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20 Minuten Leselust - Band 2: 10 packende Krimis
20 Minuten Leselust - Band 2: 10 packende Krimis
20 Minuten Leselust - Band 2: 10 packende Krimis
eBook266 Seiten3 Stunden

20 Minuten Leselust - Band 2: 10 packende Krimis

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Über dieses E-Book

Jetzt wird es spannend! "20 Minuten Leselust" jetzt als eBook bei dotbooks.

Das ist LESELUST: Ob im Wartezimmer Ihres Hausarztes, während der Pediküre oder bis der Lieferservice kommt – jeder dieser zehn packenden Kurzkrimis jagt Ihnen in weniger als 20 Minuten einen Schauer über den Rücken!
In diesem Band muss ein Magier tief in die Trickkiste greifen, um die Unschuld seiner großen Liebe beweisen zu können. Eine Kommissarin soll einen Mord aufklären, in den ihr neuer Lover verstrickt ist, und eine ahnungslose Ehefrau wird nachts von den Anrufen der Geliebtes ihres Mannes gequält – doch irgendetwas geht da nicht mit rechten Dingen zu … Lassen Sie sich fesseln!

Jetzt als eBook kaufen und genießen: "20 Minuten Leselust". Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
SpracheDeutsch
Herausgeberdotbooks
Erscheinungsdatum24. März 2016
ISBN9783955206987
20 Minuten Leselust - Band 2: 10 packende Krimis
Autor

Barbara Gothe

Barbara Gothe, Jahrgang 1960, lebt in Reinbek vor den Toren Hamburgs und arbeitet seit vielen Jahren als Redakteurin und Herausgeberin. Bei dotbooks brachte sie bereits die Geschichtensammlungen »Sternenstaub und Weihnachtswunder. Zauberhafte Adventsgeschichten«, »Das Glück im Gepäck«, sowie verschiedene Bände der »Leselust«-Reihe heraus.

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    Buchvorschau

    20 Minuten Leselust - Band 2 - Barbara Gothe

    Über dieses Buch:

    Das ist LESELUST: Ob im Wartezimmer Ihres Hausarztes, während der Pediküre oder bis der Lieferservice kommt – jeder dieser zehn packenden Kurzkrimis jagt Ihnen in weniger als 20 Minuten einen Schauer über den Rücken!

    In diesem Band muss ein Magier tief in die Trickkiste greifen, um die Unschuld seiner großen Liebe beweisen zu können. Eine Kommissarin soll einen Mord aufklären, in den ihr neuer Lover verstrickt ist, und eine ahnungslose Ehefrau wird nachts von den Anrufen der Geliebtes ihres Mannes gequält – doch irgendetwas geht da nicht mit rechten Dingen zu … Lassen Sie sich fesseln!

    Über die Herausgeberin:

    Barbara Gothe, Jahrgang 1960, lebt in Reinbek vor den Toren Hamburgs und arbeitet seit vielen Jahren als Redakteurin und Herausgeberin.

    Bei dotbooks brachte sie bereits die Geschichtensammlung Sternenstaub und Weihnachtswunder. Zauberhafte Adventsgeschichten sowie weitere Leselust-Bände heraus.

    ***

    Originalausgabe April 2016

    Copyright © 2015 dotbooks GmbH, München

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Titelbildgestaltung: Titelbildgestaltung: © Tanja Winkler, Weichs

    Titelbildabbildung: Ezio Gutzemberg - Fotolia.com

    E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

    ISBN 978-3-95520-698-7

    ***

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    Inhalt

    Gefährliche Reise ins Gestern

    Der Trick des Magiers

    Der Hinker

    Geliebter Mörder

    Heiße Ware

    In der Falle

    Jeder ist zu allem fähig

    Kein unbeschriebenes Blatt

    Nächtlicher Anruf

    Verlorene Töchter

    Lesetipps

    Alina Lenzer

    Gefährliche Reise ins Gestern

    Kurzkrimi

    dotbooks.

    Für Andrea Bruckmann bricht eine Welt zusammen: Ihr Mann Michael hat sie betrogen! Zwar scheint er den Seitensprung zu bereuen, aber kann sie ihm noch glauben? Überstürzt flieht sie aus der Verwirrung ihrer Gefühle, fährt nach Italien, dorthin, wo sie früher sehr glücklich gewesen war. Doch sie gerät in eine Falle …

    ***

    Mit weichen Knien sank Andrea Bruckmann auf das frisch gemachte Bett, der Herzschlag schnell und schwer, wilder Aufruhr im Kopf. Zugleich fühlte sie sich sonderbar ruhig, wie losgelöst. Wie schnell es doch gehen kann, dachte sie fast verwundert: In der einen Minute kommt man in sein Schlafzimmer, macht summend das Bett, räumt herumliegende Sachen auf – und in der nächsten sitzt man mitten in den Scherben seiner Ehe, und die Möbel stehen um einen herum, fremd wie Menschen, die man früher vor langer Zeit mal gekannt hatte.  

