Glückauf: Geschichten rund um den Bergbau in der Region Kassel
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Über dieses E-Book
Voraussetzungen und die wirtschaftliche Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges.
Ergänzt werden die Texte und vielen Bilder durch Freizeittipps und Karten der ehemaligen und aktuellen
Abbaustätten. Kilometerlange Stollen, um tagein, tagaus das schwarze Gold zu fördern. Harte Arbeit unter Tage, Meter um Meter, Lore um Lore. Nein, wir befinden uns nicht im Ruhrgebiet vergangener Jahrzehnte, sondern mitten in unserer Region, beziehungsweise unter ihr. Eine Region, in der die Rohstoffgewinnung eine bedeutende Rolle spielte und noch heute über eine gewisse Relevanz verfügt. Zu Recht, denn der deutsche Kohlebergbau hatte in Hessen sogar seinen Ursprung. Bereits vor 400 Jahren wurde im Landkreis Kassel Braunkohle abgebaut. Das hat mich überrascht, ebenso die Erkenntnis, dass noch heute im Landkreis Untertageabbau stattfindet. Der regionale Bergbau war eine der entscheidenden Grundlagen der industriellen Entwicklung und bildete die Basis für Mobilitätsangebote, die noch heute bestehen bzw. über deren Wiedereröffnung diskutiert wird. Doch als genauso spannend erachte ich die Aktualität des gesamten Themenkomplexes. Die derzeitigen Entwicklungen zeigen, wie verletzlich unsere Energie- und Rohstofflieferungen sowie deren Handelswege sind. Regionale Rohstoffe und unser verantwortungsbewusster Umgang mit ihnen gewinnen wieder an Bedeutung. In die Bedeutung des Bergbaus für unsere Region und in die aktuelle Relevanz des Themas haben sich die Autorinnen und Autoren unseres aktuellen Bands „Glückauf – Bergbau in Nordhessen“ gegraben. Damit erweitern sie unsere Reihe „Die Region trifft sich, die Region erinnert sich“ um einen wertvollen Band, der mit verblüffenden Erkenntnissen und fundierter Expertise auch innovative Ausblicke in die Zukunft bietet. Ich wünsche Ihnen eine erhellende und angenehme Lektüre.
Glückauf!"
Ingo Buchholz Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse.
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Buchvorschau
Glückauf - Harald Kühlborn
Bergbau in Nordhessen – seine wirtschaftliche Bedeutung
Micha Röhring
Einleitung
B
ergbau in Nordhessen? Bei dieser Frage werden viele Menschen an Kalisalz und vielleicht noch an Braunkohle denken. Wer sich nicht unmittelbar für Montangeschichte – also die Geschichte des Bergbaus – interessiert oder in einer ehemaligen Bergbaugegend mit einer gewissen Tradition lebt, wird vielleicht überrascht sein, wenn er erfährt, dass in Nordhessen neben Kalisalzen und Braunkohle auch noch Eisenerze, Kupfererze, Golderze, Silbererze, Schwerspat, Alaun, Kobalterze und noch einige andere Bodenschätze abgebaut worden sind.
Nach heutigen wirtschaftlichen Maßstäben sind nur sehr wenige bergbaulich gewonnene Mineralien in Deutschland gewinnbringend abbaubar und aus einem einstmals sehr wichtigen Industriesektor, der auch für den deutschen Maschinenbau ein sehr wichtiger Impulsgeber war, ist beinahe eine Randerscheinung geworden. So gibt es in Deutschland kein Metallerzbergwerk mehr und auf der letzten Steinkohlegrube Prosper-Haniel in Bottrop wurde am 21. Dezember 2018 die letzte Schicht gefahren. Früher international bedeutende Betriebsstätten sind heute UNESCO-Weltkulturerbe: der Rammelsberg bei Goslar, der Oberharz, die Zeche Zollverein in Essen, die Völklinger Hütte, das Erzgebirge.
