Lebenselixiere: selbst herstellen
Von Jutta Beutel
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Über dieses E-Book
Kraft bis ins hohe Alter ist möglich - durch Lebenselixiere, die den eigenen Bedürfnissen angepasst sind. Die Herstellung eines "Lebenswassers" unterliegt eigenen Gesetzen. Es wird dabei nach der Tradition des Paracelsus spagyrisch gearbeitet. Die Grundschritte über Trocknung, Tinktur und Veraschung bis hin zur fertigen Essenz sind fotografisch festgehalten und genau beschrieben.
Ein eigenes Kapitel ist den Liebestränken gewidmet, verfasst vom namhaften Heiler Christian Heimüller.
Mit vielen Rezepten für Lebens- & Liebeselixiere
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Buchvorschau
Lebenselixiere - Jutta Beutel
DER WEG ZUM LEBENSELIXIER
In diesem Büchlein soll Ihnen erklärt werden, wie Sie ein hochwertiges Lebenselixier selbst zubereiten können. Vielleicht haben Sie bereits Tinkturen aus Pflanzen hergestellt und damit gute Erfahrungen gemacht; wir wollen hier einen Schritt weiter gehen und das Elixier auf bestmögliche Art und Weise zubereiten. Wir wollen die Pflanzen in ihre Prinzipien trennen (die Erklärung hierzu siehe unten), wollen diese reinigen und schließlich alle Bestandteile wieder zusammenfügen: So erhalten wir ein Elixier von höchster Güte.
UNTERSCHIED IN DER HERSTELLUNG VON TINKTUR UND SPAGYRISCHER ESSENZ
Herstellung einer Tinktur
Das Pflanzengut wird gesäubert und zerkleinert und in ein sauberes Schraubglas gefüllt, dann wird mit Alkohol (Schnaps guter Qualität) oder einem Alkohol-Wasser-Gemisch (das je nach Pflanzenart und verwendetem Pflanzenteil variiert) aufgefüllt und das Glas fest verschlossen. Nun sollte die Tinktur mindestens 6 Wochen ziehen (am besten an einem hellen Fensterplatz, aber nicht in der prallen Sonne) und dabei ab und zu vorsichtig geschwenkt werden. Sie können die Kräuter aber auch wesentlich länger ziehen lassen. Nach dieser Zeit wird das Ganze durch einen Kaffeefilter abgegossen und in braune Flaschen gefüllt. Sowohl wasser- als auch fettlösliche Bestandteile können so aus der Pflanze gewonnen werden. Die übriggebliebene Pflanzenmasse wird verworfen. Der berühmte Schwedenbitter wird z. B. nach dieser Herstellungsvorschrift als Tinktur hergestellt.
Vorteil: Eine Tinktur ist relativ einfach herzustellen, bereits nach kurzer Zeit einsatzfähig und durch den Alkoholgehalt eine längere Zeit haltbar.
Nachteil: Auch unerwünschte Substanzen wie z. B. Gifte oder Alkaloide aus den Pflanzen gelangen mit in die Tinktur. Tinkturen fehlt auch der „Pflanzenkörper", der den substantiell stärkenden Anteil, das sogenannte Sal, darstellt. Was man unter Sal versteht, werden wir später noch genauer kennenlernen.
Herstellung einer spagyrischen Essenz
Zunächst wird wie bei der Tinktur verfahren, die Pflanzen ziehen im Alkohol oder Alkohol-Wasser-Gemisch für einige Wochen. Danach wird jedoch nicht abgegossen, sondern die Pflanzen werden im Alkohol in einen Erlenmeyerkolben gegeben, ein Destillierhelm wird aufgesetzt – und dann wird langsam destilliert. Das Destillierte wird aufbewahrt, die übriggebliebene Pflanzenmasse wird in einen feuerfesten Topf gegeben und so lange bei großer Hitze verascht, bis die Asche möglichst hell bzw. weiß ist. Destillat und Asche werden zusammengefügt und reifen für einige Wochen; während dieser Zeit vereinigen sich die einzelnen Bestandteile.