    Der Brief in ihrer Hand zitterte, aber nicht so sehr, dass sie die Worte nicht hätte lesen können, zum vierten Mal? Zum fünften?

    »… traumhafte Nacht voller Leidenschaft, die alles erfüllte, wonach wir beide uns schon so lange gesehnt haben …«

    Es gab keinen Spielraum für Deutungen: Michael hatte sie betrogen. Mit einer, die Nadine hieß und schwülstige Liebesbriefe auf Memo-Zettel schrieb, solche mit dem Briefkopf der Firma, bei der Michael arbeitete. Jetzt kam der Schmerz, die Wut. Und die Tränen. Andrea ließ den Brief fallen, drückte die Hände vors Gesicht.

    Achtzehn Jahre Ehe. Zwei Kinder, Max und Anna, siebzehn und fünfzehn Jahre alt.

    Ein getigerter Kater, Carlo, der ihnen zugelaufen war, kurz nachdem sie in das Haus hier gezogen waren. Ihr Haus, ihr eigenes kleines Haus, das Ergebnis nächtelanger Beratungen und Berechnungen, ihr Stolz, ihr gemütlicher, sicherer Hafen. Ja, von wegen.

    Andrea schluchzte auf. Im selben Moment wurde die Tür aufgerissen, Michael stürzte herein. »Andrea? Ich … oh.«

    Hastig wandte sie sich ab, würgte das Weinen hinunter, wischte die Tränen vom Gesicht, stand auf. Sie bückte sich, hob das Sakko auf, das ihr entglitten war, als sie den Brief darin gefunden hatte, legte es achtlos aufs Bett und wollte an ihrem Mann vorbei aus dem Zimmer. Doch der hielt sie an den Schultern fest.

    »Andrea, bitte! Es ist nicht so, wie du denkst!« Er war ganz blass geworden, und seine Stimme klang rau. »Du musst mir glauben!«

    Mit einem Ruck machte sie sich los. Es tat weh, ihn anzusehen, Verlegenheit und Schuldbewusstsein in seinen Augen zu lesen. »Wohl kaum, nach dem da.«

    Mit dem Kinn deutete sie auf den Memo-Zettel mit den verräterischen Zeilen auf dem Boden.

    »Nein! Ich sage doch, es ist nicht so, wie du denkst!«, begehrte er auf.

    Jetzt wandte sie sich ihm voll zu, sah ihn fest an. »Ist es nicht? Hast du mit dieser Frau geschlafen oder nicht?«, fragte sie direkt.

    Sein Zögern war Antwort genug. Ohne ein weiteres Wort ließ sie ihn stehen und verließ das Schlafzimmer.

    Auch das Wohnzimmer schien ihr plötzlich fremd. Hier schlief Carlo, ahnungslos zusammengerollt im Sonnenschein, der nun im Vorfrühling endlich wieder wärmer durch die großen Fenster fiel. Da stand die Couch mit der weichen Decke, in die sie sich noch gestern Abend beim Fernsehen gekuschelt hatte, zufrieden in Michaels Arm geschmiegt. Aus. Alles aus.

    Michael kam hinter ihr her. »So hör doch! Bitte, Andrea, hör mir zu! Ja, es stimmt, ich habe mit Nadine geschlafen. Aber nur einmal, ein einziges Mal! Wirklich!« Er streckte die Hand nach ihr aus, doch sie wich zurück.

    »Nicht.« Abwehrend hob sie beide Handflächen. »Lass mich in Ruhe. Ich will nichts davon hören. Warum bist du nicht in der Arbeit? Du warst doch schon auf dem Weg dorthin!«

    Noch während sie das sagte, wurde ihr klar, was geschehen sein musste: Auf der Fahrt ins Büro hatte er sich wohl daran erinnert, dass er den Brief in seinem Sakko vergessen hatte, das heute in die Reinigung sollte. Er wusste, dass sie vorher stets alle Taschen ausräumte. Deshalb war er umgekehrt. Zu spät … Der Ausdruck in seinem Gesicht sagte ihr, dass ihre Vermutung richtig war.

