Psychische Grundbedürfnisse in der Schule: Ein Handbuch für Pädagogik und Therapie
Von Stefan Jarzombek
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Über dieses E-Book
Dieses Buch gibt Antworten, auf welche Weise sowohl schulische Lernprozesse als auch psychosoziale Entwicklungsprozesse, die parallel zum Wissenserwerb in der Schule stattfinden, mit der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in Wechselwirkung stehen. Der Autor zeigt auf, wie vor allem das persönliche und interaktionelle Verhalten der Lehrkraft sowie ihre Unterrichtsgestaltung dafür entscheidend sind, in welchem Umfang eine Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in der Schule stattfindet und gibt praxisnahe Empfehlungen, wie die Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse in der Schule verbessert werden kann.
Ein wichtiges Werk für alle Lehrkräfte und Therapeuten, denen die psychische Gesundheit und eine erfolgreiche Entwicklung von Schulkindern am Herzen liegt.
Stefan Jarzombek
Facharzt für Allgemeinmedizin, Ärztlicher Psychotherapeut, Anthroposophischer Arzt (GAÄD), Ayurvedaausbildung, M.A. Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, M.Sc. Psychologie kindlicher Lern- und Entwicklungsauffälligkeiten, langjährige Tätigkeit als Chefarzt in der stationären Mutter-Kind-Vorsorge.
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Buchvorschau
Psychische Grundbedürfnisse in der Schule - Stefan Jarzombek
In der Reihe „Spirituelle Aspekte in der Medizin" sind bisher erschienen:
Band 1: Bachblüten als Erkenntnisweg
Band 2: Karma-Sutra, Indische Medizin als Erkenntnisweg
Das vorliegende Buch ist eine überarbeitete Fassung der Masterarbeit des Autors zum gleichen Thema.
Dr. med. Stefan Jarzombek, M.A., M.Sc.
Facharzt für Allgemeinmedizin, Ärztlicher Psychotherapeut, Anthroposophischer Arzt (GAÄD). M.Sc. in Psychologie kindlicher Lern- und Entwicklungsauffälligkeiten.
Inhalt
Einleitung
Begriffsklärung Psychische Grundbedürfnisse
Bedeutsame Modelle psychischer Grundbedürfnisse
Das Modell psychischer Grundbedürfnisse nach Grawe
Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
Das Bedürfnis nach Selbstwertschutz und Selbstwerterhöhung
Das Bedürfnis nach Bindung
Das Prinzip der Konsistenzregulation
Die Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse
Grundsätzliches zur Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse
Psychische Grundbedürfnisse im Kontext eines biopsychosozialen Modells von Gesundheit und Krankheit
Psychische Grundbedürfnisse im Kontext schulischer Motivations- und Lernprozesse
Inkonsistenz und Konsistenz im Unterricht
Schulisches Wohlbefinden, Motivation und Anpassungsprozesse
Selbstwirksamkeitserwartung
Ein Modell schulischen Wohlbefindens
Das Grundbedürfnis nach Spiritualität
Spiritualität als Erweiterung des biopsychosozialen Modells?
Spiritualität als kindlicher Coping-Faktor
Phasen kindlicher Spiritualität
Spiritualität als inhärenter Teil individueller Entwicklungsprozesse
Spiritualität und Schule
Spiritualität und Erlebnispädagogik
Psychische Grundbedürfnisse und christlicher Spiritualität
Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse im schulischen Kontext
Schulische Rahmenbedingungen
Welchen Stellenwert hat Schule?
Welche Rahmenbedingungen werden in der Schule wirksam?