Vorteil: Keine unerwünschten Substanzen, wie z. B. giftige Alkaloide gelangen ins Destillat, d. h. die Essenz ist ungiftig und nebenwirkungsfrei. Da die Wirkung bei der spagyrischen Essenz nicht an klassisch pharmakologisch wirksame Substanzen gebunden ist wie bei der galenischen Tinktur, kann eine spagyrische Essenz auch nicht altern und schließlich unwirksam werden. Sie reift sogar mit der Zeit weiter und wird dabei immer besser, ähnlich wie guter Weinbrand. Darüber hinaus enthalten spagyrische Essenzen im Gegensatz zu galenischen Tinkturen den Pflanzenkörper in Form der gereinigten Asche, des sogenannten Sals, das stärkenden Charakter besitzt.
Nachteil: Eine spagyrische Essenz ist wesentlich arbeits- und zeitaufwändiger in der Herstellung als eine Tinktur.
Was hier nur ganz grob zur Verdeutlichung des Unterschieds zwischen Tinktur und spagyrischer Essenz beschrieben ist, wollen wir im Folgenden genauer betrachten.
DIE DREI PRINZIPIEN SAL, MERKUR, SULFUR
„Die eigentliche Wesenheit eines jeden Dinges ist nämlich so fein und zart, dass sie ohne große Kunst nicht entdeckt werden kann; denn die Natur gibt uns nichts Vollendetes, sondern wir müssen das Gegebene erst durch unsere Arbeit zur höchsten Vollkommenheit, dazu es von Gott verordnet ist, um uns nützlich oder heilsam zu sein, bringen." PARACELSUS, 16. JH.
Das Ziel der Spagyrik
Um das Wesen der Spagyrik verstehen zu können, sehen wir uns an, warum destilliert, warum verascht wird. Was ist der Sinn dieser Verfahren, was steckt hinter ihnen? Ziel der Spagyriker² war und ist es, das Reine vom Unreinen zu trennen, die gereinigten Teile wieder zu vereinen und so eine Erhöhung der Wirksamkeit der Arznei zu erlangen. Die Reinigung erfolgt durch das Feuer, die Kunst des Spagyrikers fängt da an, wo die der Natur endet. PARACELSUS formulierte es so:
„Und wie alle Dinge vom nichts bis zum Ende geschaffen sind, so ist doch nichts da, das auf das Ende völlig fertig sei; das ist: bis auf das Ende, aber nit bis ganz auf das Ende, sondern der vulcanus muß es vollenden. Alle Dinge sind so weit geschaffen, daß sie in unserer Hand sind, aber nicht wie sie in unserer Hand sein sollen. Das Holz wächst bis auf sein End, aber nicht in die Kohlen oder Scheiter; der Lehm wächst, aber die Hafen nicht. So ist es mit allen Gewächsen. (…) So ists auch mit der Arznei; die ist geschaffen von Gott, aber nichts bis zum Ende bereitet, sondern in Schlacken verborgen. Jetzt ists dem vulcano befohlen, die Schlacke von der Arznei zu tun. Und wie ihr vom Eisen verstanden habt, so ist es auch mit der Arznei. Das die Augen am Kraut sehen, oder an Gesteinen oder an Bäumen, ist nit Arznei. Sie sehen allein die Schlacke; inwendig aber, unter der Schlacke, da liegt die Arznei. Nun muß zuerst die Schlacke der Arznei genommen werden, darnach ist die Arznei da. Das ist alchimia (…)"
Sal, Merkur, Sulfur – das sind Körper, Geist und Seele
Es gibt drei sogenannte philosophische Prinzipien, die in allen Naturreichen vorkommen – im Menschen, im Tier, in der Pflanze und im Mineralreich:
Sal ist der Körper, das Feste, die Form, das Verdichtete, die eigentliche Materie. Sal ist die Basis dafür, dass sich Sulfur und Merkur überhaupt in dieser Welt manifestieren können, sie ist der Stoff, die materielle Grundlage, die z. B. eine Rose braucht, um als Rose überhaupt in dieser Welt zu existieren.
Merkur ist der neutrale Geist, die Lebenskraft, das Flüchtige, das Bewegende, dasjenige, das etwas wahrnehmbar und sichtbar macht; Merkur ist das vermittelnde Prinzip, das uns z. B. das Rot der Rose und ihren Geruch wahrnehmen lässt.
Sulfur ist die Seele, die individuelle Eigenart, das Brennende (Ausnahme: Alkohol), ist der leidenschaftlich sich äußernde Ausdruckswille, z. B. das Rot der Rose, der Rosenduft.
