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Pferdeglück auf Ravensmoor
Pferdeglück auf Ravensmoor
Pferdeglück auf Ravensmoor
eBook171 Seiten1 Stunde

Pferdeglück auf Ravensmoor

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Über dieses E-Book

Von einem Schulfreund erfahren Kathi und Kim von einem Tierquäler, der sein Pferd vernachlässigt und schlägt. Natürlich muss sofort etwas unternommen werden! Mithilfe von Stevie, dem Tierschützer, und Kathis Mutter können die beiden Mädchen das misshandelte Pferd, eine schöne Schimmelstute, sogar retten. Doch ist es für das schwer verletzte Pferd schon zu spät?
SpracheDeutsch
HerausgeberSAGA Egmont
Erscheinungsdatum2. Aug. 2018
ISBN9788711804469
Pferdeglück auf Ravensmoor

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    Buchvorschau

    Pferdeglück auf Ravensmoor - Ursula Isbel-Dotzler

    1

    Ich brütete in meinem Zimmer über einer ekelhaften Ansammlung von Zahlen für den Mathe-Unterricht. Irgendwie bildeten sich lauter Knoten und Knubbel in meinem Kopf, während ich die Aufgabenstellungen durchlas. Ich raufte mir die Haare und dachte verzweifelt: Das kapiere ich nie im Leben, nicht, wenn ich hundert Jahre alt werde – und wozu die ganze Kacke?

    Mittendrin wurde an meine Tür geklopft. Es war Mama. Sie sagte: »Stevie hat angerufen, Kathi.«

    Obwohl ihr Gesicht außerhalb des Lichtscheins war, den meine Schreibtischlampe verbreitete, merkte ich am Ton ihrer Stimme, dass es keine guten Nachrichten gab.

    »Es ist Pepper«, fügte sie hinzu. »Er liegt im Stall und will nicht mehr aufstehen. Und er atmet so schwer, sagt Stevie.«

    Ich sprang auf. Pepper, das liebe alte Zirkuspony, das auf Stevies Hof Little Eden sein Gnadenbrot bekam, das immer so geduldig und dankbar für jeden Leckerbissen, jedes gute Wort war …

    »Wir fahren hin!«, rief ich. »Kommt der Tierarzt?«

    »Bestimmt, aber es wird dauern. Dr. Muir operiert gerade einen Hund, der überfahren worden ist.«

    Es war schon dunkel, aber Mama wäre auch nachts durch den Urwald gebrettert, wenn es darum ging, Stevie und einem kranken Pferd zu helfen.

    Während wir die schmale Zufahrt zwischen den Hecken zur Landstraße hinunterholperten, fragte ich: »Hast du was mitgenommen, was du Pepper geben kannst?« Denn in unserer Hausapotheke gab es jede Menge pflanzliche Heilmittel und homöopathische Globuli, mit denen Mama uns und die Pferde bei leichteren Krankheiten behandelte.

    Sie nickte. »Es gibt ein gutes Mittel, um Unruhe und Schmerzen bei kranken alten Tieren zu lindern. Leider hilft es nicht in jedem Fall. Zur Sicherheit hab ich auch noch Baldrian- und Melissentropfen eingepackt.«

    Eine Weile fuhren wir schweigend durch die stürmische Nacht. Selbst durch die geschlossenen Wagenfenster und über das Brummen des Motors hinweg hörten wir das Meer gegen die Uferfelsen branden.

    Unser zweiter Frühling in Cornwall war wieder mit stürmischen Winden gekommen. Tag und Nacht brausten und sangen sie rastlos ums Haus, schüttelten die Baumwipfel und wühlten das Meer auf, dass die Wellenbrecher gegen die Küste tosten. Doch es kam kein schwerer Sturm mehr, wie wir ihn im Winter erlebt hatten.¹

    »Dem Himmel sei Dank!«, sagte Granny, die ihr ganzes Leben hier verbracht hatte. Ihr Großvater war mit seinem Schiff bei einem solchen Sturm vor der Küste untergegangen, mit Mann und Maus, wie es in der Seemannssprache heißt.

    Niko, mein jüngerer Bruder, fand das cornische Wetter ätzend. Doch abgesehen von den Stürmen mochte ich die häufig wechselnden Stimmungen, die prickelnde Luft und den Wind, der einem die salzige Gischt ins Gesicht sprühte und Wolkengebirge vor sich hertrieb. Vielleicht hatte ich diese Vorliebe von meinem Vater geerbt. Er war hier in Cornwall geboren und aufgewachsen. Ich glaube, er hatte in den zwanzig Jahren, die er in Deutschland verbrachte, immer Sehnsucht nach seiner Heimat und dem Meer gehabt.