Herausforderung Digitalisierung
Problematiken bei der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in der Schule infolge ausgewählter Krankheitsbilder
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
Oppositionelle Verhaltensstörungen
Schulische Teilleistungsschwächen
Lese-/ Rechtschreibstörung
Dyskalkulie
Notwendige Strukturen und Prozesse in der Schule, um psychische Grundbedürfnisse zu befriedigen
Grundlegende Ansätze im Hinblick auf die Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in der Schule
Ansätze zur Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Bindung
Ansätze zur Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Orientierung und Kontrolle
Ansätze zur Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
Ansätze zur Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Selbstwertschutz und Selbstwerterhöhung
Konsistenzregulation
Bedürfnis nach Spiritualität
Spezifische Ansätze im Hinblick auf bestehende Störungsbilder
Ansätze bei ADHS
Ansätze bei oppositionellen Verhaltensstörungen
Ansätze bei schulischen Teilleistungsschwächen
Bedürfnisübergreifende evidenzbasierte Ansätze
Achtsamkeitsbasierte Interventionen bei Schüler*innen
Achtsamkeitspraxis der Lehrkräfte
Personenzentrierter Ansatz
Gezielte Unterstützung sozioökonomisch benachteiligter Schüler*innen
Sozial-emotionales Lernen (SEL)
Gewaltprävention
Positive Peer-Kultur
Erlebnispädagogik
Konsequenzen
Hilfsmittel für Lehrkräfte
Dokumentationsbogen für Lehrkräfte zur Einschätzung der psychischen Grundbedürfnisbefriedigung eines Schulkindes
Schulischer Maßnahmenplan zur Verbesserung der psychischen Grundbedürfnisbefriedigung eines Schulkindes
Einschränkungen
Quellenhinweise
Literatur
Bildverzeichnis
Anhang
Einleitung
In der öffentlichen Diskussion werden schulische Rahmenbedingungen oft primär unter dem Aspekt des Lernens und Wissenserwerbs bewertet. Der Fokus liegt in der Folge bei politischen und pädagogischen Maßnahmen meist darauf, strukturelle und prozessuale Veränderungen anzustreben, die möglichst unmittelbar den Lernerfolg verbessern. Ein Beispiel hierfür ist die PISA-Diskussion¹. Brake² mahnte bei der Analyse der PISA-Ergebnisse kritisch an, dass nicht ausschließlich kognitive Kompetenzen der Schüler betrachtet werden dürfen. „Eine solche Verengung des Bildungsverständnisses auf funktional relevante Aspekte vernachlässigt die sozialen, emotionalen, motorischen und ästhetischen Anteile von Bildung" ³. Tatsächlich ist eine Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse unverzichtbare Grundlage für erfolgreiche Lernprozesse eines Kindes, bedeutet sie doch, dass ein Kind die notwendige psychische Stabilität aufrechterhalten kann, um in der Schule erfolgreich zu sein⁴. Es macht also Sinn, zu untersuchen, inwieweit in der Schule psychische Grundbedürfnisse befriedigt werden oder nicht. Für eine solche Untersuchung kann die Theorie der psychischen Grundbedürfnisse nach Grawe⁵ als Ausgangspunkt genutzt werden. Diese Theorie gilt allgemein als eine gut studiengesicherte Grundbedürfnistheorie. Allerdings ist einschränkend anzumerken, dass Grawe seine Theorie bezogen auf Erwachsene entwickelte. Borg-Laufs⁶ hat allerdings in den vergangenen Jahren die Arbeit von Grawe im Hinblick auf ihre Gültigkeit und Anwendbarkeit bei Kindern beforscht und weiterentwickelt. Er kam zu der Einschätzung, dass die Theorie der psychischen Grundbedürfnisse nach Grawe auch auf Kinder und Jugendliche zutrifft und anwendbar ist⁷.
Nach den Ergebnissen der BELLA-Studie im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KIGGS zeigen 21,9% aller Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten⁸. Auch in den Schulen sind entsprechend häufig psychische Auffälligkeiten der Kinder bis hin zu manifesten Krankheitsbildern zu erwarten. Es werden daher schulische Konzepte benötigt, die nicht nur den Wissenserwerb fokussieren, sondern die Kinder in ihrer umfassenden Persönlichkeit wahrnehmen und unterstützen helfen. Die Theorie der Psychischen Grundbedürfnisse bietet hierzu einen grundlegenden Ansatz. Es wurde jedoch bisher nicht strukturiert betrachtet, welche Rahmenbedingungen bei der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in der Schule wirksam werden. Eine umfassende Wahrnehmung der kindlichen Persönlichkeit wäre mit einer Analyse der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse allerdings nicht erreicht. Es erscheint daher notwendig, die Theorie psychischer Grundbedürfnisse nach Grawe zumindest grundsätzlich mit modernen ganzheitlichen Gesundheitsmodellen in Bezug zu setzen und einzuordnen. Die Theorie Psychischer Grundbedürfnisse hat in diesem Kontext Berührungspunkte mit den Erkenntnissen von Egger⁹, dessen erweitertes biopsychosoziales Modell¹⁰ derzeit einen der fortschrittlichsten Ansätze eines ganzheitlichen Gesundheits- und Krankheitsmodells widerspiegelt und zudem mit den Erkenntnissen der nicht-medizinischen Naturwissenschaften harmoniert¹¹. Gegenwärtig wird kontrovers diskutiert, inwieweit eine Erweiterung des biopsychosozialen Modells von Egger um eine spirituelle Dimension notwendig wäre¹². Dies ist interessant, da es bereits grundlegende Arbeiten gibt, die sich mit der Bedeutung von Spiritualität gerade im Kontext kindlicher Grundbedürfnisse beschäftigen¹³. Es bestehen also Berührungspunkte und gemeinsame Betrachtungsebenen zwischen der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse, dem erweiterten biopsychosozialen Modell und einem Grundbedürfnis nach Spiritualität. Eine integrierende Betrachtung steht bisher aus und soll durch die vorliegende Zusammenführung derzeitiger Forschungsergebnisse ermöglicht werden.
