Die andere Seite der Liebe: Was in der Trauer guttut. Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke
Von Manu Keirse
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Über dieses E-Book
Behutsam und kenntnisreich begleitet Manu Keirse seine Leserinnen und Leser auf ihren individuellen Wegen, den Verlust zu verarbeiten, und beschreibt die Trauer als einen Prozess, der jede und jeden, die sich ihm anvertrauen, vom Verlust zu einer neuer Lust am Leben führt. Ein wertvolles Geschenk, das nicht vertröstet, sondern tröstet.
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Buchvorschau
Die andere Seite der Liebe - Manu Keirse
NAVIGATION
Buch lesen
Cover
Haupttitel
Inhalt
Über den Autor
Über das Buch
Impressum
Hinweise des Verlags
Manu Keirse
Die andere Seite der Liebe
Was in der Trauer guttut
Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke
Patmos Verlag
Inhalt
1 Über-Leben
2 Ein emotionales Erdbeben
3 Wie die Wellen des Meeres
4 Glanzlos sind die Tage
5 Zusammen und doch allein
5 Der Tod ist nicht das Ende der Beziehung
7 Irgendwann wird das Gras wieder grün
Über-Leben
006keirse.jpgWie der Tag
aus der Nacht tritt,
tritt das Leben
aus dem Tod.
Es gibt Liebe,
die nicht stirbt.
Toon Hermans*
Eine intensive persönliche Erfahrung
Dies ist kein Buch über das Sterben. Es ist ein Buch über das Leben. Über das Gefühlsleben von all jenen, die den Verlust eines geliebten Menschen »überleben«. Eine nahestehende Person zu verlieren ist ein Ereignis, das sich nicht vermeiden lässt. Keiner kann sich sicher sein, ob der Tod nicht schon hinter der nächsten Ecke lauert. Er trifft Erwachsene und manchmal auch schon Kinder in der Frühphase ihres Lebens. Niemand entgeht ihm.
Ein Verlust ist immer eine intensive, persönliche Erfahrung. Auch wenn sich bei den meisten Betroffenen ähnliche Erfahrungs- und Beziehungsmuster erkennen lassen, wird man niemals zwei Menschen finden, die auf die gleiche Weise trauern. Trauer ist immer einzigartig und niemals mit der Trauer eines anderen gleichzusetzen. Ein Verlust wirkt sich auf jeden anders aus und lässt die Hinterbliebenen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen zurück. Die eigenen Erfahrungen, die individuelle Beziehung zum Verstorbenen, das Alter, in dem man den Verlust erleidet, und die persönlichen Lebensumstände entscheiden mit darüber, wie dieser erlebt wird. All diese Aspekte machen einen Verlust für jeden Menschen zu einer ganz eigenen Erfahrung.
Der Verlust des Partners wird anders erlebt als der Verlust eines Elternteils. Obwohl es sich um den Tod derselben Person handelt, bedeutet ihr Verlust für den Partner etwas anderes als für die Kinder. Auch Geschwister erleben den Tod ihrer Mutter nicht in der gleichen Weise. Denn jedes Kind hat sie zu seiner eigenen Mutter gemacht. Daher ist ihr Verlust für jedes Kind auch von seinen eigenen Erfahrungen mit ihr geprägt.
Auch ein Elternpaar, das ein gemeinsames Kind verloren hat, kann sehr unterschiedlich über diesen Verlust trauern. Manchmal hat es den Anschein, als habe jeder von ihnen einen anderen Menschen verloren. In ihrem Schmerz kommen sie sich manchmal wie Fremde vor, die eigentlich nichts mehr miteinander verbindet. Ihr Kummer kann eine Kluft zwischen ihnen bilden, die sie nicht zu überwinden vermögen.
Die enge Verbundenheit von Paaren führt bisweilen dazu, dass sie den Schmerz des anderen sehr intensiv miterleben. Offenbar lässt sich der Schmerz des Partners, wenn man selbst unter einem Verlust leidet, nur schwer ertragen. Daher schotten sich Paare manchmal voneinander ab. Die zeitweilige Entfremdung und Distanz, die sie dann wahrnehmen, deutet eher auf starkes Mitgefühl mit dem anderen als auf Gleichgültigkeit hin. Die Distanz schützt davor, sich selbst und dem Partner noch mehr Schmerz zuzufügen.
Bei anderen Paaren oder in einer anderen Phase der Trauer kann ein Verlust hingegen neue Nähe schaffen und die Beziehung reicher werden lassen. In Zeiten der Trauer können sich Menschen verlieren und irgendwann auch wiederfinden.
Ein Fingerabdruck
Der Kummer gleicht einem Fingerabdruck: Er ist für jeden wiedererkennbar – und dennoch sind zwei Fingerabdrücke niemals identisch. Ihre Linien verlaufen immer wieder anders und bilden ein einzigartiges Muster. Beim Kummer verhält es sich ganz ähnlich. Wenn man den ganz individuellen Anforderungen, mit denen uns jede Form des Verlustes konfrontiert, keine Beachtung schenkt, verschließt man die Augen vor der jeweiligen Eigenart jedes Schmerzes.
Die Erfahrungen von Vater und Mutter beim Tod ihres Kindes sind anders als die eines Mannes, der nach dem Tod seiner Frau als Witwer mit zwei kleinen Kindern zurückbleibt. Der Tod der 82-jährigen Mutter stellt für die 40-jährige Tochter, die zeitlebens mit ihrer Mutter zusammengewohnt hat, einen anderen Verlust dar als für den verheirateten Sohn, der seit zwanzig Jahren eine eigene Familie hat. Auch einen Menschen durch Selbsttötung, einen Unfall oder einen natürlichen Tod zu verlieren, sind grundlegend unterschiedliche Erfahrungen.
Der Verarbeitungsprozess kann völlig anders verlaufen, wenn man während einer langen Krankheitsphase die Möglichkeit hatte, sich allmählich auf den Abschied einzustellen. Die Erinnerung ist anders, wenn man Abschied nehmen und aussprechen konnte, was noch gesagt werden musste, und nicht plötzlich durch einen Unfall oder gewaltsamen Tod mit dem Sterben konfrontiert wurde.
Jeder Verlust bringt seine eigenen Probleme mit sich. Es gibt Parallelen, aber auch Unterschiede, daher lässt sich der Kummer eines Betroffenen nie mit dem eines anderen gleichsetzen. Wie bei Fingerabdrücken bleiben die großen Linien zwar stets erkennbar, sie nehmen jedoch immer wieder einen anderen Verlauf. Das bedeutet nicht, dass ein Verlust schwerer wiegt als ein anderer. Er ist ein anderer. Ein Verlust lässt sich weder wiegen noch messen. Er wiegt so schwer, wie er von jedem Einzelnen empfunden wird.
Mehr als Traurigkeit
Trauer berührt alle Dimensionen und Ebenen des menschlichen Lebens. Sie umfasst mehr als nur Niedergeschlagenheit und Depression. Sie beinhaltet ein ganzes Spektrum von
