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Das grosse Ayur-Yoga-Praxisbuch. Yogaprogramme für Gesundheit, Vitalität und geistige Kraft
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Das grosse Ayur-Yoga-Praxisbuch. Yogaprogramme für Gesundheit, Vitalität und geistige Kraft
eBook658 Seiten2 Stunden

Das grosse Ayur-Yoga-Praxisbuch. Yogaprogramme für Gesundheit, Vitalität und geistige Kraft

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Über dieses E-Book

Grundprinzipien des traditionellen Yoga in zeitgemäßer Form
Dieses Buch basiert auf den Grundprinzipien der Yogatradition von T. Krishnamachayra, die der bekannte und erfahrene Yogaexperte Remo Rittiner auf zeitgemäße Weise zusammengefasst hat. Fundiert werden Geschichte und Entwicklung des Ayur-Yoga sowie die wichtigsten Erkenntnisse aus der westlichen Anatomielehre vermittelt. In seltener Ausführlichkeit bekommt der Lernende mit über 500 Farbfotos die wichtigsten Yogahaltungen und die abwechslungsreichen Übungen dieses kraftvollen und wirksamen Yoga-Programms präzise und übersichtlich präsentiert. Ein außergewöhnliches Yogabuch, das den wertvollen Nutzen des Ayur-Yoga für ein erfülltes und gesundes Lebens in seiner ganzen Bandbreite darstellt. Inspirierend für Yogalehrende, für Anfänger und Fortgeschrittene im Yoga.

SpracheDeutsch
HerausgeberVia Nova
Erscheinungsdatum6. Juni 2025
ISBN9783866165007
Das grosse Ayur-Yoga-Praxisbuch. Yogaprogramme für Gesundheit, Vitalität und geistige Kraft

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    Buchvorschau

    Das grosse Ayur-Yoga-Praxisbuch. Yogaprogramme für Gesundheit, Vitalität und geistige Kraft - Remo Rittiner

    Kapitel 1 · Ursprung und Geschichte des Ayur-Yoga

    Die Wurzeln des Yoga

    Yoga als Begriff existiert bereits seit etwa 3000 Jahren und yogische Prinzipien wurden schon lange vorher unter anderem in den Veden, den alten indischen Weisheitslehren, erwähnt. In den Upanishaden wird Yoga als Weg empfohlen, um Brahman zu erreichen. Einige der heutigen Namen für Asanas (Körperhaltungen) sind auf die verschiedenen Upanishaden zurückzuführen. Die Yoga-Philosophie nach Patanjali, die Yoga-Sutren, sind etwa zwischen 200 vor Christus und 200 nach Christus aufgezeichnet worden. Sie sind eine wichtige Quelle für die Philosophie des Ayur-Yoga. Hatha-Yoga, der körperbetonte Yoga, wie er heute auf der ganzen Welt praktiziert wird, ist hingegen erst ca. seit dem 14. Jahrhundert und mit der Entstehung einer wichtigen Yoga-Schrift, der Hatha-Yoga Pradipika, bekannt.

    Die Hatha-Yoga Pradipika ist ein Text über Yoga mit 643 Versen, der im 14. Jahrhundert von dem indischen Tantriker Svatmarama verfasst wurde. Später, ungefähr im 17. Jahrhundert, entstand die Gheranda Samhita, ein bekanntes Werk über Hatha- Yoga, das aus etwa 300 bis 450 Versen besteht. Die Yoga Yajnavalkya Samhita gilt ebenfalls als sehr alter Text und umfasst 462 Verse, in denen ein Dialog zwischen dem Weisen Yajnavalkya und seiner Frau Gargi beschrieben wird. Dieser Text wurde von A. Mohan vom Sanskrit in die englische Sprache übersetzt. Eine weitere Yoga-Schrift, die Yoga Rahasya, ist ein Text mit 267 Versen und wurde von Nathamuni, einem Yogi aus dem 9. Jahrhundert, verfasst. Ursprünglich glaubte man, der Text sei verschwunden, bis der indische Yoga-Meister T. Krishnamacharya (1888–1989) ihn wiederentdeckte und zur Verfügung stellte. Und schließlich möchte ich noch die Yoga Makaranda erwähnen. Sie wurde 1934 veröffentlicht und war Krishnamacharyas erstes Buch, in dem auch zum ersten Mal die Asana-Praxis in der Vinyasa-Krama-Form präsentiert wird. Es gibt darüber hinaus noch viele weitere indische Textquellen, die Yoga erwähnen, aber nur wenige davon sind in deutscher Übersetzung erhältlich. Im Literaturverzeichnis dieses Buches findest du eine Übersicht von Büchern und alten Yoga-Texten.

