Das Beil des Henkers Reindel: Die spektakulärsten Kriminalfälle 1602–1948
Von Bernd Kaufholz
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Über dieses E-Book
Bernd Kaufholz
Bernd Kaufholz, geb. 1952 in Magdeburg, studierte Maschinenbau und später Journalistik. Seit 1976 ist er Reporter bei der »Volksstimme« in Magdeburg und ab 1993 als Chefreporter in vielen Kriegs- und Krisengebieten der Welt unterwegs. Seine Bücher trugen ihm den Titel »Ehrenkommissar des Landes Sachsen-Anhalt« (2002) und eine Beförderung zum »Oberkommissar ehrenhalber« (2011) ein. Kaufholz lebt im Jerichower Land.
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Buchvorschau
Das Beil des Henkers Reindel - Bernd Kaufholz
Die Prophezeiung des Pfarrers
Pastor M. Georg Zimmermann ist ein zutiefst gläubiger Mann und zudem Astrologe. Als dem Aschersleber Oberprediger 1577 ein Sohn geboren wird, teilt er die Freude seiner Umgebung kaum. Das Kind habe unter einer sehr unglücklichen Planetenkonstellation das Licht der Welt erblickt, verkündet der Sternenkundige. Georg werde einst eines gewaltsamen Todes sterben, sagte der Geistliche voraus.
Fünfundzwanzig Jahre später sind die Entscheidungen der Schöppenstühle zu Jena, Leipzig und Helmstedt, der zuständigen juristischen Fakultäten, eindeutig: Georg Zimmermann, Sohn des Oberpredigers, wohnhaft in Wittenberg, ist schuldig, seine Mutter und seine Schwester am 21. Oktober 1602 ermordet zu haben. Auch das Strafmaß, die Todesstrafe, wird einhellig festgelegt. Lediglich in der Art und Weise, wie der Doppelmörder hingerichtet werden soll, gehen die Meinungen der Schöppenstühle auseinander.
„So wirdt der Gefangene Georg Zimmermann in einen Sack sambt einem Hunde und Affen, Hanen und einer Schlange gesteckt, ins Wasser geworfen, und vom Leben zum Tode erseuffet, entscheiden die „Doctores zu Jena
. Sollte diese Vollstreckungsart nicht zum Tode des Verurteilten führen, „dan würde ehr durch seinen ganzen Leib in vier Stucke zerhawen … auch solche Viertel uf gemeine vier Wegstraßen öffentlich ufgehenket".
Mörder Georg Zimmermann wird am 3. November 1602 dreimal um die St.-Stephani-Kirche (rechts) herumgetrieben. Der Tatort dürfte das Haus Nr. 11 (links) gewesen sein.
Die „Sechsischen Schöppen meinen: „So möchte er … mit zweien gluhenden Zangen gekniffen, gerissen und dan sambt einem Hunde, Hanen, Schlangen und Katzen … in einen Sack gestaeckt, ins Wasser geworffen und ertrankt
werden. Als Alternative bieten die Leipziger Juristen an, dass Zimmermann auch „mit dem Rade zum Tode gestraft werden" könne.
Das Rad favorisieren die „Doctores der Juristen Facultät Helmstadt in ihrem Urteil vom 26. Oktober 1602. Der Mörder sei „mit dem Rade durch Zerstossung seiner Glieder, vom Leben zum Tode zu richten
. Zuvor solle er jedoch vor dem Mordhaus in Aschersleben zur Abschreckung „durch gluende Zangen gerissen" werden.
Da es in Aschersleben an einem Gewässer mangelt, in dem Zimmermann ertränkt werden könnte, wird das Gericht im zehn Kilometer entfernten Emdorf bei Ermsleben um Amtshilfe und zwei Zangen ersucht.
Am 3. November 1602 findet das „hochnotpeinliche Halsgericht" in Aschersleben statt. Der Verbrecher wird dreimal um die Kirche herumgeführt. Jedes Mal, wenn er an dem Haus vorbeikommt, in dem er gemordet hat (wahrscheinlich die heutige Stephani-Kirchplatz Nr. 11), wird er mit glühenden Zangen gerissen und zuletzt aufs Rad geflochten.
