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Jerusalem: Die Rolle des hebräischen Volkes in der spirituellen Biografie der Menschheit
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eBook491 Seiten6 Stunden

Jerusalem: Die Rolle des hebräischen Volkes in der spirituellen Biografie der Menschheit

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Über dieses E-Book

Die historische Stadt Jerusalem war Schauplatz der bedeutendsten Impulse der Menschheit. Das Buch ›Jerusalem – Die Rolle des hebräischen Volkes in der spirituellen Biografie der Menschheit‹ handelt von der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins, den verschiedenen Stufen menschlicher Individuation, vom Tod der Erde und ihrer Auferstehung und der sich allmählich wandelnden Einweihung bedeutender Persönlichkeiten wie Isaak, Moses und David. Dadurch eröffnet sich ein völlig neuer Blick auf die Evolution der Menschheit, ihren gemeinsamen spirituellen Ursprung sowie ihre zukünftige Mission.
SpracheDeutsch
HerausgeberEreignis Verlag
Erscheinungsdatum10. März 2025
ISBN9783949064265
Jerusalem: Die Rolle des hebräischen Volkes in der spirituellen Biografie der Menschheit

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    Buchvorschau

    Jerusalem - Yeshayahu Ben-Aharon

    Vorwort

    Das hebräische Volk war eine zentrale Wurzel in der Entwicklung des Judentums, des Christentums und des Islam und des menschlichen Geistes im universellsten Sinne; daher ist ein neues Verständnis seiner Natur und Mission für unser Selbstverständnis von wesentlicher Bedeutung. In den letzten zweitausend Jahren waren diese drei Geschwister mehr im Krieg und in Konkurrenz miteinander involviert als im Versuch, ihren gemeinsamen Ursprung und Zweck zu verstehen, und wie in jedem Familien- oder Gemeinschaftskonflikt sind alle drei zu Verlierern geworden. Das Wichtigste, was in den Kriegen zwischen den drei Schwesterreligionen vergessen wurde, ist die Bedeutung der Mission des hebräischen Volkes in der Biografie der Menschheit. Die Juden verloren die zentrale Bedeutung ihrer Mission, als sie Jesus universell-kosmische Tat ablehnten, das Christentum verlor sie, als es im 5. Jahrhundert in das Römische Reich aufgenommen wurde, und der Islam erkannte nur den einen Vatergott an, aber nicht, dass Er sich in jedem einzelnen Menschen individualisiert. Heute können wir besser denn je verstehen, dass die Bibel nicht nur ein Buch ist, das die Chroniken des hebräischen Volkes und die Wurzeln des Judentums, des Christentums und des Islam beschreibt, sondern auch das erste biografische oder autobiografische Buch der Menschheit. Öffentlich erscheint in der Bibel zum ersten Mal die erhabene Vorstellung, dass jeder Mensch jenseits jeder Rasse, Nation, jedes Geschlechts und jeder sozialen Position nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde und in sich das höchste geistige und moralische Potenzial birgt, das er während seiner Entwicklung auf der Erde verwirklichen kann. Von Anfang bis Ende ist die Bibel das Buch der Menschheit, da sie zum ersten Mal den Weg und die Bestimmung der Menschheit von der Genesis bis zum Ende der Tage als Ganzes dokumentiert. Sie konzentriert sich darauf, die Geschichte des auserwählten Volkes zu beschreiben, das das Privileg hatte, diese Sendung zu empfangen und zu verwirklichen, die Speerspitze zu sein, die vor dem ganzen Lager wandelt, deren Ziel es ist, den Weg zu formen und Verkünder dieses Wissens für die ganze Menschheit zu sein, wie der Herr zu Abraham sagte: »Und alle Völker auf Erden werden durch deine Nachkommen gesegnet werden.« (Genesis 1, 18)

