Im Labyrinth der Buchstaben: Ein Leben mit Legasthenie
Von Karin Moering
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Buchvorschau
Im Labyrinth der Buchstaben - Karin Moering
Hier war meine Heimat
Sicher war sie schon vorprogrammiert, diese endlose Reise, und als Schicksalsweg für mich reserviert. Es war an einem ersten Sonntag im Oktober. In den Kirchen feierten die Menschen das Erntedankfest, und meine Mutter fiel zur Mittagsstunde die Treppe hinunter. Kurz darauf erblickte ich das Licht der Welt, zwei meiner Brüder waren schon vor mir da gewesen, und erst nach einigen Jahren tauchte noch mein kleiner Bruder Kurti auf. Damit war die Familie komplett. Zu jener Zeit lebten wir in einer Kleinstadt, die ich meine Heimat nenne, sie befindet sich in der ehemaligen DDR. Das Land befand sich im Umbruch. Vater, der einen offenen und freien Geist besaß, konnte und wollte sich nicht einengen lassen. Es war ihm unmöglich, die Politik und die Ansichten des Landes zu teilen. Weil er nicht der Partei angehörte und ein loses Mundwerk hatte, kam es am Arbeitsplatz immer wieder zu Konflikten. Ungewissheit und Zweifel bestimmten die Gedankengänge der Menschen. Der Drang nach freiem Denken und offener Meinungsäußerung war groß. Die Bevölkerung fühlte sich ausgeliefert und von den Regierungsherren bevormundet.
Um diese Geschichte verständlich zu erzählen, muss ich weiter in die Vergangenheit abschweifen. Alles hat damit zu tun, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg verloren hatte und von den Siegermächten besetzt und aufgeteilt worden war. Die Amerikaner, Engländer und Franzosen besetzten Westdeutschland, Ostdeutschland wurde von den Russen vereinnahmt und sonderte sich vom übrigen Deutschland ab. Diese sogenannte Ostzone wurde zur Deutschen Demokratischen Republik, kurz und knapp zur DDR. Der Kalte Krieg begann. Berlin, noch bis 1945 die Hauptstadt des Deutschen Reiches, wurde in vier Teile gerissen. Die Entwicklungen der westlichen und der sowjetischen Besatzungszone drifteten himmelweit auseinander. Im verwöhnten Westen gab es seit 1948 die Deutsche Mark, die sehr viel mehr wert war als unsere Ostmark. Zehn Jahre vor meiner Geburt, am 7. Oktober 1945, ließ die Sowjetunion die ersten Grenzanlagen in den Waldgebieten von Ost-Berlin durch Holzpfeiler und Schlagbäume mit weiß-gelber Markierung errichten. Diese Zeit war für die Bevölkerung und auch für meine Eltern ruhelos und zermürbend. Keiner wusste so genau, wie es weitergehen sollte. Gerüchte, dass Menschen einfach so verschwanden, durchzogen das Land. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, dass sie über die grüne Grenze getürmt seien.
Wir Kinder gingen völlig unberührt von den Sorgen der Erwachsenen durch diese Zeit und merkten von alledem nichts. Teddy Brummi war damals mein ständiger Begleiter. Ich war wissbegierig und dauernd mit meiner Freundin Elke unterwegs. Immer wenn Elke eine ihrer blonden Haarsträhnen zwischen Daumen und Zeigefinger rollte, wusste ich, sie hatte eine Idee, die interessant werden könnte. Manchmal plagte uns doch die Langeweile, dann fragten wir Mutter um Rat. Bei solchen Gelegenheiten strahlte ihr rundes, fröhliches Gesicht. Sie lächelte verschmitzt und sagte, dass wir die weißen Blumen, die unten am Wegesrand wuchsen, pflücken könnten. Anschließend halfen wir ihr, die Köpfe der Blumen abzuzupfen, legten Zeitungspapier auf die sonnige Fensterbank in der Küche und verteilten darauf die Blüten zum Trocknen. Erst nachdem die kleinen Blüten trocken waren, konnte Mutter für uns daraus Kamillentee kochen. Wenn Pferde an unserem Haus vorübertrappten, schickte sie uns mit Eimer und Schaufel los. Wir beobachteten genau, wo die Pferde ihren Schweif hoben und die Pferdeäpfel aufs Straßenpflaster plumpsten, die wir dann schnell auffegten. Abends freute sich Vater, denn er brauchte die Riesenknödel als Dünger für unseren kleinen Garten.
