Füße: Beschwerden wirksam behandeln, Untersuchung – Diagnose – Therapie
Von Stefan Feiler
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Über dieses E-Book
"Füße - Beschwerden wirksam behandeln" hilft bei der Suche nach Ursachen, zeigt, ob eine Therapie helfen oder ein Eingriff erforderlich sein könnte. Aktueller, kompetenter Rat zu Nutzen und Risiken der wichtigsten Behandlungsmethoden wird ergänzt durch Hinweise, was man selbst tun kann, um Beinträchtigungen zu lindern. Dabei geht der Autor vor dem Hintergrund seiner langjährigen ärztlichen Praxis auf alle wichtigen Krankheitsbilder intensiv ein.
Gut verständliche Texte und anschauliche, detaillierte Abbildungen machen sein Werk nicht nur zu einem umfassenden Ratgeber. Sie helfen auch bei der Vor- und Nachbereitung eines Arztgesprächs. Ein praktisches Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen rundet das Buch ab und bietet rasche Orienterung.
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Buchvorschau
Füße - Stefan Feiler
KAPITEL 1
Das »Navi« für den Fuß: Anatomie von Fuß und Sprunggelenk
So finden Sie sich am Fuß zurecht
Dieses Kapitel soll Ihnen helfen, sich wie mit einem „Navi" am Fuß zu orientieren. Es versucht, die Komplexität und Dichte an Komponenten, die als Ganzes den Fuß ausmachen und in ihrem Zusammenspiel dieses feinmechanische Wunderwerk funktionieren lassen, nachvollziehbar für Sie darzustellen.
Wenn Sie in den folgenden Kapiteln das Gefühl haben, bei der Lektüre nicht mehr zu wissen, wovon am Fuß gerade die Rede ist, dann „schalten" Sie dieses Navi ein, indem Sie hierher zurückblättern. Scheuen Sie sich nicht, ein permanentes Lesezeichen oder eine andere Merkhilfe einzulegen. So können Sie jederzeit auf den anatomischen Skizzen wie auf einer Landkarte nachsehen, wo Sie sich beim Lesen am Fuß befinden. Auch die vielen medizinischen Fachbegriffe, die bei der ersten Nennung etwas dicker gedruckt sind, müssen Sie sich nicht merken. Ich werde häufig die deutsche Übersetzung verwenden, die es für jeden Baustein der Fußanatomie wie Knochen, Gelenke, Bänder, Sehnen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße gibt. Wenn mir in einem der Folgekapitel dennoch ein Fachwort rausrutscht, ohne es auch verständlich auf Deutsch zu umschreiben, können Sie an dieser Stelle immer nachschlagen. Denn ohne zu wissen, was und wo beispielsweise das Kahnbein am Fuß ist, wird es unter Umständen schwierig für Sie, eine von mir beschriebene Erkrankung und ihre Behandlung richtig zu verstehen. Falls es Ihre Umgebung beim Lesen ermöglicht, ziehen Sie doch einfach Ihre Schuhe und Strümpfe aus und versuchen Sie, meinen Beschreibungen in diesem Kapitel mit Ihren Fingern am Fuß zu folgen. Sehr viele anatomische Strukturen liegen nämlich oberflächlich und lassen sich gut ertasten.
[1 a–b] Fußregionen: funktionelle (links) und anatomische (rechts) Einteilung
Anatomische und funktionelle Einteilung
Durch das obere Sprunggelenk ist der Fuß beweglich mit dem Unterschenkel verbunden. Hier erfolgt die Kraftumlenkung der vertikalen Körperhaltung in die horizontale Fläche des Fußes. Das Sprunggelenk wird durch die Knöchelgabel von Schien- und Wadenbein sowie der annähernd halbkugelförmigen Gelenkfläche des Sprungbeins gebildet.
Der Fuß selbst besteht aus Sicht der Anatomie aus Vorfuß, Mittelfuß und Fußwurzel. Zum Vorfuß zählen die fünf Zehen, die jeweils aus einzelnen Gliedern bestehen. Zum Mittelfuß gehören die fünf Mittelfußknochen, zur Fußwurzel die sieben Fußwurzelknochen.