    Wie bereits erwähnt, konzipierte und trug das hebräische Volk drei Nachkommenreligionen: Judentum, Christentum und Islam. Unwillkürlich und willentlich nahm das Judentum auch an erbitterten Erbkämpfen mit seinen beiden Geschwistern teil, wodurch es die grundlegendsten Elemente seiner universell-menschlichen Natur verlor. In diesem Kampf haben nicht nur die beiden jüngeren Kinder, Bewerber um den Vorrang, sondern auch das älteste Kind, das Judentum selbst, die Essenz der Vision und des Verständnisses seiner tiefsten Mission verloren. (Ein Beispiel der neuen Forschung darüber, wie die Konkurrenz zwischen den Religionen diese verformt und karikiert, kann gefunden werden in Zwei Völker in deinem Leib: Gegenseitige Wahrnehmung von Juden und Christen in Spätantike und Mittelalter von Israel Jacob Yuval.) Dadurch sind die drei Religionen zu weitgehend einseitigen Spiegelbildern geworden und haben dabei nicht nur das von ihnen geschaffene Bild der anderen beiden, sondern auch ihr eigenes Selbst verzerrt. Es besteht kein Zweifel daran, dass seit der späten Zeit des Zweiten Tempels (100 v. Chr. bis 100 n. Chr.), vor und nach der Zerstörung des Tempels und dem Beginn des Christentums, im Judentum bereits Tendenzen des nationalen Fanatismus und des Rückzugs von der Menschheit aufgetreten waren, was zu einem zunehmenden Vergessen der ursprünglichen universellen Mission des hebräischen Volkes führte. Der Kampf ums Überleben und die Rivalität mit dem Christentum (das schnell zur Umkehrung des wahren Christentums wurde, als es die kaiserlich-römische Form annahm) trugen wesentlich zu diesem Rückzug bei. Aber da ein Strom, der von der Oberfläche verschwindet und weiter unterirdisch fließt, an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit durchbrechen und wieder aufsteigen kann, war dies auch das Schicksal des Wissens um die ursprüngliche geistige Natur von Mensch und Menschheit. Dieses Wissen floss weiter und entwickelte sich im Hintergrund der drei Religionen, die zunehmend institutionalisiert und antihuman wurden. In allen drei fanden sich Philosophen, Mystiker und Praktizierende der esoterischen Weisheit, die die unsichtbare Flamme der Existenz und Evolution einer nach dem Bilde Gottes geschaffenen Menschheit bewachten; sie konnten ihre Verbundenheit mit den höheren Welten, in denen der Ursprung, der Weg und die für alle Menschen gemeinsame Mission zu finden ist, noch pflegen. Im Mittelalter konnte dies nur hinter den Kulissen der äußeren Religionsgeschichte geschehen. Heute ist es jedoch an der Zeit, dass dieses Wissen in das Licht des Alltagsbewusstseins aller Menschen tritt und seinen wesentlichen Platz auf der Bühne der äußeren Geschichte einnimmt. Was in den alten Formen im Hintergrund der Geschichte des Mittelalters erhalten blieb, ist die wichtigste und zentralste spirituelle Essenz und Mission der Menschheit, die eine Quelle, aus der alle Völker, Religionen und Kulturen entstanden sind. Diese Quelle kann und muss heute in vollem und klarem Bewusstsein erkannt und von jeder Person, die dies wünscht, in allen Bereichen des Wissens und der Praxis umgesetzt werden. Dies ist der spirituelle Antrieb des wahren menschlichen Selbst, die universelle Kraft des Werdens, die ihren Weg finden muss, sich zu verwirklichen, damit die gleiche göttliche Kraft und das gleiche Selbst, das Mose zum ersten Mal als »Eheje Asher Eheje« seinen wahren Namen offenbart hat, das ICH werde werden, was ICH werden werde, oder »ICH BIN das ICH BIN«, beginnen kann, sich zu individualisieren und sich in jedem einzelnen Menschen zu offenbaren. Und es muss von einer ständig wachsenden Zahl von Menschen aller Religionen, Völker, Rassen und Geschlechter verstanden werden, wenn die Menschheit überhaupt ihre Entwicklung zu ihrem wahren Ziel fortsetzen will.

    Das in diesem Buch vorgestellte Wissen wurde durch geistige Forschung in Israel in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen. Wenn es in der Realität umgesetzt wird, entdecken wir, dass es in der Lage ist, die geistige, religiöse, kulturelle und soziale Verbindung mit dem Volk Israel, dem Land Israel und all seinen Bewohnern auf fruchtbare und heilende Weise zu vertiefen und zu stärken. Es kann das Bewusstsein und den Glauben eines jeden stärken, der den Eindruck hat, dass es nie einen Widerspruch zwischen wahrer, universeller Menschlichkeit und Jude-Sein gegeben hat; im Gegenteil: Je stärker unser Bewusstsein über die tatsächliche geistige Natur der Menschheit wird, desto stärker wird uns die Erkenntnis des Geistes und der Natur des ursprünglichen hebräischen Volkes inspirieren, denn die Juden waren es, die der ganzen Menschheit zuerst die Existenz dieser Menschheit verkündeten. Anstelle von Widersprüchen und Konflikten zwischen Mensch und Judentum (und Christentum und Islam, für ihre Religionen und kulturellen Erben) wird ein lebendiger Kreislauf der gegenseitigen Befruchtung zwischen Mensch-Sein und Jude-Sein entstehen, der keine Aufgaben ihrer jeweiligen Natur erfordert, sondern jeden von ihnen immer mehr vertieft, indem er das Verständnis ihrer gemeinsamen Natur vertieft. Je menschlicher ich werde, im universellsten Sinne, verankert in einem neuen spirituellen Wissen und einer neuen spirituellen Praxis, desto erfüllter, aktiver und kreativer kann ich an den Wurzeln meiner Existenz als Jude und Israeli sein; und je besser ich die Wurzeln des hebräischen Volkes und seine universell-menschliche Mission verstehe, desto besser werde ich das Wesen der Menschheit und seine Mission verstehen. Jüdische und israelische schöpferische Kräfte, die aus dieser gegenseitigen Befruchtung mit dem wahren Geist der Menschheit hervorgehen, sind in der Lage, dies am genauesten auszudrücken, da hier die größte geistige Offenbarung stattgefunden hat, die sich jemals in der geistigen Biografie der Menschheit ereignet hat. Die tatsächliche Existenz eines einzigen Gottes, eines jeden nach seinem Bild geschaffenen Menschen und einer einzigen Menschheit wurde zuerst vorhergesagt und der ganzen Menschheit durch das hebräische Volk in der hebräischen Sprache, in der diese Vorträge gesprochen wurden, versprochen. Und wer kann das besser erleben und verwirklichen als wir heute, wir, denen das Privileg gegeben wurde, im verheißenen Land geboren und aufgewachsen zu sein, die heilige hebräische Sprache als unsere Muttersprache zu sprechen und am Wunder der Rückkehr nach Zion und der Auferstehung des Volkes Israel im Land Israel teilzunehmen? Und was kann eine größere Inspiration für die Hoffnung und die Schöpfung sein, für jeden, der mit seinem ganzen Wesen der lebendigen Quelle des hebräischen Volkes, des Volkes Israel und des Landes Israel treu bleibt, als dies jetzt als freier und universeller Mensch neu zu erleben? Was für ein Wunder, heute im vollen Bewusstsein zu erleben, aus der Quelle selbst zu trinken und die einzigartige Mission des auserwählten Volkes als seine Mission heute und morgen zu verstehen, der Menschheit zu offenbaren, dass jeder Mensch auf Erden nach Gottes Ebenbild geschaffen ist. Wie im Talmud geschrieben steht: »Kostbar ist der Mensch, der nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde!«

