Über dieses E-Book
Vergiftet mit Sanddornlikör – wer ist der Mörder von Langeoog? Die Inselkommissare Gerret Kolbe und Rieke Voss werden in eine Frühstückspension gerufen: Dort liegt der Urlauber Günter Heise – augenscheinlich vergiftet, mit einer leeren Flasche Sanddornlikör auf dem Nachttisch. Kolbe ist besonders erschüttert, hatte er den Mann doch erst vor wenigen Stunden bei einer heftigen Auseinandersetzung mit seiner Vermieterin Bente Franzen in deren Haus erlebt. Zudem war der Tote auch noch mit Bentes seit Jahren verschollenem Mann in kriminelle Machenschaften verwickelt. Bevor die Ermittlungen richtig in Gang kommen, wird der ehemalige Fischer Jan Reese, mit dem der Tote zuletzt gesehen wurde, mit einer Gartenschere von hinten erstochen. Zwar gibt es einen Augenzeugen, doch wer verbirgt sich unter dem gelben Südwester? Ist der geheimnisvolle Moormann, der Heise auf dessen Handy kontaktiert hatte, für die Morde verantwortlich? Als die Polizei versucht, dem Täter auf die Spur zu kommen, spitzt sich die Situation gefährlich zu, denn dieser verfolgt einen äußerst heimtückischen Plan ...
Freund, Marc
Marc Freund wuchs in Osterholz auf, direkt an der Ostseesteilküste gelegen, die schon von Kindesbeinen an eine große Faszination auf ihn ausübte. Und so spielen viele seiner Geschichten am Meer, dem er sich sehr verbunden fühlt. Regelmäßig zieht es den Krimiautor auch auf die andere Seite der Küste – an die Nordsee. Derzeit vor allem auf die bezaubernden Inseln Langeoog und Spiekeroog, wo seine Ostfrieslandkrimis spielen.Seit 2010 ist Marc Freund für verschiedene Verlage tätig. Daneben wurde er auch als Hörspielautor bekannt. Weit über 300 Veröffentlichungen für die unterschiedlichsten Reihen und Serien gehen bisher auf sein Konto.
Andere Titel in Langeooger Gift. Ostfrieslandkrimi Reihe ( 15 )
Langeooger Gier. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Zwielicht. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Täuschung. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Blut. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Schampus. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Mörder. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Rache. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Leiche. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Juwelen. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Spuk. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Legende. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Geheimnisse. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Gift. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Gezeiten. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Düne. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Mehr von Freund, Marc lesen
Ähnlich wie Langeooger Gift. Ostfrieslandkrimi
Titel in dieser Serie (15)
Langeooger Gier. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Zwielicht. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Täuschung. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Blut. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Schampus. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Mörder. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Rache. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Leiche. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Juwelen. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Spuk. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Legende. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Geheimnisse. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Gift. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Gezeiten. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Düne. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Ähnliche E-Books
Langeooger Spuk. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Täuschung. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLeander und die dunklen Mächte: Föhr Krimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLOTSENGOLD: Stralsund-Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNordstrøm – Die Jagd: Ostsee-Krimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSeewölfe - Piraten der Weltmeere 302: Die Friesenfalle Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Gezeiten. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenUnd süß wird meine Rache sein Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKüstenrot: ein Ostfriesland-Krimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIm Bann der Gezeiten: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Verlierer: Psycho-Spannung | Packender Krimi, der unter die Haut geht, von der beliebten Bestsellerautorin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLiebesopfer: Drei Thriller in einem eBook: »Herzfrauen«, »Puppenmann« und »Liebeskind« Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenStrandgut: Jupp Schulte ermittelt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLangeooger Zwielicht. