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Seine schönsten Märchen: nexx classics – WELTLITERATUR NEU INSPIRIERT
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Seine schönsten Märchen: nexx classics – WELTLITERATUR NEU INSPIRIERT

Von Joachim Feser (Editor) und Wilhelm Hauff

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Über dieses E-Book

Klassische Erzählkunst voller Poesie, Fantasie und Tiefe

Wilhelm Hauffs Märchen gehören zu den schönsten literarischen Kostbarkeiten der deutschen Romantik. Diese Sammlung präsentiert acht seiner bekanntesten und beliebtesten Erzählungen – darunter Das kalte Herz, Kalif Storch, Der kleine Muck und Zwerg Nase.

In modernisierter Sprache und neuer Rechtschreibung laden diese zeitlosen Geschichten zum Wiederentdecken und Staunen ein – ideal zum Vorlesen, Schmökern und Träumen.

Ein Märchenbuch für Jung und Alt – spannend, tiefgründig und voller Wunder!

nexx classics – WELTLITERATUR NEU INSPIRIERT

SpracheDeutsch
Herausgebernexx verlag gmbh
Erscheinungsdatum5. Mai 2025
ISBN9783958707337
Seine schönsten Märchen: nexx classics – WELTLITERATUR NEU INSPIRIERT
Autor

Wilhelm Hauff

Wilhelm Hauff (29 November 1802 18 November 1827) was a German poet and novelist. Hauff was born in Stuttgart, the son of August Friedrich Hauff, a secretary in the Württemberg ministry of foreign affairs, and Hedwig Wilhelmine Elsaesser Hauff. He was the second of four children.Hauff lost his father when he was seven years old, and his early education was practically self-gained in the library of his maternal grandfather at Tübingen, where his mother had moved after the death of her husband. In 1818 he was sent to the Klosterschule at Blaubeuren, and in 1820 began to study at the University of Tübingen. In four years he completed his philosophical and theological studies at the Tübinger Stift.

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    Buchvorschau

    Seine schönsten Märchen - Joachim Feser

    Vorwort

    Wilhelm Hauffs Märchen gehören zu den großen literarischen Schätzen der deutschen Sprache. Obwohl er nur 24 Jahre alt wurde, schuf Hauff in kurzer Zeit eine Reihe meisterhafter Erzählungen, die bis heute Leser auf der ganzen Welt faszinieren. Seine Geschichten sind keine einfachen Volksmärchen, sondern kunstvoll komponierte Kunstmärchen – voller Fantasie, Magie, Witz und oft auch mit einem tiefen moralischen Kern.

    In dieser Sammlung finden sich acht seiner bekanntesten und beliebtesten Erzählungen: vom orientalisch anmutenden »Kalif Storch« bis zum nachdenklich stimmenden »Das kalte Herz«, vom humorvollen »Kleinen Muck« bis zum bittersüßen »Zwerg Nase«. Hauff versteht es, ferne Welten und urdeutsche Wälder gleichermaßen lebendig werden zu lassen – und Figuren zu schaffen, die Kindern wie Erwachsenen ans Herz wachsen.

    Die Texte wurden sanft modernisiert und an die heutige Rechtschreibung angepasst, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. So bleibt die sprachliche Schönheit erhalten, wird aber auch für ein junges Publikum besser zugänglich.

    Ob als Vorlesebuch, zur gemeinsamen Lektüre oder zum Wiederentdecken – diese Märchen bieten ein unvergessliches Leseerlebnis für die ganze Familie. Möge dieses Buch dazu beitragen, Hauffs Erzählkunst lebendig zu halten und neue Generationen zu verzaubern.