    T. Krishnamacharya hat maßgeblichen Anteil an der Verbreitung des Yoga in der ganzen Welt. Viele seiner bekannten Schüler, wie sein Sohn T. K. V. Desikachar, B. K. S. Iyengar oder K. Pattabhi Jois, die alle nicht mehr leben, haben Krishnamachar­yas Lehren in die Welt gebracht. Meine wichtigsten Yoga-Lehrer, A. Mohan, Gary Kraftsow und Sriram, bei denen ich Yoga studierte und praktizierte, sind alle in dieser Yoga-Tradition von Krishnamacharya verankert und geben diese in unterschiedlicher Weise weiter. Für mich war es ein große Hilfe und Inspiration, von solch kompetenten Lehrern zu lernen. Dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit und Freude.

    Wie ich zum Yoga kam und die Geschichte des Ayur-Yoga

    Meinen ersten richtigen Beruf, als Sozialpädagoge, erlernte ich relativ spät, als ich bereits 27 Jahre alt war, nachdem ich lange Zeit nichts gefunden hatte, was mich wirklich begeisterte. Während dieser Zeit entdeckte ich Yoga und kam in Kontakt mit dem bekannten indischen Yoga-Lehrer Selvarajan Yesudian, der in Zürich unterrichtete. Es wurde zu einer Begegnung, die mein Leben maßgeblich veränderte. Fasziniert von der Ruhe und Weisheit, die Yesudian ausstrahlte, spürte ich sofort, dass dies der innere Weg war, den ich gehen wollte. So besuchte ich regelmäßig seinen Yoga-Unterricht und fand dort, was ich suchte: Ruhe, Gelassenheit und Frieden. Die persönlichen Gespräche mit Yesudian haben mich innerlich so tief berührt, dass bereits damals eine innere Wandlung in mir stattfand, die ich kaum in Worte fassen kann. Yoga hat mich verzaubert und in den Bann gezogen – bis zum heutigen Tag. Es gibt keine Zufälle, und so kam es, dass ich in einer Weiterbildung für Sozialpädagogen gebeten wurde, eine Yoga-Stunde zu unterrichten. Diese Einladung und Chance nahm ich sofort an! Erstaunlicherweise fiel es mir ganz leicht, Yoga zu unterrichten, und mir schien es, als hätte ich dies schon lange zuvor gemacht. Nach der Yoga-Stunde kam eine Kollegin auf mich zu und meinte, ich sei zwar ein netter Sozialpädagoge, aber meine eigentliche Berufung liege im Lehren des Yoga. Sie sagte: „Du bist der geborene Yoga-Lehrer." Dem stimmte ich sofort zu, und in derselben Nacht träumte ich davon, nach Indien zu reisen und bei einem indischen Yoga-Meister Yoga zu lernen.

