit etwa fünf Jahren lernte ich lesen und damit tat sich mir eine neue Welt auf. Was mir an Gedrucktem in die Hände kam musste ich lesen, obschon ich anfänglich das meiste davon gar nicht verstand, denn die Schriftsprache unterscheidet sich sehr stark von unserem Dialekt. Dass unser Wort „Anke dasselbe sein sollte wie „Butter oder „Nidel gleich „Rahm, auf diese verrückte Idee musste man erst mal kommen. Allmählich eignete ich mir den nötigen Wortschatz an und das Gelesene wurde immer verständlicher und dadurch spannender.

    Zu meinem grossen Leidwesen hatten sich nur wenige Bücher in unseren Haushalt verirrt, in Arbeiterhaushalten war das Lesen noch ein Luxus, den man sich weder finanziell noch kräftemässig leisten konnte. Kam mein Vater nach 10 Stunden (im Sommer waren es 12) schwerer körperlicher Arbeit nach Hause, hatte er kaum je Lust sich in ein Buch zu vertiefen. Er überflog im besten Fall rasch die Zeitung, die dreimal wöchentlich erschien, aber meistens hatte er noch anderes zu tun im Haus und im Garten.

    Das dickste Buch in unserer „Bibliothek" (sie bestand aus ein paar Büchern und einigen zerfledderten Zeitschriften) war die Familienbibel, also begann ich mit ihr, denn sie schien mir vielversprechend zu sein.

    Eine meiner vielen Tanten, eine fromme Pietistin, half mir, mich in diesem Werk zurechtzufinden und ich hatte auch bald einige Geschichten im Alten Testament gefunden, die mich besonders interessierten und die ich auf meine Art interpretierte. Zum Beispiel die Schlacht um Sodom und Gomorra. Vom Jordantal aus griffen die deutschen Panzer an und aus der Luft kam ein amerikanisches Bombengeschwader und warf Bomben ab, Phosphorbomben und Granaten. Nach einer Stunde war alles vorbei, nur noch rauchende Trümmer waren übriggeblieben und auf einem weiten. leeren Feld stand eine Salzsäule, die Frau von Lot, die sich schadenfreudig umgedreht hatte obschon die Soldaten ihr das verboten hatten. Phantasievorstellungen eines Jungen im Winter 44 / 45.

    Auch der Moses hatte mir imponiert mit seinen Zaubertricks, aber ich kannte noch einen Zauberer persönlich, er nannte sich Rico Peter und zog von Dorf zu Dorf und zeigte seine Zaubertricks mit Karten oder mit seinem Zylinderhut voller Tauben und Kaninchen. Ja, von dem hätte Moses noch einiges lernen können. Am Nachmittag vor der Vorstellung bezahlte mir der Zauberkünstler ein „Vivikola" in der Gartenwirtschaft und zeigte mir ein paar einfache Tricks mit zwei weissen Seilen und dann redeten wir noch lange über die Leute des Dorfes. Ich gab ihm genaue Beschreibungen bestimmter Personen, verriet ihm verschwiegene Dorf– und Familiengeheimnisse. Da er Gedankenleser war, hätte er meine Angaben eigentlich nicht gebraucht, aber er wollte anscheinend auf Nummer Sicher gehen. Nach einer weiteren Flasche Kola schenkte er mir noch Freikarten für unsere ganze Familie. Es wurde ein toller Abend, nur beim Kapitel Gedankenlesen stutzte ich einige Male, denn mir kam plötzlich die Idee … aber dann durfte ich sogar noch auf die Bühne und konnte ihm helfen, die zwei Kaninchen wieder einzufangen.

    Am folgenden Tag verkündete ich vor einer grossen Kinderschar, dass Moses, im Vergleich mit Rico Peter ein kläglicher Stümper gewesen sei, denn wenn der Patriarch hätte Gedankenlesen können, wäre das mit dem goldenen Kalb gar nicht passiert.

