Mehr Partizipation wagen: Argumente für eine verstärkte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Von Bertelsmann Stiftung (Editor)
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Über dieses E-Book
Kinder und Jugendliche sind fast immer von politischen Entscheidungen betroffen - haben jedoch nur selten Gelegenheit, sie zu beeinflussen. Diese Situation zu ändern, setzt vor allem ein Umdenken bei Akteuren in Politik, Verwaltung und Schulen voraus - Kommunen können sich langfristig nur mit der Beteiligung aller Generationen entwickeln.
Die Autoren Professor Dr. Thomas Olk und Professor Dr. Roland Roth schärfen in diesem Band die Argumente für eine gute Praxis der Partizipation. Sie liefern Begründungen für die Tagespolitik und machen deutlich, dass es sich für alle Beteiligten lohnt, Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben.
Mit Handlungsempfehlungen für Kommunen.
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Buchvorschau
Mehr Partizipation wagen - Bertelsmann Stiftung
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im
Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2010 E-Book-Ausgabe (EPUB) © 2007 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Sigrid Meinhold-Henschel
Lektorat: Heike Herrberg
Herstellung: Sabine Reimann
Umschlaggestaltung: Nadine Humann
Umschlagabbildung und Abbildungen im Text: © Veit Mette, Bielefeld;
© Imagesource (S. 40, 68)
Gesamtherstellung: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-194-6
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Vorwort
Unsere Gesellschaft steht vor zahlreichen Gestaltungsaufgaben in allen Politikbereichen. Um die vielfältigen Aufgaben zu meistern, ist bürgerschaftliches Engagement mehr denn je gefordert. Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht es, politische Prozesse effektiver zu gestalten, nachhaltige Lösungen zu erarbeiten und das Vertrauen in die Demokratie zu erhöhen. Eine neue Partizipationskultur zu entwickeln, wird damit zu einem vordringlichen Reformvorhaben, das die Bertelsmann Stiftung mit ihrer Arbeit unterstützt.
Bürgerschaftliches Engagement als gesellschaftlicher Wert kann nachhaltig nur verankert werden, wenn Kinder und Jugendliche früh erfahren, wie bereichernd solidarisches Handeln für alle Beteiligten ist. Sie benötigen dafür Vorbilder, insbesondere im Elternhaus und in den Bildungseinrichtungen. Sie benötigen dafür aber auch Freiräume für eigenes Tun. Denn Verantwortungsübernahme für sich und andere setzt voraus, dass es Gestaltungsspielräume gibt. Leider sind in Deutschland die Mitwirkungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche noch stark eingeschränkt und stecken nicht selten in Ideologiedebatten fest.
Vor diesem Hintergrund hat die Bertelsmann Stiftung im Jahr 2004 die Initiative »mitWirkung!« gestartet. Gemeinsam mit unseren Partnern, dem Deutschen Kinderhilfswerk, der Unicef, der »Gemeinschaftsaktion Schleswig-Holstein - Land für Kinder«, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie den Modellkommunen Essen (Nordrhein-Westfalen), Leipzig (Sachsen) und Saalfeld (Thüringen) möchten wir Wege zur Stärkung der Kinderund Jugendbeteiligung erproben und gleichzeitig zeigen, dass es sich für alle Beteiligten lohnt, jungen Menschen eine Stimme zu geben.
Ihnen gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten zu eröffnen, setzt vor allem ein Umdenken bei Akteuren in Politik, Verwaltung, Jugend- und Sozialarbeit und in den Schulen voraus. Sie davon zu überzeugen, dass die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gewinnbringend ist, dient die vorliegende Expertise. Umfassend stellen Prof. Thomas Olk (Universität Halle-Wittenberg) und Prof. Roland Roth (Hochschule Magdeburg-Stendal) normative und aktuelle politische Begründungen zusammen, die die Wichtigkeit der Partizipation junger Menschen untermauern. Gleichzeitig greifen sie Gegenargumente auf und analysieren diese.
Städte und Gemeinden sind die Orte, wo sich Kindern und Jugendlichen schon in jungen Jahren vielfältige Engagementfelder eröffnen. Deshalb sprechen die Autoren Handlungsempfehlungen aus, wie die Partizipationsmöglichkeiten in Kommunen strukturell abgesichert werden können. Für das große Engagement der beiden Autoren möchten wir uns herzlich bedanken.