    So begann ich zu suchen, wer denn dieser Meister sein könnte, und fand in einer Buchhandlung die Antwort. Als ich das Buch Rückkehr zur Einheit in der Hand hielt, wusste ich, dass der Autor mein indischer Lehrer sein musste, von dem ich geträumt hatte. Und dieser Autor ist A. Mohan, ein bekannter indischer Yoga-Lehrer und langjähriger Schüler von T. Krishnamacharya. Wer wirklich sucht, wird finden – dies habe ich immer wieder im Leben erfahren dürfen. Es gab natürlich auch einige Hindernisse, bevor ich die Reise nach Indien antreten konnte. Die meisten Leute belächelten mich damals und meinten, ich sei ein naiver Träumer und solle besser Sozialpädagoge bleiben, weil ich vom Yoga als Beruf bestimmt nicht würde leben können. All die negativen Kommentare nahm ich gelassen an, denn ich spürte das Feuer in meinem Herzen und wusste, dass mich niemand stoppen konnte, nach Indien zu reisen. Selbst der Umstand, dass ich zu diesem Zeitpunkt kaum Englisch verstand und sprechen konnte, war für mich kein Hindernis. So stand ich dann 1996 vor Mohans Haustür in der südindischen Stadt Chennai und fragte ihn, ob ich bei ihm lernen könne. Er war ziemlich erstaunt und wollte wissen, wie ich denn bei ihm lernen wolle, wenn ich so wenig Englisch beherrsche. Ich versicherte ihm, dass ich nebenbei Englisch lernen und bestimmt nach zwei Monaten 85 Prozent verstehen würde. Daraufhin stimmte er zu, und nach der in Indien üblichen Testphase, um zu prüfen, ob er mich als Schüler akzeptieren würde, lernte ich bei ihm ganz traditionell in seinem Haus im Einzelunterricht.

    Was für ein Segen, dass ich so Yoga lernen konnte –eins zu eins, direkt von der Quelle. Natürlich gab es auch dort einige Schwierigkeiten, und gewisse kulturelle Unterschiede machten es nicht immer leicht, uns zu verständigen. Mein größtes Hindernis war mein großes Ego, das Mühe damit hatte, sich demütig als Schüler hinzugeben und die „indischen" Regeln einer traditionellen Lehrer-Schüler-Beziehung anzunehmen. In erster Linie lernte ich, aufmerksam zuzuhören, Wissen aufzusaugen und nicht viele Fragen zu stellen, was mir sehr schwerfiel. Obwohl ich dadurch viel lernen konnte, hatte ich in dieser Zeit auch mit meinen eigenen Schattenseiten zu tun, mit denen ich damals noch nicht umzugehen wusste. Ich erhielt darin wenig konkrete Anweisung und Unterstützung, was mich gänzlich auf mich selbst zurückwarf und auch zu mir selbst brachte. Mit 20 Jahren Abstand sehe ich diese Erfahrung heute differenzierter und erkenne auch, dass nicht nur mein Schatten ein Thema war, sondern auch in der Gegenrichtung Übertragungen abliefen, die ich mir damals als junger Schüler nicht erklären konnte. Anfang 1997, nach sechsmonatigem Intensivstudium bei A. Mohan, erhielt ich mein erstes Yoga-Diplom, das mich berechtigt, Ayur-Yoga und Yoga-Therapie zu unterrichten. Diese Zeit in Indien war also der Start in mein Berufsleben als Yoga-Lehrer. Welches Geschenk mir das Leben mit dieser wertvollen Zeit in Indien gegeben hat, erfasste ich damals aber noch nicht völlig.

    Da A. Mohan selbst 18 Jahre lang von T. Krishnamacharya gelernt hatte, konnte ich viel Wissen über die Yoga-Tradition von Krishnamacharya aus naher Quelle aufnehmen. Mohans Begeisterung für den Yoga wirkte sofort ansteckend auf mich und wächst bis heute in mir. Die Bezeichnung Ayur-Yoga ist 1996 mit Mohan und einigen Schülern entstanden, wobei Mohan selbst den Namen relativ schnell wechselte und sein Yoga heute Svastha-Yoga nennt. Ayur bedeutet „Leben und Yoga „Verbindung mit der höchsten Weisheit. Wie der Name sagt, geht es also um die tägliche Verbindung mit der Weisheit in uns selbst, die ich als Satguru, den inneren Meister, bezeichne, wobei die höchste Weisheit nicht wirklich in Worte zu fassen ist. Im Ayur-Yoga ist es wichtig, die Yoga-Praxis an den einzelnen Menschen anzupassen. Im Ayurveda, der indischen traditionellen Medizin, ist eine Typenlehre (die drei Typen bzw. Doshas sind Vata, Pitta, Kapha) entwickelt worden, und man hat über lange Zeit Erfahrungen darüber gesammelt, welche Ernährung und Lebensführung für den einzelnen Menschen sinnvoll oder schädlich sein kann. Dieses alte Wissen wird in den Ayur-Yoga integriert, und zwar sowohl in der Philosophie als auch in der Yoga-Praxis. Ganz wesentlich ist es im Ayur-Yoga, die essenziellen Prinzipien der Yoga-Tradition von T. Krishnamacharya mit den neuesten Erkenntnissen aus der Anatomie und Forschung über die Wirkung von Yoga zu verbinden.