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMARSCHNACHT Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Henker mit dem Totenkopf: Ein DDR-Krimi mit Volkspolizist Friedrich Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSchattenGier Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHell-Go-Land: Nordsee-Thriller | Spannender Küstenkrimi, der unter die Haut geht | Dunkle Geheimnisse und Verbrechen auf der Insel Helgoland Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSchwesterlein muss sterben: Thriller | Ein Fall für die Psychologin 1 | Atemlose Skandinavien Spannung Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Echo der Zukunft Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Leiche im Sieltief. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEifersucht hinterm Deich: Ostfrieslandroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDünengeist. Ostfrieslandkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSylterbe: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNach Stich und Faden: Verstrickungen können tödlich sein Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpurlos Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Bootsmann: Thriller Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSennewölfe: Lipperland-Krimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTotgemacht: Mølgaards zweiter Fall Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKüstenwolf: Kriminalroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Krimi-Thriller für Sie
James Bond 01 - Casino Royale Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Hot Pursuit - 1 Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Die gute Tochter: Thriller Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Berlin blutrot: 14 Autoren. 30 Tote. Eine Stadt. Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEwiger Atem: Thriller | Die Vorgeschichte zum internationalen Bestseller »Die gute Tochter« Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5James Bond 03 - Moonraker Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Belladonna Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie letzte Nacht: Thriller | Der neue Thriller 2023 der SPIEGEL-Bestsellerautorin um den Ermittler Will Trent Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie verstummte Frau: SPIEGEL-Bestseller voller Nervenkitzel – für diesen Fall muss Will Trent die Vergangenheit neu aufrollen! Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Teil von ihr: Thriller Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Märchenmörder Bewertung: 3 von 5 Sternen3/5Letzte Lügen: Thriller | Der neue Thriller der SPIEGEL-Bestsellerautorin um den Ermittler Will Trent (Georgia-Serie, Band 12) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenThe Family Guest: SPIEGEL Bestseller | Fesselnder psychologischer Spannungsthriller mit tödlichem Twist Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZwischen Schutt und Asche: Hamburg in Trümmern 1 (Kriminalroman) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGoldwäsche: Ein Will Trent und Jack Reacher Short Thriller Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEiskaltes Sylt: Küstenkrimi - Nordseekrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpurlos Verschwunden: Detective Paul Cullen, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenCastle 1: Heat Wave - Hitzewelle Bewertung: 3 von 5 Sternen3/5Mord in den Schären: Schwedenkrimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSummersteen & Edwards: Zwei viktorianische Krimis Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Schmetterling: Schweden Krimi Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Verwandte Kategorien
Rezensionen für Langeooger Gift. Ostfrieslandkrimi
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Langeooger Gift. Ostfrieslandkrimi - Freund, Marc
Kapitel 1
Dunkel.
Ein stürmischer Nordostwind hatte graue Wolken über den Ostfriesischen Inseln aufgetürmt und sie zu einer undurchdringlichen Masse verdichtet. Draußen am Strand schäumten die Wellen. Gischt wurde wie verlorene Zuckerwatte über den Sand gewirbelt, bis sie sich nach einigen Metern aufrieb und verlor. Nur wenige Menschen waren bei diesem Wetter noch draußen unterwegs. Jeder, der konnte, hatte längst ein sicheres Haus aufgesucht. Der Regen würde sehr bald einsetzen und es war mit jeder weiteren Minute deutlicher zu spüren: wenn er erst kam, würde er so schnell nicht wieder von den Inseln ablassen.
Im Polderweg Nummer zwölf rüttelte der Sturm an den Fensterläden wie ein verärgerter Besucher, der Einlass begehrte. Die Stockrosen im Vorgarten, vom Wind gebeugt, peitschten gegen die Scheiben – ihre Schatten tanzten in langen, zitternden Gestalten über die Wände der Küche.
Bente Franzen stand am Spülbecken, die Hände feucht, das Herz in einer seltsamen Unruhe.
Es war einer dieser Abende, an denen alles zu hören war – der heulende Wind, das unregelmäßige Ticken der alten Küchenwanduhr, das vereinzelte Knarren der Bodendielen über ihr. Geräusche, die sie kannte. Geräusche, die ihr nichts ausmachten. Normalerweise.
Aber heute war es anders.
