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Alles wegen Aldi: Roman
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eBook355 Seiten3 Stunden

Alles wegen Aldi: Roman

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Über dieses E-Book

Genießen Sie Ihre Liebe in vollen Zügen! "Alles wegen Aldi" von Ela Michl und Jan Freerk jetzt als eBook bei dotbooks.

Er lebt im Norden, sie im Süden – gemeinsam schweben sie auf Wolke 7: Bjarne und Leonie sind ein Traumpaar in einer albtraumhaften Situation. Jedes Wochenende verbringt einer von beiden viel Zeit im Zug quer durch Deutschland, um den anderen zu sehen. Und wenn es dann wieder nach Hause geht, sind noch so viele Worte ungesagt, noch so viele Küsse ungeküsst. Dann bleiben wieder nur SMS und Telefonate, was zu allerlei Missverständnissen führt. Aber: Not macht erfinderisch! Und da wird Leonie mit einem Mal sehr kreativ, wie sie es anstellt, dass sie mehr von ihrem Bjarne hat …

Ein romantisches Buch zum Mitfiebern und Mitlachen! Ela Michl und Jan Freerk gewähren geheime Einblicke in die Köpfe von Frau und Mann und in die Tücken einer Fernbeziehung.

Jetzt als eBook kaufen und genießen: "Alles wegen Aldi" von Ela Michl und Jan Freerk. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
SpracheDeutsch
Herausgeberdotbooks
Erscheinungsdatum15. Sept. 2015
ISBN9783958243149
Alles wegen Aldi: Roman
Autor

Ela Michl

Ela Michl ist das Pseudonym einer erfolgreichen Autorin und Ghostwriterin. Bei dotbooks erschienen bereits „Verschärfte Umstände“ und „Verwendungszweck: Liebe“.

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    Buchvorschau

    Alles wegen Aldi - Ela Michl

    Über dieses Buch:

    Er lebt im Norden, sie im Süden – gemeinsam schweben sie auf Wolke 7: Bjarne und Leonie sind ein Traumpaar in einer albtraumhaften Situation. Jedes Wochenende verbringt einer von beiden viel Zeit im Zug quer durch Deutschland, um den anderen zu sehen. Und wenn es dann wieder nach Hause geht, sind noch so viele Worte ungesagt, noch so viele Küsse ungeküsst. Dann bleiben wieder nur SMS und Telefonate, was zu allerlei Missverständnissen führt. Aber: Not macht erfinderisch! Und da wird Leonie mit einem Mal sehr kreativ, wie sie es anstellt, dass sie mehr von ihrem Bjarne hat …

    Ein romantisches Buch zum Mitfiebern und Mitlachen! Ela Michl und Jan Freerk gewähren geheime Einblicke in die Köpfe von Frau und Mann und in die Tücken einer Fernbeziehung.

    Über die Autoren:

    Ela Michl ist das Pseudonym einer erfolgreichen Autorin und Ghostwriterin. Bei dotbooks erscheinen außerdem Verschärfte Umstände und Verwendungszweck: Liebe.

    Der unter dem Pseudonym Jan Freerk schreibende Autor ist seit vielen Jahren als freier Schriftsteller und Journalist deutschlandweit unterwegs, bespielt Lese- und Kleinkunstbühnen und hat unter Klarnamen bislang 23 Bücher veröffentlicht.

    Ebenfalls bei dotbooks erschein folgender Roman:

    Rendezvous bei Aldi

    ***

    Neuausgabe August 2015

    Copyright © der Originalausgabe 2009 Piper Verlag GmbH, München

    Copyright © der Neuausgabe 2015 dotbooks GmbH, München

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/MarthaP

    E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

    ISBN 978-3-95824-314-9

    ***

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    Ela Michl & Jan Freerk

    Alles wegen Aldi

    Roman

    dotbooks.

    Kapitel 1

    »Ich kann jetzt nicht!«, rief Leonie und setzte sich im Bett auf. Kommen, dachte sie und sagte es nicht. Irgendwie war auf einmal alles wahnsinnig peinlich. Ihr Gesicht glühte. Das musste sie nicht sehen, das spürte sie. Knallrote Wangen. Spiegel gab es hier keine, sowieso nicht im Schlafzimmer, dies war eine Höhle, sprich Männerbehausung. Wangen wie Ampeln. Das kam vom Sex. Nicht, dass der so gut gewesen wäre. Er war anstrengend, weil Leonie können wollte. Und nicht konnte. Denn in einer Stunde fuhr ihr Zug, und obwohl sie noch nie im Leben einen Zug verpasst hatte, fürchtete sie, es könnte geschehen, und das erschien ihr als dermaßen niederschmetternde Low Performance, dass ein verloren gegangener Orgasmus dagegen harmlos wie ein verlorenes Ei wirkte.

