Lebendige Seelsorge 6/2017: Gründen, oder: Kirche für Anfänger
Von Echter Verlag und Matthias Sellmann
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Über dieses E-Book
Es ist unerlässlich, dass über den Traktat der Verbindung von Tradition und Innovation intensiv und fußnotenstark reflektiert wird. Doch das geschieht anderswo. Die "Lebendige Seelsorge" geht den praxisbezogenen Weg.
Darum wimmelt es in diesem Heft von Leuten, die sagen: Kirche braucht pastorale Existenzgründerinnen und
-gründer. Es braucht Profis des Neuanfangs. Es braucht diese Typen, die einem Acker heute schon ansehen,
dass da morgen ein Schatz zu bergen ist.
Und diese Typen legen los. Sie finden in diesem Heft
--eine Kontroverse, ein Interview und einen Projektbericht über die Chancen, wenn Pastoral das Gründen von
den Wirtschaftswissenschaften lernt;
--einen Poetry Slam über den Zusammenhang von Wut und Mut;
--die exegetische Information darüber, dass das erste Wort der Bibel nicht nur mit "am" (Anfang schuf Gott die
Welt) übersetzt werden kann, sondern auch mit "als" - und sich dann für den, der will, die ganze Idee von
Schöpfung verändert;
--Reports über riskante Gründungen;
--den charmanten Hinweis, dass die DNA von Missionarinnen und Missionaren immer schon im Gründen lag.
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Rezensionen für Lebendige Seelsorge 6/2017
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Buchvorschau
Lebendige Seelsorge 6/2017 - Echter Verlag
THEMA
Wir könnten. Pastorale Innovation mit dem Gründer*innen Handbuch
Von Florian Sobetzko
Wie viel Ökonomie verträgt die Pastoral?
Von Norbert Mette
Wagnis der Kirche oder Wagnis der Theologie?
Die Replik von Florian Sobetzko auf Norbert Mette
Ein originärer Beitrag zur Kirchen- und Gemeindeentwicklung
Die Replik von Norbert Mette auf Florian Sobetzko
Missionsarbeit: Inspiration für eine heute angesagte pastorale Gründerzeit
Von Peter Hünermann
PROJEKT
Wachstum durch Teilen
Franchising als Konzept für die Verbreitung pastoraler Innovationen
Von Ursula Hahmann
INTERVIEW
Eine kirchliche Gründerkultur – ja, warum denn nicht?
Ein Gespräch mit René Mauer
PRAXIS
raumschiff.ruhr – wie aus Fragen Raum für Neues entstehen kann
Von Rebecca John Klug
Mutanfall
Von Christina Brudereck
Coworking Space als Lernort für pastorale und soziale Innovation
Prototyp einer neuen kirchlichen Lern- und Innovationskultur
Von Thomas Schaufelberger
Macht der Entscheidungen – Gründungsszenarien im Alten/Ersten Testament
Von Christian Frevel
FORUM
Mehr als Anerkennung
Pastoraltheologische Überlegungen zur interkulturellen Seelsorge
Von Katharina Karl
POPKULTURBEUTEL
Was ist das für 1 Sprache?
Von Bernhard Spielberg
NACHLESE
Glosse: Urbi et orbi
Von Annette Schavan
Buchbesprechungen
Jahresinhalt
Impressum
Matthias Sellmann Mitglied der Schriftleitung
Liebe Leserin, lieber Leser,
kann man sich eigentlich neu erfinden? Als Persönlichkeit – als Partnerschaft – als Organisation? Und angenommen, das ginge: Gilt das dann auch für Kirche? Klar, die Kirche ist auf festem Fels gegründet – aber bedeutet das, dass man kirchliche Erscheinungsformen nicht ebenfalls neu erfinden kann? Und bekommt diese Frage nicht auch dadurch Brisanz, als uns doch allen auf den Nägeln brennt, wie es weitergehen soll mit Gemeinde, mit Pastoral, mit Verkündigung usw.?
Es ist unerlässlich, dass über den Traktat der Verbindung von Tradition und Innovation intensiv und fußnotenstark reflektiert wird. Doch das geschieht anderswo. Die „Lebendige Seelsorge" geht den praxisbezogenen Weg.
Darum wimmelt es in diesem Heft von Leuten, die sagen: Kirche braucht pastorale Existenzgründerinnen und -gründer. Es braucht Profis des Neuanfangs. Es braucht diese Typen, die einem Acker heute schon ansehen, dass da morgen ein Schatz zu bergen ist.
