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Tagebücher in Einzelheften. Heft 12 - Erich Mühsam
Erich Mühsam
Tagebücher in Einzelheften
Heft 12
1. Oktober – 31. Dezember 1914
Herausgegeben von Chris Hirte
und Conrad Piens
SignetErich Mühsam (1878–1934) hat 15 Jahre lang, von 1910 bis 1924, sein Leben und seine Zeit im Tagebuch festgehalten, ausführlich, stilistisch pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber – und niemals langweilig. Mühsam macht die Nachwelt zum Zeugen eines einzigartigen Experiments: Er will Anarchie nicht nur predigen, sondern im Alltag leben. Er läßt seiner Spontaneität, seiner Sinnlichkeit, seinen Überzeugungen freien Lauf und beweist sich und seiner Mitwelt, daß ein richtiges Leben im falschen durchaus möglich ist – man muß es nur anpacken. Auch das Schreiben ist Aktion, in allen Sätzen schwingt die Erwartung des Umbruchs mit, den er tatsächlich mit herbeiführt: Die Münchner Räterevolution ist auch die seine, und die Rache der bayerischen Justiz trifft ihn hart. Doch sein Sendungsbewußtsein verleiht ihm eine Kraft, die ihn auch über die schlimmen Jahre der bayerischen Festungshaft rettet.
Mühsams Tagebücher sind ein Jahrhundertwerk, das es noch zu entdecken gilt. Sie erscheinen gedruckt in 15 Bänden, als eBooks in 35 Einzelheften und zugleich im Internet auf www.muehsam-tagebuch.de, wo neben dem durchsuchbaren Volltext auch ein kommentiertes Register und der Vergleich mit dem handschriftlichen Original geboten wird.
München, Donnerstag, d. 1. Oktober 1914.
Der Levetzowsche Brief beschäftigt mich nachhaltig. Die Annahme, daß er ungelesen von der Überwachungsstelle an mich weitergeleitet sei, ist nicht zu halten. Der Überwachungsoffizier hat – zum ersten Mal – auf den Verschlußzettel seinen vollen Namen gesetzt, und zwar ist es der Chef selbst, derselbe Oberstleutnant Sixt, mit dem ich vor einigen Wochen Jennys wegen korrespondierte. Offenbar haben also untergeordnete Stellen zweifelnd beim Chef angefragt, und der hat die Beförderung verfügt. Das ist ein Maß von Toleranz bei der Militärbehörde, das mich in Erstaunen setzt. Entweder hält man nur Mitteilungen strategischer Natur zurück oder man wollte im besonderen Falle zeigen, daß man derlei Ergüsse nicht wichtig nimmt. Vielleicht soll es eine Versuchung sein, da mein Antwortbrief an Levetzow ja auch über die Überwachungsstelle zur Weiterbeförderung geht, sodaß die, die seine Meinung erfahren haben, auch meine kennen lernen. Auf diesem Umweg kann aber ich vielleicht Menschen, die auf ganz fremdem Boden stehn etwas von meiner Gesinnung mitteilen, die ihnen sonst ewig eine verbrecherische Verrücktheit schiene.
Die Operationen im Felde sollen wie immer alle günstig stehn. Bemerkenswert ist vor allen Dingen die Gärung in Persien gegen Rußland, die schon zu Gewalt geführt haben soll. Auch die Türkei und Aegypten scheinen kurz vor dem Eingreifen zu stehn.
Hedwig Putz versetzte mich gestern, was mir angenehm war. Zenzl war heut früh bei mir, durch Periode verhindert. Sonntag will sie wiederkommen. Inzwischen kann ich bis Samstag (Asta) eine kleine Kräftigungspause eintreten lassen und mich dem Anblick der in die Akademie eingezogenen »Leiber«-Kompagnie hingeben, die ich eben (etwa 200 Mann stark) vor meinem Fenster antreten und abmarschieren sah. Das Zimmermädel Balbina, eine etwas spinnerte Virgo, ist ganz außer sich vor Glück über das Soldaten-Vis à vis, das mich einigermaßen anwidert. Lauter Arbeiter als Exerzierpuppen.
