Über dieses E-Book
Charlottes Firma kauft die vielversprechende App eines eigenwilligen Nerds ein. »Freunde treffen« soll es Menschen einfacher machen, sich gegenseitig zu helfen. Begeistert von der Idee, testet Charlotte persönlich und findet Gefallen daran.
Doch um mit der App Geld zu verdienen, muss eine zahlungspflichtige Premium-Version her. Und in dieser werden Freunde zu Feinden.
Nike Mangold
Nike Mangold lebt zurückgezogen mal hier und mal dort. Sie besitzt Steckdosenadapter für die meisten Regionen der Erde und braucht zum Glücklichsein nur ihren Schreiblaptop und starken Kaffee.
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Buchvorschau
Freunde treffen - Nike Mangold
Freunde treffen
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Impressum
Freunde treffen
6:30 Uhr, Dienstag. Heute war der einzige Tag der Arbeitswoche ohne frühe Telefonkonferenz mit China. Charlotte wollte noch mindestens eine Stunde schlafen, doch beim Blick auf den Wecker wich die Bettschwere aus ihrem Körper und ihr Organismus schaltete unerbittlich in den Aktivmodus, morgendliche Gereiztheit inklusive.
Ihr Mann Mark war schon auf den Beinen. Im Bademantel tappte Charlotte in die Küche und fand eine Kanne frischen Kaffees vor. Sie goss sich eine Tasse ein und versuchte, langsam und genussvoll zu trinken.
Wenn du Kaffee trinkst, trinke nur Kaffee.
Doch ihre innere Mitte war irgendwo zwischen Schanghai und Frankfurt verloren gegangen. Der letzte Jet Lag steckte ihr noch in den Knochen. Dringend hätte sie Schlaf nachholen müssen. Stattdessen lehnte sie nutzlos an der Küchentheke. Das machte sie ärgerlich auf sich selbst.
Durch die Verandatür trat Charlotte in den Garten. Mark übte Bogenschießen. Er hatte ihr den Rücken zugedreht und zielte auf eine Scheibe, die am Stamm des Apfelbaums hing. Um den Kopf trug er ein Lederband mit einer Feder darin. Zu atmen schien er nicht. Nach einer Zeitspanne, die Charlotte wie eine Ewigkeit vorkam, schoss er. Der Pfeil blieb im äußersten Kreis der Zielscheibe stecken. Charlotte klatschte.
Mark drehte sich um. »Ist verbesserungswürdig.«
In durchnässten Socken und Badelatschen lief er durch das taufeuchte Gras, um den Pfeil zu holen.
Zieh Gummistiefel an!
Charlotte schluckte die Bemerkung herunter. Hier bot sich die Gelegenheit, Paarzeit zu verbringen und Interesse an Marks Hobby zu zeigen, wie es die Familientherapeutin empfohlen hatte.
Erneut brachte Mark sich in Stellung, spannte die Sehne und verharrte, ohne Luft zu holen. Nach einer Weile ließ er den Bogen sinken und begann von vorn. Wieder folgte quälend langes Stillstehen und schließlich der erlösende Schuss. Der Pfeil flog in die Hecke.
»Du machst mich nervös«, sagte Mark.
Allerdings klang er gut gelaunt. Charlotte zwang sich, zwei weitere Versuche mitanzusehen, bis sie es nicht mehr ertragen konnte, sich anzog und zum Büro aufbrach. Im Auto sprach sie aus, was sie sich vorher verkniffen hatte: »Besorg zusätzliche Pfeile. Du übst effizienter, wenn du zehn auf einmal zurückholst. Soll mein Assistent einen Trainer für dich auftreiben? Übrigens sind nasse Füße der sicherste Weg, krank zu werden.«
Natürlich wollte das diplomatischer ausgedrückt sein. Charlotte formulierte eine Version ihrer Ratschläge mit »meiner Meinung nach«, doch als sie auf den Firmenparkplatz einbog, verwarf sie auch diese. Warum überhaupt Bogensport? Moderne Schusswaffen waren treffsicherer und durchschlagender. Könnten Bogenschützen etwas ausrichten, würden sämtliche Urvölker noch über ihre Gebiete herrschen.
In der Firma brannte erst in wenigen Räumen Licht. Charlotte betrat ihr Büro und fuhr den Laptop hoch. Sie könnte in Ruhe die Quartalszahlen durchgehen, aber als Belohnung für das zeitige Aufstehen verdiente sie Netteres. Sie durchforstete die digitalen Kalender der Abteilungsleiter. Bei Frau Szymczak stellten sich gerade Start-ups vor, um übernommen zu werden.
Zehn Minuten später saß Charlotte
