Der Fall Ulrike Guérot: Versuche einer öffentlichen Hinrichtung
Von Heike Egner, Anke Uhlenwinkel, Christoph Lövenich und
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Über dieses E-Book
Wer die zum Teil mit großem, ja exzessivem Eifer vorgebrachten Anwürfe an Ulrike Guérot einordnen will, sollte deren politischen Hintergrund kennen: In einer prominenten Talk-Show- Sendung sprach sich Ulrike Guérot ungeheuerlicherweise dafür aus, dass Diplomatie und Politik vor allem darauf abzielen sollten, die Möglichkeit nach Friedensverhandlungen im aktuellen Krieg in und um die Ukraine auszuloten. Am Tag nach der Ausstrahlung der Sendung wurden mit zunehmenden Verfolgungseifer Plagiatsvorwürfe laut, obwohl ihr Buch "Wer schweigt, stimmt zu" seit dem frühen Frühjahr auf dem Markt und allgemein erhältlich war, wochenlang die Spiegelbestellerliste in oberen Rängen besuchte und in etlichen Medien besprochen wurde. Angebote von Frau Guérot an Kritiker , sich zu einem Austausch, öffentlich oder nichtöffentlich, zu treffen, wurden ausgeschlagen, die Universität Bonn versucht aktuell Ulrike Guérot vom universitären Betrieb zu entfernen.
Der vorliegende Band zeichnet diese Geschehnisse nach. Klar wird: Wer stört - wird mundtot gemacht. Wehren wir diesen Anfängen.
Heike Egner
Heike Egner, geboren 1963 in Heidelberg, ist Geographin, freie Wissenschaftlerin und Mediatorin. Sie absolvierte ein Studium der Publizistik, Politikwissenschaft und Geografie in Mainz, wo auch ihre Promotion und Habilitation in Geografie erfolgten. Egner besetzte Vertretungs- und Gastprofessuren in Frankfurt am Main, Kassel, München, Wien, und Innsbruck. Von 2010 bis 2018 war sie Universitätsprofessorin für Geografie und Regionalforschung an der Universität Klagenfurt, wo sie 2018 überraschend entlassen wurde.
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Buchvorschau
Der Fall Ulrike Guérot - Heike Egner
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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
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Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
ISBN 978-3-86489-450-3
1. Auflage
© Westend Verlag GmbH, Neu-Isenburg 2023
Satz: Buchgut, Berlin
Druck und Bindung: Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg
Für alle, die den Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit nicht hinnehmen wollen.
»Wer den Gedanken nicht angreifen kann,
greift den Denkenden an.«
Paul Valéry
»Die an den Pranger gestellten (…) werden zwar nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wie das bei den Hexenjagden in der frühen Neuzeit der Fall war. Sie werden ›nur‹ sozial geächtet, aber der soziale Mechanismus, der hier wirksam wird, ist derselbe.«
Irene Poczka, in: »Die Regierung der Gesundheit«
Inhalt
Gabriele Gysi
Vorwort
Heike Egner & Anke Uhlenwinkel
Ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit
Christoph Lövenich
Das »Plagiat« – eine (wissenschaftliche) Betrachtung
Roberto De Lapuente
Der »Fall Ulrike Guérot«: Versuche einer öffentlichen Hinrichtung
Anhang
Dokumentation der öffentlichen Hetze
Chronologische Auswahl der Hetzartikel und sonstige Berichte über Ulrike Guérot
Distanzierung der Universität Bonn
Zuschrift bezüglich der Distanzierung der Universität Bonn von Ulrike Guérot
Erklärung des Westend Verlages im Oktober 2022
Die Autoren
Gabriele Gysi
Umstritten
Was bedeutet das, umstritten sein? Umstritten, der Streit, Streiten, verstritten, gestritten, Abstreiten. Wer ist umstritten und in wessen Augen?
Worüber wird eigentlich gestritten?
Und warum sind immer nur Personen umstritten und nicht Sachverhalte oder empirische Beobachtungen? Warum gelten umstrittene Aussagen an Universitäten nicht als der Neugier, dem Denken und Nachdenken förderlich? Wie kann ein Begriff auf solch merkwürdige Weise zur Diskreditierung von Menschen genutzt und akzeptiert werden?
Es scheint eine allgemeine Klarheit zu geben, die jede andere Position ausschließt. Nur umstrittene Personen können diese Klarheit nicht erkennen. Deshalb müssen sie in ihrem Menschsein angefochten, bestritten werden, umstritten sein. Was sind das für Menschen, die sich nicht mit einer genau vorherbestimmten Sichtweise auf Sachverhalte zufriedengeben? Sie müssen umstritten werden, denn in Unkenntnis des Selbstverständlichen, das Richtige und Gute anzuerkennen, müssen sie auf jeden Fall aus der universitären Landschaft vertrieben werden.
Immer neue Fragen lenken uns ab von sicheren Antworten. Denn wird Sicherheit allseits gebraucht und gepredigt. Da gibt es kein Erstaunen, kein Wundern mehr.
Das Böse ist das Andere, also sind wir gut.
Warum wird diese vorausgesetzte Klarheit, diese scheinbar offensichtliche Trennung zwischen Gut und Böse, richtig und falsch, Wahrheit und Lüge nicht als das gesehen, was sie ist: voraufklärerischer Aberglaube. Dieser Aberglauben verlangt immer neue Wahrheitsbeweise. Sie werden gesucht und gefunden.
