Mythologische Wesen: Die Götter der Germanen - Band 36
Von Harry Eilenstein
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Über dieses E-Book
Die achtzigbändige Reihe 'Die Götter der Germanen' stellt die Gottheiten und jeden Aspekt der Religion der Germanen anhand der schriftlichen Überlieferung und der archäologischen Funde detailliert dar.
Dabei werden zu jeder Gottheit und zu jedem Thema außer den germanischen Quellen auch die Zusammenhänge zu den anderen indogermanischen Religionen dargestellt und, wenn möglich, deren Wurzeln in der Jungsteinzeit und Altsteinzeit.
Das Buch
In den Mythen der Germanen gibt es viele verschiedene Wesen. Bei den Göttern gibt es die Asen, Wanen und Disen. Daneben gibt es jedoch auch die Riesen, die auch "Trolle" oder "Jötune" genannt werden und die die Nachkommen des Urriesen Ymir und die Ahnen der Götter sind.
Weiterhin gibt es die Ahnengeister, die in den Mythen und Sagas als Alfen, Zwerge, Kobolde, Blau-Menschen und Meer-Menschen erscheinen.
Die Pukis sind die Erdgeister, die Naudir die Krankheitsgeister und die Wichte sind ganz unspezifisch fast alle Arten von Geister.
Harry Eilenstein
Ich bin 1956 geboren und befasse mich nun seit 50 Jahren intensiv mit Magie, Religion, Meditation, Astrologie, Psychologie und verwandten Themen. Im Laufe der Zeit habe ich ca. 260 Bücher sowie ca. 50 Artikel für verschiedene Zeitschriften verfasst. Seit 2007 habe ich meine jahrzehntelange Nebentätigkeit ausgeweitet und bin nun hauptberuflich Lebensberater. Dies umfasst die eigentlichen Beratungen, aber auch das Deuten von Horoskopen, Heilungen, Rituale, Schwitzhütten, Feuerläufe, Hilfe bei Spukhäusern u.ä. Problemen, Ausbildung in Meditation und Feng Shui und vieles mehr. Auf meiner Website www.HarryEilenstein.de finden sich ein Teil meiner Artikel und auch ein ausführlicher Lebenslauf. Seit 2023 schreibe ich an dem neunbändigen Fantasy-Roman "Maran", in den auch alle meine Erfahrungen mit Magie, Meditation, Astrologie, Religion, Psychologie und ähnlichem miteingeflossen sind. Die ersten sechs Bände sind bereits erschienen.
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Buchvorschau
Mythologische Wesen - Harry Eilenstein
Inhaltsverzeichnis
Übersicht
Götter
Der Begriff „Gott" in der germanischen Überlieferung
Kenningar
Gesta danorum
Jakob Grimm: Deutsche Mythologie
Zusammenfassung
Höhere Mächte
„Höhere Mächte" in der germanischen Überlieferung
Zusammenfassung
Asen
Wortschatz
a) Der Ursprung des Wortes „Ase"
b) Bezeichnungen für die Götter
c) Wortschatz
d) Kenningar und Heitis
e) Ortsnamen
f) Personennamen
g) Die Rune „Ansus"
Asen allgemein
a) Heimskringla
b) Edda-Prolog
c) Gylfis Vision
d) Runenstein von Eggjum
e) Gylfis Vision
f) Gylfis Vision
g) Runenstein von Einang
h) Skirnir-Lied
i) Gylfis Vision
j) Gylfis Vision
k) Gylfis Vision
l) Sigdrifa-Lied
m) Sigdrifa-Lied
n) Gylfis Vision
o) Der Speerschaft von Kragehul
Asen und Alfen
a) Skirnir-Lied
b) Skirnir-Lied
c) Der Ausspruch der Seherin
d) Thrym-Lied
e) Odins Runenlied
f) Odins Runenlied
g) Grimnir-Lied
h) Lokasenna
i) Fafnir-Lied
Die Asen in Asgard