    Die meisten Kinder begriffen nicht, wovon ich redete nur Hugo begehrte auf und nannte mich einen gottverdammten reformierten Ketzer, den man steinigen müsste und dann schmiss er einen faustgrossen Stein nach mir.

    Ich fand den „Ketzer" nicht ehrenrührig, im Gegenteil, es war ein neues und interessantes Wort aber den Stein nahm ich ernst, obschon er weit danebengegangen war. Meine Murmel hingegen traf genau zwischen seine Augen.

    Das nachfolgende Strafgericht wühlte wieder in den alten Geschichten von damals, als ich ihn hatte „totmachen" wollen. Die zwei erzieherisch wertvollen Ohrfeigen gab ich ihm am folgenden Tag kommentarlos weiter. Ebenso wortlos händigte er mir den Ersatz für die verlorene Murmel aus.

    Mein Leseeifer war für den Aufbau eines sozialen Netzes nicht besonders förderlich, das heisst, ich hatte während meiner Schulzeit eigentlich nie einen Freund, schon gar nicht eine Freundin, denn bei der damaligen Sittenstrenge und Bigotterie war ein solches Verhältnis unmöglich. Wenn nur schon ein leiser Verdacht aufkam, wurde man von Lehrern, Eltern und Pfarrherren derart ins Gebet genommen, dass man es lieber bleiben liess.

    Ich hatte einmal ein Mädchen vor dem Lehrer in Schutz genommen, weil er sie vor der ganzen Klasse so richtig fertiggemacht hatte. Wir nannten sie alle nur die „doofe Emma", weil sie kein Licht der Wissenschaft zu werden drohte, sondern eher das Gegenteil, aber dass sie das Bruchrechnen nicht begriff und ihr sogar das kleine Einmaleins fremd war und blieb, dafür konnte sie nun mal nichts, sie war zu blöd dafür.

    Dass sie der Lehrer aber tagtäglich deswegen blossstellte, beschimpfte oder gar schlug, konnte mein fanatisches Gerechtigkeitsgefühl nicht ertragen (auch Emmas verzweifeltes Weinen und Schniefen machten mich fertig).

    Als es einmal gar zu arg wurde, stand ich auf und sagte zum Lehrer er sollte sich schämen für sein gemeines Benehmen. Zur allgemeinen Freude und Belustigung der Klasse erhielt ich ein Dutzend Schläge mit der Rute auf den blossen Hintern.

    Der Schmerz war erträglich, die Schande nicht, sie schrie nach Vergeltung.

    Am folgenden Tag brachte mir Emma ein selbstgebackenes „Bauernbrot" (aus Weissmehl, Milch und Eiern).

    Das gab natürlich zu reden, denn nun war allen (auch dem Lehrer) klar, dass wir „etwas hatten miteinander". Nun war ich das Ziel von Spott und Hohn, aber ich war der Situation gewachsen.

    Leider war es das letzte Kuchenbrot das ich von Emma erhalten hatte, denn sie wurde auf das Drängen ihrer Eltern schon wenige Tage später in eine andere Schule im Nachbardorf versetzt.

    Kurz nach dem Krieg hatte der Nachbar einen neuen Knecht, einen bärenstarken Kerl, der auf seinem Kraushaar immer eine grüne Baskenmütze trug und seine Füsse steckten in Schaftstiefeln, wie sie von den Fallschirmspringern getragen wurden.

    Vom ersten Tag an zeigte man ihm deutlich, dass er hier unwillkommen war, weil er direkt aus dem Gefängnis gekommen war. Das heisst, er kam vom „Zugerberg, das war eine Strafkolonie der Schweizer Armee für „Landesverräter. Das Militärgericht hatte ihn verurteilt, weil er in fremden Diensten gestanden hatte, er hatte in der Fremdenlegion gedient. Uns Kindern war der Umgang mit ihm strengstens verboten.

