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Rezensionen für Tagebücher in Einzelheften. Heft 6
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Tagebücher in Einzelheften. Heft 6 - Erich Mühsam
Erich Mühsam
Tagebücher in Einzelheften
Heft 6
29. Juli – 17. Oktober 1911
Herausgegeben von Chris Hirte
und Conrad Piens
SignetErich Mühsam (1878–1934) hat 15 Jahre lang, von 1910 bis 1924, sein Leben und seine Zeit im Tagebuch festgehalten, ausführlich, stilistisch pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber – und niemals langweilig. Mühsam macht die Nachwelt zum Zeugen eines einzigartigen Experiments: Er will Anarchie nicht nur predigen, sondern im Alltag leben. Er läßt seiner Spontaneität, seiner Sinnlichkeit, seinen Überzeugungen freien Lauf und beweist sich und seiner Mitwelt, daß ein richtiges Leben im falschen durchaus möglich ist – man muß es nur anpacken. Auch das Schreiben ist Aktion, in allen Sätzen schwingt die Erwartung des Umbruchs mit, den er tatsächlich mit herbeiführt: Die Münchner Räterevolution ist auch die seine, und die Rache der bayerischen Justiz trifft ihn hart. Doch sein Sendungsbewußtsein verleiht ihm eine Kraft, die ihn auch über die schlimmen Jahre der bayerischen Festungshaft rettet.
Mühsams Tagebücher sind ein Jahrhundertwerk, das es noch zu entdecken gilt. Sie erscheinen gedruckt in 15 Bänden, als eBooks in 35 Einzelheften und zugleich im Internet auf www.muehsam-tagebuch.de, wo neben dem durchsuchbaren Volltext auch ein kommentiertes Register und der Vergleich mit dem handschriftlichen Original geboten wird.
München, Sonnabend, d. 29. Juli 1911.
Strich reist Montag, spätestens Dienstag ab, und am nächsten, spätestens übernächsten Tage werde ich glücklich sein und Lotte, ein paar Tage lang, unbestritten mein Weib nennen. Es ist ergreifend, wie herzlich und schön auch sie mir fühlbar macht, daß zwischen uns beiden ein tieferes Einverständnis ist, als die sonstige Kameradschaft, als dies sonstige in spitzbübischen Eroticis neckende Komplot. Manchmal ist sie gegen mich gereizt, wird sie dann grob, dann sehe ich nachher doch in ihren Augen das gute Wort, die liebende Gebärde. Ach, ich liebe Lotte so fest und rein, wie ich nicht mehr glaubte, daß ich noch einmal werde lieben können. – Gestern abend waren wir – Lotte, Strich und ich – in der Ausstellung draußen. Es wollte Gewitter werden, nach der schwelenden Hitze, bei der dumpfen Schwüle die tiefste Sehnsucht eines jeden Menschen. Ein scharfer Wind kam auf, Gewölk zog sich zusammen, der Himmel blitzte an allen Enden. Das dauerte etwa eine Stunde lang. Endlich folgten einige schwache Donnerschläge, und nach langer Zeit ein wenig Regen. Heut ist’s wieder heiß, trocken und wolkenlos ringsum. Es scheint, die unerträgliche Glut wird nie aufhören. Schon melden die Blätter aus manchen Städten Wassersnot, hier und anderwärts häufen sich die Hitzschläge und Sonnenstiche. Immerhin: ein wenig kühlte sich die Luft von dem Gewitteranfall ab, und wir fuhren dann in die Torggelstube, wo an einem Tisch Wedekind mit Frau in kleiner Gesellschaft, am Haupttisch Rößler im Kreise der Pokerasten und die Vallière mit Anhang saßen. Der Bruder Strich kam, und der greuliche Sörgel, und ich ging bald, da ich noch zu arbeiten hatte. Bis nach 4 Uhr schrieb ich dann, splitternackt an meinem Schreibtisch, einen Theaterartikel für Nr. 5 des »Kain«. Heut früh telefonierte mich Albert R. an. Ich möchte ihn mittags im Matthäser suchen. Ich fuhr also erst zur Druckerei, dann dorthin. Er war mit seiner Frau und einem Kameraden da, der in Zürich einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht hatte. R. erzählte mir Trauriges von Otto Gross, der dadurch, daß Frieda Mallaschitz ihm über Frick geschimpft