The Silver Knight: Die Chroniken des Hohlen Hügels I
Von Bonnie Venin
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Über dieses E-Book
Als Erin nach Brescath zieht, ist sie alles andere als begeistert. Das verschlafene Dorf im Süden Irlands hat der 16-jährigen nicht viel zu bieten. Der einzige Trost weit und breit scheinen ihre Kindheitsfreunde Ryan und Hope zu sein. Eines Nachts stoßen die drei auf ein uraltes Geheimnis, das viele Fragen aufwirft – wer lebt unter dem Hügel mitten im Wald? Und was ist mit Erins Onkel geschehen, der vor vielen Jahren aus Brescath verschwunden ist? Schon bald muss Erin feststellen, dass an diesem Ort nichts so ist, wie es zu sein scheint. Nicht der Wald, nicht ihre Familie und noch nicht einmal der schüchterne Hope...
Bonnie Venin
Bonnie Venin wurde 1997 geboren und verliebte sich schon früh in die Welt der Worte. Schon als Kind schrieb sie zuversichtlich den Berufswunsch »Schriftstellerin« in sämtliche Freundebücher; nebenbei fraß sie sich mit Leidenschaft durch alle Romane, die in ihre Reichweite gelangten, und durchstreifte phantastische Welten von Hogwarts bis Tír na nÓg. Heute lebt sie mit ihrer Familie im Münsterland, und wenn sie nicht gerade in einer Vorlesung oder auf einem Spielplatz sitzt, geht sie nach wie vor ihrer größten Leidenschaft, dem Schreiben, nach.
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Buchvorschau
The Silver Knight - Bonnie Venin
Bonnie Venin
The Silver Knight
Die Chroniken des Hohlen Hügels I
The Silver Knight
Die Chroniken des Hohlen Hügels I
© 2025 Bonnie Venin
© Cover- und Umschlaggestaltung: Juliana Fabula | Fabula Coverdesign – www.julianafabula.de/grafikdesign
Unter Verwendung folgender Stockdaten: shutterstock.com: Pongstorn Pixs, michelaubryphoto, supasart meekumrai, Anastelfy, Ironika; freepik.com
Illustrationen & Layout: Bonnie Venin
Digitale Nachbearbeitung: Leyla Akpinar
Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:
tredition GmBH, An der Strusbek 10, 22926, Ahrensburg, Germany
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen und Übersetzungen. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung Impressumservice
, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Für Sara,
die von Anfang an an diese Geschichte geglaubt hat.
Away with us he's going,
The solemn-eyed:
He'll hear no more the lowing
Of the calves on the warm hillside
Or the kettle on the hob
Sing peace into his breast,
Or see the brown mice bob
Round and round the oatmeal chest.
For he comes, the human child,
To the waters and the wild
With a faery, hand in hand,
For the world's more full of weeping than he can understand.
— W. B. Yeats, The Stolen Child
Kapitel eins
Brescath
Es war zwei Uhr morgens, als der Name des Ortes das erste Mal auf den Straßenschildern erschien.
Davor waren sie stundenlang durch die schwarze, alles verschlingende Nacht gefahren. Stürmischer Regen peitschte gegen die Scheiben, obwohl es am Nachmittag noch so warm gewesen war, dass Erin ihre dünne Sommerjacke nach der Schule um die Hüften gebunden hatte. Das war kurz, bevor sie zu Hause ankam und bemerkte, dass das Auto ihres Vaters nicht in der Auffahrt stand.
Mittlerweile kam es ihr vor, es lägen Welten zwischen diesem Moment und dem jetzigen, obwohl in Wirklichkeit keine zwölf Stunden vergangen waren. Ihre Mutter hatte nicht viele Worte über das verloren, was geschehen war, und Erin hatte nicht danach gefragt. Selbst ihr kleiner Bruder hielt den Mund, als spürte auch er ausnahmsweise, dass jetzt nicht der richtige Moment für seine ständige Fragerei war.
