Gott existiert: Analytische Theologie und die Frage nach dem Ursprung der Wirklichkeit
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Über dieses E-Book
Göcke reflektiert zunächst einleitend über Wissenschaft und Wahrheit, den christlichen Wahrheitsanspruch sowie die Methodik der analytischen Theologie, bevor er – streng analytisch argumentierend – die metaphysische Frage nach der Existenz Gottes im Kern auf die Frage nach dem transzendenten Ursprung der Wirklichkeit zurückführt, die nur im Rahmen des metaphysischen Realismus eingefangen werden kann. Im Anschluss plausibilisiert er eine Variante desjenigen Gottesbeweises, der ursprünglich von Thomas von Aquin in »De Ente et Essentia« entwickelt wurde und sich auch heute noch als gelingender Gottesbeweis vertreten lässt: Wenn die Welt intelligibel ist, dann existiert Gott.
Benedikt Paul Göcke
Benedikt Paul Göcke ist Professor für Religionsphilosophie und Wissenschaftstheorie an der Ruhr-Universität Bochum. In der Philosophischen Bibliothek hat er von Karl Christian Friedrich Krause herausgegeben: »Das Urbild der Menschheit« (PhB 756, gemeinsam mit Johannes Seidel SJ) und »Das System der Rechtsphilosophie. Entwurf eines europäischen Staatenbundes« (PhB 763, gemeinsam mit Elena Maria Catania und Claus Dierckmeier).
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Gott existiert - Benedikt Paul Göcke
Benedikt Paul Göcke
Gott existiert
Analytische Theologie und die Frage nach dem Ursprung der Wirklichkeit
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Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie ; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über ‹https://portal.dnb.de› abrufbar.
eISBN (PDF) 978-3-7873-4908-1
eISBN (ePub) 978-3-7873-4909-8
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Inhalt
Einleitung
1. Wissenschaft und Wahrheit
2. Christlicher Glaube und der Anspruch auf Wahrheit
3. Analytische Theologie und die Frage nach dem Ursprung der Wirklichkeit
4. Gott als Ursprung der Wirklichkeit
A. Das Argument der ontologischen Unabhängigkeit Gottes
B. Das Argument des objektiven Wahrheitswertes der Aussage »Gott existiert«
5. Die prinzipielle Möglichkeit von Gottesbeweisen
A. Begrifflicher Skeptizismus
B. Argumentativer Skeptizismus
C. Alethischer Skeptizismus
6. Ein Gottesbeweis aus der Intelligibilität der Wirklichkeit
A. Die Intelligibilität der Wirklichkeit
B. Die Kontingenz der Wirklichkeit
C. Der Ursprung der Wirklichkeit
D. Gott existiert
E. Der Preis der Zurückweisung des Argumentes
Schluss: Schöpfung aus dem Nichts
Appendix
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Einleitung
Obwohl in großen Teilen gegenwärtiger Philosophie und Theologie die Möglichkeit schlüssiger Argumente für die Existenz Gottes zurückgewiesen wird (größtenteils mit Verweis auf Hume oder Kant) und der Glaube an die Existenz Gottes als willkürliche Entscheidung des je Einzelnen aufgefasst wird, soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, eben diese Existenz argumentativ zu begründen.
Damit dieser Versuch gelingen kann, sind in den folgenden Kapiteln einige vorbereitende Reflektionen nötig, die den Boden bereiten, aus dem das hier entwickelte Argument für die Existenz Gottes erwachsen wird: Das erste Kapitel – Wissenschaft und Wahrheit – wird in aller Kürze dafür argumentieren, dass das Ziel der Wissenschaft darin besteht, möglichst umfassende, kohärente, konsistente und mit dem Anspruch auf Wahrheit auftretende Theorien zu entwickeln, mit denen die in der Wirklichkeit bestehenden Sachverhalte in ihrem Sein und So-Sein erklärt werden können. Vor diesem Hintergrund wird das zweite Kapitel – Christlicher Glaube und der Anspruch auf Wahrheit – eine Minimalthese gehaltvollen christlichen Glaubens entwickeln, die besagt, dass christlicher Glaube nur dann eine gehaltvolle Weltanschauung ist, wenn zumindest einige seiner Elemente als metaphysische Aussagen über das Ganze der Wirklichkeit aufgefasst werden, die einen Anspruch auf objektive Wahrheit erheben und dementsprechend durch schlüssige Argumente gerechtfertigt werden müssen.
