Analytische Psychokatharsis: Eine Verbindung von Meditation und Wissenschaft
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Günter von Hummel
Dr. von Hummel arbeitet als Arzt und Psychoanalytiker in München. Über das Thema Analytische Psychokatharsis hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht.
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Buchvorschau
Analytische Psychokatharsis - Günter von Hummel
I.. Einführung in die Thematik
1.1 Hyperräume
Die sogenannten 3-Mannigfaltigkeiten sind etwas Wunderbares. Sie stellen ineinander verwobene Flächen dar, die so komplex sind, dass man sie kaum auf einem Blatt Papier darstellen kann, aber sie verbinden geistige und materielle, gefühlsmäßige und mathematische und weiß Gott was noch für Welten miteinander. Sie sind so sehr ineinander gefaltet, geschachtelt und durchwickelt, dass man von ihnen fast als Körpern ohne Gestalt sprechen muss. Denn körperhaft sind sie, aber um sie zu zeigen und aufzumalen, muss man sie in eigenartige Figuren formen, die sich in sich selbst bewegen und verwirbeln, wie ich es auf der nächsten Seite zeigen will (Abb. 2). Man kann sie auch mit Worten erklären. So gilt für eine einfache kreisförmige Fläche, die auch in ein Rechteck oder in andere Flächen verwandelt werden kann, dass sie eine 1-Mannifaltigkeit oder 1-Sphäre ist, die man auf einer zweidimensionalen Ebene darstellen kann (Abb. 1 unten links). Eine Kugel, obwohl sie drei Dimensionen hat, ist nur eine 2-Mannigfaltigkeit, denn sie hat nur zwei Flächen, eine Innenfläche und eine Außenfläche, die man nicht ineinander überführen, allerdings so mannigfaltig wie man will zerbeulen, dehnen und knautschen kann (Abb. unten rechts, die zeigt, dass die Kugel zur Schüssel hin eingedrückt werden kann, ohne ihre Homöotopie, ihre Gleichstrukturierung, zu verändern).
Abb. 1Abb. 1
Nun schreibe ich hier kein Buch über die erste und zweite Art dieser Gummigeometrie, die man auch Einstein’sche Geometrie oder Topologie nennt, und die – nochmals anders gesagt – in die Hypersphäre, also in einer Art von vierdimensionalem Raum, eingebettet und eingewoben ist. Bei der dritten Art, den 3-Mannigfaltigkeiten oder 3-Sphären, verhält es sich nicht mehr so einfach. Sie rollen also noch eine Dimension mehr ein oder aus, gestalten sie krumm oder quer, lassen sie kreiseln oder auf vielfältigste Weise verbiegen, und gestalten so den hypersphärischen Raum selbst mit. Auf jeden Fall sind sie kaum noch perfekt einsichtig darstellbar. Dennoch ist ihre Existenz für die Abhandlung zu psychischen Phänomenen interessant und hilfreich, denn sie haben nicht nur Bezug zur Form und Wirkung des Universums, beispielsweise im sogenannten hypersphärischen Calabi-Yau-Raum oder in der der Hopf-Fibration (Abb. 2), sondern auch zur Psychoanalyse. „Das Ich, schreibt Freud beispielsweise, „ist die Projektion einer Oberfläche
, und diese selbst hat wohl mit den komplex gefalteten Gehirnoberflächen zu tun, die neben der Neurologie auch das seelisch Unbewusste betreffen, das über diese hypersphärisch gelegt ist.
Abb. 2 Verdrehung und Verschachtelung (Hopf-Fibration) des Überraums
Bereits das Großhirn stellt die Oberfläche eines Konkavspiegels dar, womit Spiegelungsvorgänge, Optisches, Visuelles mit ins Spiel der psychisch unbewussten Kräfte kommen. Es ist also nicht abwegig, sich solche 3-Mannigfaltigkeiten als optische Modelle auch für neuropsychologische Vorgänge vorzustellen, vorerst einmal ohne konkrete Zuweisungen. Die obenstehende Abbildung zeigt jedenfalls links die Ruhephase und rechts die dynamisch sich wirbelnde Bewegungsphase einer solchen 3-Mannigfaltigkeit. Die Drehungsdynamik um die eingezeichnete Achse der rechten Abbildung wird durch die Filamente oder Fasern angezeigt. Man muss sich vorstellen, dass jede Faser einen Sekundenbruchteil dar-stellt, in dem sich die schalenartigen Besetzungen – von Energie, Strahlung oder was auch immer – turbulent weiterbewegt. In einem Video (z. B. Hopf-Fibration auf YouTube) lässt sich dies alles leicht und besser erkennen.