Sie alle wechselten nur ein paar bedeutungslose Satzfetzen miteinander; Lloyd spielte auf seinem Nintendo, Erin hörte Musik und beobachtete dabei immer wieder ihre Mutter, die das Lenkrad fest umklammerte und oft aussah, als müsste sie mit viel Mühe Tränen zurückhalten, die ihr über die Wangen zu laufen drohten. Doch sie sprach sie nicht an, obwohl ihr Kopf gefüllt war mit Worten, von denen sie die ganze scheinbar endlose Autofahrt nach Brescath nicht ein einziges über die Lippen brachte.
Brescath. Erin wiederholte den Namen im Kopf, bis er nicht mehr vertraut, sondern nur noch seltsam klang. Er schmeckte nach Schokoladeneis und Erdbeerkuchen, nach Zitronenlimonade und überreifen Äpfeln vom Baum ihrer Großmutter, und roch nach Sommerregen und aufgewühlter Erde.
Sie verband so viele Erinnerungen mit diesem Namen; als Kind hatte es für sie kaum Aufregenderes gegeben als den Wald und die endlosen Weiten der Wiesen. Bis in die Abenddämmerung hatte sie dort mit anderen Kindern gespielt und war schließlich mit völlig verdreckten und kaputten Kleidern heimgekommen – auf den Bauernhof, der für sie mindestens genauso viele Überraschungen bot wie der Wald.
Für ein Kind, das leicht zu begeistern war und voller Neugier steckte, war Brescath ein guter Ort, um dort die Sommerferien zu verbringen. Sie war jedes Jahr mit einem Haufen Geschichten zurückgekehrt, die sie ihren Schulfreundinnen präsentierte wie Heldentrophäen. Doch jetzt, wo sie ein Teenager war, der sich für all diese Dinge nicht mehr interessierte, erschien ihr das Dorf beinahe wie eine Strafe.
Brescath lag im Süden Irlands, eingeschlossen von dichtem Wald und Ackerland; die nächste Stadt, Clifden, lag fast eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt, und das Örtchen selbst war so winzig, dass sich alle Einwohner mit Namen kannten. Nach dem Leben, das sie in London geführt hatte, wo alles aufregend war und es immer Neues gab, erschien ihr dieser Ort wie ein Gefängnis. Sie konnte sich tausend Dinge vorstellen, die schöner waren, als hier ihre Ferien verbringen zu müssen.
Das Einzige, was noch schlimmer war als die Aussicht auf einen ereignislosen Sommer, war die leise Angst, die sich in ihrem Nacken festgesetzt hatte, dass sie in Wirklichkeit noch länger hierbleiben würden, viel länger sogar. Trotzdem wusste sie, dass jetzt der falsche Moment war, um mit ihrer Mutter darüber zu sprechen.
Abigail Murphy stellte den Blinker an und begann das Lenkrad herumzukurbeln, um auf eine schäbige, schlecht beleuchtete Tankstelle aufzufahren.
Ihre Mutter stieg aus, um zur Zapfsäule hinüberzugehen, und warf ihrer Tochter durch die verregnete Fensterscheibe einen Blick zu, den Erin nicht deuten konnte. Sie sah nur, dass ihre Mum unglaublich müde wirkte.
Es war ein anstrengender Tag für sie alle gewesen. Lloyd war mittlerweile auf dem Rücksitz eingeschlafen, sein kleiner Kopf lehnte an der Fensterscheibe, an deren Außenseiten immer noch endlos viele Regentropfen herunterperlten. Je näher sie Brescath kamen, desto stärker wurde der Regen, als ob selbst der Himmel diesen Ort betrauern würde.
Abigail Murphys Handy klingelte. Normalerweise stellte sie es immer aus, wenn sie fuhr. Erin bemühte sich, nicht hinzuhören, doch ein paar Gesprächsfetzen drangen durch den Regen zu ihr hinüber, ohne dass sie es verhindern konnte. Sie telefonierte mit ihrem Dad.