Otto Ladengast war für ein paar Tage aufs Festland gefahren – Recherchen für einen Artikel, den er möglicherweise nie schreiben würde. Ihre Nichte Anneke, die seit einigen Monaten bei ihr im Haus lebte, war unterwegs, vermutlich noch im Seekrug oder bei einem dieser schaurigen Filmabende im Haus der Inselkultur. Und Gerret … Gerret war erst am späten Abend von seiner Fortbildung zurückzuerwarten. Er war mit einem Langeooger Fischer verabredet, der zugesagt hatte, ihn in seinem Boot mit zurück auf die Insel zu nehmen.
Sie war allein. Ganz sicher.
Dachte sie.
Ihre Hände tauchten in das fast schon erkaltete Spülwasser. Sie wusste schon nicht mehr, wie lange sie so gestanden und gedankenverloren die Schatten und die Dunkelheit durch das Fenster ihrer Küche angestarrt hatte.
Mit einem Schwamm bearbeitete sie die Auflaufform, deren hartnäckige Nudelkruste selbst das Intensivprogramm des Geschirrspülers überstanden hatte. Bentes Bewegungen waren langsam, seltsam kraftlos. Ihr fehlte die Energie. Mit ihren Gedanken war sie stets woanders.
Ein Windstoß fuhr durchs Haus. Irgendwo schlug eine Tür krachend zu. Der Luftzug ließ die Kerzen auf dem Tisch flackern.
Bente erstarrte.
Langsam hob sie den Kopf. Schaute in den dunklen Flur hinaus.
Dann kamen die Schritte.
Langsam. Gleichmäßig. Einer … zwei … drei. Nicht hastig. Nicht unsicher. Wer auch immer da ging, wusste, wohin.
Das Herz klopfte ihr bis in die Kehle.
Kolbe? Nein. Der hatte einen Schlüssel. Und Gerret machte nie solche Geräusche. Niemals.
»Hallo?«, rief sie mit bebender Stimme. »Ist da jemand?«
Keine Antwort. Nur ein weiteres Knarren. Näher.
Bente wirbelte herum, riss mit zitternder Hand die große Schublade unter der Arbeitsplatte auf. Ihre Finger glitten über den Holzgriff des Brotmessers. Die lange Klinge. Kalter Stahl unter ihrer schwitzenden Handfläche. Ein kurzes, verräterisches Rasseln, als sie das Messer ruckartig an sich riss und es sich vor die Brust presste.
Die Geräusche hinter der angelehnten Küchentür waren verstummt. Keine Schritte mehr, kein Knarren. Es war, als hielte jemand den Atem an – wartend, lauernd darauf, was sie als Nächstes tun würde.
Auf dem Küchentisch lag ihr Handy. Zwei Schritte, vielleicht auch drei. Doch sie scheute diese Möglichkeit. Etwas sagte ihr, dass sie gut damit beraten war, das Brotmesser nicht aus der Hand zu legen.
Ihr Atem ging flach über ihre Lippen. Ihr Mund war leicht geöffnet. Ihre Sinne konzentrierten sich auf das, was hinter der Küchentür lauerte.
Sie wusste, was sie gehört hatte. Und sie ahnte, dass es kein friedlicher Besucher war, der sich so spät Zutritt zu ihrem Haus verschafft hatte. Wer sich so verhielt, der hatte etwas anderes im Sinn.
Ein Wassertropfen löste sich von ihren nassen Händen, rann die Klinge des Brotmessers herab und tropfte von der glänzenden Spitze zu Boden. Tapp!
Sie glaubte, diesen Laut überdeutlich hören zu können. Es war, als ob er ihren Kopf vollständig ausfüllte.
Hinter der Milchglasscheibe in der Küchentür zeichnete sich ein Umriss ab. Die Konturen eines Kopfes.
Was machte er? Starrte er sie an? Wollte er sich vergewissern, was sie tat?
Bentes Puls ging schneller. Er raste so sehr, dass sie tief in ihrem Innern einen Schwindel spürte, der langsam heraufkroch und sich anschickte, die Kontrolle über ihr Handeln zu übernehmen. Sie durfte es nicht so weit kommen lassen.