    Joachim Feser

    Verleger

    Das Wirtshaus im Spessart

    Vor vielen Jahren, als im Spessart die Wege noch schlecht und nicht so häufig wie jetzt befahren waren, zogen zwei junge Burschen durch diesen Wald. Der eine mochte achtzehn Jahre alt sein und war Zirkelschmied, der andere, ein Goldschmied, konnte nach seinem Aussehen kaum sechzehn Jahre haben und tat wohl jetzt eben seine erste Reise in die Welt. Der Abend war schon heraufgekommen, und die Schatten der riesengroßen Fichten und Buchen verfinsterten den schmalen Weg, auf dem die beiden wanderten. Der Zirkelschmied schritt wacker vorwärts und pfiff ein Lied, schwatzte auch zuweilen mit Munter, seinem Hund, und schien sich nicht viel darum zu kümmern, dass die Nacht nicht mehr fern, desto ferner aber die nächste Herberge war. Aber Felix, der Goldschmied, sah sich oft ängstlich um. Wenn der Wind durch die Bäume rauschte, war es ihm, als höre er Schritte hinter sich und wenn die Sträucher am Weg hin und her wankten, glaubte er Gesichter hinter den Büschen zu sehen.

    Der junge Goldschmied war nicht abergläubisch oder mutlos. In Würzburg, wo er gelernt hatte, galt er unter seinen Kameraden als unerschrockener Bursche, dem das Herz am rechten Fleck sitzt. Aber heute war ihm doch sonderbar zumute. Man hatte ihm vom Spessart so mancherlei erzählt: eine große Räuberbande solle dort ihr Wesen treiben, und viele Reisende waren dort in den letzten Wochen ausgeplündert worden, ja man sprach sogar von einigen gräulichen Mordgeschichten, die vor nicht allzu langer Zeit dort vorgefallen sein sollen. Da war ihm nun doch etwas bange um sein Leben, denn sie waren ja nur zu zweit und konnten gegen bewaffnete Räuber recht wenig ausrichten. Oft bereute er, dass er dem Zirkelschmied gefolgt war, noch eine Station weiter zu gehen, anstatt am Eingang des Waldes über Nacht zu bleiben.

    Und wenn ich heute Nacht totgeschlagen werde und um Leben und alles komme, was ich bei mir habe, dann ist's nur deine Schuld, Zirkelschmied; denn du hast mich in diesen schrecklichen Wald hineingeschwatzt.

    Sei kein Hasenfuß, erwiderte der andere, ein rechter Handwerksbursche sollte sich eigentlich gar nicht fürchten. Und was glaubst du denn? Denkst du, die Herren Räuber im Spessart werden uns die Ehre antun, uns zu überfallen und totzuschlagen? Warum sollten sie sich diese Mühe geben? Etwa wegen des Mantels, den ich im Ranzen habe, oder wegen des Zehrpfennigs von einem Taler? Da muss man schon im Vierspänner fahren und in Gold und Seide gekleidet sein, damit sie es der Mühe wert finden, einen totzuschlagen.

    Halt! Hörst du's nicht pfeifen im Wald? rief Felix ängstlich.

    Das war der Wind, der um die Bäume pfeift, geh nur rasch vorwärts, lange kann es nicht mehr dauern.

    Ja, du hast gut reden, fuhr der Goldschmied fort. Dich fragen sie, was du hast, durchsuchen dich und nehmen dir allenfalls den Mantel und den Gulden. Aber mich, mich schlagen sie gleich tot, nur, weil ich Gold und Geschmeide bei mir habe.

    Ach, warum sollten sie dich deswegen totschlagen? Kämen jetzt vier oder fünf dort aus dem Busch mit geladenen Büchsen, die sie auf uns anlegten, und fragten ganz höflich: Ihr Herren, was habt ihr denn bei euch? Wir wollen's euch tragen helfen. Da wärest du wohl kein Narr, machtest dein Ränzchen auf und legtest die gelbe Weste, den blauen Mantel, die zwei Hemden und alle Hals- und Armbänder, die Kämme, und was du sonst noch hast, höflich auf die Erde und bedanktest dich für das Leben, das sie dir schenkten.

