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Wolfskinder
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eBook778 Seiten8 Stunden

Wolfskinder

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Über dieses E-Book

Gedemütigt, geschlagen oder sexuell missbraucht, sind sie aus ihrem Elternhaus geflohen und leben auf der Straße, im Hauptbahnhof, in Schrebergärten oder dem alten Güterhauptbahnhof. Sie misstrauen jedem Erwachsenen und sind ständig auf der Hut vor dem Jugendamt und der Polizei, die sie wieder in ihre Familie bringen oder in ein Heim einweisen wollen.
Man nennt sie Wolfskinder.
Allein dem Jugendpsychologen Heiko Müller von der "Treppe", einem gemeinnützigen Verein in Hannover, und seinen Kollegen vertrauen sie.
Auf höchst unkonventionelle Weise gelingt es Müller, die Jugendlichen von der Straße zu holen und dauerhaft wieder in die Gesellschaft zu integrieren.
Doch nicht immer schätzt er die Situation der Jugendlichen richtig ein und macht dann einen fatalen Fehler.
Als er sich in eins der Mädchen verliebt, erlebt er ungeahnte Freuden, aber auch Tage voller Turbulenzen, an denen die Beziehung zu zerbrechen droht.

"Wolfskinder" ist ein Roman über eine eigentlich unmöglichen Liebe, über Jugendliche, die sich nach Geborgenheit, Verlässlichkeit und Liebe sehnen, romantisch und brutal, rührend und verstörend.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum13. Aug. 2015
ISBN9783738036831
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    Buchvorschau

    Wolfskinder - Klaus Melcher

    Kapitel 1

    Pünktlich um 7.30 Uhr betrat Edo Buchholz durch eine gläserne Schwingtür den langen Flur, der nur von einigen Neonlampen und den Glasausschnitten in den Türen beleuchtet wurde.

    Er hasste diesen Flur, der so ungemütlich war, als wollte man allein dadurch jeden Besucher abschrecken, eine Amtsstube zu besuchen.

    Einmal hatte er vorgeschlagen, wenigstens einige Stühle neben die Türen zu stellen, doch seine Kollegen hatten protestiert. Wer hierher kam, war ein Bittsteller, man musste ihm sein Anliegen nicht versüßen.

    Selbst Zimmerpflanzen gediehen hier nicht, und so blieb der Gang wie er war: ein schmaler langer Schlauch mit grauem Linoleum und einem eigentümlichen Geruch, der Edo Buchholz an den Geruch erinnerte, den er aus seiner Zeit in der DDR kannte, der von allem Besitz ergriffen hatte, was einem Normalbürger zugänglich war. Ob er im Zug saß, in der HO einkaufte, in seiner kleinen Gaststätte um die Ecke ein Bier trank oder eine Frikadelle aß, die nach allem schmeckte, nur nicht nach Fleisch, selbst in der Kaserne hatte man diesen Geruch in der Nase gehabt.

    In den meisten Büros roch es ähnlich.

    Auch in seinem.

    Nur bei einigen Kolleginnen wurde der Geruch von dem süßlichen oder herben Duft eines Parfüms überdeckt, und wenn sie ihre Tür einen Augenblick länger offen ließen oder über den Gang stöckelten, dann zog auch durch den Flur ein Hauch von Chanel oder Dolce & Gabana, Dior oder Giorgio Armani.

    Er kannte sie alle, die teuren Düfte, und konnte sie zuordnen. Jede Kollegin hatte ihren eigenen Duft, war an ihm schon im Aufzug zu erkennen.

    Manchmal, wenn der Duft ihn besonders berauschte, ließ er seine Tür einen Spaltbreit offen, um ein bisschen von ihm zu stehlen und ihn in sein Büro zu holen.

    Nur mit den billigeren Düften hatte er seine Schwierigkeiten.

    Anfangs hatte er gedacht, die ganz jungen Kolleginnen trügen sie, doch dann musste er erstaunt feststellen, dass die wirklich teuren Parfüms vorwiegend von den jüngeren getragen wurden, während sich die ganz alten mit 4711 und Uralt Lavendel bis zur Rente begnügten. Sie hatten in diesem Duft hier begonnen, und sie würden mit diesem Duft ausscheiden, amtsmüde, frustriert, weil sie nicht viel hatten ändern konnten, desillusioniert.

    Dazu passten nicht Chanel und all die anderen Wohlgerüche. Das würden die Jungen auch noch lernen.

    Sein Büro lag ganz am Ende des Ganges, war noch kleiner als die anderen und bot Platz für nur eine Person.

    Hier hatte sich ursprünglich eine Kaffeeküche befunden, aber da sowieso niemand einen Kaffee oder Tee zubereitete, von einem warmen Imbiss ganz zu schweigen, hatte man aus diesem Raum kurzerhand ein Mitarbeiterzimmer gemacht und ihm zugewiesen. Er brauchte kein größeres, da er kaum jemals Besuch erwartete.

    Unglücklich war Buchholz darüber nicht. Er musste sich sein Zimmer nicht mit einem Kollegen teilen, und er hatte Wasseranschluss und einige Steckdosen mehr, ein Luxus, von dem andere nur träumten.

    Sonst glich sein Zimmer in der Ausstattung denen seiner Kollegen.

    Ein mit hellbrauner Kiefer furnierter einfacher Büroschreibtisch, ein ebenfalls hellbraunes hohes Regal, ein niedriges Regal und ein Schreibtischstuhl bildeten die ganze Einrichtung.

    Auf dem niedrigen Regal standen ein Wasserkocher, die Teekanne und Teedose. Der Wasserkocher hatte seine Spuren hinterlassen. Das Furnier war hier aufgequollen und bildete kleine wellenartige Erhebungen. Hinter einem kleinen Vorhang, den Buchholz mit Reißzwecken an das Regal gepinnt hatte, verbargen sich die Utensilien für unbeschwerten Teegenuss.

    Die Schreibtischplatte war fast pedantisch in vier Segmente geteilt. Das zentrale und wichtigste war das unmittelbar vor dem Schreibtischstuhl. Hierhin zog er das, woran er gerade arbeitete. Das konnte eine Akte sein oder die Tastatur seines Computers.

    Notizen zu dem jeweiligen Fall lagen grundsätzlich links vom zentralen Arbeitsplatz.

    Rechts von ihm war das dritte Segment, in dem er die bearbeiteten Papiere ablegte.

    Den hinteren Teil der Schreibtischplatte teilten sich sein kleines Radio, der Bildschirm, der Drucker, die Körbe für die ausgehende und eingehende Post.

    An der Wand hingen zwei Urlaubsfotos, ein Bild von den Malediven, seine Frau und er umarmten sich in dem blauen Wasser, und eins dreißig Jahre später von Kroatien. Das Wasser war fast ebenso blau, die Sonne schien genauso strahlend. Nur ihre Körper waren älter geworden, viel älter.

    Sonst war der Raum ohne jeden Schmuck. Den Versuch, eine Pflanze etwas Leben in den Raum bringen zu lassen, hatte die Pflanze nicht überstanden.

