Trauer fühlen und annehmen: Ein Missverständnis aus Verdrängung und Akzeptanz
Von Jens de Jonge
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Über dieses E-Book
Jens de Jonge
Mein Name ist Jens de Jonge und ich wurde am 14.05.1980 in Erbach im Odenwald geboren. Seit dem Tod unserer Tochter beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema Trauer. Als Trauerbegleiter stehe ich Menschen bei ihrem individuellen Trauerprozess zur Seite.
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Buchvorschau
Trauer fühlen und annehmen - Jens de Jonge
Vorwort
Jedes Jahr sterben rund um den Globus Millionen Menschen aus unterschiedlichen Gründen. Unheilbare oder schwere Krankheiten und fortgeschrittenes Alter, aber auch Unfälle und Suizide gehören zu den häufigsten Ursachen.
Der Umgang von Hinterbliebenen mit der Trauer und dem eigentlichen Verlust ist individuell verschieden und kann niemals von außen bestimmt werden.
Trauer ist nicht gleich und auch das, was uns trauern lässt, kann unterschiedliche Hintergründe haben. Immer wieder bekommen Trauernde gut gemeinte Ratschläge, welche jedoch den Trauerprozess mitunter erschweren.
Der Tod unserer geliebten Tochter im Frühjahr 2023 war der Auslöser, mich mit dem Thema Trauer näher zu beschäftigen und Menschen bei der Bewältigung eines Trauerfalls zu unterstützen. Heute bin ich als Personal Coach und Trauerbegleiter tätig.
Auch Männer dürfen und sollen trauern. Alte Klischees vom „starken Mann" sind längst überholt und trotzdem führen genau diese und andere Lebensweisheiten dazu, dass nicht selten Männer in einen längeren Trauerprozess geraten. Zu früh wird verdrängt und zu spät erkannt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem Verlust ist.
Mit dem Buch möchte ich trauernden Angehörigen Mut machen, ihre Trauer zu fühlen und zu erleben.
Herzlichst,
Jens de Jonge
Die Bezeichnungen für Personen sind geschlechterneutral formuliert.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Was ist Trauer?
Leugnen
Wut
Verhandeln
Depression
Akzeptanz
Ursachen für Trauer
Trauer früher und heute
Unser Umfeld während der Trauer
Familie und Partnerschaft
Der Freundeskreis
Das Arbeitsumfeld
Gutgemeinte Ratschläge
Die andere Trauer vieler Männer
Orte der Trauer und Freiräume
Die Farben der Trauer
Vorwürfe
Vergebung
Der Tod und unser Glaube
Spiritualität im Trauerprozess
Ziele unserer Trauer
Verdrängung oder Akzeptanz
Trauer hat kein Ablaufdatum
Was habe ich selbst erlebt
Der erste Todesfall in meinem Leben
Mein Vater wurde mir genommen
Der Tod meiner Oma
Die Diagnose unserer Tochter Katharina
Als unsere Tochter starb
Was hat das alles für einen Sinn?
Trauer fühlen und annehmen
Hilfreiche Dinge während der Trauer
Schreiben oder nehmen Sie Ihre Emotionen auf
Schreiben Sie dem Verstorbenen Briefe
Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten
Basteln Sie Erinnerungsstücke
Nehmen Sie sich kleine Auszeiten
Malen Sie Ihre Gefühle
Seien Sie offen für Unbekanntes
Die Zukunft stirbt nicht
Was ist Trauer?
Die Frage, was Trauer überhaupt bedeutet, ist wichtig, um dieses menschliche Gefühl grundlegend zu verstehen. Wir sollten in diesem Zusammenhang auch genauer betrachten, was Trauer in uns eigentlich auslöst. Nicht immer, wenn wir vom Trauern sprechen, ist der Tod eines geliebten Menschen der Auslöser dafür.
Trauer ist im Allgemeinen ein sehr starkes Gefühl in uns Menschen, das fast immer nach einem schwerwiegenden Verlust auftritt. Dieser Verlust kann sehr unterschiedlich sein, worauf wir aber später noch einmal zurückkommen. Des Weiteren kann und wird die Schwere der Trauer von Person zu Person variieren, so wie auch der jeweilige Umgang mit dieser. Trauer wird als eines der schwersten und tiefsten Gefühle beschrieben, welche wir als Mensch empfinden können.
Selbst körperliche Symptome können in der Trauer auftreten. Manchmal beschreiben Trauernde ein Herzrasen oder ein Leeregefühl im Magen sowie eine starke Müdigkeit.
Wir trauern, wenn wir etwas oder jemanden vermissen. Bereits im Kindesalter kommen wir mit dem Gefühl der Trauer in Berührung, wodurch dessen Entwicklung schon sehr früh beginnt.
Da es jedoch keine richtige oder falsche Trauer gibt, lässt sich auch dieses Gefühl nicht generell beschreiben. Eine Leere, die uns umgibt, könnte ebenso für die Beschreibung von Trauer verwendet werden, wie auch die fehlende Zukunftsperspektive für das eigene Leben. Etwas, das vor einiger Zeit noch wunderbar war, ist nun vollkommen anders und wir sehnen uns nach der vergangenen Zeit.
Es gibt in der Trauer eines Menschen nichts, was ungewöhnlich wäre, denn jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise. Weinen. Lachen, Tanzen, Singen und vieles mehr kann sich wellenartig abwechseln. In einem Moment sind wir traurig und in uns gekehrt, aber im nächsten Augenblick kann schon eine kleine lustige Erinnerung für herzhaftes Lachen sorgen. Nichts darf uns in der Trauer fremd oder gar unsinnig erscheinen.
Alles, was heilsam für unsere Seele ist, sollte erlebt und durchfühlt werden. Niemand sollte sich seiner Gefühle und seines Verhaltens in der Trauer schuldig fühlen oder schämen.
Seit es Lebewesen auf dieser Erde gibt, gehört der Tod und der Verlust zum Kreislauf des Lebens.
Wenn wir trauern, empfinden wir eine unglaubliche Traurigkeit und Sehnsucht in uns, die in verschiedenen Phasen ablaufen kann.
In der Literatur wird das Modell „Fünf Phasen der Trauer" von Elisabeth Kübler Ross (1) gerne benannt, welches sich mit dem Thema Sterben und Trauer auseinandersetzt. Vordergründig wurde es aufgestellt, um zu beschreiben, welche Phasen unheilbar kranke Patienten bei einem Sterbeprozess durchlaufen.
Später fand es auch für den Trauerprozess Anwendung, den Hinterbliebene nach einem Verlust durchlaufen.
Die fünf Phasen werden wie folgt bezeichnet:
Leugnen: Der Verlust darf nicht wahr sein.
Wut: Wir suchen einen Schuldigen für den Verlust.
Verhandeln: Was kann
