Die jüdische Gemeinde Wüstensachsen: Memoiren von David und Alfred Gruenspecht in Auszügen
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Buchvorschau
Die jüdische Gemeinde Wüstensachsen - Margitta Köhler-Knacker
Vorwort
Wie kam es zu diesem Buch?
Ich bin im sogenannten Unterdorf von Wüstensachsen aufgewachsen, im Elternhaus haben mein Vater Josef Köhler und sein Bruder Karl auch ab und zu von der Zeit erzählt, als in der Nachbarschaft noch viele jüdische Familien lebten.
In der Chronik von Wüstensachsen ist erwähnt, dass sich 1660 die ersten drei Juden in Wüstensachsen ansiedelten.
Erst als mein Vater schon verstorben war, interessierte ich mich mehr und mehr für diese Zeit und war sehr aufgeregt, als ich 1997 im Archiv des jüdischen Museums in Frankfurt eine Akte „Wüstensachsen" fand.
Darin sind Aufzeichnungen und Artikel festgehalten, die der Historiker Paul Arnsberg im Auftrage des Landes Hessen nach 1945 zusammengetragen hat.
Arnsberg hatte damals alle Gemeinden angeschrieben und um Informationen über die jüdischen Gemeinden gebeten. Aus Wüstensachsen erhielt er damals nur die Antwort, dass keine Unterlagen vorhanden seien.
Aber es befand sich aber ein sehr wertvolles Dokument in diesem Archiv, eine kleine 15seitige Broschüre mit dem Titel:
„Die Memoiren von David Grünspecht".
Aufgeregt und aufgewühlt las ich diese Broschüre und hatte das Empfinden, etwas sehr Wertvolles entdeckt zu haben.
Die Memoiren von David und Alfred Grünspecht habe ich schon 1998 als Broschüre veröffentlicht. Diese Veröffentlichung wurde überarbeitet und ergänzt mit der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte, die danach erfolgt ist.
In Kurzform eingefügt ist ebenfalls ein Bericht über den Besuch und das beeindruckende und aufwühlende Zusammentreffen mit den drei ausgewanderten Familien in den USA.
Wüstensachsen vor 1938
Im Ort lebten vor 1938 zwischen 30 und 40 jüdische Familien, 126 Kinder, Frauen
und Männer. Viele wohnten an der heutigen Rhönstraße, die früher Hauptstraße genannt wurde, etwa ab Höhe der Kirche bis zur Kreuzung Umgehungsstraße. Sie hatten kleine Geschäfte mit Waren für den täglichen Bedarf: Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Hüte, aber auch ein Metzger und einige Viehhändler waren darunter. Diese jüdische Gemeinde war die größte im gesamten Umkreis, es gab eine eigene kleine Synagoge, eine jüdische Schule und auch das rituelle Frauenbad, die Mikwe. Die Familien lebten zum Teil schon seit vielen Generationen im Dorf, auch in den Kirchenbüchern der katholischen Gemeinde kann zum Teil die Geschichte zurückverfolgt werden, da auch die jüdischen Familien dort eingetragen wurden.
In den beiden folgenden Erinnerungen von Vater und Sohn Grünspecht, ist jeweils erwähnt, dass das Verhältnis der katholischen zur jüdischen Bevölkerung gut war, dass man sich akzeptierte, die gegenseitigen Bräuche respektierte.
Natürlich wird es auch Auseinandersetzungen und Streitereien gegeben haben, die wohl vor allem daraus resultierten, dass die meisten der Rhöner Bauern sehr arm waren und bei jüdischen Kaufleuten Kredite aufnahmen oder aufnehmen mussten und diese dann in manchen Fällen nicht zurückzahlen konnten.
Es ist auf die Geschichte der Juden zurückzufuhren, dass viele von ihnen Händler und Geldverleiher waren, denn sie wurden im Mittelalter aus den christlichen Zünften ausgeschlossen und konnten somit kein Handwerk ausüben.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, deren erklärter Hauptfeind die jüdische Bevölkerung war, änderte sich das bis dahin gute Verhältnis zwischen den Dorfbewohnern und den jüdischen Mitbewohnern von Jahr zu Jahr. Viele der Einheimischen erzählen heute, dass dies oft nicht freiwillig und aus Überzeugung geschah, auch sie wurden unter Druck gesetzt und bedroht. Die vielen kleinen und großen Diskriminierungen und Schikanen, denen die Juden von Jahr zu Jahr mehr ausgesetzt wurden, sind beispielhaft den Memoiren von David Grünspecht zu entnehmen.
Viele Juden waren stolz darauf Deutsche zu sein. Sie selbst oder ihre Väter und Brüder waren für Deutschland in den 1.Weltkrieg gezogen und viele sind gefallen; sie zahlten Steuern und Abgaben. Unter den Juden in Deutschland gab es viele international bekannte Persönlichkeiten: Wissenschaftler, Ärzte, Literaten.
Trotzdem wurden sie ab 1933 Schritt für Schritt aus dem Gemeinschaftswesen ausgeschlossen und schließlich zu Unerwünschten, ja zu Unmenschen gestempelt!
Es blieb nicht bei alltäglichen Benachteiligungen, wie allgemein bekannt ist. Der Holocaust folgte. Nachdem man mit der Begründung „Umsiedlung, die jüdischen Familien in Lager abtransportiert hatte, beschloss man dann 1942 auf der Wannseekonferenz die Menschen „auszurotten
, durch einen fabrikmäßig perfekt organisierten Massenmord an Kindern, Frauen, Männern.
Das Schicksal der Familien aus Wüstensachsen hat David Grünspecht in hohem Alter in New York recherchiert und seinen Erinnerungen angefügt. Beim Vergleich mit anderen historischen Quellen kann man feststellen, dass diese Recherchen stimmen. Etwa die Hälfte der jüdischen Familien in Wüstensachsen konnte rechtzeitig auswandern. Das war aber keine einfache Sache. Man musste Verwandte, Bekannte oder zumindest Menschen haben, die im Ausland Papiere besorgten und eine Bürgschaft übernahmen. Hatte man dies nicht, konnte man in viele Länder nicht einreisen.
David Grünspecht war Metzger und Viehhändler in Wüstensachsen und emigrierte 1938 mit seiner Frau und vier Söhnen nach New York ,ein Cousin bürgte für die Familie.
Im Exil schrieb er Begebenheiten aus seinem Leben auf und schilderte vor allem das Schicksal der jüdischen Bürger von Wüstensachen.
Das Recht über diese Aufzeichnung liegt beim Leo-Baeck-Institut in New York. Ich beantragte dort das Veröffentlichungsrecht und fragte auch nach, ob es noch Mitglieder der Familie Grünspecht gäbe. Sie schickten mir einen Ausschnitt aus dem Telefonbuch von N.Y, es gab vier Eintragungen mit diesem Namen. Schon der erste Anruf war erfolgreich. Die Ehefrau des jüngsten Sohnes Ilse war am Telefon. Sie selbst war in Bad Hersfeld aufgewachsen. Sie verwies mich an ihren Schwager Alfred Grünspecht, den ältesten der vier Söhne.
Ich bekam sehr schnell einen handgeschriebenen ausführlichen Brief auf Deutsch aus New York zurück. Von da an gab es einen regen Briefwechsel und später auch Mails bis zum Tod von Alfred Grünspecht im Jahre