    Buchholz machte – sicher nicht ganz zu Unrecht – die Ausdünstungen des Linoleumbodens dafür verantwortlich und gab es nach dem dritten Versuch auf, eine lebende Blume in sein Zimmer zu holen. Und eine Plastikblume lehnte er grundsätzlich ab.

    Und so war es mit allem in seinem Büro. Wenn er ehrlich war, hier gedieh kein Leben.

    Irgendwann würde es sterben.

    Wenn Buchholz morgens sein Büro betrat, folgte er immer einem ganz bestimmten Ritual. Er trat auf den Schreibtisch zu, schaltete das Radio ein, entnahm im Vorbeigehen dem Eingangskorb die Post, ging um den Schreibtisch herum, legte die Post auf den Arbeitsplatz und steuerte das Fenster an, das er mit einem energischen Griff öffnete. Dann ging er zu dem niedrigen Regal, setzte Teewasser auf und füllte den Teefilter.

    Die drei Minuten, die das Wasser brauchte, um zu kochen, blieb er wie andächtig am Regal stehen.

    Wenn es blubberte, goss er es in die Kanne, achtete darauf, dass die Filtertüte nicht in die Kanne rutschte und klemmte sie mit dem Kannendeckel fest.

    Noch einmal wartete er drei Minuten, während derer er sein kleines Stövchen, die Teetasse mit Teelöffel und die Zuckerdose auf den Schreibtisch stellte.

    Gerade hatte er das Teelicht entzündet, zwei Kluntjes in die Tasse gegeben, da klingelte der Kurzzeitwecker, und der Tee war fertig.

    Buchholz entsorgte den Filter, schenkte sich eine Tasse ein und setzte die Kanne auf das Stövchen.

    So geschah das schon, so lange er in diesem Büro arbeitete. Und so würde es auch weiterhin ablaufen.

    Die Arbeit konnte beginnen.

    Ganz oben auf dem Stapel der zu bearbeitenden Fälle lag ein roter Leitz-Ordner mit der Aufschrift „Wolfskinder". Er barg mehrere Aktendeckel, die mit unterschiedlich vielen Kürzeln einer ganzen Reihe von Mitarbeitern und zwei roten Stempeln geschmückt waren, die diagonal über das Deckblatt gedruckt waren.

    „Dringend!, stand da, und darunter hatte jemand noch „Sofort! gesetzt, als hätte der erste Vermerk nicht ausgereicht, um die Mühlen der Verwaltung etwas anzukurbeln.

    So war es häufig, wenn die Polizei oder die Kollegen nicht vorwärts kamen. Sie rafften alle Papiere zusammen, steckten sie in einen Aktendeckel, der dank seiner vielen Kürzel besonders wichtig erschien, und versahen ihn mit dem Stempel „Dringend!". Und dann landete er bei Buchholz oder einem seiner Kollegen auf dem Schreibtisch.

    Einmal, vor Jahren, hatte er es gewagt, den Fall, an dem er gerade arbeitete, vorzuziehen, hatte die neue Akte, die sich so einfach vorgedrängt hatte, nach unten gelegt, wohin sie seiner Meinung nach auch gehörte.

    Nächtelang hatte er von dem Donnerwetter geträumt, das sein Chef hatte über ihn niederprasseln lassen. Ob allgemeine Anweisungen nicht für ihn gelten, was er sich einbilde, selbst die Prioritäten zu setzen, das waren nur die harmlosesten Beschimpfungen.

    Und dabei hatte er noch Glück. Sein Chef hatte auf eine Abmahnung verzichtet und kurz vor Feierabend, als Buchholz ihm Bericht erstatten sollte, ihm freundlich auf die Schulter geklopft.

    „Sie wissen, ich lasse Ihnen größtmögliche Freiheit. Aber wenn ich „Sofort! stemple, dann haben Sie diese Freiheit nicht mehr.

    Und jetzt hatte er wieder so eine eilige Akte vorliegen. Genau sieben Vorgänge waren in diesem Ordner zusammengefasst, der schon durch seine aufdringliche Farbe seine Wichtigkeit demonstrierte.

    An dem ersten Deckel klebte ein Zettel mit einer Kurznotiz des Chefs:

    „Erwarte schriftlichen Bericht über die ‚Wolfskinder’ bis Freitag."

    Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Wohl eine der undankbarsten Arbeiten. Er würde sehr vorsichtig sein müssen.

    Er klappte den ersten Deckel auf.

    Das Bild, das mit einer Büroklammer an der Innenseite des Deckels befestigt war, zeigte ein Mädchen von vielleicht dreizehn Jahren, so genau konnte man das heute nicht mehr sagen. Während die Jungen sich alle Mühe geben konnten, älter auszusehen, als sie in Wirklichkeit waren, gelang es den Mädchen wie von selbst, jedenfalls denen, mit denen er zu tun hatte.

    Carmen Brandt, das Foto war zwei Jahre alt, es gab wohl kein neueres, war tatsächlich sechzehn Jahre alt, war wieder einmal nicht zur Schule gegangen. Stolze sieben Wochen war sie dem Unterricht ferngeblieben, ohne dass eine Reaktion der Schule erfolgt wäre.

    Buchholz konnte es nicht fassen.

    War es den Lehrern gar nicht aufgefallen, dass eine ihrer Schülerinnen fehlte? Oder war man nur froh, eine, noch dazu wohl schwierige, Schülerin weniger in der Klasse zu haben?

    Und die Eltern? Bekamen die das Schwänzen ihrer Tochter gar nicht mit?

    Buchholz wusste zwar von Fällen, da hatten Schüler morgens das Haus verlassen, beladen mit Tasche, Schulbüchern und Butterbroten, hatten an der Haltestelle gewartet und waren in den entgegengesetzten Bus gestiegen, hatten ihre Tasche am Bahnhof in einem Schließfach deponiert und hatten sich dann den Tag über in der Stadt herumgetrieben.

    Das ging ein paar Tage so, vielleicht auch zwei Wochen, aber dann musste doch jemand das bemerken.

    Hier schien das Fehlen des Mädchens niemandem aufgefallen zu sein.

    Buchholz blätterte ein paar Seiten durch.

    Der Inhalt war enttäuschend. Eine Aufzählung von Versäumnissen und Schlampereien. In aller Eile zusammengetragen.

    Einmal hatte man die Eltern besucht. Von bedenklichen Familienverhältnissen war die Rede. Die Sozialprognose war ungünstig. Man nahm an, das Mädchen würde auf der Straße leben und wohl auch enden.

    Der nächste Fall, ein Junge von vierzehn Jahren, war zwei Monate nicht in der Schule erschienen und war von zu Hause abgehauen. Der Kollege Müller hatte den Jungen im alten Güterhauptbahnhof aufgespürt und zurückgeführt.

    Er betreute ihn immer noch, traf sich in regelmäßigen Abständen mit ihm.

    Buchholz blätterte weiter.

    Kapitel 2

    Sie war ihm schon gestern aufgefallen.