hat – er habe das Verhältnis mit Frieda nur aus Geldinteressen – in einen Zustand völligen Wahnsinns verfallen sei. Er halluziniere wieder sehr viel, zertrümmere im Halbschlaf Spiegel, Lampen und sonstige Dinge, wische die kranke Nase an allen erreichbaren Geräten, wie Milchtöpfen etc. ab und sei ganz irr und krank. Seit 8 Tagen aber ist er verschwunden. Inzwischen sei Johannes einmal von Bern nach Zürich gefahren, und vielleicht habe der ihn mitgenommen. Vielleicht sei er auch in Ascona. Mich beunruhigen diese Berichte sehr, und jedenfalls soll ich sofort, wenn R. in Zürich ist, Bescheid haben. Es ist mir sehr leid um Otto, er ist trotz allem einer der feinsten und großartigsten Menschen, die ich kenne. Als ich ihn jetzt in Zürich sprach, machte er einmal eine Bemerkung, die ihn mir ungeheuer lieb machte. Wir hatten sehr viel über Frick gesprochen und waren zu einer entschiedenen Ablehnung seiner Menschlichkeit gekommen. Ich meinte, es sei ja alles recht, wenn Frieda nur nicht, wie mir sicher ahnt, an seiner Seite sich unglücklich fühlte. Da sagte Gross: »Möchtest du etwa, daß sie mit diesem Mann glücklich wäre?« – Mein Wunsch für Otto Gross ist, er soll sterben, ehe es Nacht wird.
München, Sonntag, d. 30. Juli 1911.
Immer noch, immer wieder die unnatürlichste Hitze. Man wagt sich kaum mehr auf die Straße, aber im Zimmer ist’s auch kaum besser. Daß nur bis zur Dresdner Reise eine Abkühlung einträte! Es wäre ja scheußlich, wenn wir die ganze Reise unter Stöhnen machen und gegenseitig Krankenwärter spielen müßten. – Gestern sah ich mein Puma weniger als in den letzten Tagen. Wir waren im Hofgarten beisammen, ich begleitete sie in die Türkenstrasse und fuhr dann zum Ungererbad. Nachher traf ich sie noch einmal auf der Straße und erläuterte ihr ihren Weg, indem ich sie in ein Auto setzte. Abends hatte sie mit den Strich-Brüdern etwas ausgemacht, und Strich telefonierte mich erst spät in der Torggelstube an, ich möchte in die Odeon-Bar kommen. Ich war aber in einer Gesellschaft, die mich schlecht abkommen ließ, und blieb deshalb, so sehr ich mich auch nach Lotte sehnte. Julius Muhr aus Wien war nämlich da, und hatte extra für mich Mumm anbringen lassen. Ich poussierte dabei heftig mit der kleinen Tänzerin, die ich neulich schon geküßt hatte. Sie war grade unwohl, sonst hätte ich das gute Puma wahrscheinlich heute nacht betrogen. Als die andern gegangen waren, ging ich noch zum andern Tisch hinüber, wo Wedekind mit dem eben von der Reise zurückgekehrten Steinrück, Arthur Fleischer und noch 2 Mitglieder des Hoftheaters saßen. Ich sprach mit Wedekind über Hardekopf, der mir jetzt ernstlich verfeindet zu sein scheint, da ich Emmys katholische Hysterien nicht feierlich genug nehmen konnte. Wedekind verglich ihn mit Recht mit seinem Bruder Donald Wedekind, der auch bei guten Anlagen niemals zur eigentlichen Produktivität kommen konnte. – Nachher war ich noch mit einem Teil der Gesellschaft, zu denen noch Geyer, Molnár, Polgar und Egon Friedell kamen – mit dem ich mich, wie einst in Wien, immer noch sehr amüsant herumfrozzele, im Café Orlando di Lasso. – Jetzt sitze ich (12 Uhr mittags) vor dem Tagebuch und warte, ob das Puma nicht vielleicht kommt. Es wäre schmerzlich, wenn ich bis nachmittags warten müßte, wo ich sie ja jedenfalls im Hofgarten sehn werde. – Aber Dresden! Da werde ich nicht zu warten brauchen: kommt sie – kommt sie nicht? Da wird sie gleich morgens an meiner Seite erwachen, da werden wir tagaus tagein beisammen sein – und da werden wir gemeinsam das Szenarium für die Detektiv-Operette entwerfen. Denn das Puma will mir helfen und hat schon jetzt recht hübsche Einfälle dazu geäußert. Das wird eine fröhliche Arbeit werden! Puma, geliebtes, süßes, himmlisches Puma!