    »Geh«, stieß sie hervor. 

    »Lass mich dir doch erklären!«, bat Michael nochmals. »Können wir nicht darüber reden, bitte?«

    »Nein!«, sagte Andrea schrill. »Verschwinde endlich!« 

    Er zögerte. Seufzte. »Wie du willst.«

    Seine Schritte entfernten sich. Die Haustür klappte. Dann sprang der Wagen an.  Mit hängenden Schultern blieb Andrea stehen, hörte zu, wie sich das Motorengeräusch entfernte, leiser wurde. Als es schließlich ganz verklungen war, begannen ihre Tränen wieder zu fließen.

    Was jetzt? Wie sollte es nun weitergehen? Konnte es überhaupt weitergehen?

    Und die Kinder, was sollte sie nur den Kindern sagen! Wie würden die reagieren, wenn sie sich von Michael scheiden ließ? Denn dazu würde es nun natürlich kommen. Oder nicht?

    Den ganzen Vormittag über drehten sich die Gedanken in ihrem Kopf zu quälenden Fragen, auf die sie keine Antworten wusste, vor deren Antworten sie sich fürchtete.

    Irgendwann, kurz vor Mittag, zerriss etwas in ihr. Kurz entschlossen holte sie eine Reisetasche aus dem Flurschrank, packte im Schlafzimmer hastig ein paar Sachen ein. Der Text auf den Zetteln, die sie ein paar Minuten später Anna und Max auf ihre Schreibtische legte, kostete sie mehr Überlegung. Aber schließlich war auch das geschafft, und sie nahm Jacke, Handtasche und Autoschlüssel und verließ das Haus.

    München lag bereits ein ganzes Stück hinter ihr, als sie sich fragte, warum sie nicht einmal daran gedacht hatte, Doro anzurufen …

    ***

    Michael dagegen dachte sofort an Doro, als er am späten Nachmittag heimkam. Den ganzen Tag hatte er gegrübelt, wie er Andrea diese dumme Sache erklären sollte, sie dazu bringen konnte, ihn wenigstens anzuhören. Dass sie nicht da sein könnte, wenn er heimkam, war ihm überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Doch statt seiner Frau empfing ihn seine Tochter, mit einem Kochlöffel in der Hand, von dem Tomatensauce auf die Bodenfliesen tropfte.

    »Hallo, Paps. Weißt du, wohin Mama abgehauen ist?«

    »Abgehauen?«, stotterte Michael verwirrt. »Was meinst du mit abgehauen?«

    »Na, eben weg!«, erklärte Anna und kehrte zurück an den Herd, wo in einem Topf wild blubbernd Spaghettisauce kochte. »Sie hat bloß geschrieben, sie brauche mal eine Auszeit!«

    Michaels Herz tat einen erschrockenen Sprung. »Eine Auszeit …?«

    »Genau«, ertönte hinter ihm Max’ Stimme. Der Siebzehnjährige schwenkte einen kleinen Zettel. »Sie schreibt, sie möchte mal allein sein, weil sie nachdenken muss, aber da steht nicht, wo!«

    »Und nicht, wann sie zurückkommt«, fuhr Anna fort. »Hoffentlich bleibt sie nicht so lange; meine grüne Bluse ist in der Wäsche, aber ich brauche sie Dienstag.«

    »Dann wäschst du sie am besten selbst«, sagte Michael und deutete auf die roten Flecken am Boden. »Und wisch die Schweinerei da weg, bevor einer darauf ausrutscht!«

    Damit verließ er eilig die Küche. Schreck, Ärger und Schuldbewusstsein machten ihm die Brust eng. Eine Auszeit, was hatte das zu bedeuten? Ein kurzer Blick auf seinen Schreibtisch zeigte ihm, dass er selbst keinen Zettel von Andrea bekommen hatte …

    Er zog sorgfältig die Tür hinter sich zu, ehe er zum Hörer griff und Dorothea, Andreas beste Freundin anrief. 

    »Bei mir? Nein, ist sie nicht. Heißt das, du weißt nicht, wo sie ist?«, fragte die sofort zurück. Und holte prompt die ganze Geschichte aus Michael heraus.