    Was?, entgegnete Felix eifrig, Den Schmuck für meine Patin, die Frau Gräfin, soll ich hergeben? Eher lass ich mich in kleine Stücke zerschneiden. Hat sie nicht Mutterstelle an mir vertreten und mich seit meinem zehnten Jahr aufziehen lassen? Hat sie nicht die Lehre für mich bezahlt und Kleider und alles? Und jetzt, wo ich sie besuchen darf und etwas mitbringe von meiner eigenen Arbeit, die sie beim Meister bestellt hat, jetzt, wo ich ihr mit dem schönen Geschmeide zeigen kann, was ich gelernt habe, jetzt soll ich das alles hergeben und noch die gelbe Weste dazu, die ich auch von ihr habe? Nein, lieber sterben, als dass ich diesen Menschen das Geschmeide meiner Frau Patin gebe!

    Sei kein Narr! rief der Zirkelschmied. Wenn sie dich totschlagen, bekommt die Frau Gräfin den Schmuck trotzdem nicht. Darum ist es besser, du gibst ihn her und behältst dein Leben.

    Felix antwortete nicht. Es war Nacht geworden, und bei dem schwachen Schein des Neumonds konnte man kaum fünf Schritte weit sehen; er wurde immer ängstlicher und blieb dicht bei seinem Kameraden. Beinahe noch eine Stunde waren sie weitergegangen, da sahen sie in der Ferne ein Licht. Der junge Goldschmied meinte, man müsse vorsichtig sein, es könnte ein Räuberhaus sein, aber der Zirkelschmied belehrte ihn, dass die Räuber ihre Häuser oder Höhlen unter der Erde haben, und dies müsse das Wirtshaus sein, das ihnen ein Mann am Eingang des Waldes beschrieben hatte.

    Es war ein langes, aber niedriges Haus. Ein Karren stand davor, und nebenan im Stall hörte man Pferde wiehern. Der Zirkelschmied winkte seinen Gesellen an ein Fenster, dessen Läden geöffnet waren. Sie konnten, wenn sie sich auf die Zehspitzen stellten, die Stube einsehen. Am Ofen in einem Armstuhl schlief ein Mann, der seiner Kleidung nach ein Fuhrmann und wohl auch der Besitzer des Karrens vor der Tür sein mochte. An der anderen Seite des Ofens saßen eine Frau und ein Mädchen und spannen. Hinter dem Tisch an der Wand saß ein Mensch, der ein Glas Wein vor sich und den Kopf in die Hände gestützt hatte, so dass sie sein Gesicht nicht sehen konnten. Der Zirkelschmied wollte aus seiner Kleidung erkennen, dass es ein vornehmer Herr sein müsse.

    Während sie so noch in die Stube schauten, schlug im Haus ein Hund an. Munter, der Hund des Zirkelschmieds, antwortete, und eine Magd erschien in der Tür und schaute zu den Fremden hinaus.

    Sie versprach, ihnen ein Abendessen und Betten geben zu können, und so traten sie ein, legten die schweren Bündel, Stock und Hut in die Ecke und setzten sich zu dem Herrn am Tisch. Dieser richtete sich bei ihrem Gruß auf, und sie erblickten einen feinen jungen Mann, der ihnen freundlich auf ihren Gruß antwortete.

    Ihr seid spät unterwegs, sagte er, habt Ihr Euch nicht gefürchtet, in so dunkler Nacht durch den Spessart zu reisen? Ich für meinen Teil habe lieber mein Pferd in dieser Schenke untergestellt, als dass ich auch nur noch eine Stunde weitergeritten wäre.

    Daran habt Ihr allerdings recht getan, Herr! erwiderte der Zirkelschmied. Der Hufschlag eines schönen Pferdes ist Musik in den Ohren dieses Gesindels und lockt sie auf eine Stunde weit. Wenn aber ein paar arme Burschen wie wir durch den Wald schleichen, Leute, denen die Räuber eher selbst etwas schenken könnten, da heben sie keinen Fuß auf!

    Das ist wohl wahr, entgegnete der Fuhrmann, der, durch die Ankunft der Fremden geweckt, auch an den Tisch getreten war. Einem armen Mann können sie nicht viel anhaben; aber man hat Beispiele gehört, wo sie arme Leute nur aus Mordlust niederstießen oder sie zwangen, in ihre Bande einzutreten und als Räuber zu dienen.