Wir verbinden mit dieser Publikation die Hoffnung, dem aktuellen Diskurs über den Stellenwert der jungen Generation für die Entwicklung der Bürgergesellschaft neue Impulse zu geben. Für die Bertelsmann Stiftung ist dieses Thema mehr denn je von großer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund werden wir im Jahr 2007 den Carl Bertelsmann-Preis zu dem Thema »Gesellschaftliches Engagement als Bildungsziel« vergeben.
Dr. Johannes Meier
Mitglied des Vorstandes
der Bertelsmann Stiftung
Sigrid Meinhold-Henschel
Projektleiterin der
Initiative »mitWirkung!«
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
Einleitung
Hohe Ansprüche - mangelnde Umsetzung
Partizipation - zum Verständnis des Begriffs
Systematische Zusammenhänge
Menschenrechte, Bürgerrechte, Kinderrechte
Demokratie und »civic education«
Pädagogik und Bildungstheorie
Veränderte Kindheit, veränderte Jugend
Aktuelle politische Zusammenhänge
Demographischer Wandel und Generationengerechtigkeit
»Weicher Standortfaktor« im interkommunalen Wettbewerb
Ökonomische und gesellschaftliche Innovationsfähigkeit
Moderne Staatlichkeit und Bürgerkommune
Steigerung der Effizienz von Planungsvorhaben
Förderung von Integration
Prävention durch Partizipation
Europäische Initiativen und Europäische Bürgerschaft
»Jugend der Welt«: Transnationale Impulse
Fazit
Anmerkungen
Literatur
Die Autoren
Handlungsempfehlungen für Kommunen
Einleitung
Dieser Beitrag ist Teil des Projekts »mitWirkung!« der Bertelsmann Stiftung, das sich gemeinsam mit Unicef und dem Deutschen Kinderhilfswerk der Förderung der Kinder- und Jugendpartizipation in Kommunen widmet (www.mitwirkung.net). Unmittelbares Ziel des Projekts, das sich als ein Baustein bürgerschaftlich orientierter Reformen in den Kommunen versteht, ist es, dort verbesserte Beteiligungsmöglichkeiten von Heranwachsenden zu schaffen.
Die damit verknüpften Erwartungen gehen in zwei Richtungen. Zum einen kommt Beteiligung den engagierten Kindern und Jugendlichen selbst zugute: »Eine aktive und ernsthafte Partizipation dieser Zielgruppe ermöglicht individuelle Bildungsprozesse, steigert die Identifikation mit dem eigenen Lebensumfeld, trägt zur wirksamen Integration sozial Benachteiligter bei und fördert eine nachhaltige Demokratieentwicklung« (Bertelsmann Stiftung 2006: 40). Mit dem letzten Punkt wird bereits ein wichtiges Element des zweiten Bereichs erwünschter Wirkungen angesprochen, die in Richtung Gemeinwesen zielen: Es geht um eine langfristige Kommunalentwicklung, die nicht ohne, sondern nur mit der Partizipation aller Generationen und Milieus möglich ist.
Diese Notwendigkeit wird keineswegs überall gesehen oder gar in der Praxis umgesetzt. Kinder- und Jugendbeteiligung findet zwar - teils rechtlich normiert, teils freiwillig - an vielen Orten statt, »die vorhandenen Angebote leiden jedoch oftmals an mangelnder struktureller Absicherung, geringer Nachhaltigkeit und begrenzter Wirksamkeit. Hier lässt sich noch viel verbessern« (Bertelsmann Stiftung 2006: 40 f.).
Diese Einschätzung wurde durch eine wissenschaftliche Untersuchung bestätigt, an der sich in 42 Städten und Gemeinden mehr als 12 000 Schülerinnen und Schüler, über 1000 Lehrkräfte und Schulleiter¹ sowie Vertreter der Kommunen beteiligten (Fatke und Schneider 2005). Während drei Viertel der befragten Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren angaben, zu Hause viel oder sehr viel mitbestimmen zu können, sahen nur 14,5 Prozent eine ähnlich positive Beteiligungssituation in der Schule und nur 13,6 Prozent im lokalen Gemeinwesen gegeben. Mehr als zwei Drittel der Befragten forderten, dass Jugendliche in der Politik mehr zu sagen haben sollten.
Nur knapp jede/r zehnte Jugendliche fühlt sich von den Politikern ernst genommen. Sich selbst geben aber die befragten Lehrkräfte, Schulleiter und Kommunalpolitiker wesentlich bessere Noten. Ihnen fehlt es weithin an einer realistischen Einschätzung der Beteiligungssituation in der Kommune und an ihren Schulen. Diese Kluft hat jedoch bei den jungen Menschen (noch) kein allgemeines politisches Desinteresse provoziert. »Vielmehr geben 78 Prozent der Befragten an, sich bei attraktiveren Beteiligungsangeboten und besseren Rahmenbedingungen stärker einbringen zu wollen« (Fatke u. a. 2006: 30).