Das dritte Kapitel – Analytische Theologie und die Frage nach dem Ursprung der Wirklichkeit – wird in Anlehnung an die analytische Philosophie zunächst klären, was genau unter der Methodik der analytischen Theologie, die in diesem Bändchen federführend ist, verstanden wird, um mit ihrer Hilfe in einem ersten Schritt dafür zu argumentieren, dass die metaphysische Frage nach der Existenz Gottes im Kern die Frage nach dem transzendenten Ursprung der Wirklichkeit ist. Das vierte Kapitel – Gott als Ursprung der Wirklichkeit – wird diesen Begriff dann etwas genauer bestimmen und dafür plädieren, dass Gott, wenn er denn existiert, weder ein Postulat der praktischen Vernunft noch eine nützliche Fiktion oder gar ein Konstrukt unseres subjektiven Bewusstseins sein kann. Stattdessen ist der transzendente Ursprung der Wirklichkeit, wenn es einen solchen denn gibt, in seinem Sein und So-Sein vollständig unabhängig davon, wie wir über ihn denken.
Nachdem der Gottesbegriff auf diese Weise geklärt worden ist, wird das fünfte Kapitel – Die prinzipielle Möglichkeit von Gottesbeweisen – eine Lanze dafür brechen, dass der Versuch, die Existenz Gottes argumentativ zu begründen, nach wie vor ein lohnenswertes Unterfangen wissenschaftlicher Wirklichkeitserschließung ist und sich darüber hinaus keine prinzipiellen Gründe finden lassen, warum Gottesbeweise nicht möglich sein sollten. Vielmehr ist das Unternehmen der Gottesbeweise eine der dringlichsten Aufgaben der Theologie. Im Anschluss an die vorbereitenden Überlegungen der Kapitel eins bis fünfwird im sechsten Kapitel – Ein Gottesbeweis aus der Intelligibilität der Welt – eine Variante eines Gottesbeweises plausibilisiert, der ursprünglich im Werk De Ente et Essentia des Scholastikers Thomas von Aquin entwickelt worden ist und sich meiner Einschätzung nach auch heute noch als gelingender Gottesbeweis vertreten lässt.
1
Wissenschaft und Wahrheit
Die menschliche Erkenntnis der Wirklichkeit ist nicht unmittelbar gewiss, sondern durch metaphysische Annahmen bestimmt, die der Erfahrung der Wirklichkeit vorgelagert sind. Diese Annahmen konstituieren die Perspektive, durch die uns die Wirklichkeit verständlich wird. Sie können als Erfahrungsrahmen bezeichnet werden und bilden den Kern einer Weltanschauung. ¹ Eine Weltanschauung ist somit ein theoretisches Gebilde, das implizit oder explizit unsere Urteile über die durch die Sinne des Menschen vermittelte Wirklichkeit bestimmt. Ohne Weltanschauung gibt es keine Erfahrungsurteile, was bedeutet, dass der jeweilige Erfahrungsrahmen mitbestimmt, welche Erfahrungsurteile wir aufgrund der Wahrnehmung der empirischen Welt fällen können. ²
Ob sich eine Weltanschauung in der Vergangenheit bewährt hat, lässt sich daran erkennen, ob diese Weltanschauung auch heute noch vertreten wird. Wenn dies nicht der Fall ist, dann scheint es Faktoren zu geben, die dazu geführt haben, dass diese Weltanschauung aufgegeben worden ist und die Menschen ihre Perspektive auf die Wirklichkeit geändert haben. Ob sich eine Weltanschauung in der Gegenwart bewährt, lässt sich zum einen daran erkennen, ob es Menschen gibt, deren Interpretation der Wirklichkeit als Ganzer von dieser Weltanschauung sowohl im praktischen wie auch im theoretischen Bereich geleitet wird, und zum anderen daran, ob sie für Menschen so attraktiv ist, dass sie, analog zur religiösen Konversion, zu ihr übertreten. Wenn dies der Fall ist, dann scheint es auch hier Faktoren zu geben, die dafür verantwortlich sind, dass eine bestimmte Art der Erfahrung mit der Wirklichkeit sich als tragfähiger Orientierungsrahmen für das individuelle und gemeinschaftliche Leben erweist.³ Ob sich eine Weltanschauung auch in Zukunft bewähren wird, wird davon abhängen, inwieweit es ihr gelingen wird, auf Neues zu reagieren und dieses mit dem Kern ihrer metaphysischen Grundsätze so zu vermitteln, dass sie sich weiterhin für die Menschen bewährt.
Die Faktoren, die für die Bewährungsfähigkeit einer Weltanschauung relevant sind, so wird hier zumindest angenommen, sind jene Faktoren, die gemeinhin als die Merkmale eines wissenschaftlichen Zugangs zur Wirklichkeit klassifiziert werden. In anderen Worten: Die Bewährungsfähigkeit einer Weltanschauung ist bestimmt durch die Faktoren, die zu ihrer Wissenschaftlichkeit beitragen. Obwohl es wünschenswert wäre, die Frage danach, was denn die notwendigen und hinreichenden Bedingungen des