    Vor mehr als eineinhalb Jahren war er hierher zurückgekehrt und wir waren mitgekommen. Eigentlich hatten Mama und ich und meine Brüder Niels und Niko nicht von unserem Zuhause und unseren Freunden fortgewollt. Es hatte Streit und Kämpfe und Tränen gegeben, ehe wir uns mit Sack und Pack und unseren beiden Ponys auf die lange Reise machten.

    Inzwischen hätte ich nicht mehr sagen können, wo ich lieber sein wollte: wieder zu Hause in unserem kleinen Dorf in Deutschland oder hier in Cornwall, am Meer; einem Land, das so schön und romantisch war, dass hier Filme gedreht wurden und jeden Sommer massenhaft Touristen kamen.

    Während Mama konzentriert auf die Straße sah, dachte ich an Stevie und all die Tiere, die in seinem privaten Tierheim eine behütete Zuflucht gefunden hatten, und an Pepper und Cinnamon, die beiden Zirkusponys. Sie waren nach einem anstrengenden, kargen Leben in einem Wanderzirkus erschöpft und krank nach Little Eden gekommen und von Stevie liebevoll hochgepäppelt worden.

    Irgendwann sagte Mama leise: »Pepper ist in den letzten Wochen und Monaten so klapperdürr geworden, das arme Kerlchen …«

    Dann schwieg sie wieder. Als wir zum alten Seemannsfriedhof kamen, der auf einer Felsnase hoch über dem Meer lag, erinnerte ich mich, wie sehr ich mich sonst immer freute, wenn ich nach Little Eden kam.

    Jetzt hatte ich zum ersten Mal Angst vor dem, was uns dort erwartete.

    2

    Ich hatte Stevie nie zuvor weinen sehen.

    Im Schein der Lampe, die über der Haustür brannte, war sein Gesicht rot und verschwollen. Die Tränen liefen ihm nur so über die Wangen. Er versuchte nicht sie zu verbergen, fuhr sich nur mit dem Handrücken über die Nase und murmelte: »Danke, dass ihr gekommen seid!«

    Erst jetzt wurde mir richtig klar, wie schlimm es um den alten Pepper stehen musste. Wir gingen über den Hof, begleitet von Stevies drei Hunden. Sie schienen zu spüren, dass Unheil in der Luft lag, denn sie begrüßten uns nicht wie sonst mit lautem Gekläff und freudigen Sprüngen. Sie ließen die Köpfe hängen und drängten sich dicht an Stevies Beine.

    Im Stall verbreitete eine einzige Lampe ihr trübes Licht. Bei unserem Eintritt wieherte Cinnamon leise und angstvoll. Sie hatte ihre rotbraune Nase über die Trennwand zur Nachbarbox gestreckt, wo der graue Wallach in der Streu lag, die steifen alten Beine von sich gestreckt. Stevie hatte Kissen unter seinen Kopf und seine Schulter gelegt, wohl, um ihm das Atmen etwas zu erleichtern.

    Es war schlimm, Peppers schwere, rasselnde Atemzüge zu hören. Sie klangen, als wäre eine Art Dampflokomotive in seiner Brust. Er hatte die Augen halb geschlossen. Seine Flanken hoben und senkten sich wie ein Blasebalg.

    Tränen stiegen mir in die Augen. Mit erstickter Stimme flüsterte ich: »Hat er Schmerzen?«

    Stevie antwortete nicht. Mama sagte: »Ich glaube nicht. Er muss nur furchtbar kämpfen, um Luft zu bekommen.«

    Sie öffnete ihre Tasche, während Stevie in der Streu niederkniete. »Wenn’s dir recht ist, gebe ich ihm gleich ein paar Beruhigungstropfen«, sagte sie leise. »Vielleicht kann er ein bisschen schlafen. Das wäre ein Segen für ihn.«

    »Pepper soll nicht leiden.« Stevie weinte jetzt so, dass er fast nicht sprechen konnte. »Wenn Dr. Muir kommt … Er muss entscheiden, ob … ob es nicht besser ist, ihn zu erlösen.«

    Ich setzte mich auf den dreibeinigen Hocker in eine dunkle Ecke. Am liebsten wäre ich weggelaufen, doch das wäre feig gewesen. Wenn Stevie und Mama es aushielten, wollte ich mich nicht davonschleichen, auch wenn ich das Geräusch von Peppers gequälten Atemzügen kaum ertragen konnte.