Auf den kommenden Seiten dieses Buches wird nun untersucht, inwieweit psychische Grundbedürfnisse in der Schule befriedigt werden bzw. wodurch die Befriedigung der Grundbedürfnisse in der Schule gestört wird. Hierzu wurde die diesbezügliche Literatur hinsichtlich bereits erforschter Zusammenhänge ausgewertet. Ausgehend von der Theorie der Grundbedürfnisse, wie sie von Grawe¹⁴ entwickelt worden ist, werden schulische Rahmenbedingungen betrachtet und hinsichtlich ihrer Wirkung bei der Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse bei Schulkindern analysiert. Dabei werden auch Grenzen der Theorie kritisch hinterfragt. Unter besonderer Betrachtung der Wirkfaktoren einer Bedürfnisbefriedigung bei Kindern mit psychischen Erkrankungen, werden mögliche Anwendungen der Theorie Psychischer Grundbedürfnisse im Hinblick auf Schulkinder abgeleitet. Einbezogen werden dazu ADHS, oppositionelle Verhaltensstörungen und schulische Teilleistungsschwächen. Ersteres, da ADHS eine häufige psychische Störung darstellt, deren besondere Symptomatik schulische Strukturen und Prozesse vor erhebliche Herausforderungen stellt. Letzteres, da schulische Teilleistungsschwächen naturgemäß besonders eng mit dem Setting Schule zusammenhängen. Oppositionelle Verhaltensstörungen sollen betrachtet werden, da sie häufig einen limitierenden Faktor für den möglichen Bildungsweg eines Kindes darstellen. Aus einer Betrachtung der Krankheitsbilder unter dem Aspekt der Grundbedürfnisbefriedigung sollen Ansätze zum besseren Umgang mit betroffenen Kindern in der Schule resultieren und umgekehrt die praktische Bedeutung der Bedürfnisbefriedigung in der Schule klarer werden.
Im Rahmen der Literaturrecherche stellte sich heraus, dass zahlreiche Arbeiten zum Thema Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in der Schule auf dem Grundbedürfnismodell von Deci und Ryan¹⁵ basieren, da zahlreiche Studien zu schulischen Zusammenhängen aus dem englischsprachigen Raum stammen. Dort werden psychische Grundbedürfnisse überwiegend anhand der Arbeiten von Deci und Ryan betrachtet. Arbeiten zu ihrem Modell sind daher neben Studien zum Modell von Grawe für die vorliegende Arbeit genutzt worden, um Zusammenhänge und Wechselwirkungen von psychischen Grundbedürfnissen und Schule zu erklären. Fries, ein Mitarbeiter aus der Arbeitsgruppe von Grawe, hat verschiedenste Theorien und Konzepte, die sich mit Konsistenz und Inkonsistenz im psychischen Geschehen des Menschen beschäftigen, im Hinblick auf Ähnlichkeiten mit der Konsistenztheorie von Grawe untersucht¹⁶. Er zeigte, dass die Self-Determination-Theory (SDT) von Deci und Ryan der Konsistenztheorie von Grawe in vielen wichtigen Punkten stark ähnelt. Deci und Ryan heben in ihrer Theorie die Wichtigkeit intrinsischer Motivation hervor, welche in Grawes Theorie nicht erwähnt wird. Fries sieht diesen Aspekt jedoch in Grawes Theorie als Funktionalität von Zielen vergleichbar implementiert. Beide Theorien basieren nach seiner Untersuchung auf den gleichen Grundannahmen psychischen Funktionierens¹⁷. Ein Einbezug der Arbeiten basierend auf dem Modell von Deci und Ryan in die Analysen und Betrachtungen der vorliegenden Arbeit scheint daher zulässig und wird an den entsprechenden Stellen kenntlich gemacht.