Nach funktionellen und therapeutischen Gesichtspunkten werden die drei Bereiche etwas anders unterteilt: in Vorfuß, Mittelfuß und Rückfuß.
Zum Vorfuß gehören die Zehen, die Zehenballen und die Mittelfußknochen (Metatarsalia) bis zur sogenannten Lisfranc-Linie. Diese Gelenklinie wird durch die fünf Gelenke zwischen den Fußwurzelknochen und den Mittelfußknochen gebildet. Deshalb heißen diese Gelenke Tarso-Metatarsal-Gelenke.
An dieser Gelenklinie beginnt der Mittelfuß. Er reicht bis zur Chopart-Gelenklinie und besteht neben dem Lisfranc-Gelenk aus fünf Fußwurzelknochen, dem Kahnbein (Os naviculare), drei Keilbeinen (Os cuneiforme mediale, intermedius und laterale) sowie dem Würfelbein (Os cuboideum).
Die Chopart-Gelenklinie und die beiden verbleibenden Fußwurzelknochen Sprungbein (Talus) und Fersenbein (Calcaneus) bilden den Rückfuß.
[2] Die Lisfranc- und Chopart-Gelenklinie
Detaillierter betrachtet gibt es fünf Gruppen von Bauelementen, die teilweise in Schichten übereinanderliegend den Fuß „am Laufen halten":
Knochen
Gelenkverbindungen mit Gelenkkapseln und Bändern
Muskeln und ihre Sehnen
Nerven
Blutgefäße
Knochen
Das anatomische Grundgerüst des Fußes besteht aus 28 regelmäßig vorkommenden Knochen und den von ihnen gebildeten 33 Gelenken, die von 65 Muskeln bewegt werden. Damit zeigt der Fuß einen ähnlich komplexen Aufbau wie die menschliche Hand. Da der Fuß sich aber vom Greifwerkzeug zum Fortbewegungsmittel entwickelt hat, ist seine Anatomie insgesamt kräftiger ausgeprägt.
Die 28 „regulären" Knochen des menschlichen Fußes bieten durch ihre einzigartige Leichtbauweise maximale Stabilität bei minimalem Materialeinsatz. Das gelingt durch die Konstruktion einer stabilen Knochenrinde (Compacta) um die im Knocheninneren befindlichen, schwammartig aufgebauten Knochenbälkchen (Spongiosa). Diese Knochenbälkchen richten sich je nach Einwirkung von Zug oder Druck auf den Knochen wie innere Verstrebungen entlang der Kraftlinien aus. Die Ausrichtung der spongiösen Knochenbälkchen im Inneren des Knochens passt sich an, wenn sich die Richtung, aus der die Belastung auf den Knochen einwirkt, dauerhaft ändert. Das ist zum Beispiel nach einer Operation zur Korrektur einer Fehlstellung der Fuß- oder Beinachse der Fall.
Auch wenn die Knochen zum so genannten statischen, also feststehenden Grundgerüst des Fußaufbaus gehören, so ist doch jeder Knochen für sich ein lebendes Organ. Es herrscht hier ein dynamisches Gleichgewicht zwischen der Aktivität von Zellen, die Knochen abbauen (Osteoklasten), und Zellen, die Knochen aufbauen (Osteoblasten). Der Knochen passt dieses Gleichgewicht von Auf- und Abbau der Knochenmasse auch an die jeweiligen Belastungen und Anforderungen an. Bei längerer Inaktivität, wie beispielweise durch Gipsruhigstellung nach einer Operation oder einem Unfall, nimmt die Knochenmasse ab. Deshalb müssen Astronauten bei längeren Weltraumaufenthalten neben ihrer Arbeit auch ein straffes Trainingsprogramm absolvieren. Andererseits kommt es bei stetig steigender Belastung durch Anpassungsvorgänge zum Aufbau von Knochendicke und Knochenmasse, wie das beispielsweise bei Leistungssportlern nachweisbar ist. Wird dem Knochen allerdings zu schnell zu viel abverlangt, bevor er sich anpassen kann, kommt es zum Ermüdungs- oder Stressbruch ( Kapitel 12).
