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Auf einmal ist es Afrika
Auf einmal ist es Afrika
Auf einmal ist es Afrika
eBook135 Seiten1 StundeSehnsucht Afrika

Auf einmal ist es Afrika

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Über dieses E-Book

Fortsetzung des Romans »Immer diese Sehnsucht«

Nachdem Andrea aus Deutschland eingetroffen ist, um endgültig bei Kerstin in Südafrika zu bleiben, scheint das Glück perfekt. Andrea beginnt bei einer Entwicklungshilfeorganisation zu arbeiten, und das erste gemeinsame Weihnachtsfest bei 40 Grad im Schatten rückt immer näher. Dann jedoch überschlagen sich die Ereignisse, und ein Buschbrand scheint alles zu zerstören. Werden sie das Weihnachtsfest tatsächlich erleben?
SpracheDeutsch
Herausgeberédition eles
Erscheinungsdatum2. Jan. 2015
ISBN9783956091254
Auf einmal ist es Afrika

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    Buchvorschau

    Auf einmal ist es Afrika - Anne Wall

    1

    Mit weit aufgerissenem Maul und blitzenden Zähnen sprang der Löwe aus dem Busch direkt auf den Jeep zu.

    Das Adrenalin jagte durch Kerstins Adern, sie riss das Steuer herum, der Wagen kam leicht ins Schleudern, es schien fast, als wollte er sich überschlagen.

    »Das Gewehr!«, rief sie laut, während sie mit aller Kraft das Steuer festhielt.

    Andrea drehte sich im Sitz um, und ihre Blicke huschten schnell durch die Kabine. Sie griff nach dem Gewehr, legte es an und schoss durch das offene Fenster in die Dunkelheit.

    Dem lauten Knall folgte absolute Stille. Alles da draußen schien wie erstarrt, und auch die beiden Insassen des Fahrzeugs rührten sich nicht.

    »Er scheint weg zu sein«, flüsterte Andrea nach einer gefühlten Ewigkeit.

    »Kann man nie sagen.« Kerstins Stimme klang unterdrückt. »Ich wusste gar nicht, dass du schießen kannst.«

    »Kann ich auch nicht. Aber als ich diese Zähne sah . . .« Andrea schüttelte sich leicht.

    Offenbar hatten die Grillen sich von ihrem Schock erholt und begannen wieder zu zirpen.

    Die Spannung fiel von Kerstin ab und sie lachte leise. »Na dann: Willkommen in Afrika! Das ist doch ein wunderbarer Einstieg für deinen ersten Abend.«

    »Nein.« Andrea wandte ihr lächelnd das Gesicht zu. »Den wunderbarsten Einstieg hatte ich vorher – bis eben unter unserem Baum.«

    Kerstin lächelte zurück. »Gut, dass der Löwe da nicht vorbeigekommen ist. Wir hätten ihn wohl kaum gehört.«

    »Wohl kaum.« Andrea beugte sich zu ihr und hauchte einen Kuss auf ihre Lippen. »Aber es wäre der schönste Tod gewesen, den ich mir vorstellen kann.«

    »Ich lebe lieber!« Mit dem für sie typischen hellen Lachen legte Kerstin den Gang ein. »Aber du hast natürlich Recht.« Ihr zärtlicher Blick streifte Andrea. »Wenn schon sterben, dann so.« Sie kurbelte ihr Fenster hoch, bevor sie losfuhr. »Sicherheitshalber.«

    Andrea folgte ihrem Beispiel, behielt das Gewehr aber auf dem Schoß. Ihre Augen suchten den Weg vor ihnen ab, wo die Scheinwerferkegel ihn erhellten. Der Busch neben dem schmalen Lichtausschnitt war so tiefschwarz, dass man absolut nichts erkennen konnte.

    Als eine Antilope plötzlich vor ihnen im Scheinwerferlicht auftauchte, riss Andrea das Gewehr hoch.