»Ja. Ja, wir sind bald da. Ich hab die Kinder für die restliche Woche krankgemeldet, sie sollen uns die Zeugnisse zuschicken. Es waren sowieso nur noch ein paar Tage... Ja. Nein.« Sie klang so erschöpft, als könnte sie jeden Moment auf der Straße in sich zusammenfallen. »Ich melde mich morgen, Phil.« Damit beendete sie das Gespräch und machte sich auf den Weg in das mehr als renovierungsbedürftige Tankstellengebäude.
Erin folgte ihr mit den Augen, bis die Türen sich hinter ihr schlossen und sie verschwand. Ihr Bruder zuckte im Schlaf zusammen. Für einen Moment fragte sie sich, was er wohl gerade träumte. Er war vermutlich noch verwirrter als sie selbst.
Gerade, als es abendlich mild draußen wurde, waren sie losgefahren – immer weiter weg von zu Hause, bis sie die Fähre erreichten, die sie von Liverpool nach Belfast brachte. Das alles ohne ein Wort der Erklärung von ihrer Mutter.
Erin war alt genug, um zu wissen, dass es einen Grund dafür gab, dass ihr Vater im Auto nicht einmal erwähnt wurde. Sie wusste nicht, was es war – aber irgendetwas war zwischen ihren Eltern vorgefallen, etwas, das sich nicht mehr so einfach richten ließ, weil es mehr war als nur eine bedeutungslose Streiterei.
Ihre Mutter hatte ihnen nur gesagt, dass sie für die wenigen Tage bis zur Zeugnisvergabe von der Schule abgemeldet wurden und dass sie eine Zeit lang nach Brescath fahren würden, zu ihrer Großmutter Moira. »Als Kind konntest du es doch kaum erwarten, im Sommer wieder herzukommen«, hatte sie mit einem sanften Lächeln zu Erin gesagt. »Du hattest immer so viel Spaß dort. «
Erin hatte es sich verkniffen, ihrer Mutter zu sagen, dass Brescath ihr schon seit ihrem zehnten Lebensjahr nichts mehr zu bieten hatte. Der letzte Sommer, den sie dort verbracht hatte, lag inzwischen sechs Jahre zurück. Das kleine Mädchen, auf dessen Fotos ihre Mum so gern zurückblickte, existierte nicht mehr, und sie beide wussten das.
Vor allem war sie einfach froh, dass ihre Mutter aufgehört hatte, sie mit ihren Geschichten aufzuziehen.
Erin starrte auf ihre abgetragenen Turnschuhe, als Abigail wieder ins Auto stieg und den Motor anließ. »In fünfzehn Minuten sind wir da«, sagte sie, den Blick starr auf die Windschutzscheibe gerichtet. »Deine Oma ist für uns wach geblieben. Wir können dort noch etwas essen, bevor wir ins Bett gehen.« Ihre Stimme klang brüchig, als stünde sie wieder kurz davor zu weinen.
Erin hätte irgendwas Tröstendes gesagt, doch sie wusste nicht, was, und dann fuhr ihre Mutter wieder los und der Moment war verflogen, als hätte der Wind ihn mit sich gerissen.
»Schnall dich an«, sagte Abigail stattdessen, und Erin gehorchte mit einem Augenrollen.
Der Weg bis nach Brescath führte über eine schmale, in der Nacht pechschwarze Einbahnstraße, die links und rechts von Hecken und hohen Bäumen mit tropfendem Blätterdach gesäumt war. Kaum ein Stück freier Himmel war durch die Windschutzscheibe noch zu erkennen, egal wie sehr Erin den Kopf verrenkte. Ihr Handyempfang starb einen kümmerlichen Tod unter all den Baumkronen. Missmutig starrte sie auf den Bildschirm. Vielleicht war der Empfang im Dorf ja besser.
Große Hoffnungen machte sie sich jedoch nicht.