Ich will den nach langer naßkalter Ungemütlichkeit ersten herrlich schönen sonnig-kühlen Herbsttag benutzen, um endlich wieder mal den Hofgarten zu besuchen.
München, Sonnabend, d. 3. Oktober 1914.
Meine Antwort an Levetzow ist gestern abgegangen, sehr ausführlich und bestimmt. Da ich einen Zeugen für den Brief und vor allem einen Ratgeber dafür haben wollte, ob ich ihn ohne an Levetzow ein Unrecht zu begehn, da die Zensur ihn doch liest, abschicken könne, bat ich telefonisch Jacobi um ein Rendezvous und verabredete es um 6 Uhr im Café Orlando di Lasso. Dort traf ich Wedekind, natürlich mit Friedenthal. Gespräche über den Krieg. Wir kamen auf den Unterschied der Lebenseinschätzung zwischen Deutschen und Engländern, wozu die Zerstörung der drei englischen Panzerkreuzer durch das eine deutsche Unterseeboot U9 Anlaß gab. Wedekind fand die Todbereitschaft der Deutschen wertvoller als die von den Engländern beobachtete Sparsamkeit mit Menschenleben. Dabei sagte er folgendes, was ich hier festhalten will, weil es für seine Ausdrucksweise besonders charakteristisch ist: »Gott ist stärker als das Einmaleins, – solange er nicht damit in Widerspruch gerät.« – Nachdem die beiden gegangen waren, kamen Bernhardt und Lucie v. Jacobi. Sie fanden meinen Brief gut und rieten dazu, ihn den Sixt weiterbefördern zu lassen, um mir Nackenschläge zu ersparen. Zuhause fand ich dann aber einen neuen Levetzowschen Brief, enthaltend die Erklärung an den Präsidenten der Republik Frankreich, er – jadis poète allemand – wolle nun als Protest contre les mensonges impériaux et les crimes de lèse civilisation de Louvain, Senlis et Reims, diese Sprache verläugnen; forme voeux, daß la France civilisatrice bald die einzig würdige Revanche nehmen werde, en apportant les bienfaits de la République à un peuple d’esclaves irresponsables plié sous la joug de tyrans barbares et sanguinaires.« Ferner ein mit Schreibmaschine vervielfältigter Brief, in der[dem] er die Absicht kundgibt, den Herren Gerhart Hauptmann und Wilh. Ostwald auf ihre Kundgebungen zu antworten. Wie er das tun will, erhellt dann aus dem Weiteren, das ebenso inhaltlos phrasenhaft und antideutsch-chauvinistisch gehalten ist wie der Brief an Poincaré. Er will also alle »qui, sous le régime actuel n’ont pas encore perdu toute dignité, auffordern, sich loszumachen, de gré ou de force, von ihren Unterdrückern und in die Zahl der zivilisierten Nationen einzutreten, indem sie die Republik oder die Republiken in Deutschland aufrichten u. s. w.« Von mir will er wissen, wo er den erwähnten offenen Brief in deutscher Sprache veröffentlichen kann. Ich werde ihm in aller Deutlichkeit antworten und keinen Zweifel darüber lassen, daß ich seine Auslassungen in keiner Weise ernst nehmen kann. Seine Ansicht, es sei »höchste Zeit« zur Bildung der »Föderation der Deutschen Republiken« ist saudumm und ganz unglaublich, wie kritiklos er die Verhetzungen der Boulevardpresse wegen Löwen und Reims in eigne Regie übernimmt. Fred scheint in seiner Beurteilung Levetzows recht zu haben, als er mir neulich sagte, das sei ein Homosexualer von dem bei den Hirschfeldleuten offiziell abgestrittenen Typus, der der Beeinflussung durch minderwertige Geister willig zugänglich ist.* Auch Jacobi, den ich heute im Stefanie sprach, war ganz ratlos über Levetzows Verblendung. – Übrigens ist Jacobi dekoriert worden: er hat das Bayerische silberne Militärverdienstkreuz mit Krone und Schwertern II. Kl. bekommen, das er heute schon vor den Waffenrock gesteckt hatte. Seine Wunde verheilt gut. Er lernt jetzt reiten, geht in diesen Tagen hier zu militärischen Übungen mit, um sich wieder zu trainieren und hofft, Ende nächster Woche wieder hinauszudürfen. Seine Frau hofft das Gegenteil. Ich eigentlich auch. Ich habe den Menschen sehr gern. Aber sein Ordensglück verblüfft und enttäuscht mich.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz sind spärlich. Überall werden deutsche Teilerfolge gemeldet, und nirgends weiß man, ob und was für Teilerfolge die andern hatten. Von der nun 3 Wochen tobenden Schlacht an der Aisne ist immer noch kein Ende abzusehn. Aber Blut fließt dort – Blut – –
Gestern: Asta.