    Nun, wenn es so aussieht, bemerkte der junge Goldschmied, wird uns auch dieses Haus wenig Schutz bieten. Wir sind nur zu viert, mit dem Hausknecht zu fünft. Wenn es ihnen einfällt, zu zehnt über uns herzufallen, was können wir da gegen sie ausrichten? Und außerdem, fügte er leise flüsternd hinzu, wer weiß, ob diese Wirtsleute ehrlich sind?

    Da hat es gute Wege, erwiderte der Fuhrmann. Ich kenne diese Wirtschaft seit mehr als zehn Jahren und habe nie etwas Unrechtes darin verspürt. Der Mann ist selten zu Hause, man sagt, er treibe Weinhandel; die Frau aber ist eine stille Frau, die niemandem Böses will. Nein, dieser tut Ihr unrecht, mein Herr!

    Und doch, ergriff der junge vornehme Herr das Wort, möchte ich nicht ganz verwerfen, was er gesagt hat. Erinnert Euch an die Gerüchte von jenen Leuten, die in diesem Wald spurlos verschwunden sind. Mehrere von ihnen hatten vorher gesagt, sie wollten in diesem Wirtshaus übernachten, und als man nach zwei, drei Wochen nichts von ihnen gehört hatte, ihren Weg nachforschte und auch hier im Wirtshaus nachfragte, da wollte sie hier niemand gesehen haben. Das ist doch durchaus verdächtig.

    Weiß Gott, rief der Zirkelschmied, da wäre es ja vernünftiger, wenn wir unser Nachtlager unter dem nächsten Baum aufschlagen würden, als hier in diesen vier Wänden, wo es kein Entrinnen gibt, wenn sie die Tür besetzt haben – denn die Fenster sind vergittert!

    Sie waren alle durch diese Unterhaltung nachdenklich geworden. Es schien doch gar nicht so unwahrscheinlich, dass diese Schenke im Wald – gezwungenermaßen oder freiwillig – mit den Räubern zusammenarbeitete. Die Nacht erschien ihnen daher gefährlich zu sein. Denn sie hatten alle schon von Wanderern gehört, die man im Schlaf überfallen und ermordet hatte. Und sollte es auch nicht an ihr Leben gehen, so hatten doch ein Teil der Gäste in der Waldschenke solch beschränkte Mittel, dass für sie ein Raub, wenn auch nur eines Teils ihrer Habe, dramatisch gewesen wäre. Sie schauten nachdenklich und düster in ihre Gläser. Der junge Herr wünschte, auf seinem Ross durch ein sicheres, offenes Tal zu traben, der Zirkelschmied wünschte sich zwölf seiner handfesten Kameraden, mit Knüppeln bewaffnet, als Leibgarde hier zu haben. Felix, der Goldschmied, sorgte sich mehr um den Schmuck seiner Wohltäterin als um sein Leben. Der Fuhrmann, der einige Mal den Rauch seiner Pfeife nachdenklich vor sich hin geblasen hatte, sagte schließlich leise: Ihr Herren, im Schlaf wenigstens sollen sie uns nicht überraschen. Ich für meinen Teil will die ganze Nacht wach bleiben.

    Das will ich auchich auch, riefen die drei übrigen. Schlafen könnte ich sowieso nicht, fügte der junge Herr hinzu.

    Noch bevor sie Weiteres besprechen konnten, legte die Wirtin die Spindel beiseite und trat zu den Gästen an den Tisch. So, ihr Herren, es ist Zeit, zu Bett zu gehen, sagte sie, es hat neun Uhr geschlagen, und morgen ist auch noch ein Tag.

    Ei, so geht zu Bett! rief der Student, setzt noch eine Flasche Wein für uns hierher, dann wollen wir euch nicht länger vom Schlafen abhalten.

