Wahres Leben: Christsein auf evangelisch
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Über dieses E-Book
Wir suchen nach Glück und fragen nach dem Sinn des Lebens. Wo finden wir Orientierung auf dem Weg zu einem erfüllten Leben? Das Streben nach Selbstverwirklichung führt zu hohem Optimierungsdruck. Versagensängste, Überforderung und Erschöpfung sind die Folge. Sieht so ein Leben aus, für das es sich zu leben lohnt?
Der Theologe Ulrich Körtner bewertet diese gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch. In seinem Buch fragt er: Kann es ein wahres Leben geben, das sich nicht nur gut und richtig anfühlt, sondern gut und richtig ist? Die Antwort darauf findet er im christlichen Glauben. Anhand von zentralen Bibelstellen erklärt er auf einfache Weise, was es heißt, im evangelischen Sinne Christ zu sein.
- Religion im Alltag: Wie kann die Verbindung heute gelingen?
- Eine Einladung zur Selbstreflexion: Was sind meine persönlichen Werte?
- Intensive und anregende Lektüre: fundiertes theologisches Wissen auf den Punkt gebracht
- Glaube, Kirche und christliche Werte: Orientierungspunkte für ein authentisches Leben
Woran glauben Christen? Eine Einführung in evangelische Glaubensüberzeugungen
Tiefgang statt Oberflächlichkeit, Wahrhaftigkeit statt schöner Schein: Ulrich Körtner lenkt den Fokus zurück auf die ursprünglichen Werte des Christentums. Das führt zu weiteren Fragen: Worauf vertrauen Christen in Leben und Sterben? Was zeichnet eine von Glaube, Liebe und Hoffnung bestimmte Lebensführung aus?
Der Theologe bezieht sich dabei vor allem auf das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Doppelgebot der Liebe, die Zehn Gebote, das Hohelied der Liebe, das Vaterunser, Psalm 23 und Psalm 51,12–14 sowie die Seligpreisungen.
Lassen Sie sich von den klugen und präzisen Ausführungen Ulrich Körtners zum Nachdenken anregen und vielleicht sogar zu einer Neuausrichtung Ihres Lebens inspirieren!
Ulrich H. J. Körtner
Dr. theol., Professor für Systematische Theologie (reformierte Theologie) an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien.
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Buchvorschau
Wahres Leben - Ulrich H. J. Körtner
Vom richtigen Leben im falschen oder: Christsein auf evangelisch
Menschen suchen nach Glück und nach unverfälschtem, authentischem Leben. In Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung soll das Glück zu finden sein. Der kanadische Philosoph Charles Taylor charakterisiert unsere Gegenwart als »Zeitalter der Authentizität«. »Sei du selbst!« lautet der Imperativ in Gesellschaft und Kultur. Jedermann ist seines Glückes Schmied, sofern es gelingt, sich nicht nur selbst zu verwirklichen, sondern zugleich auch noch zu optimieren. Es genügt nicht, mit sich selbst identisch zu sein, also mit sich selbst im Reinen und zufrieden zu sein, sondern das wahre Ich ist eine beständige Baustelle. Dabei können Enttäuschungen nicht ausbleiben. Die angestrebten Glücksmomente lassen sich nicht auf Dauer stellen. Sie werden zudem durch negative Gefühle wie Versagensängste, Trauer, Wut und Neid unterlaufen, und das Empowerment zur beständigen Selbstoptimierung endet im erschöpften, von sich selbst enttäuschten Selbst. Die Suche nach dem authentischen Leben endet beim »erschöpften Selbst« (Alain Ehrenberg). Charakteristisch für das Subjekt unserer Epochen sind, wie der Soziologe Andreas Reckwitz schreibt, »Risiken der Überforderung und Überanstrengung«, außerdem »Erschöpfungskrankheiten wie Depression und Burn-out sowie psychosomatische Störungen«. Das Streben nach Glück vermehrt so das Unglück.