    Ich beobachtete ihn eine Zeit lang und stellte dabei fest, dass er wohl kein Teufel in Menschengestalt sei, denn er war stets vergnügt bei seiner Arbeit und konnte laut und herzlich lachen. Ich mag Menschen, die lachen können, die anderen machen mir Angst.

    Er heisse Jacques, stellte er sich mir vor, das töne viel besser als unser „Köbi, sei aber dasselbe, einfach französisch. Der Typ gefiel mir. Er war stark, konnte arbeiten wie ein Pferd und wurde dabei scheinbar nie müde. Vor allem konnte er erzählen, denn er hatte einiges erlebt. Was ich aber am Anfang nicht gemerkt hatte, war seine grosse Liebe zum Alkohol. Zum Essen trank er Most (er sagte „cidre) wie alle anderen, vielleicht ein paar Schlucke mehr, aber in der Zwischenzeit nahm er regelmässig einen Schluck aus seinem „Flachmann oder seiner „Wanze wie wir diese flachen Schnapsflaschen nennen, die so gut in die Rocktasche passen.

    Am Abend, wenn die Stallarbeit beendet war, setzten wir uns auf die Bank vor dem Haus und Jacques erzählte von seinen Abenteuern in Indochina. Dabei hatte er nicht nur Krieg erlebt, er hatte fremdländische Tropenfrüchte gegessen, hatte schwitzend und keuchend den Dschungel durchquert, hatte Durst gelitten, hatte einen gefährlichen Tiger erlegt, war auf Elefanten geritten, war mit seinem Fallschirm in einem Baum hängengeblieben und hatte gute Kameradschaft erlebt.

    Von Krieg und Schlachtengetümmel erzählte er wenig und wenn, dann offensichtlich ungern. Er meinte einmal, es gebe im Prinzip zwei Arten von Krieg, der schmutzige Krieg und der noch schmutzigere.

    Oder einmal meinte er, die Soldaten seien keine Mörder sondern Opfer, Mörder seien jene, die den Krieg anzetteln und daran verdienten.

    Meine Eltern sahen es nicht gerne wenn ich mit ihm zusammen war, sie befürchteten nämlich, dass er mir „einen Floh ins Ohr setzen werde" mit seinen Schwärmereien von der Legion, die mich aber weit weniger lockte als fremde Welten, Dschungel, Tiger, andere Völker und ihre Kultur.

    Leider waren das seltene Abende an denen er erzählte, meist zog es ihn ins Wirtshaus zu Bier und Schnaps, zu seinem Stumpen und zu Seline, der Kellnerin. Manchmal blieb er bei ihr bis zum Morgengrauen, aber meistens endete seine Sauftour mit einer handfesten Schlägerei. Seine Widersacher, alles junge Burschen aus dem Dorf, fielen oft zu dritt oder zu viert über ihn her, aber sie zogen immer schmählich den Kürzeren, denn Jacques war eine, im Nahkampf gut ausgebildete Mordmaschine, die er zum Glück für seine Gegner sicher beherrschte, so dass es immer ohne Totschlag ausging.

    Aber der Schaden, den er anrichtete war trotzdem enorm. Der junge Bühl – Bauer verlor eine Ohrmuschel, ein Armbruch und zwei ausgekugelte Schultern gingen aufs Schadenkonto von Leuten aus dem Nachbardorf und schliesslich kam das gebrochene Nasenbein des Rössliwirtes noch dazu und führte zu einem generellen Wirtshausverbot für den Legionär in der ganzen Gemeinde.

    Mir war das mehr als Recht, denn nun hatte er wieder mehr Zeit zum Erzählen.

    Was mich nun auch interessierte war der Nahkampf, die Selbstverteidigung, denn ich war auch damals kein imposanter Muskelprotz und konnte mich bei tätlichen Auseinandersetzungen nur schwer behaupten, wenn überhaupt.