In die zum Zerbersten aufgeladene Stille platzte das lautstarke Vibrieren ihres Handys auf dem Küchentisch. Das Display leuchtete grell auf und ließ das Hintergrundbild in kräftigen Farben schillern.
Aus der Entfernung konnte sie erkennen, dass es Kolbe war, der anrief. Sie dachte nicht mehr darüber nach, sondern stieß sich von der Kante der Arbeitsfläche ab und katapultierte sich nach vorne, auf den Tisch zu.
In derselben Sekunde flog die Tür auf.
Ein Schatten stürzte durch den Flur in die Küche.
Ein Mann. Groß. Kapuze. Wildes Gesicht. Kalte Augen.
Bevor Bente reagieren konnte, packte er sie bei der Schulter, riss sie grob herum. Der Schock fuhr ihr wie ein Stromschlag in den Leib.
Sie hob ihren rechten Arm. Reflexartig. Das Küchenmesser blitze im fahlen Licht der Deckenlampe. Die Klinge sauste nieder.
Eine Hand griff blitzschnell nach ihrem Oberarm und stoppte ihre Bewegung. Ein Schlag. Sie ächzte. Ihr Bizeps fühlte sich mit einem Mal taub an. Ein Zustand, der sich rasend schnell auf ihren Arm ausbreitete. Ihre Finger kribbelten. Mit einem leisen Klirren fiel das Messer zu Boden und verschwand aus ihrem Blickfeld.
Bente Franzen wollte sich dem harten Griff ihres Widersachers entziehen, doch er ließ ihr keine Chance. Inzwischen hielt er sie in einer gewaltvollen Umarmung fest, klammerte sich von hinten an sie und nahm ihr damit jegliche Bewegungsfreiheit.
Spröde Lippen näherten sich ihrem linken Ohr. Feuchter Atem traf ihre Haut. Sie erschauerte.
»Sei still!«, knurrte eine raue Stimme, die ihr vage bekannt vorkam. »Ich will mit dir reden. Und zwar über deinen toten Mann!«
Kapitel 2
Der Kutter »Neptuns Ruh« stampfte träge in den Langeooger Hafen, angetrieben von einem mürrischen Motor und begleitet vom Grollen des nahenden Sturms. Graues Licht lag über den schäumenden Wellen, die gegen die Stege schlugen wie zornige Fäuste gegen eine verschlossene Tür. Möwen kreischten schrill und nervös, flatterten unruhig hin und her, als hätten sie den richtigen Zeitpunkt verpasst, die Insel zu verlassen oder sich in Sicherheit zu bringen.
Gerret Kolbe dankte dem alten Fischer, der ihn in Bensersiel aufgelesen hatte, mit einem Nicken, schwang seine Tasche über die Schulter und sprang ans Ufer. Der Plankenweg unter seinen Füßen war glitschig. Er sah zum Himmel. Dunkle Schwaden zogen über das Firmament, der Wind wurde stärker, peitschte Gischt in alle Richtungen.
Langeoog. Ein längst vertrauter Ort für ihn – und doch wirkte er heute fremd, beinahe feindlich und drohend.
Er kramte in seiner Jackentasche nach dem Schlüssel für das Fahrrad, das er hier vor zwei Tagen angeschlossen hatte. Die Kette sprang mit einem trockenen Klick auf. Doch der nächste Fluch ließ nicht lange auf sich warten.
»Na prima.« Kolbe stieß einen tiefen Seufzer aus, als sein Blick auf den Vorderreifen fiel. Platt. Fast bis auf die Felge.
Er stieß die Luft aus und schob das Rad ein paar Meter, als wolle er sichergehen. Doch der Widerstand des Reifens war eindeutig. Der kleine Behälter mit dem Flickzeug war leer, seit Wochen schon. Seine Kollegin Rieke hatte neues besorgt. Es lag irgendwo in der Dienststelle herum, die genauso weit entfernt war wie seine Heimatadresse, der Polderweg Nummer zwölf.