Kann es das überhaupt geben: wahres Leben, das sich nicht nur gut und richtig anfühlt, sondern gut und richtig ist? Ein sinnerfülltes Leben mit Tiefgang statt bloßer Oberflächlichkeit, frei von jeglicher Lebenslüge, mit der wir uns und andere um das Leben betrügen. Ein Leben, in dem jemand nicht am Leben vorbeigeht, wie man so sagt, ein Leben, das zu leben sich lohnt. Oder muss das wahre Leben ein schöner Traum, eine Illusion bleiben, weil es nun einmal kein richtiges Leben im falschen gibt, wie der Philosoph Theodor W. Adorno (1903–1969) gesagt hat? Adorno war gemeinsam mit Max Horkheimer der Begründer der Kritischen Theorie und der Frankfurter Schule mit dem Institut für Sozialforschung als ihrem Zentrum. Das »ganz Falsche« war für den Marxisten Adorno die alle Lebensbereiche durchdringende und beherrschende spätkapitalistische Industriegesellschaft. Authentisches, heiles Leben sei in ihr ausgeschlossen. Alles Leben sei beschädigt. Kann es tatsächlich kein richtiges im falschen Leben geben, weil die Welt im Ganzen und die Existenz jedes einzelnen Menschen von inneren Widersprüchen zerrissen und das Ganze nicht das Wahre, sondern das Unwahre ist?
Wahres Leben, richtiges im falschen, ist eine Sache des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Glaube, Liebe und Hoffnung können Menschen aus der platten Diesseitigkeit befreien. Wer aus der Hoffnung lebt, sieht weiter als Menschen ohne Hoffnung. Wer aus der Liebe lebt, sieht tiefer als Menschen, die stets aus kühler Berechnung handeln und die Gabe des Lebens mit einer Ware verwechseln. Wer aus dem Glauben lebt, sieht die Welt, seine Mitmenschen und sich selbst in einem neuen Licht. Glaube ist Möglichkeitssinn, ein Sinn für das Mögliche. Er steht nicht im Gegensatz zum Wirklichkeitssinn, sondern verändert diesen, indem die Wirklichkeit in den Raum des Möglichen versetzt wird. Ob aber das Leben wahr oder unwahr, richtig oder falsch ist, hängt davon ab, was oder an wen man glaubt, was oder wen man liebt, was oder worauf man hofft.
Darum geht es in dieser Einführung, die fragt: Woran genau glauben Christen? Worauf setzen sie im Leben und im Sterben ihr Vertrauen? Worin gründet ihre Zuversicht? Was bedeutet Liebe für sie, und was zeichnet aus christlicher Sicht eine von Glaube, Liebe und Hoffnung bestimmte Lebensführung aus?
Christen glauben, dass es richtiges Leben im falschen gibt. Sie sind überzeugt und gewiss, dass solches Leben im Glauben an Jesus von Nazareth zu finden ist, der ganz in der Wahrheit und aus der Wahrheit gelebt hat. Mehr noch: dass Jesus das wahre Leben, der Weg dorthin und die Wahrheit in Person ist.
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) schrieb einmal: »Wir meinen, weil dieser oder jener Mensch lebe, habe es auch für uns einen Sinn zu leben. In Wahrheit aber ist es doch so: Wenn die Erde gewürdigt wurde, den Menschen Jesus Christus zu tragen, wenn ein Mensch wie Jesus gelebt hat, dann und nur dann hat es für uns Menschen einen Sinn zu leben. Hätte Jesus nicht gelebt, dann wäre unser Leben trotz aller anderen Menschen, die wir kennen, verehren und lieben, sinnlos.«
Christlicher Glaube unterscheidet sich von allen sonstigen Formen von Religion oder Spiritualität durch das Bekenntnis zu Jesus Christus als Quelle wahren Lebens. Eben darum wurden und werden die an ihn Glaubenden Christen genannt. Nicht eine vage Transzendenzsuche oder Gottoffenheit, sondern das Christusbekenntnis ist der entscheidende »Marker«, an dem das Label »Christentum« auf dem Markt der religiösen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten erkannt wird.
Jesus von Nazareth, seine Worte und sein Lebensweg nehmen im Glauben und Leben von Christen eine Schlüsselstellung ein, weil sie davon überzeugt sind, dass Menschen durch ihn auf einzigartige Weise einen Zugang zu Gott finden. In Jesu Worten und Taten, seinem Lebensweg und seiner Hingabe, seinem Tod und seiner Auferstehung zeigt sich Gott als die alles bestimmende Wirklichkeit der Liebe und als Grund allen Daseins.
Aber wer oder was ist Gott? Existiert er überhaupt? Und wenn ja, wie? Das bleibt strittig. Schon die Bibel weiß: Niemand hat Gott je gesehen (Johannes 1,18). Jesus von Nazareth hat diesen Gott aber nicht nur verkündigt, sondern in seiner eigenen Person und Existenz sichtbar gemacht. Wer ihn und die Zeichen seiner Gegenwart sieht, der sieht Gott selbst – den Gott, der uns nahe ist und sich zugleich entzieht, so wie der auferstandene Christus, der sich seinen Jüngern zeigt und dann entschwindet.