    »Bleib doch noch«, lockte Bjarne und schlug die Bettdecke zurück. Lächelte einladend. Bewegte fast ein wenig lasziv seinen lässigen Luxusleib. Das ärgerte Leonie. Er wusste doch, dass sie gern pünktlich am Bahnhof war. Der Zug um 17:21 Uhr war die letzte Verbindung von Kiel nach München. Den musste sie kriegen. Eigentlich hatte sie eine Stunde vorher fahren wollen. Schließlich war morgen Montag, und da musste sie früh raus, und wenn sie erst um ein Uhr morgens in München ankam, hatte sie nicht mehr viel Zeit zu schlafen. Aber dann hatte Bjarne angefangen. Zuerst mit Küssen. Ja, küssen konnte er. Und auch den ganzen großen Rest. Normalerweise ließ Leonie sich gern verführen, kurz vor Schluss, weil es ein tolles Gefühl war, im Zug zu sitzen mit dieser Glut im Leib und sich relaxt im Abteil umzusehen … wenn ihr wüsstet … und grinsen, grinsen. Und außerdem war das Aufstehen am nächsten Morgen mit dem Funkennest im Bauch gar nicht schlimm, selbst wenn sie nur vier Stunden Schlaf schaffte, weil ja was anderes sie ganz erfüllte, und das wirkte wie die Merz Spezial-Dragees ihrer Tante: Schönheit, die von innen kommt.

    Aber heute! Heute nicht, weil alles viel zu knapp war, und überhaupt war dieses Wochenende nicht so toll gewesen wie die Wochenenden davor. Nur die Küsse. Wie gesagt, küssen konnte er. Und Kaffee kochen. Überhaupt kochen. Bjarne konnte eine Menge, was man ihm auf den ersten Blick gar nicht ansah, weil er eben viel zu gut aussah. Das ärgerte Leonie erst recht. Wie er sich so räkelte, ein Kissen im Rücken, und sie anschaute, einfach nur anschaute. Was er wohl dachte? Ob sie fragen sollte? Nein, das war keine gute Frage jetzt. Es war eine Danach-Frage, die sich eine geschmeidige Antwort verdiente. Als Davor-Frage hisste sie die Flagge zum Angriff.

    Bjarne breitete die Arme aus. Bei jedem anderen hätte das blöd ausgesehen. Ihr Mann von der Hamburg Mannheimer. Bei mir sind Sie sicher. Bei Bjarne sah es unverschämt sexy aus. Leonie war überzeugt davon, dass ihm das gar nicht bewusst war. Genau das war nämlich sein Geheimnis, dass er nicht wusste, wie gut er aussah, während Leonie ganz genau wusste, wie bescheuert sie jetzt aussah mit ihren beiden Ampeln neben der Nase. Obwohl Bjarne nur leicht die Bettdecke hob, rollte sich sein Bizeps apfelrund. Sein Besitzer lächelte und zeigte sein kerngesundes, kräftiges blitzendes Raubtiergebiss. Unangebracht fand Leonie das. Er konnte schließlich liegen bleiben. Sie musste los. Sie hatte fast acht Stunden Zugfahrt in gnadenlos überfüllten Zügen vor sich, und wenn sie Pech hatte, kam sie gar nicht an, weil sie ihre Anschlusszüge versäumte oder die einfach ausgefallen waren, weil irgendwo Schrauben locker sein könnten, für die niemand die Verantwortung übernehmen wollte. Ständig Probleme im Nah- und Fernverkehr.

    Wie schmal seine Hüften waren. Unverschämt schmal. Er trieb viel zu wenig Sport, und trotzdem dieser Körper. Leonie dagegen schuftete sich ab, viel zu selten allerdings, weil sie dauernd hin und her fahren musste. Von München nach Kiel und wieder zurück, und wenn sie am Wochenende nicht bei ihm war, war er oft bei ihr.

    »Bleib doch«, sagte er noch mal, und der Blick aus seinen braunen Augen brannte.

    »Du weißt doch, dass ich …«, begann sie.

