Keiner kann schweigen: Gedichte
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wird enden
wird enden
aber nicht verschwinden
Hans-Jürgen Hilbig
Geboren am 15,01.1962, seitdem unterwegs, in dunklen Strohhütten und in dunklen Speisekammern
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Buchvorschau
Keiner kann schweigen - Hans-Jürgen Hilbig
es gibt eine ordnung
die alles vergisst
nur das leben nicht
es ist die ordnung der wörter
der wörter die machen
dass wir bemerken
wie unaufrichtig die leere sein kann
in die wir starren
wenn wir sie ignorieren
Inhaltsverzeichnis
Franz Kafka
Samuel Beckett
Bruno Schulz
Ernst Jandl
Boris Vian
Alexander Puschkin
Marina Zwetajewa
Else Lasker-Schüler
Peter Esterhazy
Susan Sontag
Michail Bulgakow
Ilse Aichinger
Sylvia Plath
Johann Wolfgang von Goethe
Paul Celan
Sandor Marai
Hilde Domin
Thomas Bernhard
Friedrich Hölderlin
Rainer Maria Rilke
Robert Walser
Octavio Paz
Marcel Proust
Daniil Charms
Peter Kurzeck
Dylan Thomas
Alfred Döblin
Jorge Luis Borges
Wisława Szymborska
Federico Garcia Lorca
Anne Sexton
Libuse Monikova
Alejandra Pizarnik
Danilo Kiš
Gertrude Stein
Christine Lavant
Gabriel Garcia Marquez
Gottfried Benn
Fernando Pessoa
Joseph Brodsky
Julio Cortázar
H.C. Artmann
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
René Char
Claude Simon
Anton Tschechow
Marguerite Duras
Inger Christensen
Stefan Zweig
Pablo Neruda
Ossip Mandelstam
Hermann Broch
Andrej Bely
Rolf-Dieter Brinkmann
Roberto Bolaño
Walter Benjamin
Czesław Miłosz
Antonio Tabucchi
Raymond Queneau
Emmanuel Bove
Charles Bukowski
Franziska zu Reventlow
Nâzım Hikmet
Annette von Droste-Hülshoff
James Joyce
Tomas Tranströmer
Luigi Malerba
Italo Calvino
Kurt Schwitters
Zbigniew Herbert
Ugo Riccarelli
Arthur Schnitzler
Wenedikt Jerofejew
Miroslav Krleža
Bogdan Bogdanović
Mehmed Selimović
Tadeusz Różewicz
Bohumil Hrabal
Dezső Kosztolányi
Allen Ginsberg
Ivo Andrić
Aleksandar Tišma
Henri Michaux
Iwan Turgenjew
Eugène Ionesco
Gebrüder Grimm
Lew Nikolajewitsch Tolstoi
E.T.A Hoffmann
Cesare Pavese
Heinrich Heine
Knut Hamsun
Imre Kertész
Charles Baudelaire
Harold Pinter
Clarice Lispector
Nikolai Wassiljewitsch Gogol
Chenjerai Hove
Chinua Achebe
José Saramago
J. D. Salinger
Herman Melville
Virginia Wolf
Doris Lessing
Jurij Mamlejew
Hans Arp
Vladimir Nabokov
Alfred Jarry
Mascha Kaléko
Guillaume Apollinaire
Albert Camus
André Breton
Erich Mühsam
Robert Musil
Aharon Appelfeld
Undine Gruenter
Szilard Borbely
W.C. Williams
Ingeborg Bachmann
Arthur Rimbaud
Franz Kafka
die leere des mondes erstaunte ihn
das meer mit seinen wellen
die schiffe die unter ihm begraben
wurden
die nähe und die schritte die sich
von der nähe entfernten
machten ihn taumeln
er lächelte
bald werde ich wieder auf der bank
sitzen
werde warten auf die nächste nähe
werde spüren was verlangen heißt
und werde schlafen
ohne zu schlafen
werde an meiner nacktheit ersticken
und so sagen
einfach so damit auch das einmal
gesagt wurde
er dachte es wird nie wieder so sein
der gedanke machte ihn nicht einmal traurig
er saß vor der leeren tasse
drückte das buch fest an sich
so wie es vögel an den wintertagen
mit ihrer letzten mahlzeit tun
er schrie
nur kurz
natürlich hatte er angst es könnte
jemand gehört haben
was war los
er saß auf der galerie und sah hinunter
unten kämpften sie um das wohl
der menschheit
sie tanzten und griffen um sich
sie griffen so laut um sich dass er
angst hatte einzuschlafen
es winkte eine
eine die ihn mit einem lächeln strafte
sie legte die decke über ihn
später
als er schon nicht mehr fror
als er erwachte war er eine maus
er zögerte nicht
er rannte ins nächste mäuseloch
er bestand die aufnahmeprüfung
der mäuse
sie gurrten wie zwiebeln wenn sie
traurig sind
er versprach alle gesetze einzuhalten
auch die unmöglichen
demnächst wird er vor einer katze
stehen
er wird sie ansehen
ihr zulächeln und sagen
geh besser
sonst atme ich dich ein
Samuel Beckett
ein mann
sitzt am hafen
in der nähe eine fliege
ich würde die fliege nicht erwähnen
wenn sie nicht dauernd sein gesicht
suchte
er fragte
was hast du
er sprach mit der fliege
sie sah den orten ähnlich
die er verlassen hatte
er erinnerte sich
an dunkle straßen
an hellen schlamm
er erinnerte sich an kulturschaffende
die pausenlos überquollen vor
trauriger lebensfreude
er sagte ihr ich hatte geträumt ein
fußballspiel
vfb gießen gegen ich weiß nicht
die ganze welt
vfb führte
durch gute tore
zweizunull
im tor vom vfb stand ein kleines
mädchen
ein hoher ball kam in ihre richtung
sie hatte den ball doch schon festgehalten
sie zögerte und schon rutschte der
ball von ihren händen
ins tor
das kommt vor rief der fachmann
die bälle sind heute glatt
früher waren sie fester und er dachte an die
warmen socken die von der großmutter gestrickt wurden
damals
als alles noch lebte
der erste und der zweite weltkrieg
damals schwamm sein großvater
lange im fluss
sein vater rief krokodile aber er
meinte es nicht so
das kleine mädchen legte den ball
zurecht
sie blickte auf die zeit wie auf eine
urne
sie zitterte nicht
Bruno Schulz
er erinnerte sich
es war wie im märchen
er kam aus dem knast
besuchte einen freund
saß auf einer bank und wurde
von ihr gesehen
deshalb verschwand er
er verschwand weil er angst hatte
angst sie könnte gesehen haben
woher er kam
sein lächeln kroch aus ihm heraus
er floh
floh aus seinem gedanken
es floh auch sein gesicht
was blieb war viel
war der rest und sorgte sich um ihn
er sah sie
