Single zu zweit
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Wenn sie nicht gerade vor dem Computer sitzt, schlägt Virna sich die Nächte um die Ohren. Zu ihrem Glück fehlen ihr nur zwei Dinge: ein Job und ein Mann. Als sie den Sarden Fabrizio kennen lernt, scheint eines ihrer Probleme gelöst. Doch noch vor der ersten gemeinsamen Nacht erklärt der Italiener, dass er nur an einer Affäre interessiert ist. Virna, die in Gedanken bereits die Hochzeit geplant hatte, ist vor den Kopf gestoßen, willigt aber ein. Ein kompliziertes, aber abwechslungsreiches Leben als Single zu zweit beginnt ...
Verena Maria Mayr
Verena Maria Mayr lebt mit ihrer Familie in der Südoststeiermark. Wenn sie nicht gerade durch die Welt reist, verarbeitet sie ihre Erlebnisse in einem Roman, ist in ihrem Garten zu finden oder sie steht in der Küche und bekocht Familie und Freunde. Sie studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaften in Wien und Pisa. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Eventorganisatorin, Journalistin und Texterin. Sie lebte einige Jahre in der Toskana, wo ihr erster Roman entstand. Weitere folgten im Laufe der Zeit sowie zwei KInderbücher. Mehr Informationen zur Autorin: www.facebook.com/verenamariamayr.fanseite Instagram: verenamariamayr
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Buchvorschau
Single zu zweit - Verena Maria Mayr
Pisa in den 1990er Jahren …
Eine Stadt muss meiner Meinung nach einen Fluss haben. Ist keiner vorhanden, ist das so, als würde die Lebensader fehlen. Und auch, wenn diese sehr schmutzig ist, so wie das beim Arno der Fall ist, blieb ich immer wieder auf der Brücke namens „Ponte di Mezzo" stehen und schaute in das braune schlammige Wasser unter mir.
Als ich wieder einmal am Brückengeländer lehnte, an einem Spätnachmittag im September, und mir überlegte, was die Leute wohl von mir halten würden, wenn ich jetzt einfach so, ohne Vorwarnung, in hohem Bogen reinspucken würde, bemerkte ich, wie jemand mich anstarrte, ja regelrecht fixierte. Ob er meine Gedanken lesen konnte? Ich fühlte mich ertappt und musste grinsen.
„In welche Richtung fließt der Arno?", fragte er mich. Ich zeigte in Richtung Meer, weil ich wusste, dass er dort mündete.
„Du bist keine Italienerin, stellte er nüchtern fest und lehnte sich lässig ans Brückengeländer. Ich zog meine linke Augenbraue so hoch ich konnte, neigte meinen Kopf zur Seite und wollte schon zu einem überheblichen „Na bravo, gut erkannt
ansetzen, als er wissen wollte: „Woher kommst du?"
Sollte ich reagieren? Warum nicht? Er wirkte sympathisch und durchaus attraktiv. Für einen Italiener war er sogar ziemlich groß.
„Ich komme aus Graz, antwortete ich und setzte hinzu: „Das ist in Österreich.
„Ich weiß, letzten Sommer war ich in Wien." Seine Stimme war tief. Er sprach ein bisschen durch die Nase.
„Dort habe ich studiert, entfuhr mir schneller, als ich wollte, denn ich hatte keine große Lust mich in ein Gespräch verwickeln zu lassen. Er ließ sich davon jedenfalls nicht abschrecken, streckte mir seine Hand entgegen, ohne seine Position zu verändern, und stellte sich mit „Ich bin Fabrizio
vor.
Unhöflich wollte ich nicht sein, also machte ich einen Schritt auf ihn zu und ergriff seine langen, schlanken Finger. „Virna".
„Toller Name", murmelte Fabrizio, während er mein Gesicht betrachtete. Das machte mich ein wenig verlegen. Vor allem, weil mir auffiel, dass er noch immer meine Hand hielt. Ich entzog sie ihm und spürte seinen festen Händedruck, von dem eine gewisse Entschlossenheit ausging, noch minutenlang wie einen Abdruck.
„Woher kommst du?", fragte ich, doch neugierig geworden.
„Aus Sardinien. Cagliari."