Streng genommen ist der Titel dieses Aufsatzes falsch und ein traditionsbewusster Bergmann wäre entsetzt über das, was hier zusammenfassend betrachtet wird. Sehr vereinfacht fallen unter das aus dem mittelalterlichen Bergregal abgeleitete Bergrecht, mit leichten regionalen Unterschieden, alle Metallerze und die Salzgewinnung. Bei den Braun- und Steinkohlen war die Situation unterschiedlich. Je mehr ihr ökonomischer Wert erkannt wurde, desto stärker wurden die Bestrebungen, auch ihre Gewinnung unter Bergrecht zu stellen. Das ist der Bergbau.
Daneben gibt es die Gewinnung der Steine und Erden, zu denen alle Steinbrüche sowie die Sand- und Kiesgruben gehören. Diese Stoffe gehören dem Grundeigentümer. Ein Steinbruch oder eine Sandgrube sind klassischerweise kein Bergbau. Ebenso zählt das Auffahren von Eisenbahntunnel oder ähnlichem nicht zu den Tätigkeiten des Bergbaus, obwohl identische Techniken eingesetzt werden.
Es macht aber durchaus Sinn, aus heutiger Perspektive, in einem Zeitalter, in dem der Bergbau in Deutschland immer mehr an Bedeutung verloren hat, einmal den Versuch einer umfassenderen Betrachtung anzustellen und alle Bemühungen des Menschen, Mineralien aus dem Boden zu gewinnen in den Blick zu nehmen. Trotzdem darf man dabei nicht außer Acht lassen, dass es sich um rechtlich, technologisch und ökonomisch sehr unterschiedliche Betriebsformen handelt. Ebenso gibt es Unterschiede in der Sozialstruktur der Beteiligten und ganz besonders in den sich ausbildenden Traditionen und Kulturen.
Der Bergbau wurde schon immer als ein herausgehobener Wirtschaftszweig von besonderer Bedeutung angesehen. Dies hat in der Geschichte Auswirkungen auf seine rechtliche Stellung und seine soziale und kulturelle Bedeutung gehabt. Von staatlicher Seite gab es immer ein starkes Bedürfnis, alle bergbaulichen Aktivitäten genauer zu beobachten, zu regulieren oder selbst bergbaulich tätig zu werden. Die enge Verbindung von Bergbau und Staat ist auch wichtig für die Frage nach der wirtschaftlichen Bedeutung des Montanwesens.
Als die Region Kassel wird im Folgenden ungefähr der nördliche Teil des heutigen Regierungsbezirks Kassel aufgefasst. Der Grund ist einfach: Einige der Lagerstätten, die für die Wirtschafts- und Montangeschichte der Landgrafschaft und ganz besonders auch der Stadt Kassel wichtig sind, liegen eher am Rande der „Region Kassel". Ohne sie zu benennen, wäre das Bild sehr unvollständig.
Was bestimmt die wirtschaftliche Bedeutung?
Eine ökonomische Bedeutung kann ein Mineral erst bekommen, wenn es bekannt ist und wenn man eine Verwendung dafür hat. Was trivial zu sein scheint, hatte aber in der Geschichte des Bergbaus vielfache Auswirkungen. Das bekannteste Beispiel aus der Region dürfte das Kobalterz sein. Im frühen Bergbau wurde Kobalterz oftmals für Kupfererz gehalten. Da es sich aber nicht verhütten ließ, war man der Meinung, man sei von Kobolden genarrt worden. Das Erz wurde „auf Halde geworfen". Erst in der Neuzeit fanden sich Verwendungsmöglichkeiten, zuerst als Ausgangsstoff für die Erzeugung blauer Farbe.
Kennt man das Mineral und hat auch ein Vorkommen gefunden, dann sind die entscheidenden Fragen, wie stark das Mineral im Begleitgestein angereichert ist, wie viel davon vorhanden ist und wie die Lagerstätte aufgebaut ist. Tagebau ist viel günstiger als Tiefbau mit Schächten und Stollen. Beim Tiefbau kommen noch viele weitere Fragen hinzu: wie standsicher ist das Gebirge, wie viel Wasser steht an, wie kann man das Wasser aus dem Grubenbau hinaus befördern?