Der Langeoog-Express fuhr um diese Uhrzeit nicht mehr.
Also zu Fuß. Über drei Kilometer durch Regen, Wind und Dunkelheit. Mit dem nutzlosen Rad an der Seite.
Er setzte sich in Bewegung. Die Hafenstraße war menschenleer. Das rhythmische Geräusch seiner Fahrradkette begleitete ihn.
Der Wind zerrte an seiner Kleidung, klatschte Regen gegen sein Gesicht, trieb ihm das Wasser in Kragen und Schuhe. Die Sicht wurde schlechter. Straßenbeleuchtung gab es keine.
Was war das für eine Nacht geworden?
Er dachte an Bente. Wie sie wohl gerade in der warmen Küche saß. Vielleicht hatte sie noch Tee aufgesetzt. Sie mochte den mit Anis und Apfelstücken. Vielleicht war Anneke schon wieder da. Oder noch unterwegs. Vielleicht …
Ein grelles Zucken riss den Himmel auf, gefolgt vom dumpfen Laut des Donners. Kolbe duckte sich instinktiv. Der Regen kam jetzt in dichten, peitschenden Böen. Seine Jacke klebte an den Schultern, das Fahrrad schob er nur noch wie eine Last durch den Sturm.
Er dachte daran, Bente anzurufen, die vielleicht schon wartete. Er hatte ihr gesagt, dass er spätestens um zehn wieder zurück sein würde. Jetzt war es kurz vor elf. Trotz der widrigen Umstände zückte er mit spitzen Fingern sein Handy aus der Hosentasche und tippte auf Bentes Kontakt.
Er hielt für einen Moment inne, prustete Regenwasser von seiner Oberlippe und lauschte dem Rufzeichen in seinem Gerät. Viermal Läuten … fünfmal …
Kolbe wartete noch ein paar Sekunden, dann trennte er die Verbindung und schob das Telefon in seine nasse Hose zurück. Vielleicht war Bente schon schlafen gegangen. Oder sie schlug sich mit irgendeinem Problem im Haus herum. Wer wusste das schon?
Kolbe packte den Lenker und setzte seinen Weg über die Insel fort, entlang des Flugplatzes, der um diese Zeit nur spärlich beleuchtet war. Die Leiber der Sportmaschinen glänzten im nächtlichen Regen. Er bog von der Hafenstraße in den Polderweg.
Endlich tauchte in der Ferne das vertraute Giebelhaus auf.
Er ließ das Rad am Zaun stehen, griff nach dem Haustürschlüssel, den er mit klammen Fingern aus dem feuchten Stoff seiner Jeans hervorklaubte. Das Schloss klemmte. Oder war es die Nässe, die seine Hand kraftlos machte? Dann – das Einrasten des Schlossriegels.
Kolbe trat ein. Der Wind ließ die Haustür hinter ihm zuschlagen.
Stille. Dunkelheit. Nur das Ticken der Wanduhr.
Und dann – Stimmen.
Er erstarrte.
Nicht eine. Zwei. Eine weibliche Stimme – Bente. Verzweifelt.
Und eine männliche. Rau. Drohend.
Kolbes Muskeln spannten sich.
Einmal, vor Monaten, hatte er geglaubt, jemanden im Haus gesehen zu haben. Einen Schatten in der Küche. Einen flüchtigen Moment, nichts Greifbares. Heute war es anders.
Er stürmte los.
Der Flur dehnte sich wie ein Tunnel.
Er hörte Bentes Stimme, flehend: »Bitte … ich weiß doch nichts mehr …«
Und dann das Scharren eines Stuhls. Eine Bewegung.
Kolbe riss die Küchentür auf – und blieb einen Sekundenbruchteil wie erstarrt stehen.
Bente, zusammengesunken, mit dem Rücken an der Arbeitsplatte. Blass. Zittrig.