    »Ich mein nicht nur jetzt, ich mein, bleib einfach da.«

    »Wie einfach da?«, fragte sie. Ihr Herz klopfte bis zu den Wangen hinauf, die noch eine Spur nachdunkelten, obwohl das kaum möglich war. War das eine Art Heiratsantrag? Meinte er damit, dass sie in Kiel bleiben sollte, dass sie ihre Fernbeziehung beenden würden. Leonie und Bjarne für immer? Ihr Herz schlug bis in die Schläfen. Schnell. Viel zu schnell. Sie kannten sich noch nicht einmal ein halbes Jahr. Wo sollte sie wohnen? In seiner Abstellkammer? Wo sollte sie arbeiten? Als seine Hausfrau? Oder meinte er das volle Programm mit Familie, Eigenheim und Elektrogrill? Was sollte sie jetzt tun? Lächeln? Heulen? Schreien? In Ohnmacht fallen? Einen Lachkrampf kriegen? Ihre beste Freundin anrufen? Einen solchen Antrag abzulehnen, wäre ein nie wieder zu kittender Bruch. Andererseits war es unverzeihlich stillos, zwischen Tür und Angel um eine Hand anzuhalten, die ganz schnell eingequetscht werden könnte, wenn die Tür ins Schloss krachte. Quetschungen waren überaus schmerzhaft und langwierig in der Heilung, und manchmal starb das Gewebe dann sogar ab. Leonie wollte nicht in Kiel bleiben, wo es ständig regnete und kalt und windig war und sie überall blöd angestarrt wurde, weil sie aus einer dialektbelasteten Gegend kam. Dabei redete sie kaum bayerisch. Nur ein ganz kleines bisschen. In München fiel das gar nicht auf, aber hier sagte sie einen halben Satz, und schon wurde gegrinst, besonders Bjarnes Kumpels grinsten, aber nicht für Leonie, sie grinsten ihn an, nach dem Motto: Wo ist der Bedienungsknopf für das gutturale Brummen dieser niedlichen Kreatur, vielleicht am Bauchnabel? Nein, Leonie gehörte in den Süden. Dorthin, wo die Menschen schau ma moi sagten, was ihren offenen Horizont zeigte, dorthin, wo alles möglich war – und das wussten sie, weil a bissl wos gäht imma. Und außerdem brauchte Leonie es warm, und Italien lockte nur eine schnelle Autostunde entfernt. Na gut, eineinhalb. Okay, zwei. Es lag an ihrem Auto … Aber der Süden war ja nicht aus der Welt … und schließlich gab es hier oben auch Wasser, Nord- und Ostsee, vielleicht brauchte es nur Phantasie, um in ihnen ein Meer zu entdecken … und wer weiß, nach ein, zwei Jahren Kiel würde sie sich eingewöhnt haben, Gummistiefel und Friesennerz erotisch finden und sich von Fisch ohne Stäbchen ernähren, oder sie würden nach München ziehen, natürlich würden sie in München wohnen, das war viel besser, auch für die Kinder, wenn sie irgendwann mal welche hätten, die würden viel seltener an Erkältungskrankheiten leiden, und wenn sie keine Kinder hätten, könnten sie mal hier, mal dort wohnen, Hauptsache zusammen in Italien, denn nur die Liebe zählte.

    »Die werden ja wohl morgen auch ohne dich klarkommen. Du rufst einfach an und meldest dich krank«, sagte Bjarne.

    »Aha«, sagte Leonie. Stromausfall im Gesicht. Kein Saft mehr. Weißer als die Wand fühlte sich ihre Haut an. Das also hatte er mit Bleiben gemeint. Krank machen. Leonie sollte nur jetzt bei ihm bleiben, weil der gnädige Herr das wünschte. Weil es doch gerade so gemütlich war. Für ihn. Weil er es unhöflich fand, wenn sie ihn stehen ließ.

    »Was ist denn schon dabei?«, fragte Bjarne.

    »Ich mach so was nicht!«, rief Leonie. Viel zu laut. Viel zu wild.