Warum dies so wunderbar ist, erhellt also nicht nur ein Blick in die Naturwissenschaften wie z. B. die Astrophysik und Topologie, sondern eben auch in ganz andere Bereiche wie die der Kognitionswissenschaften und in deren Zusammenhang mit eigenständigen psychischen Prozessen. Ja, selbst in der Psychoanalyse, der Wissenschaft vom Unbewussten und vom Menschen als purem psychischem Subjekt, dessen Wesen nicht nur mit dem Gehirn und dem Körper erklärt werden kann, finden derartige Anschauungen wie die der 3-Mannigfaltigkeit Anwendung. So hat der französische Psychoanalytiker J. Lacan verschiedene Topologien aus der Welt der 2-Mannigfaltigkeiten dazu benutzt, die Beziehung des Ichs zum Unbewussten, also beispielsweise die Beziehung zum unbewussten Begehren (unbewusster Wünsche) oder die zum ebenso unbewussten Anspruch und speziell auch der beiden untereinander zu verdeutlichen. Diese Gegensätze sind nämlich in der unbewussten Seele des Menschen wie verdreht, verwunden oder anders herum gewickelt als bildhaftes Erscheinungs-Wirkendes, Ikonisches, Optisch-Visuelles, gut zu begreifen, aber auch als Rhetorisches, Symbolisches, Wort-Wirkendes, zu verstehen.¹
So ist die 2-Mannigfaltigkeit des Möbius Bandes (Abb. 3) gut dazu geeignet, das bildhafte Erscheinungs-Wirkende im Unbewussten besonders hinsichtlich der Freud‘schen Triebe topologisch darzustellen. Freud nennt die Triebe im Menschen „konstante Kräfte", die psychische ‚Objekte‘ um- und einkreisen. Dieser Vorgang lässt sich vereinfacht am Möbius Band verstehen, das stets Vor- und Rückseite hat, jedoch nur eine Fläche. Das Gleiche gilt für die Kleinsche Flasche, bei der Außen- und Innenfläche durchgehend ineinander gleiten. In diesen Gestaltungen existieren Ränder, die sich für die Verbildlichung erogener Randzonen (Körperöffnungen) in der Psychoanalyse eignen. Beispiel: die Mund und Schlund Öffnung, die die erogene Randzone für das ‚Objekt‘ des Oral-Triebs (Mundbeziehung zur Brust der Mutter) beim Stillvorgang darstellt. Später wird es der Gaumenkitzel des ‚amuse gueule‘ sein, der diese Triebfunktion übernimmt, und im Assimilierungs-Begehren, also diesem Drang schnell etwas völlig zu verinnerlichen, kann man einen besonders ausgeprägtes, orales, Verschmelzungsbegehren sehen.
Abb. 3 2-Manning-faltig-ketienAbb. 3 2-Manning-faltig-ketien
Trotzdem wird das Wesen des psychoanalytisch konzipierten Unbewussten durch diese plastisch bildhafte, geometrisierte und mathematisierte Weise nicht praxisnahe genug erfasst. denn in der Psychoanalyse spielen wie erwähnt neben dem Optisch-Bildhaften, dem Erscheinungs-Wirkenden, die Worte, das Wort-Wirkende, die Hauptrolle. Ich verwende diese Bezeichnungen, weil es ja nicht nur ums Bild oder ums Wort geht, sondern um die spezielle Wirkkraft in ihnen, die mit den Freud’schen Trieben zu tun hat. Lacan sprach diesbezüglich vom imaginären und verbalen Signifikanten. Er hat Begriffe aus der Sprachwissenschaft zur besseren Erläuterung psychoanalytischer Vorgänge verwendet. In der Sprachwissenschaft, der Linguistik, und speziell in der darauf bezogenen Psychoanalyse, spielen nicht so sehr das mit Worten Bezeichnete (Signifikat), sondern der/das im Wortzusammenhang Bezeichnende (Signifikant) die entscheidende Rolle.