Vor ihr ein Mann, hochgewachsen, wettergegerbtes Gesicht, Kapuze vom Regen tropfend. In der Rechten ein Küchenmesser – die lange Klinge auf Bente gerichtet.
Der Mann fuhr herum, die Waffe erhoben.
Kolbe warf sich auf ihn.
Ein Schrei. Metall blitzte auf. Dann krachten die beiden Männer gegen den Küchentisch, rissen ihn mit sich, Gläser gerieten ins Wanken, flogen herunter und zersplitterten am Boden. Eine geöffnete Flasche Weißwein rollte über die Tischkante und zerschellte mit einem klirrenden Laut.
Das Messer fuhr durch die Luft. Kolbe duckte sich, spürte den Luftzug – und dann den brennenden Schmerz am Arm. Der Stoff riss, warmes Blut sickerte in den Ärmel.
»Verdammter Bulle!«, keuchte der Fremde.
Bente Franzen, die das Ganze fassungslos beobachtete, stieß einen spitzen Schrei aus. Ihr Blick irrte durch den Raum, auf der Suche nach etwas, mit dem sie Kolbe zu Hilfe eilen konnte.
Der Inselkommissar rang nach Fassung, wich einem weiteren Hieb aus, packte den Angreifer instinktiv bei den Handgelenken, drückte ihn gegen die Spüle. Der Fremde wehrte sich wie ein wild gewordenes Tier, trat zu, erwischte Kolbe am Oberschenkel.
Ein Handy fiel aus seiner Jackentasche, schlitterte quer durch den Raum – und verschwand unter dem Küchenschrank.
Keiner der drei Anwesenden bemerkte es.
Kolbe rammte die Schulter gegen den Angreifer. Ein Keuchen. Der Griff um das Messer lockerte sich. Mit einem Aufbäumen entriss Kolbe ihm die Waffe – aber zu spät. Der Mann riss sich los, stieß den Kommissar zurück und sprang zur Tür.
Kolbe hechtete hinterher, doch seine Beine gaben nach. Schmerz jagte durch seinen Arm.
Hastige Schritte im Hausflur. Wie ein unheimlicher Trommelwirbel. Die Tür knallte gegen die Hauswand. Wind und Regen peitschten herein.
Kolbe stürzte in den Flur, klammerte sich mit einer Hand am Treppengeländer fest. Sein Atem ging keuchend.
Der Mann war weg. Hinausgerannt in den Regen, in die Dunkelheit.
Nur Bente blieb zurück. Kreidebleich. Ihre Lippen bebten.
»Er … er ist plötzlich hier aufgetaucht.« Ihr fiebernder Blick suchte verzweifelt den seinen.
Kolbe hielt sich die blutende Wunde. Der Regen drang kalt durch die offene Tür.
»Ich hab ihn gesehen«, murmelte er, »damals schon. Und ich habe immer befürchtet, dass er irgendwann zurückkommt.«
Er drehte seinen Kopf in ihre Richtung.
»Warum hast du nicht mit mir darüber gesprochen?«, fragte er monoton, fast emotionslos. »Du hättest tot sein können!«
Kapitel 3
Die Küche roch nach kaltem Tee, Blut und Regen.
Der Sturm hatte sich nicht gelegt, er heulte weiter um das Haus, zerrte an Dachlatten, schlug Regentropfen wie kleine Geschosse gegen die Fenster. Die Küche war spärlich beleuchtet – Kolbe hatte nur die Lampe über dem Tisch angeschaltet, die einen engen Lichtkegel auf die Szene warf: zwei Menschen, vom Chaos gezeichnet.
Bente Franzen saß zusammengesunken auf einem Küchenstuhl. Ihre Finger klammerten sich in ein zerknülltes Papiertaschentuch, das sie ununterbrochen drehte, zerrte, zerquetschte. Ihre Augen waren rot, die Wangen fleckig, die Lippen grau. Sie wirkte wie um Jahre gealtert.
Kolbe stand am Fenster, blickte hinaus, sagte lange nichts. Das gelegentliche Tropfen