    Wie zufällig, ziellos schlenderte sie durch den Hauptbahnhof, blieb an den verschiedenen Imbissbuden stehen, ohne Absicht, wie es schien. Mit einem flüchtigen Blick streifte sie die Stehtische im Eingangsbereich, musterte die Pappteller, die unordentliche Gäste hatten stehen lassen.

    Hin und wieder änderte sie ihre Richtung, trat wie zufällig auf einen der Tische zu, auf denen ein Teller mit noch einem halben Brötchen lag, griff zu, füllte etwas Ketchup nach und verschwand so unauffällig wie sie gekommen war.

    Nebenan, in einer Ecke oder hinter einer der Anzeige- oder Reklametafeln, schlang sie das Brötchen in sich hinein, wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab, ließ den Teller hinter sich fallen und begab sich erneut auf Beutesuche.

    Das Mädchen war sechzehn Jahre alt, vielleicht einen Monat jünger oder älter, mehr ganz sicher nicht.

    Heiko Müller hatte ein Auge dafür. Ihm machte niemand etwas vor, wenn es darum ging, das Alter Jugendlicher, gleich ob Mädchen oder Junge, zu schätzen. Er hatte es in den vergangenen Jahren gelernt, und seine Trefferquote war nahezu hundertprozentig. Sie konnten sich verkleiden und schminken, wie sie wollten, er sah ihr tatsächliches Alter.

    Und deshalb saß er hier, in dem kleinen Bistro am Ende der Halle, kurz bevor man den Ausgang zum Raschplatz erreichte.

    Hier hatte er den Überblick, hier kamen die vorbei, die ihn interessierten, Mädchen wie das dort, Gestrandete ohne Bleibe, die wussten, dass sie gesucht wurden, und deshalb einen Ort bevorzugten, den sie schnell verlassen konnten und dessen Labyrinth von Gängen, dunklen Ecken und ungenutzten Räumen ihnen Schutz bot.

    Hier hinten fiel das Mädchen nicht auf.

    Die Reisenden, die zur U-Bahn wechselten, hatten es eilig, niemand wäre auf den Gedanken gekommen, das Mädchen genauer zu betrachten.

    Es störte ja auch nicht, viel weniger jedenfalls als andere, die durch den Gang wankten und Passanten um einen Euro oder eine Zigarette anbettelten.

    Müller gab der Serviererin ein Zeichen. Sie nickte, kam hinter dem Tresen hervor und stellte ein Schild auf den Tisch.

    Unmissverständlich verkündete es: Dieser Tisch war reserviert.

    Ohne Eile verließ Müller das Bistro und schlenderte auf das Mädchen zu, das ihn noch nicht bemerkt hatte.

    „Hast du Hunger?", fragte er, als er neben ihm stand.

    Erschrocken sah sie ihn an, wollte sich wegdrehen, weglaufen, aber er hielt ihren Arm. Nicht fest umklammert, sie hätte sich befreien können, mit Leichtigkeit. Sie hätte auch schreien können. Irgendwer hätte ihr sicher geholfen, und in dem Durcheinander, das entstanden wäre, hätte sie sich verdrücken können.

    Sie tat nichts.

    Sie stand da, seine Hand an ihrem Oberarm, sah ihn an und war wie gelähmt.

    „Hast du Hunger?", fragte er noch einmal.

    Sie nickte.

    Und schon führte er sie sanft zum Bistro, öffnete die Tür und schob sie hinein.

    „Setz dich!", forderte er sie auf, stellte das Schild zur Seite und setzte sich auch.

    „Such dir was aus", sagte er, als er bemerkte, wie gierig sie die kleine Speisekarte betrachtete.

    Während sie auf das Essen warteten, betrachtete Müller seinen Gast.

    Er hatte sich nicht geirrt. Auch jetzt aus der Nähe blieb er bei seinem Urteil. Sie war sechzehn Jahre alt, auch wenn sie älter aussah.

    Aber sie war unglaublich verwahrlost.

    Ihr langes dunkles Haar hing in verklebten Strähnen hinunter. Das schön geschnittene Gesicht mit seiner niedlichen Nase und seinem sinnlichen Mund, der sicher alles erreichen konnte, die traurigen dunklen, fast schwarzen Augen, all das konnte sicher jeden Mann zum Schmelzen bringen. Es musste nur gewaschen werden.

    Das galt auch für ihre Kleidung, die vor Dreck fast stand. Seit Wochen war sie mit Sicherheit nicht gewechselt worden und unterschied sich nicht von der der Stadtstreicher, die man hier und an den anderen einschlägigen Orten der Stadt antraf.

    Aber trotz dieses fast abstoßenden Eindrucks hatte Müller sofort bemerkt, man musste dieses Mädchen nur waschen und ihm saubere Kleidung geben, und man hätte eine Schönheit vor sich.

    „Komm, sagte er, als sie aufgegessen hatte, „jetzt wollen wir dich erst einmal ein wenig wiederherstellen.

    Sie sah ihn fragend an.

    Sie hätte sich ja denken können, dass da irgendein Haken dran war. Kein Mann spendierte einem fremden, heruntergekommenen Mädchen ein Essen, ohne sich dabei etwas zu denken. Sie hatte gegessen, jetzt hatte sie die Zeche zu bezahlen. Sie kannte einige Mädchen vom Raschplatz, die hatten es ihr erzählt.

    Nein, hämmerte es in ihrem Kopf. Sei nicht blöd!, sagte eine andere Stimme, du kannst jederzeit aussteigen! Nimm mit, was er dir bietet!

    Viel Zeit zum Überlegen hatte sie nicht. Wieder hatte er ihren Oberarm gefasst, als wollte er ihr beim Aufstehen und Gehen behilflich sein, wieder fühlte sie den sanften Druck, wieder ließ sie sich führen.

    Sie hatte keinen eigenen Willen.

    Sie verließen die Bahnhofhalle, wandten sich nach rechts, und Müller bezahlte seine Parkgebühren.

    Jetzt könnte sie weglaufen. Er brauchte beide Hände und musste sie loslassen. Warum blieb sie an seiner Seite stehen? Er könnte sie nicht verfolgen, ohne sich zu verraten. Die im Schalter würden sicher die Polizei rufen. Sie hätte ein anständiges Essen gehabt. Das wäre alles gewesen.

    Warum tat sie das nicht? Wartete, bis er bezahlt hatte, würde zu ihm ins Auto steigen, mit in seine Wohnung fahren?

    Das Auto, vor dem sie Halt machten, entsprach in keiner Weise ihren Vorstellungen von einem Mann, der Minderjährige verführte, denn verführen wollte er sie ganz offensichtlich. Der alte R 4, der auf einem der Frauenparkplätze stand, war verrostet und verbeult. Der Lack hatte nur noch eine matte Farbe, die an verschiedenen Stellen mit Dekoblumen überklebt war.

    Müller sah das Erstaunen in den Augen des Mädchens.

    Als wollte er um Entschuldigung bitten, hob er die Hände, zeigte auf das Gefährt und sagte bedauernd: „Tut mir Leid, mit was Besserem kann ich nicht dienen."