In den nächsten Kapiteln werden nach einer kurzen Begriffsklärung zunächst verschiedene Modelle psychischer Grundbedürfnisse vergleichend nebeneinander gestellt. Anschließend folgt als Grundlage für das weitere Verständnis der durchgesehenen Literatur eine kurze Zusammenfassung des konsistenztheoretischen Modells der psychischen Grundbedürfnisse nach Grawe, wie es dieser umfangreich in seinen grundlegenden Werken¹⁸ dargelegt und begründet hat. Soweit zum Modellverständnis notwendig, werden auch Arbeiten anderer Wissenschaftler ergänzend aus den Ausführungen Grawes zitiert. Nach einer Betrachtung grundsätzlicher Aspekte der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse erfolgt sodann eine Einordnung der psychischen Grundbedürfnisse in die Kontexte des biopsychosozialen Krankheitsmodells und der schulischen Motivations- und Lernprozesse. Es wird erweiternd die Frage nach einem Grundbedürfnis nach Spiritualität gestellt, dies speziell auch im Hinblick auf Kinder und Heranwachsende. Im daran anschließenden Abschnitt werden die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse im schulischen Kontext analysiert, wobei ergänzend eine besondere Betrachtung der Digitalisierungsproblematik in der Schule erfolgt. Die besonderen Schwierigkeiten, die ADHS, oppositionelle Störungen sowie Lese-/Rechtschreibstörungen und Dyskalkulie im Hinblick auf die Bedürfnisbefriedigung darstellen, werden in eigenen Kapiteln detailliert betrachtet. Basierend auf den dargelegten Analysen können schließlich Strukturen und Prozesse beschrieben werden, die die Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in der Schule verbessern.
Begriffsklärung Psychische Grundbedürfnisse
Durch die frühen Untersuchungen von Spitz¹⁹ zum Hospitalismus ist bekannt, dass eine Befriedigung körperlicher Bedürfnisse allein nicht ausreichend ist, damit Kinder sich gesund entwickeln können. Darüber hinaus ist eine Befriedigung auch der psychischen Bedürfnisse unverzichtbar. Doch welche Bedürfnisse sind das? Im Laufe der Zeit wurden in der Psychologie unterschiedliche Grundbedürfnisse beschrieben und in Modellen geordnet²⁰. Alle Modelle spiegeln unvermeidlich kulturelle, natur- und geisteswissenschaftliche sowie medizinische und psychologische Erkenntnisse und Wissensstände der jeweiligen Zeit wider. Darunter waren gerade in den frühen Zeiten Annahmen, die nicht mit tragfähigen Studien nach heutigem Standard abgesichert wurden. Erst in jüngeren Jahren wurden Modelle menschlicher und insbesondere psychischer Grundbedürfnisse empirisch untermauert. Das Modell psychischer Grundbedürfnisse nach Grawe kann dabei eine umfassende empirische Evidenz vorweisen und soll daher im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen zur Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse in der Schule stehen, ohne dabei jedoch die Frage nach Schwächen oder eventuellen Erweiterungen auszuschließen. Wie soll nun der Begriff des „Psychischen Grundbedürfnisses" gefasst werden? Grawe definiert den Begriff des Psychischen Grundbedürfnisses wie folgt:
„Unter psychischen Grundbedürfnissen verstehe ich Bedürfnisse, die bei allen Menschen vorhanden sind und deren Verletzung oder dauerhafte Nichtbefriedigung zu Schädigungen der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens führen." ²¹
Die Stärke dieser Definition liegt darin, dass sie - vergleichbar der Definition physiologischer (körperlicher) Grundbedürfnisse bei Maslow²² - nachvollziehbar auf eine bei allen Menschen notwendige und existenzielle Bedürfnisbefriedigung abstellt. Ohne Bedürfnisbefriedigung entsteht Schaden. Somit ist das grundlegende, mithin unvermeidbare dieser Bedürfnisse, und damit die Namensgebung begründet. Damit ordnet Grawe die Motivation zur Befriedigung dieser Bedürfnisse analog zu Maslows Verständnis als Defizit-Motivation ein.
Grawe entwickelte sein Modell nicht losgelöst von früheren Modellen. Vielmehr baute er auf vorhergehenden Arbeiten seiner Forscherkollegen auf. Wie wir noch sehen werden, war das Modell Epsteins²³ in besonderer Weise grundlegend für das Modell Psychischer Grundbedürfnisse von Grawe. Im Folgenden sollen zunächst einige wegweisende Modelle psychischer Grundbedürfnisse kurz skizziert werden, bevor eine Betrachtung des Modells der Psychischen Grundbedürfnisse nach Grawe erfolgt.