    Das Karatetraining von Jacques brachte mir viel, vor allem weil es mir erst einmal half, die Angst vor dem Gegner zu überwinden. Ich bekam Selbstvertrauen und es gelang mir auch, meinen Jähzorn in bewusste und zielgerichtete Aktionen zu verwandeln. Ich lenkte meine „blinde" Wut in die Bahnen des gezielten und wohlbedachten Angriffs. Es gelang mir bald ein geachteter Gegner auf dem Pausenplatz zu werden und schliesslich fürchteten selbst grössere Jungen sich mit mir anzulegen und ich begann meine Machtstellung aufzubauen.

    Hugo seinerseits war etwas in meinen Schatten gerückt und versuchte nun wieder Boden zurück zu gewinnen mit Intrigen, Verleumdungen, Erpressungen und Drohungen.

    Seine Gemeinheiten waren oft wirksamer als meine schnellen Schläge und gegen Lügen und Gerüchte hilft kein Karate.

    Jacques hatte nun einige Mühe an den für ihn so wichtigen Schnaps heranzukommen. Er kaufte regelmässig im Konsum sein Kirschwasser oder eine Flasche Tresterschnaps aber er hatte keine Lust mehr am Saufen, weil ihm die Gesellschaft fehlte. Saufen um des Saufens Willen machte ihm keine Freude, aber sein süchtiger Körper wollte saufen, auch ohne Freude.

    Nachdem er einige Male stockbetrunken randalierend durchs Dorf gezogen war durfte auch der Konsum keinen Alkohol mehr an ihn abgeben, doch das scherte ihn wenig, er musste noch andere versteckte Quellen haben.

    In einer hellen Vollmondnacht sah ich Seline an unserm Haus vorbeischleichen mit einem Körbchen am Arm. Ihr Ziel war wohl das Nachbarhaus. Sie brachte Jacques Nachschub samt Gesellschaft in eigener Person. Das war also seine Nachschubtruppe.

    In jenen Tagen erzählte mein Vater beim Abendessen, dass die Gemeinde diesen versoffenen Typen loswerden wolle, aber sie konnten ihn nicht einfach so wegschicken, weil er „ein Sohn" dieses Gemeinwesens war, das heisst, er war ein Bürger des Dorfes und somit hatte dieses für ihn zu sorgen.

    Man hatte zuerst überlegt, ob man ihn wieder in die Legion zurückschicken wolle, aber Jacques hatte derart die Schnauze voll vom Krieg, dass diese Lösung nicht in Betracht kam.

    Eine Entziehungskur hätte Geld gekostet, also verwarfen die Gemeindeväter auch dieses Projekt.

    Natürlich erzählte ich Jacques von den Umtrieben, die seinetwegen begonnen hatten, aber statt zu fluchen, grinste er nur und sagte mir, er wolle mir mal etwas zeigen, falls ich schweigen könne.

    Er nahm mir den Schwur ab, zu schweigen wie ein Grab, ansonsten … hier machte er das gut verständliche Zeichen des Halsabschneidens.

    In seiner Kammer zeigte er mir dann ein kleines graues Segeltuchsäcklein voller Goldmünzen. Noch nie im Leben hatte ich echtes Gold gesehen. Er gab mir eine Münze in die Hand und erklärte mir, dass das ein „Napoleon sei, eine französische Goldmünze, die sei etwa doppelt so viel wert wie ein Schweizer „Vreneli.

    Beim Wort Napoleon musste ich lachen, denn so hiess der Dackel des Försters und dieser „Näppi" wie wir ihn nannten war ein arger Herumtreiber, Bettler und Vagabund.

    Ich war ganz fasziniert vom seltsamen Glanz, der von diesem Geldstück ausging, ein warmes Leuchten, das wohl dem grossen Kaiser Napoleon galt.