    Dann schloss er auf, setzte sich auf den Fahrersitz und öffnete die Beifahrertür.

    Die Fahrt verlief still. Niemand sagte auch nur ein Wort.

    Ab und zu warf Müller einen kurzen Blick zu seiner Nachbarin, und sie musterte ihn erst heimlich, dann immer offener.

    Sie fuhren Richtung Linden, über die Benno-Ohnesorg-Brücke, rechts ragte der gigantische Klotz des Ihme-Zentrums auf.

    Die Gegend war dem Mädchen vertraut.

    Früher hatte sie hier häufig ihre Nachmittage verbracht, auch schon mal ganze Tage oder Nächte. Hier gab es Ecken, in die niemand kam, in denen man sich einrichten konnte.

    Aber man konnte nur in der Clique überleben. Alleine oder nur mit ein, zwei Freunden war das zu gefährlich. Wenn sie alleine durch die dunklen Gänge ging, vorbei an eingetretenen Türen, an all dem Müll, der herumlag, wenn die vielen Bauzäune jeden Fluchtweg versperrten, dann hatte sie Angst.

    Als dann auch noch der Sicherheitsdienst kam, da war es aus.

    Und jetzt steuerte der Fremde einen Garagenplatz in der Tiefgarage an, stoppte den Wagen und forderte sie auf, auszusteigen.

    Wieder fasste er ihren Oberarm und führte sie durch eine eiserne Tür, eine verdreckte, nach Urin stinkende Treppe hoch, bis sie auf dem Ihmeplatz standen. Weiter ging es innerhalb einer Absperrung um die nächste größere Ecke, die früher mal zu einer Buchhandlung gehört hatte, und sie standen vor einer ehemals rot lackierten Tür mit großem Glasausschnitt.

    Unendlich viele Klingelknöpfe verrieten die gleiche Zahl von Bewohnern, aber sicher konnte man sich da nicht sein.

    Müller bemerkte die zunehmende Beklemmung, die seine Begleiterin befiel.

    „Es sieht schlimmer aus, als es ist", versuchte er sie zu beruhigen und schob sie in einen der noch funktionierenden Aufzüge.

    Der Aufzug hatte schon bessere Zeiten gesehen.

    In den Ecken lagen zerfetzte Plastiktüten, zerknüllte Zettel, Essensreste. Und auch hier stank es nach Urin.

    Müller schien das nicht zu stören, doch als er den elften Knopf drückte, wusste das Mädchen, er hatte kaum eine andere Wahl, es sei denn, er wollte die Treppen bis zum elften Stockwerk zu Fuß emporsteigen. Und das Treppenhaus sah sicher nicht besser aus als der Lift.

    „Wie heißt du eigentlich?", fragte er, als sich der Aufzug ratternd in Bewegung gesetzt hatte.

    Die Frage kam so überraschend, dass das Mädchen seine Vorsicht völlig vergaß.

    „Carmen", antwortete sie prompt und hätte sich sofort auf die Zunge beißen mögen.

    Bisher war sie anonym gewesen, auch wenn sie das Gefühl hatte, wie ein offenes Buch für ihren Begleiter zu sein, der ganz nach Willkür die Seiten umblättern konnte.

    Nachdem er auch ihren Namen kannte, hatte sie kein Geheimnis mehr.

    „Und du?", fragte sie unsicher.

    Der Aufzug hielt in der elften Etage.

    „Hier müssen wir lang", sagte er und führte sie wieder am Oberarm den langen Gang entlang.

    „Jose, sagte er, und als Carmen ihn ungläubig ansah, „nein, nein, Heiko.

    „Warum nennst du dich Jose, wenn du Heiko heißt?"

    „Und warum heißt du Carmen? Sind deine Eltern Opernfreunde?"

    Sie nickte.

    „Sie waren es mal, bevor mein Vater arbeitslos wurde und zu trinken begann. Da wurde alles anders."

    Sie waren vor Müllers Wohnung angelangt. Er zog sein Schlüsselbund hervor und öffnete.

    Sie traten in einen kleinen fast quadratischen Flur, von dem eine Tür zum Badezimmer und eine zum Schlafzimmer führte und der sich zum Wohnzimmer mit amerikanischer Küche öffnete.

    Carmen war überrascht. Sie hatte sich die Wohnungen hier im Hochhaus ganz anders vorgestellt, dunkel, kleine Fenster. Wenn sie von außen die Anlage sah, hatte sie immer gedacht, sie würde erdrückt. Jetzt war sie in einen lichtdurchfluteten Raum eingetreten, durch dessen große Fenster die Sonne schien.

    „Geh ruhig weiter", forderte Heiko sie auf und öffnete die Balkontür.

    Unter ihnen lag die Ihme, ein einsamer Paddler zog unterhalb des Hauses vorbei.

    Das wäre schön, dachte sie, da unten auf dem Fluss entlang zu paddeln, völlig frei zu sein!

    „Zieh dich aus!", unterbrach Müller ihre Gedanken.

    Also doch! Jetzt kommt die Rechnung!

    „Du willst doch nicht so – entschuldige – schmutzig bleiben. Nimm erst einmal ein warmes Bad. Und spare nicht mit Wasser und Seife. Ich lege dir Handtücher hin. Und wenn du fertig bist, suchst du dir einen Pullover oder ein Hemd von mir aus. Ich stecke erst einmal deine Klamotten in die Waschmaschine."

    Und damit schob er sie in das Badezimmer, ließ Wasser in die Wanne einlaufen, gab einen großen Schuss flüssige Seife hinzu und stellte eine Flasche Haarshampoo auf den Wannenrand.

    „Nun mach schon, ich beiße nicht!", forderte er sie auf, als sie noch zögerte.

    Er schien sich nur für ihre verdreckte Kleidung zu interessieren, die er einsammelte und in die Waschmaschine stopfte. Ob die verschiedenen Teile zusammen gewaschen werden durften, ob sie alle neunzig Grad vertrugen, interessierte ihn nicht. Hier einen Unterschied zu machen, wäre Unsinn gewesen.

    „Ich muss noch mal kurz weg!" rief er durch die Badezimmertür, dann hörte Carmen, wie die Wohnungstür geöffnet und abgeschlossen wurde.

    Nun bin ich gefangen!

    Im Geist ging sie alle Möglichkeiten durch, die sie hatte.

    Auf normalem Weg konnte sie die Wohnung nicht verlassen. Über den Balkon konnte sie ebenfalls nicht flüchten. Der Abstand zu dem Balkon der Nachbarwohnung war zu groß. Abseilen konnte sie sich auch nicht. Schon der Gedanke daran bereitete ihr Schwindel.

    Also sich fügen und alles über sich ergehen lassen?

    Sie ließ sich am hinteren Rand der Badewanne hinab gleiten, schloss die Augen und tauchte den Kopf in das warme Wasser.

    Wenn er schon kassierte, dann wollte sie das Bad wenigstens genießen.