    »Na, prächtig. Kein Wunder, dass sie weg ist«, sagte sie schließlich trocken. »Ist ja auch echt ein Ding, was du dir da geleistet hast.«

    »Ich weiß«, gab er unglücklich zu. »Und es tut mir ja auch schrecklich leid. Es war doch nur dieses eine Mal beim Betriebsfest. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich wollte es eigentlich gar nicht, aber dann … Ich wollte es Andrea erklären, aber sie hat einfach nicht zugehört. Und jetzt ist sie weg, und ich weiß nicht, wohin!«

    »Papa! Wenn du Spaghetti willst, die sind fertig!«, kam Annas Stimme von unten. »Papa?«

    »Ja, ja, bin gleich da!«, rief Michael zurück und wandte sich wieder an Doro. »Hast du vielleicht eine Idee, wo Andrea sein könnte? Bitte, Doro! Ich will doch nur eine Chance, mit ihr zu reden!«

    »Italien«, vermutete Dorothea sofort. »Wahrscheinlich fährt sie nach Pontremoli.«

    »Pontremoli!«, wiederholte Michael verdutzt. »Ist das nicht der Ort, wo ihre Großmutter herkommt?«

    »Genau. Sie hat mir mal erzählt, als Kind habe sie da einen geheimen Lieblingsplatz im Wald gehabt, wo sie stundenlang sitzen und träumen konnte. Wenn ich Andrea wäre, dorthin würde ich jetzt fahren. Wohnt da nicht noch eine Cousine von ihr?«

    »Doch, ja!«, sagte Michael mit neuer Hoffnung. »Die rufe ich gleich mal an. Danke, Doro, du hast mir sehr geholfen.«

    »Na, dann mach, dass ich das nicht bereue!«, schnappte die und legte auf. Und Michael eilte erleichtert in die Küche. Auf einmal hatte er richtig Hunger.

    ***

    Auch Andreas Magen knurrte fordernd. Sie hatte inzwischen Österreich durchquert und fuhr bereits auf italienischen Autobahnen. Zwei Stunden noch bis Pontremoli schätzte sie und überlegte, an einer der Raststätten etwas zu essen. Doch der Sonnenschein war längst kaltem Regen und Dunkelheit gewichen, und als sie schließlich zum Tanken anhielt, kaufte sie nur ein belegtes Brötchen, das sie beim Weiterfahren am Steuer aß. Sie wollte nicht allzu spät ankommen: Außerhalb der Saison blieben die Hotels in Pontremoli abends nicht lange geöffnet.

    Natürlich würde auch ihre Cousine sie aufnehmen, aber Andrea hatte nicht vor, sie zu besuchen, jedenfalls nicht sofort. Was sollte sie ihr sagen? Sie hatte ja nicht einmal mit Doro reden können! Nein, erst einmal brauchte sie Zeit für sich, Ruhe zum Nachdenken, Abstand. Und sie wusste genau den Ort dafür.

    Was Michael jetzt wohl tat? War er erschrocken wegen ihres Verschwindens? Oder … vielleicht sogar froh? Verbrachte er den sturmfreien Abend nun mit dieser Nadine?

    Die Bilder, die ihr Kopf ihr nun vorgaukelte, machten ihr wieder die Kehle eng. Sie biss die Zähne zusammen. Hör auf zu heulen, ermahnte sie sich stumm, konzentriere dich aufs Fahren und denk nicht mehr nach. Dazu ist morgen genug Zeit.

    Das Wetter half ihr dabei. Binnen einer Stunde wurde aus dem Regen ein richtiges Unwetter mit Blitz und Donner, der in den schmalen Tälern der apulischen Alpen, durch die sie nun auf kurvigen Straßen fuhr, doppelt bedrohlich dröhnte. Sintflutartig prasselte der Regen vom Himmel. Bald kamen die Scheibenwischer kaum mehr nach, und schlammige Wasserbäche schossen die Fahrbahn hinunter. Andrea umkrampfte das Lenkrad, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Angestrengt starrte sie auf die schmale Straße, um nur ja die Begrenzungslinien nicht zu überfahren, denn rechts dahinter stieg steil der Berg an und links gähnte der Abhang.

    Schneller zu fahren als Schritttempo wagte sie nicht, zitterte nach einer halben Stunde vor Anspannung schließlich am ganzen Körper. Wenn nur endlich eine Ortschaft käme! Doch Molinello lag bereits ein ganzes Stück hinter ihr, und bis zur nächsten Ansiedlung war es noch weit.

    Dann tauchte plötzlich Licht in der Dunkelheit vor ihr auf. Die Straße weitete sich ein wenig und Andrea erkannte die Umrisse eines Hauses, das eng an den Felsen gebaut war. Eines der Fenster war erleuchtet!