Irgendwann kam ein Ortsschild in Sicht – kein offizielles Straßenschild, sondern ein handgefertigtes Schild aus Holz, auf dem in großen, verschlungenen Buchstaben der Name Brescath stand. Der Name des Dorfs hatte sich in den letzten Jahrhunderten nicht geändert.
Hinter dem Schild duckten sich im Schatten des Waldes erst ein alter Schrottplatz und dann, ein ganzes Stück entfernt, die erste kleine Siedlung, in der Nacht kaum mehr als ein paar dunkle Umrisse. Erin verfolgte die Gegend durch das Autofenster und seufzte innerlich. Es war genau so, wie sie es in Erinnerung hatte – genau so klein und unspektakulär, umgeben von Wald, Wiesen und Schafmist.
Es gab nur wenige, spärliche Lichtquellen. Am Ende einer Straße stand eine einsame Laterne, die halb von Efeu verschluckt worden war und kaum noch Schutz vor der Dunkelheit bot. Früher hatte Erin solche Dinge magisch gefunden. Heute fand sie den Gedanken, sein ganzes Leben an so einem heruntergekommenen Ort verbringen zu müssen, nur noch bedauernswert.
Sie mussten das Dorf vollständig durchqueren, um zu dem abgeschiedenen Hof zu kommen, auf dem ihre Großmutter und Erins einziger Onkel lebten. Trotz all der Jahre, die in der Zwischenzeit vergangen waren, hätte Erin den Weg noch auswendig gekannt, und es fühlte sich seltsam schmerzhaft an, ihn plötzlich wieder entlangzufahren.
Das Licht auf dem Hof sprang an, als ihre Mutter die gepflasterte Auffahrt hochfuhr und den Wagen zum Stehen brachte. Erin stieg aus und betrachtete für einen Moment die Umgebung, während ihre Mum versuchte Lloyd zu wecken, der sich nur widerwillig aus seiner Traumwelt reißen ließ.
Der Hof sah noch genauso aus wie früher. Dasselbe aufgesprungene Pflaster, dieselben Ställe und dasselbe rostige Gitter, das den Hühnerlauf umzäunte. Sogar der Apfelbaum war noch da, obwohl er mittlerweile so groß war, dass sein Wurzelwerk das umliegende Pflaster aufriss. Und dort, gegenüber den Ställen, stand das alte Bauernhaus, in dem sie die Sommerabende ihrer Kindheit verbracht hatte. Die weiße Fassade war noch ein bisschen schmutziger und bröckeliger als in ihrer Erinnerung.
Noch viele andere Erinnerungen kamen in ihr hoch, lebendige und auch fast vergessene, Gerüche und Geschmäcker ihrer Vergangenheit. Sie wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht, als könnte sie die Gedanken an frühere Zeiten damit vertreiben.
Für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als befände sie sich in einem Traum.
Dann sprang drinnen nervtötend lautes Hundegebell an. Kaum eine Sekunde später erhellte sich die Veranda im matten Licht einer staubigen alten Leuchte und die Tür wurde lautstark aufgeschlossen. Im Rahmen stand Bertram, Erins Onkel, der angestrengt versuchte die zwei kläffenden Biester zurückzuhalten, die sich mit aufgerissenen Mäulern und gefletschten Zähnen an ihm vorbeidrängten.
»Hannibal! Cerberus! Aus!«
Erins Mutter hatte sich immer schon gern darüber lustig gemacht, was für großspurige Namen ihre Mutter den beiden Schäferhunden gegeben hatte. Die beiden waren eigentlich sehr umgängliche Zeitgenossen, sogar kinderlieb, nur ihr Beschützerinstinkt war etwas zu ausgeprägt. Ihr Gekläff konnte man noch fast einen Kilometer weiter hören, aber ernsthaft angegriffen hatten sie noch niemanden. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachten sie damit, die vielen Hofkatzen zu jagen.