    »Leonie Lehmberger, Heldin der Arbeit!«, auch er viel zu laut. Und spöttisch. Das Thema war gefährlich. Sie hatten es schon zwei, drei Mal gestreift in den letzten Wochen. Und gemieden. Vermintes Gebiet. Bjarne, als Selbstständiger, machte sich gern lustig über Knechte und Mägde in Anstellungsverhältnissen. Auch wenn er es abstritt, Leonie hörte den belustigten Unterton genau, sie war ja nicht taub. Einmal hatte sie ihn sogar darauf angesprochen. Schließlich wäre an dieser Haltung beinahe ihr junges Glück gescheitert, weil er sie ganz am Anfang um vier Uhr morgens angerufen hatte. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass es Menschen gab, die um sieben Uhr aufstanden und deshalb um vier Uhr morgens schliefen und mit Herzrasen und Puls über 200 ans Telefon stürzten, weil sie glaubten, ihre Oma sei gestorben.

    Leonie bemühte sich um Ruhe und Sachlichkeit. Doch ihre Stimme zitterte. Hoffentlich hörte er es nicht. »Für mich ist das eine Frage des Anstands, ich melde mich nicht krank, wenn ich nicht krank bin.« Sie räusperte sich. Was redeten sie für einen Mist! Darum ging es doch gar nicht. Warum durfte er nicht hören, dass ihre Stimme zitterte, warum machte er die Arme nicht noch mal auf für sie. Warum war alles plötzlich so starr und kalt und … fast feindlich.

    »Du kriegst viel zu wenig Kohle für den Job«, argumentierte er weiter.

    »Darum geht es doch gar nicht!«, rief Leonie schon wieder viel zu laut und sprang aus dem Bett. Sie sammelte ihre Klamotten ein, aus denen er sie vorher geschält hatte, mit Küssen und kleinen Bissen, und hielt sie vor die Brust, auf einmal so schutzlos und verletzlich, und ging ins Bad, das große Heulen im Bauch. Regen trommelte an das schmale Fenster zum Hof. Sie ließ die Dusche laufen. Es dauerte. Immer dauerte es so lang bei ihm, bis heißes Wasser kam. Das war ihm egal. So vieles war ihm egal, was Leonie wichtig war. Zum Beispiel Klamotten. Oder Italien. Auch Katzen waren ihm egal, und er interessierte sich null für Eiskunstlauf. Und wenn er so viel mehr verdiente als Leonie, dann konnte er es sich doch wohl leisten, den Boiler entkalken zu lassen!

    Noch knapp fünfzig Minuten. Sie könnte jetzt zu ihm gehen. Spielerisch ein Kissen nach ihm werfen oder irgendwas Nettes sagen. Schließlich würde sie gleich nach Hause fahren, und es belastete sie, sich aus einer Meinungsverschiedenheit heraus zu verabschieden, aber Leonie hatte überhaupt keine Lust, schönes Wetter zu machen. Er nahm ihren Job nicht ernst. Er sprach über ihre Arbeit, als wäre es völlig egal, was sie machte. Sie war ersetzbar, und was war das auch schon, Kundenberaterin in einer Druckerei, auch wenn auf ihrer Visitenkarte Client Management stand. Bjarne arbeitete freiberuflich. Das war was. Das war wichtig. Da war man kein Knecht oder Sklave, sondern Herr über das eigene Leben, und zwar rund um die Uhr und am besten auch noch Herr über Leonies Leben, die jetzt bleiben sollte, damit sie weitermachen konnten. Okay, wenn Leonie ganz, ganz ehrlich war, dann liebte sie ihren Job nicht so, wie sie vorgab, aber das behauptete sie automatisch, wenn Bjarne stichelte. Seine Sticheleien verwandelten ihre Kolleginnen und Kollegen in großartige, charismatische Menschen, mit jedem Einzelnen wäre Leonie am liebsten engstens befreundet, ein solcher Gewinn war ihre Bekanntschaft, und überhaupt war alles wunderbar, und sie vergaß dann vorübergehend, dass sie viel lieber als Fitnesstrainerin arbeiten würde, freiberuflich. Und überhaupt: Wieso sollte sie bei ihm bleiben, wenn sie einen Job in München hatte und er selbstständig in Kiel war?