    Einführung

    Die sechs in diesem Buch vorgestellten Vorträge basieren auf öffentlichen Vorträgen, die ich in Israel mit dem Titel »The Stories of the Bible as Tales and Adventures of Initiation« (»Die Geschichten der Bibel als Erzählungen und Abenteuer der Initiation«) gehalten habe. Die Weltsicht, die hinter diesen Vorträgen steht und ihren Standpunkt definiert, basiert auf der Erforschung des Themas der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins während der Evolution von Mensch und Erde. Gemeinsam ist diesen Forschungen die Erkenntnis, dass das menschliche Bewusstsein im Allgemeinen während der gesamten menschlichen Evolution eine »Individualisierung« – die Entwicklung des Selbstbewusstseins – erfahren hat, ähnlich einem Individuum, das erst allmählich durch Kindheit, Jugend und Erwachsensein selbstbewusst wird. Viele psychologische und anthropologische Studien zeigen, wie die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins die Menschheit allmählich zu einem klareren und fokussierteren Selbstbewusstsein geführt hat; daher ist es möglich, die »Biografie der Menschheit« auf die gleiche Weise zu diskutieren wie die Biografie eines Individuums. In seinem Buch Musical Moment (Musikalische Momente) beschreibt Yehoshua Kenaz anschaulich das Ereignis der Geburt des Selbstbewusstseins:

    Aus der Tiefe wusste ich es nicht – eine Stimme taucht auf, und die Stimme sagt: Ich bin, ich bin, ich bin, ich bin, ich bin, ich bin, und obwohl die Stimme aus meinem Inneren aufstieg, war es nicht meine Stimme… und die Stimme war ruhig, ernst, befreiend und sehr gefährlich… (und) drückte mir die Worte an die Lippen, die schweigend ausgesandt wurden, als ob nicht ich es wäre, der sie aussprach, sondern ein Fremder, der sich in mir niederließ und nicht aufhörte, mit Staunen zu lesen: Ich bin, ich bin, ich bin, ich bin, ich bin, ich bin.

    Ebenso kommt in der Biografie der Menschheit auch der Moment – nach vorausgegangenen längeren Vorbereitungen – in dem der Funke des Selbstbewusstseins in der Menschheit entfacht wird, zunächst nur in wenigen und später in immer mehr Menschen.

    Nach den Studien von Rudolf Steiner (1861–1925), dem Begründer der modernen Geisteswissenschaft, ist die Evolution des Selbst die zentrale Mission der menschlichen Evolution auf der Erde. Das Selbst begann seinen Weg als ein uraltes, kindliches und unklares spirituelles Bewusstsein und erreichte über Jahrtausende langsam ein immer klareres Selbstbewusstsein. Das hebräische Volk wurde von der göttlichen Führung der Menschheit ausgewählt, um diesen dramatischen evolutionären Prozess vorzubereiten, zu etablieren und den Weg dafür zu ebnen, in dem der Individualisierungsprozess der Menschheit weiter verwirklicht werden wird, bis er seine volle Kraft und Klarheit erlangt. Die Erfahrung des Selbstbewusstseins der Menschheit hat sich allmählich entwickelt, beginnend in prähistorischen Zeiten und bis zu einem gewissen Höhepunkt in der modernen Geschichte, ab dem fünfzehnten Jahrhundert. Die Aufgabe des hebräischen Volkes war es, als Pioniere bei der Entwicklung der Kräfte des Selbstbewusstseins zu dienen, lange bevor andere Völker und Kulturen damit begannen.