    »Ruhig, ruhig.« Kerstin hielt an. »Die tut uns nichts.«

    Die Antilope schien keine Eile zu haben. Sie drehte den Kopf und schaute direkt in das Licht, das sie anstrahlte.

    Kerstin schaltete die Scheinwerfer aus. »Sie ist geblendet«, sagte sie leise. »Wir müssen kurz warten.«

    Es dauerte etliche Sekunden, bis sie hörten, dass sich vor ihnen etwas bewegte.

    »Ich hoffe, es ist nicht der Löwe.« Kerstin machte die Scheinwerfer wieder an. Es war nicht der Löwe. Sie sahen das Hinterteil der Antilope gemächlich in der Schwärze verschwinden.

    »Meine Güte.« Andrea atmete aus, als hätte sie zwanghaft die Luft angehalten. »Du hast ja die Ruhe weg.«

    Kerstin verzog die Lippen und fuhr weiter. »Das hat einige Zeit gedauert. Am Anfang bin ich bei jedem Geräusch zusammengezuckt.« Sie schaltete in den nächsten Gang. »Aber was man in Afrika braucht, ist vor allen Dingen ruhig Blut. Mit Aufgeregtheit kommt man hier nicht weiter.«

    »Na, da bin ich ja am richtigen Ort gelandet!« Aufseufzend lehnte Andrea sich in den Sitz zurück. »Mit dem Termindruck, den ich gewöhnt bin, geht hier dann wahrscheinlich nichts.«

    »Du hast es erfasst.« Kerstin lächelte sie liebevoll an. »Du hast hier keine andere Wahl als ruhiger zu werden, gelassener. Du musst abwarten und die Dinge auf dich zukommen lassen.«

    »Dabei werde ich deine Hilfe brauchen.« Andrea drehte den Kopf zu ihr.

    Kerstins Herz pochte laut. Das hatte es schon oft getan an diesem Abend nach Andreas Ankunft, aber diesmal pochte es aus einem anderen Grund. Es war das erste Mal, dass Andrea sie um Hilfe bat. »Das kriegen wir schon hin«, erwiderte sie lächelnd, und das Wir klang wunderbar in ihren Ohren.

    Endlich gab es wieder ein Wir. Und es war auch nicht nur ein Wir für kurze Zeit, für einen wie im Fluge vergehenden Urlaub. Es war ein Wir für mindestens zwei Jahre. Auch das erschien kurz, aber Andreas Vertrag ließ sich bestimmt verlängern.

    Weiter wagte Kerstin in diesem Moment nicht zu denken. »Ich liebe dich«, sagte sie weich, weil ihr Herz nun bis zum Hals schlug und die Worte einfach herausmussten.

    Eine Weile war es still, und Kerstin dachte schon, sie wären zu jenen Zeiten zurückgekehrt, als Andrea diese drei Worte nicht aussprechen konnte.

    Aber dann hörte sie, wie Andrea sich räusperte. »Du bist mein Leben«, erwiderte sie leise. »Ich war so einsam ohne dich.« Sie beugte sich zu Kerstin und legte ihre Lippen an ihr Ohr. »Es hat mir gefehlt, wie du riechst. Dein Duft ist unbeschreiblich süß«, wisperte sie. »Ich liebe ihn. Ich liebe einfach alles an dir.« Ihre Lippen begannen an Kerstins Ohrläppchen zu knabbern.

    Kerstin lachte leicht, und trotz des verheißungsvollen Kribbelns, das Andreas Lippen in ihr auslösten, versuchte sie ihren Kopf zu drehen, um ihr Ohr aus deren Reichweite zu bringen. »Wir müssen nach Hause«, sagte sie. »Wir können hier nicht stehenbleiben. Es gibt noch mehr Raubtiere, die jetzt nach Beute suchen.«

    »Wie schade, dass ich nicht das Raubtier sein darf und du die Beute«, sagte Andrea. »Oder umgekehrt.« Sie zog sich auf ihren Sitz zurück.