    Nach meiner Yoga-Ausbildung in Indien eröffnete ich 1997 die erste Schule für Ayur-Yoga in der Schweiz. Die Schule lag in einem normalen Wohnhaus in einem Vorort von Zürich. Ein damaliger Yoga-Schüler bot mir alternativ einen tollen Raum im Zentrum von Zürich, in der Nähe des Paradeplatzes, an. So entstand das Ayur-Yoga-Center Zürich Ende der Neunzigerjahre, das ich bis 2014 leitete und das dann meine Schülerinnen Nadia Bischof und Tanja Spycher übernommen haben. Vom ersten Tag an, an dem ich Yoga unterrichtete, wusste ich, dass es meine Berufung ist, Yoga zu praktizieren und diesen an andere Menschen weiterzugeben. Bereits im Jahre 2000 begann ich, in der Schweiz auf Anfrage meiner Yoga-Schüler eine Ausbildung für Ayur-Yoga-Lehrer anzubieten. 2004 bot ich in der Schweiz die erste Ayur-Yoga-Therapieausbildung an. Inzwischen gibt es Ausbildungen für Ayur-Yoga-Lehrer in verschiedenen Ländern wie Deutschland, Österreich, Spanien und Thailand, und auch die Yoga-Therapieausbildung wird in mehreren Ländern angeboten. Mittlerweile gibt es in vielen Ländern entsprechend auch Ayur-Yoga-Lehrer und Yoga-Therapeuten, die bei mir gelernt haben und Ayur-Yoga in eigener, authentischer Form erfolgreich weitergeben. Es erfüllt mich mit größter Freude, zu sehen, wie viele meiner Schüler Ayur-Yoga erfolgreich unterrichten und selbst Ausbilder für Yoga-Lehrerende und Yoga-Therapeuten geworden sind.

    Ihr seid für mich großartig, und das erfüllende Gefühl, etwas zu geben und Menschen sinnvoll zu dienen, verdanke ich euch allen sowie meinen zahlreichen Yoga-Schülern und Yoga-Therapieklienten, von denen ich so viel lernen konnte über das Leben und über den Yoga. Dank euch ist mir klar geworden, wie wichtig es ist, immer ein Schüler des Lebens und des Yoga zu bleiben.

    Kapitel 2 · Philosophie des Ayur-Yoga

    Definition

    Unter Ayur-Yoga ist ein achtsamer, angepasster, atembetonter, anatomisch fundierter und abwechslungsreicher Yoga zu verstehen, der Tradition und aktuelles Wissen miteinander verbindet.

    Ayur-Yoga ist inspiriert von der klassischen Yoga-Philosophie nach Patanjali und der Yoga-Tradition von T. Krishnamacharya.

    Ayur-Yoga fördert die Loslösung von der Identifikation mit Leid und die Verbindung mit dem reinen Bewusstsein.

    Ayur-Yoga respektiert alle Religionen sowie die verschiedenen Yoga-Richtungen, welche die universellen ethischen Regeln von Respekt, Toleranz, Frieden, Mitgefühl und Offenheit praktizieren. Nach dem Verständnis des Ayur-Yoga soll Yoga in erster Linie Menschen miteinander verbinden, um Harmonie und Frieden zu fördern.