Ein weiterer Aspekt ist die Transportfähigkeit eines Rohstoffs. Grundsätzlich kann man sagen, je höher der Wert bezogen auf das Gewicht ist, desto lohnender ist es, etwas über weite Strecken zu transportieren. So wurde Bernstein von der Ostsee schon in frühgeschichtlicher Zeit über sehr lange Wege gehandelt. Bei Rohstoffen, die, wie z. B. Naturstein, nahezu überall vorkommen, lohnt sich ein weiter Transportweg nicht. Außer man möchte etwas Besonderes, wie z. B. echten Carrara-Marmor, verbauen.
Abb. 1 Dr. Ferdinand Friedensburg wurde 1927 zum Regierungspräsidenten berufen.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind die verfügbaren Arbeitskräfte und die Bedingungen, unter denen diese zu arbeiten bereit sind. Während ein einfacher Kleinbergbau, an der Oberfläche oder zumindest oberflächennah, noch mit ungelernten Kräften ausgeführt werden kann, benötigt man für einen Tiefbau sehr bald hochspezialisierte und sehr gut ausgebildete Kräfte. Diese wurden oft aus anderen Bergbauregionen abgeworben, sofern man keine eigenen Ausbildungsmöglichkeiten schaffen konnte. Finanzielle Auswirkungen auf den Gewinnungspreis eines Rohstoffs hat auch die Frage, unter welchen Bedingungen jemand bereit ist, zu arbeiten. So ist es noch heute so, dass die Spanne der Arbeitswirklichkeit im modernen Bergbau vom technisch primitiven, hochriskanten und ungesunden Schwefelbergbau am Vulkan Kawah Ijen auf der Insel Java bis zum gut bezahlten, sozial perfekt abgesicherten Minenarbeiter im schwedischen Kiruna, der seine Schicht im klimatisierten Fahrzeug fährt, reicht.
Politische Faktoren beeinflussen die ökonomische Bewertung eines Bergbaus stark. Im Merkantilismus war es eine wirtschaftspolitische Grundannahme, dass Rohstoffe im eigenen Land gewonnen und verarbeitet werden mussten, um dem Land zur Prosperität zu verhelfen. Im 19. und 20. Jahrhundert kommen zunehmend geostrategische Fragestellungen hinzu. Diese finden ihren propagandistischen und wirtschaftspolitischen Höhepunkt in der Autarkiepolitik des Dritten Reichs, die auch in Nordhessen ihre Spuren hinterlassen hat, wie am Beispiel des Kupfererzbergbaus noch gezeigt werden wird. Die Diskussion ist über viele Jahrzehnte auch sehr eng mit dem Namen von Ferdinand Friedensburg, der von 1927 bis 1933 als Regierungspräsident in Kassel tätig war und sich umfassend mit der internationalen Rohstoffversorgung auseinandergesetzt hat, verbunden.¹ Waren diese Fragen nach dem Ende des Kalten Kriegs in den Hintergrund getreten, so sind sie seit den letzten Jahren wieder hochaktuell, wie sich an der Versorgung mit Erdöl, Erdgas, Leichtmetallen wie Lithium oder den Seltenen Erden zeigt.
Ein weiterer Aspekt, der schon seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle spielt, sind die Folgen, die der Eingriff des Menschen in die Natur hat. Georg Agricola verteidigt im ersten Buch seines Werks über das Berg- und Hüttenwesen den Bergbau seiner Zeit gegen Vorwürfe, er würde das Land unfruchtbar machen.² Bei genauerer Betrachtung sieht man, dass nahezu jeder Bergbau, auch ein relativ kleiner und unscheinbarer, erhebliche Folgen für die nähere oder auch weitere Umgebung haben kann. Das reicht vom Schieferbergwerk im schweizerischen Kanton Glarus, bei dem durch Raubbau ein halbes Dorf mit seiner Bevölkerung ausgelöscht wurde,³ über den Salztorfabbau an der deutschen Nordseeküste, der möglicherweise einen erheblichen Anteil am Untergang mehrerer Siedlungen hatte, bis zu den Umweltfolgen des Golderzbergbaus im südamerikanischen Regenwald oder den Ewigkeitskosten, die der deutsche Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet verursacht. Betreibt man den Bergbau, verursacht man diese Kosten. Auch der nordhessische Bergbau ist nicht frei von diesen Fragen, wie die Diskussion um die Kalisalzproduktion oder die arsenbelasteten Rückstände des Richelsdorfer Kupferschieferbergbaus zeigen. Die politische Entscheidung ist es, wie diese Kosten verteilt werden.
