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Band 2 des Zweiteilers
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Buchvorschau
Minus zwei Band 2 - Sandra Busch
Minus 2
Into the Light
Ein Roman von Sandra Busch
Band 2
Impressum
© dead soft verlag, Mettingen
http://www.deadsoft.de
© the author
Cover: Irene Repp
http:/www.daylinart.webnode.com/
Bildrechte:
© Jaromir Chalabala - shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-945934-93-7
ISBN 978-3-945934-94-4 (epub)
Inhalt:
Die Schrecken der Einhornhöhle liegen hinter Bernd und Tiger. Das sollte man zumindest meinen. Doch das Wiedereinfinden in den Alltag ist alles andere als einfach. Außerdem stehen noch Gefühle im Raum, mit denen sich die beiden auseinandersetzen müssen. Stehen die Chancen für den Weg in das eigene persönliche Licht höher als minus zwei?
Die Verliebten leben vom Licht der Anderen.
Die Liebenden sind einander das Licht.
Andreas Tenzer
Einsamkeit
BERND
Mit Hilfe der Unterarmgehstütze machte Bernd einen Rundgang im Erdgeschoss seines Hauses. In der oberen Etage hörte er seine Eltern rumoren, die seinen Koffer ausräumten und das Bett frisch bezogen.
Konnte einem das eigene Heim fremd werden? Er musterte die fast schwarzen Kolonialstilmöbel, die Fliesen in Holzparkettoptik, die bunten Sofakissen und die frischen, orangefarbenen Gardinen, durch die warmes Sonnenlicht drang. Bernd humpelte zur Terrassentür und blickte in den Garten hinaus. Dabei drückte er eine kleine rosa Stoffsau fest an seine Brust. Ein bisschen fühlte er sich wie Alice im Wunderland. Sein eigenes Zuhause kam ihm auf eine fantastische Art und Weise unwirklich vor. Beinahe wie ein Traumgespinst, das sich in Luft aufzulösen drohte.
Es war noch nicht lange her, dass die Umbaumaßnahmen in seinem Haus ein Ende gefunden hatten und die neuen Möbel aufgebaut worden waren. Richtig eingelebt hatte er sich in der frisch renovierten Umgebung bisher nicht, denn meistens hatte er sich ohnehin im Landesamt für Geologie und Bergbau befunden und gearbeitet.
Jetzt hatte er einen zweiwöchigen Aufenthalt im Klinikum Herzberg/Osterode hinter sich, an den er sich kaum erinnern konnte. Was in seinem Gedächtnis haften geblieben war, war ein wilder Veitstanz der Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern sowie seiner Eltern, dem Psychiater und Herrn Professor Doktor Eichenberg, dem Vorsitzenden der Harzer Speläologie. Ohne Tigers beruhigende Anwesenheit wäre er bei dem Trubel bestimmt wahnsinnig geworden. Er hatte sich direkt nach der Stille in den Stollen zurückgesehnt. Zumindest zeitweilig.
Im Krankenhaus lernte Bernd zudem Renesmee und Neo Jaschiniok, Tigers Eltern, kennen. In Anbetracht ihrer außergewöhnlichen Vornamen hatte bei ihm ja bloß ein Tiger rauskommen können. Es waren nette, warmherzige Leute, die ihn ebenfalls mit einer liebevollen Umarmung bedachten, als sie, von den Ärzten unterrichtet, in der Klinik erschienen. Bernds Eltern Fine und Peter kannten sie bereits von der Trauerfeier her. Es wurde viel geweint und gelacht und geherzt. Nach der Stille im schwarzen Bauch des Harzes war ihm der ganze Rummel eigentlich zu viel. Bernd ertrug ihn lediglich mit Mühe. Dabei konnte er ja verstehen, dass seine Eltern ihn dauernd berühren wollten. Sie mussten sich vergewissern, dass er am Leben war. Und dass sie ihn fälschlicherweise für tot gehalten und unnötig um ihn getrauert hatten.