* Das trifft freilich auf die Patrioten aller Gattungen zu.
München, Sonntag, d. 4. Oktober 1914.
Ich habe einen Brummschädel und der Magen rumort: Kurzum einen schweren Kater. Erst nach 5 Uhr kam ich heim, nachdem ich erst bei Michel, nachher in den Katakomben der Torggelstube allzu reichlich Wein in mich gegossen hatte.
Bei Michel war Wahl (den ich, wie mir eine neue Durchsicht der Tagebücher zeigt, hier jahrelang als Vahlen bezeichnet hatte). Er kam vom östlichen Kriegsschauplatz zurück, wohin ihn die Frankfurter Zeitung entsandt hatte. In der Gesellschaft waren noch Geheeb und Frau, Peter Scher, Karl Arnold, Wahls hübsche Hedi, Paul Kampffmeyer und mein alter Feind Adolf Müller, der Chefredakteur der Münchner Post, dessen Bekanntschaft ich bis gestern stets vermieden hatte. Ein gescheiter Kerl, Ironiker, mir aber – wohl wegen der persönlichen ekligen Erfahrungen – nicht angenehm. Wahl, der in Breslau gesessen hatte und bis Krakau auf seinen Spritztouren kam, berichtete wenig Tröstliches vom österreichischen Feldzug. Deutschland hat dort schon mit Gewehren aushelfen müssen, bei aller Tüchtigkeit der Soldaten sei nichts recht in Ordnung, Verwirrung, schlechte Vorbereitung, hilflose Leitung. Die Lemberger Schlacht – das bestätigte auch Wahl – sei durch wüste Verrätereien der Ruthenen etc. verloren worden. Der Major wollte neulich wissen, daß der Bruder des Obersten Redl, dessen verwegene Spionage im vorigen Jahr so hell in die korrupten Verhältnisse Österreichs hineinleuchtete, tolle Verrätereien begangen habe. Das Geschäft scheint also erblich zu sein. Der russische Krieg wird von allen sehr pessimistisch beurteilt, obwohl Hindenburg jetzt in Krakau ist, nachdem er kürzlich mit Auffenberg und Dankl in Breslau konferiert hatte. Dabei mußte anstelle des verratenen früheren ein ganz neuer Kriegsplan ausgearbeitet werden.
In der Torggelstube wurde der Beginn von Max Halbes 49tem Geburtstag gefeiert. Wedekind, Maaßen, Schmitz, Hegeler, Friedenthal, Ziersch. Es wurde sehr reichlich miserabler deutscher Sekt getrunken, den zumeist Halbe spendete. Ich freute mich aber, zwei Flaschen von mir aus kredenzen zu dürfen, da zwei Wetten, deren Gewinner ich war, und durch die mir Maaßen und Ziersch je eine Flasche Sekt schuldeten, ausgetragen wurden. Ich konnte also auf fremde Kosten nobel sein und kam schwer bezecht heim.
Zuhause fand ich einen Brief von Jenny, zu dessen Genuß ich erst heute kam. Wunderschön ernst und reif ist das Mädchen geworden. Ihre Briefe bewegen mich ganz tief, obwohl sie absolut unzärtlich und ganz theoretisch-abstrakten Inhalts sind. Aber zwischendurch plötzlich eine unendlich liebe Kindlichkeit, so der Wunsch, bald mal mit mir nach Wien reisen zu können. Sie muß mich schon noch lieb haben. Könnte ich ihr zeigen, wie süß sie mir ist!