    Jacques erklärte mir dann, dass er im Grunde genommen ein reicher Mann sei und nicht auf die Almosen dieser Geizkrägen im Dorf angewiesen. Bevor er sich zurückziehe, wolle er die Schweinebande hier noch etwas ärgern. Er hatte geplant nach Frankreich zurückzukehren in eine Art von Altersheim speziell für Legionäre und dort mit andern Kameraden zusammen den Lebensabend zu geniessen.

    Bevor er sein Leinenbeutelchen wieder verschloss, drückte er mir zwei Goldstücke in die Hand und sagte mir, dass er sie mir anvertraue bis zu seiner Abreise als eine Art von Notpfennig oder Versicherung, falls man ihm das andere Gold klauen würde. Einen dieser Goldvögel müsste ich ihm zurückgeben, den andern könnte ich behalten.

    Mir schien es, dass Jacques immer mehr und stärker unter Alkoholeinfluss stehe, obschon ihm die Gemeindeväter alle Quellen verstopft hatten, ausser seinem letzten Brunnen, der Kellnerin Seline, die ihn noch versorgte. Bei der Menge, die seine gute Fee anschleppte, müsste das doch auffallen, aber niemand schien das zu interessieren.

    Es war während der Heuernte als ich eines Morgens sah, wie Jacques seinen Flachmann auffüllte mit Brennspiritus. Ich glaubte, er hätte sich in der Flasche geirrt, doch er grinste nur und sagte, das sei auch Schnaps, halt mit einem schlechten Geschmack aber sonst OK.

    Wir hatten Schulferien, damit wir beim „Heuet" mithelfen konnten und ich hatte mich beim Nachbarn verdingt für diese Zeit. Ich bemerkte, dass Jacques nicht mehr viel taugte bei der strengen Arbeit. Er schwitzte schon beim Anblick der Arbeit und beim Mähen (damals noch von Hand mit der Sense) mussten wir ihm die letzte Reihe überlassen weil er so langsam war. Nach dem Mittagessen war er verschwunden und ich wurde ausgeschickt ihn zu suchen. Als ich am Stall vorbeiging hörte ich ein jämmerliches, klägliches Stöhnen im Stall. Ich vermutete sofort, dass jemand von der Heudiele heruntergefallen sei und nun im Stall liege mit gebrochenen Knochen.

    Die Geräusche kamen aus der leeren Kälberbox.

    Da lag Seline, den Rock hochgezogen und wurde von Jacques „besprungen" und beide keuchten und stöhnten als ob sie Bauchgrimmen hätten.

    Mich amüsierte die Szene und ich zog mich rasch wieder etwas zurück.

    Als sie ihr Werk vollbracht hatten rollte Jacques grunzend wie ein Schwein in das Stroh. Seline reichte ihm die Schnapsflasche hinüber und er trank in vollen Zügen als ob es Wasser gewesen wäre.

    Wenige Augenblicke später schnarchte Jacques und Seline machte sich an ihm zu schaffen. Sie drehte ihn um, damit sie besser an seine Geldtasche herankam. Ich sah nun wie sie eine rotgelbe, glänzende Münze herausklaubte und in ihr Portemonnaie steckte.

    Na, der Freier hatte anscheinend gut getan, mir einen Notpfennig anzuvertrauen.

    Ich betrat nun offiziell den Stall, betont lautstark um dem Liebespärchen einen ehrenvollen Abgang zu ermöglichen.

    Die beiden Zugstiere mussten eingespannt werden. Am Nachmittag wurde das Heu hereingeholt und da mussten alle anpacken.

    Ich hatte den ersten Stier angeredet, ihn am Hals gekrault, das mögen sie nämlich und dann habe ich die Kette vom Nasenring gelöst und das mächtige Tier am Strick hinausgeführt. Es folgte mir willig wie ein zahmes Hündchen an der Leine, dabei war es ein furchterregendes Tier mit spitzen Hörnern, schnaubenden Nüstern, einem schreckhaften Gemüt und tausend Kilo Eigengewicht, vor allem aus Muskeln bestehend.

