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Libero: Der Tod macht keine Ausnahme
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eBook158 Seiten1 Stunde

Libero: Der Tod macht keine Ausnahme

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Über dieses E-Book

»Libero« ist der Deckname eines Killers. Nur zwei Menschen kennen seine wahre Identität. Aber auch Killer sind Menschen, und Menschen sind sterblich. Mit einer tödlichen Diagnose tritt er seinen letzten Job an, der ihm eigentlich das Geld für die Rente bringen sollte. Zunächst will er ihn wie gewohnt erledigen, doch dann findet er heraus, dass er einen 18-Jährigen beseitigen soll, um die schmutzigen Geschäfte reicher Geschäftsleute zu schützen. Er trifft eine folgenschwere Entscheidung und wird plötzlich selbst zum Gejagten. Seine Gegner sind einflussreich, zugleich setzt die Erkrankung dem Libero immer mehr zu. Aber er ist zäh – und er steckt voller Überraschungen.
SpracheDeutsch
HerausgeberRhein-Mosel-Vlg
Erscheinungsdatum16. Apr. 2019
ISBN9783898018753
Libero: Der Tod macht keine Ausnahme
Autor

Michael Hackethal

Michael Hackethal hat als Kellner, Pförtner, Tauchlehrer, Steinmetz, Krankenpfleger, Verleger, Journalist und Lehrer gearbeitet. 2013 wandte er sich dem literarischen Schreiben zu. »Libero« ist sein zweiter Roman. Er lebt im Rheinland und schreibt Romane und Kurzgeschichten.

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    Buchvorschau

    Libero - Michael Hackethal

    Der Fehler

    Die Welt hat einen Fehler, und dieser Fehler ist in meinem Kopf. Jeden Tag wird er ein wenig größer.

    Ich habe schon als Kind gewusst, dass die Welt Fehler hat. Und die Erwachsenen? Mein Gott, die taten, als wüssten sie Bescheid, und hatten doch von nix ’ne Ahnung. Wie kann Gott vollkommen und allmächtig sein, hab ich mich gefragt, wenn der Teufel existiert und alles durcheinander bringt? Wie kann Gott zulassen, dass er die Menschen böse macht? Wieso hat Gott einen Plan und erschafft dann eine Kreatur, die ständig dagegen arbeitet? Das ergab überhaupt keinen Sinn für mich. Ich bin mit meiner Frage zum Pfarrer, der war schließlich Spezialist für Heiliges und Ewiges. Ich hätte es wissen müssen. Seine Antwort war so lang und verworren, dass ich gegangen bin, bevor er damit fertig war. Ich hab ihn nie wieder was gefragt.

    Wer nicht in der Lage ist, eine klare Antwort zu geben, der hält besser die Klappe. Das wusste ich schon mit neun. Deshalb habe ich jahrelang selbst mein Maul gehalten. Kein Witz! Ich war in der Schule so gut wie stumm, hatte keine Freunde, hab zuhause im Zimmer gehockt und irgendwas gemacht, ganz still für mich. Meine Mutter hat mich oft gefragt, was mit mir los ist. Ich konnte es nicht sagen. Es war so kompliziert, dass es eh keiner verstanden hätte. Falls ich es überhaupt in Worte hätte fassen können. Also habe ich meine Fragen lieber bei mir behalten.

    Irgendwann, dachte ich, kommt der richtige Moment, um sie zu stellen. Bei manchen Fragen war das tatsächlich so. Andere sind im Schweigen versunken.

    Ich liebe Wörter. Vielleicht war ich deshalb so vorsichtig mit ihnen. Irgendwann habe ich sogar aufgehört, meinen Namen zu nennen. Ich wollte ihn auch von niemand anderem mehr hören.

    So halte ich es bis heute, und ich fahre gut damit.

    Gustav rief mich an, wie er das immer macht, kurz vor Mitternacht. Ich hatte gerade was eingeworfen, es ging mir mies, ich wollte nichts mehr hören, nichts mehr sehen, nichts mehr sagen. Nur noch staunen.

    Na, gestaunt hab ich, als er’s mir erzählte. Der Job hörte sich nicht schwierig an und ich dachte, das ist schnell erledigt. Aber im Moment läuft bei mir alles anders, als ich es mir vorstelle. Das heißt, wenn ich ehrlich bin – eigentlich war das schon immer so.

    Ich habe einen Job, der ziemlich viel einbringt. Ich bin gut, und ich bin gründlich. Das bringt lukrative Aufträge, seit über vierzig Jahren.