    Es ist wichtig zu verstehen, dass jede Phase der Entwicklung der Selbst-Kräfte in der Biografie der Menschheit viele Phasen der Vorbereitung erfordert. Ein Kind ist auch in den ersten Jahren seines Lebens kein autonomes, bewusstes und moralisches Wesen, und der Elternteil und Erzieher, der dies versteht, wird dafür sorgen, dass ihm ein geeignetes Vorbild gegeben wird, das es zuerst von außen aufnehmen kann. Diese Assimilation wird als Grundlage für die unabhängigen Urteilskräfte im Erwachsenenalter dienen. Das Gleiche gilt für die Entwicklung des menschlichen Selbst in der Biografie der Menschheit. Bevor sich das Selbstbewusstsein eines Menschen voll entfalten kann, muss es im Rahmen von Menschen gefördert und gepflegt werden, die zu diesem Zweck ausgewählt wurden, die von anderen Völkern getrennt sind und die eine einzigartige Schulung für diese Aufgabe durchlaufen haben. Diese Menschen wurden auserwählt, um das kindliche Selbst zu empfangen und zu gebären und dieses neu geborene Selbst der Menschheit als Ganzes zu geben. Deshalb hat das hebräische Volk den Weg zum Selbstbewusstsein zunächst auf Volksebene durch die neuen religiösen und moralischen Gebote und Rituale geebnet, die sich an jeden einzelnen Menschen richten, deren Erfüllung eine persönliche Entscheidung erfordert. Man kann auch sagen, dass der Kern des sich entwickelnden Selbst der Menschheit in seiner Kindheit den Weg des hebräischen Volkes durchläuft und die Kraft der Freiheit und der Liebe – die Kennzeichen der reifen Individualität – mitbringt, zunächst durch die moralische Kraft, die von den höheren Welten zum irdischen Menschen strömt. Das ist die Bedeutung der Übergabe der Thora, der Zehn Gebote und des Baus des Tempels. In den tausend und mehr Jahren, die etwa zwischen der Offenbarung auf dem Berg Sinai und dem letzten der Propheten und dem Fall des Zweiten Tempels vergingen, würde das hebräische Volk den Mittelpunkt der Entwicklung geistiger und moralischer Kräfte allmählich von den äußeren Geboten und Anbetungsriten ab und an das menschliche Individuum heranrücken, das jedoch erst in der Neuzeit gänzlich selbstbewusst wird. Als Jesus von Nazareth sagte: »Das Reich Gottes ist jetzt im menschlichen Selbst«, erfüllte er die Mission Moses und der Propheten und verwirklichte den Beginn dieser neuen Ära, die noch etwa 2000 Jahre zur Reife benötigen würde.

    Was zunächst nur innerhalb der Entwicklung des einen, abgesonderten, auserwählten Volkes, basierend auf gemeinsamen Blutbindungen, Religion und Anbetung, erreicht werden kann, geht allmählich in die bewussten und geistigen Hände eines jeden Menschen über, der seine Selbst-Kräfte selbst entwickeln will. Blutbindungen waren die Grundlage des hebräischen Volkes, denn die kindliche Kraft des »ICH BIN« musste in diesem mütterlichen Schoß geschützt werden, bis sie als freies Selbst geboren werden konnte. Aber heute ist das Blut durch die freie moralische Liebe und Verantwortung jedes Menschen ersetzt worden, und die Menschen, die danach streben, diese Freiheit zu erfüllen, kommen aus allen Rassen, Nationen und Geschlechtern. Diese Pionierrolle, die ein fortwährender Akt großen Opfers zum Wohle der Menschheit ist, wurde vom hebräischen Volk ausgeübt, während andere Völker und Kulturen noch Hunderte und Tausende Jahre in einem alten Bewusstseinszustand verbrachten, der untrennbar mit dem kosmischen und natürlichen Leben verbunden ist.

    Der zweite zentrale Zweig des Individualisierungsprozesses führte nach dieser Auffassung auch von Osten nach Westen, nach Griechenland und ins klassische Athen. Dieser Zweig gab einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung des Selbstbewusstseins durch neue Seelenkräfte, die sich durch Philosophie, Kunst und die Schaffung des Keimes einer neuen Gesellschaftsordnung ausdrücken, die auf der Anerkennung der Zentralität der freien menschlichen Persönlichkeit basiert. Die Kombination der beiden Hauptzweige der Individuation – Jerusalem und Athen – bildete die Grundlage für die Entwicklung des Selbstbewusstseins in der modernen westlichen Kultur. Ich möchte mich hier nur auf den Individualisierungsprozess des hebräischen Volkes konzentrieren, der nicht durch Philosophie und Kunst, sondern durch Religion stattfindet, die die tiefsten und innersten Kräfte von Herz, Willen und Moral eines jeden Menschen stimuliert.