    »Deinetwegen werd ich nicht zur Lügnerin!«, fuhr Leonie Bjarne an, als sie fünf Minuten später vor ihm stand in ihrem neuen Supermini in Herbstfarben über den Ockerstrümpfen und dem tief ausgeschnittenen Shirt. Alles neu. Hatte er nicht mitgekriegt. Na gut, sie wohnten nicht zusammen, er bediente ihre Waschmaschine nicht und hatte sich noch nie in ihrem Kleiderschrank versteckt. Aber sie hatte den Rock für ihn gekauft, weil er Röcke lieber als Hosen mochte, das hatte er mal in einem Nebensatz preisgegeben. Und Leonie spurte. Traf sich am Donnerstagabend mit Steffi, um auf die Jagd nach einem Rock zu gehen, den sie schon im dritten Shop fand. Steffi war auch so begeistert, dass sie sich denselben in Blautönen angeschafft hatte. Und er merkte es nicht mal. Er brauchte auch keine Klamotten. Er lag noch immer im Bett. Noch immer in dieser Pose, Siegerpose, und seine Haut schimmerte so weich, und eigentlich war die Siegerpose gar keine, richtig lieb schaute er jetzt aus und traurig, wie immer, wenn der Abschied bevorstand, da kriegte er so eine kleine Falte auf der Stirn, die küsste Leonie am allerliebsten, aber jetzt wollte sie die nicht mal sehen. Sie verpasste ihr geistig eine Botoxspritze und stemmte die Hände in die Hüften.

    »Kriegst du deine Tage?«, fragte er. Anscheinend hatte sie falsch dosiert, nicht nur seine Haut, sondern auch noch sein Gehirn gelähmt, denn das war so ungefähr die gefährlichste Frage, die er jetzt stellen konnte.

    Lächle und wirf ein Kopfkissen, sagte eine Stimme in Leonie. Sag was Liebes, bat die Stimme. Er meint es nicht so, behauptete die Stimme. Er ist ein Mann. Du kannst nicht von ihm erwarten, dass er seine Gefühle in Worte kleidet. Das ist nicht vorgesehen in seinem Bausatz. Du rechnest doch auch nicht damit, dass dir ein Fahrscheinautomat ein Kompliment macht. Doch in ihr war nichts Liebes. Bloß gefrorene Traurigkeit. Sonntagabend.

    »Was gibt’s denn nächste Woche bei Aldi Süd?«, fragte Bjarne. Ein klein wenig unsicher sah er aus.

    »Keine Ahnung«, knurrte Leonie, und nun war er alarmiert, denn diese Frage war eigentlich eine Liebeserklärung, schließlich hatten sie sich bei Aldi kennengelernt, bei Aldi Süd, um genau zu sein; wo Leonie wohnte, gab es nur Aldi Süd, bei Bjarne regierte Aldi Nord, und da prangten andere Produkte im Angebot, wie sie mittlerweile herausgefunden hatten. Bjarne sprang aus dem Bett. Blieb vor ihr stehen. Groß. Breitschultrig. Schmalhüftig. Und unglaublich erotisch, was Leonie noch mehr ärgerte, weil die Traurigkeit immer tiefer einfror.

    »Ich fahr dich natürlich zum Zug!«, beschloss Bjarne.

    »Nein danke«, erwiderte Leonie, und alle Vorsätze von wegen schönes Wetter machen lösten sich in Luft auf. Sie riss ihre Tasche an sich, die schon gepackt neben der Tür stand, und rannte die Treppe hinunter.

    »Leonie!«

    »Ich darf den Zug nicht versäumen!«, rief sie zurück.

    »Leonie! Warte doch!«

    »Das passt schon so! Es ist okay für mich!«

    »Mit dem Auto sind wir viel schneller!«

    Die Nachbarin aus dem Erdgeschoss öffnete die Tür. Sie wohnte seit 43 Jahren in diesem Haus und wusste alles, und das, was sie nicht wusste, reimte sie sich zusammen.

    »Fahren Sie schon?«, fragte sie Leonie, die schon an der Haustür angekommen war. Wie immer, wenn sie mit ihr sprach, riss sie dabei ihren Mund bis zu den Jochbeinen auf, damit Leonie sie verstehen konnte, weil Leonie ja aus einem Bundesland kam, wo die Einwohner gemeinsam mit Affen auf Bäumen hockten und Bananen schälten.

    »Leonie!«, noch mal Bjarne, ein Tarzanschrei, und dann polterte es los – stürzte er die Treppen runter … nein, er hatte sich ins Leintuch gewickelt.

    Das sah so witzig aus, dass Leonie fast gelacht hätte. Fast. Aber eben nur fast. Heute war ein Fast-Tag. Sie schaffte es nicht. Aber sie gönnte der Nachbarin auch keine Inspiration für ihre kruden Reime, und so nahm sie drei Treppenstufen auf einmal, drückte Bjarne einen Kuss auf den Mund – so weiche Lippen, so warme, weiche Lippen – und rannte dann zurück. Raus auf die Straße. Riss im Rennen ihr Handy aus der Handtasche. Rief die beste aller Freundinnen an. Rannte weiter mit brennenden Lippen und erzählte Steffi all das, was sie Bjarne nicht erzählt hatte.