    Mitnichten, entgegnete sie ärgerlich, solange noch Gäste in der Wirtsstube sitzen, dürfen Wirtin und Dienstboten nicht schlafen gehen. Kurz und gut, ihr Herren, macht, dass ihr auf eure Kammern kommt. Mir wird die Zeit lang, und länger als bis neun Uhr darf in meinem Haus nicht gezecht werden.

    Was fällt Euch ein, Frau Wirtin? sprach der Zirkelschmied erstaunt, Was schadet es Euch, wenn wir hier sitzen, während Ihr schon längst schlaft. Wir sind redliche Leute und werden Euch nichts wegtragen, noch ohne Bezahlung fortgehen. Aber so etwas lasse ich mir in keinem Wirtshaus bieten.

    Die Frau rollte zornig die Augen: Meint ihr, ich werde wegen jedem Lumpen von Handwerksburschen, wegen jedem Straßenläufer, der mir zwölf Kreuzer zu verdienen gibt, meine Hausordnung ändern? Ich sag' euch jetzt zum letzten Mal, geht auf eure Kammern!

    Der Zirkelschmied wollte noch einmal aufbegehren, aber der Student sah ihn bedeutungsvoll. Gut, sprach er, wenn es die Frau Wirtin denn so haben will, dann lasst uns auf unsere Kammern gehen. Aber Kerzen möchten wir gerne haben, um den Weg zu finden.

    Damit kann ich nicht dienen, entgegnete sie finster. Dies Stümpfchen hier muss euch genügen, mehr habe ich nicht im Haus. Wir anderen werden den Weg auch im Dunkeln finden.

    Schweigend nahm der junge Herr den Kerzenstumpf und stand auf. Die anderen folgten ihm, die Handwerksburschen nahmen ihre Bündel, um sie in der Kammer bei sich niederzulegen. Sie gingen dem Studenten nach, der ihnen die Treppe hinauf leuchtete.

    Als sie oben angekommen waren, bat sie der Student, leise aufzutreten, schloss seine Zimmertür auf und winke sie herein. Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr, sagte er, sie will uns an die Räuber verraten. Habt ihr bemerkt, wie ängstlich sie uns zu Bett zu bringen versuchte, wie sehr sie verhindern wollte, dass wir zusammen wach bleiben? Sie meint wahrscheinlich, wir werden uns jetzt hinlegen und dann werden sie leichtes Spiel mit uns haben.

    Meint Ihr nicht, wir könnten noch entkommen? fragte Felix. Im Wald kann man doch eher auf Rettung hoffen als hier in diesem Zimmer.

    Die Fenster sind auch hier vergittert, rief der Student, während er an den Eisenstäben des Gitters rüttelte. Uns bleibt nur ein Ausweg: durch die Haustür, aber ich glaube nicht, dass sie uns fortlassen werden.

    Es käme auf einen Versuch an, sagte der Fuhrmann. Ich will einmal probieren, ob ich bis in den Hof kommen kann. Ist dies möglich, kehre ich zurück und hole euch nach. Die übrigen stimmten diesem Vorschlag zu. Der Fuhrmann legte die Schuhe ab und schlich sich auf den Zehen zur Treppe. Ängstlich lauschten seine Genossen oben im Zimmer. Gerade war er die erste Hälfte der Treppe unbemerkt hinabgestiegen, als plötzlich eine ungeheure Dogge auf ihn zulief, sich aufrichtete und ihre Pfoten auf seine Schultern legte. Sie zeigte ihm dabei zwei Reihen langer, scharfer Zähne. Er wagte weder vor- noch rückwärts zu gehen, denn bei der geringsten Bewegung schnappte der entsetzliche Hund nach seiner Kehle. Zugleich fing er an zu heulen und zu bellen, und bald erschienen der Hausknecht und die Frau Wirtin mit Lichtern.

    Was macht Ihr hier? rief die Frau.