[3] Knochen des oberen Sprunggelenks
Der Mensch erreicht das Maximum seiner Knochenmasse in etwa zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr. Mit zunehmendem Alter ist ein gewisser Knochenschwund normal. Man spricht hier von der altersbedingten Osteopenie im Gegensatz zum krankhaft erhöhten Knochenabbau, der Osteoporose. Bei dieser Erkrankung gerät das Gleichgewicht von Knochenaufbau und -abbau aus der Balance. Hier überwiegt die Aktivität der Osteoklasten gegenüber der Aktivität der Osteoblasten.
Die Knochen des Sprunggelenks
Die vertikale Krafteinwirkung, die durch den aufrechten Gang entsteht, wird im Bereich des Fußgelenks in die horizontale Ebene des Fußes umgelenkt. Zum oberen Sprunggelenk zählen der untere Anteil des Schienbeins (Tibia) und des Wadenbeins (Fibula). Sie enden am oberen Sprunggelenk jeweils, indem sie in die Form des Innen- bzw. Außenknöchels übergehen. Zusammengefügt bilden sie die Knöchelgabel. Diese Knöchelgabel umfasst den Talus (Sprungbein), genauer gesagt die Talusrolle. Ihre Kuppelform unter der Knöchelgabel ermöglicht die Auf- und Abbewegung des Fußes im oberen Sprunggelenk. Der Talus als Bindeglied zwischen Sprunggelenk und Fuß zählt knöchern sowohl zum oberen Sprunggelenk als auch schon zu den Fußwurzelknochen.
Die Knochen der Fußwurzel
Das Sprungbein hat eine Gelenkverbindung zu insgesamt vier Nachbarknochen. Daher wird seine Oberfläche zu einem großen Teil von knorpelüberzogenen Gelenkflächen gebildet. Es liegt direkt unter der Knöchelgabel und auf dem Fersenbein. Nach vorne steht das Sprungbein durch den Taluskopf mit dem Kahnbein in Verbindung.
Das Fersenbein (Calcaneus) ist der größte und kräftigste Fußwurzelknochen. Er ist fast quaderförmig und liegt unter dem Sprungbein, mit dem er zusammen einen Teil des unteren Sprunggelenks bildet. Nach vorne steht das Fersenbein mit dem Würfelbein in einer Gelenkverbindung. Nach hinten ist das Fersenbein höckerartig verdickt. Hier setzt die Achillessehne an, welche die Kraft der Wadenmuskulatur auf den Fuß überträgt. Ihr Zug erzeugt über einen langen Hebel mit Drehpunkt im oberen Sprunggelenk die Abdruckkraft beim Gehen, Rennen und Springen.
Nach unten ist das Fersenbein in ein dickes und straffes Fersenfettpolster eingebettet, das die vertikal auf Sprung- und Fersenbein einwirkende Kraft wie ein Stoßdämpfer abpuffert.
[4] Fußknochen
[5] Fußformen
Ebenfalls zur Fußwurzel gehörend, liegt zwischen dem Taluskopf und den drei Keilbeinen das Kahnbein (Os naviculare). Es bildet den oberen Schlussstein im Bogen des Längsgewölbes am Fußinnenrand und ist dessen höchster Punkt. Sein höckerartiger Fortsatz an der Innenseite des Fußes ist gut tastbar. An ihm ist die hintere Schienbeinsehne (Tibialis-posterior-Sehne) befestigt.
In Richtung Fußaußenrand und leicht unterhalb des Kahnbeins liegt das Würfelbein (Os cuboideum) zwischen Fersenbein und den beiden äußeren Mittelfußknochen. An seiner Außenseite ist eine kleine Rinne, durch welche die lange Sehne der Wadenbeinmuskulatur (Musculus peroneus longus) vom Außenrand der Fußwurzel in Richtung Fußsohle abbiegt.
Die drei Keilbeine, das innere (Os cuneiforme mediale), mittlere (Os cuneiforme intermedium) und äußere Keilbein (Os cuneiforme laterale), liegen zwischen dem Kahnbein und den inneren drei
Mittelfußknochen. Jedes einzelne Keilbein ist mit einem Mittelfußknochen gelenkig verbunden.