    »Renn doch nicht so!«, sagte Steffi, »du hast noch Zeit bis zum Zug, er wohnt in der Nähe vom Bahnhof, oder?«

    Aber Leonie musste rennen. Musste sogar immer schneller rennen, um die warme Weichheit seiner Lippen in den Wind zu streifen und weil es ihr gar nicht gefiel, was Steffi sagte, nämlich dass Leonie davonlief.

    Leonie lief aber nicht davon, Leonie musste zum Zug; wenn sie den um 17.21 Uhr verpassen würde, dann würde sie wirklich hier bleiben müssen. Und dann war der Akku leer. Sie hatte vergessen, das Handy übers Wochenende auszuschalten. »Steffi!!!«, rief Leonie. Keine Antwort. Sie schüttelte das Handy, doch nicht mal mehr ein Steffiräuspern fiel heraus. Gerade jetzt. Mutterseelenallein in Kiel. Wenigstens erreichte sie den Bahnhof rechtzeitig. Viel zu früh sogar.

    Sie hatte mehr Zeit, als für einen Quickie nötig gewesen wäre, und kaufte sich einen Kaffee bei McDonald’s, damit sie sich dort verstecken konnte. So hatte sie einen wunderbaren Aussichtsposten, und wenn Bjarne doch noch kommen sollte, womit sie fest rechnete, würde sie ihn gleich sehen. Mit quietschenden Reifen würde er quer über den Platz rasen und direkt vor dem Eingang schräg auf dem Trottoir parken, die Fahrertür aufreißen und …

    »Milch und Zucker?«

    »Nur Milch bitte, danke.«

    Oder er würde mit dem Fahrrad kommen, noch immer in das Leintuch gewickelt, das hinter ihm her wehen würde wie eine weiße Fahne, wie ein … Brautschleier.

    Keine Sekunde wollte er verlieren, weil er doch wusste, dass der Zug ihm Leonie gleich wieder wegreißen würde. Das hatte er mal gesagt, dass er Züge nicht leiden könne in der Woche, wenn Leonie zu ihm kam, und sie liebte, wenn er zu ihr fuhr, weil Züge Freud und Leid spendeten, gaben und nahmen, so hatte er, wie es seine Art war, angefangen laut zu denken, wie Leonie es liebte, wenn sie mit ihm im Bett lag, sein Profil im Dämmerlicht, und er ihr erzählte aus seinen verschrobenen Gedankenräumen, so hatte er es mal genannt, dass nämlich Gott sich in Wirklichkeit in den Zügen offenbare.

    Und vielleicht würde Leonie ja wirklich bleiben, wenn er sie jetzt holen würde mit dem Fahrrad, sie könnte sich vorne auf die Stange setzen, das hatten sie mal gemacht, es war sehr lustig gewesen, besonders als sie stürzten, wie er da ihren Namen gerufen hatte: »Leonie!!!!«, so als sei sie schwer verletzt, und sie war noch ein bisschen liegen geblieben und hatte das Gesicht schmerzlich verzogen, weil es so schön war zu sehen, wie er sich um sie sorgte. Ganz am Anfang war das gewesen, bei ihrem ersten Besuch in Kiel vor ungefähr fünf Monaten.

    … Aber wenn er jetzt kommen würde, wo blieb er denn, warum kam er nicht … wenn er jetzt auftauchen würde, mit wehender Fahne, und sie an sich reißen, Leonie! Da würde sie »Ja« hauchen und einfach mit ihm gehen, zurück in seine Höhle, und es würde ganz egal sein, dass sie den Zug verpasste, und sie würde morgen im Job anrufen, ganz früh morgens, noch ehe sie ein Wort gesprochen hätte, die Nacht wäre kurz gewesen und ihre Stimme würde sehr belegt klingen. Sie würde einen Zug am Vormittag nehmen und könnte sich dann abends sogar noch eine Krankmeldung besorgen, montags hatte ihre Hausärztin bis 19 Uhr Sprechstunde. Ja, so war es gut. So war es ganz wunderbar. Wo blieb Bjarne bloß?

    Bjarne kam nicht.

    Der Zug war voll. Proppenvoll. Die Züge

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