    Ziel und Mittel

    Entsprechend der oben genannten Definition zielt die Praxis des Ayur-Yoga vor allem darauf ab, Gesundheit, ganzheitliche Heilung und Transformation in achtsamer Weise zu fördern.

    Die vorrangigen Mittel im Ayur-Yoga sind dabei:

    •Yoga-Philosophie in das tägliche Leben integrieren

    •Gesunder Lebensstil

    •Asanas (Körperübungen)

    •Pranayama (Atemübungen)

    •Mantras

    •Entspannungsübungen

    •Reflexion und Meditation

    In der traditionellen Yoga-Philosophie nach Patanjali geht es im Wesentlichen darum, dass Yoga ein Weg ist, Leiden (Dukkha) zu erkennen und damit einen Umgang zu finden. Dies geschieht, indem es möglich wird, die Identifikation mit dem Leiden zu verringern oder es sogar umzuwandeln in Freiheit. Alles, was Enge verursacht, kann im Bewusstsein des weiten Raums und der Offenheit wertfrei beobachtet werden. Das Zur-Ruhe-Kommen des Geistes hilft dabei, wieder klar zu sehen und die richtigen Antworten in sich selbst zu finden. Im Yoga geht es darum, in Verbindung mit der höchsten inneren Weisheit zu sein und die Verstrickungen mit den Identifikationen unseres Geistes loszulassen.

    Auf der körperlichen Ebene ist es im Ayur-Yoga wichtig, Verspannungen, Blockaden, mangelnde Kraft oder Beweglichkeit durch die verschiedenen Mittel aufzulösen und durch eine angepasste, zielgerichtete Praxis den gesundheitlichen Zustand zu optimieren. Dabei geht es im Ayur-Yoga weniger um die Perfektion von Körperhaltungen – wie viele Menschen Yoga deuten –, sondern mehr um den ständigen Fortschritt und die Optimierung der körperlichen und geistigen Gesundheit und Entwicklung. Im Ayur-Yoga sind die positiven Wirkungen wichtiger als Vorstellungen von Perfektion. Dieser Prozess erfordert Achtsamkeit, Anpassung und schrittweise Hinführung durch eine möglichst effektive Yoga-Praxis. Im traditionellen Yoga nach T. Krishnamacharya wurde das Konzept des Vinyasa Krama entwickelt, bei dem es darum geht, eine Yoga-Übungsreihe effektiv und zielgerichtet aufzubauen. Dabei werden die Körperübungen mit der passenden Atmung dynamisch ausgeführt und miteinander verbunden. Diese dynamische Form des Yoga hat sich in der heutigen Zeit größtenteils durchgesetzt. Der Bewegungsmangel durch das viele Sitzen ist einer der Hauptgründe, weshalb so viele Menschen verspannt sind und regelmäßig Rückenschmerzen und Nackenverspannungen haben. Ayur-Yoga ist, wie gesagt, inspiriert von der klassischen Tradition nach T. Krishnamacharya und deren Anwendung von Vinyasa Krama. Indem ich aktuelles Anatomiewissen integriert und Ausrichtungsprinzipien der Spiraldynamik berücksichtigt habe, habe ich im Ayur-Yoga das Vinyasa-Krama-Konzept in den letzten 20 Jahren ständig verfeinert und weiterentwickelt.