Ich nickte. Seit Langem wollte ich dort einen Sommer verbringen. Türkisblaues Meer, Sanddünen, gegrillter Thunfisch …
„Studierst du in Pisa?, unterbrach er meine Urlaubsträume und ich erklärte ihm, dass ich hier ein Jahr studiert hatte. Weil ich mich sofort heimisch fühlte, hatte ich dann beschlossen, gleich nach meinem Abschluss zurückzukehren. „Jetzt bin ich auf Arbeitssuche
.
„Was hast du studiert?"
„Englisch und Italienisch." Ich setzte dazu an, ihm meine Zukunftspläne zu offenbaren, denn soeben war ich richtig in Fahrt gekommen, als er mich auf seine Uhr blickend unterbrach.
„Hör zu, scusa, es tut mir leid, ich muss dringend los. Dabei sah er gar nicht gehetzt aus. „Ich würde dich aber gern wiedersehen. Dann könnten wir uns in Ruhe weiter unterhalten. Meine Nummer ist nullfünfnullvierfünffünffünfacht, ganz leicht, merkst du sie dir?
.
Er war schon fast am anderen Ende der Brücke, als er sich im Laufschritt noch mal zu mir umdrehte und mir nachrief: „Oder komm einfach vorbei! Piazza della Berlina Nummer 15! Du kannst klingeln, wann du willst!" Und weg war er.
Was glaubte denn der eigentlich? Fiel mir ja nicht mal im Traum ein! Einfach so bei einem wildfremden Mann vorbeizuschauen … Da konnte er noch so blaue Augen haben. Auf so einen Typ fiel ich doch nicht mehr rein. Der redete wahrscheinlich jeden Tag blonde Ausländerinnen auf der Straße an. „Typisch Italiener!", schnaubte ich entrüstet vor mich hin. Obwohl er anfangs einen sehr netten Eindruck gemacht hatte. Ach was. Unterhalten konnte ich mich auch mit meinen Freunden.
Aber ein komisches Gefühl verspürte ich schon in der Magengegend. Ich musste zu lange in den dreckigen Fluss gestarrt haben. Auf der Suche nach einem Mann war ich zwar nicht, hatte aber auch nichts gegen neue Bekanntschaften einzuwenden.
Ein bisschen durcheinander machte ich mich auf den Heimweg. Was hatte er gesagt, woher er kam? Aus Cagliari? Das war doch in der Nähe des Heimatortes meiner Mitbewohnerin Georgia, die auch aus Sardinien stammte. Ich würde sie sofort fragen, ob sie ihn kannte, nahm ich mir vor. Nicht, dass ich sonderlich interessiert gewesen wäre. Außerdem wäre das wirklich purer Zufall. Aber man wollte ja schließlich informiert sein, und was sprach dagegen, Erkundigungen einzuholen?
Ich beschloss, die Via San Martino entlang zu laufen, um schneller nach Hause zu kommen. Normalerweise schlenderte ich die Einkaufsstraße, den Corso Italia, hinunter, aber da war mir heute zuviel los, und ich hatte auch keine Lust, mir die toll dekorierten Auslagen in den Geschäften anzusehen. Gedankenverloren nahm ich die wunderschönen Häuserfassaden in warmen Rot- und Gelbtönen nur am Rande wahr. Die wild verwachsene Laube der Pizzeria „Martino" würdigte ich heute keines Blickes.
Mit einem langgezogenen „Ciaaaooo" begrüßte ich Giorgia, setzte mich neben sie in ihren gemütlichen Couchsessel und bot ihr eine Zigarette an. Ich gab ihr Feuer und zündete dann meine ‚Diana blu‘ an. Natürlich die aus der Weichpackung, denn die war viel besser und wer den Unterschied nicht erkannte, war kein echter Raucher. Kristina, meine zweite Mitbewohnerin, kam nach dem Aufwachen bereits mit einem brennenden Glimmstängel in die Küche. Wir waren alle drei stummelsüchtig und hatten in der ganzen Wohnung Aschenbecher verteilt, zweckentfremdeten aber ebenso alle anderen möglichen Behälter dafür, von der Kaffeetasse angefangen bis hin zum Suppenteller.
„Weißt du, was mir gerade passiert ist?", fragte ich sie.
„Erzähl!", forderte sie mich auf, ohne sich vom Bildschirm ihres Computers, an dem sie die meiste Zeit des Tages verbrachte, abzuwenden.