a) Der Ausspruch der Seherin
b) Gylfis Vision
c) Der Ausspruch der Seherin
d) Gylfis Vision
e) Gylfis Vision
Asen-Stärke
a) Hymir-Lied
b) Gylfis Vision
c) Gylfis Vision
Der Kult der Asen
a) Vellekla
Zusammenfassung
Wanen
Der Wortschatz
a) Der Name „Wane"
b) Kenningar
Wanen allgemein
a) Skaldskaparmal
b) Heimskringla
c) Der Ausspruch der Seherin
d) Wafthrudnir-Lied
e) Sigdrifa-Lied
f) Skirnir-Lied
g) Alwiss-Lied
h) Odins Rabenzauber
i) Thrym-Lied
Zusammenfassung
Disen
Der Wortschatz
a) Die Bezeichnung „Dise"
b) Kenningar
c) Frauennamen
d) Jacob Grimm: Deutsche Mythologie
Disen-Göttinnen
a) Merseburger Zauberspruch
b) Gesta danorum
c) Dise = Göttin
Disen-Opfer
a) Die Saga über Fridthjof den Kühnen
b) Saga über Hervor und König Heidrek den Weisen
c) Heimskringla
d) Egil-Saga
e) Egil-Saga
Disen-Hilfe
a) Sigdrifa-Lied
Disen, Fylgjas und Walküre
a) Die Saga über Half und seine Berserker
b) Thorstein Viking-Sohn
Disen, Nornen und Walküre
a) Das andere Lied über Sigurd Fafnir-Töter
b) Kenningar
c) Der Seherin Ausspruch
d) Hamdir-Lied
e) Frauennamen
Disen und Wiederzeugung
a) Lausavisur des Jatgeirr Torfa-Sohn
b) Frauennamen
Disen und Engel
a) Sonnenlied
„Dise als Umschreibung für „Frau
a) Kenningar
b) Saga über Bosi und Herraud
c) Die Saga über Thorstein Viking-Sohn
d) Die Stadt Hleidra
Zusammenfassung
Ahnen
Wortschatz
a) Namen für die Ahnen
b) Personennamen
Ahnen allgemein
a) Indiculus superstitionum et paganiarum
b) Hamburgische Kirchengeschichte
Ahnen-Hilfe
a) Utiseta
b) Die Erhaltung des eigenen Namens
c) Ahnenreihen
Die Ahnen in der indogermanischen Überlieferung
Die Ahnen in anderen Religionen
Zusammenfassung
Alfen
Wortschatz
a) Der Name „Alf"
b) Mit „Alf" gebildete Begriffe
c) Kenningar
d) Personennamen
Asen und Alfen
a) Thrym-Lied
b) Sigdrifa-Lied
c) Grimnir-Lied
d) Odins Runenlied
e) Skirnir-Lied
f) Skirnir-Lied
g) Ägirs Trinkgelage
h) Ägirs Trinkgelage
i) Ägirs Trinkgelage
j) Der Vision der Seherin
k) Alwiss-Lied
l) Odins Rabenzauber
m) Fafnir-Lied
n) Hrolf Kraki und seine Berserker
Alfheim, Lichtalfen und Schwarzalfen
a) Gylfis Vision
b) Gylfis Vision
c) Gylfis Vision
d) Zwergennamen
e) Odins Rabenzauber
Alfablot
a) Heimskringla
b) Thialfi
der ehemalige Sonnengott-Göttervater Tyr
a) Kenningar
b) Hamdir-Lied
c) Skirnir-Lied
d) Odins Rabenzauber
Alberich
a) Wieland-Lied
b) Wieland-Lied
c) Wieland-Lied
d) der Zwergenkönig Alberich
e) König Alberich
f) Skaldskaparmal
g) Odins Rabenzauber
h) Hervor-Saga
i) Illugi-Saga
j) Über Fornjotr und seine Verwandten
k) Die Saga über Thorstein Viking-Sohn
l) Gylfis Vision
Sonstiges
a) Die Saga über Thorstein Haus-Macht
b) Die Geschichte über Norna-Gest
c) Grettir-Saga
d) Hrolf Kraki und seine Berserker
e) Cormac-Saga
f) Die Saga über Bosi und Herraud
g) Gesta danorum
h) Ortsnamen
Jakob Grimm: Deutsche Mythologie
Zusammenfassung
Blau-Menschen
Die Symbolik der Farbe „Blau"
Blaumenschen in den Sagas
a) Grettir-Saga
b) Die Saga über Sturlaug den Mühen-Beladenen
c) Gylfis Vision
d) Der Ausspruch der Seherin
e) Die Saga über Thorstein Viking-Sohn
f) Sörli-Saga
g) Die Saga über Sturlaug den Mühen-Beladenen