Eisenerz
Die Gewinnung von Eisenerz in vorindustrieller Zeit ist noch immer mit vielen Fragezeichen versehen. An vielen Stellen in der Landschaft, vor allem unter Wald, lassen sich heute Spuren von bergbaulichen Aktivitäten entdecken. Die breite Verfügbarkeit von Techniken der Fernerkundung, insbesondere von LIDAR, der luftgestützten Abstandsmessung mit Laser, hat der Montanarchäologie in den letzten Jahren ein vollkommen neues Bild vieler Regionen geliefert. So konnte eine bislang als weitgehend fundleer geltende Region wie der Hintertaunus als ein Gebiet identifiziert werden, in dem über Jahrhunderte intensiv Bergbau umgegangen ist.⁴ Auch in Nordhessen tauchen mit dieser Technik Spuren von Kleinstbergwerken auf, so z. B. am Osthang des Reinhardswaldes bei Gieselwerder. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Kleinstbergbaus und der sich daran anschließenden Weiterverarbeitung der Erze lässt sich derzeit kaum abschätzen.
Abb. 2 Ofenhügel aus gebranntem roten Lehm nördlich von Wilhelmshausen. Hinter dem Hügel sein Entdecker Claus Chwalczyk
Abb. 3 Luftbild der Eisenhütte Lippoldsberg mit Herrenhaus (links zwischen Bäumen) und den Werkstätten um 1930. Außer dem Magazin und dem Kohlenschuppen mussten alle Gebäude abgerissen werden.
Die wichtigsten Eisenerzlagerstätten in Nordhessen sind tertiären Ursprungs und stehen oft in direkter Verbindung mit den Basalten des tertiären Vulkanismus.⁵ Größere Vorkommen im Kasseler Umland, die in einem regelrechten Grubenbetrieb abgebaut wurden, finden sich bei Immenhausen-Hohenkirchen und bei Mardorf bei Homberg (Efze). Daneben gab es Eisenerzgruben auf Zechstein-Eisensteinvorkommen bei Bad Zwesten, auf Jura-Eisensteinvorkommen bei Volkmarsen und auf diluvialen Eisensteinvorkommen in der Umgebung von Fritzlar.
Alle diese Bergwerke besaßen nur regionale Bedeutung. Neben der Grube Mardorf, deren Vorkommen mindestens seit der frühen Neuzeit ausgebeutet wurde und die zuletzt auf drei Schachtanlagen förderte, ist vor allem das Vorkommen von Hohenkirchen bei Immenhausen von Bedeutung. Hier wurde spätestens seit dem 17. Jahrhundert Erz gefördert. Versorgt wurden damit die Eisenhütten in Knickhagen, Vaake und Lippoldsberg. Das technische Denkmal der Eisenhütte Lippoldsberg zeigt bis heute auf eindrucksvolle Weise, dass es die nordhessische Eisenindustrie geschafft hatte, sich aus kleinsten Verhältnissen heraus zu entwickeln und eine wichtige Stellung in der regionalen Wirtschaft einzunehmen.
Interessant ist, dass sich sogar im nordhessischen Bergbau ein Hinweis auf die traditionelle Rangfolge der Bergwerke findet. So bedeutsam der Eisenerzbergbau und die sich daran anschließende Eisenerzverhüttung für die technische und wirtschaftliche Entwicklung war, so stand er doch immer im Schatten des (Nicht-Eisen) Metallerzbergbaus und sogar des Kohle- und des Salzbergbaus. Technische Innovationen und kulturschaffende Leistung lässt sich für diese sehr viel breiter nachweisen, als für den Eisenerzbergbau. Dazu passt, dass Landgraf Philipp der Großmütige sich 1550 noch gegen den Ausbau der Eisenindustrie aussprach, da er eine Verwüstung der Wälder befürchtete, die ausschließlich dem (Nicht-Eisen-) Metallerzbergbau vorbehalten bleiben sollte.⁶ Wie die Lippoldsberger Hütte mit ihrer herrschaftlich anmutenden Architektur zeigt, hat sich diese Ansicht in den folgenden Zeiten geändert.
