Gehrt's noch?: von Porto bis zum Ende der Welt
Von Tibor Haraszti
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Buchvorschau
Gehrt's noch? - Tibor Haraszti
VORWORT
Tibor Haraszti
Geht‘s noch?
von Porto bis zum Ende der Welt
© 2018, korrigierte und erweiterte Auflage 2019, 2022
Umschlagfoto, Text & Illustrationen: Tibor Haraszti
Korrektorat: Regina Haraszti
Dieses Buch verwendet die alte Rechtschreibung.
E.i.S.
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich
geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
ISBN: 9781728647203
Anmerkungen, oder Fragen senden Sie bitte per Email an tiborharaszti@gmail.com
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Meinen Großeltern, die in mir die Liebe zum Wandern geweckt haben.
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Der Rucksack ist schon seit Tagen gepackt (nur 8,1 kg ohne Getränke), die Wohnung ist geputzt und der Schlüssel ist hinterlegt. Der Arzttermin am Morgen ist auch erledigt. Der Bauch ist nach einem (mit Schnaps aus einer Jakobsmuschel flambierten) großen Steakspieß im Steakhouse voll. Alle Vorbereitungen sind also erledigt. Die letzte Nacht im kuscheligen eigenen Bett, dann geht mein Abenteuer Jakobsweg los: Geplant sind etwa 260 km auf dem ‚Camino Portugues‘ in rund zwei Wochen mit Verlängerungsoption zum Ende der Welt, nach Finisterre. Insgesamt zwischen 12 und 16 Etappen. Wird das gut gehen? Was werde ich alles erleben? Meine Spannung steigt.
chapter1Image1.jpegAbreisebereit, der Rucksack ist gepackt.
„Geht's noch? 260 km zu Fuß irgendwo durch die Walachei latschen!?, haben mich einige gefragt. „Geht's noch?
werde auch ich mich später auf dem Weg noch des öfteren fragen, wenn ich erschöpft am Straßenrad sitze, mit neuen Blasen an den Füßen und schmerzenden Gelenkentzündungen, die ein Weiterlaufen trotz Tabletten-Cocktails nahezu unmöglich machen.
Wieso habe ich mich eigentlich dazu entschieden, den Jakobsweg zu laufen? Der Wunsch nach religiöser Erleuchtung war es schon mal nicht.
Als mein Freund David sich vor etlichen Jahren von Bilbao aus auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht hat, fand ich das gleichermaßen überraschend, wie auch bewundernswert. Daran mußte ich wieder denken, als ich im Sommer 2018 kurz nach einem Wanderurlaub im Frankenwald einen Fernsehbericht über den Jakobsweg sah: Die Landschaft war beeindruckend (hier ging es allerdings um den Camino Frances), und alle Pilger waren des Lobes voll ob der großartigen Erfahrungen. Klingt interessant, und wenn nicht jetzt, wann dann?
Zeit habe ich, finanziell kann ich es mir auch leisten. Noch ist die Knieartrose nicht zu sehr fortgeschritten, könnte also klappen. Ich laufe gerne, auch alleine, mag die Natur. Stempel in meinem Wander-Paß habe ich schon als Kind mit Inbrunst gesammelt, wenn ich mit meiner Familie im Bayerischen Wald bei Sankt Englmar unterwegs war. Ich besichtige gerne alte Kirchen und Burgen. Sportliche Betätigung kann mir nicht schaden, ist mir sogar ärztlich angeraten worden. Dabei ein paar Kilos abspecken wäre auch ganz schön. Ich mag sowohl die Portugiesen als auch die Spanier und rechne mit neuen kulturellen und vor allem kulinarischen Impressionen. Dazu neue Bekanntschaften, vielleicht entsteht sogar eine echte Freundschaft? Also diverse Punkte auf der Haben-Seite.
Dagegen spricht: Die Fahrt ins Ungewisse ohne exakte vorherige Planung läuft grundlegend meinem Naturell zuwider und ist ein großer Schritt aus meiner Komfort-Zone. Übernachten im bettwanzenverseuchten Massenschlafsaal zusammen mit Dutzenden fremden Schnarchern möchte ich - wenn irgend möglich - vermeiden, aber das könnte sich dank booking.com, tripadvisor und Co. hinbekommen lassen. Auch die permanente Schlepperei des Gepäcks bzw. das Auskommen mit ungewohnt wenig schrecken mich ab. Aber die Herausforderungen wecken auch meinen Ehrgeiz. Was Hape Kerkeling ohne Vorbereitung geschafft hat, werde ich doch wohl auch packen, oder?