    Von der Kindheit bis zur Reife in der Milchstraße

    Wenn wir also den Beitrag des auserwählten hebräischen Volkes zur Biografie der Menschheit beschreiben, müssen wir einen konsequenten Entwicklungsansatz wählen, der alle Phasen der menschlichen Entwicklung umfasst, so wie wir die Entwicklung der einzelnen Person verfolgen. Wir müssen verstehen, dass jede Entwicklungsstufe in der Biografie der Menschheit nur allmählich und über lange Zeiträume verläuft. So wie sich der Fötus zuerst im schützenden Schoß seiner Mutter entwickelt, bevor er in der Welt auftaucht, so diente auch das althebräische Volk als eine Art göttlicher Schoß, in dem die neue Kraft des Selbst wachsen und Kraft sammeln konnte, bevor und nachdem es geboren wurde. Jeder Säugling wird noch viele Jahre lang Aufsicht, Anleitung und externe moralische Autorität benötigen (deren Einfluss nur dann gesund und willkommen ist, wenn er von Erwachsenen ausgeübt wird, die selbst unabhängige moralische Kräfte verkörpern), um schließlich auf die richtige Weise die persönliche Reife zu erreichen. Je mehr das menschliche Selbst während der Entwicklung der Biografie der Menschheit reift, desto mehr befreit es sich – langsam – auch von den Blutkräften und verbindlichen sozialen und moralischen Rahmenbedingungen, die für seine Entwicklung in jungen Jahren wesentlich waren. Die wesentliche göttliche Kraft, Bindung und Pflege, die durch das Blut des auserwählten Volkes floss, diente als solcher mütterlicher Schoß, und die Thora, Gebote und Opfer waren in ihrer Kindheit und Jugend ein Erziehungsmittel von größter Bedeutung. Das wahre, göttlich-geistige Selbst, das im umhüllenden Körper verwirklicht und durch ein äußeres Beispiel erzogen wird, ist das wahre Herz und die Sendung, für die dieser Volksleib überhaupt geschaffen wurde. Natürlich ist es für eine Mutter und einen Vater nicht einfach, den sich entwickelnden Sohn oder die sich entwickelnde Tochter von ihrer umhüllenden Fremdüberwachung zu befreien – sowohl in der Biografie des Menschen als auch in der Biografie des Einzelnen. Aber biografische Gesetze und Prozesse sind unaufhaltsam und der Kampf gegen sie führt nur zu Leid für Eltern und Kinder gleichermaßen. Ebenso ist es in der Biografie der Menschheit unmöglich, den Lauf der Zeit und die Entwicklung des Selbst von der Kindheit bis zur Reife zu stoppen. Heute laufen wir ernsthaft Gefahr, nicht nur den ganzen Menschen, sondern auch die Menschheit als Ganzes und die Erde selbst vollkommen zu verlieren. Einerseits sind wir mit einer Religion konfrontiert, die sich an den veralteten Mantel von Tradition und uralten Blutbindungen klammert und gleichzeitig den göttlichen Funken vergisst, der von allen Juwelen der kostbarste ist. Andererseits leben wir inmitten eines materialistischen Intellektualismus, der den materiellen Körper als den ganzen Menschen betrachtet und sogar eine körperliche Unsterblichkeit anstrebt.

    Wie ich in den kommenden Vorträgen zeigen werde, ist es auf einer bestimmten Stufe der Individuation unerlässlich, dass das mächtige, konzentrierte Licht des einen Gottes die Lichter der vielen Götter überschattet und für das menschliche Bewusstsein die geistigen Kräfte und Wesen verdunkelt, die im Universum, in den Sternen, der Sonne und dem Mond, in den Naturreichen und in den Elementen wirken und schaffen. Diese Verdunkelung war in der gesamten Biografie der Menschheit notwendig, um das Licht des einen Selbst zu bündeln und zu stärken und es auf die Schaffung einer ausschließlichen Beziehung zu dem einen Gott zu konzentrieren. Das menschliche Selbst hätte nie die moderne, klare Erfahrung des Selbstbewusstseins, des mentalen Verständnisses und der Urteilskraft erreicht, wenn seine alte, urzeitliche Wahrnehmung des wahren Geistes, der in der Natur, in den Elementen und in den Sternen sprudelt und aktiv ist, abgeschwächt und für einige Zeit ausgesetzt worden wäre. Dieser Trennung von den Lebenswelten des Geistes und der Natur, einer Abnahme der urzeitlichen geistigen Horizonte, die so lebendig und reich waren, verdankt die moderne Menschheit die Entstehung ihres klaren Selbstbewusstseins, ihres klaren wissenschaftlichen Denkens und ihrer sozialen und kulturellen Errungenschaften in der Moderne. Aber heute, da das Licht des einsamen individuellen Selbst bereits stark aus einem immer freieren Zentrum des Selbst leuchtet, ist es kraftvoll genug, sich mit den höchsten schöpferischen geistigen Kräften in den Welten des Geistes und der Natur wieder zu vereinen, ohne etwas von sich selbst zu verlieren, von seiner Freiheit und seinem unabhängigen Denken und moralischen Urteil. Heute ist der Mensch in der Lage, den wahren ewigen Geist in sich selbst, in der Natur und im Kosmos durch echte geistige Wahrnehmung und Erkenntnis neu zu erleben. Wir können in jedem Jahrzehnt und Jahrhundert neue Beweise dafür finden. Er beginnt das Geheimnis der Individuation zu verstehen: von seiner Trennung von den göttlichen Welten über die Entwicklung eines starken klaren Selbstbewusstseins bis hin zur neuen Integration mit den geistigen Wesen des Kosmos, von denen er sich trennen musste, um seine irdische Unabhängigkeit zu erlangen.