Bevor er das Land bepflanzte, hatte er es wochenlang von Unrat, Schutt und Asche befreit. So manchen Sack gut riechender Walderde schleppte er mit seinem dreirädrigen Karren nach Feierabend dorthin und entwickelte sich zu einem begeisterten Pflanzensammler. Auch am Wegesrand stöberte er Wildblumen, Gräser und sogenannte Unkräuter auf. Er gab uns zu verstehen, dass auf Schutt und Asche nichts gedeihen konnte. Man musste die Sache an der Wurzel anpacken, um etwas zu verändern. Paps sagte oft: „Die Blumen sollen noch kräftiger blühen und ihre Düfte in alle Himmelsrichtungen verströmen." Er hatte Freude daran, aus scheinbar nichts etwas Wunderschönes zu machen. Und er erschuf mit seinen Händen unser winziges Paradies, das zwischen zwei alten Hausmauern auf dem Weg zur stillgelegten Zuckerfabrik lag.
Nachdem es tagelang geregnet hatte, beschlossen die Jungs, zur Ruine der alten Zuckerfabrik am Schlammteich zu gehen. Immer wenn sie das vorhatten, trafen sie sich nach dem Mittagessen auf der Kuhwiese hinter dem Haus. Das war am unauffälligsten, Mutter würde sie bis zum Abendbrot nicht vermissen. Klaus und meine Brüder Hans und Paul waren aufgekratzt, denn es war der letzte Tag vor den Sommerferien. Klaus war mit dem Rucksack und der Taschenlampe seines Vaters unterwegs. Ständig fuchtelte er mit der schwarzen Stableuchte vor den Gesichtern herum, und plötzlich brüllte er unerwartet: „Jetzt aber vorwärts!" Die Jungs flitzten so schnell sie konnten los. Elke, Teddy Brummi und ich huschten hinterher. Sie warteten hinter der roten, moosbewachsenen Mauer, die ungefähr zehn Minuten von unserem Garten entfernt war. Anschließend rannten wir zur alten Steinwand, die teilweise hinter Dornenbüschen versteckt war und das Gebiet der Zuckerfabrik abgrenzte. Klaus führte wie immer das Kommando, er zog jeden durch seine herausfordernde Art mit. Und er war der beste Schulkamerad von meinen Bruder Hans. Die Ermahnungen von Mutter und Vater blendeten wir aus. Sie waren der Meinung, dass wir auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik nichts zu suchen hatten. Paps nahm, wenn er uns zurechtwies, immer seine blaue Mütze ab, strich sich mit der linken Hand durch das dicke, dunkelbraune Haar und erklärte kurz und knapp mit beunruhigender Stimme, dass es dort zu gefährlich für uns sei. Dann kniff er seine braunen Augen zusammen und presste seine Lippen fest aufeinander, so als ob er noch ein paar Worte hinunterschluckte.
Es war unmöglich, wir konnten uns nicht an das Verbot halten. Das Gelände zog uns magisch an. Auf der Fläche gab es glitzernde Pfützen und einen Graben, der sich wie eine Regenbogenschlange quer durch das Gelände wand. Obwohl das Gebiet bewacht wurde und alles verödet war, übte es doch einen geheimnisvollen Reiz auf uns aus. Hans und Klaus hatten bei einem Erkundungsgang etwas Spannendes in der alten grauen Mauer entdeckt. Elke, Teddy Brummi und ich waren skeptisch. Wir wussten, man konnte den Jungs nicht alles glauben, aber sie wollten es uns beweisen. Als wir ungefähr zwanzig Minuten an der Steinwand entlanggeschlichen waren, kamen wir zu einer türgroßen Öffnung in der Mauer, die hinter Brennnesseln und Büschen versteckt war. Klaus schob mit dem Ellbogen die dornigen Zweige zur Seite und stieg als Erster durch das Loch und eine Holztreppe hinunter. Elke, Teddy Brummi und ich zögerten, in die dunkle Tiefe zu steigen. Aber Feiglinge wollten wir auch nicht sein. Vorsichtig setzten wir einen Fuß vor den andern. Bevor die Dunkelheit das letzte Licht schluckte, zerrte Klaus die Stablampe aus seinem Rucksack und richtete sie direkt auf sein Gesicht. Er lachte und zwinkerte uns mit leuchtenden Augen zu. „Endlich, jetzt sind wir drinnen! Mein ältester Bruder Paul kratzte sich mit beiden Händen nachdenklich am Kopf. Dadurch stand sein kräftiges rotbraunes Haar seltsam in alle Richtungen ab und sein sommersprossiges Gesicht verdunkelte sich. Das ließ seinen Mund ernst und schmal erscheinen. „Ich habe so ein komisches Bauchgefühl
, sagte er. „Wir wissen nicht, was uns in den langen, finsteren Gängen erwartet. Hans schaute Klaus an, lächelte, schüttelte den Kopf und wiederholte ironisch: „Das wissen wir nicht, Blödmann.