Nach der Verbindung der Fußwurzelknochen mit den fünf Mittelfußknochen (Lisfranc-Linie) beginnt funktionell der so genannte Vorfußbereich, der in fünf Strahlen aufgegliedert ist. Als ein Strahl wird jeweils ein Mittelfußknochen (Os metatarsale) mit seiner dazugehörigen Zehe bezeichnet. Die Mittelfußknochen haben eine relativ kräftige Basis, verjüngen sich dann nach vorne hin und enden schließlich in den fast runden Mittelfußköpfchen. Die Reihe der Mittelfußköpfchen bilden den Fußballen. Sie stehen mit den Zehen in Gelenkverbindung. An der Basis des fünften und äußersten Mittelfußknochens zeigt sich eine gut tastbare höckerartige Verdickung, an der die kurze Sehne der Wadenbeinmuskulatur (Musculus peroneus brevis) befestigt ist.
Unter dem Köpfchen des ersten Mittelfußknochens, das deutlich stärker ausgeprägt ist als die anderen vier Mittelfußköpfchen, liegen die beiden Sesambeine (Ossa sesamoidea). Sie tragen die Hauptbelastung am Großzehenballen und sind in die beiden kurzen Beugesehnen des Großzehengrundgelenks eingebettet.
Zehenknochen
Die kräftigste Zehe ist ohne Zweifel die Großzehe (Hallux). Sie besteht wie der Daumen auch aus nur zwei Zehengliedern. Zum einen ist sie wichtig für die Kraftübertragung beim Abstoßen des Fußes vom Boden, zum anderen stabilisiert sie beim Ausbalancieren des Körpers. Die anderen vier Zehen setzen sich jeweils aus Grund-, Mittel- und Endglied (proximale, mittlere und distale Phalanx) zusammen.
Ist die Großzehe gleich lang wie die zweite Zehe, spricht man von einer quadratischen oder auch römischen Fußform. Ein ägyptischer Fußtyp liegt vor, wenn die große Zehe länger ist als die zweite Zehe. Bildet die zweite Zehe die längste Zehe am Fuß, entspricht das der sogenannten griechischen Formvariante. In Mitteleuropa ist die ägyptische Fußform am häufigsten anzutreffen, gefolgt von der griechischen und der römischen Variante.
Gelenke, Kapseln und Bänder
Vereinfacht ausgedrückt ist ein Gelenk eine bewegliche Verbindung von zwei Knochenpartnern. Deren einander zugewandte Enden sind mit Knorpel beschichtet und werden von einer Gelenkkapsel aus Bindegewebe umhüllt.
Der Knorpel hat eine extrem glatte Oberfläche. Sie ermöglicht ein reibungsloses Gleiten der Knochenpartner in der für das Gelenk vorgesehenen Bewegungsrichtung. Wird diese glatte Oberfläche durch Verletzung oder Abnutzung geschädigt, kommt es zur Entstehung einer Arthrose (Gelenkverschleiß). Das führt zur Einschränkung der Beweglichkeit eines Gelenks und Schmerzen. Dass der Knorpel sein Gleitvermögen verloren hat, kann ich manchmal schon bei der Untersuchung des Fußes von Hand als Gelenkreiben unter meinen Fingern spüren.
Das Knorpelgewebe, das in unseren Gelenken seit Geburt angelegt ist und das bis zum Wachstumsabschluss ausreift, wird „hyaliner" Knorpel genannt. Es besteht zu einem Großteil aus Zucker und Eiweißverbindungen. Sein Flüssigkeitsgehalt ist mit 60 bis 70 % relativ hoch. Dieser Wassergehalt der Knorpelschicht wird im Tagesverlauf durch Belastung weniger. Während der nächtlichen Ruhephase nimmt der Knorpel das Wasser wieder wie ein Schwamm auf und erreicht so bis zum nächsten Morgen erneut seine gewohnte Elastizität. Leider ist dieser hyaline Knorpel bei Beschädigung bis heute durch keine Behandlungsform regenerierbar. Das heißt, er kann nicht erneuert oder nachgebildet werden. Einmal abgenutzter Gelenkknorpel ist für immer verloren.
