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Glinda North: Ichthys One: Mystery-Thriller
Glinda North: Ichthys One: Mystery-Thriller
Glinda North: Ichthys One: Mystery-Thriller
eBook336 Seiten4 Stunden

Glinda North: Ichthys One: Mystery-Thriller

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Über dieses E-Book

Endlich wieder Daheim…
Nach vielen Jahren des Studiums kehrt Glinda North als frisch gebackene Forensikerin und Doktor der Psychologie nach Florida zurück. Kaum zu Hause angekommen, bittet sie ihr Onkel, der örtliche Sheriff, um Hilfe. Es geht um Kindes-Entführung, wie sie grausamer nicht sein könnte… und es kommt noch viel schlimmer. Mit ihren eigenen Worten schildert Glinda, ihre mysteriöse und besessene Jagd nach einem scheinbar unsichtbaren Psychopathen.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum14. Dez. 2016
ISBN9783741876080
Glinda North: Ichthys One: Mystery-Thriller

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    Buchvorschau

    Glinda North - Andy Klein

    Unser Gehirn - Ist es wirklich im Stande mehr zu leisten, als viele Wissenschaftler vermuten? Schlummern in uns ungeahnte Kräfte weit jenseits unserer Vorstellungskraft, oder sind wir von ihnen einfach nur umgeben?

    Ich sage immer: Glauben heißt nicht Wissen und Theorien sind keine Beweise.

    Oh, wie unhöflich von mir. Ich sollte mich ihnen doch erst einmal vorstellen.

    Mein Name ist Glinda North und ich bin Privatdetektivin. Als Tochter eines Self-Made-Millionärs und einer Kellnerin, erblickte ich vor 27 Jahren das Licht der Welt. Meinen Nachnamen verdanke ich meinem Dad. Mein Vorname allerdings geht auf die Kappe meiner Mom. Sie liebt das Märchen der Zauberer von Oz und hielt es wohl für besonders witzig, mich passenderweise nach der guten Hexe des Nordens zu benennen. Ich sag's ihnen, auch die besten Privatschulen schützen da vor Mobbing nicht. Meinen Spitznamen können sie sich daher ganz sicher denken...

    In meinem Leben habe ich schon unglaublich viel gesehen und erlebt. Schon als Kind bereiste ich mit Mom die ganze Welt, während Dad völlig in seiner Arbeit aufging und das Familienvermögen mit Immobiliengeschäften ständig vermehrte. Nicht dass sie denken, dass meine Mom so eine typische Millionärsgattin ist, die Pelze trägt, sich in der High Society bewegt und die nobelsten Orte der Welt bereist. Nein, ganz im Gegenteil. Sie ist überzeugte Peta-Aktivistin und Umweltschützerin und sie hat ihrem alten Freundeskreis nie den Rücken zugekehrt und ich sag's ihnen, da sind so einige Früchtchen dabei. Ich denke, dass die Liebe meiner Eltern bis zum heutigen Tag so stark ist, liegt wohl daran, dass jeder so sein kann wie er ist und dass er das, was er liebt auch völlig kompromisslos ausleben darf.

    Aber ich schweife mal wieder ab...

    Also, ich erinnere mich noch ganz genau. Ich war gerade erst 8 Jahre alt, als ich mit Mom am Ufer des Loch Ness saß und wir gemeinsam stundenlang auf das Wasser starrten in der Hoffnung das Monster zu entdecken. Das heißt, Mom hoffte es, ich war Monstern gegenüber nicht gerade positiv gesonnen. Aber wer ist das schon in dem Alter. Schließlich lauern die unter fast jedem Bett, oder auch im Schrank und warten geduldig darauf dass man einschläft, damit sie einem das Leben aussaugen können, oder um einen gleich ganz zu verspeisen. Warum also sollte das Loch Ness Monster da eine Ausnahme sein und sich nicht einfach vom Ufer weg die kleine Glinda schnappen, um sie dann im See zu verspeisen. Glücklicherweise tauchte das Monster nicht auf. Zwei Jahre später besuchten wir Stonehenge. Dort warteten wir auf den Einbruch der Dunkelheit. Der Sonnenuntergang war wirklich traumhaft und hat sich bis heute tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich lauschte den Geschichten und Theorien meiner Mom, die bis zum heutigen Tag fest davon überzeugt ist, dass der große Zauberer Merlin irgendwo dort ein geheimes Portal geschaffen hat, das ins Jenseits führt. 12 Jahre war ich alt, als ich die Nordlichter sah. Es war so unglaublich kalt auf diesem Schiff, aber bis heute sage ich, es ist das schönste Naturschauspiel, das ich je in meinem Leben gesehen habe.