    Bevor ich mein Tier fertig angeschirrt hatte wurde es unruhig, warf den Kopf in die Luft und stiess ein heiseres Brüllen aus. Es musste irgendetwas los sein im Stall drüben. Ketten rasselten, Jacques rezitierte sein Repertoire an französischen Flüchen, immer lauter werdend, begleitet vom Klatschen der Stockschläge. Ich beruhigte mein Tier und dann eilte ich zum Stall hinüber.

    Mich erwartete ein Bild des Schreckens. Jacques, an die Wand gepresst und vor ihm der Stier, dumpf brüllend, die weisse Spitze des Horns genau auf der Mitte des Hemdes, die weit aufgerissenen Augen des Knechtes und dann drang die Hornspitze in seine Brust, die mit knacken und splittern dem Druck nachgab.

    Zuckend hing der Körper am langen Horn und belästigte den Stier, der sich nun zu befreien versuchte und brüllend den Kopf hin und herschwang.

    Schliesslich klatschte der leblose Körper auf den Stallboden und der Stier lief ins Freie.

    Ich starrte wie gebannt auf Jacques. Sein Körper zitterte noch leicht, aus der Brust sprudelte sein Blut wie Wasser aus einer Quelle und aus seinem Mund trat blutiger Schaum, die Augen starrten ins Nichts. In keinem Moment hatte er geschrien oder gestöhnt. Er hatte sich nicht mehr wehren können, dieser starke und mutige Krieger. Da war Kraft gegen Kraft angetreten und der andere war der Stärkere. Voilà.

    Der Bauer meinte, dass Jacques nichts gespürt habe, besoffen wie er gewesen sei und dann das Horn, genau ins Herz, das sei sehr schnell gegangen, quasi schmerzlos.

    Als ich ins Freie trat sah ich den Stier vor dem Haus wie er friedlich die Geranien der Bäuerin frass, aber niemand wagte es, ihn zu vertreiben. Ich ging zu ihm hin, redete ruhig mit ihm und dann trottete er friedlich hinter mir her und liess sich problemlos neben seinen Kumpel an den Wagen spannen.

    Man schickte ein Kind ins Gemeindehaus um den Vorfall zu melden. Der Gemeindeschreiber solle bitte auch noch Arzt und Polizei benachrichtigen, damit alles seine Richtigkeit habe.

    Die Stalltüre wurde abgeschlossen, die Bäuerin blieb zu Hause und wir fuhren aufs Feld um das Heu einzufahren, denn es war schlechtes Wetter vorausgesagt worden für die nächsten Tage.

    Als wir uns an den Tisch setzten zum Abendessen, es ging schon gegen Mitternacht, war der Totenschein schon ausgestellt und der Tote lag, gewaschen und aufgebahrt in seinem Zimmer.

    Bevor ich nach Hause ging, wollte ich den Toten nochmals sehen. Man gab mir den Zimmerschlüssel und ich eilte im Dunkeln die knarrende Treppe hoch. Plötzlich blieb ich stehen. Da war doch dieser üble Geruch nach verdorbenem Fisch in der Luft, da musste Seline, die Kellnerin irgendwo versteckt sein.

    Was zum Teufel hatte die um diese Nachtzeit in einem fremden Haus zu suchen?

    Ich horchte aufmerksam in die Dunkelheit. Da war nichts zu hören.

    Mir schien, dass sich jemand am oberen Ende der Treppe befinde, aber das Licht vom Korridor genügte nicht, damit man etwas hätte sehen können.

    Mir wurde ganz mulmig zu Mute. Wenn da oben Seline auf mich lauerte? Sie hatte es sicher auf die Goldvögel abgesehen, konnte aber ohne Schlüssel nicht in die Kammer.