Umschlossen wird ein Gelenk von einer wasserdichten Gelenkkapsel. Die äußere Schicht besteht aus straffem Bindegewebe, einem dichten Flechtwerk aus Kollagenfasern. An manchen Gelenken wird die äußere Kapsel noch durch Bänder (Ligamente) verstärkt. Diese bestehen ebenfalls aus dichten Kollagenfasern. Sie verstärken die Gelenkkapsel an bestimmten Stellen, zum Beispiel als Außen- und Innenband an den Zehengelenken. Dadurch stabilisieren und führen sie die Gelenke. Darüber hinaus gibt es gerade im Bereich der Fußwurzel eine Vielzahl von Bändern, welche die Knochen eng aneinander gurten, ohne in direkter Verbindung mit Gelenkkapseln zu stehen. Im Inneren wird die Gelenkkapsel von einer weichen Schicht überzogen, der sogenannten Gelenkschleimhaut (Synovia). Im Gelenkspalt befindet sich eine geringe Menge einer viskösen, ja fast öligen Flüssigkeit. Sie benetzt die Knorpelflächen und verbessert deren Gleitfähigkeit wie ein Schmiermittel. Bei Gelenkreizungen durch Verschleiß, Entzündung oder Verletzung reagiert die Synovia mit Schwellung und Bildung von zusätzlicher Flüssigkeit. Es entsteht ein Gelenkerguss, der die Funktion des Gelenkes weiter beeinträchtigt und den Knorpel schädigt – ein Teufelskreis.
Das obere Sprunggelenk
Die knöchernen Bestandteile des oberen Sprunggelenks habe ich weiter oben bereits beschrieben. Vereinfacht betrachtet handelt es sich dabei um ein Scharniergelenk. Es ermöglicht die Anhebung (Dorsalextension) und Absenkung (Plantarflektion) des Fußes in seinem Drehzentrum und schafft damit die biomechanische Voraussetzung für einen normalen Abrollvorgang des Fußes. Das Sprunggelenk wird von einer Gelenkkapsel umschlossen und durch Bänder insbesondere auf der Außenseite (lateral) und der Innenseite (medial) stabilisiert.
Im äußeren Bereich unterteilt sich der Außenbandkomplex in drei einzelne Bandzügel. Zwischen Außenknöchel und dem vorderen Sprungbein (Talushals) spannt sich das vordere Außenband (Ligamentum fibulotalare anterius). Zwischen Außenknöchelspitze und Fersenbein befindet sich das mittlere Außenband (Ligamentum fibulocalcaneare), zwischen Außenknöchel und dem hinteren Anteil des Sprungbeines das hintere Außenband (Ligamentum fibulotalare posterius). Das vordere Außenband ist das mit Abstand am häufigsten geschädigte Band des oberen Sprunggelenks bei der Umknickverletzung ( Kapitel 13).
Die Gelenkrolle des Talus wird von hinten (posterior) nach vorne (anterior) breiter. Das heißt: Je stärker der Fuß im Sprunggelenk angehoben wird (Dorsalextension), desto stabiler verklemmt sich das Sprungbein unter der Knöchelgabel und drückt diese dezent auseinander. Daher passieren die meisten Umknickverletzungen auch in einer leichten Plantarflexion (abgesenkte Fußstellung).
Das Innenband ist zweilagig. Eine erste, tiefe Schicht spannt sich wie ein Fächer zwischen Innenknöchel und Sprungbein. Eine zweite, oberflächlichere Schicht zieht sich vom Innenknöchel zum Fersenbein und Kahnbein. Wegen seiner fächerförmigen Dreiecksform wird das Innenband auch Deltaband genannt. Dieser straffe Bandkomplex ist deutlich seltener verletzt als das Außenband.
Nicht nur das Sprunggelenk als Funktionseinheit wird innen und außen durch Bänder gefestigt und geführt. Auch Wadenbein und Schienbein, die zusammen die Knöchelgabel bilden, werden durch eine straffe Bandstruktur stabilisiert, so dass die beiden Knöchel nur minimal auseinander gedrängt werden können. Diese straffe Bandstruktur unmittelbar oberhalb des oberen Sprunggelenks nennt man Syndesmose. Bei vielen Sprunggelenkbrüchen reißt diese Syndesmose auseinander und muss im Rahmen der unfallchirurgischen Operation der gebrochenen Knochen ebenfalls repariert werden. Aber auch isolierte Verletzungen der Syndesmose mit einer subtilen schmerzhaften Instabilität gibt es. Sie sind nicht so häufig wie Außenbandverletzungen und ähnlich schwer zu diagnostizieren wie Innenbandverletzungen.