»Kommt nur rein, kommt nur rein!«, rief Bertram über das Gebell hinweg. »Sobald ihr erstmal drin seid, geben sie Ruhe. Sie werden euch schon wiedererkennen, keine Sorge!«
Erin vergrub die Hände in den Taschen ihrer ausgefransten Jeansjacke und machte ein paar zögerliche Schritte in Richtung Veranda. Hinter ihr zog ihre Mutter den verschlafenen Lloyd an der Hand mit sich zum Haus. »Die Sachen packen wir morgen aus«, sagte sie im Vorbeigehen zu ihr. »Erstmal rein.«
Inzwischen nieselte es nur noch. Feine Regentropfen bedeckten Erins Gesicht und ihre Haare. Mit ein paar schnellen Schritten erreichte sie die Veranda und ließ sich von ihrem Onkel umarmen.
»Groß bist du geworden!«, stellte er fest und packte sie an den Schultern.
Dass sie gewachsen war, war nicht weiter verwunderlich, wenn man bedachte, dass er sie zuletzt vor zwei Jahren zu Weihnachten gesehen hatte. Damals war sie vierzehn gewesen und hatte gerade in der Phase gesteckt, in der man sich von allem und jedem missverstanden fühlt.
Er würde vielleicht denken, dass diese Phase immer noch nicht vorüber war, doch jetzt gerade wollte sie einfach nur noch ihre Ruhe haben. Das Regenwasser kroch ihr kalt in den Jackenkragen.
»Sind sie das?« Der Kopf ihrer Großmutter Moira erschien in der Haustür. Sie sah noch älter aus, als Erin sie in Erinnerung hatte; sie ging gebückt, als würde ihr Rücken sich langsam für die jahrzehntelange Schwerstarbeit auf dem Hof rächen wollen. Doch ihr Haar war immer noch genauso straff zurückgesteckt wie früher, und ihr faltiges Gesicht hatte noch denselben Ausdruck, der so streng aussah, obwohl Erin sie besser kannte.
Ihre Großmutter hatte eine harte Schale, doch im Herzen, da war Erin sich sicher, war sie ein liebevoller Mensch. Als Erin noch ein kleines Kind gewesen war, hatte sie ihr oft heimlich köstliche Karamellbonbons zugesteckt und sie dabei verschwörerisch angelächelt, auch wenn ihre Mutter das im Nachhinein betrachtet sicher mitbekommen hatte.
»Wer denn sonst?«, fragte Bertram zurück und konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. »Hühnerdiebe?«
»Hallo, mein Sonnenkind!« Während ihre Mum und ihr Bruder jetzt von Bertram in Empfang genommen wurden, schloss Moira ihre Enkeltochter in die Arme. »Wie geht es dir? Du bist ja immer noch dünn wie ein Strich in der Landschaft. Komm erstmal mit rein, wir haben Verpflegung für euch Reisende vorbereitet!«
Erin folgte ihrer Großmutter durch die Diele und das Wohnzimmer in die große, altmodisch eingerichtete Küche. Moira weigerte sich nach wie vor, sich einen modernen Plattenherd oder eine Mikrowelle anzuschaffen. »Dieses neumodische Zeug brauch ich nicht«, sagte sie immer. »Ich bin bisher auch bestens ohne ausgekommen.«
Erins Mutter regte sich darüber meistens auf, doch heute trat sie nur müde in die Küche und setzte sich zu ihrer Tochter an den wurmstichigen, rechteckigen Küchentisch, der so riesig war, dass eine zwölfköpfige Familie bequem daran hätte sitzen können. Erin hatte sich schon immer gefragt, für wen Moira eigentlich so viel Platz brauchte.
Überhaupt gab es in diesem Haus viel zu viel Platz. Früher hatte Erin es toll gefunden, dass Haus und Grundstück so riesig waren, dass sie genug Freiraum zum Spielen hatte, doch jetzt fand sie es bedrückend und unheimlich daran zu denken, wie viele leere Zimmer es hier gab, durch die nachts der Wind pfiff wie ein wütendes Gespenst – nicht, dass sie noch an Gespenster geglaubt hätte.