    Ayur-Yoga ist eine undogmatische, zeitgemäße, innovative Yoga-Richtung, die sich stetig verändert. Ayur-Yoga erhebt keinen Anspruch darauf, die reine, echte Linie der Yoga-Tradition von T. Krishnamacharya zu sein, wie das manche Yoga-Lehrer von sich behaupten. Ayur-Yoga respektiert diese Tradition und die wesentlichen Inhalte des Yoga und vermittelt diese in einer offenen Form für Menschen mit ganz verschiedener Ausrichtung. Die Ziele des Ayur-Yoga sind universell und setzen keine bestimmte Glaubensrichtung voraus. Ganz im Gegenteil geht es im Ayur-Yoga darum, dass jeder Mensch die Yoga-Praxis für sich so anpasst, dass sie sich für ihn stimmig und sinnvoll anfühlt. Es geht also nicht darum, dass zum Beispiel alle Yoga-Übenden vedische Mantras rezitieren oder die Bhagavad Gita studieren müssten, was jedoch durchaus die eigene Entwicklung fördern kann. Vielmehr steht im Vordergrund, die Yoga-Praxis an den Menschen anzupassen, indem die ethischen Empfehlungen des klassischen Yoga nach Patanjali berücksichtigt werden. Selbst T. Krishna­macharya hat Yoga sehr unterschiedlich an seine zahlreichen Yoga-Schüler weitergegeben. Die Yoga-Stile meines ersten Lehrers Mohan und von den bereits verstorbenen Lehrern B. K. S. Iyengar und K. Patthabi Jois könnten zudem kaum unterschiedlicher sein.

    Ayur-Yoga unterrichtete ich selbst in den ersten zehn Jahren eher sanft und atembetont, wie ich es von meinen Lehrern Mohan und Sriram gelernt hatte. In den letzten Jahren bin ich dazu übergegangen, Ayur-Yoga dynamischer und kraftvoller zu unterrichten, weil ich einerseits selbst so praktiziere und andererseits im Unterricht bei vielen Menschen gesehen habe, dass es auch Dynamik und Kraft braucht, um optimal in der Balance zu sein. Das sanfte Üben ist vor allem im therapeutischen Yoga von großer Bedeutung. Schon Patanjali hat im Yoga-Sutra 2.46 formuliert, welche Qualitäten ein Asana haben sollte: Stihra sukham asanam, das heißt, eine Haltung sollte stabil (stihra) und angenehm (sukha) sein. Ebenso ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, die Komfortzone in der Yoga-Praxis zu überwinden, um wirklich auf allen Ebenen zu wachsen. Gerade in der heutigen anspruchsvollen Zeit ist es sehr hilfreich, körperlich und geistig fit zu sein, um die hohen Anforderungen meistern zu können.

    Ayur-Yoga hat drei Schwerpunkte:

    Yoga für körperliche Fitness

    Yoga-Therapie für Heilung

    Yoga-Praxis für spirituelle Entwicklung

    Da ich schon zwei Yoga-Therapiebücher und ein Buch über die spirituelle Entwicklung geschrieben habe, widme ich dieses Buch nun also der körperlichen Fitness, die sich ihrerseits positiv auf andere Lebensbereiche, wie etwa auf den Beruf und die geistige Entwicklung, auswirken kann. Dieses Buch bietet Anregungen und Anleitungen dafür, deinen Körper – den wichtigen Tempel, in dem du deine Lebenszeit verbringst – durch die Yoga-Praxis in seine optimale Form zu bringen. Dadurch kannst du gesund und kraftvoll leben. Dabei erinnere ich daran, dass Yoga ein ganzheitlicher Weg ist, bei dem es um die geistige Transformation geht. Die Körperübungen des Yoga wirken nur ganzheitlich, wenn du sie mit Achtsamkeit und einer respektvollen inneren Haltung ausführst.

    Ayur-Yoga ist offen für all die verschiedenen Yoga-Stile, die es heute gibt, und respektiert die Vielfalt in der Einheit. Die Ziele des Yoga sind Einheit und Freiheit. Die Yoga-Praxis kann dir helfen, anderen offen, tolerant und friedvoll zu begegnen, ohne in Besserwisserei, Dogmatismus, Konkurrenzdenken, Eifersucht und Missgunst zu geraten, die nichts als Leid schaffen. Und für andere Menschen, die Yoga üben, gilt dies natürlich auch. Denn Ayur-Yoga fördert den offenen, ehrlichen und respektvollen Austausch miteinander und die Fähigkeit, sich von Herz zu Herz zu begegnen, was uns tief miteinander verbindet.

    Vision

    Die Weisheit der Yoga-Tradition mit dem heutigen Wissen über Anatomie, Medizin und Hirnforschung zu verbinden und stetig weiterzuentwickeln und beide Richtungen in einen Austausch zu

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