Zwei Wochen nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus fand eine riesige Pressekonferenz statt, in der Tiger und er von ihren Erlebnissen unter Tage berichteten. Eigentlich hatte mehr Tiger gesprochen. Er selbst war wie versteinert gewesen, als er in die tränennassen Gesichter der Angehörigen und Freunde ihrer Expeditions-Kameraden gestarrt hatte. Das Einzige, was Tiger nicht zur Sprache gebracht hatte, waren ihre sexuellen Eskapaden. Darüber hatten sie nicht einmal mit ihren Eltern geredet. Ihre aus Hilflosigkeit und Schrecken geborene Beziehung zueinander war zum Tabuthema geworden. Bernd wollte keine Zeitung aufschlagen und dort wilde Schlagzeilen entdecken müssen, die aus einem tragischen Unglück eine reißerische Story machten. Vier Wochen Kampf gegen die endlose Schwärze oder Horrortrip unter Tage waren Titel, die ihr Erlebtes durch ihre grausame Aufmachung und Sensationslust verhöhnten. Und niemand – niemand! – wollte Fotos von zwei halb verhungerten, körperlich am Ende befindlichen Höhlentrollen sehen. Die Bilder jagten Bernd jedes Mal einen Schauer über den Rücken. Das auf den Fotos war nicht er. Das konnte bloß ein Fremder sein. Ein sehr, sehr bedauernswerter Fremder.
Ein ebenso schwerer Gang war der zu Peer Obinskis Frau gewesen, aber sie hatten einem Sterbenden ein Versprechen gegeben. Es wurde sein Job, die weinende, hochschwangere Frau tröstend in die Arme zu nehmen. Dafür übernahm auch hier Tiger erneut das Reden. Die werdende Mutter tat Bernd ausgesprochen leid. Was hätte er nicht alles dafür getan, wenn sie wenigstens Peer hätten retten können.
Eine weitere Woche verbrachte Bernd bei seinen Eltern. Sie brauchten die intensive Nähe zu ihm, um wirklich begreifen zu können, dass er überlebt hatte. Bernd mochte sich gar nicht vorstellen, was sie bei der Trauerfeier mitgemacht hatten. Er wusste, dass seine Mutter häufig nachts seine Tür öffnete und ihn im Schlaf betrachtete. Sein Vater hatte es ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit verraten. Sie hatte furchtbare Angst, dass seine Rettung Wunschdenken war und sie sich in tröstlichen Halluzinationen erging.
Der Einzige, der jedoch tatsächlich verschwand, war Tiger. Sobald er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, kehrte er nach Göttingen und in sein altes Leben zurück. Nur für die Pressekonferenz und dem Besuch bei Frau Obinski traf er sich mit Bernd. Es waren Termine, die Bernd einerseits am liebsten hätte ausfallen lassen, andererseits fieberte er ihnen regelrecht entgegen. Denn mit Tigers Weggehen fühlte sich Bernd, als hätte man ihm einen Arm amputiert. Die felsenfeste Überzeugung, dass ihre innige Zuneigung einfach nach ihrem Abenteuer abgeschaltet werden konnte, war ein herber Trugschluss gewesen. Bernd vermisste seinen Freund sehr. Besonders in der Nacht.
„Berni? Sein Vater kam die Treppe heruntergepoltert. Er schleppte einen prall gefüllten Stoffbeutel. „Soll ich die Kerzen verteilen?
In einem Baumarkt hatten sie batteriebetriebene Kerzen eingekauft. Völlige Dunkelheit ertrug Bernd nicht. Bei seinen Eltern hatte die Nacht hindurch die Nachttischlampe brennen müssen. Sein Vater hatte schließlich die Idee mit den LED-Kerzen gehabt. Sie verbreiteten ein angenehmes, heimeliges Licht und würden Bernd beim Einschlafen helfen. Dass er in der Regel spätestens nach drei Stunden wach wurde und schweißgebadet war, weil er Albträume bekam oder ein leises Wispern und Knirschen zu hören glaubte, wussten seine Eltern nicht. Seiner Meinung nach war es überflüssig, sie mit neuen Sorgen zu überschwemmen. Sie hatten genug durchstehen müssen.
„Die Kerzen verteile ich später. Ich will mir erst in Ruhe überlegen, wo ich sie hinstellen möchte."
„Dann bringe ich sie zunächst in die Küche."
„Okay."
Statt in die Küche zu gehen, musterte ihn sein Vater prüfend. „Geht es dir gut, mein Sohn?"
„Ehrlich gesagt komme ich mir ein bisschen fremd vor."
„Du kannst gerne bei uns bleiben. Ein paar weitere Wochen … Es drängt dich ja niemand, dass du hier alleine bleiben sollst."
Das war echt nett von seinen Eltern und Bernd ahnte, dass seine Mutter sogar darauf hoffte. Doch er musste langsam wieder eigenständig werden. Das würde im elterlichen Nest allerdings nicht funktionieren.
„Wenigstens so lange, bis dein Knie verheilt ist."