Was wirkt im Wort, was ist das eigentlich Wort-Wirkende, Symbolische? Wenn die Mannigfaltigkeiten, die Topologie, das Erscheinungs-Wirkende sind, weil es auch die Dynamik, Wirkweise und Ikonische des Bildes vermittelt, so sind eben exakt die aus dem Unbewussten stammenden Beiträge zur Sprache das Wort-Wirkende, verbal Signifikante. Beim Freud‘schen Versprecher beispielsweise wirkt das aus dem Unbewussten kommende Sprachliche zutreffender, wahrer, realer, als das bewusst Gesagte. Es ist wort-wirkender, sprachmächtiger. Dies mag eine kurze Geschichte von Heinrich Heine besser erklären. Heinrich Heine erzählte einmal von einem Mann, der mit seiner Bekanntschaft des reichen Baron Rothschilds prahlen wollte. Er wollte sagen, dass er mit ihm wie „familiär verbunden sei, sagte dann aber: „ich bin mit ihm so „famillionär
. Die Wahrheit also, dass es doch die Millionen sind, die ihn faszinierten, und nicht die Familienliebe, rutschte ihm so aus dem Unbewussten heraus. Im Versprecher des „famillionär" steckt eine Mehrfachbedeutung, nämlich die des Familiären und der Millionen, wie es unten in der Abbildung gezeigt ist. Die Unverblümtheit einer Habgier war also das eigentlich Wort-Wirkende in dieser Geschichte, und nicht all das, was der Betreffende über seine Bekanntschaft mit dem Baron Rothschild bewusst erzählte. Die Abbildung erklärt auch, wie der Versprecher durch das Verrutschen von nur ein paar Buchstaben zustande kommt.
Abb. 4 Die Vielschichtigkeit dreier Bedeutungen entsprechend ihrer laut-bildlichen Struktur unter ei-nander geschrieben.
Mein Vorgehen, das Psychoanalyse und Meditation in einem eigenen Verfahren, Analytische Psychokatharsis genannt, zusammenbringen will, stützt sich auf beide Grundlagen, auf die des Erscheinungs- und die des Wort-Wirkenden, wobei eben ersteres mehr der Meditation, letzteres der Psychoanalyse zuzuschlagen ist. So hat es nichts mit Esoterik oder anderen spekulativen Methoden zu tun. Ich verfüge über eine exakt wissenschaftliche Begründung für dieses aus den beiden Grundlagen zusammengesetzte Verfahren der Analytischen Psychokatharsis, weil es psychoanalytische und kathartisch-meditative Elemente in gleichem Maße enthält. Das Erscheinungs-Wirkende der Mannigfaltigkeiten ist genauso in der Meditation wie in der Psychoanalyse enthalten, wie ich noch im Detail erklären werde. Nun genügen für die Methode der Analytischen Psychokatharsis die bildlichen, 2-oder 3-mannigfaltigen Gestaltungen alleine nicht. Ich muss dafür also auch Teile des Wort-Wirkenden verwenden.
Bekanntlich werden in den Meditation Mantren (Yoga), ‚formelhafte Vorsatzbildungen‘ (autogenes Training) oder anderen Formulierungen als praktische Stütze verwendet, auch wenn dieses Wort-Wirkende nicht die Domäne der Meditation ist. Sie selbst hat viel mehr mit dem Erscheinungs- Wirkenden des Hypersphärischen, der 3-Sphären, zu tun. Und in der Psychoanalyse? Wenn Lacan sagt, dass das Unbewusste strukturiert ist „w i e eine Sprache", dann liegt in dem ‚w i e‘ der Erscheinungs-Wirkende und im Begriff ‚Sprache‘ der Wort-Wirkende Anteil. Auch im Traum, im Film, im Leben ganz generell vermischen und finden sich ja ständig Bild und Ton, Imaginäres und Symbolisches, Licht und Laut, Erscheinungs- und Wort-Wirkendes.
Wenn ich für die in der Psychoanalyse wesentliche Betonung des Wortes ein Wirkendes dahinter gesetzt habe, so weil in bestimmten Verhältnissen, z. B. im Unbewussten, das Wesen der (verbalen) Signifikanten hervorgehoben wird. Es wird zu einem Symbolisch-Realen. Das Reale ist nicht die äußere Realität, sondern mehr das innere, oder das innen-außen verbindende Wirkende. Eine Signifikanten-Struktur kommt zwar speziell auch dadurch zustande, dass Erscheinungs- und Wort-Wirkendes miteinander kombiniert sind. Doch nachdem ich beim ‚w i e‘ die Mannigfaltigkeiten zur Illustration herangezogen habe, will ich für den Begriff ‚w i e eine Sprache‘ etwas anderes, wenn auch wieder der Geometrie bzw. Topologie Ähnliches zur besseren Verständlichkeit verwenden. Die sogenannte unendliche Gerade verschwindet beispielsweise nicht vollkommen in der Unendlichkeit, sie schließt sich – wie Lacan und andere immer wieder bemerken – irgendwo wieder zum Kreis.(²) Dies gilt vor allem für die ‚Sprache‘ des Unbewussten, wo schon allein der in der Psychoanalyse von Freud herausgehobene Wiederholungszwang typisch ist (etwas kreist immer wieder zur selber unbewussten Stelle zurück).