»Seid ihr gut hergekommen?«, fragte ihre Großmutter wie beiläufig, doch auf ihrem Gesicht spiegelte sich Sorge wider. Sie wusste eindeutig mehr als Erin und Lloyd.
Erin warf ihrem Bruder einen Blick zu, um zu prüfen, ob er es auch bemerkte, aber Lloyd starrte nur mit trübem Blick auf den Tisch. Vielleicht war er zu müde oder ganz einfach zu jung.
»Ganz gut«, erwiderte Abigail mit erschöpfter Stimme. »In London standen wir ewig im Stau, aber das ist ja nichts Neues, und diese Fähre hat mal wieder furchtbar geschlingert, aber ansonsten sind wir gut rübergekommen.«
Moira stellte jedem einen großen Teller Kartoffelsuppe vor die Nase. Ihr Bruder erwachte aus seiner Trance und schlug gierig zu, doch Erin und ihre Mutter rührten nur lustlos darin herum.
»Was macht die Schule?«, fragte Bertram, der in die Küche getreten war und sich nun zu ihnen an den Tisch quetschte – was sich schwierig gestaltete, denn sein Bauch fand in der Spalte zwischen der Sitzbank und der Tischplatte kaum Platz. Erin dagegen musste die Arme ausstrecken, um ihren Teller überhaupt zu erreichen.
»Es läuft echt super«, strahlte Lloyd. Seine Müdigkeit schien verflogen zu sein, er wirkte quicklebendig. Und er hatte bereits den halben Teller Suppe in sich hineingeschaufelt.
»Er hat drei Einsen auf dem Zeugnis«, sagte ihre Mutter, während Lloyd sich den nächsten Löffel in den Mund schob. »In Englisch, Naturwissenschaften und Religion.«
»Und bei dir, Sonnenkind?«, fragte Moira und wandte sich ihrer Enkelin zu.
Sonnenkind. Es gab wohl keinen unpassenderen Spitznamen.
Erin hob die Schultern. »Ganz okay«, antwortete sie vage. Ihre Mutter zog die Stirn in Falten. Sie würde den Rest der Familie bestimmt später darüber aufklären, dass ihre Lehrer bis kurz vor der Notenvergabe noch darüber diskutiert hatten, sie durchfallen zu lassen. Den Abschluss hatte sie nur mit Müh und Not bekommen. Ob sie es nächstes Schuljahr aufs College schaffen würde, war fraglich.
Andererseits – wäre ihre Bildung nicht die ideale Begründung, um so früh wie möglich in die Stadt zurückzukehren? Es musste ja nicht mal London sein. Es gab sicher Colleges mit Schülerwohnheimen, vielleicht in Oxford oder Canterbury.
Schlussendlich schob Erin den Teller von sich weg. Der Appetit war ihr schließlich schon heute Nachmittag vergangen. »Ich geh nach oben.« Ihre Stimme klang sogar noch erschöpfter, als sie sich fühlte.
»Wir haben dein altes Zimmer für dich hergerichtet!«, rief ihr ihre Großmutter hinterher, als sie sich mit langen Schritten von der Küche entfernte. »Das ist doch in Ordnung, oder?«
Erin antwortete nur mit einer vagen Geste, bevor sie eine ihrer Taschen aus dem noch offenen Auto schnappte und sich damit in das obere Stockwerk verzog. Hier oben hörte man den Wind durch die alten Rohre ziehen und das Dachgebälk knarrte bedrohlich.
Sie hatte keine Ahnung, was genau Moira mit hergerichtet meinte, denn das letzte Zimmer auf dem Gang schien furchtbar leer und trostlos. Hier hatte sie als Kind übernachtet, wenn sie in den Ferien zu Besuch gekommen war; ein paar alte Comics und Bücher lagen auf dem Schreibtisch, doch ansonsten sah es so aus, als wäre der Raum seit Jahren nicht mehr betreten worden. Oder als wäre sie niemals fort gewesen. Sogar die Bettwäsche war dieselbe.