    In der hier vorgestellten konsequenten Entwicklungsauffassung der Biografie der Menschheit ist es unabdingbar zu verstehen, dass Säkularismus, Atheismus und Materialismus eine wesentliche und positive Rolle spielen bei der Trennung der Menschheit vom alten Spiritualismus, von den Welten des Geistes und der Natur, die in ihrer Kindheit und Jugend ein untrennbarer Teil von ihr waren. Ohne die moderne, exklusive, materialistische Hingabe an die materielle Welt hätte die Menschheit nie ihr Selbstbewusstsein und ihre unabhängige Existenz auf der Erde und im Universum erreicht. Aber jetzt, da diese Trennung in der Neuzeit bereits weitgehend erreicht ist, steht die Menschheit vor der Wahl zwischen folgenden Wegen: Säkularismus, Atheismus und Materialismus zu vertiefen, bis die Natur der Menschheit in der Materie völlig verloren ist, und zu einer uralten Spiritualität jeglicher Art zurückzukehren, wo die äußeren Rituale und Kräfte des Blutes das sich entwickelnde Selbst unterdrücken, oder einen neuen Mittelweg zwischen diesen beiden breiten, mächtigen Strömungen zu finden. Dieser Mittelweg, den ich beschreibe, führt zur Entwicklung neuer, vollständig individualisierter Kräfte der geistigen Erkenntnis, des Bewusstseins und der Wahrnehmung, die die Menschheit neu, aber jetzt auf vollständig bewusste Weise mit den geistigen Welten verbinden, von denen sie sich getrennt hat, und die für das Zeitalter des Selbstbewusstseins, für die Freiheit und für kulturelle und soziale Werte der Moderne geeignet sind.

    Die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins und die Stufen der Individuation in der Geschichte des hebräischen Volkes

    Die Individuation beginnt auf natürliche Weise, wenn sich die Person zum ersten Mal in den Schoß der höheren Welten der Mutter und des Vaters einnistet, so wie sich ein Fötus in den Mutterleib einnistet; in dieser Situation ist das Kinderbewusstsein eingebettet in eine trübe Erfahrung der spirituellen und kosmischen Welt. Lange Zeit ist es eine traumhafte, kindliche, mythologische Erfahrung und ein Bewusstsein, ohne ein unabhängiges Zentrum des Denkens und ein selbstbewusstes Bewusstsein. Von dort aus schreitet es langsam durch Jahrtausende zu einem wachsenden Gefühl der freien irdischen Reife vorwärts. Und aus diesem irdischen Selbstbewusstsein heraus kann es zu einer kraftvollen Entwicklung und Verwirklichung neuer geistiger Kräfte der Erkenntnis und des Wissens übergehen. Das sind Kräfte, die den Weg zu den geistigen Welten wieder öffnen, die in Zukunft vollständig von den Kräften der Freiheit und der unabhängigen Moral des neuen Selbst durchdrungen sein können. Natürlich hängt diese Phase vom neu gewonnenen freien Willen der Menschheit ab. Verfolgen wir nun konkreter die Etappen der Individualisierung der Menschheit, wie sie sich in der Geschichte des hebräischen Volkes manifestieren.

    Um die methodische Grundlage für unsere vorliegende Studie zu verstehen, müssen wir auf die Tatsache hinweisen, die für die Forscher des alten Judentums immer deutlicher wird – nämlich, dass die Bibel, die wir besitzen, ein Spätwerk ist, nicht nur wegen der Zeit ihrer endgültigen Fertigstellung in kanonischer Form, sondern auch wegen der Art und Weise, wie sie geschrieben ist. Während sich die verschiedenen Bücher sowohl in ihrer Priorität als auch in ihrem Stil und ihrer Entstehungszeit voneinander unterscheiden, gehört die uns bekannte Version in der Regel zur Ära nach der Deuteronomischen Reform (7. Jahrhundert v. Chr.). Das Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. ist der Beginn des Kulturzeitalters, in dem nach den Forschungen von Rudolf Steiner die Kräfte der »Verstandes- oder Gemütsseele« zu entstehen beginnen und in der menschlichen Seele bis zum Beginn der Neuzeit im 15. Jahrhundert allmählich wachsen. Die hebräische Prophezeiung in ihrer Gesamtheit kann als eine Zwischenstufe zwischen einem früheren, vorintellektuellen, göttlich-geistigen Einfluss und den neu entstehenden Kräften des individuellen, irdischeren menschlichen Denkens und seiner Wahrnehmung von Selbst und Welt verstanden werden. Von den noch göttlich inspirierten Propheten bis hin zur individualisierteren, menschlichen Weisheit der Weisen von Mischna und Talmud bereitete sich die Verstandes- oder Gemütsseele darauf vor, durch die spätere Römerzeit und das Mittelalter zu reifen. In Jerusalem entspricht diesem ersten auftauchenden und Wendepunkt, der den Beginn der Ära der Geburt der Verstandes- oder Gemütsseele markiert, die Zeit der Prophezeiung Jesajas (ca. 740–700 v. Chr.), nach dem Tod von König Usija (733 v. Chr.) und während der Herrschaft von Hiskias (727–698 v. Chr.). Es war auch Jesaja, von seinem Platz an der wichtigen Wende in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr., der uns die Vision von Jerusalem am Ende der Tage gab und sagte:

    Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jehovas fest stehen auf dem Gipfel der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berge Jehovas, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort Jehovas von Jerusalem; und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden, und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. (Jesaja 2, 2–4; vergleiche mit Micha 4, 1–4)

    Wir können tatsächlich die Entstehung der Entwicklungsperiode der Verstandes- oder Gemütsseele sehen, wie sie unter der Herrschaft von König Josia, hundert Jahre später (630–609 v. Chr.), stattfindet. Während der Regierungszeit dieses Königs wurden die Hauptbücher der Bibel wahrscheinlich in der Form geschrieben, in der sie in die gesamte Bibel aufgenommen wurden, die uns heute bekannt ist. Um diesen Übergang zur Verstandes- oder Gemütsseelenzeit besser zu verstehen, müssen wir uns kurz die Periode vor ihm ansehen. Geisteswissenschaftlich verstanden wird in dieser Zeit die »Empfindungsseele« allmählich aus noch elementareren und alten, weniger bewussten Seelenkräften entwickelt. Die Empfindungsseele entwickelt sich von der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. bis zum Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. Wir müssen verstehen, das sich der Ausdruck »Empfindungsseele« auf eine alte, urtümliche Schicht der Seele bezieht, die der Evolution des Intellekts und des selbstbewussten Selbst grundlegend vorausgeht. In dieser Zeit erreichten die alten Kulturen Ägyptens, Assyriens und Babylons den Höhepunkt ihres Fortschritts. Aber wir dürfen nicht vermuten, dass dieser Fortschritt durch die Kräfte des Intellekts und des Selbstbewusstseins erreicht wurde, die uns als moderne Menschen vertraut sind, sondern durch ein spirituelles Bewusstsein, das dämmrig, verträumt und instinktiv war, ohne das Zentrum eines denkenden und selbstbewussten Selbst (in den ersten physikalisch-praktischen Anwendungen der Mathematik, Geometrie und Astronomie können wir die Keime der Verstandes- oder Gemütsseele identifizieren, die dazu bestimmt sind, sich viel später vollständig zu entwickeln). Die gesamte Periode endet in der Ebbe und Dekadenz jener Kräfte, die den Höhepunkt ihrer Entwicklung überschritten hatten und ihre Rolle in früheren Jahrhunderten erfüllten. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Dekadenz der großen östlichen Kulturen, Ägypten und Babylon, taucht das hebräische Volk als Träger der neuen Kräfte der Verstandes- oder Gemütsseele auf.

    Die gesamte hebräische biblische Geschichte, beginnend mit Abraham, ist ein Bild des Kampfes, um sich aus den dekadenten Kräften der einst erhabenen Spiritualität der östlichen Kulturen zu erheben. Wir können diesen Prozess jetzt nicht im Detail verfolgen. Es genügt zu sagen, dass wir ab dem Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. die Ergebnisse des Sonnenuntergangs der alten Kulturzeit sehen, in der die Kräfte der Empfindungsseele den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichten. Die wunderbaren alten geistigen Kräfte, die die Inder und Perser, die Ägypter und die Babylonier an die Spitze der heidnischen kosmischen und geistigen Wahrnehmung der Geheimnisse des Universums, der Natur und der Menschheit erhoben haben, sind vorbei; und die Kräfte der sinnlichen und magischen Dekadenz treten an ihre Stelle, verbunden mit den niedrigeren körperlichen Trieben und Instinkten der Menschheit. Diese Kräfte waren unter den Völkern des Nahen Ostens und Kanaans weit verbreitet und bedrohten ständig den Prozess der Reinigung der aufkommenden neuen Kräfte der hebräischen Verstandes- oder Gemütsseele. Die Notwendigkeit einer immer reineren und strengeren Disziplin in der religiösen Praxis und Überlieferung steht in einem ständigen Kampf mit der starken Anziehungskraft der alten Seelenkräfte, die die natürlichen und kosmischen Religionen und Praktiken fortsetzen wollen. Das vollkommen neue religiöse Leben, das das israelische Volk entwickeln sollte, konnte nur langsam im Kampf um seine vollständige Verwirklichung entstehen, die, wie wir aus der Bibel wissen, nur eine sehr kleine Minderheit innerhalb seines Volkes in jeder Generation erreichen konnte.