„Ich habe einen Typen aus Cagliari kennengelernt", enthüllte ich und freute mich über die erwartete Reaktion, als sie sich sofort zu mir umdrehte und wissen wollte, wie er hieß.
„Fabrizio."
„Und der Nachname?" Ungeduldig wirbelte sie mit ihrer rechten Hand vor meinem Gesicht durch die Luft, um mir weitere Informationen aus der Nase zu ziehen.
„Weiß ich nicht. Wir haben uns nur kurz unterhalten. Ich erstattete Detailbericht und der erste Kommentar dazu war: „Die Leute aus Cagliari sind total arrogant und eingebildet.
„Tja, da könntest du recht haben, denn er schien mir extrem selbstbewusst zu sein."
Damit war das Thema erledigt und wir widmeten uns dem Abendessen.
„Worauf hast du Lust?, fragte ich Giorgia, die mit einem „Puh, ich weiß nicht, ist mir egal
antwortete. Wie ich sie beneidete. Giorgia war Essen nicht besonders wichtig, im Gegenteil, es war ihrer Meinung nach eine lästige Notwendigkeit, um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Wenn es aber etwas gab, das sie gern aß, beziehungsweise etwas, das ihr richtig schmeckte, was vor allem fast rohem Fleisch am nächsten kam, konzentrierte sie sich auf jeden Bissen und genoss jede Faser.
Neben unserer Kannibalin gab es eine Käseverweigerin und schließlich mich, den fast vegetarischen Vielfraß, der am liebsten große Mengen vertilgte – wenn möglich so gut wie ohne Kalorien. Darum liebte ich die italienische Küche ja auch so sehr. Ich konnte mir einen Berg Pasta kochen, mit Tomatensugo und Mozzarella, und mir einreden, soviel davon essen zu können, wie ich wollte, weil Kohlenhydrate allein nicht dick machen und es dabei immer nur auf die fetten Saucen ankäme. Und das Einzige, was zählte, war, meine Trennkost beizubehalten, die meine letzte Diäterrungenschaft war. Ich wunderte mich, wieso ich nicht schon viel früher darauf gestoßen war, denn sie schien mir sehr bequem und einfach zu sein. Essen, so viel man will, Hauptsache Kohlenhydrate und Proteine trennen. Nur schlich sich immer öfter hier und dort ein gelato ein, und mein Rotweinkonsum kam regelmäßig einem Abendessen gleich. Mein Lieblingsaperitiv - Martini mit Eis und Orangenscheibe – nicht eingerechnet. Ich kämpfte also ständig mit den Kilos, besiegte sie aber nicht wirklich und kam wieder zu dem Schluss, zu dem ich in der ersten Phase der Resignation immer gelangte, nämlich, dass ich doch ganz passabel aussah und genügend ragazzi auf mich flogen, was sich in der zweiten Phase der Resignation in „Wenn er mich tatsächlich liebt, dann nimmt er mich so, wie ich bin" verwandelte. Da ich mich gerade zwischen erster und zweiter Phase befand, entschied ich mich für Erdäpfelsalat mit Kernöl, meine steirische Spezialität, von der meine Mitbewohnerinnen begeistert waren.
Als ich mit dem Schälen der Kartoffeln fertig war, kam Kristina von der Chorprobe zurück, die zweimal in der Woche in der Chiesa di Santa Chiara stattfand. Ich habe von solchen Sachen nie viel gehalten, weil ich immer an singende Pinguine denken musste, aber seit ich mir einmal ein Konzert von ihnen angehört und festgestellt hatte, was für hübsche Chorknaben dort klassische Laute von sich gaben, hatte sich meine Einstellung schlagartig geändert. Mit einem hatte ich dann sogar eine nette Kurzbeziehung. Wir verstanden uns noch heute gut – oder wieder, wenn ich ehrlich war.