Eine derartige Kreisbewegung gibt es auch in der Sprachwissenschaft. Verkürzt gesagt, geht es in diesem wi e eine Sprache um die Bewegung vom rein Prosodischen, vompuren Wortklang, bis hin zu den ausgefeilten hochsprachlichen Traktaten, wieder zurück zur Lyrik, in der Klang und Text eine wunderbare Mischung eingehen, und sich schließlich in weiteren hundert anderen wortwirkenden Formen verstrudeln. Ich gehe jetzt allerdings zu schnell, zu vorausgreifend und den Leser überfordernd vor, wenn ich nunmehr ein wichtiges und wesentliches Element der Analytischen Psychokatharsis vorstelle. Aber ich will schon in diesem ersten Kapitel eine Übersicht über das Gesamte geben. Man muss es also unter diesem Aspekt sehen, dass und wie ich für die Analytische Psychokatharsis den Kreis der Worte, also eine Kreisschreibung benutzt habe, um das zentrale Element dieses Verfahrens darzustellen.
Abb. 5Abb. 5
Die oben nebenstehende Abbildung zeigt einen derartigen kreisförmigen Schriftzug. Verwendet wurde die dafür besonders geeignete lateinische Sprache, aber man könnte auch jede andere Sprache gebrauchen. Dieser durchgehende Schriftzug weist aber eine weitere Besonderheit auf. Folgt man der hier im Kreis geschriebenen Lautfolge E-N-S-C-I-S-N-O-M im Uhrzeigersinn, kann man – beginnend an verschiedenen Stellen, die durch die Striche, bzw. Schnittstellen markiert sind, immer wieder eine andere Bedeutung herauslesen. Mehrmals den Schriftzug lesend wird auf diese Weise nicht immer eine Buchstabenfolge, die nur eine Bedeutung hat, wiederholt, sondern mehrere Bedeutungen, die in der Buchstabenfolge stecken. Doch was hat das für einen Sinn? Es geht darum, diese Formulierung zu meditieren, d. h. sie rein gedanklich, langsam und fast etwas monoton zu wiederholen. Denn nur so wird das Unbewusste geweckt und ist es bereit, zu reagieren, zu antworten, denn jetzt ist nicht Bewusstes gefordert, das bewusster Sprache folgt, sondern genau diese w i e eine Sprache, die dem Unbewussten folgt.
Ich gehe im Verlauf des Buches ausführlich darauf ein, was das alles heißen soll. Diese ersten Seiten sollen also nur einen Überblick ermöglichen, um was es sich bei der Analytischen Psychokatharsis handeln wird. Das zentrale Element wird diese im Kreis geschriebene Formulierung sein, und zwar genau deswegen, weil durch die verschiedenen herauszulesenden Bedeutungen, keine einheitliche Gesamtbedeutung mehr zustande kommt, die Sinn macht. Einen schon fertigen Sinn zu meditieren, wäre kontraproduktiv, er würde zu einem lästigen Ohrwurm werden, den man nicht mehr als auswendig lernen und zur Verblödung verwenden könnte.(³)Dagegen provoziert das Überdeterminierte (ein Ausdruck Freuds für die mehrfache Bestimmung einer einzelnen Bedeutung) des im Kreis geschriebenen w i e einer Sprache das Unbewusste dazu seine Wahrheit herauszugeben.
Die Vielschichtigkeit, die Mehrdeutigkeit der Bedeutungen aber gehen also wie beim Versprecher in die Vielschichtigkeit des Unbewussten ein und bewegen es zu einer Reaktion, regen es zu einer Antwort an. Solch ein Element ist in der Meditation wie in der Psychoanalyse wichtig. Das Unbewusste lässt sich meditativ nicht wecken, wenn man ihm bewusste, in Bedeutung und Sinn schon vorgefasste Formulierungen liefert. Es muss eine Überdeterminierung vorliegen, die aus dem mehrdeutigen Schriftzug ein Sprechen macht, das nichts sagt und somit nichts schon Fertiges, Absichtliches, Suggestives vorbringt. Und damit es das Unbewusste ist, das so zu einer Aussage provoziert wird.