„Das Knie wird schon." Er hatte sich eine fette Schleimbeutelentzündung bei seinem blöden Sturz auf die Felsen eingefangen. Schön war etwas anderes, trotzdem erstaunte es ihn, wie glimpflich Tiger und er davongekommen waren. Ein paar Kratzer, Beulen und Schrammen, die Entzündung, Unterernährung und der Mangel an Flüssigkeit. Im Krankenhaus waren sie aufgepäppelt und mit Elektrolyten, Vitaminen und Proteinen vollgepumpt worden, wobei die Ärzte wachsam ihre Organe im Blick behalten hatten. Vor ihrer Entlassung waren sie ein letztes Mal gründlich untersucht worden, ob Nieren und Co tatsächlich keinen dauerhaften Schaden davongetragen hatten. Er hatte etwas Grieß in den Nieren gehabt, was er seiner Blasenentzündung zu verdanken hatte. Es waren zusätzliche Schmerzen gewesen, als der Grieß abging, auf die Bernd gut hätte verzichten können. Er war froh, dass sich keine Nierensteine gebildet hatten.
Bernd erinnerte sich daran, wie er am ersten Tag bei seinen Eltern die in den Tunneln erträumte Currywurst mit Pommes gegessen hatte. Nie zuvor hatte er eine solche Geschmacksexplosion erlebt oder vor Glück weinend über einer Mahlzeit gesessen. Im Krankenhaus hatte es lediglich Aufbaukost gegeben, viele Suppen, damit Magen und Darm ihre normale Funktion wieder aufnehmen konnten. Zur Entschädigung wurden ihm bei seinen Eltern sämtliche Lieblingsessen serviert: Kartoffelsuppe, mit Hack gefüllte Paprika, Eier in Senfsoße und mit Marmelade gefüllte Hefestückchen. Hefestückchen lagen außerdem in einer großen Schüssel angerichtet in seiner Küche. Seine Mutter hatte ihm reichlich von der süßen Nascherei mitgegeben.
„Wo willst du mit dem Schwein hin?"
Die Stimme seines Vaters riss ihn aus den Gedanken.
„Ich stell es am besten auf den Kamin." Das rosa Stoffschwein hatte er von Tiger bekommen. Es war dessen Glücksschwein gewesen und hatte ihnen beiden aus den Tunneln geholfen. Nun sollte es zukünftig ihn beschützen und an Tiger erinnern. Seine Mutter hatte das Schwein kurzerhand in die Waschmaschine gestopft, weil es nach den Wochen unter Tage ziemlich dreckig gewesen war. Ein Schwein im Schleudergang … Bernd schüttelte den Kopf und platzierte die saubere Sau auf dem Kamin. Sie grinste ihn von ihrem erhöhten Platz treudoof an. Unwillkürlich erwiderte er das Grinsen. In den letzten Tagen hatte er die Sau oft an sich gedrückt, sie geknetet und Halt bei ihr gesucht. Sie war eine Verbindung zu Tiger. Leider kein Ersatz …
Himmel! Wieso denke ich dauernd an Tiger? Warum vermisse ich das intime Zusammensein? Ich bin nicht schwul. Oder? Die Chancen dafür stehen mindestens bei … Minus Zwei. Er lachte freudlos.
„Berni? Sein Vater kam aus der Küche zurück. „Ich hole schnell die Getränke aus dem Wagen, ehe deine Mutter mit mir schimpft. Wenn dir noch etwas einfällt, was du benötigen könntest, wäre jetzt der richtige Moment, um es mir zu sagen.
„Ich habe alles, Papa. Danke. Du brauchst keine weitere Bestellung aufnehmen. Inzwischen könnte ich ja einen Supermarkt aufmachen."
Sein Vater räusperte sich verlegen. „Ich meinte nicht gerade Lebensmittel."
Bernd lächelte. „Ich weiß."
Fahr los und hol mir Tiger.
Er bekam einen Klaps auf die Schulter und in der nächsten Sekunde lief sein Vater hinaus, um Mineralwasser, Schwarzbier und Cola ins Haus zu schleppen.
„Ich mache euch eine Menge Arbeit", brummte Bernd unzufrieden.
„Ach, Berni, du ahnst gar nicht, wie froh wir darüber sind. Seine Mutter kam aus dem Obergeschoss herunter und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Dein Bett ist fertig und ich habe dir frische Handtücher hingehängt. Ein Schlafanzug liegt auf dem Stuhl in deinem Schlafzimmer. Und im Kühlschrank befinden sich die Frikadellen, der Kartoffelsalat und ein paar Steaks, die du dir morgen auf den Grill legen kannst. Der Wetterbericht hat den Daumen nach oben gehoben. Habe ich irgendetwas vergessen?