[6 a–b] Bänder am oberen Sprunggelenk außen (links) und innen (rechts)
Das untere Sprunggelenk
Den Begriff „unteres Sprunggelenk gibt es weder in der englischen noch der französischen Fachliteratur. Dort werden die Gelenke, aus denen sich der Komplex „unteres Sprunggelenk
zusammensetzt, stets einzeln bezeichnet.
Dazu zählt zum einen das sogenannte Subtalargelenk zwischen Sprungbein und Fersenbein mit einer hinteren größeren Gelenkkammer und variierend einer bis zwei kleineren vorderen Kammern. Das Subtalargelenk wird zum einen durch ein sehr straffes Band zwischen Sprungbein und Fersenbein geführt. Zusätzlich wird es auch durch die Bandanteile des oberen Sprunggelenks mitstabilisiert, die sich sowohl zwischen Innenknöchel und dem Fersenbein als auch dem Außenknöchel und dem Fersenbein spannen. Die Hauptbewegungsrichtung des Subtalargelenks besteht in einer Kippung der Ferse nach innen (Inversion) und nach außen (Eversion).
Zum anderen gehört das Gelenk zwischen Sprungbein und Kahnbein (Talonavikulargelenk) zum Gelenkkomplex des unteren Sprunggelenks. Es wird von unten noch durch das sogenannte Pfannenband verstärkt. Das Gelenk spannt sich vom Fersenbein zum Kahnbein und ist mit Knorpel überzogen. In ihm liegt der vordere Anteil des Sprungbeins (Talushals und Taluskopf) wie in einer Hängematte. Das Gelenk zwischen Fersenbein und Würfelbein (Calcaneocuboidalgelenk) muss funktionell ebenfalls zum unteren Sprunggelenk gerechnet werden. Zusammen mit dem Talonaviculargelenk bildet es die Chopard-Linie. Das untere Sprunggelenk ist verantwortlich für den feinmotorischen Ausgleich von Unebenheiten des Bodens. Zudem ist es ein natürlicher Stoßdämpfer, der die Belastung des Fußes, die beim Aufsetzen durch das Körpergewicht entsteht, durch ein leichtes Einknicken der Ferse abfedert.
Fußwurzelgelenke
Die Gelenke zwischen dem Kahnbein und den drei Keilbeinen sind durch eine Vielzahl von Bändern so straff verspannt, dass hier nur eine minimale Beweglichkeit möglich ist. Gleiches gilt für die Lisfranc-Gelenklinie. Gebildet wird sie von den Gelenken zwischen den Keilbeinen und den ersten drei Mittelfußknochen sowie den Gelenken zwischen dem Würfelbein und den äußeren beiden Mittelfußknochen. Eine gewisse Ausnahmestellung nehmen die beiden Gelenke an den Rändern dieser Gelenklinie ein. Das Gelenk zwischen dem ersten und kräftigsten Mittelfußknochen und dem innen liegenden Keilbein (erstes Tarsometatarsalgelenk) ist etwas beweglicher als die Tarsometatarsalgelenke des zweiten bis vierten Strahls. Es spielt eine tragende Rolle bei der Entwicklung des Spreizfußes und des Hallux valgus ( Kapitel 4). Dies ist entwicklungsgeschichtlich zu begründen. Schließlich war dieses Gelenk, als unser Fuß noch ein Greiforgan war, das Sattelgelenk des Daumens, der den anderen Fingern (jetzt Zehen) zangenartig gegenübergestellt werden konnte. Auch der fünfte Mittelfußknochen kann im Gelenk zwischen Fußwurzel und Mittelfuß nach außen abweichen, wenn sich ein Spreizfuß entwickelt. Dann entsteht ein Schneiderballen, eine Schwellung am Außenrand der kleinen Zehe, also das Gegenstück zum Hallux valgus am Fußaußenrand ( Kapitel 6). Das am wenigsten bewegliche Gelenk der Lisfranc-Gelenkreihe ist das zweite Tarsometatarsalgelenk. Es ist gegenüber seinen Nachbargelenken etwas nach hinten versetzt und dadurch kaum noch flexibel.