    Immer wieder ließ sie warmes Wasser nachlaufen, bis sie schließlich den Stöpsel zog und die Seifenreste von ihrem Körper abduschte.

    In dem kleinen Badezimmerregal entdeckte sie eine Flasche Bodylotion, cremte sich sorgfältig ein und betrachtete sich im Spiegel. Sie war zufrieden. So hatte sie sich noch nie gesehen.

    Zu Hause in dem winzigen Badezimmer, das noch den Terrazzoboden und den Ölfarbanstrich aus den fünfziger Jahren hatte, war der Spiegel so winzig, dass sie nur einen kleinen Ausschnitt von sich sah.

    Und das Licht war einfach grauenhaft. Da konnte man sich nicht schön machen.

    Dann ging sie auf die Suche nach einem passenden Kleidungsstück.

    Das Schlafzimmer war ein langer und recht schmaler Schlauch. Vorne, hinter der Tür stand der Kleiderschrank, der sich über die ganze Zimmerbreite erstreckte. An der langen Wand stand das Bett, größer als es für eine Person nötig war, aber auch kein Doppelbett. Vor dem Fenster befand sich ein kleiner Schreibtisch mit Computer und einigen Büchern.

    Carmen öffnete alle Schranktüren, fuhr mit der Hand über die Pullover und Wäsche, setzte sich im Schneidersitz auf das Bett und ließ ihren Blick über die Schrankfächer gleiten. Endlich hatte sie ihre Wahl getroffen.

    Auf eine Hose verzichtete sie. Heikos Hosen waren ihr viel zu groß. Sie wäre darin ertrunken.

    Vorsichtig zog sie einen kuscheligen baumwollenen Pullover heraus. Auch in dem würde sie ertrinken, aber es war der einzige, der zu ihr passte. Er war so weit und lang, dass er bis unter ihre Pobacken reichte, fast wie ein Kleid. Die Ärmel krempelte sie zweimal um und schob sie hoch, so dass sie nicht rutschen konnten.

    So setzte sie sich auf das Sofa, die langen angezogenen Beinen mit den Armen umschlungen, den Kopf auf die Knie gebettet. Jetzt konnte Heiko Müller kommen.

    Oder Jose?

    Sie würde ihn fragen.

    Kapitel 3

    Der Schlüssel knirschte im Schloss, die Tür öffnete sich, und Heiko trat ein, hängte seine Jacke an den Garderobenhaken und betrat, mit zwei Einkaufstüten beladen, das Wohnzimmer. Noch hatte er Carmen nicht wahrgenommen, war nur damit beschäftigt, seine Einkaufstüten sicher auf der Arbeitsplatte abzulegen, da sah er sie.

    Was er sah, übertraf alle seine Erwartungen.

    Er hatte ein hübsches Mädchen erwartet, nachdem sie von all dem Schmutz befreit war.

    Was er sah, war eine Schönheit.

    Wie gebannt starrte er auf ihre Beine, die der Pullover nicht bedecken konnte, so sehr Carmen an ihm auch ziehen mochte.

    Er sah das sanfte Gekräusel ihrer Schamhaare, ahnte ihre jungen straffen Brüste unter dem voluminösen Pullover.

    Er sah ihren schlanken Hals, der sich aus dem Ausschnitt reckte, den etwas zur Seite geneigten Kopf, der auf ihren Knien ruhte, und die langen schwarzen Haare, die wie ein leichter Vorhang ihren Kopf umschmiegten.

    „Ich habe uns etwas zu essen besorgt", riss er sich von dem Anblick los.

    Leicht wie eine Feder stand sie auf, zog den Pullover etwas in die Länge und kam auf ihn zu, reckte sich ein klein wenig, bis sie sein Gesicht erreichte, und hauchte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange.

    Das geschah so selbstverständlich, so unvorbereitet, dass beide einen Augenblick innehielten.

    Müller bückte sich und holte aus der untersten Schublade eines Schrankens zwei Holzbretter hervor, entnahm einer anderen Schublade, direkt neben dem Herd, vier Messer, zwei Küchen- und zwei Kochmesser und verteilte sie auf die beiden Bretter.

    Er stülpte die Einkaufsbeutel um und ließ ihren Inhalt auf die Arbeitsplatte fallen, Tomaten, Paprika, Zucchini, eine Aubergine.

    Als Carmen ihn fragend ansah, nickte er nur.

    „Ich weiß ja nicht, wie groß dein Hunger ist."

    Dem Kühlschrank entnahm er ein noch verpacktes Kaninchen, tranchierte es mit geschickten Griffen und zog den Fleischstücken die Häute ab.

    Er schien genug geredet zu haben. Was es jetzt zu tun gab, brauchte nicht erklärt zu werden.

    „Ist es so richtig?"

    Sie hielt ein Stück Paprika hoch.

    Er war einverstanden, arbeitete wortlos weiter, sah nur von Zeit zu Zeit zu Carmen hinüber.

    „Heißt du nun Heiko oder Jose?", fragte sie, als sie das Gemüse putzte, das Heiko eingekauft hatte.

    Er lachte.

    Natürlich hieß er Heiko.

    Offensichtlich kannte sie nicht die Figur, nach der sie benannt worden war, wusste nicht, was ihre Namenspatronin mit Jose gemacht hatte. Vielleicht war das auch gut so. Sie konnte schon jetzt einem Mann verdammt gefährlich werden. Noch, so hatte er den Eindruck, geschah alles unbeabsichtigt, einfach so, fast unschuldig. Und sie schlug ihn und ganz sicher jeden anderen Mann in ihren Bann. Wie würde das erst sein, wenn Absicht dahinter stünde!

    Er warf ihr einen heimlichen Blick zu, während er das Fleisch in mundgerechte Stücke schnitt.

    Wie sie sich bewegte, wie sie das Messer hielt und das Gemüse putzte und schnitt, das alles ließ darauf schließen, dass sie in geordneten Verhältnissen aufgewachsen war, dass sie ihrer Mutter in der Küche hatte helfen müssen.

    „Sag mal?, begann Heiko beiläufig, „wie war das bei euch, nachdem dein Vater zu trinken angefangen hatte? Was hat denn deine Mutter dazu gesagt?

    „Ach, das kam ja nicht von einem Tag zum anderen. Das hat langsam begonnen. Erst hat mein Vater nur zu Hause gesessen und vor sich hin gebrütet. Dann hat er schon nach dem Frühstück sein erstes Bier getrunken. Meine Mutter fand das nicht gut, aber sie hat das geduldet. ‚Wenigstens diese kleine Freude soll er haben’, hat sie gesagt.

    Als sie dann die Putzstelle im Supermarkt bekam, musste sie morgens um fünf aus dem Haus, und sie hat meinen Vater schlafen lassen. ‚Was soll er so früh schon aufstehen? Er hat doch nichts zu tun’, hat sie gesagt.

    Und er tat auch nichts. Wenn meine Mutter um elf nach Hause kam, war er gerade mal aufgestanden und hatte gefrühstückt. Und die ersten zwei Bier getrunken.