    Da müsste ich eigentlich nicht mehr arbeiten, denken Sie jetzt sicher, und so war das auch, bis vor ein paar Jahren. Damals habe ich den größten Fehler meines Lebens gemacht, und ich habe große Fehler gemacht. Aber dieser stellt alle anderen in den Schatten. Nur wegen diesem Scheiß muss ich immer noch arbeiten. Und ich habe schon lange keine Lust mehr, das können Sie mir glauben.

    Damals habe ich mir gesagt, dass es besser ist, wenn ich mein Geld irgendwie anlege. Also bin ich in eine Bank und habe mich beraten lassen, eine große Filiale der Deutschen Bank in Köln. Das hört sich so offiziell an, dachte ich, die müssen wissen, was sie tun.

    Ich habe viel dazugelernt seitdem.

    Aber die anderen hatten es nicht anders gemacht. Damals waren alle wie verrückt auf Aktien und Fonds und das ganze Zeug.

    Zwei Jahre später war alles weg. Ich musste sogar mein Auto verkaufen.

    Sie haben zu risikofreudig investiert, sagte mir der junge Bursche nachher. Dabei war es die Pappnase doch selber gewesen, die mir den Mist aufgeschwatzt hatte. Wäre ich damals nicht so viel unterwegs gewesen, dann hätte ich mich intensiv um diesen ›Berater‹ gekümmert. Wäre mir ein Vergnügen gewesen.

    So musste ich weiter arbeiten, obwohl ich mich schon längst zur Ruhe setzen wollte. Zum Kotzen. Augen, Rücken und Beine werden ja nicht besser mit den Jahren. Ein bisschen was konnte ich zurücklegen, immerhin, aber es war nicht genug, um ganz ohne Arbeit über die Runden zu kommen. Vielleicht noch ein großer Job, dann könnte es hinhauen.

    Und dann dieser Anruf mitten in der Nacht. Es war wie ein Geschenk.

    Also hab ich gesagt, Gustav, du Arsch, ich mach’s, kenne dich ja lange genug. Aber nicht für billig, und danach ist Feierabend. Du weißt doch, ich bin nicht mehr so fit wie früher. Und er hat gesagt, ok, das ist der letzte Job. Endgültig.

    Wir wussten beide nicht, wie recht wir hatten.

    Der Typ, um den es ging, war ein wichtiger Zeuge, der von der Bullerei versteckt wurde. Klarer Fall für einen Spezialisten. Und genauso klar, dass Gustav an mich dachte.

    Er vermittelt diese Jobs nur, die eigentlichen Auftraggeber sind andere. Mit Gustav bin ich meistens gut klargekommen, vielleicht mochte ich ihn sogar ein bisschen. Längst nicht so wie Kalle, klar, aber ich respektierte seine Zuverlässigkeit. Bei ihm war ein Wort ein Wort.

    Wie gesagt, es war kurz vor zwölf in der Nacht. Ich hatte mal wieder Kopfschmerzen, ziemlich heftig, wollte mit keinem mehr reden. Als ich sah, dass er es war, ging ich doch dran, und dabei fiel mir das Handy hin. Ich hatte es nicht gespürt. Ich musste es mit der rechten Hand aufheben. Die linken Finger waren komplett taub.

    Gustav war noch dran. Er bot mir diesen Job an, erklärte, wie viel Zeit ich hätte, dass es auf exakte Arbeit ankäme.

    »Der Job ist nicht einfach. Aber er ist superwichtig. Mach keinen Fehler, Libero. Es wäre dein letzter.«

    »Ich kann es nicht leiden, wenn man mir droht«, sagte ich.

    »Ich bin sonst selbst erledigt«, sagte er.

    Ständig bellte sein Scheiß-Dackel dazwischen. Ich war ziemlich genervt und sagte, es müssten hundertachtzig Riesen sein und sechzig vorab, drunter würde ich das nicht machen, und er meinte, das wär aber teuer und er müsste das klären und würde noch mal anrufen. Dann mach schnell, sagte ich, sonst weiß ich nicht, ob ich’s noch richtig mitkriege. Kurz darauf war er wieder dran und sagte, ok, wir sind im Geschäft.

    Geht doch.

    Ich weiß noch, wie ich die ganze Zeit verwundert meine linke Hand angeschaut habe. Die Finger waren immer noch gefühllos.

    Das war Tag minus drei.

    Ich rechne ab dem Tag, an dem man mir von dem Fehler erzählte. Alles andere ist relativ zu diesem Datum.