    Mit einem Schmunzeln wandte Kerstin sich ihr zu. »Das Spiel können wir spielen, wenn wir wieder zu Hause sind.«

    »Zu Hause . . .« Andreas Mundwinkel zuckten. »Früher haben wir damit unsere gemeinsame Wohnung gemeint, und auf einmal ist es Afrika.«

    »Ja, die Dinge ändern sich.« Kerstin lächelte zärtlich. »Zum Guten, wie ich finde. Obwohl ich das immer noch nicht so recht glauben kann. Ich kann kaum glauben, dass du hier bist. Dass die letzten Stunden kein Traum waren.«

    »Sie waren ein Traum.« Andrea strich sanft über Kerstins Wange. »Schon dich wiederzusehen war ein Traum. Du bist mein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Der einzige.«

    Kerstin musste schlucken. Andreas romantische Ader war etwas völlig Neues für sie. Daran musste sie sich erst gewöhnen. »Du bist meine Traumfrau«, sagte sie mit belegter Stimme. »Warst du immer. Ich bin froh, dass du da bist.«

    »Ich auch.« Andrea lächelte. »Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als bei dir zu sein.«

    2

    »Na, ihr zwei?« Pat kam grinsend in den Frühstücksraum. »Hattet ihr eine nette Wiedersehensfeier gestern?«

    Die Augenbrauen hebend schenkte Kerstin ihr einen missbilligenden Blick. »Geht dich das irgendetwas an?«

    »Nein.« Pat zog sich einen Stuhl vom Tisch und setzte sich zu ihnen. »Außerdem hätte ich gar nicht zu fragen brauchen. Man sieht es euch an.« Sie grinste noch mehr und musterte Kerstin und Andrea abwechselnd.

    Andreas Gesicht wirkte ausdruckslos, aber Kerstin grinste zurück. »Neidisch, hm? Waren die neuen Touristinnen gestern Abend nicht entgegenkommend?«

    Pat zuckte die Schultern. »Kommt Zeit, kommt Rat. Es muss ja nicht gleich am ersten Abend sein.« Ihr Grinsen kehrte zurück, und zwinkernd fügte sie hinzu: »Nicht bei jedem jedenfalls.«

    Kerstin boxte sie auf den Arm. »Bei uns ist das ja wohl etwas anderes. Vergleich das nicht mit deinen . . . wechselnden Bekanntschaften.«

    Pat lachte und stand auf. »Dann will ich euch zwei Turteltauben auch gar nicht länger stören.« Sie beugte sich zu Kerstin herunter. »Aber denk dran: noch ist nicht Weihnachten. Ein paar Tage müssen wir noch arbeiten.« Verabschiedend strich sie Kerstin über den Arm und ging in die Küche, um die Kühlboxen mit Essen und Getränken für den Ausflug in die Wüste zu holen, den sie gleich mit einem Wagen voller Touristen machen würde.

    Andrea schaute ihr stumm nach, dann plötzlich sagte sie: »Ihr habt ein merkwürdiges Verhältnis.«

    »Wir haben überhaupt kein Verhältnis.« Kerstin rollte die Augen. »Ich dachte, das hättest du mittlerweile begriffen. Pat hat es dir deutlich genug gesagt, bevor wir gestern losgefahren sind.«

    »Aber ihr seid trotzdem irgendwie . . . verbunden«, stellte Andrea fest. »Das merkt man.«

    »Ja, sind wir.« Kerstin beugte sich zu ihr und suchte ihren Blick mit ihrem eigenen. »Wir sind Freundinnen. Platonische Freundinnen jetzt, aber wir haben einiges miteinander erlebt. Pat hat mir Afrika gezeigt. Sie hat mich überhaupt erst nach Afrika gebracht. Von allein wäre ich wohl kaum auf den Gedanken gekommen.« Sie hauchte einen Kuss auf Andreas Lippen. »Aber ich bin sehr froh, dass sie mich auf den Gedanken gebracht hat. Das hat so vieles in Gang gesetzt, und deshalb sind wir beide jetzt hier.

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