    Ich wollte noch etwas aus meinem Karren holen, antwortete der Fuhrmann, am ganzen Leib zitternd. Als die Tür aufgegangen war, hatte er mehrere braune, verdächtige Gesichter, Männer mit Büchsen in der Hand, im Zimmer bemerkt.

    Das hättet Ihr auch vorher machen können, sagte die Wirtin mürrisch. Fassan, hierher! Schließ die Hoftür auf Jakob, und leuchte dem Mann an seinen Karren! Der Hund zog seine gräuliche Schnauze und seine Pfoten von der Schulter des Fuhrmanns und legte sich wieder quer vor die Treppe. Der Hausknecht hatte das Hoftor aufgeschlossen und leuchtete dem Fuhrmann. An ein Entkommen war nicht zu denken. Aber als er überlegte, was er denn eigentlich aus dem Karren holen sollte, fiel ihm ein Pfund Wachslichter ein, die er in die nächste Stadt bringen sollte. Das Kerzenstümpfchen oben wird kaum noch eine Viertelstunde brennen, sagte er sich, und Licht brauchen wir unbedingt! Er nahm also zwei Wachskerzen aus dem Wagen, verbarg sie im Ärmel und holte dann zum Schein seinen Mantel aus dem Karren, womit er sich, wie er dem Hausknecht sagte, heute Nacht zudecken wolle.

    Glücklich kam er wieder im Zimmer an. Er erzählte von dem großen Hund, der als Wache an der Treppe liege, von den Männern, die er flüchtig gesehen hatte, und schloss damit, dass er seufzend sagte: Wir werden diese Nacht nicht überleben!

    Das glaube ich nicht, erwiderte der Student, für so töricht kann ich diese Leute nicht halten, dass sie wegen des geringen Vorteils, den sie von uns hätten, vier Menschen ans Leben gehen sollten. Ich für meinen Teil werde wohl am meisten verlieren: mein Pferd ist schon in ihren Händen, es kostete mich fünfzig Dukaten, meine Börse, meine Kleider – aber das alles gebe ich willig hin, denn mein Leben ist mir am Ende doch lieber.

    Ihr habt gut reden, erwiderte der Fuhrmann, diese Dinge könnt Ihr leicht ersetzen. Aber ich bin der Bote von Aschaffenburg und habe allerlei Güter auf meinem Karren, und im Stall zwei schöne Rosse, die mein einziger Reichtum sind.

    Ich kann unmöglich glauben, dass sie Euch ein Leid antun werden, bemerkte der Goldschmied, einen Boten zu berauben, würde viel Geschrei und Lärm im Land machen. Aber ich bin auch dafür, was der junge Herr sagt: lieber will ich alles hergeben und versprechen, nichts zu sagen, als mich gegen Leute, die Büchsen und Pistolen haben, wegen meiner geringen Habe wehren.

    Der Fuhrmann hatte während dieser Unterhaltung seine Wachskerzen hervorgezogen. Er zündete sie an und klebte sie auf den Tisch. So lasst uns in Gottes Namen erwarten, was über uns kommen wird ...

    Bei diesen Worten wurde der Fuhrmann durch ein Geräusch vor der Schenke unterbrochen. Man hörte einen Wagen heranfahren, mehrere Stimmen riefen nach Licht, es wurde heftig an das Hoftor gepocht, und dazwischen heulten mehrere Hunde. Die Kammer, die man dem Fuhrmann und den Handwerksburschen angewiesen hatte, ging zur Straße hinaus. Die vier Gäste sprangen auf, um zu sehen, was draußen vor sich ging. Soviel sie bei dem Schein einer Laterne sehen konnten, stand ein großer Reisewagen vor der Schenke. Gerade war ein großer Mann dabei, zwei verschleierte Frauen aus dem Wagen zu heben, ein Kutscher in Livree spannte die Pferde aus und ein Bediensteter schnallte den Koffer los. Diesen Leuten sei Gott gnädig, seufzte der Fuhrmann. Wenn sie mit heiler Haut wieder aus der Schenke kommen, ist mir für meinen Karren auch nicht mehr bange.

