Chronik eines bürgerlichen Lebens in Nürnberg: Teil 1: 1931 bis 1939 (Kriegsanfang)
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Über dieses E-Book
Dieses Buch gibt Auskunft darüber, denn es beruht auf Tagebüchern, die Tag für Tag auflisten, womit sich eine junge Frau aus gutem Hause in dieser Zeit beschäftigte. Der Besuch von Konzerten, Varietés und Motorradrennen gehörte genauso dazu wie das Aufsuchen diverser gutbürgerlicher Lokale oder der wöchentliche Sonntagsausflug.
Eine Beschreibung oder gar Bewertung politischer Verhältnisse findet nicht statt, denn dies lag (nicht nur damals) außerhalb des traditionellen Rollenverständnisses.
Gerade deshalb aber geht aus den Aufzeichnungen auch hervor, mit welcher Unbekümmertheit, ja Naivität die politischen Verhältnisse als gegeben hingenommen wurden und wie leicht es war, sich darin einzurichten.
Ähnlich wie Chronik eines bürgerlichen Lebens in Nürnberg
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Rezensionen für Chronik eines bürgerlichen Lebens in Nürnberg
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Buchvorschau
Chronik eines bürgerlichen Lebens in Nürnberg - Rudolf Müller
Martha Müller im Alter von 71 Jahren
Inhalt
Vorwort des Herausgebers
Das Jahr 1931 (ab 25. März)
Das Jahr 1932
Das Jahr 1933
Das Jahr 1934
Das Jahr 1935
Das Jahr 1936
Das Jahr 1937
Das Jahr 1938
Das Jahr 1939 (bis Kriegsanfang)
Stichwortverzeichnis
Vorwort des Herausgebers
Grundlage für dieses Buch sind die Tagebücher meiner Tante Martha Müller, genannt Marthl, gesprochen Maddl, die sie ab 1931 führte. Allerdings war sie keineswegs meine Tante, denn irgendwann in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte in unserer Familie ein Herr Müller ein Fräulein Müller geheiratet, was die Müllersche Sippschaft einsehbarerweise bedeutend erweiterte und etwas unübersichtlich machte. Tante Marthls Mann gehörte zum angeheirateten Stamm (was man selbstverständlich aus andersherum sehen kann), er war der Bruder des besagten Fräulein Müller. Seitdem sich die beiden Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts kennen gelernt hatten, war Marthl Mitglied der Sippe. Jedoch lebten sie und ihr Mann eher am Rande des Familiengefüges, und ich lernte sie erst näher kennen, als sie bereits verwitwet war. Damals war ich ungefähr zwanzig, was mittlerweile auch einige Zeit her ist, und weil sie für alle die Tante Marthl war, nannte ich sie auch so.
Seit ich sie kannte, hatte Tante Marthl ihre festen Lebensgewohnheiten. Was diese betraf, so sprachen die einen von Disziplin, andere von Sturheit, wieder andere von gekonnter Lebensgestaltung.
Eine dieser Gewohnheiten bestand darin, fast jeden Abend aufzuschreiben, was tagsüber geschehen war. Insgesamt schrieb sie über 30 dicke Hefte im DIN A4-Format voll.
Andere Gewohnheiten meiner Tante waren:
Die Fingernägel wurden zu langen spitzen Krallen gefeilt und täglich mit hellglänzendem Silberlack überzogen.
Gäste waren zu jeder Tages- und vor allem Nachtzeit willkommen.
Niemals trat sie unfrisiert oder gar ungeschminkt vor die Tür. Besonders der Augenpartie wurde höchste Aufmerksamkeit gewidmet.
Zu Hause bereitete sie allerhöchstens Kleinigkeiten zu. Im Fall des Auftretens von Hunger suchte sie ein gutbürgerliches Gasthaus auf. Ansonsten benutzte sie die Küche ihrer Wohnung dazu, um schmutziges Geschirr so lange abzustellen, bis die Haushaltshilfe kam.
Vor Mitternacht ging sie prinzipiell nicht ins Bett.
An Zigaretten rauchte sie ausschließlich mentholhaltige, diese aber ständig.
Theater- und Konzertabonnements nicht nur zu haben, sondern auch zu nutzen, war ihr eine Selbstverständlichkeit.
Bis auf das Rauchen behielt meine Tante all diese Gewohnheiten bis zu ihrem Tod bei. Sie starb mit 83.