    Glaub nicht, dass er sein Geschirr weggeräumt hätte. Das stand alles noch auf dem Küchentisch. Und die Marmelade und Margarine. Und natürlich die Bierflaschen.

    ‚Wenigstens das hättest du wegräumen können!’, schimpfte meine Mutter. Da hat er sie einfach stehen lassen, hat sich eine neue Flasche Bier geschnappt und ist ins Wohnzimmer gegangen.

    Irgendwann hat meine Mutter gemerkt, dass er heimlich Schnaps trank. Immer Wodka, den riecht man nämlich nicht. Erst nur ein kleines Glas, dann reichte das nicht mehr, und er nahm ein größeres Glas.

    Als meine Mutter eine zweite Putzstelle angenommen hatte und erst nachmittags nach Hause kam, da ging es mit ihm ganz bergab.

    Er stand erst mittags auf, trank keinen Kaffee mehr, sondern gleich Bier und spülte das Frühstück mit Wodka runter. Ein Glas brauchte er schon nicht mehr. Er trank gleich aus der Flasche. Aus dem Haus ging er nur noch, um neuen Wodka zu kaufen.

    Wenn ich aus der Schule kam, konnte er sich kaum noch auf den Beinen halten, so voll war er.

    Aber rumbrüllen konnte er immer noch.

    An allem hatte er rumzumeckern.

    ‚Kannst du nicht Ordnung halten? Was ist das hier für ein Saustall?’

    Wenn er so richtig in Fahrt war, riss er die Bücher aus dem Schrank und schmiss das Geschirr auf den Boden.

    ‚Räum das gefälligst weg!’, brüllte er, ‚wozu bist du eigentlich nutze?’

    Da bin ich erst später aus der Schule zurückgekommen, habe meine Hausaufgaben bei Freundinnen gemacht.

    Wenn ich nach Hause kam, war meine Mutter schon da. Er hat immer noch getobt, aber es ging schon über in ein Lallen. Dann haben wir ihn gemeinsam ins Bett gebracht und hatten unsere Ruhe.

    Vor ein paar Wochen ist er total ausgerastet. Wir wollten ihn wieder ins Bett bringen, da hat er mich geschlagen, so stark, dass ich drei Tage mit einer Gehirnerschütterung im Bett gelegen habe.

    Meine Mutter konnte ihn ja nicht alleine ins Bett bringen, da hat sie ihn einfach im Wohnzimmer liegen gelassen. Seitdem schläft er immer dort.

    Wenn meine Mutter nach Hause kommt, geht sie gar nicht ins Wohnzimmer. Sie macht das Essen und stellt seinen Teil beiseite. Wenn er es nimmt, ist es okay, wenn nicht, ist es auch gut.

    Am Abend gehe ich manchmal zu ihr ins Schlafzimmer, und wir unterhalten uns oder sehen gemeinsam fern. Oder ich bleibe die Nacht bei einer Freundin."

    „Jetzt hast du aber lange nicht mehr bei einer Freundin geschlafen."

    Carmen sah ihn erstaunt an, und eine leichte Röte flog über ihr Gesicht.

    „Ach so", flüsterte sie und sah an sich herunter, an dem geräumigen Pullover mit den viel zu langen Ärmeln, und an ihren nackten Beinen.

    „Was machen meine Klamotten?"

    „Die brauchen noch, und dann müssen sie noch trocknen."

    Carmen hatte aufgehört, das Gemüse zu putzen.

    Müller sah ihr an, sie hatte noch etwas, das auf ihr lastete, das sie gerne loswerden würde, das auszusprechen aber ungeheure Überwindung kosten würde.

    Er hätte ihr helfen können, aber er hatte sich entschieden, es nicht zu tun, jedenfalls noch nicht jetzt.

    Sie war noch nicht so weit.

    Aus dem Badezimmer drang das Schleudergeräusch der Waschmaschine.

    „Hilfst du mir beim Aufhängen?", fragte Heiko.

    Carmen legte das Messer aus der Hand und wusch sich die Hände.

    „Gibt es einen Trockenraum, oder hast du einen Wäscheständer?"

    Er ging ins Badezimmer und klappte einen Wäschetrockner auf, der an der Wand über der Badewanne befestigt war.

    „Soll ich?", fragte sie und beugte sich vor, um die Klappe der Waschmaschine zu öffnen.

    Wie von selbst rutschte der viel zu weite Pullover hoch, schob sich über ihren wundervoll geformten Po, weiter über die herrliche Taille, wurde erst von dem kleinen Busen gestoppt.

    Sie drehte sich um, das Wäschestück in der Hand, reckte sich, um es aufzuhängen, und der Pullover fiel wieder hinunter, bedeckte züchtig die Blöße. Immer wieder.

    Und das alles geschah ohne Zweck, schien unbewusst, mit einer unvorstellbaren Anmut.

    Falls sie Heikos heimliche Blicke bemerkt hatte, ließ sie sich nichts anmerken.

    Carmen hatte das letzte Wäschestück aufgehängt und sah abwartend an ihm vorbei.

    Was würde jetzt kommen? Würde sie jetzt bezahlen müssen?

    Heiko drehte ihren Kopf, so dass sie ihn ansehen musste.

    „Was dachtest du?", fragte er.

    „Dass ich jetzt mit dir schlafen muss!", flüsterte sie.

    Ganz behutsam fasste er sie beim Oberarm, wie er es schon so oft an diesem Tage gemacht hatte, und führte sie ins Wohnzimmer, vorbei an der Sitzecke, direkt zu der breiten Fensterfront. Er öffnete die Balkontür und schob Carmen vor sich auf den Balkon. Ein leichter Südwind verfing sich in ihrem Haar und ließ es um ihr Gesicht spielen.

    Er zeigte mit der Hand nach unten, auf den Fluss und auf das andere Ufer, auf die Dächer von Hannover, den Turm der Markkirche, das Neue Rathaus, auf das Anzeiger Hochhaus.

    „Genieße den Augenblick, solange du kannst", sagte er und umfasste sie ganz sanft.

    „Du wirst bald gehen. Morgen oder übermorgen, ich weiß es nicht. Aber es wird dein eigener Entschluss sein. Ich werfe dich nicht raus, und ich halte dich nicht fest."

    „Bei Licht muss die Stadt wunderbar aussehen", sagte sie und sah lange auf die Georgstraße hinunter, die tief unten als schnurgerades Band sich vom Anzeiger Hochhaus bis zum Aegi zog und sich weit hinten als Hildesheimer Straße verlor.

    „Du wirst sie sehen. Heute bleibst du ja hier."

    Als er ein unruhiges Flackern in Carmens Augen sah, fügte er rasch hinzu: „Keine Angst! Du schläfst auf dem Sofa."

    Kapitel 4

    Der leichte Wind des Nachmittags hatte noch abgenommen, die Luft war fast sommerlich warm. Der Himmel färbte sich in dem Zipfel, den man von hier im Westen sehen konnte, tiefrot und ging in dunkles Violett-Blau über.