Zwei Jahre nach dem Tode des Vaters und Oberpredigers M. Georg Zimmermann hat sich dessen schreckliche Prophezeiung erfüllt.
Wie kam es dazu, dass aus einem jungen Mann, der die besten familiären Voraussetzungen hatte, um einen ordentlichen Lebensweg einzuschlagen, ein Verbrecher wurde?
Die Eltern scheuen keine Kosten, um aus dem einzigen Sohn einen Studierten zu machen. Doch als der Vater im Jahre 1600 stirbt, gibt Georg Zimmermann jr. das Studium auf und geht nach Wittenberg, um dort als Tuchhändler sein Geld zu verdienen. Diese Entscheidung respektiert seine Mutter nicht nur, sie unterstützt den Sohn auch finanziell „mit mehr als dem von ihm zu erwartenden Erbantheil, wie es in der historischen „Criminal Acte
heißt.
Doch als Tuchhändler ist der 25-Jährige nicht sonderlich erfolgreich. Wie der Mutter zugetragen wird, mangelt es dem Sohn am „ernsten Willen, Fleiß, an vermehrter Thätigkeit und Beharrlichkeit" beim Broterwerb.
Zimmermanns wirtschaftliche Verhältnisse werden immer schlechter. Doch anstatt sich durch Sparsamkeit von den Schulden zu befreien, sinnt er darauf, wie er ohne große Mühe und möglichst schnell zu einem Vermögen kommen kann.
Dabei fällt ihm das Geld ein, das der verstorbene Pfarrer seiner Ehefrau hinterlassen hat. Zimmermann jr. hatte der Mutter immer wieder geraten, die beträchtliche Barschaft nicht im Hause zu behalten. Jetzt kommt es ihm zupass, dass sie sich diesem Wunsch widersetzt hat.
Einen Teil des Geldes will er der Mutter nehmen – wenn es sein muss, mit Gewalt.
Im Oktober 1602 nimmt er sich vor, seinen Plan in die Tat umsetzen. Georg Zimmermann mietet sich in Zerbst ein Fuhrwerk samt Kutscher und gibt vor, über Aschersleben nach Halberstadt reisen zu wollen.
Am Abend des 20. Oktober kommt er in Aschersleben an. Er gibt dem Kutscher einen Gulden und weist ihn an, im Gasthof „Roß" am Johannestor zu übernachten. Er habe inzwischen mit einem Edelmann Geschäfte zu machen. Am nächsten Morgen wolle er in Richtung Harz weiterfahren.
Doch Zimmermann geht zu keinem Edelmann. Er schlägt den Weg zum Hause seiner Mutter ein, die auf dem Hof der Stephani-Kirche gegenüber dem großen Brauhaus wohnt. Es ist 18 Uhr, als er von der Mutter und der unverheirateten seiner drei Schwestern, die mit im Haus lebt, herzlich empfangen wird.
Wie Zimmermann später aussagt, verlief der Abend harmonisch, ohne Zank und Streit.
Gegen 21 Uhr begibt sich die Familie zur Ruhe. Die Mutter bittet den Sohn, in der Stube zu übernachten. Auch die 23-jährige Schwester hat dort ihr Nachtlager. Denn die gebrechliche Mutter braucht des Öfteren nachts Hilfe.
Nachdem ein Schüler, der im Haus zur Untermiete wohnt, in seine Kammer im oberen Stockwerk gegangen ist, setzt sich Zimmermann ans Bett der Mutter. Er versucht sie zu überreden, ihm 50 Taler vom Gelde des Vaters zu geben.
Doch die Mutter will das Geld „nicht trennen. „Außerdem habe ich gar keinen Schlüssel zum Kasten
, sagt sie. Und auch die Schwäger hätten über die Verteilung der Taler mitzubestimmen. Die Mutter bleibt standhaft und Georg Zimmermann schläft darüber ein.
Als er erwacht, ist es weit nach Mitternacht. Er sieht Mutter und Schwester ruhig schlafen. „Dies Bild kämpfte noch einmal mit wilden Waffen gegen mein verwildertes Gemüth", räumt er später vor Gericht ein. Doch seine Geldgier ist größer.