    »Gott sei Dank!«, murmelte sie erleichtert. Sie fuhr den Wagen ganz nahe an das Haus, um die Straße nicht zu blockieren, sprintete mit hochgezogenen Schultern durch den Regen zur Haustür und klopfte heftig.

    Nichts geschah. Oder hatte sich da der Vorhang bewegt in dem Fenster neben der Tür? Andrea klopfte nochmals, mit der ganzen Faust diesmal. Und nun drehte sich tatsächlich ein Schlüssel im Schloss, und die Tür ging auf.

    Im Flur stand ein dunkelhaariger Mann um die Dreißig, schätzte sie, sah sie fragend an und sagte etwas auf Italienisch. Das brachte Andrea zu Bewusstsein, dass die Verständigung schwierig werden könnte. Dies war ja kein Hotel, wo man mehrere Sprachen verstand!

    »Scusi«, rief sie, um Wind und Regen zu übertönen. »Ich brauche Hilfe! Sono Tedesca – ich bin Deutsche. Verstehen Sie mich?«

    Zu ihrer maßlosen Erleichterung begann der Mann zu lächeln. »Si«, sagte er, »ich sprechen Deutsch, ein wenig. Sie kommen herein!« Er trat einen Schritt zurück.

    Andrea  nickte. »Sehr gern. Ich will nur den Wagen abschließen und …«

    »No, no«, winkte er ab, ergriff ihren Arm und zog sie ins Trockene. »Ich mache. Sie geben Autoschlüssel.« Als sie zögerte, lächelte er wieder und setzte hinzu: »Ich fahren Auto weg von Straße. Hinter Haus. Kann Unfall geben, wenn bleibt stehen da. Sie gehen in Zimmer«, er deutete den Flur entlang nach hinten, »ist warm.«

    »Aber meine Tasche, mein Gepäck …«

    »Ich bringe«, versprach er und streckte wieder die Hand aus. Nach einem letzten Zögern reichte sie ihm den Schlüssel. Warum auch nicht, bei diesem Wetter konnte selbst der entschlossenste Dieb nicht darauf hoffen, mit seiner Beute zu entkommen. Er nickte lächelnd. »Gut. Sie gehen in Zimmer. Ich bin zurück presto.«

    Damit verließ er das Haus. Unschlüssig sah sich Andrea um. Der nur schwach erhellte Flur roch muffig, irgendwie alt. Am anderen Ende stand die Tür zu einem Zimmer offen. Die Einrichtung war schäbig: ein Tisch mit drei Stühlen, eine abgewetzte Couch, ein alter Fernseher, vor dem ein Schaukelstuhl auf einem Flickenteppich stand. Auch die Vorhänge wirkten verschossen. Aber es war warm, hell und vor allen Dingen trocken. Andrea setzte sich auf den Schaukelstuhl und fuhr sich durch das nasse Haar. Sie fühlte sich müde, ausgelaugt, in ihrem Kopf herrschte Leere. Deutschland, Michael, ihre kaputte Ehe – all das schien unendlich weit weg. Im Augenblick gab es nichts als dieses Haus, dieses Unwetter, den hilfsbereiten Fremden.

    Eine Weile genoss sie das Gefühl der Sicherheit, warm und trocken in einem Haus zu sitzen statt draußen durch dieses Unwetter zu fahren. Doch irgendwann wurde sie unruhig. Wo der Mann nur blieb? Vielleicht war es schwierig, den Wagen hinter das Haus zu bugsieren. Soweit sie gesehen hatte, war hier überhaupt nur wenig Platz. Hoffentlich gab das keine Dellen! Und hoffentlich konnte sie vom neuen Standplatz gut wegfahren, wenn das Schlimmste vorbei war!

    Gerade, als sie überlegte, nach vorn zu gehen und nachzusehen, hörte sie ihn zurückkommen. Die Tür quietschte ein wenig in den Angeln, er polterte im Flur, dann wurde der Schlüssel wieder herumgedreht.

    »Alles da«, rief er und brachte ihr Gepäck und Handtasche ins Wohnzimmer. Sogar ihre Jacke hatte er dabei. Nur sein Lächeln schien er verloren zu haben. Jetzt wirkte er sonderbar angespannt und ärgerlich.

    »Vielen Dank!«, sagte Andrea ein wenig verunsichert. Er nickte kurz, wandte sich ab und starrte aus dem Fenster. Schweigen entstand. Das Gewitter schien ein wenig nachgelassen zu haben, die Blitze kamen seltener, und es dauerte länger, bis der Donner folgte. 

    »Sieht aus, als ob sich das Wetter beruhigt«, brach

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