    Die ersten Leuchtreklamen in der Innenstadt flackerten, und auf einen Schlag leuchtete die ganze Stadt.

    Gedämpft drang das Geräusch der Autos zu ihnen hoch.

    Carmen konnte sich nicht satt sehen, riet die Straßennamen, freute sich wie ein Kind, wenn sie richtig geraten hatte. Zählte begeistert die Lichter der Autos, die über die Benno-Ohnesorg-Brücke fuhren.

    Sie war doch noch ein Kind.

    Er ging in die Küche, und wenig später zog der herrliche Duft des gebratenen Kaninchens und des Gemüses durch das offene Fenster auf den Balkon.

    So musste es im Süden sein, wenn das Abendessen zubereitet wurde und sein Duft die ganze Gegend erfüllte, wenn der Lärm der Straße verstummte, wenn das helle Licht des Tages verblasste.

    Einige Augenblicke kramte Heiko noch in der Küche herum und kehrte mit Getränken und Gläsern zurück.

    „Was möchtest du trinken, Apfelsaft oder Wein?", fragte er.

    Eigentlich hätte er ihr gar nicht Wein anbieten dürfen, aber manchmal machte er eine Ausnahme.

    Carmen drehte sich zu ihm um, lehnte sich gegen die Balkonbrüstung, streckte ihren Körper, dass Heiko fast Angst hatte, sie würde hinunter fallen, und reckte die Arme hoch. Sie wiegte leicht ihren Oberkörper, immer noch mit erhobenen Händen, als tanzte sie aus der Hüfte. Seidig schimmerte ihre Haut in dem Licht, das aus der Küche fiel.

    „Ist das schön!", sagte sie und drehte sich wieder der Stadt zu.

    Das Essen, das Heiko gekocht hatte, war köstlich. Noch nie hatte Carmen Kaninchen gegessen, noch nie so ein Gemüse. Sie kannte nur die Küche ihrer Mutter, die zwar ordentlich war, aber eben nur ordentlich.

    Und sie kannte das Essen in der Mensa ihrer Schule, das manchmal schrecklich schmeckte.

    Und sie kannte die Reste auf den Papptellern im Hauptbahnhof.

    Und dazu der Rotwein, der in ihrem Kopf zu tanzen begann.

    Sie saßen noch lange beieinander auf dem Balkon, der jetzt von einer Petroleumlampe sparsam beleuchtet wurde.

    Vor zwei Jahren hatte Heiko sie auf dem Flohmarkt am Hohen Ufer erstanden und seitdem an warmen Sommerabenden regelmäßig gebraucht. Er liebte dieses Licht, das er je nach Stimmung dämpfen konnte.

    Ihr warmer Schein fiel auf Carmens Gesicht, ließ es immer mehr strahlen, je dunkler der Himmel wurde, fiel auf ihre Beine, die sie angewinkelt auf ihren Sitz gestellt hatte.

    Heiko sah sie verstohlen an, nur zufällig begegneten sich ihre Blicke. Dann lachten sie, anfangs verlegen, dann fast verschwörerisch.

    „Woran denkst du?, fragte sie unvermittelt, nachdem sie schon eine ganze Weile geschwiegen hatten. „Möchtest du auch, dass es so bleibt?

    Dieses Mädchen war doch kein Kind mehr. Es war eine Frau, naiv zwar, aber verführerisch.

    Heiko vermied eine Antwort, schien die Frage gar nicht gehört zu haben. Er wusste, er befand sich auf verdammt dünnem Eis. Ein falsches Wort, eine falsche Geste, und es könnte brechen.

    Bisher hatte es noch nie Probleme gegeben. Die Mädchen, die er immer Klienten nannte, waren keine Gefahr für ihn gewesen. Er hatte sich nicht einmal wehren müssen.

    Nachdem sie sich sicher und geborgen und wohlig fühlten, hatte er irgendwann am späten Abend die Schlafcouch aufgeklappt und das Bett gemacht. Ohne viele Worte, und auch das misstrauischste Mädchen hatte keine Angst mehr.

    „Komm, sagte er, „es ist spät. Du kannst mir helfen.

    Er klappte die Schlafcouch auf, nahm das Bettzeug aus dem Kasten, gab Carmen das Kopfkissen und einen Bezug und bezog die Decke. Gemeinsam mit Carmen legte er das Laken auf, schüttelte noch einmal die Decke und das Kissen. Das Bett war fertig.

    Er ging ins Schlafzimmer, fischte ein T-Shirt aus dem Schrank und gab es ihr. Er hatte drei T-Shirts für die Mädchen, in drei verschiedenen Größen. Dieses musste passen.

    Aus einer Schublade im Badezimmerschrank zauberte er eine Einmalzahnbürste hervor und legt sie auf das Waschbecken.

    „So, nun husch ab ins Bad!"

    Kaum eine viertel Stunde dauerte es, und es war dunkel in der Wohnung. Nur im Flur brannte Licht, damit sich Carmen in der fremden Wohnung zurechtfinden konnte.

    Obgleich sie todmüde war, konnte Carmen nicht schlafen. Zu viel war heute passiert. Eben war sie noch ein Wolfskind, hatte sich mit ihrem Leben arrangiert, sich sogar auf eine gewisse Weise wohl gefühlt, hatte ihre Position in der Gruppe, die ihr niemand streitig machte. Obgleich es als cool galt, nicht gerade zimperlich mit den Mädchen umzugehen, seine derben Sprüche zu machen, hatte sie sich einen gewissen Respekt verschafft. Hatte zur richtigen Zeit gebissen.

    Von da an waren die Grenzen abgesteckt.

    Und nun war sie hier. In einer richtigen Wohnung. Nicht in einer Abstellkammer wie zu Hause. Mit einem Mann zusammen, der nicht brutal war, nicht betrunken wie ihr Vater, sondern rücksichtsvoll, einfühlsam. Der sie achtete.

    Sie war ihm nicht egal. Das spürte sie. Ihre Frage hatte er überhört.

    Natürlich hatte er das nicht, nur er hatte keine Antwort gewusst. Es gab nicht viele, die so waren.

    Er war in sein Zimmer gegangen, nachdem er ihr einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange gegeben hatte, nur so einen hingehauchten Kuss, wie man ihn sich zur Begrüßung tausendmal gab.

    Und nun schien er zu schlafen. Kein Lichtschein drang auf den Balkon.

    Ihr Bett war gemütlich, und sie streckte sich genüsslich, ruschelte sich in die Decke. Was für ein Unterschied zu gestern, als sie ganz hinten in dem feuchten Gang ihr Lager aufgeschlagen hatte. Eine dünne Decke musste reichen, als Unterlage und zum Zudecken.

    Noch während sie versuchte, sich Klarheit über ihre Situation zu verschaffen, schlief sie ein, schlief tief und fest, bis sie irgendwann in der Nacht aufwachte.

    Der Himmel hatte sich leicht gefärbt. Das dunkle Nachtblau war heller geworden, einzelne rosa und rot gefärbte Wolken schienen am Himmel fast zu stehen. Von Ferne drangen die Geräusche der Straße nach hier oben.