„Wo diese drei materiellen Prinzipien einig und in gehöriger Proportion zusammen gewachsen sind, da ist Gesundheit." Paracelsus, 16. Jh.
Im Menschen sind die Prinzipien in individuell unterschiedlichen Verhältnissen vorhanden, machen jedoch zusammengenommen den Eindruck einer Einheit, die sich als eine Substanz dem Betrachter darbietet. Wenn sich diese drei Prinzipien harmonisch zusammenfügen, herrscht Gesundheit, wo sie sich schlecht zusammenfügen, Krankheit.
Auch die Pflanze vereint diese drei Prinzipien:
Sal ist der Körper der Pflanze und seine Mineralsalze.
Merkur drückt sich in der Gestalt, im Aussehen aus,
Sulfur im Geruch und in der Farbe.
Diesen drei Prinzipien gemäß wird eine Pflanze in der Spagyrik aufgeschlossen, gereinigt und wieder vereint. Bei einer Pflanzenessenz finden wir z. B. das Sal mittels Veraschung, der Merkur befindet sich im Alkoholauszug und der Sulfur im ätherischen Öl.
Was beim Menschen dem (merkuriellen) Geist entspricht, finden wir in der Pflanze wieder in der Art ihrer Gestalt, ihrer Struktur und Konsistenz. Der Sulfur der Pflanze zeigt sich in all denjenigen pflanzlichen Merkmalen, welche die (sulfurische) Seele des Menschen berühren und zu seelischer Empfindung bewegen. Das Sal ist zuletzt dasjenige, welches übrigbleibt, wenn man sich den gestalthaften Ausdruck und das seelisch Berührende wegdenkt: Es gleicht das Sal dem Körper als schiere Substanz – wie eine leere dunkel-düstere Theaterbühne ohne Theaterstück und ohne Schauspieler.
Trennung, Reinigung und Wiedervereinigung
Ziel einer spagyrischen Bereitung ist es, die drei Prinzipien der Pflanze, d. h. ihre jeweiligen stofflichen Manifestationen in ihrer gereinigten Form zu gewinnen: Das bedeutet, wir wollen nicht einfach die Wirkstoffe der Pflanze in einer Tinktur ausziehen, sondern die Prinzipien der Pflanze sollen getrennt und gereinigt werden. Durch die Reinigung bleiben alle „Schlacken", alle unerwünschten Stoffe zurück; gewonnen wird dadurch das Geistige, die Idee der Pflanze, das, was heilt. Schließlich werden die gereinigten Teile zusammengefügt und man schenkt ihnen genügend Zeit zur Reifung, damit sie zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen können:
Die Pflanze wird so auf einer höheren Ebene wiedergeboren.
Das Reinigen der Pflanze erfolgt durch Destillation und Veraschung. Bei der Destillation gehen die subtilen Stoffe (Sulfur und Merkur) in das Destillat, die groben (u. a. Gerbstoffe, Bitterstoffe, Alkaloide und Schleimstoffe) bleiben zurück. Während der Veraschung wird der Pflanzenrest so lange der Hitze ausgesetzt, bis er hellgrau oder weiß geworden ist. Durch seine Auflösung in destilliertem Wasser und anschließender Filtrierung des Wassers erhalten wir das sogenannte gereinigte Sal, die wasserlöslichen Anteile der gereinigten Asche.
Dem Sal wurde in der Alchemie stets ein hoher Stellenwert beigemessen. So sagte z. B. der Apotheker und Alchemist Christoph Glaser, „dass aber in dem Aschensalz aller natürlichen Dinge eine unverderbliche Kraft und in derselben die Form des Körpers verborgen liege."
Noch vor nicht allzu langer Zeit gab es in den Apotheken das Sal des Wermut zu kaufen, und es wurde für alles verwendet, wofür man das Wermut-Kraut auch verwendet; und bis heute bietet die Firma Weleda verschiedene Asche-Präparate an, z. B. Cinis Equiseti arvensis (Schachtelhalm-Asche), Cinis Glechomatis (Gundermann-Asche) und Cinis Tabaci (Tabak-Asche). Johann Thölde widmete 1603 ein ganzes Buch der Beschreibung und Herstellung der Salze: „Haligraphia, Das ist, Gründliche und eigendliche Beschreibung aller Saltz Mineralien". Sehr interessant sind darin die Indikationen für viele Pflanzensalze.