    Ja, ich glaube, ich habe so ziemlich jeden bekannten mystischen Ort auf dieser Welt gesehen. Mom ist wirklich mehr als nur esoterisch angehaucht und sie ist bis heute ständig auf der Jagd nach Beweisen für ihre teils sehr wilden Theorien. Sicher fragen sie sich gerade, wie kommt eine Frau aus solch guten Verhältnissen dazu als Privatdetektivin zu arbeiten? An meinen allgemeinen Fähigkeiten lag es glücklicherweise nicht. Ich hätte sogar in Harvard oder Yale studieren können, ja das hätte ich, aber ich entschied mich für die Boston State Universität. Ist ja auch nicht gerade die schlechteste Universität. Meinen Eltern tat es zwar in der Seele weh, dass ich Florida für das Studium verließ, aber so wie sie sich gegenseitig respektierten, so unterstützten sie auch mich in all meinen Entscheidungen. Und meine Entscheidung war es forensische Pathologie und Psychologie zu studieren. Ich weiß was sie jetzt denken… Psychologie studiert doch nur einer, der selbst einen an der Waffel hat. Man vermag es ja nicht immer selbst zu beurteilen, aber ich glaube ich bin eigentlich ziemlich normal. Obwohl, was bedeutet es eigentlich normal zu sein und wer legt die Regeln dafür fest? Mal ehrlich, das liegt doch immer im Auge des Betrachters, oder?

    Nein, irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich im Menschen selbst Antworten auf die vielen offenen Fragen, die mein bewegtes Leben aufwarfen, suchen sollte. Nun ja, das erklärt noch immer nicht, weshalb ich mit einem Doktortitel in der Tasche als Privatschnüfflerin arbeite.

    Dazu komme ich etwas später.

    Obwohl ich eigentlich auf dem Campus wohnen wollte, ließ ich mich von meinen Eltern dazu überreden in ein kleines Appartement zu ziehen. Das kleine Appartement, welches mein Vater schließlich für mich organisierte, entpuppte sich allerdings als etwas größer. Es war 210 Quadratmeter groß und eine Penthouse-Suite. Mom war der Meinung, dass sie ja schließlich auch etwas Platz brauchen würde, wenn sie mich besuchen kommt und mir sollte es doch an nichts fehlen. Selbst eine Putzfrau war schon organisiert. Ich habe nie ein großes Aufheben um meine Person gemacht. Zu keiner Zeit wäre es mir auch nur im Entferntesten in den Sinn gekommen ein Leben als ein sogenanntes "It-Girl zu führen. Das wäre wahrscheinlich auch das Einzige gewesen, das meine Eltern nicht hätten akzeptieren können. Eigentlich war es ja auch ganz angenehm - so mit Putzfrau. So konnte ich mich nur auf das Wesentliche konzentrieren und das war nun einmal mein Studium.

    Meine Studienzeit war wirklich entspannt. Hier und da mal eine kurze Romanze, aber nie etwas wirklich Ernstes.