Obwohl die Gewinnung und Weiterverarbeitung von Eisenerz seit seiner Entdeckung von grundlegender Bedeutung für nahezu alle Produktionsbereiche ist, sind hier noch ganz viele Fragen offen. Die in den letzten Jahren durch die Montanarchäologie gewonnenen, sehr überraschenden Erkenntnisse über die Ausdehnung, die der frühe Bergbau auf Eisenerz und die sich daran anschließenden Gewerbe zur Weiterverarbeitung besaßen, lassen vermuten, dass auch in Nordhessen noch viele Produktionsstätten unerkannt sind. Nicht geklärt ist damit aber auch die Frage nach der wirtschaftlichen Bedeutung einzelner Betriebe oder ganzer Lagerstättenregionen. Die Feststellung, dass Bauern auch Eisensteine zur Verhüttung aufgesammelt haben, also gewissermaßen das Kleinstbergwerk im Nebenbetrieb bewirtschafteten, kann nur ein allererster Schritt sein, um den wirtschaftlichen Prozess der Eisengewinnung im Mittelalter und der Frühneuzeit wirklich zu verstehen.
Kupfererze
Kupfererz kommt in Nordhessen vor allem in zwei Lagerstätten vor: Südlich von Sontra im Richelsdorfer Gebirge und bei Korbach und Frankenberg. Dieses letztere Vorkommen führte bis ins 19. Jahrhundert zu bergbaulichen Aktivitäten, vor allem bei Thalitter, Wrexen, Rhoden und Twiste.⁷ Der frühe Bergbau konnte eine zumindest regionale Bedeutung entwickeln, geriet aber durch den Dreißigjährigen Krieg in Schwierigkeiten. Danach wurde der bis dahin privat betriebene Bergbau im Frankenberger Revier durch die Landesherrschaft übernommen, die intensiv in seinen Ausbau investierte. So wurden in kurzer Zeit über 100 Schächte abgeteuft, die bis zu 70 Meter tief waren. Am Ende des 18. Jahrhunderts geriet der Betrieb aus verschiedenen Gründen in Schwierigkeiten, von denen er sich nie mehr richtig erholen konnte. Auch zahlreiche weitere Versuche im Laufe des 19. Jahrhunderts blieben ohne wirtschaftlichen Erfolg. Insgesamt konnten bei Frankenberg in der Zeit von 1692 bis 1790 etwa 3.300 Tonnen Roherz gewonnen werden, aus denen sich eine jährliche Fördermenge von ungefähr 16 Tonnen Kupfer und immerhin 40 Kilogramm Silber errechnen lässt.⁸
Grundsätzlich sehr ähnlich verlief die Geschichte des Bergbaus bei Thalitter und Wrexen: gesicherte Anfänge im 16. Jahrhundert, Abschwung durch den Dreißigjährigen Krieg, Wiederaufnahme, durchaus vielversprechend im 18. Jahrhundert und dann eine mehr oder weniger schmerzhafte Phase des endgültigen Niedergangs im 19. Jahrhundert.
Das Richelsdorfer Erz wird gesichert seit dem späten Mittelalter gewonnen und verarbeitet. Da das Flöz an seinen Rändern zu Tage tritt, ist auch eine frühgeschichtliche Gewinnung denkbar. Ein sicherer Nachweis des ältesten Bergbaus ist aber immer schwierig, da der jüngere Bergbau die Spuren seiner Vorgänger überdeckt und zerstört. Bis 1684 erfolgte der Bergbau durch bergbauliche Gewerkschaften, d. h. private Investoren, die