„Mama, du behandelst mich wie ein kleines Kind. Einen Schlafanzug hätte ich mir selbst aus dem Schrank nehmen können."
„Berni, du bist ein Kind. Nicht mehr ganz so klein, das gebe ich zu. Aber in meinen Augen wirst du nie erwachsen werden. Seine Mutter lächelte ihn an und tätschelte die zuvor geküsste Wange. „Ich hätte dich gerne eine Weile länger unter meinen Fittichen gehabt. Du bist furchtbar mager und gehörst ordentlich gemästet.
„Kein Vergleich mehr zum ersten Tag im Krankenhaus." Sein Vater keuchte, als er die Bierkiste in die Küche schleppte.
„Da hat er recht. Kommst du wirklich klar?"
„Falls nicht, rufe ich euch sofort an." Er wusste, dass seine Mutter genau das hören wollte.
„Hast du eigentlich weiterhin Kontakt zu Tiger?", fragte sie wie nebenbei.
Bernd wurde starr. „Wieso?"
„Ich fand ihn sehr nett und ihr habt eine Menge zusammen durchgemacht."
„Ja, wir haben noch Kontakt."
Regelmäßig. Das mussten seine Eltern allerdings nicht wissen.
„Berni, gibt es da etwas, das du uns nicht erzählt hast? Ist in diesen Tunneln etwas geschehen, was … Seine Mutter zögerte. „… was dir auf der Seele liegt?
Der siebte Sinn einer Mutter sollte nicht unterschätzt werden. Es war geradezu gruselig. Bernd hatte seine liebe Not, sich möglichst gelassen zu zeigen. „Was sollte das denn sein? Tiger hat mir Halt gegeben und mich vor dem Wahnsinn bewahrt. Du kennst ja meine Angst vor der Dunkelheit."
„Diese Gören aus deiner Schulzeit gehören heute noch übers Knie gelegt. Ich habe ohnehin nicht verstanden, warum du an der Expedition teilnehmen wolltest. Oder wieso dein verrückter Vater dich darin unbedingt unterstützen musste." Seine Mutter entdeckte das Glücksschwein auf dem Kaminsims, nahm es herab, streichelte über die rosafarbene Schnauze und seufzte.
„Es war mir wichtig, Mama. Ich musste mal aus dem Amt raus. Ein Abenteuer erleben."
„Und was für ein Abenteuer!"
„Er hat überlebt, Finchen. Das ist doch relevant." Bernds Vater stand schnaufend in der Küchentür und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Damit hat dein Vater absolut recht. Und weißt du, worauf ich besonders stolz bin?"
„Ich bin sicher, du wirst es mir innerhalb der nächsten drei Sekunden sagen, Mama."
„Dass ihr dem armen Mann beigestanden habt, als er auf diese schreckliche Weise starb. Ich weiß nicht, ob ich das fertiggebracht hätte. Du bist eben ein guter Junge, Berni."
„Es war nicht leicht. Und ich an seiner Stelle wäre bestimmt froh gewesen. Niemand sollte einsam in vollkommener Finsternis sterben."
„Ach, Berni. Ein zweiter Kuss fand seinen Weg auf seine Wange, während Tränen der Rührung in den Augen seiner Mutter glitzerten. „Ruf an, okay?
Sie stellte die Sau zurück.
Bernd grinste schwach. „Das klingt, als würdest du wünschen, dass ich es ohne euch nicht gebacken bekomme."
„Mütter sind halt so gepolt. Bist du fertig, Peter?"
Sein Vater nickte, umarmte ihn kurz und zwinkerte ihm zu. „Sie ist es, die längst nicht fertig ist, flüsterte er verschwörerisch. „Ich werde mir auf dem ganzen Rückweg anhören müssen, wie unverantwortlich es ist, dich dermaßen hilflos in diesem schrecklichen großen Haus zurückzulassen. Dass wir Rabeneltern sind und auf unser Küken besser Acht geben müssten. Um was wollen wir wetten?
„Es ist keine Wette, wenn wir beide auf dasselbe Ergebnis setzen, Papa."
„Hört auf, hinter meinem Rücken über mich zu lästern. Berni, die Telefonnummer des Psychiaters steht auf dem Zettel am Kühlschrank. Vergiss nicht, dir einen Termin geben zu lassen."
„Das mache ich später. Versprochen."
„Tschüss, Junge."
