Wie war das eigentlich damals?: Manchmal fragen mich unsere Kinder zum 2. Weltkrieg
Von Brigitte Hannig und Benjamin Scholz
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Über dieses E-Book
"1939 begann der 2. Weltkrieg. Dieser schreckliche Krieg, der unser aller Leben auf grausame Weise in völlig andere Bahnen geworfen hat. Was mir blieb, sind diese Tagebuchaufzeichnungen."
Brigitte Hannig
Brigitte Hannig wurde um 1924 geboren und hat ihre letzte, finale Reise schon hinter sich gebracht. Aus ihrem bewegten Leben blieben ihre Memoiren an die Zeit des Krieges, respektive die Zeit der Flucht. Sie selbst schrieb: "Heute, im Jahr 1994, bin ich fast 70Jahre. Ich kann also auf ein recht langes Leben zurückblicken. Es war so ereignisreich, dass ich– wenn ich das Talent zum Schreiben hätte– ein dickes Buch füllen könnte.“
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Buchvorschau
Wie war das eigentlich damals? - Brigitte Hannig
DER BEFÜRCHTETE KRIEG GEGEN POLEN BEGANN AM 1. SEPTEMBER 1939
Es war ein ruhiger, friedlicher Tag. Die Angst vor einem Krieg hatte aber schon viele Menschen erfasst. Auch meine Eltern waren sehr besorgt und hatten große Angst. Mein Vater, der schon im ersten Weltkrieg vier Jahre in Frankreich war – täglich den Tod vor Augen und Kameraden sterben sah – wusste, was Krieg heißt. Die meisten jungen Männer und Familienväter wurden zur Musterung und danach zur Wehrmacht eingezogen. Hier in Klein Kreidel, unserem Heimatort im schönen Schlesien.
In den ersten Kriegstagen war es nicht ausgeschlossen, dass wir Kinder evakuiert wurden, da Schlesien an Polen grenzte. Hier waren die deutschen Truppen jedoch überall im Vormarsch, so dass diese große Befürchtung nicht eintraf. Es kam zu einem schnellen Sieg. Die Regierung Hitlers und viele Bürger waren in einem Freudentaumel.
Eines Tages erhielt unser Dorf Einquartierung. Eine Einheit deutscher Soldaten kam mit vielen Militärfahrzeugen vom Polenfeldzug zurück. Sie belegten den großen Hof eines Gutes in der Nachbarschaft. Das war natürlich für uns Kinder ein großes Ereignis. Die ganzen Tage verbrachten wir bei den Soldaten. Ein Erlebnis, welches ich nie vergesse werden war, wie ein Soldat, der sich ohne Erlaubnis Zigaretten kaufte, vom Feldwebel hart bestraft wurde. Man nannte dies „Strafexerzieren". Für uns Kinder war das grausam. Wir guckten über die Mauer und wurden schließlich weggejagt.
Es war Pflicht, dass die Zivilbevölkerung die Einheiten aufnahmen und verpflegten. Meine Eltern bekamen zwei Offiziere und drei Soldaten zugeteilt. Sie wurden von unserer Mutter bestens bekocht. Die Offiziere schliefen in unserer besten Oberstube (dem Gästezimmer) und die Soldaten in anderen Räumen. Ein Offizier vertraute meinem Vater an, dass sie auf dem Weg zur deutsch-französischen Grenze seien.
Monate später ging der Krieg erst richtig los. Gegen Frankreich. Gegen England. Gegen Holland, Belgien und Luxemburg. Nach nur kurzen Kämpfen wurden vorerst die kleineren Länder eingenommen. Wochen später ergaben sich auch die Franzosen und boten einen Waffenstillstand an. Deutsche Truppen zogen sodann in Paris ein. — Die Franzosen hätten ihren Marschall Pétain nach dem Krieg nicht verurteilen sollen! Ein Denkmal wäre passender gewesen, denn durch seine Kapitulation hat er in weiser Voraussicht das Land und das schöne Paris vor der sinnlosen Zerstörung bewahrt.
Eines Tages wurden aus den umliegenden Dörfern die Pferde der Zivilbevölkerung für das Militär eingezogen. Die Musterung aller der Pferde fand auf der Straße vor genau unserem Hof statt. Natürlich mussten auch wir unsere Pferde mustern lassen und schließlich Feingold, einen jungen Hengst, abgeben. Der amtierende Major bezeichnete ihn als „Reitpferd 1a". Er schüttelte Vater die Hand und mit Wehmut und vielen Tränen verabschiedete sich Vater von diesem schönen Tier.
Unser Kreis Wohlau war ganz bekannt in der Pferdezucht. „Hauptstammbuch Pferde" hieß es immer wieder. In Leubus, 5 km von uns entfernt, war ein großes Gestüt mit über 100 Zuchthengsten verschiedenster Rassen. Es waren ganz edle Pferde. Viele Hengste waren einige Monate auf Außenstationen. In Friedenszeiten fanden dort jeden September Hengstparaden statt. Jedes Jahr ein großes Ereignis; ein richtiges Volksfest mit dreistündigem Programm. Dressurreiten und die schönsten Kutschwagen wurden sechs, acht, zehnspännig gefahren; mit Pagen vorn und hinten. Römische Wagen usw. Natürlich alle mit wunderschöner Kleidung. Alles von einer großen Blaskapelle mit flotter Marschmusik begleitet. Mich faszinierten immer die voltigierenden Mädchen.
Zum diesem Gestüt gehörte auch eine Reitschule, wo den jungen Leuten, meistens Landwirts-Söhne, das Reiten gelehrt wurde. Die Kinder der vielen Gestütswärter wuchsen quasi schon im Sattel auf. Sie waren auch ganz aktiv bei den Paraden und zeigten ihre Leistungen.
Unser Vater hingegen züchtete Hannoveraner und hatte so manchen Preis bei der jährlichen Pferdeschau erhalten. Leider hat unsere Mutter die geretteten Urkunden, aus Lastenausgleichsgründen an die Heimatauskunftsstelle Hannover schicken müssen. Es waren nur Beweisstücke, gebracht hat es nichts.
Als wir eines Tages die Sterbeglocke hörten, erfuhren wir, dass der erste Soldat gefallen sei. Das war eine Schockmeldung, obwohl man ja wusste, dass Krieg ist. Irgendwie dachte niemand, dass es noch weitere Kriegstote im Dorf geben wird. — Am Ende waren es viele Kriegstote.
In jener Zeit wurde viel Radio gehört. Da nicht alle Leute ein Radio besaßen, ging man zum Nachbarn. Ständig gab es Sondermeldungen. Meistens waren es Siegesmeldungen, denn Verluste wurden verschwiegen.
ALLES WIRD RATIONALISIERT
Als schon während des Polenfeldzugs bekannt gegeben wurde, dass jetzt Lebensmittelmarken und Bezugscheine für Bekleidung und Schuhe eingeführt wurden, konnte man sich denken, dass der Krieg noch lange dauern sollte. Die Lebensmittelmarken waren gestaffelt in Normalverbraucher¹, in Schwerarbeiter und Schwerstarbeiter mit Kindern. Sie erhielten dann zusätzliche Rationen, wie z.B. Milch für die Kinder. Rationiert wurden nahezu alle Lebensmittel wie: Fett, Butter, Fleisch, Milch, Zucker, Hülsenfrüchte, Marmelade, Käse und sogenannte Nährmittel,