    Dafür hatte ich auch keine Zeit, denn ich war eine äußerst lernbesessene Studentin. Ich gehörte keiner Studentenverbindung an, denn Gruppenzwang,… Nähhh - Das war noch nie mein Ding. Ich traf mich oft mit Natalie, eine Kommilitonin, mit der ich aus einer Lerngruppe heraus Freundschaft schloss. Ab und zu war Mom zu Besuch. Manchmal brachte sie auch Ihre beste Freundin Jessica mit. Bei Dad sah es etwas anders aus, denn immer, wenn er einen Flug nach Boston gebucht hatte, kam ihm etwas dazwischen. Kaum zu glauben, aber er war kein einziges Mal während meines Studiums in Boston. Aber da es mich in den Ferien und zu den Feiertagen immer wieder nach Hause in die Wärme Floridas zog, war die gegenseitige Sehnsucht immer wieder gestillt.

    Endlich wieder daheim

    Acht lange Jahre war ich von zu Hause fort. Ich weiß es noch ganz genau, es war an einem Mittwoch, als ich endlich wieder den Boden Floridas unter meinen Füßen spürte. Es war ein so unbeschreibliches Gefühl, als ich das Flughafengebäude in Fort Myers verließ und mir in diesem Moment bewusst wurde, dass ich nicht mehr nach Boston zurückkehren würde. Diese feuchtwarme Meeresluft zu atmen und die heiße Sonne auf meiner Haut zu spüren… - Ich war endlich wieder dort, wo ich sein wollte - Zuhause.

    Mom, die mich abholte, verdrückte ein paar Tränen der Freude. Sie drückte und küsste mich wie verrückt, bevor sie mir einen meiner Koffer abnahm und wir zum Auto gingen.

       »Wow, was für ein schöner Wagen. Ist der von Onkel Bob?«

       »Ja, ja - Komm steig ein.«

    Schnell luden wir mein Gepäck in den brandneuen schwarzen Jeep Wrangler und fuhren los. Der Fahrtwind zerzauste meine Haare, während Mom mir gefühlte 1000 Mal erklärte, wie stolz sie auf mich war. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich ein Einzelkind bin? Nein? Meine Mom war einfach nur froh, dass ich nun endgültig wieder zu Hause war. Uns verbindet mehr als nur eine typische Mutter -Tochter Beziehung. Sie ist auch meine Freundin und Vertraute. Jedenfalls brauchten wir nicht sehr lange, bis wir endlich zu Hause angekommen waren. Unser Familienanwesen befindet sich etwas außerhalb von Bonita Springs. Wenn sie schon mal den Film Vom Winde verweht gesehen haben, dann können sie sich in etwa vorstellen, wie unser Haus aussieht. Als ich noch klein war, wohnten wir in einem kleinen Einfamilienhaus in Naples, dort, wo sich auch noch heute Dad’s Büro befindet. Dann ließ er heimlich dieses wunderschöne, weiße Traum-Haus erbauen. Er überraschte uns damit, als ich 7 Jahre alt war. Mom weinte vor Freude. Sie müssen wissen, Mom und Dad küssten sich das erste Mal im Kino. Sie waren in einer Nostalgie-Vorstellung. Um welchen Film es sich handelte, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht mehr zu erwähnen.

    Na jedenfalls, als wir auf unser Grundstück abbogen und unser Haus immer näher kam, stach mir ein riesengroßes Banner in die Augen… Willkommen zu Hause - Doc North.

    Es hing quer über vier der prächtigen weißen Säulen, die das ganze Haus umringen. Mom parkte den Wagen direkt vor dem Eingang.

       »Komm', um dein Gepäck kümmern wir uns später. Ach so, das hätte ich fast vergessen,…hier für Dich mein Engel!«

    Mom warf mir den Autoschlüssel zu und sie genoss es sichtlich mein erstauntes Gesicht zu betrachten. Sie trat um den Wagen herum auf mich zu, während ich noch mit offenem Mund, abwechselnd auf die Schlüssel und den Wagen starrte. Sie legte Ihren Arm um meine Schultern.

       »Das ist unser Geschenk für dich, Doktor Glinda North. Den hast du dir mehr als verdient!«, und sie küsste mich auf die linke Wange.