München, Montag, d. 5. Oktober 1914.
Der deutsche amtliche Bericht über die Aisne- und Argonnenschlacht behauptet, der Kampf gehe »erfolgreich vorwärts«, der französische konstatiert, daß der Eindruck »im allgemeinen günstig« ist. Man hat also die Auswahl, ob man Optimist oder Pessimist sein möchte. – In Antwerpen scheint allerdings die Übergabe unmittelbar bevorzustehn, da täglich der Fall weiterer Forts bekanntgegeben wird. Die Dreiverbandmächte sollen an die Türkei ein Ultimatum wegen der Sperrung der Dardanellen gerichtet haben. Damit wäre dann wohl das Eingreifen dieses armen Landes sicher geworden, das 1911 gegen Italien kämpfen mußte (unmittelbar nach der Revolution), 1912 vom Balkanbund geschlagen wurde und 1913 auch in den zweiten Balkankrieg einbezogen wurde. – Zugleich gärt es in Palaestina, Aegypten, Persien, Afghanistan, Indien – und es ist garnicht abzusehn, welchen Umfang dieser fürchterliche Krieg noch annehmen wird. Ich fürchte aber eins für den Fall, daß es wirklich zum »Heiligen Krieg« des gesamten Islams kommen sollte: daß sich der nämlich gegen das gesamte Christentum wenden wird; – aber dann fällt für Deutschland jeder Anlaß fort, den Engländern die Bundesgenossenschaft mit Japan vorzuwerfen.
In Rußland (Augustów) war eine neue siegreiche Schlacht. Aber der russische Winterfeldzug wird entsetzlich werden! – In dieser Woche rücken wieder eine Unmenge Soldaten ins Feld. Ich mußte heute schon Tröster spielen, da das arme Stubenmädel ihren Schatz dabei hat und nun den ganzen Tag heulend herumläuft.
Gustl Waldau hat das Eiserne Kreuz bekommen, ebenso, wie mir gestern einer seiner Studenten, der ebenfalls hinausgeht, erzählte, Kutscher. Der junge Graf Keyserling, der obwohl Balte, sich freiwillig hier gestellt hat und morgen hinausmuß, nahm gestern von mir Abschied. Ebenso Götz, der zum Landsturm gehört. Sie sind alle ahnungslos naiv.
München, Dienstag, d. 6. Oktober 1914.
Mir geht es gesundheitlich nicht sonderlich gut. Eine schwere körperliche Erschlaffung macht sich bemerkbar, die mich morgens nicht aus dem Bett kommen läßt und, was viel verdächtiger ist, mich abends längst vor der Zeit, in der ich in normalen Zeiten Schlafbedürfnis fühle, müde werden läßt. Gestern fühlte ich, obwohl ich erst um ½ 12 Uhr aufgestanden war, schon vor 11 Uhr abends den völligen Zusammenbruch, den ich nur mit großem Energieaufwand bezwang. Ob das mit dem Herzen zu tun hat oder mit den Nerven, weiß ich nicht recht. Ich hoffe, daß es nichts andres bedeutet als die Reaktion des Körpers auf die Überanstrengung der Nerven durch die Kriegsaufregung. Sehr bitter empfinde ich aber das mir bisher ganz unbekannte unsichere Gefühl, als ob meine sexuelle Potenz versagen müßte. Seit Freitag hatte ich keine Gelegenheit mehr, sie zu erproben, da Zenzl leider wieder an ihren unaufhörlichen Blutungen leidet und Asta heute früh grade wieder kam, als Zenzl bei mir vorm Bett saß. Jetzt soll Frieda Wigand kommen. Ich habe sie bestellt, um evtl. mit ihr zu Wahl zu gehn, wo sie leihweise eine Klampfe kriegen soll. Und grade bei ihr möchte ich mich nicht gern schon wieder blamieren müssen. Zu allem übrigen fühle ich Zahnbeschwerden. Ich werde heute oder morgen zu dem Elsässer Zahnarzt Beiger gehn, einem Freund Schickeles. Mein ehemaliger Zahnarzt Andreas hat sich leider erschossen – einen bessern findst du nicht –, und der Linder, bei dem ich inzwischen war, wird wohl im Kriege sein.