h) Heimskringla
i) Hamburgische Kirchengeschichte
Zusammenfassung
Kobolde
Wortschatz
a) Der Name „Kobold"
Berichte über Kobolde
a) Der Bauer mit seinem Kobold
b) Der Kobold in der Mühle
c) Hütchen
d) Hinzelmann
e) Der Kobold
f) Klopfer
g) Stiefel
h) Ekerken
i) Der Nachtgeist zu Kendenich
Gebrüder Grimm: Deutsche Mythologie
Kobalt und Nickel
Zusammenfassung
Wichte
Wichte in der germanischen Überlieferung
Zusammenfassung
Trolle
Wortschatz
a) Trolle und Riesen
b) Das Wort „Troll"
c) mit „Troll" gebildete Worte
d) Kenningar
Sprichworte
a) Trolle sind feindliche Jenseitswesen
b) Trolle beherrschen Magie
c) Trolle haben übernatürliche Kraft und sind unverwundbar
d) Trolle sind ein großes Hindernis
e) Trolle sind dumm
f) Trolle sind bösartig
g) Troll-Verwünschungen
h) Eide
i) Beleidigungen
Troll-Geschichten
a) Landnahme-Buch
b) Kjalnesinga-Saga
c) Grettir-Saga
d) Die Saga über Grim Struppig-Wange
e) Havamal
f) Die Geschichte über Helgi Thorisson
g) Hattatal
h) Die Saga über Hovard von den Eisfjord-Leuten
i) Heidarviga-Saga
j) Die ältere Version der Huldar-Saga
k) Saga über König Harald Hart-Rat
l) Der Runenstein von Vetteland
m) Die Saga über Hervor und König Heidrek den Weisen
n) Die Saga über Ketil Forelle
o) Die Saga über Thorsteinn Haus-Macht
p) Die Saga über die Bewohner von Eyre
q) Die Saga über Halfdan Eysteinn-Sohn
r) Die Saga über Sturlaug den Mühen-Beladenen
Zusammenfassung
Meermenschen
Wortschatz
Meermenschen-Geschichten
a) Die Saga über die Bewohner von Eyre
b) Die Saga über Half und seine Helden
c) Völsungen-Saga
d) Högni (Faröer-Lied)
e) Der Wassermann an der Fleischerbank
f) Der Mummelsee
g) Bruder Nickel
h) Der Wassermann und der Bauer
i) Der Schwimmer
j) Tanz mit dem Wassermann
k) Schlitzöhrchen
l) Der Wassermann
m) Der Nixenbrunnen
n) Der Döngesee
o) Die Magdeburger Nixen
p) Die Elbjungfer und das Saalweibchen
q) Die Wassernixe und der Mühlknappe
r) Wasserrecht
s) Das ertrunkene Kind
t) Vor den Nixen hilft Dosten und Dorant
u) Des Nixes Beine
v) Die Magd bei dem Nix
w) Die Frau von Hahn und der Nix
x) Die drei Jungfern aus dem See
y) Der Nix an der Kelle
z) Die Loreley
Wassermenschen bei den Indogermanen
Wassermenschen bei anderen Völkern
Zusammenfassung
Naudir
Der Name „Naudir"
Naudir in der Überlieferung
a) Der Heilstab von Ribe
b) Kvennagaldur
c) Die Rune „Not"
d) Heilungszauber aus dem Buch „Lacnunga"
Naudir bei den Finnen
Zusammenfassung
Pukis
Wortschatz
Puki-Geschichten
a) Heimskringla
b) Landnahmebuch
c) Gudmundr Bischof Ara-Sohn
d) Die Saga über Grettir den Starken
e) Saga über Egil Skallagrimsson
f) Saga über Egil Skallagrimsson
g) Saga über Egil Skallagrimsson
h) Landnahme-Buch
i) Gesta danorum
Das „Kleine Volk" bei den Kelten
Zusammenfassung
Spiritus familiaris
der Familiengeist
Geschichten
a) Die Sagen der Gebrüder Grimm: Der Spiritus familiaris
Zusammenfassung
Zusammenfassung: Mythologische Wesen
Themenverzeichnis
I Übersicht
Die Germanen kannten eine Vielzahl von Geistern bzw. mythologischen Wesen, die in ihren Berichten, Liedern, Mythen und Sagas sowie in ihrem Kult auftreten.