    Ich war sprachlos, denn dieser Jeep war wirklich ein absoluter Traum. Seit ich den Führerschein besaß, wünschte ich mir immer ein Cabriolet und nie bekam ich eins. Stattdessen bekam ich so einen hässlichen weißen Toyota Prius. Tja, Mom versucht bis heute die Welt zu retten. Nun können sie sich erst recht vorstellen, wie erstaunt ich wirklich war. Für diesen Wagen sprang sie mehr als nur über ihren Schatten - Ihren Ökoschatten, sozusagen. Arm in Arm gingen wir zur Eingangstür, die sich auch sogleich öffnete. Conzuela, unsere mexikanische Haushälterin umarmte mich in ihrer so typischen herzlichen Art. Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass in den meisten Filmen und Serien die Haushälterinnen oder Reinigungskräfte immer Conzuela heißen? Als Teenager machte ich mir bei jeder Gelegenheit einen Spaß daraus und rief sie jedes Mal, wenn ich eine Conzuela im Fernseher entdeckte. Oft saß sie auch neben mir und verdrehte die Augen, wenn dieser Name fiel. Solange ich denken kann, ist sie schon bei uns. Mein Dad hatte damals nicht nur unser Haus auf diesem Grundstück erbauen lassen. Etwas weiter abseits steht Conzuela's Haus, das sie zusammen mit ihrem Mann Pedro bewohnt, der seinerseits unser Gärtner und Handwerker zugleich ist. Kinder haben die Beiden nicht. Nach einer Fehlgeburt, noch bevor sie bei uns arbeitete, war es ihr nicht mehr vergönnt eigene Kinder zu bekommen.

       »Endlich - Endlich, bist Du wieder ganz da!...«, rief Conzuela und drückte mich mit ihrem voluminösen Körper fest an sich. »...Komm rein, komm rein.«

    Wir betraten unser Haus und Mom hatte eine richtig große Willkommensparty für mich organisiert. Dad kam als Erster auf mich zu. Er küsste und drückte mich.

       »Gut gemacht, Shorty!«

    Dad zerstrubbelte mir anschließend mit der rechten Hand mein Haupthaar. So, wie er es immer tat, wenn er stolz auf mich war. Alle meine Freunde waren da, auch einige Verwandte und die besten Freunde meiner Mom, mit denen ich ja schließlich auch aufgewachsen war. Eine riesengroße Torte hatte Mom organisiert, auf der ebenfalls Willkommen zu Hause - Doc North stand. Der Abend war wirklich sehr schön, aber auch sehr, sehr anstrengend. Einige von unseren Gästen hatte ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen, ja und bis auf meine Eltern fragte mich ausnahmslos jeder, was denn nun meine Pläne für die Zukunft wären. Aber ich wusste nicht wirklich darauf zu antworten. Einen Plan gab es noch gar nicht. Natürlich hatte ich mir ab und zu mal Gedanken gemacht, ob ich eine Praxis eröffne oder in die Forschung gehe. Aber um ehrlich zu sein, wusste ich nicht wirklich, was ich nun mit meinem weiteren Leben anfangen sollte. Meine innere Stimme sagte mir immer, dass sich schon irgendetwas ergeben wird. Und so war es ja dann auch. Ich war zu dem Zeitpunkt einfach nur froh wieder ganz daheim zu sein.

    Irgendwann neigte sich die Party dem Ende zu und meine beste Freundin Melissa verließ als Letzte das Haus.

       »…Und denk' dran - Wir müssen dringend was mit deinen Haaren machen.«, sagte Mel und fuhr mit ihren Händen wild durch meine Haare.

       »Mal sehen, vielleicht komme ich morgen mal bei dir vorbei.«, antwortete ich und wir verabschiedeten uns.