Die Telegramme besagen nichts Neues. Der Ausgang der Aisne-Schlacht ist unprophezeibar.
München, Mittwoch, d. 7. Oktober 1914.
Friedl Wigand unterbrach gestern die Eintragung. Was ich über die Kriegslage bemerken wollte, stimmt auch heute. Die xmal wiederhol[t]en Versuche der Franzosen, den rechten deutschen Flügel zu umfassen, scheinen doch nicht so erfolglos zu sein, wie unsre Presse glauben machen möchte. Jedenfalls haben sie, wie der heutige offizielle Bericht sagt, zu einer Verlängerung der Schlachtlinie nach Norden geführt, was doch wohl einer Zurückdrängung der Deutschen gleichkommen dürfte. Antwerpen hält sich noch. Von Verdun, Toul etc. hört man schon geraume Zeit nichts mehr. Dagegen scheint die Lage in Galizien sich zu bessern, seit die deutschen und österreichischen Truppen sich dort zusammengefunden haben. Amüsant ist der Vergleich zwischen den beiden offiziellen Mitteilungen über einen siegreichen Kampf dort: Der österreichische Bericht spricht pathetisch davon, daß die Verbündeten »Schulter an Schulter« die Russen geworfen hätten, der deutsche meldet nur die Beteiligung der Deutschen. Ob sich da Eifersüchteleien vorbereiten? – In Tsingtau wurde ein Angriff der verbündeten Engländer und Japaner zurückgeschlagen, die 2500 Mann verloren haben sollen. Zu halten ist Kiautschau gegen die kolossale Übermacht auf die Dauer ja doch nicht, zumal die Festung ja bald genug die Munition verschossen haben muß. Ich finde es gradezu sträflich, daß man sie trotzdem verteidigt und die Menschen hinopfert blos um der heroischen Geste willen. Äußern darf man diese Ansicht freilich fast nirgends.
Persönliche Kleinigkeiten: Friedl kam, ich telefonierte Wahl an und machte mit ihm aus, daß ich heute mit dem Mädel hinkommen soll, um die Gitarre zu holen. Jetzt erwarte ich sie, und nachher wollen wir wieder her und nachholen, was ich neulich nicht leisten konnte. Gestern blieb es bei kleinkalibrigen Zärtlichkeiten. – Wir gingen miteinander zur Stadt, und ich zu Beiger, bei dem ich Bing vorfand. Eine Plombe mußte ersetzt werden, und der Zahnarzt lud uns dann zum Kaffee bei sich ein. Inzwischen kam Frau Hedi Wahl und Frl. Brandenburg aus Barmen, eine Schwester von Hans Brandenburg und Lannatsch Schickele, die allem Anschein nach das Verhältnis Beigers ist. Bing schüttete mir sein französisches, Beiger sein elsässisches Herz aus, und beide waren froh, einmal munter von der Leber herunter reden zu dürfen. – Nachher wie täglich Stefanie-Schachtisch. Abends Torggelstube: Erst Rößler und Bachmann (Strobinski), nachher Steinrück, Feuchtwanger und Frau, Friedenthal, Maaßen, Schmitz. Gespräche endlich einmal mehr literarischen als politischen Charakters. Maaßen lehnte Strindberg für sich ab mit der einfachen Begründung, was er von ihm kenne, lasse ihn kalt und errege ihm nicht den Wunsch, sich intensiver mit ihm zu beschäftigen. »Ich lasse mir meine Wege nicht von der Tagesmode vorschreiben, sondern kümmere mich um das, was ich in den Anlagen antreffe, wo ich spazieren gehe.« Das ist ganz echt Maaßen, und deshalb gefällt er mir so gut, auch wo ich, wie hier und in den Kriegsdingen entgegengesetzter Ansicht bin. Aber Friedenthal (dessen Minderwertigkeit sich neben allem andern auch daraus schon ergibt, daß er en-setzlich, En-fernung sagt) ereiferte sich sehr, und ich amüsierte mich köstlich, wie der unbeeinflußbare, in riesigem Wissen geschulte