    Ich stellte mir vor, wie sie da oben stand und sich mit der linken Hand am Treppengeländer festhielt, in der Rechten ein grosses Küchenmesser mit dem sie mich abschlachten wollte … nun konnte ich meine Karatekünste anwenden … sie an beiden Beinen packen und dann schnell die Füsse wegziehen damit sie hintenüber fiel … und dann … ich war noch ein kleiner Knirps neben dieser stattlichen und starken Frau … sie konnte mich am Genick hochheben wie ein Kaninchen … mich mit ihrem Messer in kleine Stücke schneiden, bevor ich nur bis drei zählen konnte …

    „Ist jemand da oben?" rief ich ins Dunkel.

    Da ging oben das Licht an. Seline stand heulend vor der Kammertüre des Toten.

    Sie wollte Totenwache halten, sagte sie.

    Wir kannten bei uns diesen Brauch nicht, aber Seline kam aus der katholischen Innerschweiz und da soll es scheinbar Sitte sein, bei einem Toten zu wachen und zu beten beim Kerzenschein.

    Ich meinte, dass Jacques das wohl nicht gewollte hätte, aber nun konnte er sich nicht mehr wehren.

    Sie beichtete mir nun, dass sie Jacques geliebt hätte, sie sei es ihm schuldig, denn sie seien wie Mann und Frau gewesen.

    „Ja so wie heute in der Kälberbox," entfuhr es mir.

    Wie von einer Wespe gestochen fuhr sie mich wütend an. Ich sei ein verdammter Spion und Fenstergucker, ein verdorbenes Schwein und noch so jung. Das werde ein böses Ende mit mir nehmen … und so weiter, (zum Glück war das Messer in ihrer rechten Hand nur Einbildung gewesen)

    Einen Moment lang betrachtete ich das wachsbleiche Gesicht des Toten. Er machte einen friedlichen Eindruck, er war sauber rasiert und sein sonst so wirres Haar war akkurat gescheitelt.

    Sein rechter Mundwinkel war leicht nach oben gebogen, als ob er sich über uns lustig machen wolle.

    Am folgenden Tag wurde er eingesargt und der Totengräber hatte im Friedhof an einer entfernten Stelle das Grab ausgehoben und holte dann zusammen mit dem Sargschreiner den Sarg.

    Sie fuhren den Toten mit ihrem Handkarren durchs Dorf, wurden dann aber von meinem Vater angehalten.

    Er war ausser sich vor Zorn und befahl den beiden zum Gemeindehaus zu fahren. Dort machte er einen Riesenkrach, weil man einen Gemeindebürger einfach so klammheimlich verscharren wolle wie einen toten Hund. Mittlerweile hatten sich ihm noch andere Dörfler angeschlossen und eine Stunde später wurde der Sarg auf den damals üblichen Leichenwagen mit Pferdegespann umgeladen und dann unter feierlichem Glockengeläute zu seiner letzten Reiseetappe geführt. Ein Geistlicher war zwar nicht dabei, denn Jacques hatte ja auch nie eine Kirche besucht.

    Wir waren etwa zehn Personen am Grab, darunter auch Seline mit ihrem geflochtenen Korb und einer Schnapsflasche unter einem Tuch versteckt. Sie betete so lange bis alle Leute weg waren und der Sarg unter der Erde lag, dann entkorkte sie die Flasche und goss den Inhalt über das Grab.

    Am folgenden Tag kam Seline zu mir, den Schnapskorb am Arm und wollte mit mir sprechen.

    Sie sagte sie hätte den Nachlass des Toten geordnet und dabei einiges gefunden, das mich vielleicht interessiere. Ein dickes Paket, grob verschnürt enthielt seine Papiere, wie Soldbuch, Ausweise, Entlassungspapiere, einen französischen Pass und einige kleine Notizbücher, eine Art von Tagebuch.

    Dann gab sie mir noch eine nagelneue grüne Militärmütze als Andenken an ihn.