Und diese Typen legen los. Sie finden in diesem Heft
- eine Kontroverse, ein Interview und einen Projektbericht über die Chancen, wenn Pastoral das Gründen von den Wirtschaftswissenschaften lernt;
- einen Poetry Slam über den Zusammenhang von Wut und Mut;
- die exegetische Information darüber, dass das erste Wort der Bibel nicht nur mit „am" (Anfang schuf Gott die Welt) übersetzt werden kann, sondern auch mit „als" – und sich dann für den, der will, die ganze Idee von Schöpfung verändert;
- Reports über riskante Gründungen;
- den charmanten Hinweis, dass die DNA von Missionarinnen und Missionaren immer schon im Gründen lag.
Weihnachten bedeutet, mit dem Anfangen nie aufzuhören!
So wünschen wir Ihnen von der ganzen Schriftleitung her frohe Weihnachten!
Ihr
Prof. Dr. Matthias Sellmann
Wir könnten. Pastorale Innovation mit dem Gründer*innen Handbuch
Im zurückliegenden Jahrzehnt entwickelte sich im Bistum Aachen zeitweise ein regelrechtes Gründerklima, das innovationsmotivierte junge Theolog/innen aus anderen Teilen der Republik motivieren konnte, beruflich nach Westen aufzubrechen. Im Mittelpunkt dieser von lokalen Gemeindegründungen getragenen Entwicklung entstand unter anderem ein Gründertraining für Seelsorger/innen, dessen Erträge im ZAP-Projekt „Gründerkompetenzen für Seelsorger/innen zu einer eigenen Forschungslinie wurden. Die hieraus erwachsene Publikation „Kirche neu gründen
ist angekündigt für Mitte 2018 und verdiskursiviert unter pragmatistischem Vorzeichen die pastoraltheologische Debatte um die Zeichen der Zeit mit dem Begriff der unternehmerischen Gelegenheit in der ökonomischen Entrepreneurshiptheorie. Florian Sobetzko
Das im Sommer 2017 erschienene „Gründer*innen Handbuch für pastorale Startups und Innovationsprojekte" wendet zentrale Erträge dieser Forschung praxeologisch, indem es aktuelle Modelle unternehmerischen Gründens und Innovierens für die Pastoralentwicklung verfügbar macht.
Das Gründer*innen Handbuch erscheint in seiner aufwändigen Gestaltung für ein theologisches Fachbuch manchem/r Leser/in ungewohnt bunt, dabei aufgrund des Umfangs von 480 Seiten und des dem Vollfarbdruck geschuldeten Gewichts von 1200g vielleicht etwas überfordernd. Wer das Konzept des Buches aber einmal durchschaut hat, wird flexibel damit arbeiten können. Man kann das Gründer*innen Handbuch von vorne bis hinten durcharbeiten oder es kursorisch nutzen. Dabei hilft die grafische Benutzerführung mit Hinweisen, wo man mit welchem Interesse oder welcher Herausforderungslage einsteigen sollte.
INNOVATIONSFÄHIGKEIT: KEINE BEGABUNG, SONDERN ERLERNBARE KOMPETENZ
Wer es beruflich mit pastoraler Innovation zu tun bekommt, der merkt schnell: Es braucht Verrückte, es braucht aber eben auch Leute, die mit den Verrückten zusammenarbeiten können. Egal nun, wo in dem breiten und teils blumigen Spektrum zwischen Gemeindepflanzern, Pastoralpionieren und kirchlichen Innovationsmanager/innen sich der/die Leser/in verortet, Innovationsfähigkeit ist keine Begabung, die man entweder hat oder nicht, sondern sie ist als sehr klar strukturiertes und vor allem erlernbares Kompetenzmodell beschreibbar in einer dreischrittigen Logik von der Idee zur erfolgreichen Umsetzung. Die Schritte heißen Ideation – Applikation – Diffusion, oder einfacher: Ausdenken – Ausprobieren – Ausbreiten. Womit zugleich klargestellt wäre: Innovation ist mehr als nur eine originelle Idee oder eine reine Novität.
Dipl.-Theol., arbeitete 2000–2017 als Pastoralreferent im Bistum Aachen und Gründer der kafarna:um Hauskirchengemeinde Aachen, 2013–2017 als Referent für Innovationsprozesse und Personalentwicklung in der Hauptabteilung Pastoralpersonal; seit November 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum und Leiter des Kompetenzzentrums „Internationale Pastorale Innovation" am ZAP.