Vorsichtig strich sie mit den Fingern über den weichen Stoff. Er roch nach Erinnerungen. Und nach Mottenkugeln. Warum rochen alte Sachen immer nach Mottenkugeln?
Erin setzte sich auf den Rand des Betts, von dem eine kleine Staubwolke aufwirbelte, und zog ihr Handy aus der Hosentasche. Obwohl es nicht mal passwortgeschützt war, brauchte sie ein paar Versuche, um sich in das heimische Netzwerk einzuloggen, und selbst dann musste sie feststellen, dass die Verbindung für mehr als ein paar Nachrichten nicht ausreichen würde.
Ihr hatten ohnehin nur zwei Leute geschrieben – die einzigen, denen sie Bescheid gesagt hatte, dass sie wegfuhren. Ihre beste Freundin Kelsey und Daxton, den alle nur Dax nannten.
Mit müden Fingern tippte sie an beide ein paar Zeilen. Sind angekommen. Es geht mir gut. Alles ist immer noch genauso langweilig, wie ich es in Erinnerung hatte. Melde mich morgen nochmal.
Sie starrte den Bildschirm an und las sich die Nachricht durch, bevor sie das Wort langweilig wieder löschte – wenn auch nur zögerlich. Dann steckte sie das Handy wieder ein.
Ohne sich auszuziehen, kroch sie unter die kalte Decke, zog sie sich hoch bis zum Kinn und schloss die Augen. Über sich hörte sie den Wind heulen und pfeifen. Unweigerlich erinnerte sie sich daran, wie oft sie als Kind hier gelegen und den Geräuschen gelauscht hatte, die dieses Haus nachts von sich gab, während ihre Fantasie dazu Bilder von den grauenhaftesten Monstern spann, die sie sich nur vorstellen konnte. Zum Glück waren diese Zeiten vorbei – heute wusste sie, dass die wahren Monster nicht unter dem Bett lauerten, sondern morgens mit ihrer Familie am Frühstückstisch saßen und schwarzen Kaffee tranken.
Und doch: Sie kannte jeden Winkel, jede Spinnwebe dieses Hauses, bis heute. Jede noch so schmutzige Ecke des Stalls nebenan. Dabei war sie eine halbe Ewigkeit nicht hier gewesen.
Und daran hätte sich sicher auch nichts geändert, wenn… Ja, was? Was war zwischen ihren Eltern vorgefallen?
Wütend zog sie sich die Decke über den Kopf. Es hatte keinen Sinn, sich darüber jetzt Gedanken zu machen. Dafür hatte sie in den nächsten Tagen noch genügend Zeit. War ja nicht so, als gäbe es hier besonders viele andere Dinge zu tun.
Und doch flammten ständig Bilder vor ihrem inneren Auge auf – vom Wald, an dessen Rand sie mit anderen Kindern gespielt hatte (und manchmal auch weiter hineingeschlichen war, obwohl ihre Eltern es ihnen verboten hatten), den endlosen Wiesen, die sich wunderbar zum Versteckspiel oder zum Fangen eigneten, und den Sommerabenden mit Kuchen und Limonade auf dem Hof.
Es war schön gewesen, damals, als sie noch klein war. Aber sie war es eben nicht mehr. Und Brescath hatte sich für sie in ein trostloses Loch aus Langeweile verwandelt, in dem sie, wie sie fürchtete, bald feststecken würde wie eine Fliege im Spinnennetz.
Unter anderen Umständen hätten ihre früheren Spielkameraden ein möglicher Lichtblick sein können; die meisten davon müssten ungefähr in ihrem Alter gewesen sein, und vielleicht lebten sie ja immer noch hier. Doch viel mehr als die Frage, ob sie heute noch viel gemeinsam hatten, umtrieb Erin der Gedanke, dass sie sich womöglich tatsächlich an alles erinnerten, was in diesen Sommern in Brescath passiert war.
Es kostete sie viel Zeit und Konzentration,