    Ich erzählte ihr noch von den Goldmünzen, die er mir geschenkt hatte, wobei ich ihm die eine in den Sarg hätte legen sollen.

    Seline fand, das wäre eine schlechte Idee Geld zu vergraben, aber man könnte damit eine schöne Grabplatte auf sein Grab legen, sie würde sich auch daran beteiligen, sie habe übrigens auch ein paar Goldvögel geerbt.

    Auf einer Platte aus schwarzem Granit prangte die siebenflammige Granate der Fremdenlegion und darunter in schlichten Buchstaben JACQUES und die Jahreszahlen seiner knapp 40 Lebensjahre.

    Die Friedhofkommission beanstandete anschliessend den Grabstein wegen der Granate aber schliesslich liess man es bei einem Brief bewenden in welchem Seline und ich gebeten wurden, in Zukunft eine genaue Beschreibung mit Zeichnung zur Bewilligung einzureichen.

    Werden wir selbstverständlich tun, in Zukunft, hochgeehrte Friedhofs- und Bestattungskommission.

    Der Tod des „Kriegers" wie ihn meine Mutter genannt hatte liess meine Eltern aufatmen, denn sie waren um mich besorgt gewesen wegen dieser Bekanntschaft, denn mit seiner Sauferei war er wahrlich kein Vorbild gewesen und als er mir dann noch Anleitung gab in Kampfsport und Nahkampf, hatten sie Angst, ich werde ein übler Raufbold und Schlägertyp.

    Meine geringe Körpergrösse und meine schwache Konstitution hatten mich aber frühzeitig gelehrt, allen Händeln und Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, vielleicht hatte ich nun eine geringe Chance, mich im Notfall wehren zu können.

    Immerhin hatte Hugo von nun an Respekt vor meinen Kniffen und harten Schlägen und er liess mich meist in Ruhe, obschon er grösser, stärker und viel schwerer war als ich und mir weit überlegen im Ringkampf.

    Einige Tage nach der Bestattung wurde der „Fall Jacques" von den Behörden offiziell untersucht. Man verlangte auch meine Anwesenheit. Ausser dem Tierarzt, dem Metzger und dem Gemeindeschreiber waren noch zwei uniformierte Kantonspolizisten am Tatort.

    Wir mussten den Ablauf des Unglücks nochmals nachspielen.

    Als ich in den Stall ging um den ersten Stier zu holen waren die Polizisten strikt dagegen, dass ein „kleines" Kind (ich war immerhin schon Sekundarschüler !) allein eine solche wilde und bösartige Bestie aus dem Stall führe.

    Schliesslich konnten wir sie überzeugen, dass es absolut ungefährliche Haustiere seien.

    Als ich mit der ersten Tonne Fleisch und Muskeln aus dem Stall kam, wichen die Polizisten zurück und der eine hielt vorsorglich die Hand auf seiner Pistole.

    Als dann der Bauer mit dem anderen Stier, dem „Mörder" aus dem Stall kam, wichen alle Anwesenden ein Stück zurück, denn man konnte ja nie wissen, was im Kopf eines solchen Untiers vor sich ging.

    Zu zweit spannten wir die Tiere vor den Karren, ich kraulte beide am Hals und sie leckten meine Hände (die ich vorher ins Salzfass getaucht hatte). Ein Bild des Friedens und der Eintracht.

    Der Tierarzt trat nun hinzu und betastete die Tiere, schaute ihnen ins Maul und leuchtete in die Nüstern.

    Die beiden Hüter der Ordnung kamen nun auch etwas näher und vergewisserten sich, dass es absolut zahme und harmlose Tiere seien.

    Der Bauer erklärte nun, dass die meisten Hoftiere keine betrunkenen Menschen mögen, sie hätten wohl Angst vor ihrer Unberechenbarkeit. Wenn dann der Besoffene das Tier noch quäle, schlage, in den Bauch trete

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