    Passenderweise war meine beste Freundin die Tochter von Jessica. Sowas muss ja nicht zwangsläufig so sein, aber in unserem Fall waren wir Gleichgesinnte. Nicht nur, dass wir in etwa gleich alt waren und quasi zusammen aufgewachsen sind, nein, auch vom Intellekt her waren wir auf einer Wellenlänge. Obwohl sie, genauso wie ich, auf eine gute Universität hätte gehen können, entschied sie sich für das Haareschneiden. Das wunderte mich nicht besonders, denn ich war schon mein ganzes Leben lang ihrer Frisiersucht hilflos ausgeliefert. Mittlerweile führt sie einen gut laufenden Friseursalon in Naples. Sogar Stars und Sternchen, die dort ansässig sind oder ihren Golfurlaub dort verbringen, lieben sie. Sie ist wirklich eine Künstlerin. Ich winkte ihr noch nach, als der Wagen des Sheriffs vorfuhr.

       »Onkel Bob!«, rief ich voller Freude.

    Onkel Bob, also eigentlich Onkel Robert, ist der ältere Bruder meines Dads und von all' den zum Teil recht eigenartigen Verwandten, die man sich ja bekanntlich nicht aussuchen kann, mein Allerliebster. Onkel Bob kam auf mich zu und hob mich hoch.

       »Shorty - Es tut mir leid, ich bin spät dran... Du weißt schon...Verbrecher fangen und so...!«, sagte er auf seine unnachahmlich trockene Art und ließ mich wieder runter.

       »Ach Onkel Bob, immer dasselbe mit dir.«, erwiderte ich dann auf meine eigene trockene Art, aber um sogleich zu grinsen und ihn nochmals herzlich zu umarmen.

    Dad und Onkel Bob stehen sich wirklich sehr nahe. Sie verbindet eine ziemlich üble Kindheit mit meinem alkoholabhängigen und kriminellen Großvater Jim. Alles was sie erreichten in ihrem Leben, haben sie sich selbst schwer erarbeitet und das erforderte bedingungslosen Zusammenhalt. Ich habe immer gesagt, dass falls ich jemals in meinem Leben heiraten sollte, dann müsste er so sein wie mein Dad, oder wie Onkel Bob.

       »Und, was hast du jetzt vor?«, fragte auch Onkel Bob, während er sich genüsslich ein großes Stück Torte einverleibte.

       »Ich glaube, ich mache erstmal ein bisschen Ferien - Hier zu Hause. Zum Strand fahren, ein gutes Buch lesen und einfach die Seele baumeln lassen.«

       »Das hast du dir auch redlich verdient, mein Schatz!«, sagte Mom und drückte mir mal wieder einen dicken Kuss auf die Wange.

    So langsam ging mir dann doch die Kraft aus. Die Anstrengungen des Tages schlugen mir quasi ins Gesicht. Das bemerkte auch Onkel Bob, der sich dann auch recht zügig mit den Worten Ich muss mich jetzt mal wieder auf den Weg machen. Ich schau‘ in Ruhe am Wochenende nochmal vorbei verabschiedete.

       »Mom, Dad,… vielen, vielen Dank für den tollen Empfang und für das Wahnsinns-Auto! Ihr seid wirklich die Allerbesten, aber ich muss jetzt schlafen, ich bin todmüde.«

    Ich gab ihnen einen Gute Nacht Kuss auf die Wangen und ging die Treppe hinauf.

    Mein Zimmer lag auf der linken Seite ganz am Ende des Flurs. Als ich die Tür öffnete war ich mehr als nur irritiert, denn in meinem Zimmer stand ein riesengroßer Pokertisch. Eine kleine Bar befand sich genau an der Stelle, wo eigentlich mein Bett stand und ein riesiger Flachbild Fernseher genau gegenüber, zierte fast die ganze Wand. Eine Sitzgruppe mit dicken braunen Sesseln aus Leder und einem kleinen runden Teakholztisch standen links neben der Bar. Als ich mich orientierungslos in meinem Zimmer drehte, bemerkte ich, dass meine Eltern im Türrahmen standen und meine Verwirrung mit einem breiten Lächeln sichtlich genossen. Dad streckte mir mit seiner rechten Hand einen Schlüssel entgegen.