Ihre Gewohnheiten aber kennzeichnen auch das Wesen ihres Lebens:
Als Tochter aus gutem Hause heiratete sie einen 10 Jahre älteren Mann. Er war als Handlungsbevollmächtigter der Zündappwerke bereits vor dem Zweiten Weltkrieg viel unterwegs, genauso wie in den 50er Jahren, als er in gehobener Position bei der MAN tätig war. Manchmal nahm er sie auf seinen Geschäftsreisen mit, oft aber war sie allein zu Hause. Die Ehe blieb kinderlos, und ihr Mann starb, als sie 49 war. Von da an lebte sie allein, aber nicht einsam, in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung, die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gehobenen Ansprüchen genügt hatte.
Ab 1931 führte Tante Marthl wie gesagt Tagebuch, und fast jeden Tag notierte sie, was ihr notierenswert erschien. Mit der Zeit füllte sie wie gesagt fast drei Dutzend dicke Hefte im DIN-A4-Format, in die zudem Konzert- und Varietéprogramme, Eintrittskarten und anderes eingeklebt wurden, sodass sich ein Kompendium dessen ergab, was in jenen Jahren schick und schicklich war. Auch viele Lokale werden erwähnt, woraus sich ein Problem ergibt. Denn manche davon existieren nicht mehr, und es konnte auch nicht eruiert werden, wo sie sich befanden. Solche Fälle werden im Begleittext vermerkt, und es ergeht hiermit die herzliche Bitte an die Leserschaft, dem Herausgeber eventuell vorhandene hilfreiche Informationen zukommen zu lassen. Gleiches gilt für Irrtümer oder Fehler. Eine E-Mail-Kontaktdresse befindet sich im Anschluss an das Stichwortverzeichnis.
Gewöhnlich enthält sich Marthl jeglichen Kommentars, und Klatsch kommt lobenswerter Weise überhaupt nicht vor. Höchstens ein „war nett oder „sehr aufregend
ist zu finden. Aber enthält sie sich des Kommentars wirklich, ist es nicht vielmehr so, dass ihr keiner einfällt? Nein, sie kommt gar nicht auf den Gedanken, einen abzugeben, und folglich denkt sie auch nicht darüber nach. Die Ereignisse, seien sie familiärer Art oder von politischer Bedeutung, ja Brisanz, werden durch eigene Bemerkungen weder in einen umfassenderen Bezugsrahmen gestellt noch gar interpretiert. Etwas Derartiges zu tun, lag außerhalb ihres Lebensverständnisses.
Damit aber dokumentiert sie, was in Wirklichkeit geschieht, sie bringt nicht zu Papier, was sie und nur sie dabei denkt. So werden die Tagebücher selbst zum Bezugsrahmen, und eine scheinbar zusammenhanglose Ansammlung unterschiedlichster Zeitdokumente gewinnt durch die Klammer eines Lebens Beziehung zueinander.
Auf diese Weise wächst über die Zeit hinweg ein Konvolut, das zwar typische Einstellungsmuster eines (klein)bürgerlichen Lebensverständnisses wiedergibt, diese jedoch nicht auf die dokumentierten Geschehnisse überträgt - zum Beispiel in Form von lobenden Erwähnungen des Nationalsozialismus.
Damit aber hat meine Tante mit ihren Tagebüchern etwas geschaffen, was ihr sicherlich nicht bewusst war: eine wertungsfreie Chronologie über einen Zeitraum von 60 Jahren - meines Erachtens ein Zeitzeugnis von Rang.
Schon lange vor ihrem Tod kam ich mit Tante Marthl überein, dass ich ihre Tagebücher einmal erben sollte. Nun sind sie in meinem Besitz, und ich denke, dass sie mehr verdient haben, als im Keller vor sich hin zu stauben. Kelkheim, im August 2018
Das Jahr 1931 (ab 25. März)
Die erste Seite
Die Tagebücher sind in der nach dem Pädagogen und Grafiker Ludwig Sütterlin (1865-1917) benannten Schrift geschrieben, die dieser zusammenfassend aus verschiedenen Formen der deutschen Kanzleischrift entwickelte. Die Sütterlin-Schrift wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts an deutschen Schulen als Schreibschrift gelehrt, erhielt aber zunehmend Konkurrenz durch die heute übliche lateinische Schrift. Die Nationalsozialisten propagierten die Schrift ab 1933 als wahrhaft deutsch, überraschenderweise wurde sie jedoch 1941 verboten. Dem Vernehmen nach unterstellten die Nazis dem Erfinder Sütterlin jüdische Vorfahren, weshalb seine Schrift in ihren Augen unmöglich dem deutschen Wesen entsprechen konnte.
Die erste Seite in zugänglicher Schrift
(Von der Fahrkarte verdeckte Datumsangaben stehen in Klammern!)
1931.
Dieses Werk beginnt mit dem
25. März!