Vieles spricht dafür, nichts Ernsthaftes dagegen, den Weg zu gehen. Also keine Ausreden: Flug buchen, die Erfahrungen Anderer aus Büchern und dem Internet auswerten (Vielleicht werde ich mit meinem Reisebericht später auch andere motivieren können?), die nötige Ausrüstung zulegen, und ab nach Portugal.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
ANREISE Berlin - Brüssel - Porto
Endlich geht's los auf den Jakobsweg! Bom Caminho!
Um 6:30 Uhr fahre ich mit einem car2go zum Flughafen Tegel, checke das Gepäck ein und zische erstmal ein Piccolöchen.
chapter2Image1.jpegKurz vor dem Check-In
Um 8:50 Uhr hebt mit leichter Verspätung der Flieger nach Brüssel ab, dort laufe ich (gemäß Flugschein und Lautsprecherdurchsage) von Gate 46 zu Gate 60. Dann Flugsteigänderung: Zurück zu Gate 44. Gerade noch genug Zeit für ein sehr leckeres Laffe blond für völlig überteuerte 6,20 €.
Der Anschlußflug nach Porto hat rund eine Stunde Verspätung, wenngleich nach dem Boarding zuerst noch eine halbe Stunde mehr angesagt war. Dazu kommt, daß ich erheblich weniger Beinfreiheit habe als beim ersten Flug und eine Sitznachbarin, die auf Körperhygiene wenig Wert zu legen scheint. Die Zecken-Tussi riecht als würde sie nur duschen, wenn die Natur ihr einen Regenschauer beschert. Fast durchgehend ertragen muß ich lautes Baby-Geschrei drei Reihen vor mir. Werde ich auf dem Camino wohl die Ruhe finden, solch einer kleinen Bränsche nicht ein Kissen aufs Gesicht drücken zu wollen? Ich werde es sehen.
Die Zeit im Flieger überbrücke ich mit dem Lösen von Kreuzworträtzeln. Gleich das zweite gesuchte Wort ist ‚Pilger‘. Wenn das kein gutes Omen ist!
chapter2Image2.jpegMein Kreuzworträtzel – ein Omen?
Meinen Rucksack hatte ich in Berlin am Gepäckschalter aufgegeben. So mußte ich ihn weder auf dem Flughafen mit mir rumschleppen, noch mit den Security-Leuten rumstreiten, ob ich das kleine Taschenmesser mit in die Kabine nehmen darf. Zum Glück ist er auch in Porto angekommen, nur meine Lock&Lock-Trinkflasche hat sich unterwegs ins Nirvana verabschiedet. Nicht so schlimm, das läßt sich ersetzen.
Die restliche Anreise zum ‚Dear Porto Guesthouse‘ mit der Metro und zu Fuß verläuft reibungslos. Ich finde direkt im Zentrum ein schönes und sehr sauberes Zimmer vor (60,- € abzgl. 10,- € Rabatt von Check24). Ein Frühstück buche ich mir für 4,- € gleich dazu. Meine Bewertung: ☆☆☆☆
chapter2Image3.jpegMein Zimmer im ‚Dear Porto Guesthouse‘
Nach einer kurzen Dusche und kleiner Wäsche wird gleich Porto erkundet. Anmerkung: Handwäsche unter fließendem Wasser ist nicht optimal. Leider habe ich keinen Stöpsel eingepackt. Daß man den hätte mitnehmen sollen, stand weder im Reiseführer, noch in einem der zahlreich studierten Internet-Beiträge.
Direkt neben meiner Unterkunft beginnt eine Fußgängerzone mit diversen Restaurants, Bars und Geschäften. Mein rund dreistündiger Spaziergang durch die engen Gassen ist wunderschön. Porto ist eine fußgängerfreundliche Stadt mit vielen alten, stuckverzierten Häusern und Kirchen, die oft mit kunstvollen Fliesen (=Azulejos) dekoriert sind. Unzählige Geschäfte, viele Straßenmusikanten und ein malerischer Hafen runden das tolle Ambiente ab.
chapter2Image4.jpegVor der ersten mit ‚Azulejos‘ geschmückten Kirche in Porto geht’s los.
chapter2Image5.jpegDie engen Gassen haben eine besondere Ausstrahlung.
chapter2Image6.jpegDer erste gelbe Pfeil weist mir den Weg in Richtung Meer.
chapter2Image7.jpegAm Hafen von Porto.
chapter2Image8.jpegBlick auf die Stadt.
chapter2Image9.jpegDie ‚Ponte Luis I‘ über den Douro
In der Kathedrale hole ich mir den ersten Stempel in meinen Pilger-Paß.
Als ich unweit des Hauptbahnhofes bei einem Restaurant stehenbleibe, um die Speisenkarte zu studieren, spricht mich die Frau am Nebentisch an und empfiehlt mir ‚Fish and Chips‘. Hatte ich