Zu ihnen gehören:
die Asen, Wanen und Disen, die die Götter der Germanen sind,
dann folgen die Ahnen, die auch „Alfen, „Zwerge
, „Blau-Menschen, „Meer-Menschen
und „Kobolde" genannt worden sind,
weiterhin die Wichte, die ganz allgemein einen Geist bezeichnet haben,
zudem die bedrohlichen Riesen und Trolle sowie die Naudir, die den Menschen die Krankheiten bringen,
und schließlich noch die Pukis, die hilfreiche Erdgeister sind.
II Götter
II 1. Der Begriff „Gott" in der germanischen Überlieferung
In der Regel ist in den germanischen Texten von „Ase oder „Wane
die Rede. Es gibt jedoch auch noch einige weitere Bezeichnungen für die Götter.
In den meisten Übersetzungen der germanischen Texte werden die ursprünglichen Begriffe oft nicht beibehalten oder wörtlich übersetzt, sondern einfach mit „Gott, Göttin, Götter," wiedergegeben.
II 2. Kenningar
Die Götter konnten auch mit einer Reihe von Kenningarn umschrieben werden:
Die drei folgenden Kenningar bezeichnen den christlichen Gott Vater, aber greifen vermutlich ältere Umschreibungen und Vorstellungen über den einstigen Sonnengott-Göttervater Tyr auf:
II 3. Gesta danorum
Der folgende Text bezieht sich zwar auf die Götter der Germanen, aber ist aus der Sicht eines christlichen Mönches, der in der griechisch-römischen Mythologie bewandert ist, verfaßt worden.
Erik lobte die Freundlichkeit des Königs und stimmte seinem Urteil zu und erklärte, daß er von den unsterblichen Göttern nichts Größeres hätte erwarten können als das, was ihm nun ungefragt angeboten wird.
II 4. Jakob Grimm: Deutsche Mythologie
Jetzt scheint die untersuchung, ob für die älteste zeit in Deutschland wirkliche götter zu behaupten seien, völlig vorbereitet. alle zweige unserer sprache haben die selbe allgemeine benennung der gottheit gekannt und bis auf den heutigen tag beibehalten; alle oder doch die meisten, insofern mangelhaftigkeit der quellen zeugnisse vervollständigen läßt, zeigen gleiche oder wenig abweichende ausdrücke für die heidnischen begriffe des cultus, des opferns, der tempel und des priesterthums. Besonders leuchtet unverkennbare analogie hervor zwischen dem altnordischen sprachgebrauch und den viele jahrhunderte älteren überlieferungen der anderen dialecte: die nordischen æsir, blôta, hörgr, gođi waren den Gothen, Alamannen, Franken Sachsen längst vorher, und in dem nemlichen sinn, bekannt. aber einstimmung und ähnlichkeit erstrecken sich über die wörter hinaus auf die gebräuche selbst; in heiligen hainen wurden die ältesten menschen und thieropfer dargebracht, priester leiteten opfer und weissagungen, weise frauen genossen beinahe göttliches ansehen.
Der beweis, den die gleichheit der sprache an hand gibt, ist für sich schon hinlänglich und entscheidend. wenn verschiedene abtheilungen eines volks eine und die selbe sprache reden, haben sie auch so lange sie ihrer natur überlassen bleiben und nicht gewaltsamen einfluß von außen her ausgesetzt sind, immer gleiche weise des glaubens und der gottesverehrung.