München, Montag, d. 31. Juli 1911.
Wenn der Tag so weiter geht, wie er bis jetzt – es ist ¾8 Uhr abends – verlaufen ist, dann werde ich ihn als einen der guten Tage meines Lebens buchen können. Morgens holte mich Rößler zum Baden ab. Vorher gingen wir noch ins Café Stefanie. Vor der Tür begegneten wir Emmy. Wir grüßten beide, und Emmy dankte still, sodaß ich mich freute, daß sie kein Krampftheater aufführte. Als ich zwei Schritte gegangen war, fühlte ich mich plötzlich von hinten umgefaßt. Emmys Kopf lag an meiner Schulter, und auf der Straße gaben wir uns den Versöhnungskuß. Im Café erzählte sie mir dann, ihr habe geträumt, ich sei gestorben, und als ich dann in meinem grauen Anzug so vor ihr lag, sei es ihr schrecklich gewesen, daß sie sich nicht mit mir ausgesöhnt habe. Übrigens seltsam: Ich habe in der letzten Zeit – wohl, weil ich an das Glück mit dem Puma nicht glauben kann – so oft Todesgedanken gehabt, daß ich gestern für alle Fälle mein Testament gemacht habe. So habe ich doch die Sicherheit, daß mein literarischer Nachlaß nicht einmal in die Fänge meiner Mischboche fällt. – Nach dem Baden Mittagessen in der Torggelstube. Die Vallière war reizend, ich durfte graziös mit ihr zoten. Nachher saßen wir miteinander auf dem Sofa in der Nische des Cafés Orlando und spielten mit einem entzückenden weißen Zwergboxl. Ob Zufall, ob Absicht – ich weiß es nicht, bin aber eitel genug, eher an Absicht zu glauben: ihre Hand fuhr mir dabei in einer Weise zwischen die Schenkel, und blieb solange dort, daß ich meinte, mir müßten alle Hosenknöpfe abspringen. Als ich dann – wie unwillkürlich – mit meiner Hand in die Gegend ihrer engeren Weiblichkeit kam, fühlte ich deutlich die korrespondierende Bewegung ihres Unterleibs. – Trotzdem: daß aus uns zweien einmal – wenn auch nur ein einziges Mal – ein Paar würde, glaube ich nicht. Um die Frau zu kriegen, muß man Gelegenheiten schaffen, die sehr viel Geld kosten. – Im Hofgarten wartete ich vergeblich aufs Puma und ging dann zur Druckerei, wo ich Korrekturen und Revisionen der Nr. 5 las. Steinebach übergab mir einen Brief des Verlags Eckert, der bereit ist, mein »Glaube, Liebe, Hoffnung« zu verlegen und als Subskriptionswerk herauszubringen. Ich soll ihm meine Bedingungen mitteilen. Ich werde, denke ich, ein für alle Mal 500 Mk fordern. Ferner teilt mir der Verlag mit, daß er geneigt sei, den Rest des »Kraters« vom Morgen-Verlag zu übernehmen. Den hat leider schon Leon Hirsch über meinen Kopf weg erworben. Ich will das Eckert mitteilen und ihm die Neuherausgabe einer ausgewählten Sammlung meiner Gedichte vorschlagen. So käme ich vielleicht zu einem recht guten Lyrikband.