Unten auf dem Steinabsatz lagen in Wachspapier eingewickelte Kerzen. Klaus gab uns eine und zündete sie an. Die flackernden gelben Flammen weckten die Schatten, die an der feuchten Mauer tanzten. Es war unheimlich, Ablagerungen von Kalk ragten wie Fingerknochen von der Decke. Der Weg war wie ein Spinnennetz, die Kerzenflammen wurden immer kleiner und erloschen. Nur die Taschenlampe spendete noch mageres Licht, und dann schrie Klaus auf: „Verdammt noch mal! Au, au! Zum Glück kannte auch Hans den Weg zum Treppenaufgang und führte uns dorthin. Wir Mädels stiegen vorsichtig die glitschigen Stufen nach oben. Klaus hinkte hinter uns her, Paul und Hans öffneten oberhalb beim Treppenabsatz die halb geschlossene Holzklappe. Nachdem alle durchgeklettert waren, standen wir in der Mitte eines Steinhauses. Es war voller Spinnweben und die Fensterscheiben waren zersprungen. Ein merkwürdiger süßlicher Geruch erfüllte den Raum. Neben der Bodenklappe, durch die wir gekrochen waren, stand ein Schreibtisch, worauf sich Apparate und durchwühlte Unterlagen befanden. Brummi flüsterte mir zu: „Schau, Klaus hat noch Schmerzen am Fuß.
Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte er zu lächeln, um die Verletzung zu überspielen. Daraufhin machten wir uns auf den Weg durchs Trümmerfeld. Dort schmatzte der Boden unter unseren Füßen. Es war so, als ob das glitschige Erdreich an unseren Beinen zerrte. Die Sonne hatte unheimlich viel Kraft und sog die Feuchtigkeit aus der verbrannten Erde.
Mit Daumen und Zeigefinger hielten wir unsere Nasen zu, aber der scheußliche Gestank stieg trotzdem hinein. Als wir an der dicken alten Eiche, die wie ein verbrannter menschlicher Körper aussah, vorbei waren, lauerte zähnefletschend ein riesiges Vieh auf uns. Jeder unserer Bewegungen folgte es mit seinen listigen schwarzen Augen.
Es nahm uns dadurch jede Möglichkeit, wegzurennen. Plötzlich erzitterten wir innerlich. Die lauten, dunklen Schreie, die wir hörten, klangen fast unmenschlich. Im nächsten Augenblick lief eine hinkende Gestalt hastig auf uns zu. Als der alte Kerl nur noch zehn Nasenspitzen von uns entfernt war, drohte er mit seiner Krücke und schrie, sodass seine Lippen sich wölbten. Sein gräuliches Gesicht verfärbte sich in tiefes Rot. Er schrie: „Felix, fass die Kröten! Wir rannten um unser Leben, konnten aber den Weg, auf dem wir gekommen waren, nicht mehr zurück nehmen. Die kellerähnlichen Gewölbe waren schon zu weit weg. Uns blieb nichts anderes übrig, wir mussten den gefährlichen Weg am Schlammteich vorbei einschlagen. Ich stolperte und trampelte auf einen Haufen rostiger Kabel, die aus dem Boden ragten. Vor Schreck sprang Brummi von meinem Arm, direkt ins Kabelgewusel hinein. Die Jungs brüllten: „Kommt endlich, der Alte ist hinter uns her!
Elke und ich gerieten in Panik, hektisch befreiten wir Brummi und rissen ihm dabei ein Auge aus. Irgendwann hörten wir den boshaften Köter mit seiner langen Schnauze und den hochstehenden Ohren nicht