Das deutsche volk liegt mitten zwischen Celten, Slaven, Litthauern, Finnen, lauter völkerschaften, die götter erkennen und eines geordneten cultus pflegen. slavische völker, in weit entlegene gebiete verbreitet, haben ihre hauptgötter gemeinschaftlich. wie sollte es in Deutschland anders sein?
Beweise für die echtheit der nordischen götterlehre zu fordern, darüber sind wir endlich hinaus. jede critik lähmt und zerstört sich, die damit anhebt zu leugnen oder zu bezweifeln, was in einer unter dem volk lebendig gebornen und fortgepflanzten poesie und sage enthalten ist, und vor augen liegt. sie hat es lediglich zu sammeln, zu ordnen und die bestandtheile in ihrem geschichtlichen stufengang zu entwickeln.
Billigerweise darf also nur in frage gestellt werden, ob die unbestreitbaren götter des Nordens auch für das übrige Deutschland gelten? sie im allgemeinen zu bejahen scheint nach den vorausgehenden ergebnissen unserer forschung aller grund vorhanden und beinahe nothwendig.
Eine verneinende antwort, wenn sie sich recht begriffe, hätte zu behaupten, daß die nordische götterreihe, ihrem wesen nach, ehemals auch dem innern Deutschland gemein, durch die frühere bekehrung hier vernichtet und erloschen sei. aber eine menge ausnahmen und zurückgebliebener spuren würden die behauptung einschränken, und was noch aus ihr gezogen werden möchte bedeutend verändern.
Man hat inzwischen auf ganz andere weise zu verneinen gesucht und die ansicht aufgestellt, jene gottheiten seien sonst in Deutschland überhaupt niemals vorhanden gewesen und dessen ältesten einwohnern nichts als ein grober, götterloser naturdienst eigen.
Diese meinung, eine wesentliche unterscheidung zwischen germanischem und scandinavischem heidenthum machend, und alle spuren miskennend, welche sich unbefangner forschung als unverwerfliche zeugen für die gemeinschaft beider zweige eines volks ergeben, legt vorzügliches gewicht auf einige äußerungen, die etwa seit dem sechsten jahrhundert über die beschaffenheit des heidnischen glaubens vorkommen. meistentheils rühren sie her aus dem munde eifriger Christen, denen es gar nicht angelegen war, das angefeindete heidenthum kennen zu lernen oder darzustellen, die vielmehr davon ausgiengen. vor dem rohesten erscheinungen seines cultus als verabscheuungswürdigem greuel zu warnen.
Es wird erforderlich sein die hauptsächlichsten stellen in ihrer einförmigkeit und einseitigkeit zu überblicken.
Agathias († vor 582), selbst ein neubekehrter Grieche, der was er von fernen Alamannen vernommen hatte, nur aus christlichgefärbten berichten wissen konnte, stellt den alamannischen cultus, gegen über dem fränkischen, so dar: δένδρα τε γάρ τινα ιλάσκονται κα ρε θρα ποταμ ν κα λόφους κα φάραγγας, κα τούτοις ώσπερ όσια δρ ντες. darauf folgen die schon angeführten worte über ihre pferdeopfer.
Aber sein gegensatz zu den Franken geht schon verloren, wenn wir von diesen aus Gregors, ihres ersten geschichtschreibers, munde fast ganz das nemliche versichern hören: sed haec generatio fanaticis semper cultibus visa est obsequium praebuisse, nec prorsus agnovere deum (den wahren), sibique silvarum atque aquarum, avium, bestiarumque et aliorum quoque elementorum finxere formas, ipsasque ut deum colere eisque sacrificia delibare consueti.
Ähnlich von den Sachsen Einhard in der vita Caroli: sicut omnes fere Germaniam incolentes nationes et natura feroces et cultui daemonum dediti, nostraeque religioni contrarii. Ruodolf von Fuld, nachdem er Tacitus und Einhard ausgeschrieben hat, fügt noch hinzu: nam et frondosis arboribus fontibusque venerationem exhibebant, und erwähnt dann der Irminsûl, von welcher ich im verfolg handeln werde. Endlich versichert von den Holsteinern Helmold: nihil de religione nisi nomen tantum christianitatis habentes. nam lucorum et fontium, ceterarumque superstitionum multiplex error apud eos habetur. … lucos et omnes ritus sacrilegos destruens cet.