    Unter anderem wurden nach Könige 2 (Kapitel 21 und 23) 60 Jahre lang, von der Herrschaft Manasses (Menascha) bis zum zehnten Jahr der Herrschaft seines Enkels Josia (698–629 v. Chr.), die orgiastischen Rituale der Göttin Aschera im Tempel wieder eingeführt, praktiziert und verehrt, in dem die Priesterinnen einen rituellen, ekstatischen, sexuellen Verkehr mit den Anbetern im Tempel anboten. Tatsächlich war es die Reform Josias – unter der geistigen Führung des Propheten Jeremia –, die dem Judentum eine Grundlage für die spätere Form gab, die es mit der Entwicklung der Verstandes- oder Gemütsseelen-Ära allmählich annehmen würde. Dies war eine »moderne« Form, abstrakter und gehirngebundener, während sie die früheren mythologischen, heidnischen Wahrnehmungen und Praktiken, die auch in den alten hebräischen Traditionen selbst vorherrschten, hinter sich ließ, reinigte, sortierte und ausdünnte. Zum Beispiel besteht kein Zweifel daran, dass die Geheimnisse der Bundeslade und das einzigartige Design der geflügelten Cherubim, die eng miteinander verbunden sind, noch immer in solche alten Geheimnisse gehüllt waren, ähnlich denen, die in den Geheimnissen des alten Ägypten überlebt haben. Das Verstecken der Bundeslade durch Josia ist mit der Durchprüfung und Reinigung des Judentums hinsichtlich seiner Empfindungsseelenkräfte verbunden, die es in die neue intellektuelle Ära führen:

    Zu der Zeit, als die Heilige Lade versteckt war, gab es auch das Salböl, das Glas Manna, den Stab Aarons mit seinen Mandeln und Blüten und die Kiste, die die Philister als Geschenk nach Israel geschickt hatten… Und wer hat sie versteckt? Es war Josia, der König von Juda, der sie versteckt hatte. (Babylonischer Talmud)

    Und ebenso hören wir die klaren Worte Jeremias über die Richtung, in die die Evolution des hebräischen und des menschlichen Bewusstseins gehen muss:

    Und wenn ihr euch im Land vermehrt und fruchtbar geworden seid, in jenen Tagen, spricht der HERR, werden sie nicht mehr sagen: »Die Lade des Bundes des Herrn.« Es wird nicht in den Sinn kommen, nicht in Erinnerung bleiben oder verpasst werden; es wird nicht wieder gemacht werden. (Jeremia 3, 16)

    Um die Bedeutung des Beginns der Entwicklung der Verstandes- oder Gemütsseelenkräfte und mit der Zeit auch der Kräfte des Denkens, des Selbstbewusstseins und der Geburt der menschlichen Erfahrung eines isolierten Selbst, getrennt von den geistigen und lebenswichtigen Kräften der Natur und des Universums, zu verstehen, muss darauf geachtet werden, dass wir über eine historische Periode sprechen, in der die Pioniere der Entwicklung der Verstandes- oder Gemütsseele in allen Kulturen ungefähr zur gleichen Zeit (etwa im 6. Jahrhundert v. Chr.) auftreten. Diese Pioniere – Buddha, Zarathustra, Lao Tse, Konfuzius, Pythagoras, die Propheten Israels und die frühen griechischen Philosophen – gehen den Weg, der zunächst eine relativ kleine Gruppe von Menschen und später die ganze Menschheit führen sollte, um die alte kosmische spirituelle Weisheit zu transformieren und in menschliche Weisheit zu verwandeln, intellektuell und unabhängig von der göttlichen Weisheit. Die Grundlagen der modernen westlichen Kultur, die in Europa ab dem 15. Jahrhundert zu entstehen beginnt, wurden hier, in Israel und in Griechenland, erstmals gelegt. Daher spiegelt die Bibel die Kämpfe, Stürze und Rückzüge auf diesem bahnbrechenden Weg wider, aber auch die konsequente Weiterentwicklung eines menschlichen Geistes, der sich einer zunehmenden Individualisierung unterzieht.

    Das bedeutet nicht nur eine Distanzierung vom Geist der Natur und des Universums, sondern auch eine Verinnerlichung der Kraft des selbstbewussten Selbst – des gleichen uns heute so vertrauten Denkens, Fühlens und Wollens –, das die noch immer verträumten und nicht-individuellen Offenbarungen und Realitäten der geistigen Welten in eine innere menschliche Erfahrung verwandelt. Dies ist ein Bewusstseinsmodus, der uns heute von frühester Kindheit an auf natürliche Weise als eine Erfahrung vermittelt wird, die wir für selbstverständlich halten. Die Bibel entstand und wurde gesammelt und aufgeschrieben in einer Zeit, in der das hebräische Volk anfing, die kosmischen,

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