    Datum, das heißt wörtlich »das Gegebene«. Scheiß-Latein.

    Manchmal denke ich, dass Wörter einen zweiten oder dritten Sinn haben, einen, der viel wichtiger ist als der oberflächliche Sinn, den wir meinen, wenn wir sie benutzen. Aber sie verändern sich mit jedem Zusammenhang, und oft drücken sie sich weg, fließen in eine Sinnform, die nur in diesem Moment, unter diesen Umständen und vielleicht nur für einen einzigen Menschen erkennbar und verständlich ist. Beim nächsten Mal fühlen sie sich wieder anders an, lösen andere Gedanken aus. Unfassbar. Als hätten sie eine eigene Intelligenz.

    Ich gehe an meine Arbeit sehr nüchtern heran, mit chirurgischer Präzision. Organisation ist alles. Name, Adresse, spätester Termin – mehr will ich gar nicht wissen. Nüchterne Betrachtung der Fakten und Ziele, Abwägung der Optionen, Entscheidung über das Vorgehen, dann Planung, Erkundigungen, Umsetzung. Fertig.

    Ich bin ein absoluter Profi. Niemand, der etwas über meinen Job weiß, kennt mein Gesicht. Bis auf Gustav und Kalle. Gustav ist mein Auftraggeber, der wird die Klappe halten, und für Kalle lege ich meine Hand ins Feuer. Wir haben schon so viel gemeinsam durchgestanden.

    Davon abgesehen wissen die beiden, was sie erwartet, wenn sie mich verarschen.

    In der Branche bin ich bekannt als Ausputzer. Und weil hier alle so verrückt auf Fußball sind, nennen sie mich den Libero. Das ist italienisch und heißt »freier Mann«, hat mir Kalle mal erklärt. Ich verstehe nichts von Fußball, aber das gefällt mir. Auch wegen der Tarnung. Meine Freiheit ist mir wichtiger als alles andere.

    Ben Hagenfeld hieß der Typ, wohnhaft in Düsseldorf. Der Name war mir bekannt, ich sag’ Ihnen auch gleich, wieso. Und ein Düsseldorfer mehr oder weniger – wen interessiert das außerhalb von Düsseldorf? Ich komme aus Köln, da schaut man nicht rheinabwärts, wenn man’s vermeiden kann.

    Ich hatte vier Wochen Zeit für den Job, mehr als genug. Dachte ich jedenfalls.

    Gleich am nächsten Tag habe ich die Adresse überprüft. Eine Wohngegend mit durchweg vier oder fünf Etagen, ein Bau am anderen, die ganze Straße runter. Hauptverkehrsstraße gleich nebenan, aber nicht so laut, dass es nervte.

    Dachte erst, das kann nicht sein, wer in so einer Gegend soll es wert sein, dass ich mich um ihn kümmere? Und für hundertachtzig Riesen, ich bitte Sie!

    Ich wollte die Namen checken, die da gemeldet waren. Es gab acht Klingelschilder. Und dann fiel mir wieder was auf. Ich schaute hin, und konnte immer nur die lesen, die ich gerade nicht anschaute. Der Name im Zentrum meines Blicks war wie weggeblasen. Ich kniepte dauernd und dachte, brauchst du jetzt eine Brille oder hast du eine von den Pillen gestern nicht vertragen? So stark hatte ich das noch nie gehabt.

    Und der Name Hagenfeld war auch nicht dabei.

    Das fängt ja gut an, dachte ich, und rief gleich Gustav an.

    »Nee«, sagte der, »die Adresse ist ok, er heißt jetzt anders.«

    »Wie, anders, hat der geheiratet oder was?«

    »Quatsch«, sagte er, »Zeugenschutz und neue Identität.«

    Sieh mal an. Gut, dass ich fett kalkuliert hatte.

    Ich schaute mich um und überlegte. Sperrmüll vorm Eingang, neben der Tür ein Zettel mit der Nummer vom Hausverwalter. Vielleicht war ja gerade was frei geworden. Ich rief sofort an.

    Im zweiten Stock war tatsächlich jemand ausgezogen. Die Wohnung wurde geräumt und renoviert. Ob ich sie mir anschauen wollte.

    Klar wollte ich.

    Er kam zehn Minuten später und zeigte mir die siebzig Quadratmeter. Was soll ich sagen? Auf einer Skala zwischen null und hundert holte sie eine souveräne Sechs. Verwohnt wäre noch geschmeichelt. Nur Kalles Bude konnte das

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