Zehengelenke
Auf Höhe des Fußballens befinden sich die Grundgelenke der Zehen zwischen jeweils einem Mittelfußknochen und dem Grundglied der Zehen (Metatarsophalangealgelenke). Unter diesen Gelenken ist das Großzehengrundgelenk am stärksten ausgebildet. Optisch ist es zwar sehr plump, hat aber die wichtige Funktion, für einen kräftigen Abdruck des Fußes zu sorgen. Es ermöglicht damit die Vorwärtsbewegung und dient als Stabilisator des Fußes bei unebenem oder instabilem Untergrund. Mit Ausnahme der Großzehe, die nur aus Grund- und Endglied mit einem Zwischengelenk besteht, haben alle anderen Zehen zwei Zwischengelenke zwischen ihren drei Knochengliedern.
[7 a] Gelenke des Fußes, Aufsicht
Die vorrangige Bewegungsrichtung der Zehengrundgelenke und der Zehenzwischengelenke sind die Streckung (Dorsalextension) und die Beugung (Plantarflexion).
Muskeln und Sehnen
Unsere Muskeln und Sehnen sind die Motoren und Fäden, über die unser Gehirn die „Marionette Mensch bewegt. Dies geschieht mal mehr und mal weniger bewusst. Muskeln können beschleunigen, bremsen, stabilisieren und abfedern. Um diese Vielzahl an Aufgaben zu bewältigen, ist ihre Formenvielfalt riesig. Es gibt kurze und lange Muskeln, flache und bauchige Muskeln; Muskeln, die nur ein Gelenk bewegen, und Muskeln, die gleich ganze Gelenkketten mobilisieren. Wir finden Muskeln mit einem Muskelbauch und Muskeln mit mehreren „Muskelköpfen
wie der Bizeps-, Trizeps- und Quadrizepsmuskel. Manche Muskeln arbeiten im Team, wie beispielsweise die Adduktorenmuskelgruppe am Oberschenkel oder die Wadenmuskelgruppe.
[7 b] Gelenke des Fußes, Seitenansicht
Die Sehnen bilden das „Interface", sozusagen die Schaltstelle zwischen Muskeln und Knochen diesseits und jenseits von Gelenken. Sie bündeln die Kraft eines Muskels, geben ihr eine gezielte Richtung und stellen die Übertragung dieser Kraft auf den Knochen sicher. Dabei gilt die Faustregel: Je kräftiger der Muskel, desto dicker die Sehne. Sehnenscheiden umgeben die Sehnen wie ein Schlauch und ermöglichen so ein nahezu reibungsfreies Gleiten beim Arbeiten.
Schleimbeutel übernehmen in diesem Funktionskomplex wichtige Aufgaben. Das sind flüssigkeitsgefüllte Kissen, die bei Reizung oder Überlastung auch deutlich anschwellen und sich entzünden können. Sie polstern Sehnen an Knochenvorsprüngen ab, bilden die Verschiebeschicht zwischen sehr oberflächlich gelegenen Sehnen und der Haut und verschieben Muskelgruppen gegeneinander.
Prinzipiell unterscheiden wir am Fuß extrinsische von intrinsischen Muskeln: Die extrinsischen Muskeln befinden sich „außerhalb des Fußes und die intrinsischen „innerhalb
des Fußes im engeren Sinn. Gemeint ist die Position ihrer Muskelfasern, die zusammengenommen immer jeweils einen Muskel(bauch) bilden. Diese Muskelbäuche sind technisch gesehen vergleichbar mit Zylindern von Motoren: Bereit, sich bei Anspannung zu verkürzen und bei Entspannung wieder zu verlängern.
Die extrinsischen Muskeln liegen um den Unterschenkel herum verteilt. Lediglich ihre Sehnen überqueren das Niveau des Sprunggelenks, um an verschiedensten Punkten des Fußes anzugreifen. Dort wird dann die Muskelaktivität in Gelenkbewegung umgewandelt. Aufgrund dieses langen Weges der Sehnen bis zu ihrem Wirkort heißen die extrinsischen Muskeln auch „lange Fußmuskeln". Mit Ausnahme der