       »Hier Shorty, Du wohnst ab heute im Pool Haus.«

       »Pool Haus?«, fragte ich ungläubig, denn eigentlich besaßen wir kein richtiges Pool Haus, nur so eine Art Geräteschuppen.

    Irritiert nahm ich den Schlüssel entgegen und Mom nahm mich an die Hand. Zusammen gingen wir wieder hinunter. Durch die Terrassentür im Wohnzimmer ins Freie gelangt, standen wir vor unserem Swimmingpool. Dann entdeckte ich es. Zwischen neu gepflanzten Palmen und Sträuchern, sah ich auf der rechten Seite schemenhaft ein kleines Licht flackern. Noch nicht einmal die neu gepflanzten Palmen waren mir an diesem Abend aufgefallen, obwohl ich vorher auch auf der Terrasse das eine oder andere Gespräch geführt hatte. So fiel mir auch nicht der kleine Weg auf, den mich meine Eltern nun entlang führten. Schließlich standen wir vor dem neuen Pool Haus. Dass Dad in kurzer Zeit ein Haus aus dem Boden stampfte, wunderte mich eigentlich nicht besonders... Na ja, jedenfalls viel erkennen konnte ich in dem schummrigen Licht nicht. In der Dunkelheit und von dieser Seite aus gesehen, wirkte es wie eine von tropischem Urwald umgebene Holzhütte. Zwei große Laternen mit dicken Kerzen baumelten an dicken Ketten links und rechts vom Vordach des Eingangs.

       »Na los, worauf wartest du noch? Schließ' schon auf.«, sagte Dad und das tat ich dann auch sogleich.

    Und was ich dann sah, raubte mir buchstäblich den Atem. Ich stand in einem riesengroßen Raum. Rechts vom Eingang befand sich die Küche. Ich mag ja sehr jung sein, aber einrichtungstechnisch und musikalisch gesehen, war ich schon immer ein absoluter Fan der 50er Jahre. Mom und Dad hatten mir eine absolute Traumküche eingerichtet, ganz im Stil eines Diners aus dieser Zeit. Ich war völlig sprachlos und zu Tränen gerührt. Ein Küchentraum in glänzendem Mint und Chrom mit einer langen Theke, inklusive Spüle und von innen beleuchteten Schränken. Selbst an das Neonschild mit dem Wort Open hatten sie gedacht.

       »Jetzt müssen wir nicht immer im Denny's frühstücken.«, meinte Mom und lächelte.

    Links, vom Eingang aus gesehen blickte ich in ein riesiges Wohnzimmer, an dessen Ende sich eine große Glaswand inklusive Terrassentür befand. Ein traumhaftes Mega-Sofa in mint grün mit passenden Sesseln, ein offener Kamin... Ich wusste gar nicht, wohin ich als erstes schauen sollte. Meine Eltern führten mich weiter. Durch eine Tür vom Wohnbereich aus gesehen, stand ich in einem langen Gang, auf dessen linker Seite sich mehrere Türen befanden. Die Erste führte in ein Gäste-Bad und die zweite Tür führte mich in mein altes Zimmer. Es war unglaublich, aber alles befand sich exakt an der gleichen Stelle. Selbst mein Bad, mein Bett und meine Gardinen, einfach alles. Ich war so gerührt, dass nun so richtig die Tränen kullerten.

       »Schh..., du brauchst doch nicht zu weinen!«, sagte Dad, nahm mich in die Arme und streichelte mir sanft über den Kopf.

       »Ich… Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll...«, brachte ich schluchzend hervor. »...Erst das Auto und dann auch noch das hier...«

       »Ich schlage vor, du gehst jetzt erstmal schlafen und morgen reden wir, okay?«, sagte Mom und ich antwortete mit einem leisen okay.

    Meine Eltern gaben mir noch einen Kuss und verließen gleich darauf das Pool Haus. Ich hörte noch meine Mutter sagen: Hast du ihr Gesicht gesehen?..., und Dad sagte auch noch etwas, was ich aber nicht mehr verstehen konnte und dann lachten sie laut. Ich warf mich auf mein Bett, streifte meine Sneakers ab und war sofort eingeschlafen.