Ach ja, in der Torggelstube hatte ich den Direktor v. Rehlen von der Wiener Residenzbühne getroffen, der von den »Freivermählten« gehört hat und mir Vorwürfe machte, daß ich ihm das Stück nicht eingereicht habe. Gewiß ein Unikum: ein Theaterdirektor, der den unaufgeführten Autor um ein Stück mahnt, statt sich einzukapseln, wenn es ihm gebracht wird. Ich habe das Stück gleich von Strauß geholt, zu dem ich sowieso mußte. Denn Rudolf Grossmann schrieb mir, daß ein österreichischer Genosse hier verhaftet sei, um den ich mich kümmern möchte. Dann brachte ich Rehlen das Stück ins Hotel. Er will es in der denkbar kürzesten Zeit lesen. Also vielleicht wird es noch in diesem Jahr mit meiner alten Berliner Freundin Käte Richter in der Hauptrolle der Alma aufgeführt. – Strauß regte mich außerdem noch an, einen größeren Wucherpump auf dem Wege der Lebensversicherung zu machen. Ich werde es wohl tun – da es 10–12000 Mk werden können. Also Glück über Glück! Aussicht über Aussicht! – und als ich nach Haus fuhr, vermißte ich nur noch eins: das Puma. Aber in der Elektrischen traf ich Strich, der mir erzählte, sie sitze im Stefanie. Dort telefonierte ich sie gleich an, erfuhr aber zu meinem Schmerz, daß sie nicht mehr dort sei. Fünf Minuten später kam sie, um ein paar Sachen zu holen, die sie bei mir eingestellt hatte. Ich trug sie ihr nach Hause, und bei ihr küßte sie mich herzlich und fest auf den Mund. Das war die Krönung des Tages – wie wird er ausgehen?
München, Mittwoch, d. 2. August 1911.
Ich fühle mich wie ein Bräutigam am Tage vor der Hochzeit. Ich lebe in ständiger Erwartung eines unerhörten Glücks. Das Puma tut dabei alles, diese Stimmung in mir zu erhalten und zu erhöhen. Als sie heut früh – ich war noch nicht aufgestanden – kam, um mich zu wecken, setzte sie sich auf mein Bett, küßte mich und schmiegte sich an mich wie ein kleines verliebtes Mädelchen, während sie doch sonst nie – selbst in den zärtlichsten Stunden kaum – ihre frivole Ironie verliert. – Strich ist heute früh – endlich! – abgereist. Nun ist die Gegenwart mein. Morgen geht die Reise los, – zunächst nach Nürnberg, dann wahrscheinlich nach Dresden, und schließlich wohl auch noch nach Berlin. Ich habe dem Puma noch allerlei schöne Sachen – fast eine ganze Aussteuer – geschenkt: das bischen Berner Geld giebt doch kolossal viel aus –, und nun bin ich in einem Taumel von Verliebtheit und närrischer Vorfreude. Die Brieftasche ist mit 400 Mk gefüllt, alle Vorbereitungen sind fertig, was sollte diesmal wohl feindliches sich ereignen können? – Zu allem Überfluß gewann ich gestern abend noch über 60 Mk beim Pokern, sodaß die Auslagen, die ich gestern auf der Dult für allerlei Schmuck hatte, reichlichst gedeckt sind. – Merkwürdig ist, wie mir stets, wenn es mir erotisch gut geht, das Glück auch bei andern Frauen winkt. Vorgestern lernte ich in der Torggelstube die allerliebste Maria Marlow vom Wiener Bürgertheater kennen. Ich freundete mich gleich mit ihr an, und wir vertrugen uns unter anzüglichen Witzen ausgezeichnet. Die Vallière küßte mich gestern abend auf den Mund. Lina Woiwode ist wieder da, und war nett zu mir. Käte Richter von der Wiener Residenzbühne, mein alter Berliner Schwarm, tauchte gestern auf. Sie ist das Verhältnis des Herrn v.