Gegen 3 Uhr fällt sein Blick auf ein großes Küchenbeil, das am Bett der Mutter lehnt. Die kränkliche Frau ist halb wach. Der Pastorensohn ergreift das Beil und schlägt der Frau damit gegen den Kopf. „Ach, du heilige Dreifaltigkeit!", schreit sie voller Angst und Schmerzen.
Davon erwacht die Schwester. Sie fällt dem Mörder in die Arme. Doch dabei erhält auch sie einen Hieb, der ihren Kopf spaltet, sie jedoch nicht sofort tötet.
Georg Zimmermann ist wie von Sinnen. Er greift zum Messer und sticht auf Mutter und Schwester ein. Die Mutter, von zwei Stichen in den Hals getroffen, stürzt aus dem Bett. Die Schwester wird in Brust und Hals getroffen. Sie röchelt nur noch.
Der Rasende läuft ins obere Stockwerk zum Untermieter. Als er sieht, dass der Schüler wach ist, rennt er die Treppe wieder hinunter. Dort würgt er seine Schwester und erdrosselt sie dann mit einem Band ihrer Schürze. Danach versucht er, den Geldkasten mit den zwei Meißeln zu öffnen, die er in Wittenberg gekauft und vorsorglich mitgebracht hat. Doch in seiner Aufregung bekommt er das Geldbehältnis nicht auf.
Ihm fällt der Untermieter ein. Er fürchtet ihn als Zeugen und entschließt sich, den Jungen ebenfalls zu töten.
Er schleicht mit dem Beil hinterm Rücken ins Schlafzimmer des Untermieters. Dabei erlischt die Kerze. Zimmermann fragt, wie es in der Schule vorangehe. Dabei fühlt er nach dem Kopf des Knaben. Er versucht ihn zu erwürgen und schlägt dann viermal mit dem Beil zu. Doch der Schüler hat sich, Böses ahnend, ins Federbett eingewickelt. Es gelingt ihm, in der Dunkelheit zu entkommen. Auf der Straße ruft er um Hilfe.
Zimmermann läuft nach draußen. „Dunkle, verzerrte Gestalten schienen der Erde zu entsteigen, gibt der Mörder später seine Empfindungen wieder. „Sie riefen mir zu, mich zu erhenken.
Der 25-Jährige stürzt sich in den wenige Schritte entfernten Brunnen an der Apotheke. Bleibt jedoch mit dem Kopf nach unten hängen. Er wird herausgezogen. Er rennt von Stadttor zu Stadttor, um aus Aschersleben zu fliehen. Doch alle Tore sind noch geschlossen.
Seine letzte Chance sieht er darin, sich bis zum Morgen zu verstecken. Er verbirgt sich im „Küthof" im Haus des Dreschers Zippel. Doch dort wird er wenig später festgenommen und ins Gefängnis geschafft.
Am 21. und 23. Oktober wird der Sohn des Aschersleber Oberpredigers verhört. Zimmermann gesteht die Tat. Daraufhin werden die „Criminal-Acten" umgehend an die Schöppenstühle geschickt, die bereits drei Tage später das Urteil fällen.
Im Sterberegister der evangelischen Kirche wird im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Fällen nicht näher auf die Umstände des Todes von Georg Zimmermann eingegangen. Wahrscheinlich mit Rücksicht auf das Andenken des Vaters. Vermerkt ist lediglich: „Im Martini hatt Herr M(agister) Georgy Zimmermanns, nachgef. Sohn ein Studiosy seine Mutter und Schwester in der ietzigen Schreibschule ermordet. Worauf er justificiret wurde."
Der mordende Büchernarr
Am 31. März 1814 findet in der Leipziger Nikolaikirche ein Spektakel statt, das von Beobachtern als „einer der furchtbarsten Akte der neueren Zeit in einer protestantischen Kirche" beschrieben wird. Im Beisein der geistlichen und weltlichen Behörden wird der Pfarrer Johann Georg Tinius aus Poserna seines Amtes enthoben. Der 50-Jährige steht unter Mordverdacht.