    Klirrendes Geschirr und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, ließen mich am nächsten Morgen sanft erwachen. Ich setzte mich auf, streckte mich und musste mal wieder feststellen, dass man doch nirgends besser schläft, als in seinem eigenen Bett. Mein erster Weg führte mich ins Bad, wo ich mich kurz erfrischte. Dann schlüpfte ich in meine grüne Lieblingsshorts und zog ein frisches Top an.

       »Hey… Guten Morgen, Engel. Ich dachte mir, wir weihen direkt mal deine neue Küche ein. Geh' doch schon mal raus, wir haben den Tisch auf der Terrasse gedeckt. Heute ist so ein schöner Tag.«

    Ich begrüße Mom und Conzuela, die mir auch sogleich einen großen Becher Kaffee in die Hand drückte.

       »Wo ist denn Dad?«

       »Ach, du kennst ihn doch. Er musste mal wieder zu einem dringenden Termin nach Miami. Er kommt aber heute Abend wieder.«

    Dad ist eigentlich immer irgendwie unterwegs und ich hoffte, dass er sich wenigstens dann am Wochenende mal ein bisschen Zeit für mich nehmen würde. Ich muss gestehen, als ich meine neue Bleibe nun das erste Mal bei Tageslicht wahrnahm, da blieb mir wieder die Spucke weg und als ich dann die Terrasse betrat erst recht.

       »Ihr seid ja total verrückt!«, rief ich durch das ganze Haus.

    Da hatten meine Eltern doch tatsächlich für mich einen zweiten Swimmingpool bauen lassen. Das Ganze wirkte wie eine kleine Oase mitten im Urwald. Umringt von Palmen und Büschen stach dieser Pool einem direkt in die Augen. Rechts war ein kleiner, künstlicher Felsen angelegt, aus dessen oberen Ende Wasser, wie aus einer Quelle sprudelte und sich wie ein kleiner Wasserfall in den Pool ergoss.

       »Also, wenn du schon gleich nebenan wohnst, dann solltest du wenigstens etwas Privatsphäre mit dem zukünftigen Vater meiner Enkelkinder haben.«, sagte Mom und grinste, während sie ein voll beladenes Tablett auf den großen, runden Holztisch platzierte.

    Conzuela kam mit einem zweiten Tablett gleich hinterher. Als erstes stellte ich meinen Kaffeebecher auf den Tisch und nahm stattdessen ein Glas mit frisch gepresstem Orangensaft in die Hand. Nirgendwo auf dieser Welt gibt es besseren Orangensaft als hier im Sonnenschein-Staat. Conzuela und Mom leerten die Tabletts und platzierten die köstlichen Schweinereien, wie Pfannkuchen, Speck und Rührei auf dem Tisch.

       »Und mein Engel, fährst du denn heute zum Strand? «, fragte Mom.

       »Also, wenn ich hier meine kleine Oase sehe, dann weiß ich nicht, ob ich mich heute von den Sandflöhen beißen lassen sollte. Andererseits steht vorne ein Traumwagen, der meinen Namen ruft. Mel wird sicher auch böse, wenn ich heute nicht in ihrem Laden auftauche.«

       »Nimm Dir aber bitte morgen Abend nichts vor. Jessica und ich haben ein paar Leute eingeladen und wir wollen das gute alte Ouija-Brett mal wieder auspacken.«

       »Oh, lustig. Wer kommt denn?«

       »Ach, nur ein paar neue Leute, die wir kennengelernt haben. Lass dich überraschen, sie werden dir gefallen.«

       »Du willst mich doch nicht schon wieder mal verkuppeln, oder?«

       »Nein, nein, keine Angst. Du bist ja gerade erst angekommen. Darum kümmere ich mich später.«

    Mom lachte und ich brachte darauf nur ein Ach Mom heraus. In der Vergangenheit hatte sie schon

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