Solche Voraussetzungen zu schaffen und modellhaft nachhaltige Beteiligungsformen zu entwickeln, die schließlich zu breit nutzbaren Qualitätsbausteinen für die kommunale Beteiligungspraxis mit Kindern und Jugendlichen verdichtet werden können, bleibt einer zweijährigen Praxisphase mit drei Modellkommunen vorbehalten. Zur Unterstützung des Gesamtvorhabens schien es ratsam, die Argumente für eine gute Beteiligungspraxis noch einmal zu schärfen.
Dass Kinder und Jugendliche davon nicht überzeugt werden müssen, gehört zu werden, beteiligt zu sein und mitzubestimmen, hat die Befragung überdeutlich gezeigt. Wie sehr sich Lehrkräfte, Schulleiter und kommunal Verantwortliche über das Maß der bereits realisierten Beteiligung täuschen, gehört zu den besonderen Herausforderungen des Projekts.
Die allgemeine Zustimmung zur Beteiligungsnorm, die oft auch Skepsis und Desinteresse überdecken hilft, führt nicht notwendig zu einer entsprechenden Praxis. Offensichtlich bedarf es stärkerer Motive, um die damit notwendig verbundene Bereitschaft zur Veränderung von institutionellen Routinen und zur Machtteilung zu fördern, ohne die ein Empowerment von jungen Menschen nicht vorankommen wird. Oft braucht es dazu Proteste oder die Angst vor »französischen Verhältnissen« (wie die Unruhen des Winters 2005 in den Banlieues). Aber auch gute Argumente, um die es in diesem Beitrag geht, sollen und können, so unsere Hoffnung, für reformpolitischen Rückenwind sorgen.
002Hohe Ansprüche - mangelnde Umsetzung
Die Bedeutung einer wirksamen Partizipation von Kindern und Jugendlichen wird in Wissenschaft und (Kommunal-)Politik zunehmend anerkannt. In der Debatte werden zahlreiche mehr oder weniger überzeugende Begründungen vorgetragen. Allerdings ist der Stand der Umsetzung in Deutschland, gemessen an den eigenen Ansprüchen und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, unbefriedigend. Dem entspricht, dass auch im politischen Raum institutionelle Defizite eingeräumt werden.
Aktuell besteht die Gefahr, dass diese politische Entwicklungsaufgabe hinter weithin geteilten demographischen und familienpolitischen Prioritäten zu verschwinden droht. Familienpolitik und Kinderbeteiligung müssen kein Widerspruch sein. Aber Familienförderung und Anreize für ein Leben mit Kindern lassen sich auch ohne eine Stärkung von alltäglichen Kinderrechten denken - und dies geschieht weithin, wenn in diesem Zusammenhang ausschließlich von Versorgungseinrichtungen und Kostenerleichterungen die Rede ist.
Die letzte Bundesregierung hat sowohl in ihrer Stellungnahme zum Zwölften Kinder- und Jugendbericht als auch im »Nationalen Aktionsplan für ein kindergerechtes Deutschland 2005-2010« eindringlich Entwicklungsbedarf signalisiert. Ein umfassendes Qualitätsmanagement für eine moderne und nachhaltige Beteiligungskultur wird eingefordert und angekündigt.
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 11. November 2005 nimmt die neue Regierung positiv auf die Ziele des Nationalen Aktionsplans Bezug: »Junge Menschen haben ein Recht auf Bildung, auf ein gesundes Aufwachsen, auf gesellschaftliche Beteiligung und vor allem darauf, dass sie vor physischer und psychischer Gewalt geschützt werden.« Die Regierungskoalition betont, diese Rechte »gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und ihren Verbänden« umsetzen zu wollen.
003Die bessere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen erfährt sogar eine hervorgehobene und vergleichsweise ausführliche Darstellung: »Kinder und Jugendliche in politische, planerische und zukunftsorientierte Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse einzubeziehen, ist für die Zukunftsfähigkeit eines demokratischen Gemeinwesens unverzichtbar.« Schwerpunkte sieht der Koalitionsvertrag in der Aufklärung über Kinderrechte und der frühzeitigen Beteiligung auf lokaler Ebene, die durch gute Beispiele verstärkt werden solle.
Allerdings sind die Formulierungen eher defensiv und ohne verpflichtenden