„Tschüss." Bernd begleitete seine Eltern bis zur Tür und winkte ihnen hinterher, als sie mit dem Wagen davonfuhren. Jetzt war er allein. Völlig allein. Er drehte sich zum Kamin um. Sau grinste.
Na ja, nicht völlig allein.
TIGER
Tiger wühlte sich leise schimpfend durch einen Stapel Papier. Er hatte den Entwurf doch gerade in den Händen gehabt. Wo war der jetzt nur geblieben? Am Nachbartisch klingelte das Telefon. Muri ging dran, was ihn erleichterte. In diesem Fall konnte er in Ruhe weiterwühlen, bis er die gesuchten Unterlagen gefunden hatte.
„Einen Moment, bitte. Ich frage rasch nach. Muri deckte einen Teil des Telefons mit der Hand ab. „Da sind ein paar Japaner, die eine Tour in der Eifel buchen wollen. Sie würden gerne dich als Guide dabeihaben.
Tiger schaute auf. Muris schwarze Augen blickten ihn ruhig an. Er hatte sich einen kurzen Vollbart stehen lassen, der auf seltsame Art und Weise zu dem Zopf passte, zu dem das nackenlange schwarze Haar gebunden war. Muri war Deutschtürke und einer seiner besten Mitarbeiter.
„Wann?", fragte Tiger, als ob das eine Rolle spielen würde.
„In zwei Wochen."
„Willst du das übernehmen?"
Muri zuckte mit den Schultern. „Carsten wäre bestimmt besser geeignet. Er hat in seinem letzten Urlaub in Tokio ein paar Brocken Japanisch aufgeschnappt. Das könnte hilfreich sein."
„Dann gib Carsten den Job."
„Wann willst du denn wieder einsteigen?"
„Muri, der Kunde wartet."
Muri grinste schief und wandte sich dem Gesprächspartner am Telefon zu. Gleichzeitig machte er sich mit dem Bleistift Notizen auf einem Block.
Seufzend lehnte sich Tiger in seinem Stuhl zurück. Er würde bald eine Entscheidung treffen müssen. Das war er seinem Team schuldig. In Muris Telefonat mischte sich die hellere Stimme von Rina, die vorne im Laden Survival-Ausrüstung verkaufte.
„Palim! Palim!" Sein Handy gab Laut und er wusste dank des Tons Bescheid, dass eine WhatsApp eingegangen war. Rasch rief er die Nachricht ab. Ein Foto von Sau, seinem einstigen Glücksschwein, war ihm gesandt worden. Dazu die Nachricht: *Wir sind zu Hause angekommen.*
Tiger lächelte. *Bin gerade im Laden und versuche, Papierkram zu erledigen und die Internetseite auf Vordermann zu bringen. Wie geht es dir?*
*Ich bin müde. Und es ist komisch, allein zu sein.*
*In Gedanken bin ich bei dir.*
* :) Ich wünschte … *
*Ja?*
*Ach, unwichtig. Ich muss unbedingt einen Termin mit meinem Psychiater ausmachen. Im Gegensatz zu dir gelingt es mir einfach nicht, zu arbeiten. Ich brauche daher eine Krankmeldung.*
Wenn Bernd wüsste, dass er bloß im Laden war, weil er sonst in seinen vier Wänden abdrehen würde.
*Nimm dir ruhig eine Auszeit. Niemand wird es dir verübeln.*
*Hm.*
*Doc, bist du okay?*
*Klar. Mir geht es gut.*
Lügner, dachte Tiger. Wem wollte Bernd etwas vormachen? Etwa ihm? Lächerlich!
*Wenn du Probleme hast, stehe ich dir zur Verfügung.*
Eine ganze Weile folgte auf diese Nachricht nichts. Erst als sich Tiger gerade erneut dem Papierberg widmen wollte, ertönte das „Palim! Palim!"
„Mann! Einen anderen Message-Ton, bitte." Muri seufzte genervt.
„Leck mich, Muri."
„Hättest du wohl gern."
Tiger zeigte ihm den Mittelfinger und las die Nachricht. *Danke. Ich komme im Notfall drauf zurück. Bis später.*
*Tschüss, du Bär.*
Ich liebe dich, fügte er in Gedanken hinzu.
*Tschüss.*
Tiger saß da, streichelte wehmütig sein Handy mit dem Daumen und starrte versonnen auf das Display. Er vermisste Bernd mit jeder Faser seines Körpers. Die Einsamkeit während der dunklen Stunden des Tages machte es nicht besser. Sein eigener Psychiater war ein Vollpfosten, der glaubte, er hätte einen Knacks in seiner Kindheit erlebt. Der fuhr voll auf die