DIE PRAXIS – ZUBEREITUNG EINES LEBENSELIXIERS
Solve et Coagula (Löse und Verbinde):
Die Kunst, eine Essenz zu bereiten
„Hierzu dient nun Alchymie und Spagyrik, nämlich die Kunst zu finden, was dem Feuer möglich ist, und was durch das Feuer geschehen möge: dem Menschen zum Besten, durch wunderbare Veränderung und Zubereitung der natürlichen Dinge."
PARACELSUS, 16. JH.
Die Hilfsmittel
Damit wir eine spagyrische Essenz aus einzelnen Pflanzen oder wie bei einem Aqua Vitae aus mehreren Pflanzen gemeinsam herstellen können, benötigen wir einige Hilfsmittel; z. T. dürften sie schon in Ihrem Haushalt vorhanden sein, der Rest kann relativ günstig erworben werden.
Eine der wichtigsten Zutaten jedoch ist, wie Sie noch sehen werden, die Zeit:
›Die angesetzten Kräuter brauchen Zeit, um mit dem Alkohol zu einer Tinktur zu werden.
›Der Vorgang der Destillation benötigt Zeit, denn jeder einzelne Tropfen wird behutsam gewonnen.
›Die Veraschung ist nicht nur rauch-, sondern auch zeitintensiv, da es relativ lange dauert, bis man eine möglichst reine Asche gewinnt.
›Das fertige Destillat braucht genügend Ruhe für die Vereinigung der Bestandteile ( Zirkulation) und Reifung.
Der große Zeitaufwand für die Herstellung ist einer der Gründe, weshalb eine spagyrische Essenz so wertvoll ist und sicherlich auch einer der Gründe, weshalb es heute nur noch so wenige aufwändig zubereitete spagyrische Pflanzenheilmittel zu kaufen gibt.
Zeit ist ein kostbares Gut geworden; wir werden von einem Berufsleben bestimmt, dessen Tempo immer rasanter wird, und werden permanent von Reizen überflutet, sei es in den lauten, überfüllten Städten oder durch die unzähligen Medien, die uns heute umgeben. Sich einer Sache wie dem Bereiten eines Lebenselixiers mit Bedacht und Ruhe zu widmen, ist eine wunderbare Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren oder zu „entschleunigen, wie man es heute gerne ausdrückt. Und nicht nur die Zubereitung benötigt Zeit, auch dem scheinbar schon fertigen Elixier muss eine Zeit des Reifens geschenkt werden, damit es „ganz
, damit es vollkommen wird.
Nach Paracelsus ist Alchemie „der rechte Umgang mit den Dingen der Natur". Sie werden sehen, dieser rechte Umgang wird Sie mit Erfahrung, Erkenntnis und nicht zuletzt mit einem wunderbaren Elixier belohnen.
Außer Zeit benötigen Sie folgende Hilfsmittel:
›1 kleiner Mörser für Gewürze und evtl. 1 größerer für Kräuter
›1 Schneidebrett
›1 scharfes Messer
›1 oder mehrere Schraubgläser bzw. Einweckgläser
›1 Rührlöffel, vorzugsweise aus Olivenholz
›1 oder mehrere Erlenmeyerkolben à 500 oder 1000 ml, NS 29/32
›1 passender Destillierkolben, NS 29/32
›1 Auffanggefäß, z. B einen Becher aus Glas oder einen weiteren Erlenmeyerkolben
›1 Emailletopf, 1 feuerfester Pyroflamtopf oder 1 guter Tontopf, vorzugsweise aus Terrakotta; Tongefäße sollten vor ihrer ersten Verwendung einmal leer, d. h. ohne Pflanzengut durchgeglüht werden, damit keine schädlichen Stoffe in Ihr Kalzinationsgut übergehen können.
›1 Trichter (am besten aus Glas)
›mehrere Papier-Kaffeefilter
›evtl. etwas Gefrierbeutelfolie (diese ist im Gegensatz zu anderen Plastikfolien schadstofffrei)
›evtl. 1 Pelikan
›Alkohol guter Qualität (am besten Grappa oder Korn)
›evtl. 1 separate Kochplatte
›Etiketten zum Beschriften
›evtl. 1 Büchlein, in dem Sie sich Notizen über die Herstellung und Ihre Rezepte