In der Psychoanalyse ist das Überdeterminierte im Traum schon da, und nunmehr muss umgekehrt aus dieser Provokation wirrer Traumbilder und -sätze die einzelne, eindeutige Aussage herausgefunden werden, die als vom Unbewussten stammend benötigt wird. Um das Ganze für die Analytische Psychokatharsis nochmals deutlicher zu machen und auch klar zu legen, wie nun die beiden Grundelemente, Grundkräfte, das Erscheinungs- und das Wort-Wirkende, zusammenhängen und ineinandergreifen, habe ich diese überdeterminierte, scheinbar nichts sagende, weil durch zu viele verschiedene, sich nicht ergänzende, sondern eher sich widersprechende Bedeutungen bestimmte Formulierungen auf topologische, mannigfaltige Figuren geschrieben. So kann man sich erst richtig vorstellen, wie das Ganze in der menschlichen Seele wirkt.
Abb. 6 Mit einem Formel-Wort beschriftete TopologienAbb. 6 Mit einem Formel-Wort beschriftete Topologien
Ich habe also in die Windungen und Verschachtelungen der 3-Mannigfaltigkeiten Buchstaben geschrieben, die mit ihrer Laut-folge das bildlich Erscheinende ins letztlich Real-Wirkende verwandeln sollen. Die obige Abbildung 6 zeigt derartige Gebilde. Links das bereits oben gezeigte Möbius Band mit aufgezeichnetemSchriftzug. Doch in dem darin befindliche Schriftzug aus der lateinischen Sprache werden durch die topologischen Verdrehungen die Schnittstellen erzeugt, die ich oben wie erwähnt in Form der Striche dargestellt habe. Schließlich arbeitet das Unbewusste genau so, erscheinungs-wirkend verknotet und wort-wirkend verfasst. Eigentlich ist alles ganz einfach, denn es geht immer wieder nur um diese zwei Grundgegebenheiten und ihren gebildeten und verlautenden Zusammenhang. Doch noch einfacher ist die Praxis, die ich mit dem Teil, der meditiert werden soll, schon angedeutet habe und später noch ausführlicher beschreiben will.
Nochmals: Ich habe damit – was den eigentlichen Inhalt des Buches angeht – schon viel zu weit vorausgegriffen und viel zu viele Begriffe eingeführt. Ich wollte nur anfänglich schon einmal auf die zwei wesentlichen Grundprinzipien hinweisen und werde mich im Folgenden einfacher ausdrücken. Für welche Anwendungen diese Buchstabenschnittstellen wichtig sind und was sie hinsichtlich des Unbewussten bewirken ist schon in etwa sichtbar geworden. Es ist gezeigt, dass es Wege gibt, das Erscheinungs- und das Wort-Wirkende zusammengefügt oder gar ineinander verschachtelt, ‚verschränkt‘. darzustellen, Das ist das Wesentliche, denn, wie gesagt, in der Psychoanalyse fällt das Erscheinungs-Wirkende, Imaginäre, zu schwach aus, in der Meditation dagegen schwächelt das Wort-Wirkende, Symbolische zu deutlich. Sie sind in beiden Fällen nicht effektvoll kombiniert, weshalb es die Analytische Psychokatharsis notwendig macht, in der beide Gegebenheiten gleichgewichtig zusammenarbeiten.
Für das weitere Verständnis des Buches will ich noch etwas zum Begriff des gerade benutzten ‚ineinander verschränkt‘ sagen. Das Wort ‚Verschränkung‘ und der etwa gleichwertige Begriff der Komplementarität kommt aus der Quantenmechanik von N. Bohr und W. Heisenberg. Das Quant war für diese Physiker das kleinst mögliche und nicht mehr weiter herkömmlich methodisch zu bestimmende, energetische Element in der Natur. Man kann Lage und Geschwindigkeit (Impuls) eines Elementarteilchens wie etwa des Elektrons nicht gleichzeitig bestimmen, und so einen kontinuierlichen Energieanstieg dieses Teilchens nicht messen. Nur ein unkontinuierlicher, sprunghafter Zustandswechsel kann pauschal gemessen werden, das Quant; was dazwischen liegt bleibt ‚unbestimmt‘ (Unschärferelation), obwohl es eine rätselhafte ‚Verschränkung‘ der Quanten untereinander gibt.
Viele Physiker, einschließlich A. Einstein hat dies beunruhigt, da damit weiteres Forschen nach der Kausalität im Inneren des Atoms und bezüglich der Quanten Grenzen gesetzt waren. Es