    Sie drehte sich im Bett.

    Mein Gott, war das schön!

    Sie stand auf, ging auf den Balkon, sah hinab auf die noch schlafende Stadt, erlebte, wie sie langsam erwachte, Häuserzeile für Häuserzeile, wie die Beleuchtung der Straßen verlosch, die Lichtreklamen der Kaufhäuser und Geschäfte, eine nach der anderen.

    Ihre Füße wurden kalt. Sie spürte es kaum, so glücklich war sie.

    Was machte ihr Glück aus? Dass sie nicht mehr auf der Straße war? Dass sie so wunderbar geschlafen hatte? Dass sie hier in dieser Wohnung war? Dass sie umsorgt war?

    Das alles war es.

    Und doch traf es nicht.

    Noch ahnte sie es nur, als sie die Tür zu Heikos Zimmer öffnete.

    Ganz leise hob sie die Decke, schlüpfte in sein Bett und schmiegte sich an Heiko. Ganz vorsichtig tat sie das, um ihn nicht zu wecken. Er hätte sie weggeschickt, und das wäre ihr schrecklich gewesen.

    Unvorstellbar die Enttäuschung!

    Als er am Morgen erwachte, später als gewöhnlich an einem freien Tag, brauchte er einen Augenblick, sich zurechtzufinden. Carmen lag neben ihm. Schlief noch.

    Wann war sie in sein Bett gekrochen?

    Wirklich überrascht war er nicht. Auch wenn er nichts gemerkt hatte.

    Sie hatte sich im Schlaf halb abgedeckt. Die Decke hatte sie um ihre Hüfte geschlungen, ihr rechtes Bein lag auf der Decke, ihr Oberkörper steckte in dem zu großen T-Shirt.

    Er drehte sich auf die Seite und ließ sich von dem Anblick Carmens bezaubern.

    Er betrachtete ihre Silhouette, die langen schlanken Beine, das fast schöne Gesicht und die langen schwarzen Haare, die ihr Gesicht umspielten.

    Und er spürte, wie er sich in diesem Mädchen verlor, musste sich zwingen, diesen Körper nicht zu berühren. Er wollte sehen, wie es aufwachte, wollte die ersten Worte hören.

    Gestern noch hatte er sich vorgenommen, schon aufzustehen, wenn sie schlief, zu duschen, sich anzuziehen, das Frühstück zu bereiten und sie dann zu wecken.

    Du spinnst, rief er sich zur Ordnung.

    Wie stellst du dir das eigentlich vor? Sie ist sechzehn, und du bist siebenundzwanzig. Schön, der Altersunterschied ist nicht so schlimm. Aber sie ist ein Kind, wenigstens an Jahren. Du kannst mit diesem Kind nicht zusammenleben. Das ist undenkbar, verstehst du?

    Und so machte er, was am einfachsten war und am erfreulichsten: Er blieb liegen und betrachtete Carmens Körper.

    Plötzlich streckte sie sich, tastete, noch immer mit geschlossenen Augen, das Kopfkissen ab, als suche sie etwas, berührte Heikos Kopf und Schulter, robbte näher an ihn heran. Als sie ganz nahe bei ihm war, öffnete sie die Augen, erst nur einen Spalt breit, um sie gleich wieder zu schließen. Ein stilles Strahlen ging über ihr Gesicht, und sie blinzelte, als würde sie von der Sonne geblendet.

    „Bist du mir böse?", fragte sie leise.

    „Warum soll ich dir böse sein?"

    „Du weißt schon. Weil ich nicht drüben geblieben bin. Weil ich mich in dein Bett gestohlen habe. Aber ich konnte es drüben nicht aushalten, so ganz allein in dem großen Zimmer."

    Heiko musste lächeln.

    So groß war das Wohnzimmer nun wirklich nicht.

    „Und ich habe dich doch nicht gestört. Oder? Ich war auch ganz leise."

    Sie richtete sich etwas auf und ließ ihren Kopf auf seine Brust fallen, berührte sie mit ihren Lippen.

    „Heute Abend muss ich nicht wieder auf der Couch schlafen? Bitte versprich mir, dass ich das nicht muss. Bitte!"

    Als er noch einen Augenblick zögerte, als überlegte er die Antwort, schmiegte sie sich noch dichter an ihn.

    „Ich liebe dich, flüsterte sie, „ich vergehe vor Sehnsucht nach dir. Schick mich nicht weg! Schick mich niemals weg!

    Bis eben hatte er sich gewehrt, jetzt nahm er sie doch in den Arm. Eng umschlungen kugelten sie über das Bett. Sie lag auf ihm, küsste ihn, und ihre Haare bedeckten wie ein Schleier ihre Gesichter.

    „Jose, flüsterte sie, „ich werde dich immer Jose nennen. Egal, wie die Geschichte endet.

    „Carmen, flüsterte auch er, „meine Carmencita.

    Langsam wand er sich aus ihren Armen.

    „Jetzt aber auf!"

    Er sprang aus dem Bett, zog Carmen hinter sich heraus.

    „Willst du erst, oder soll ich erst?"

    Carmen verstand nicht.

    „Na, duschen."

    Sie verstand immer noch nicht. Sah ihn ungläubig an.

    Die Dusche war doch groß. Für zwei Personen allemal groß genug.

    Warum dann die Frage?

    Sie nahm ihn bei der Hand, zog ihn ins Badezimmer.

    Vor dem Spiegel blieb sie stehen, streifte ihr T-Shirt über den Kopf, schob Joses Schlafanzughose hinab.

    Da standen sie einander gegenüber, nackt, bebend vor Erregung.

    Mit geschlossenen Augen ertasteten sie ihre Körper, zogen jede Linie mit den Fingern nach, entdeckten jede Rundung mit den Händen, schmeckten die nachtwarme Haut mit Lippe und Zunge.

    Wie Schlangen wanden sich ihre Leiber unter den Liebkosungen des anderen, pressten sich aneinander, gruben sie sich ihre Nägel in das Fleisch.

    „Komm!", flehte Carmen und zog Jose in die Dusche.

    Kapitel 5

    Buchholz hatte sich noch einen Tee gemacht.

    Diese Akte war wirklich nicht dazu angetan, ihm die Laune zu verbessern.

    Manchmal hasste er seine Arbeit: Schule besuchen, mit den Lehrern sprechen, die nichts wussten, Mitschüler befragen, die nichts preisgaben, auch wenn sie viel wussten, die Eltern aufsuchen, die nur sehr selten zur Kooperation bereit waren. Und dann die Gespräche mit den Streetworkern, die er im Tiefsten seines Herzens verachtete.

    Trieben sich den ganzen Tag auf der Straße rum auf der Suche nach Problemkindern, die sie angeblich wieder auf den rechten Weg bringen wollten. Kuschelpädagogen! Und was brachte dieser Kuschelkurs? Vielleicht gingen die Kinder für ein paar Tage wieder in die Schule und kehrten zu ihren Eltern zurück. Aber nach ganz kurzer Zeit waren sie wieder

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