Der aufgelöste Mann: Theaterstück für eine Person
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Über dieses E-Book
Er kann ihnen nicht widerstehen: Der Sexualtherapeut Wolfgang Baum hat ein Problem mit Frauen. Nun hat er auch eines mit seiner Frau Magda - die hat ihn vor die Tür gesetzt und er landet in einem Apartment. Das Publikum sieht ihn beim Betreten seines neuen "Heims" und erlebt, wie er in der Folge mit seiner neuen Situation umgeht.
Das Ein-Personen-Stück ist in sieben Abschnitte geteilt:
Teil 1: Ankunft/Ende
Teil 2: Erwachen
Teil 3: Betrug
Teil 4: Heim und Schein
Teil 5: Glück
Teil 6: Tod
Teil 7: Ende/Anfang
Das Stück ist für einen Schauspieler geschrieben, allerdings spielen die "neuen Medien" eine Art Nebenrolle und so entstehen Dialoge per Handy, Skype etc. mit den Kindern unseres Helden, mit seiner Frau und mit dem Publikum.
Der Text ist ein Rückblick auf die Lebensgeschichte des Protagonisten und eine Auseinandersetzung mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Erscheinungen, selbstverständlich mit Sexualität, aber auch mit Liebe, digitaler Lebensweise oder dem Tod.
Allerdings wird das alles nicht todernst erzählt, sondern humorvoll, ironisch und mitunter auch ernsthaft. Das Publikum wird in die Überlegungen des Sexualtherapeuten bisweilen einbezogen - und am Ende mit einem guten Rat entlassen:
"Sie sollten jetzt nach Hause gehen. Ich muss nachdenken. Und dabei hilft einem niemand. Wie beim Sterben. Jede Entscheidung ist ein Tod. Ein Tod für die anderen Möglichkeiten. Gehen Sie nach Hause. Bleiben Sie bei Ihrem Mann. Ihrer Frau. Oder nicht. Lassen Sie das Leben vorüberziehen. Oder fallen Sie hinein. Trennen Sie sich! Bleiben Sie zusammen! Aber vergessen Sie nicht: Es ist Ihre Entscheidung. Meine kenne ich noch nicht. Ich bin Psychoanalytiker. Ich brauche etwas länger."Sexual
Erich Ledersberger
Erich Ledersberger, geboren 1951 in Wien, mehrere Studienrichtungen wie Psychologie, Philosophie, Theaterwissenschaften begonnen, eine abgeschlossen, nämlich Wirtschaftspädagogik. Einige Jahre Lehrer und Mit-Herausgeber einer pädagogischen Taschenbuchreihe. Übersiedlung nach Deutschland (Bonn und Berlin), dort für deutsche und Schweizer RF- und TV-Stationen Satiren geschrieben, dann wieder aus privaten Gründen Rückkehr nach Wien. Alleinerzieher einer klugen Tochter, wieder Lehrer, weiterhin als Schriftsteller tätig. VERÖFFENTLICHUNGEN Kakanien Band 1 - Zeitgeschichte von 2000 - 2006 in Kolumnen Fünf. Sieben. Fünf. 34 Haikus mit 34 Zeichnungen Als mein Ich verschwand Kurzgeschichten Ich bin so viele Kurzgeschichten Maria fährt. Erzählung Wiener Brut Satiren, erschienen bei rororo, vergriffen
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Buchvorschau
Der aufgelöste Mann - Erich Ledersberger
1. ANKUNFT
Siegfried Hase, Sexualtherapeut, zwischen 50 und 65 Jahre
Hotelsuite/Apartment, gehobene Kategorie
Siegfried sperrt von außen auf und betritt den Raum.
Er hat eine große Tasche umgehängt – mit den üblichen elektronischen Ausrüstungsgegenständen des modernen Menschen.
Er betrachtet das Zimmer genau – er ist geübt in solchen Dingen.
Er legt die Tasche auf den Schreibtisch, öffnet den Schrank, begutachtet ihn.
Er besichtigt Badezimmer und WC, setzt sich auf das Sofa, dann auf den Lehnstuhl.
Er geht in das Schlafzimmer (es ist nicht sichtbar, nur durch eine Tür zu betreten) und testet dort das Bett. Es quietscht.
SIEGFRIED
Naja.
Er nimmt das Haustelefon.
SIEGFRIED
Professor Hase hier – ja, ich nehme das Zimmer für ein paar Tage. Sagen wir mal acht. Wie viel kostet es dann?
Er hört zu.
SIEGFRIED
Und für zwei Wochen? - - - - - Dann nehme ich es zwei Wochen. Vorläufig. - - - Noch etwas: das Bett quietscht. Können Sie das in Ordnung bringen? - - Danke, sehr freundlich. Lassen Sie die Koffer vor die Tür stellen. Der Page soll einfach anklopfen. - - - Ah, es gibt keinen Pagen? Das wusste ich nicht. Dann stellen Sie die Koffer einfach vor die Tür. Danke. - - Ja, Ihnen auch einen schönen Abend.
Er legt auf, öffnet seine Tasche und legt – ordentlich, pedantisch – seine Utensilien auf den Schreibtisch:
Notebook, Handy, Ladegerät etc.
Das Handy klingelt
SIEGFRIED
Hallo, mein Sonnenschein – das ist lieb, dass du anrufst. - - - Ja, alles bestens, das Zimmer ist wunderbar. Fast ein Apartment. - - - Danke, im Moment brauche ich nichts. - - - Lass uns morgen telefonieren. Im Moment bin ich vor allem eines: müde. Und ich muss mich noch auf den Vortrag vorbereiten. - - - Ja, das schaff ich schon. - - - Ja, ja. Ich drück dich auch. Bis dann.
Er legt auf, seufzt tief.
Es klopft an der Tür – Siegfried öffnet, die Koffer stehen vor der Tür, er holt sie herein.
SIEGFRIED
Danke!
Er trägt die Koffer herein – öffnet einen und holt die wichtigsten Utensilien heraus, zwei Flaschen Wein.
Er stellt sie auf den Tisch, holt den Korkenzieher, öffnet eine Flasche, schenkt sich in das Glas ein.
SIEGFRIED
Na denn, Prost und an die Arbeit!
Er trinkt energisch, stellt das Glas auf den Schreibtisch, setzt sich, öffnet das Notebook.
SIEGFRIED
Schön ist es hier. – Das wollen wir mal festhalten.
Tippt in seinen Computer.
SIEGFRIED
Sammeln ist eine zutiefst menschliche Angewohnheit. Deshalb darf kein Satz der Nachwelt vorenthalten werden.
Er lächelt in das Notebook, klickt einen Buchstaben an, der ein Foto von ihm macht.
SIEGFRIED
Und kein Bild! Wozu haben wir all die Festplatten erfunden, wenn wir sie nicht nutzen?
Bilder sind das Schönste auf der Welt.
Und sie sind verteufelt Wert ihr Geld.
Rascher Siegfried he, rascher Siegfried he….
Wir werden die Welt ersticken lassen an unseren Fotos. Fotos von Orten, von
Schicksalen, von Menschen, von Urlauben, von Festen, vom Alltag – Bilder, Bilder, Bilder.
Er hält das Notebook in den Zuschauerraum und macht ein weiteres Foto, tippt weiter.
SIEGFRIED
Und Tagebücher! Mit Fotos von den Orten, an denen man sich befindet, dazwischen selbst produzierte Videos, Stimmen -
Er schaltet auf Audio.
SIEGFRIED
Liebe Kinder! Das ist eine Audionachricht von eurem Vater. Ich