    Still! flüsterte der Student. Ich denke, dass man eigentlich nicht uns, sondern dieser Dame auflauert; wahrscheinlich waren diese Räuber von ihrer Reise unterrichtet. Wenn man sie nur warnen könnte! Aber halt! Es gibt im ganzen Wirtshaus kein anständiges Zimmer für die Damen als das neben dem meinigen. Dorthin wird man sie bringen. Bleibt ihr in dieser Kammer, ich will versuchen, die Bediensteten zu unterrichten.

    Der junge Mann schlich in sein Zimmer, löschte die Kerzen und ließ nur das Licht brennen, das ihm die Wirtin gegeben hatte. Dann lauschte er an der Tür.

    Bald kam die Wirtin mit den Damen die Treppe herauf und führte sie mit freundlichen, sanften Worten in das Zimmer nebenan. Sie redete ihren Gästen zu, sich bald niederzulegen, weil sie doch sicher von der Reise erschöpft wären. Dann ging sie wieder hinunter. Bald darauf hörte der Student schwere männliche Schritte die Treppe heraufkommen. Er öffnete vorsichtig die Tür und erblickte durch einen kleinen Spalt den großen Mann, der die Damen aus dem Wagen gehoben hatte. Er trug Jagdkleidung und hatte einen Hirschfänger an der Seite. Als der Student merkte, dass dieser alleine heraufgekommen war, öffnete er schnell die Tür und winkte dem Mann, zu ihm herein zu kommen. Verwundert trat dieser näher, und noch bevor er fragen konnte, was man von ihm wolle, flüsterte ihm der Student zu: Mein Herr! Sie sind in eine Räuberschenke geraten!

    Der Mann erschrak und der Student zog ihn vollends in sein Zimmer und erzählte ihm, wie verdächtig es in diesem Haus zugehe.

    Der Jäger war sehr besorgt, als er dies hörte. Er informierte den jungen Mann, dass die beiden Damen – eine Gräfin und ihre Kammerfrau – anfänglich die ganze Nacht durchfahren wollten, aber etwa eine halbe Stunde von dieser Schenke sei ihnen ein Reiter begegnet, der ihnen davon abgeraten habe, weiter zu reiten, da es im Wald gegenwärtig sehr unsicher sei. Wenn Ihnen am Rat eines ehrlichen Mannes etwas liegt, habe er hinzugefügt, sehen Sie davon ab. Nicht weit von hier steht eine Schenke und so schlecht und unbequem sie auch sein mag, übernachten Sie lieber dort, als dass Sie sich in dieser dunklen Nacht unnötig der Gefahr aussetzen. Der Mann habe sehr ehrlich ausgesehen, und die Gräfin habe aus Angst vor einem Räuberanfall befohlen, bei dieser Schenke anzuhalten.

    Der Jäger hielt es für seine Pflicht, die Damen sofort von der Gefahr, in der sie schwebten, zu unterrichten. Er ging in deren Zimmer, und bald darauf öffnete sich die Tapetentür, die vom Zimmer der Gräfin direkt in das des Studenten führte. Die Gräfin, eine Dame von etwa vierzig Jahren, trat, vor Schrecken bleich, vor den Studenten und ließ sich alles noch einmal von ihm erzählen. Dann beriet man sich, was in dieser misslichen Lage zu tun sei, und beschloss, so vorsichtig wie möglich die Bediensteten und die Kameraden herbeizuholen, um sich im Falle eines Angriffs wenigstens gemeinsam wehren zu können.

    Als dieses bald darauf geschehen war, wurde das Zimmer der Gräfin zum Hausflur hin verschlossen und mit Kommoden und Stühlen verrammelt. Sie setzte sich mit ihrer Kammerfrau aufs Bett, und die zwei Bediensteten hielten bei ihr Wache. Die Gefährten und der Jäger setzten sich im Zimmer des Studenten um den Tisch und beschlossen, die Gefahr abzuwarten. Es mochte jetzt etwa zehn Uhr sein, im Haus war alles ruhig und still, und noch

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