    Als mein Blick auf Cinnamons Kopf fiel, die Art, wie sie über die Trennwand hinweg auf ihren sterbenden Gefährten niedersah, krampfte sich meine Kehle zusammen, so sehr musste ich mich beherrschen, um nicht laut zu schluchzen.

    Mama aber war stark. Ich hörte, wie sie Pepper beruhigende Worte zuflüsterte, mit ihrer sanftesten, weichsten Stimme. Dann bat sie Stevie um etwas Wasser, damit sie die Tropfen darin verdünnen konnte. Sie zog eine Einwegspritze aus ihrer Tasche und entfernte die Spitze.

    Schon oft hatte ich zugesehen, wie sie einem unserer Ponys mithilfe der Spritze Medizin einflößte. Sie machte das immer rasch und sehr geschickt. Trotzdem senkte ich den Blick. Am liebsten hätte ich mir auch die Ohren zugehalten.

    »Einen Teil hat er wenigstens geschluckt«, sagte sie nach einer Weile. »Das wird ihm guttun. Ich massiere ihm noch ein paar Stellen am Hals und an der Brust. Das hilft, den Schleim etwas zu lösen.«

    Das wehe, krampfartige Gefühl in meiner Kehle verschwand. Wieder einmal dachte ich, was für ein unverschämtes Glück wir doch mit unserer Mutter hatten und dass ich keine andere gewollt hätte als sie, nicht einmal eine Herzogin mit einem Schloss oder eine berühmte Schauspielerin mit einem Geldberg wie Dagobert Duck.

    Die Hunde kratzten an der Stalltür und winselten. Stevie erhob sich aus der Streu.

    »Ich bring sie ins Haus.«

    »Ich komme mit.«

    Er sagte nicht Ja und nicht Nein, also hoffte ich, dass es ihn nicht stören würde, wenn ich ihn begleitete.

    Es war eine dunkle Nacht. Kein Stern funkelte am Himmel. Der Mond war hinter Wolken verschwunden. Der Wind zerrte an unseren Haaren. Erleichtert rannten Arabella, Puccini und Grizzly voraus und warteten vor der Haustür auf uns.

    »Kannst du ihnen Futter geben?«, fragte Stevie. »Sie haben abends noch nichts gekriegt.«

    In der Küche war es kalt. Das Feuer im Herd war erloschen. Die Hunde wuselten um mich herum. Ich fiel fast über Grizzly, während ich zusammensuchte, was gerade da war, gekochten Reis aus dem Kühlschrank, Dosenfutter, das Stevie für Notfälle bereithielt, Karotten und Haferflocken.

    Ich raspelte die Karotten, vermischte alles mit warmem Wasser und füllte die drei Näpfe. Während die Hunde gierig schmatzten und kauten und ihre Schüsseln über den Küchenboden schoben, kam Mimi, die blinde alte Katze, und bettelte um Futter. Daisy, das Eichhörnchen, flitzte unterm Sofa hervor und kletterte an meinem Hosenbein hoch.

    Ich gab ihm eine Haselnuss und sah mich nach Stevie um. Bestimmt hatte er auch seit Stunden nichts gegessen. Er war bleich und sah total erschöpft aus.

    »Setz dich aufs Sofa, ich mach dir Tee und ein Honigbrot«, sagte ich, aber er schüttelte nur den Kopf und erwiderte: »Danke, ich bring nichts runter.«

    »Trink wenigstens eine Tasse Tee mit ordentlich Zucker drin!«

    Er lehnte sich gegen die Fensterbank und ließ den Kopf hängen. Das Ticken der Uhr, das sonst immer so gemütlich klang, hatte plötzlich einen schweren, unheilvollen Klang.

    Ich verrührte braunen Zucker im Tee, goss Milch hinein und reichte Stevie den Becher. Er nahm ihn und stellte ihn hinter sich auf die Fensterbank.

    »Es ist so schwer auszuhalten, Kathi«, sagte er.

    »Ich weiß.« Ich umarmte ihn und schmiegte meine Wange an seine. So etwas hatte ich bisher noch nie getan. Ich hatte es mir oft gewünscht, aber einfach nicht den Mut dazu gefunden, nicht bei Stevie. Jetzt war es plötzlich ganz selbstverständlich, und er ließ es zu, hob sogar die Hand und legte sie auf meinen Rücken.

    So standen wir lange, ohne ein Wort zu sagen. Dass ich es endlich

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