Innovation ist mehr als nur eine originelle Idee oder eine reine Novität.
LUST AUF PASTORALEN ERFOLG
Das Gründer*innen Handbuch will kreative Unzufriedenheit wecken, Mut machen und Lust auf echten pastoralen Erfolg jenseits des nur gut Gemeinten. Und weil nichts so sehr ermutigt und inspiriert wie die Begegnung mit erfolgreichen Gründer/innen, wird der Auftakt mit einer Erfolgsstory abgeschlossen: Als solche jedenfalls verstehen die Autoren die das Buch auch später als Praxisbeispiel durchziehende Gründungsgeschichte von Zeitfenster Aachen, die der Gemeindereferent Jürgen Maubach hier in berufsbiographischer Perspektive erzählt.
Maubach ist dabei kein ausgeflippt Verrückter, sondern er ist und bleibt ein bodenständiger, wertschätzender und nachdenklicher Seelsorger von nebenan, der sich seine Sporen in den sogenannten „klassischen" Einsatzfeldern auch weiterhin verdient, dabei aber seine kreative Sehnsucht kirchenproduktiv gewendet hat. Maubach kann auch mit Verrückten zusammenarbeiten, muss es aber nicht.
KIRCHE ALS START-UP
Im Zentrum des Buches steht das seit 2010 entwickelte und im Rahmen des Aachener Gründertrainings für Seelsorger/innen erprobte Ecclesiopreneurship-Konzept. Pastoralstrategisch grundlegend ist dabei die Idee, dass jenseits der sich ausbreitenden und aber im Metaphorischen verbleibenden Rede von der Kairóshaftigkeit der kirchlichen Krise ein auf echte Wirksamkeit zielender Modus der Kirchenentwicklung fällig ist, der es nicht beim Sehen und Urteilen belässt, ohne ins Handeln zu kommen.
Das Credo des Gründer*innen Handbuches lautet hier: Lieber neue Fehler machen als immer wieder die ständig selben, alten. Die dazu optimale Vorgehensweise ist sehr kleinschrittig und macht entscheidende Anleihen bei Konzepten unternehmerischer Start-up-Entwicklung, Geschäftsmodellinnovation und dem sogenannten Design Thinking. Alle drei Schlagworte sind konzeptuell mit sehr dynamischen Verfahren in oft maximalem Kundenkontakt verbunden.
Dies wiederum unterscheidet sich von der gewohnten Art und Weise, wie bei Kirche normalerweise gearbeitet wird – nicht nur, weil Christ/innen natürlich keine Kirchenkunden sind.
Kirchlich ist man es gewohnt, dass Projekte in aufwändigen Planungsprozessen heranreifen und dann möglichst minutiös umgesetzt werden. Der Plan definiert den Weg über feste Meilensteine hin zum Ziel. Das Team steht gerne schon zu Beginn fest und besteht bevorzugt aus hauptamtlichen Profis. Ideen kommen in der Regel von den organigraphisch Zuständigen innerhalb der Organisation. Die für die Ressourcenvergabe verantwortlichen Gremien tagen halbjährlich bis jährlich. Bezuschusst werden vertrauenswürdige Pläne zur Erreichung sichtbarer Ziele. Risiken werden durch möglichst präzise Planung minimiert, Scheitern gilt als Misserfolg. Da es dennoch passiert, wird es kaschiert und umgedeutet. Kurz: Ein Innovationsprojekt besteht hier normalerweise in der Ausführung eines Planes.
LIEBER NEUE FEHLER MACHEN ALS IMMER DIE ALTEN
Start-ups – und eben auch pastorale – funktionieren aber eigentlich anders. Sie sind keine große Organisation in klein, sondern temporäre Organisationsformen zur Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells bzw. hier: zur Entwicklung neuen pastoralen Handlungswissens. Projekte entstehen in kleinen Updatezyklen, bei denen sich das Vorhaben innerhalb weniger Tage sehr verändern kann. Das letztliche Ziel ist bei Prozessbeginn oft noch völlig unsichtbar, weil zunächst mittelorientiert mit dem gearbeitet wird, was an Ressourcen und Ideen zur Verfügung steht. Der Ressourcenbedarf verändert sich dadurch ebenfalls eher kurzfristig, keinesfalls aber halbjährlich oder jährlich. Das Team entsteht auf dem Weg, abhängig von der Leistungsbereitschaft der verfügbaren Talente. Ideen können von überallher kommen, nicht nur von hauptamtlichen Expert/innen mit ihrem unmittelbaren Zugang