Ganz in solchem sinne gefaßt sind auch die verbote heidnischer und abgöttischer gebräuche in den concilienschlüssen und gesetzen: Non licet inter sentes aut ad arbores sacrivos vel ad fontes vota exsolvere. Simili modo et qui ad arborem, quam rustici sanguinum (sanctivam, sacrivam) vocant atque ad fontanas adoraverit. Si quis ad fontes aut arbores vel lucos votum fecerit, aut aliquid more gentilium obtulerit et ad honorem daemonum comederit.
Und die bekehrer, die christlichen geistlichen hatten jahrhunderte lang wider den fast unausrottbaren unfug zu eifern. es genügt bloß aus den actis Benedict auf die predigten des Caesarius episcopus arelatensis († 542) contra sacrilegos et aruspices, contra kalendarum quoque paganissimos ritus, contraque augures lignicolas, fonticolas zu verweisen.
Alle diese stellen enthalten keine unwahrheit, nur nicht die ganze wahrheit.
Götterlosigkeit des deutschen heidenthums thun sie unmöglich dar; einmal weil sie aus zeiten herrühren, wo das heidenthum nicht mehr frei und ungestört waltete, sondern von der neuen lehre heftig angefeindet, größtentheils überwältigt war. seine allgemeine übung hatte aufgehört, einzelne anhänger hegten es schüchtern in verstolen beibehaltenen gebräuchen; daneben gab es Christen, die aus einfalt oder irthum fortfuhren abergläubische ceremonien, neben den christlichen zu treiben. verrichtungen auf solche weise hin und wieder unter dem gemeinen haufen unvertilgt, aber aller ordnenden leitung heidnischer priester entzogen, musten sich schnell vergröbern und nun als rohe überbleibsel eines älteren glaubens erscheinen, den man nicht nach ihnen ermessen kann.
So wenig in teufeln und hexen der späteren zeit die uns verhüllten höheren, reineren vorstellungen des alterthums zu miskennen sind, so wenig dürfen wir scheu tragen, jene paganien auf die ungetrübte quelle der vorzeit zurück zu leiten. verbote und predigten hielten sich streng an die practische seite der sache und hatten gerade ihr absehen auf die letzten verhaßten überreste des falschen glaubens. Eine stelle in Cnuts angelsächsischen gesetzen lehrt, daß der quellen und baumdienst anbetung der götter an sich nicht ausschließe:
Hæđenscipe biđ, þät man deofolgild veorđige, þät is, þät man veorđige hæđene godas, and sunnan ođđe mônan, fŷre ođđe flôdväter, vyllas ođđe stânas ođđe æniges cynnes vudutreova.
Ganz ebenso heißt es von Olaf dem heiligen, daß er die heidnischen opfer und götter getilgt habe:
Ok mörg önnur blôtskapar skrîmsl, bæđi hamra ok hörga, skôga, vötn ok trê ok öll önnur blôt, bæđi meiri ok minni.
Es kann aber noch ein anderer grund gedacht werden, warum die vielleicht unverschollenen heidnischen götter bei solchen anlässen verschwiegen bleiben; christliche geistliche scheuten sich ihre namen auszusprechen, ihre verehrung näher zu beschreiben. rathsam erschien, sie unter der allgemeinen benennung von dämonen oder teufeln zu begreifen, und ihre wirksamkeit durch eingeschärfte verbote dessen, was sich von ihrem cultus zuletzt erhalten hatte, vollends zu zerstören. Die Merseburger gedichte zeigen, wie ausnahmsweise in beschwörungsformeln dennoch die namen einzelner götter fortgepflanzt werden konnten.
Auf keinen fall lassen sich darstellungen des gesunkenen, zerfallenden heidenthums den nachrichten zur seite setzen, die uns fünf bis acht jahrhunderte früher Tacitus von ihm, da es noch in seiner vollen kraft bestand, gegeben hat.