Bedeutsame Modelle psychischer Grundbedürfnisse
Abraham Maslow ging davon aus, dass alle Individuen nach der Befriedigung von Grundbedürfnissen streben. Er ordnete die Grundbedürfnisse zunächst in eine Reihenfolge und nahm an, dass erst niedere Bedürfnisse befriedigt werden müssten, bevor der Mensch sich nach höheren Bedürfnissen orientiert. Dabei unterschied er Defizit-Motivation (Bedürfnisse, deren Nicht-Befriedigung zu Störungen führt) von Wachstums-Motivation (Bedürfnisse, deren Befriedigung zur Selbstverwirklichung des Menschen beiträgt)²⁴.
Abbildung: Bedürfnishierarchie nach Maslow²⁵
Epstein²⁶
Epstein beschrieb vier Grundbedürfnisse:
das Bedürfnis nach Orientierung, Kontrolle und Kohärenz
das Bedürfnis nach Lust
das Bedürfnis nach Bindung
das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung
Grawe hielt das Modell von Epstein hinsichtlich der Kohärenz für veränderungsbedürftig. Er endschied, die Kohärenz in seinem eigenen Modell aus den vier Grundbedürfnissen herauszunehmen und sie als übergeordnetes Prinzip psychischen Funktionierens unter dem Begriff des „Konsistenzprinzips" wieder hinzuzufügen²⁷.
Portera beschrieb „Grundbedürfnisse der menschlichen Entwicklung"²⁸. Er verstand die Grundbedürfnisse als entstanden in der Vergangenheit, jedoch in die Zukunft wirkend. Dabei besteht eine ständige Wechselwirkung zwischen dem Individuum und seiner Umwelt²⁹. Im einzelnen benannte Portera³⁰:
Das Grundbedürfnis nach einem Mindestmaß an sozialem und organischem Wohlbefinden
Das Grundbedürfnis nach Bindung
Das Grundbedürfnis nach Ablösung
Das Grundbedürfnis nach positiver emotionaler Zuwendung
Das Grundbedürfnis nach tiefem Verstandenwerden
Das Grundbedürfnis nach Kongruenz
Das Grundbedürfnis nach Vertrauen
Das Grundbedürfnis nach Kontinuität
Das Grundbedürfnis nach Struktur
Das Grundbedürfnis nach aktiver Partizipation
Nach Fleischer³¹ postulierte Portera diese Grundbedürfnisse nicht als statisch getrennte Realitäten, sondern begriff sie als Aspekte eines dynamischen Wechselspiels in einer prozessualen Weiterentwicklung. Ein gleichzeitiges Auftreten von Grundbedürfnissen und eine gegenseitige Konkurrenz sei dabei möglich.
Fend widmete sich gezielt Grundbedürfnissen von Schüler*Innen und beschrieb 4 Homöostasen (Gleichgewichte), die ein Kind in der Schule zu erreichen versucht³²:
Narzisstische Homöostase (Selbstachtung)
Soziale Homöostase (Bindung und Zugehörigkeit)
Autonomie-Homöostase (Eigenkontrolle, Selbständigkeit, Selbstbestimmung)
Sinnhomöostase (Verstehen sinnhafter Zusammenhänge und Handlungen)
Das Kind versucht nach den Vorstellungen Fends ständig, durch sein Verhalten eine Homöostase herzustellen. Ist dies allerdings nicht möglich, so verfolgt das Kind vermeintlich kompensierende Ziele. Sind diese für eine notwendige Bedürfnisbefriedigung jedoch unzureichend, so können schwere Entwicklungsstörungen resultieren. Fend betont die Notwendigkeit, dass für eine gesunde Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit nicht allein einzelne Gleichgewichte ausreichen. Eine Befriedigung aller Homöostasebedürfnisse gleichzeitig ist notwendig³³.
Es überlappt das Homöostase-Modell von Fend, welches sich gezielt mit Kindern und Jugendlichen im schulischen Umfeld befasst, in 3 Bereichen mit dem Grundbedürfnismodell von Grawe:
Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle (Fend: Autonomie)
Das Bedürfnis nach Bindung (Fend: Soziale Homöostase)
Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung (Fend: Narzisstische Homöostase)
Während Grawe jedoch ein viertes Grundbedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung konstatiert, beschreibt Fend als viertes angestrebtes Gleichgewicht eine Sinnhomöostase. Grawe begründet seine Wahl mit dem Hinweis auf verhaltenstherapeutisch nutzbare Reaktionsmuster, die als „angeborenes affektives Reaktionssystem" im „biologischen Bauplan des Menschen vorgesehen sind" ³⁴. Er beschreibt die Unlustvermeidung als grundlegende Problematik bei der Ausbildung von