Die Rede von Gott ist für Christen zentral und unaufgebbar, weil sie in der Spur Jesu von Nazareth nicht nur das menschliche Dasein und die Welt im Ganzen, sondern auch ihren Glauben, ihre Hoffnung und die Liebe als Gabe verstehen, die sich der bedingungslosen Gnade und Güte Gottes verdankt. Der Apostel Paulus hat diese Grundüberzeugung auf den Punkt gebracht: »Was hast du, das du nicht empfangen hast?« (1. Korinther 4,7)
So lässt sich auf den Punkt bringen, was christlichen Glauben nach evangelischem Verständnis ausmacht: den von Jesus von Nazareth bezeugten Gott, im Leben wie im Sterben über alle Dinge zu fürchten, zu lieben und ihm zu vertrauen.
Evangelisch ist dabei nicht auf die Konfessionsbezeichnung evangelischer Kirchen zu reduzieren, sondern in erster Linie als inhaltliche Bestimmung des Christseins gemeint. Evangelisch ist alles, was dem neutestamentlichen Evangelium von Jesus Christus entspricht. So verstanden kann es viel Evangelisches in allen Kirchen geben, nicht zuletzt in der römisch-katholischen Kirche, während in evangelischen Kirchen bisweilen recht unevangelische Überzeugungen zu finden sind. Zum Beispiel, wenn das biblische Christuszeugnis auf ein Moralprogramm reduziert wird, das den Zuspruch der göttlichen Gnade mit der ethischen Forderung seiner Gebote verwechselt. Natürlich sind auch nach evangelischem Verständnis die Gebote zur Geltung zu bringen, aber wirklich frei wird der Christ nur durch den Zuspruch der Vergebung.
Wir Menschen sind von Natur aus nicht die, die wir sein sollen. Wir leben nicht im Reinen mit uns selbst, mit anderen Menschen und auch nicht mit Gott, sondern im Widerspruch. Wir sind uns selbst im Innersten fremd, bisweilen sogar unheimlich. Die Entfremdung kann sich bis zur Feindschaft und zum Selbsthass steigern. Das beschränkt nicht nur unser Verhältnis zu uns selbst, sondern zieht auch die Beziehung zu anderen Menschen in Mitleidenschaft und wirkt sich in der Gesellschaft und in unserem Umgang mit der Natur destruktiv aus. So von uns selbst entfremdet, sind wir zugleich fern von Gott. Und darin liegt die Wurzel des falschen Lebens. Die Bibel gebraucht für die in uns wirksame destruktive Macht der Entfremdung den Begriff Sünde. So fremd vielen dieser Begriff auch geworden sein mag – wir brauchen ihn, um zu verstehen, was mit dem Evangelium gemeint ist.
Das Evangelium – auf Deutsch: die gute Nachricht – besagt: Es gibt ein richtiges Leben im falschen – aber auf Hoffnung hin. Richtiges, wahres Leben kann es nur geben, wenn wir mit Gott, aber auch mit uns selbst versöhnt werden. Genau das ist die Kernaussage des Evangeliums: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst (2. Korinther 5,19).
Gott liebt uns bedingungslos und will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen: der Wahrheit über sie selbst, die Welt und Gott. Die Wahrheit, so heißt es, wird uns frei machen. Sie macht uns frei vom Zwang, etwas aus uns selbst machen zu müssen, und befreit uns von der Angst vor Bedeutungslosigkeit, die in der modernen Gesellschaft grassiert.
Papst Johannes XXIII. (1881–1963) wird der Ausspruch zugeschrieben: »Gott weiß, dass ich da bin, das genügt mir, auch wenn sonst kein Hahn nach mir kräht.« Das ist freilich reine Glaubenssache – und gut evangelisch! Was es heißt, aufgrund dieser Zuversicht vertrauensvoll in Glaube, Liebe und Hoffnung zu leben, das soll nun genauer ausbuchstabiert werden.
Glaube
Wer nichts weiß, muss alles glauben, sind die beiden Physiker Werner Gruber, Heinz Oberhummer und der Kabarettist Martin Puntigam überzeugt. Das Trio begründete die »Science-Busters«, die zur Atheismusszene gehören und mit ihren Bühnenprogrammen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz touren. Glauben, so lautet eine gängige Redensart, heißt nicht wissen. Aber die Entgegensetzung von Glauben und Wissen ist ebenso vordergründig falsch wie hintergründig richtig. Zu fragen ist ja nicht nur, was »Glauben«, sondern auch, was