Zeugt die in der gewohnheit des volks haftende anbetung der bäume und flüsse nicht mehr für das dasein der götter, wie laut kündigen es unvollständige und mangelhafte mittheilungen des fremden Römers an. wenn er ausdrücklich redet von einem deus terra editus, von helden und abkömmlingen des gottes (plures deo ortos), von dem gott, der die kriege lenkt (velut deo imperante), von den namen der götter (deorum nominibus), die das volk auf heilige haine übertrug, von dem priester, der keine weissagung beginnt, ohne die götter anzuflehen (precatus deos) und sich für den diener der götter (ministros deorum) hält, von einem regnator omnium deus, von den göttern Deutschlands, von den diis patriis, denen die eroberten signa romana aufgehängt wurden, penetrales Germaniae deos, dii penates, communes dii und conjugales dii sondert, wenn er auch einzelne gottheiten unterscheidend römische namen auf sie anzuwenden sucht und (interpretatione romana) einen Mars, Mercurius, Hercules, Castor und Pollux, eine Isis nennt, ja für den deus terrâ editus und dessen sohn, für eine göttin, terra mater den deutschen ausdruck beibehält; wer vermag da zu leugnen, daß in jener zeit die Deutschen leibhafte götter verehrten? wie läßt sich, alles andere, was wir von der sprache, der freiheit, den sitten und tugenden der Germanen wissen, hinzugenommen, der gedanke festhalten, sie hätten in dumpfem fetischismus versunken sich vor klötzen und pfützen niedergeworfen und ihnen rohe anbetung erwiesen?
Caesars meinung, der die Deutschen oberflächlicher kannte, als hundert jahre nachher Tacitus, darf der wahrheit keinen abbruch thun; er will unsere vorfahren den Galliern, mit denen er vertrauteren verkehr gepflogen hatte, entgegenstellen; und die personificationen der sonne, des feuers, des mondes, worauf er die zahl aller götter beschränkt, ertragen kaum gezwungene ›römische auslegung‹.
Setzen wir Apoll und Diana an die stelle der sonne und des mondes, wie wenig entsprächen sie gerade der festgewurzelten eigenthümlichkeit deutscher vorstellungsweise, worin jene als weibliches, dieser als männliches wesen aufgefaßt wird, und die schon der beobachtung des Römers, wenn sie tiefer eingedrungen wäre, nicht hätte entgehen dürfen.
Vulcan, dem nordischen Loki vergleichbar, eine der gottheiten, von der sich in dem übrigen Deutschland die geringste spur zeigt, hatte ohne zweifel weniger begründung, als die gleich sichtbaren und hilfreichen götter der nährenden erde, und des labenden, fischreichen, schiffetragenden wassers. ich kann Caesars worte für nichts als eine halbwahre, allgemeingehaltene ansicht nehmen, die gegen Tacitus bestimmtere aussage weder andere götter verdächtigen, noch viel weniger einen bloßen elementardienst unter den Germanen darthun mag.
Alle nachrichten, die uns für das alte dasein einzelner götter gewähr leisten, zeugen zugleich nothwendig von ihrer menge und wechselseitigen verbindung.
Schreibt Procop den Herulern einen πολυς θε ν όμιλος zu, so wird diese schaar auch für die Gothen gelten, von denen wir gerade das wenigste einzelne wissen, und für sämtliche Germanen insgemein.
Nach Jornandes sollte man glauben, daß erst Diceneus die Gothen mit göttern bekannt gemacht habe: elegit ex eis tunc nobilissimos prudentiores viros, quos theologiam instruens numina quaedam et sacella venerari suasit; offenbar fällt hier das licht auf den herscher, der den dienst einzelner götter förderte. doch daß auch Jornandes seinen Gothen unbedenklich einheimische götter zutraute, folgt aus capitel 10: unde et sacerdotes Gothorum aliqui, illi qui pii vocabantur, subito patefactis portis cum citharis et vestibus candidis obviam sunt egressi paternis diis, ut sibi propitii Macedones repellerent voce