Was ist das für eine Gesellschaft, die Faktenchecker hervorbringt, Menschen, denen faktisch die Wahrheit innewohnt, denn sie bieten Wahrheiten für alles, über alles, Gewissheiten zu allen Sachverhalten und Fragen.
Sind sie die Jäger der Umstrittenen?
Aber warum werden Personen mit so einem Eifer gejagt und vertrieben?
Wissen die Jäger, dass sie jagen?
Wissen sie, dass die Vielzahl der medialen Darstellungsmöglichkeiten, solche Menschen anzuprangern, die Intensivierung von Vorurteilen, für die Betroffenen als ein Weg in den Suizid empfunden werden kann?
Falls es den Angeprangerten nicht gelingt, das Umstrittensein abzuschütteln, der Umstrittene annimmt, was behauptet wird, dass er, sie, es die sichere Klarheit der Allgemeinheit nicht verstehen kann, wo wäre dann sein Platz in dieser Gesellschaft?
Oft denke ich beim Anschauen von Talkshows, den Schulen des Fühlens für moderne westliche Menschen, dass die vorgestellten Emotionen gegenüber den Umstrittenen verlangen, das die Streiter gegen die Umstrittenen umgehend die Polizei rufen müssten. Denn eigentlich sind die Umstrittenen als potenzielle Straftäter zu verhaften. Sie fördern Mord und Totschlag! Oft gesagt und, noch schlimmer, auch gemeint. Die Argumente versagen, jetzt schafft sich das Gefühl Raum im umkämpften Terrain der öffentlichen Aufmerksamkeit. Damit tritt an die Stelle des Arguments das Gefühl für das Gute.
Die Kamera läuft, Ton ab: Wir fühlen und kämpfen damit unter Einsatz der gesamten dort zur Schau gestellten Gefühlswelt. Für mich ist dieses Ende der Aufrichtigkeit zugunsten eines aufgeregten authentischen Vortrags kaum zu ertragen. Die politischen Darsteller fühlen sich in die Wahrheit hinein. Die Umstrittenen verweigern den Beifall.
Was ist eigentlich die Aufgabe von Politikern und Journalisten? Sind sie Darsteller der Medienwirklichkeit, sind sie besetzt, wie Akteure im Film, und zum ständigen Vorsprechen verpflichtet?
Besonders Politiker drängen sich auf die Bühne der Öffentlichkeit. Hier zeigen sie in der Erregung durch das Publikum uns ihre Gefühle. Sie verzweifeln auf der Höhe ihrer Emotion am Bösen, an den uneinsichtigen Menschen. Sie sind in ihrer Darstellung der Empörung gegenüber diesen uneinsichtigen Personen zu jedem Gefühlsausbruch vor laufenden Kameras bereit.
Journalisten können im Anschluss die Uneinsichtigen als umstritten beschreiben. Der Gegenstand der Auseinandersetzung ist verloren, die Person steht im Zentrum. Wir finden Schuldige, das wird zur Hauptsache. Sie haben den Beifall verweigert. Jeder klatschende Zuschauer kann sich freuen, nicht umstritten und nicht erwischt zu sein.
Diese vorgelebte szenische Logik ist in und vor meinen Augen ein Kampf gegen menschliches Denken und gegen die menschliche Fähigkeit zur Empathie.
Man kann bei diesem Ausschlussverfahren von unliebsamen Ansichten, Personen, Staaten und Organisationen zuschauen und beobachten, wie immer höhere Brandmauern um das eigene Denken gebaut werden. Damit schleicht sich, als Kampf für Allgemeinwohl getarnte Ausgrenzung, das empörte Gefühl in jedes Leben.
Das ist es, was als Spaltung diese Gesellschaft in ungeahnte Aggressionen treibt.
Denn wir müssen nur noch denken, um recht zu haben. Denken wie andere auch! Damit kann die Berechtigung zum Handeln in Anspruch genommen werden. Damit müssen Handlungen für das von mir, vom Staat, von anerkannten, nicht umstrittenen Organisationen, durch wen auch immer, nur nicht umstritten, nach den von den Medien vervielfältigten Anweisungen berechtigt sein. Jetzt müssen Maßnahmen durchgeführt werden, welche auch immer, es muss sein, denn sie sind unumstritten wahr.
Das wäre das Ende menschlichen Nachdenkens.
Wir müssen aber denken, um etwas zu verstehen. Das müssen wir tun, weil wir nicht wissen. Das Nichtwissen ist die Voraussetzung unseres Denkens. Wie kann eine Gesellschaft das Nachdenken auf Faktenchecker abwälzen? Wann ist dieser Irrsinn ausgebrochen?
Wer erklärt hier wem den Krieg?
Für jeden Schauspieler ist der Versuch, etwas zu verstehen, die Grundlage der lebendigen Simulation von Leben. Vielleicht waren gerade deshalb die Schauspieler mit ihren Szenen im Rahmen der #allesdichtmachen-Aktion zum Lockdown so erfolgreich, witzig und genau, weil sie die Erfahrung und nicht die »unbestrittene Ansicht« schildern.
Aber nicht nur im Schauspiel ist Lebenswirklichkeit Gegenstand