„Liebe, ganz liiiebe Grüße von Ale. Krissa grinste mich an. Ich konnte mir das Lächeln auch nicht verkneifen, obwohl ich es in Wirklichkeit eher traurig fand, dass mir die Netten und „Guten
, wie ich Typen wie Alessandro bezeichnete, nach kurzer Zeit dermaßen auf die Nerven gingen, dass eine längere Beziehung mit ihnen einfach nicht in Frage kam. Dafür zog ich die Arschlöcher an wie die Motten das Licht, das behauptete jedenfalls mein bester Freund Benjamin, und der musste es schließlich wissen, denn er benahm sich keinen Deut besser gegenüber seinen Eroberungen. Sein letztes E-Mail fing dementsprechend an: „Derzeit ist wieder mal jemand in mich verliebt. Ich nicht, die Frage kannst du dir sparen … "
Je böser die „Bösen", umso reizvoller waren sie für mich, und das I-Tüpfelchen war, wenn ich sie nicht haben konnte.
Wenigstens hatten Benjamin und ich dieses Thema, was uns beide betraf, ein für alle Mal erledigt. Wie wir beide jemals hatten im Bett landen können, ist uns heute noch ein Rätsel. Bereits beim ersten Kuss hätte uns klar sein müssen, dass unser Bettabenteuer nur in einer Katastrophe enden konnte. Es war furchtbar und nichts konnte mich mehr abturnen als schlechte Küsser.
Meine beste Freundin Susanna hatte mir bei unserem gestrigen Telefonat verraten, dass sie vor zwei Wochen in einer Philologie-Vorlesung den Küssergott schlechthin kennengelernt hätte. Ich gönnte es ihr, freute mich für sie und wünschte mir auch einen. Jedes Mal, wenn ich mich daran erinnerte, wie ich Susanna kennengelernt hatte, musste ich schmunzeln. Es war meine erste Woche als Studentin mit spärlichen bis nicht vorhandenen Italienischkenntnissen in Pisa gewesen. Ratlos stand ich vor dem schwarzen Brett im Spracheninstitut in der Via Santa Maria. Ich wollte in eine Wohngemeinschaft mit Italienerinnen ziehen, um die Sprache besser und schneller zu lernen. Provisorischer Weise hatte ich mich zu Beginn in einer Jugendherberge, die von Nonnen geführt wurde, einquartiert, in der wir uns zu zweit ein Zimmer teilten. Meine Bettnachbarin war aus Kalabrien, hieß Alessandra, sprach aber kein Wort Englisch, so dass wir uns mit Armen und Beinen verständigen mussten. Das Essen im Gemeinschaftsraum war nicht das, was ich mir unter italienischer Küche vorgestellt hatte. Die Pasta war zerkocht und das Sugo aufgewärmt. Später erfuhr ich, dass die Köchin aus Polen stammte. Außerdem gab es eine Sperrstunde und wir mussten um 22 Uhr daheim sein. Da fing das Nachtleben in Pisa aber erst an. Nun stand ich also vor vielen handgeschriebenen Zettelchen und Lire-Beträgen jenseits der Hunderttausend. Ich war so verzweifelt, wie ich wahrscheinlich aussah. Susanna lächelte mich an und meinte: „Ich blicke da auch noch nicht durch. Du sprichst doch deutsch?"
Meine Freude musste sich in meinem Gesicht widerspiegeln, denn ihr Lächeln wurde breiter. „Ja, ich spreche deutsch. Und nur ganz wenig italienisch", gab ich zu.
„Aber aus Deutschland kommst du nicht", stellte sie gleich fest.
„Nein, ich komme aus Österreich."
„Ich heiße Susanna und mache ein Studienaustauschjahr. Du auch?"
„Ja, ich bin auch Erasmusstudentin. Ich heiße Virna." So war das. Und von da an waren wir unzertrennlich. Leider musste sie nach dem Studienjahr wieder nach Deutschland zurück, um ihre letzten Prüfungen zu absolvieren. Ich hatte noch ein Stipendium für meine Diplomarbeit bekommen und war gleich in Pisa geblieben. Sie wollte aber, sobald sie mit ihrem Germanistikstudium fertig war, wieder in die Toskana ziehen. Jetzt war sie also verliebt und ich bekam Angst, dass sie ihre Pläne vielleicht doch noch ändern könnte. Dennoch wünschte ich mir, dass sie mit ihrem Küsserkönig glücklich werden würde.
Benjamin hatte ich einmal erklärt, wie er seine Zunge und seine Lippen bewegen sollte, wie viel Druck er ausüben musste und wie er gleichzeitig schlucken konnte. Das hatte
